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Das Dampfschiff Lötschberg hat den Winter in der Werft verbracht. Dort, wo im Sommer die Kinder spielen, ist hart gearbeitet worden. Die Verkleidung der Spielkajüte wurde entfernt, damit der Bug sandgestrahlt und ausgebessert werden konnte. Dies passierte zum ersten Mal seit dem Bau des Schiffes 1914.
Zum Fahrplan der Dampfschiffe: www.bls.ch/schiff
Die Dampfschiffe unterstützten: www.dampferfreunde.ch
Filme über Dampfschiffe: https://www.youtube.com/channel/UC4Ht3QiOF0bs946JvqT-7Ow
Erste Einblicke liessen nichts Gutes erahnen. «Wir können unter den Boden der Kajüte kriechen und von dort nach oben hinter die Wandverkleidung schauen», sagt David Lorenzo, Leiter der Schreinerei und Schiffsführer. Vor ein paar Jahren wurde bei einer solchen Kontrolle Rost an der Schiffsschale entdeckt. Und tatsächlich zeigte sich nun, nachdem die Vertäfelung entfernt wurde, dass praktisch keine Farbe mehr an der Bordwand war. Stattdessen präsentiert sie sich in rostigem Braun. «Wir liessen sie mit hohem Druck sandstrahlen und konnten den Rost so entfernen», sagt Lorenzo. Jedoch mussten drei besonders stark verrostete Stellen aus der Bordwand geschnitten und mit neuem Blech ersetzt werden.
Gut erhalten haben sich die rechteckigen Platten aus Lärchen- und Arvenholz, mit denen die Bordwand in der Kajüte abgedeckt war. «Die Vertäfelung war für ihr Alter in einem sehr guten Zustand», sagt Ilona Dietrich, Leiterin der Malerei und Kassierin. «Das Problem war, dass das Holz im Lauf der Zeit immer wieder neu gestrichen worden ist und wir deshalb viele Farbschichten übereinander hatten.» Diese mussten abgeschliffen werden. Spalten wurden ausgefugt. Danach wurde das Holz zweimal grundiert und neu gestrichen. «Um Zeit zu sparen, wurde die Vertäfelung erst danach wieder in die Kajüte eingebaut.»
Ebenfalls neu gemacht wurde das Deck im Bug, welches gleichzeitig die Decke der Spielkajüte bildet. Zwei Personen haben nahezu den ganzen Winter lang daran gearbeitet. Die Holzplanken sind von unten angeschraubt. Die Schrauben wurden gelöst und aufbereitet, denn sie werden in dieser Art nicht mehr hergestellt. «Wir wollten keine modernen Sechskantschrauben brauchen, diese gab es beim Bau der ‘Lötschberg’ nicht», erklärt David Lorenzo. Es gehe darum, ein Stück Original zu erhalten und historisch korrekt zu sein. «Für uns ist das ein Aufwand und vielleicht sind wir sogar die einzigen, die den Unterschied sehen», sagt er und ist überzeugt, dass sich das lohnt: «Alles, was man ändert, ist für immer verloren.»
Die neuen Planken werden von der Mitte gegen aussen verlegt. Verwendet wird Teakholz, das zwar um einiges teurer ist als das übliche Douglas-Holz. «Beim Dampfschiff lohnt sich das, weil die Arbeit sehr aufwändig ist», erklärt David Lorenzo. «Dadurch, dass wir dieses Holz verwenden, können wir das Deck über mehrere Jahrzehnte erhalten.» Es enthält einen natürlichen Pilzschutz und verfault nicht. Nun wird es so lange wie möglich nicht mehr geschliffen, sondern regelmässig gewaschen und geölt. Das Oberdeck der «Lötschberg» konnte dank dieser Pflege fast 20 Jahre erhalten werden, bevor die Fugen kaputt gingen und es vor vier Jahren geschliffen und neu ausgefugt werden musste.
Auch im Maschinenraum gab es in diesem Winter einen seltenen Einblick. «Wir haben uns entschlossen, den Kondensator auseinanderzunehmen», sagt Jürg Lüthi, Leiter Mechanik und Maschinist. Im Kondensator wird der Dampf, nachdem er die Maschine angetrieben hat, abgekühlt und zu Wasser kondensiert. Das passiert mit Seewasser, das durch ein Paket aus 116 Röhrchen durch den Kondensator geleitet wird. Letztmals geöffnet wurde er im Jahr 1991. «Von den Mitarbeitern, die heute in der Werft arbeiten, hat das noch niemand gemacht», sagt Lüthi. «Es ist sehr interessant.» Überraschungen gab es keine, der Kondensator ist in einem guten Zustand. «Jedoch musste viel geputzt werden, wie das halt so ist nach 30 Jahren», sagt Lüthi. Ein pensionierter Maschinist stand mit Tipps zur Seite. «Er hat uns geraten, die Röhrchen mit einem alten Gewehrputzzeug zu putzen.» Daneben werden die regulären Wartungsarbeiten an der Dampfmaschine durchgeführt.
