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Loveletters from Cindystan Nr. 4 Cindy fährt Zug Das schönste am Zug fahren in Indien sind die Türen. Die lassen sich während der Fahrt öffnen zum Zigaretten rauchen. Auf der Strecke von New Dehli nach Goa macht Cindy ausführlich davon Gebrauch, denkt an Adam , erinnert sich an die Wagah-Border, den Grenzübergang von Pakistan nach Indien und wendet sich an seine HörerInnen mit einem persönlichen Grußwort.
Donnerstagnacht am Grab von Baba Shah Jamal. Zu Lebzeiten predigte der Sufi gegen die Religionspolitik Akbar des Großen, der im 16. Jahrhundert seine eigene synkretistische Version von Hinduismus und Islam propagierte. Hat nicht so gut geklappt. In Pakistan haben die Mullahs das Sagen. Nur an den Gräbern der Sufi-Heiligen drehen sich alle im Kreis, unterwegs zum göttlichen Geliebten und ziemlich breit vom Charas-Rauchen.
Cindy trifft, diesmal nüchtern seinen alten Freund Fazal und seine Frau Sanina. Ein Gespräch über mögliche und unmögliche Liebe.
Das war ein großer Spaß!
Cindy tanzt- Weekend in Karachi. Cindy wird auf eine Strand-Party eingeladen und raucht Charas für zwei, was nicht zu überhören ist, auch nicht bei Fahim und seiner Freundin, die Cindy gerade kennengelernt hat. Die beiden erzählen ‘ne Menge über Identität und das Gefühl, im eigenen Land zu sein.
Aji sunte ho ! Lieber Adam, der Aga Khan ist ziemlich cool.
Cindy ist gelandet. Die Sonne geht auf über Karachi und das Flughafengebäude sieht aus wie Lego und auf dem Weg zur Pension hat Cindy Chai.
Ay-Jee Sunte-ho! Hör mal, Adam!
Helft Cindy hier!!! (Paypal)
Cindy strahlt diesmal vor Reisefreude. Und Onkel Andi hört zu. Auf dem Weihnachtsmarkt vor der Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche sind die Toten nah und der Glühwein lauwarm.
Cindy vermisst ihren neuen Freund Adam. Der kommt aus Kanada , aber seine Eltern kommen aus Pakistan, vor ein paar Wochen ist er nach Montreal abgereist. Cindy beschließt, ihm hinterherzufahren, allerdings in die falsche Richtung: Statt nach Westen fliegt sie im Januar nach Osten Richtung Hindustan. Nebenbei will sie Freunde in Karachi besuchen und Urdu lernen und in Goa auf einer Hochzeit tanzen.
Adam will sie jede Woche einen Brief ins Mikro sprechen. „Love-Letters aus Cindistan.“ Für die Portokosten und den Rest braucht Cindy Geld. Damit Cindy fleißig sendet und alle mithören, kann jetzt gespendet werden. Ganz einfach mit „PayPal“. Ob sie am Ende der Reise Adam trifft, hängt auch davon ab, wieviel zusammenkommt.
Dass zu Onkel Andi der Weihnachtsmann kommt und zu Cindy das Christkind, ist hingegen fest eingeplant.
Am Ende gibt es ein Gedicht über einen der fortgeht. (Text ist von Cindy)
Das war ein großer Spaß!
Cindy trifft Onkel Andi vor der Büste des Retters der Mütter, der mit seinem Tipp zum Händewaschen zunächst verlacht, dann weltberühmt wurde: Der Arzt Semmelweiß bewacht, neben einem Stahlsegel und einer Vulva aus Marmor, ein großes Gebäude im Südwesten Berlins, das Cindy für einige Zeit werktäglich besuchen muss. Vor dem Eingang sitzt eine nette Person, die sich selbst eingewiesen hat, weil sie glaubt, seit Monaten nicht mehr zu schlafen, allerdings auf eine andere Station. Cindys ist im Keller des Gebäudes, in der Hölle der Binarität, die auch eine Höhle ist. Ein außergewöhnliches Küchenradio und hoffentlich nicht das letzte, es geht um die Liebe, die Zeit und den Tod – und Cindys Beerdigungsphantasien, denn sein Leben soll, wen wundert es, in einem rauschenden Fest enden. Onkel Andi wurde zwischenzeitlich traurig und beim nächsten Mal, das versprechen wir, schalten wir die Telefone aus. Wenn es ein nächstes Mal gibt.
