Philosophische Brocken

Philosophische Brocken

Download on the App Store

Philosophische Brocken episodes

  • Über Long Covid und die Macht des Nichtwissens

    Ein Gespräch mit der Philosophin Dr. Sonja Riegler über funktionalistische Ignoranz.

    Was, wenn Ignoranz nicht einfach eine Abwesenheit von Wissen ist, sondern gezielt als ein soziales Werkzeug zur Machterhaltung eingesetzt werden kann? Basierend auf aktuellen Debatten in der feministischen und politischen Erkenntnistheorie, entwickelt Dr. Sonja Riegler einen „funktionalistischen Ansatz zur Ignoranz“ (Riegler 2024) und argumentiert im Rahmen ihrer Dissertation, dass Ignoranz nicht bloß eine Abwesenheit von Wissen bedeutet, sondern als “substanzielle Erkenntnispraxis” (Alcoff 2007) verstanden werden muss – eine Praxis, die bestimmte soziale Funktionen erfüllt und strategisch eingesetzt werden kann.

    Ausgangspunkt des Gesprächs ist die Coronapandemie, eine Zeit tiefgreifender Unsicherheit, Unwissens und Nichtwissens und ihre spürbaren Nachwirkungen bis heute. Gemeinsam überlegen Jana Winter und die Philosophin Dr. Sonja Riegler, inwiefern man davon sprechen kann, dass ein sogenanntes „Nichtwissen“ um PAIS, Long Covid und ME/CFS strategisch genutzt wurde bzw. wird, um Machtverhältnisse zu stabilisieren, sich von Verantwortung zu entlasten oder bestimmte gesellschaftliche Betroffenengruppen zu marginalisieren.

    (Text: Jana Winter)

    Gast:

    Dr. Sonja Riegler: https://philpeople.org/profiles/sonja-riegler“and
    https://univie.academia.edu/SRiegler ; More: “Church of Ignorance” (free lecture):
    https://www.dorftv.at/video/45613
    Riegler, S. (2024) A functionalist approach to ignorance. DOI: 10.25365/thesis.77327.
    https://utheses.univie.ac.at/detail/71859. https://usearch.univie.ac.at/primo-
    explore/search?query=any,contains,AC17394662&vid=UWI.

    Shownotes:

    Moderation, Konzept, Schnitt & Selektion: Jana Winter (Long Covid Austria,
    https://longcovidaustria.at/) Audioaufnahme & Audio-Engineering: Iris Lea Aglaia Emily Winter und Pablo Leiva via panta
    productions https://www.instagram.com/panta.productions?igsh=MXUya2xqZ2owMDBidQ==)

    Wir möchten in diesem Podcast Musik von Betroffenen vorstellen. In dieser Folge hat uns die

    Band “The D is silent” freundlicherweise drei Songs zur Verfügung gestellt. Musik: The D is Silent (2022): “Some of these days”, “For Sephora”, “Veinte Anjos” aus: Thujenhecke (2022).
    Like, Share Follow: https://soundcloud.com/dilencio, https://www.instagram.com/thedissilentgypsyjazz/

    Betroffener: https://www.instagram.com/philip_henrii/ .

    58 min
  • Wenn ein Leben plötzlich zusammenbricht

    Ein Gespräch mit Psychotherapeut Markus Hochgerner über Long Covid, ME/CFS und den Umgang mit chronischer Krankheit.

    In dieser Episode sprechen wir mit dem Wiener Psychotherapeuten Markus Hochgerner, der seit 2021 Long Covid* bzw. PAIS*-Betroffene in Gruppen begleitet. Offen teilt er bewegende Momente aus der psychotherapeutischen Praxis – und spricht über die psychischen und philosophischen „Brocken“, mit denen (chronisch) erkrankte Menschen konfrontiert sind.

    Was bedeutet es für Betroffene, wenn das bisherige Leben plötzlich zusammenbricht? Wie findet man einen Umgang mit einer Realität, die man nicht einordnen kann und von Hilflosigkeit und Handlungsmöglichkeiten, sowie von Trauer und Hoffnung zugleich geprägt ist? Und was stärkt wiederum unsere Resilienz, wenn das Leben auf mehreren Ebenen – existenziell, gesellschaftlich und politisch – unter Druck gerät?

    Diese Podcastepisode richtet sich insbesondere an alle Personen, die selbst von einschränkenden bzw. chronischen Erkrankungen betroffen sind, Angehörige begleiten oder beruflich mit Krankheit zu tun haben – und natürlich ebenso an Hörer:innen, die sich für die daseinsanalytischen, psychologischen und gesellschaftlichen Aspekte von Krankheit und Sinnsuche interessieren.

    *Anm.: Der Begriff “Long Covid” (heute oft auch als Postakutes Infektionssyndrom “PAIS” bezeichnet) stellt einen Überbegriff dar, der leichte bis sehr schwere Long Covid Verlaufsformen umfasst. Dazu zählt auch der chronische Subtyp ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue-Syndrom), der als chronische Erkrankung diagnostiziert wird und mit massiven Einschränkungen im Alltag bis zur Pflegebedürftigkeiteinhergeht. Finde mehr Informationen hier: https://longcovidaustria.at/ und https://mecfs.at/.