«Wir haben jeweils nur ein kurzes Zeitfenster, während dem wir am Dampfschiff arbeiten können», sagt David Lorenzo. Idealerweise sollten historische Schiffe nach mehreren Jahren aus dem Betrieb genommen werden, um sie zu sanieren. Das ist bei der «Lötschberg» auf dem Brienzersee und auch bei der «Blümlisalp» auf dem Thunersee schwer möglich. Sie kommen im Normalfall jeden vierten Winter in die Werft. Die Dampfschiffe werden im Sommer auf den Seen gebraucht, ebenso die Handwerkerinnen und Handwerker, die sie steuern und betreiben. «Deshalb können wir das Schiff immer nur sektionsweise sanieren, damit wir trotzdem zu einem guten Resultat kommen.»
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Der Schiffspodcast erscheint zwölfmal im Jahr, immer am ersten Montag des Monats. Er zeigt, was hinter den Kulissen der Schweizer Schifffahrt so läuft, erklärt Zusammenhänge und macht Lust auf unsere Schiffe und Gewässer. Er ist ein privates, unabhängiges und ehrenamtliches Projekt.
Das «Spiezerli» ist als Dampfschiff zurück auf dem Thunersee. In den vergangenen 15 Jahren wurde es in einen historischen Zustand gebracht. Allerdings bloss äusserlich: Obwohl es mit Jahrgang 1901 das älteste Schiff der Flotte ist, hat es mehr Elektronik an Bord als jedes andere Thunersee-Schiff. Der Präsident der Dampferfreunde David Beeler gibt einen Einblick hinter die Kulissen.
Es ist kleiner als die beiden berühmten Berner Oberländer Raddampfer «Blümlisalp» und «Lötschberg». Es wird auch nicht von Schaufelrädern angetrieben, sondern von einer Schraube im Heck. Und doch ist es mit dem weiss-schwarzen Kamin unübersehbar ein Dampfschiff. Sogar das letzte seiner Art: «Das ‘Spiezerli’ ist ein Kulturgut, von dem es in der Schweiz kein zweites mehr gibt. Es ist etwas Besonderes, etwas Einzigartiges», erklärt David Beeler. Er ist Präsident der Dampferfreunde, jenem Verein, der sich die Erhaltung des «Spiezerli» auf die Flagge geschrieben hat.
Nach über 100 Jahren Einsatz auf dem Thunersee wurde das «Spiezerli» 2007 ausser Dienst gestellt. Damals sah es deutlich anders aus als bei seiner Jungfernfahrt. Es ist mehrmals drastisch umgebaut worden. Es wurde verlängert, die Aufbauten haben geändert und die Dampfmaschine musste einem Dieselmotor weichen. Dieser Dieselmotor war nach der Abschiedsfahrt noch nicht erkaltet, als die ersten Pläne zur Erhaltung des «Spiezerli» geschmiedet wurden. Damals war jedoch nicht klar, in welchem Bauzustand das Schiff versetzt werden soll und ob es wieder eine Dampfmaschine erhalten soll.
Entschieden hat man sich für einen Zustand nach dem zweiten Weltkrieg Ende der 40-er Jahre. «Es ist eine historische Annäherung. Aber es ist auch die ‘Spiezerli’-Ausgabe 2022», sagt David Beeler. Denn das Schiff müsse auch den heutigen Voraussetzungen entsprechen. Gemeint sind zum Beispiel die Technik, die Sicherheit und der Fahrkomfort. Denn ursprünglich war das Schiff im Lokalverkehr im Einsatz, vergleichbar mit einem Tram. «Wenn man heute eine Ausfahrt verkaufen will, muss man etwas Essen und Trinken servieren können.» Vom historischen Innenausbau sind keine Fotos bekannt. Deshalb hat man sich für einen Stil entschieden, der dem damaligen Zeitgeist entspricht, an dem aber auch heutige Passagiere Gefallen finden.