Es ist das erste Mal, dass Onkel Andi die Ausgangssperre verletzt, und ihm ist gehörig unwohl dabei. Cindy dagegen ist unwohl bei der Vorstellung, dass einem beim Genießen seiner Rechte unwohl sein kann: Damit ist er mit den Feierwütigen auf der Kreuzberger Admiralbrücke einer Meinung, dem Heiligen Jerusalem der Berliner Partyszene. Nicht zum ersten Mal wird hier auf die Probe gestellt, wie tolerant und weltoffen die Hauptstadt auch in ihren süßen Winkeln ist: Unten wird gesungen, oben rufen die Nachbarn um zehn die Polizei. Als die kommt, wird es interessant. Cindy pocht auf seine Privilegien und Onkel Andi ist deshalb noch unwohler, Cindy nicht: Ein Küchenradio wie früher, als das Format noch Regeln verletzte und kein Mainstream war. Heute hat ja eigentlich jeder und jede ihren Podcast, und wir tun so, als ob das nicht so wäre. Unterdessen tobt im Nahen Osten ein Krieg
Was tun, wenn alles gesagt ist? Warten. Warten auf die Impfung, warten aufs Testergebnis, warten, dass alles vorbei ist, warten, dass es warm wird. Warten, bis alles wieder ist wie vor der Krise, warten, bis nichts mehr wird wie jemals zuvor. Warten, bis sich unsere Meinungen ändern. Und bis dahin? Wir setzen uns der Kritik derer aus, die sagen, wir seien nicht vorsichtig genug gewesen und machten aus einem Elefanten eine Mücke. Wir frühstücken in einem hohen Zimmer im gigantischen Flügeltürpalast, den Cindy seine Wohnung nennt, und reden. Über Freundschaft und ihre Brüchigkeit in Zeiten einer Pandemie, die nicht enden will. Cindy erzählt von einem Arzt, der in einer Berliner Intensivstation arbeitet. Onkel Andi von Menschen, die langsam verrückt werden in ihrer digitalen Einsamkeit. Cindy verlangt von seinen Freunden eine kleine Ordnungswidrigkeit, als Beweis ihrer Loyalität, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ein postdiskursives Küchenradio über Moral und Werte, die Zeit, die Liebe und den Tod. Und über Zitronenmarmelade.
Es ist wie das Erwachen aus einem bösen Traum: Der Berliner Flughafen ist fertig, es gibt einen Impfstoff, Trump ist abgewählt und Cindy ist zum verabredeten Zeitpunkt zu Hause, öffnet Onkel Andi ohne Debatte die Tür, hat gefrühstückt und ist nüchtern. Während draußen Irrendemos für oder gegen das Impfen oder das Nichtimpfen, oder für oder gegen beides, durch die Stadt toben und die Rote Insel – denn dort „lebt“ Cindy – wie immer von unerträglichem Lärm erschüttert wird, versuchen die beiden, über etwas zu reden, was viel zu selten Thema ist: Absolut nichts. Ein Küchenradio wie früher, mit mehreren Teeaufgüssen, einem Exkurs in die Kolonialzeit, einem Blick in die Tiefen des Universums und einer Musikeinlage. Das war ein großer Spaß! Und das nächste Mal, vielleicht schon im Dezember, retten Cindy und Onkel Andi die Welt, oder was davon übrig ist.
Cindy und Onkel Andi treffen sich an einem geheimen Ort in Berlin, nur dass der Blick auf die Stadt und weit ins Land hinein, bis an seine Grenzen geht, sei verraten, hoch über den Dächern klärt sich der Geist und die Zungen lösen sich, obwohl Cindy, wie er bekräftigt, nüchtern ist, es ist noch purer Vormittag: Das hätte es früher nicht gegeben, wie so vieles sich verändert hat, in einer Welt voller Gefahren und ohne Gewissheiten, voller Ängstlicher und Leichtsinniger, in der kaum einer weiß, was das gesunde Maß ist und gleichzeitig viel zu viele, wo es langzugehen hat: Bei Tee und Hörnchen sprechen Cindy und Onkel Andi über Recht und Freiheit, Vernunft, den Rausch und die Pflicht in Zeiten der Pandemie. Ein Küchenradio, hoffnungsvoll und optimistisch und niemals ernst. Das war ein großer Spaß!
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