Liberale Demokratien geraten heute zunehmend in moralische und politische Spannungsverhältnisse, die sie selbst hervorgebracht haben. Über Jahrzehnte galt der Liberalismus im Westen als alternativlose politische Ordnung. Doch unter den Bedingungen wachsender sozialer Ungleichheit, kultureller Polarisierung und digitaler Fragmentierung geraten seine normativen Grundlagen zunehmend unter Druck. Ausgangspunkt dieses Beitrags ist die Beobachtung, dass sich die Kluft zwischen Ökologie und Ökonomie immer weiter vergrößert hat. Während ökologische Moral zunehmend an ökonomische Möglichkeiten gebunden wird, entsteht bei vielen Menschen der Eindruck, dass liberale Gesellschaften universelle Werte vertreten, deren praktische Umsetzung sozial ungleich verteilt ist. Daraus entwickeln sich tiefere Konflikte über Freiheit, Demokratie, kulturelle Identität und politische Legitimität. Der Beitrag analysiert, warum liberale Demokratien heute vor der schwierigen Frage stehen, wie sie sich gegen illiberale Entwicklungen verteidigen können, ohne dabei ihre eigenen Prinzipien von Offenheit, Pluralität und Freiheit zu beschädigen.