    Text und Vorschaubild: Jana Winter (7.9.2025)

    Shownotes:

    * Stimme der Moderation: Duha Samir (https://www.johannstrauss2025.at/artist/duha-samir/)
    * Konzept, Direktion, Schnitt & Selektion: Jana Winter (Projektleitung Podcast)
    * Audioaufnahme & Audio-Engineering: Iris Lea Aglaia Emily Winter und Pablo Leiva via panta productions https://www.instagram.com/panta.productions?igsh=MXUya2xqZ2owMDBidQ==)
    * In Kooperation mit Long Covid Austria: https://longcovidaustria.at/

    58 min
  • Hermann Cohen: deutsch, jüdisch, sozialdemokratisch

    Hermann Cohen (1842-1918) leitete Ende des 19. Jahrhunderts maßgeblich eine Rückbesinnung auf Immanuel Kant ein. Im Gegenzug zu dialektischen Welterklärungsmodellen knüpft er an Kants drei "Kritiken" an, legt ihnen aber -- anders als sein Vorbild -- bestehende gesellschaftliche Formationen (Mathematik, Naturwissenschaft, Religion, Jurisprudenz, Kunst) zu Grunde. Hartwig Wiedebach, Philosoph und Judaist, erläutert im Gespräch mit Herbert Hrachovec Cohens ethische und politische Entwürfe. Zur Zeit der deutschen Reichsgründung war Cohen überzeugter demokratischer Sozialist.

    55 min
  • Weltweite wirtschaftliche Gerechtigkeit

    Anke Graneß ist Professorin am Institut für Philosophie, Universität Hildesheim (Kolleg-Forschungsgruppe der DFG "Philosophieren in einer globalisierten Welt"). Sie spricht mit Herbert Hrachovec über Ihren Artikel "Is the debate on 'Global Justice' a global one? Some Considerations in View of Modern Philosophy in Africa", in: Journal of Global Ethics, Vol. 11:1 (2015), pp. 126-140. DOI: 10.1080/17449626.2015.1010014.

    Erstveröffentlichung am 23.7.2017.

    59 min
  • „Rest Is Resistance – Über das Ausruhen“

    Ausgehend von den Erfahrungen eines vulnerablen Körpers, der unter dem Leistungsdruck des

    kapitalistischen Systems steht, beleuchten Jana Winter (Philosophie, Ethik und Medienaktivismus; Long
    Covid Austria), Duha Samir (interdisziplinäre, feministische Künstlerin; The Dusts Institute) und Zoe
    Gudovic (interdisziplinäre, feministische Künstlerin; Radio Orange) die vielen Ebenen des „Ausruhens“ als Akte des (inneren und äußeren) Widerstands in der heutigen Zeit (Vgl. Tricia Hersey: Rest is Resistance, 2024).

    Im Fokus stehen Themen wie die scheinbare „Anomalie“ und „Fehlbarkeit“ des Körpers, die besonders bei (chronischer) Krankheit wie Long Covid sichtbar werden. Der als „abnormal“ proklamierte, „unfähige“

    (engl. disabled) Körper steht in starkem Gegensatz zum „fähigen Körper“ (engl. able body), da er den
    Menschen als vulnerabel, fehlbar, temporär und körperbezogen „entlarvt“ und kapitalistische sowie
    existenziell-transzendierende Wunschvorstellungen zurückweist (Vgl. Johanna Hedva: How To Tell When We Will Die, 2024).

    Das Resultat dieses Verdrängens ist ein kollektives Wegschauen voller Scham und Schuldgefühle. Doch wo liegt ein gesamtgesellschaftliches Potenzial, wenn wir hinschauen und versuchen, den biologischen und verwundbaren Körper zu akzeptieren? Wie können wir uns das Ausruhen als eine eigene Widerstandspraxis vorstellen und für uns nutzen? Ausgehend von persönlichen Erfahrungen und individuellen Perspektiven begeben wir uns in diesem Gespräch auf eine behutsame Annäherung an das Thema des Ausruhens als Praxis des Widerstandes.

    Text: Jana Winter

    Drawing from the lived experience of a vulnerable body under the pressures of a capitalist performance-

    driven society, Jana Winter (philosophy, ethics and media activism; Long Covid Austria), Duha Samir
    (interdisciplinary feminist artist and activist; The Dusts Institute), and Zoe Gudovic (interdisciplinary
    feminist artist and activist; Radio Orange) explore the many layers of “rest” as an act of both inner and
    outward resistance in today’s world (Comp. Tricia Hersey: Rest is Resistance, 2024).

    The conversation centers on themes such as the perceived “anomaly” and “fallibility” of the body, which
    become particularly visible in the context of (chronic) illness, such as Long Covid. The so-called “abnormal” or “incapable” body stands in stark contrast to the “able body,” as it exposes the human being as vulnerable, fallible, temporary, and embodied first of all—challenging both capitalist ideals and existential-transcendent aspirations (Comp. Johanna Hedva: How To Tell When We Will Die, 2024).

