BAIERSBRONN. Hotelier Hermann Bareiss ist mit der Brillat-Savarin-Plakette ausgezeichnet worden. Die Ehrung fand am vergangenen Mittwoch im Rahmen eines Festakts in dem Resort in Baiersbronn statt. Mit diesem Preis zeichnet die angesehene Brillat-Savarin-Stiftung seit fast 70 Jahren Persönlichkeiten aus Gastronomie und Hotellerie „für ihre Leistung, Innovationskraft und Nachhaltigkeit“ aus.
Es riss die Gäste von ihren Plätzen: „Wir Hoteliers und Gastronomen geben Menschen ein Dach überm Kopf und lassen sie ihre Füße unter unseren Tisch setzen. Dass das seinen Preis hat, hat nichts damit zu tun, dass wir es tun: Gastfreundschaft ist eine zutiefst humane Geste der Welt- und Menschen-Offenheit, des Willkommens, des Füreinander und des Miteinander“. Nach seinem Bekenntnis als Gastgeber und Hotelier nahmen die standing ovations für Hermann Bareiss kein Ende.
Nach der Begrüßung der über 100 Gäste durch Hannes Bareiss und seine Frau Britta, wandte sich Konrad Pötzel, Vorsitzender des Stiftungsrats, an den neuen Preisträger: „Wir ehren heute nicht nur ein außergewöhnliches Lebenswerk. Wir ehren eine Haltung, eine Art Menschen zu begegnen. Die Überzeugung, dass Gastlichkeit mehr ist als Service - , nämlich Ausdruck von Respekt, Herzlichkeit und echtem Interesse am Menschen.“
Das „Warum der Auszeichnung“, so hieß es in der Laudatio, erkläre sich durch das Resort von selber, das als eines der „außergewöhnlichsten und bemerkenswertesten Hotels der Welt“ gilt. Geschaffen von einem Hotelier, der in seinem ganzen Unternehmer-Leben das „Unmögliche möglich gemacht hat: Hermann Bareiss ist kein Grenzgänger. Er ist, gegen alle Widerstände, ein Grenzüberschreiter. Nur so konnte ein Resort von Weltformat mit dem Anspruch und der Erfüllung einer totalen Exzellenz entstehen.“
Den Schwerpunkt der Würdigung setzte die Festrede dann aber nicht auf die offenbaren Leistungen und Erfolge des „Doyen der Gastlichkeit in Deutschland, Legende und Ikone nicht nur unter den deutschen Hoteliers, Charisma- und Charakter-Mensch“. Sondern auf die Bedeutung des Humanen in Bareiss‘ Schaffen und Wirken. Für die Kollegen gilt Bareiss dem Redner als „Kommunikations-Genie“, dem es mit dem Branchentreff „Mitteltaler Tafelrunde“ gelungen sei, ein „Klima des Miteinander“ zu schaffen. Dem Nachwuchs, für den er mit dem FHG (Förderer von Hotellerie und Gastronomie) eine Ausbildungsreform initiierte, „ent-deckt er den Wert und die Freude am Dienst des Gastes, der zugleich Dienst am eigenen, vielleicht verborgenen Talent ist: für Menschen offen und für sie da zu sein.“
„Können Sie sich mit dem Ausdruck ‚Menschenliebe‘ befreunden?“, fragte der Redner, als es zuletzt um die Gäste ging: „Das Bareiss feiert mit seiner Exzellenz, seinem Luxus nicht sich selbst, es feiert jeden einzelnen Gast, wie es dessen singulärer Individualität entspricht: Hier bin ich Ich, hier kann ich’s sein.“
Wie sich das in der wirklichen Wirklichkeit anlässt, erfuhren und genossen die Gäste - darunter Freiburgs Hotelier-Pionier Roland Burtsche (Colombi Hotel), Ingo C. Peters vom legendären Hamburger „Vier Jahreszeiten“, Caroline von Kretschmann von Heidelbergs großem Europäischen Hof - beim anschließenden Festmenü. Die Küche ließ unter der Leitung der Chefs Claus-Peter Lumpp, Oliver Ruthardt, Oliver Steffensky und Daniel Sorge genießen, was es heißt, dass auch die Liebe zum Gast „durch den Magen“ geht und warum das Haus wiederholt als „Culinary Luxury Hotel of the Year ausgezeichnet wurde. Und der Service unter der Regie des gastronomischen Direktors Dieter Kalweit bestätigte den Laudator: „Im Bareiss spüren die Gäste die Nestwärme des Hotels und die Herzenswärme seiner Gastgeber.“
Standing ovations sodann für die Bareissianer aus Küche und Service. Die Gäste erlebten live, was das ist: „Hermann Bareiss, kann in anderen Menschen Funken dafür schlagen, was übers professionelle Agieren hinausgeht: Jemanden zu Gast zu haben, heißt, für sein Glück sorgen.“ Zu den Gästen gehörte auch Hermann Bareiss selber. Ihn an diesem Tag glücklich gemacht zu haben, das war mit Händen zu greifen.