Die moderne Leistungsgesellschaft verspricht Freiheit, Selbstverwirklichung und unbegrenzte Möglichkeiten. Doch immer mehr Menschen reagieren auf den wachsenden Druck nicht mit Begeisterung, sondern mit Erschöpfung, Rückzug und Verweigerung. Der Philosoph Byung-Chul Han beschreibt diese Entwicklung als „Müdigkeitsgesellschaft“. In China hat sie mit Tang Ping und bai lan sogar eigene kulturelle Ausdrucksformen hervorgebracht. Der Beitrag zeigt, warum Phänomene wie Teilzeitarbeit, Work-Life-Balance, gesellschaftlicher Rückzug, Wokeness und rechter Populismus trotz aller Unterschiede auf eine gemeinsame Erfahrung verweisen: das Gefühl permanenter Beschleunigung und den Wunsch, sich den Anforderungen einer immer komplexeren Welt zumindest zeitweise zu entziehen. Dabei stellt sich die Frage, warum aus dieser wachsenden Erschöpfung bislang vor allem der Populismus politische Kraft gewinnen konnte.