    The denial of these topics results in a collective looking away, saturated with shame and guilt. But where lies the potential for societal transformation if we begin to look—and to accept—the biological and vulnerable body? How might we understand rest as a personal and political practice of resistance? Rooted in personal experiences and individual perspectives, this conversation offers a gentle and reflective approach to the theme of rest as a form of resistance.

    Text by Jana Winter

    Credits:

    Gestaltung der Podcastepisode / Creattion of this podcast episode:
    Sprecher / Speakers: Jana Winter, Duha Samir, Zoe Gudovic
    Technische Aufnahme und Vorschnitt: Iris Winter
    Hauptschnitt, Sound- und Musikauswahl: Jana Winter
    Inhaltliche Gestaltung, Vorbereitung und Moderation: Jana Winter
    Musikalische Werke: Iris Winter
    All rights reserved by the creators.

    Philosophische Zitate und Verweise / Philosophical Quotes and Mentioned Contents:

    Hedva. J. (2024). How To Tell Wh

    58 min
  • USA 4.Juli, Nationalfeiertag

    Feier von Sklaverei und Siedlerkolonialismus?

    Birgit Langenberger, Lektorin am Institut für Philosophie an der Universität Wien, skizziert die Entstehung der Bürgerrechtsbewegung in den USA und wirft anschließend einen Blick auf die aktuelle Situation in diesem Land. Sie diagnostiziert Ansätze zu einem erneuerten Menschenhandel.

    Unter freundlicher technischer Unterstützung durch Andrea Adelsburg und Herbert Hrachovec.

    Referenzen: “What to the Slave Is the 4th of July?”: James Earl Jones Reads Frederick Douglass’s Historic Speech, 'Democracy Now!',(4.7.2024), Creative Commons Lizenz CC BY-NC-ND 3.0; https://www.youtube.com/watch?v=WtfZBV0aJ3M

    “Oh Freedom”: https://the-golden-gospel-singers.hydr0.org/ (bzw. https://hydr0.org/)

    1 hr 8 min
  • Zur Geschichte des Haushaltens und Bastelns

    Zwei Beiträge zum Thema Produktivität im privaten Lebensraum.

    Sie hören zwei Vorträge, gehalten am IFK im Jahr 2023: Matthias Donabaum: "Haushalte(n). Historische Perspektiven auf eine zentrale Ordnungskategorie" sowie Michael Bies: "Basteln. Geschichte einer (vermeintlich) 'kleinen Tätigkeit'"

    56 min
  • Authentizität, Popularität, Charisma. Zwischenrufe zu einer Papstwahl.

    Anlässlich des Führungswechsels in der römisch-katholischen Kirche widmen sich Christian Wessely, (Theologie, Universität Graz) und Herbert Hrachovec dem medialen Umfeld, innerhalb dessen diese Episode zwangsläufig stattgefunden hat. Im Mittelpunkt steht in solchen Umbrüchen die Frage nach der Kongruenz zwischen der zu entscheidenden Neubesetzung und der Glaubwürdigkeit damit beauftragter Personen. Ein Rückblick auf die Tätigkeit Papst Franziskus' bringt in Erinnerung, wie eindrucksvoll er seine Begrüssung der versammelten Menge (13. März 2013) in seinem Pontifikat weitergeführt hat: "Brüder und Schwestern, guten Abend."

    54 min
  • Tracing China in Europe

    Gelehrte der Früh-Aufklärung wie Leibniz standen in regem Austausch mit den Jesuiten in China, und insbesondere Christian Wolff, der die erste in Latein verfügbare vollständige Übersetzung der konfuzianischen Schriften zeitlebens studierte, preiste in seiner „Rede über die praktische Philosophie der Chinesen“, den Einfluss der chinesischen Philosophie auf die Entwicklung seiner eigenen, praktischen Philosophie.

    Eine Rezeptionsgeschichte, die heute weitgehend in Vergessenheit geraten ist.

    Musik:
    (1) LP : Lost on your
    (29 Rihanna: Diamond

    51 min
  • Philosophie im Schatten des Krieges

    Die Geschichte der Philosophie ist durchzogen von einer beinahe ununterbrochenen Auseinandersetzung mit dem Krieg – einem Faszinosum und zugleich einem existenziellen Problem. Welchen Abschnitt der Menschheitsgeschichte man auch betrachtet, der Satz „Wir müssen über den Krieg reden“ bleibt von ungebrochener Aktualität. Die Versuchung, sich der Gleichgültigkeit hinzugeben und mit einem müden „nichts Neues unter der Sonne“ zu reagieren, ist groß. Und doch wollen wir – und müssen wir – weiter über den Krieg reden, über ihn als Problem und ständigen Begleiter. Ein Gespräch zwischen Michael Staudigl und Camilo Giraldo darüber, wie sich die philosophische Tradition dem Phänomen Krieg genähert hat.

    56 min

About Philosophische Brocken

From the publisher's feed

Radiosendung auf Orange 94.0.