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Von Archie Fire Lame Deer, Medizinmann der Sioux, stammt der Satz: „Ihr müsst lernen, unbequem zu leben auf dieser Erde, sonst zerstört ihr sie und euch.“ Unzählige Menschen sind seit Beginn der Corona Pandemie gezwungen, unbequemer zu leben, sei es durch allgemeine Einschränkungen oder aufgrund finanzieller Folgen der Krise. Sind wir gerade dabei, zu lernen, unbequemer zu leben? Wie kann/soll dieses weniger an Komfort aussehen? Welche Art von Bequemlichkeit und welches Konsumniveau ist gemeint mit dem Apell?
In einer Ansprache stellte Papst Franziskus kürzlich fest: „Wir haben geglaubt, in einer kranken Welt gesund bleiben zu können!“ Nach Wochen der Ausgangsbeschränkungen und des Wirtschaftsstillstands soll allmählich wieder Normalität einkehren. Von neuer Normalität ist die Rede. Aber wie soll diese neue Normalität aussehen? Wie vor Beginn der Krise, plus Mundschutz und Abstand? Oder besteht jetzt die Chance, grundsätzlicher nachzudenken und nach neuen Richtschnüren Ausschau zu halten? Z.B. eine Welt, die allen Menschen ein gutes Leben ermöglicht? Im Einklang mit der Natur?
Die Corona Pandemie macht wie durch ein Vergrößerungsglas viele Zusammenhänge neu sichtbar. Zusammenhänge, die grundlegende Änderungen im gesellschaftlichen Leben unabdingbar erscheinen lassen. Gleichzeitig ertönen Rufe nach Rückkehr zur Normalität. Auch von „neuer Normalität“ wird gesprochen. Wir fragen uns, welche Folge diese Krise haben kann oder muss. Geht eine bestimmte Form der Welt zuende oder folgt ein Rückfall in das Vorige mit drastischeren Negativfolgen? Kann es / wird es den Beginn des ökosozialen Umbaus geben?
Seit einigen Wochen beherrscht ein Thema die Welt – Corona, ein Molekülgebilde, das unsichtbar und kein eigenständiges Lebewesen ist. Eine potentiell todbringende Krankheit. Milliarden Menschen weltweit sind mehr oder weniger gezwungen, in ihren Häusern oder Wohnungen zu bleiben, Sozialkontakte so weit wie möglich zu vermeiden. Wir sprechen darüber, was wir wahrnehmen, was durch diese Situation sichtbar wird. Es wurden Vorgänge möglich, die bis dahin unmöglich schienen.
Fortsetzung der Sendung von voriger Woche. Diesmal stellen wir den Text vor und versehen ihn mit dem ein oder anderen Kommentar. Aufgefallen ist uns z.B., dass dieser Text sehr stark als ethischer Impuls an Einzelne und Gruppen usw. formuliert ist. Offen bleibt, welche Auswirkungen bestimmte gesellschaftliche Strukturen auf die Bereitschaft haben, Verantwortung zu übernehmen und sich gesellschaftlichen Verpflichtungen zu stellen.
Im Oktober 1997 wurde in der Wochenzeitung „Die Zeit“ ein Text veröffentlicht mit dem Titel „Allgemeine Erklärung der Menschenpflichten“. Gerichtet war der Text an die Vereinten Nationen und an die Weltöffentlichkeit zur Diskussion. Ausgehend von der Feststellung, dass exklusives Beharren auf Rechten auf der Welt zu Konflikten und endlosem Streit führen kann, folgten Überlegungen, welchen Pflichten Menschen unterliegen, um das Ziel einer besseren Gesellschaftsordnung zu erreichen.
Bisweilen tut es not, inne zu halten und das Geschehen von einem ruhenden Standpunkt aus zu betrachten. Im Strom der alltäglichen und laufenden Ereignisse wird vieles selbstverständlich und unhinterfragt. Es ist wie es ist, es geht wie es geht – aber könnte es auch anders sein oder gehen? Sollte es vielleicht anders gehen? In welcher Geschwindigkeit verrichten wir unsere Aufgaben, erleben wir die Geschehnisse? Was nehmen wir wahr, was blenden wir aus oder übersehen wir? Welche tatsächlichen oder scheinbaren Sachzwänge bestimmen unser Leben?
Für den Sammelband „Nachhaltige Nichtnachhaltigkeit“ von Ingolfur Blühdorn verfasste Michael Deflorian einenBeitrag mit dem Titel „Transformative Bewegungen? Nichenaktivismus zwischen Management und Überwindung der sozial-ökologischen Krise“. Er geht darin der Frage nach, ob und in welcher Weise sogenannte Nischenprojekte mit Ziel einer sozial gerechten und ökologisch nachhaltigen Gesellschaft politisch – gesellschaftlich wirksam oder eben nicht wirksam sind. Die Ambivalenz und Vielgestaltigkeit unseres Verhaltens macht genaues Hinschauen nötig.
Wenn wir von Krise reden fällt dazu vor allem die Wirtschafts- und Finanzkrise (2008) oder die Klimakrise ein. In dieser Sendung befassen wir uns wieder mit dem Denken Martin Bubers (1878-1965). Er war in Österreich geborener und nach Israel ausgewanderter Religionsphilosoph, der auch intensiv an politischen Zukunftsperspektiven für die Menschheit geforscht hat. Er diagnostizierte eine Krise des Menschen als Menschen aufgrund der immer stärker ausgeprägten Orientierung und Ausrichtung der Menschheit an der Es-Welt, der Welt des Funktionalen. Damit sah er die Ich-Du Welt, die Beziehungsdimension, verkümmern. Dem entgegen stellte er seine Vision einer „gemeinschaftlichen Gemeinschaft des Menschengeschlechts“.
Freiheit ist ein hohes Gut. Der Ansatz der philosophischen Aufklärung als Befreiung aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit (Immanuel Kant) ist das eine. Ingolfur Blühdorn konstatiert in seinem Buch „Nachhaltige Nichtnachhaltigkeit“ in den Industriegesellschaften eine Emanzipation 2. Ordnung: die Befreiung von der Mündigkeit: Mündigkeit als aktive, verantwortliche Teilnahme am gesellschaftlichen Prozess. In welcher Weise hängen nun Freiheit und Mündigkeit, Freiheit und Verantwortung, Freiheit und Willkür zusammen? Welche Rolle spielt die Freiheitstidee im Zusammenhang mit der Klimakrise?
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