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"Daher das rege, geistige Leben, das Ideen- und Wortgefecht im Salon, dem diese Frau ihre Seele einhauchte [...]", so begeistert schrieben die Brüder Goncourt über Claudine Alexandrine Guérin, Marquise de Tencin (1682-1749), die intelligente Herrscherin der "Hauptstätte des Geistes" in den Jahren vor 1750. Hier konnte man Montesquieu, Fontenelle und Marivaux begegnen, aber auch der jungen Jeanne-Antoinette Poisson (der späteren Madame de Pompadour). Diese Laufbahn hätte sie sich selbst wohl kaum erträumt, als sie 1698 in Montfleury bei Grenoble das Ordensgelübte ablegte. Wie konnte sie 20 Jahre später in die höchsten Kreise Frankreichs aufsteigen? Und welche Rolle spielte sie bei der Entwicklung der europäischen Salonkultur? Diesen Fragen gehen wir in dieser Episode nach.
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"Dem verfluchten Geisterseher kann ich bis diese Stunde kein Interesse abgewinnen; welcher Dämon hat mir ihn eingegeben!" beklagt sich Friedrich Schiller (1759-1805) Anfang März 1788 gegenüber seinem Freund Christian Gottfried Körner (1756-1831). Dabei waren Rezensenten und Publikum ganz begeistert von diesem (einzigen) Romanversuch des Dichters, den er im Sommer 1786 in Dresden zu schreiben begann. Offenbar hatte Schiller das große öffentliche Interesse an okkulten Praktiken in den gehobenen Kreisen genau getroffen, obwohl er persönlich überhaupt nichts davon hielt. Wer oder was inspirierte ihn dazu? Und welche Auswirkungen hatte dieses Projekt auf ihn selbst, einem bei seiner Ankunft in Leipzig im April 1785 krisengeschüttelten, "blonden, blauäugigen schüchternen jungen Mann, dem die Thränen in den Augen standen und der kaum wagte uns anzureden" (Erinnerung von Minna Körner). Darüber sprechen wir in dieser Episode!
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"Was Dich zu mir getrieben, es war wohl mehr Leidenschaft als Freundschaft", beklagte sich Heloisa (1095-1163) bei ihrem einstigen Geliebten und Ehemann, Petrus Abaelard (1079-1142). Beide, inzwischen als Äbtissin und Abt für verschiedene Klöster zuständig, reflektierten in acht später berühmt gewordenen Briefen sehr intensiv über ihre rund 15 Jahre zurückliegende, intensive Liebesbeziehung. Diese endete dramatisch: Abaelard, der berühmteste Gelehrte seiner Zeit, wurde wie ein gemeiner Verbrecher verstümmelt. Wir beleuchten in dieser Episode nicht nur die Phasen und Hintergründe dieser ungewöhnlichen Beziehung, sondern auch die unkonventionellen Motivationen beider, die sich aus den schriftlichen Aufzeichnungen herauskristallisieren. Nach Abschluss ihres Lebens wurden beide in einer gemeinsamen Grabstätte wiedervereint: "Einst durch die Studien, die Begabung, die Liebe, und - nach unheilvoller Heirat - die Reue, jetzt durch ewige Glückseligkeit - so hoffen wir - verbunden".
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"[...] aber ich war wenigstens beruhigt, daß es kein Vegetarier mit langen Locken war, davon gibt es hier böse Exemplare.", stellte Franziska Gräfin zu Reventlow (1871-1918) Anfang 1911 fest. Kurz zuvor in Ascona angekommen, hatte sie bewusst darauf verzichtet, sich den Reformern auf dem Monte Verità anzuschließen - obwohl sie gegenüber der freigeistigen, anarchistischen Aufbruchstimmung der Jahre um 1900 durchaus aufgeschlossen war. Was hielt sie vom Mitmachen ab? Hatten sie die anstrengenden Jahre in der Schwabinger Bohème desillusioniert? Hierüber sprechen wir in dieser Episode unter Hinzunahme der interessanten Beobachtungen von Erich Mühsam (1878-1934), der selbst einige Zeit in der Gemeinschaft auf dem Monte Verità verbrachte.
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Heute reisen wir ins London der 1670er Jahre. Die Stadt hat schwere Jahre hinter sich: 1665 raffte die Pest ein Viertel der Bevölkerung hin, 1666 folgte der große Stadtbrand und 1667 der Angriff der Niederländer. Dennoch oder vielleicht gerade deswegen steht diese Zeit ganz im Zeichen eines unbändigen individuellen Freiheitsdrangs, vom "Merry King" Karl II. (1660-1685) durchaus gern gesehen. In der aufblühenden Theaterszene treffen zwei Ausnahmetalente aufeinander: Aphra Behn (1640-1689) und John Wilmot, 2. Earl von Rochester (1647-1680). Wir betrachten das Schaffen dieser beiden Provokateure, die in ihren unzeitgemäßen Werken die althergebrachte Ordnung aufs Korn nahmen.
