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Jutta feiert die Palme in all ihren sonnensatten bis schattigen Facetten, von der Treibhauspflanze bis zur Tropentristesse: Während wir gemeinsam unter den aufragenden Palmwedeln zum Rauschen des künstlichen Wasserfalls im Gewächshaus die schmalen Pfade des Gewächshauses im Botanischen Garten entlangschlendern, führt mich Jutta ganz nonchalant auf einer »Tour de Palmier« um die Welt und durch die Zeit: Jutta erzählt so breit gefächert über ihre Sehnsuchtspflanze wie die Wedel über uns schwanken – und vor meinem inneren Auge seh ich die Dattelpalmenbestäubung in Mesopotamien vor rund 6000 Jahren, sehe die »Coco de mer« der Seychellenpalme in den Händen früher Seefahrer oder den Kokos-Guru August Engelhardt seiner Palmenreligion huldigen. Und begreife: Die Palmen beschatten unsere Träume vom Süden wie auch die Utopien von einer besseren Welt.
Buch
Wer mit Benjamin Haag in die Pilze geht, betritt eine Welt der allumfassenden Präsenz dieser staunenswerten Gewächse. Es war aufregend, mit ihm auf der Suche nach Fruchtkörpern der Myzele durch den Grunewald zu stapfen im Bewusstsein, die Pilzsporen einzuatmen, während unter unseren Füßen das undurchschaubare wood wide web der Mykorrhizapilze das Wohlergehen des Waldes sichern. Benjamin legt das Zunderpflaster so selbstverständlich auf seine kleine Wunde wie er kenntnisreich die biochemischen Wirkstoffe der Pilze erklärt, während er nonchalant frische Trüffel einer Trüffelplantage aus der Tasche zaubert.
Buch: Samtfuß, Holzstielchen und Zottelmähne
»Kraken zu beschreiben, ist«, sagt Sonja Beller, »wie der Versuch, eine Wolke festzuhalten.« Unser Gespräch im Berliner Aquarium wird also ein so beherzter wie tastender Griff in die Wolken – vor einem verlassenen Becken: Der Berliner Krake ist vor zwei Wochen gestorben. Wir sitzen vor dem Glasscheibe und erschaffen ihn im Gespräch vor dem inneren Auge: Es ist nicht einfach, denn sein fluides und jede Kategorie sprengendes Wesen wirkt, als hätte die Evolution ein zweites Mal gewürfelt und dabei alle Sinne und Körperteile ganz und gar neu zusammengesetzt. Svenja nähert sich diesem schier unfassbaren Wesen in der Forschung, der Literatur und der eigenen Begegnung auf ihren Tauchgängen. Doch kaum erspäht sie einen Kraken, verändert sich dessen Hautfarbe, wolkenhafte Schatten huschen über die Oberfläche hinweg, das Tier verändert unentwegt seine ganze Gestalt. Seine acht autonom agierenden Arme sind mit 10.000 Neuronen ein denkendes Körperteil. Das Tier ist nicht zu fassen. Sein nonkonformistisches Dasein die natur- und kulturwissenschaftliche Forschung und alle, die das Andersartige nicht befremdet, sondern fasziniert.
Buch Kraken. Ein Portrait
Mit acht behaarten Beinen und ihren unbewegten Augen lebt sie seit mehr als 300 Millionen Jahren in Höhlen, auf Bäumen, in Zimmerecken und Kellern. Lothar Müller inspiriert vor allem ihr seidener Faden, den sie so blitzschnell wie unermüdlich in die Luft schießt und zum Netz oder Kokon klebt. Eine elegante Art, den Raum zu besetzen! Lothar Müller webt selbst ein Gespinst von Bezügen quer durch Film, Literatur, Kunst und Philosophie. So gerät unser suchender Gang vor den Terrarien im Berliner Aquarium zu einer kenntnisreich verwobenen Geschichte über die sich lautlos hinter Glas versteckt haltenden Tiere.
Buch Portrait Spinnen
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Heute geht es mit Julia Voss ins Deutsche Historische Museum, ich darf noch vor der Eröffnung mit der Kuratorin ihre im Aufbau befindliche Ausstellung durchstreifen: »Natur und deutsche Geschichte. Glaube – Biologie – Macht«. Verhandelt werden hier 800 Jahre Geschichte. Der Bogen reicht von Hildegard von Bingens Begriff »viriditas«, der grünen Schöpferkraft, im 12. Jahrhundert bis zur frühen Anti-Atomkraft-Bewegung in Wyhl und den unterschiedlichen Naturkonzepten in beiden Deutschlands des späten 20. Jahrhunderts. Wir stapfen gemeinsam zwischen Schrauben über Bohrer durch fünf wabenförmige Räume, in denen die Zeiträume durchschritten und ab dem 14. November 2025 mit ganz unterschiedlichen Stationen beleuchtet werden.
Buch Natur und deutsche Geschichte
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Was sind Seepferdchen eigentlich?, frage ich Andrea Grill am Ufer des österreichischen Traunsees im sommerlichen Nieselregen. »Pferdeähnliche Meereswesen«, meinte Carl von Linné, »Fische, Knochenfische, um genau zu sein«, präzisiert Andrea Grill. Die promovierte Biologin und Schriftstellerin hatte sich mit Schnorchel und Flossen auf die Suche nach diesen wunderlichen Wesen des Wassers gemacht und erkannt: Seepferdchen sind Gradmesser für den Zustand unserer Meere. Andrea schlägt folgerichtig vor, ihnen ein Bankkonto zuzugestehen, um als rechtmäßige Bewohner der Meere für ihre Rechte einzustehen und für den Raub ihres Lebensraums entlohnt zu werden: Es sollte uns, nicht sie teuer zu stehen kommen.
Buch Portrait Seepferdchen
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Mit der Strömungsfähre setze ich über die Elbe und lande in der Hansestadt Werben, einem kleinen mittelalterlichen Städtchen in Sachsen-Anhalt. Hans kann dort von seinem Schreibtisch aus die Störche sehen: wie sie balzen, Eier legen, ihre Schlüpflinge mit herausgewürgten Würmern päppeln. »Das Leben des Storchs findet durchweg öffentlich statt!«, sagt Hans mit Blick auf die Jungstörche, die ihre ersten Flugübungen absolvieren, während ihre Eltern in den Elbwiesen staksen, um weiteres Futter zu sammeln. Auf jedem First in Werben ist ein Horst zu sehen, gewaltige Nester. In wenigen Wochen werden Alt- und Jungstörche sich auf ihren Weg gen Süden begeben. Der menschengemachte Klimawandel verkürzt ihre Route: Bleibt der Winter mild, müssen sie nur bis nach Spanien fliegen. Die Müllkippen bieten reichlich Futter …
Buch Portrait Störche
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Charline, Luzie, Georg, Valentin L., Viktor, Valentin und Leopold haben vier Tage lang im schuleigenen Garten vom Landheim Ammersee beobachtet, was dort alles krabbelt, fliegt oder gackert. Nach unserem Vorbild, dem ›Homer der Insekten‹ Jean-Henri Fabre.
Landheim Ammersee
Jean-Henri Fabre
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Die Beziehung von Mensch und Pferd ist jahrtausendealt und ungeheuren Änderungen unterworfen: Seit das Pferd nicht mehr Arbeitskollege des Menschen in der Landwirtschaft und im Militär ist, wurde es im Laufe der Jahre immer mehr zu einem vertrauten und urteilsfreien Partner der Reiterinnen und Reiter. Hubertus, selbst einmal jüngster Deutscher Meister im Dressurreiten, ist einer der gefragtesten Dressurtrainer unserer Zeit. Während Loretta, die neben ihrer Arbeit als Beraterin für Kunstnachlässe leidenschaftlich gern reitet, Unterricht bei ihm nimmt, wird beiden klar, dass die Begriffe der Reitersprache wie »Hilfen«, »Anlehnung«, »Losgelassenheit«, ebensogut die Beziehungen unter uns Menschen umreißen. Über den Weg der intensiven Begegnung und täglichem Umgang mit dem Wesen Pferd, machen sie sich gemeinsam auf den Weg, Kommunikation, Vertrauen und Beziehung neu zu denken.
Buch »Eine Sprache der Liebe«
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Vor dem Ozeaneum in Stralsund fliegen die Möwen mit weiten Schwingen – seit jeher die Vögel der Sehnsucht und Unheilsboten zugleich. Sie verkünden auf hoher See den rettenden Hafen wie auch den tödlichen Sturm. Dorit ist dem Vogel einmal rund um den Globus gefolgt, Holger begleitet die Möwe seit seiner Kindheit: Er beobachtet sie von seinem Berliner Balkon aus und begrüßt sie in seinem Heimathafen in Sassnitz auf Rügen. Ob der Seemannsaberglaube, die Seelen toter Seeleute fänden in Möwen ihr zweites Quartier, stimmt? Von Möwen lernen heißt, sich zu erinnern lernen. Oder mit Heiner Müllers Worten: »Mit dem Horizont vergeht das Gedächtnis der Küste. Vögel sind ein Abschied, sind ein Wiedersehen.«
Shownotes
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