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"Ich bin so müde von nichts als Millionen und Actionen zu hören" klagte Liselotte von der Pfalz Ende November 1719 in einem ihrer Briefe. Keine fünf Jahre nach dem Tod des "Sonnenkönigs" Ludwig XIV. (1638-1715) geschieht etwas Ungeheuerliches in seinem Reich: ein ungeahnter, vom Finanzgenie John Law (1671-1729) und Liselottes Sohn Philippe d'Orléans (1674-1723) initiierter Börsenhype nimmt seinen Lauf. Alle, die es sich irgendwie leisten können, wollen dabei sein, als die Aktienkurse immer weiter steigen... Was Liselotte von diesem Spektakel hielt, welche Beobachtungen sie machen konnte und wie die Sache ausging, darüber sprechen wir in dieser Episode.
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"Ich kann mir auch gar nicht erklären, woher das Mädchen die Kühnheit herbezogen hat", wunderte sich Margarete von Navarra (1492-1549) in einem Brief an ihren Bruder, König Franz I., über die strikte Weigerung ihrer eigenen 12jährigen Tochter Johanna (1528-1572), eine für sie arrangierte, rein politisch motivierte Ehe einzugehen. Aber war sie wirklich so entrüstet über diesen Skandal im Sommer 1540, oder stimmte sie Johanna insgeheim sogar zu? Schließlich reifte in den kommenden Jahren der verwegene Plan in ihr, Boccaccios "Decamerone" eine auf eigenen Erfahrungen fußende Novellensammlung gegenüberzustellen, in der es vor allem um eines ging: den Traum vom ungezwungenen Umgang von Mann und Frau, losgelöst von den starren Maßregeln und mit einer Prise derbem Humor gewürzt. Begleitet mit uns Margarete auf ihrem Weg von der angepassten Schwester des Königs zur selbstbewussten Autorin des "Heptameron".
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"Es giebt ein Wesen auf der Welt, woran mein Geist Jahrtausende verweilen kann", jubiliert Friedrich Hölderlin (1770-1843) im Juli 1796 an einen Freund. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits in Susette Gontard (1769-1802) verliebt, deren Sohn Henry er seit einem halben Jahr als Hofmeister unterrichtete. Beide erlebten kurz darauf den schönsten Sommer ihres Lebens, und Hölderlin ließ die frischen Sinneseindrücke in sein Hauptwerk "Hyperion" einfließen. In dieser Episode sprechen wir über das Schicksal dieses letztendlich unglücklichen Liebespaars und das Zusammenspiel von persönlicher Freiheit, Poesie und Philosophie in den wilden Jahren der frühen Romantik.
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"Die alte Schwätzerin Madame Campan erzählt in ihren bald honigsüßen, bald tränennassen Memoiren (...)" polterte Stefan Zweig, um dann aber doch gern auf die dort auffindbaren Informationen zurückzugreifen. Und Goethe las sie ebenfalls mit großem Interesse: die im Todesjahr von Henriette Campan (1752-1822) veröffentlichten Erinnerungen an ihre Zeit als Kammerfrau Marie-Antoinettes (1755-1793). Sie enthalten eine Fülle von Details sowohl zum täglichen Hofleben als auch zu den großen, zunehmend brutalen Umwälzungen ab 1789. Neben dem Weg einer jungen, bürgerlichen Frau in eine so verantwortungsvolle Stellung interessierte uns vor allem die Entstehung ihrer Memoiren. War das überhaupt möglich: nach mehr als 30 Jahren so detaillierte Erinnerungen zu Papier zu bringen? Oder half ein Ghostwriter nach, der einen sehr guten Überblick über die Quellenlage zur Revolution hatte? Deine Meinung interessiert uns!
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"Wie ein Wunderthier haben sie mich aufgesucht, angestaunt, bewundert." schrieb ein sichtlich stolzer Wilhelm Hauff (1802-1827) im Jahr 1826. Heute aber werden "Hauffs Märchen" fast immer an zweiter Stelle genannt nach der großen Sammlung der Brüder Grimm. Und was gehört überhaupt dazu? Ach ja ... "Das Kalte Herz". Und: "Der kleine Muck". Und der "Zwerg Nase". Aber "Das Wirtshaus im Spessart" doch auch, oder? Uns interessierte, wie diese bunte Mischung zustande kam. Wie konnte Hauff in seiner kurzen Lebenszeit so viel schreiben, und warum verblasste im 20. Jahrhundert die Erinnerung an ihn? Um diesen Fragen nachzugehen, verglichen Ulrike und ich die beiden Buchausgaben unserer Kindheit (BRD / DDR) und stießen dabei auf interessante Unterschiede ...
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