Für das Projekt konnten die Dampferfreunde über vier Millionen Franken sammeln. Auch die BLS Schifffahrt hat einen Teil beigetragen an die Gesamtkosten von 5,8 Millionen Franken. «Es gibt Sachen im Leben, die man nicht nur nach wirtschaftlichen Grundsätzen beurteilen kann», sagt David Beeler. Wir können uns das Schiff leisten, weil 11'000 Personen während mehreren Jahren mehrfach Geld für das «Spiezerli» bezahl haben. Beeler erinnert jedoch daran, dass die Sammelaktionen Zulasten der Dampfschiffe Blümlisalp und Lötschberg gingen. Entsprechend musste die BLS Schifffahrt für den Unterhalt der grossen Raddampfer tiefer ins Portemonnaie greifen.
Eine Besonderheit des «Spiezerli» ist die neue Dampfmaschine. Zuerst seien zwar historische Dampfmaschinen geprüft worden, erzählt David Beeler. Schnell sei aber klar geworden, dass keine dieser Maschinen zum «Spiezerli» passt. Denn das Schiff ist klein, die heutigen Sicherheitsvorschriften sind hoch und für die künftige Lebensdauer von historischen Dampfmaschinen gibt es keine Garantien. Auch der Nachbau der Originalmaschine fiel ausser Betracht, weil niemand mehr weiss, wie man das macht. Ein weiteres Argument für die moderne Dampfmaschine: Sie kann vom Kapitän ferngesteuert werden. Deshalb kann das «Spiezerli» mit zwei statt drei Mann Besatzung betrieben werden.
Die ersten Fahrten mit dem «Spiezerli» finden im April 2022 statt. Danach werde es jährlich öffentliche Rundfahrten geben, sagt David Beeler. «Das Schiff wird bloss bei speziellen Gelegenheiten zum Einsatz kommen.» Denn es stellt die BLS Schifffahrt vor eine Herausforderung: Auf dem «Spiezerli» muss speziell ausgebildetes Dampfschiffpersonal arbeiten. Solche Spezialisten sind selten und man findet sie nicht auf der Strasse. Wegen kurzfristigen Abgängen aus familiären und gesundheitlichen Gründen sind sie auch bei der BLS Schifffahrt rar. «Letztendlich stehen wir vor der Wahl, ob das ’Spiezerli’ oder die ‘Blümlisalp’ fahren darf», sagt Beeler. Und da fällt der Entscheid klar zugunsten der Kursschifffahrt.
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In dieser Episode geht es um die Schifffahrt im Kleinen: Dani ist zu Besuch bei Schiffmodellbauer Daniel Bieri. Dort lernt er den Hochseeschlepper «Happy Hunter» kennen und erhält einen Einblick in die Welt der Modellschiffe.
Wer denkt, dass Modellbauer Einzelgänger sind, die sich stundenlang in ihre Werkstätte verkriechen, der irrt: Im Berner Oberland treffen sie sich regelmässig im Modell Boot Club Thun. Das mit langer Tradition: Der Verein feiert in diesem Jahr sein 65. Jubiläum mit einer einzigartigen Veranstaltung.
Am 18. und 19. Juni findet ein internationales Schaufahren in der Thunersee-Werft der BLS Schifffahrt statt. Im 68 x 16 Meter grossen Becken werden Modelle der Berner Oberländer Schiffe fahren, aber auch Dampf- und Segelschiffe aus ganz Europa. Darunter natürlich Daniel Bieris «Happy Hunter».
Informationen zum internationalen Schaufahren: https://mbct.ch/de/65-Jahre-MBCT
Spenden und im Gegenzug selbst ein Modellschiff steuern: https://www.lokalhelden.ch/jubilaeumsschaufahren-2022
Der im Podcast angesprochene Modellbauladen: https://www.hobby-technik.ch/
Modellschiffe haben vor 65 Jahren ganz ähnlich ausgesehen wie heute. Stark verändert hat sich die Elektronik: die Fernsteuerungen sind heute computergesteuert und programmierbar. Die Batterien haben viel mehr Leistung und brauchen weniger Platz. Die Modellschiffe können dadurch länger fahren.
Wer in den Modellbau einsteigen will, muss laut Daniel Bieri Freude am Bauen haben, sollte nicht zwei linke Hände haben, braucht einen Platz zum Bauen, etwas Werkzeug und Durchhaltewillen. Daniel Bieri empfiehlt zum Einstieg einen Baukasten zu kaufen. Im Modellbaugeschäft bekomme man bereits für 70 Franken schöne Schiffe. Zusätzlich braucht es eine Fernsteuerung, die um die 100 Franken kostet.
Aktuell arbeitet Daniel Bieri an einem Modell des «Spiezerli». Es brauche viel Vorbereitungszeit. Man müsse zuerst Baupläne beschaffen und verkleinern. Die Spanten hat er bereits aus Holz fräsen lassen und am Kiel befestigt. Nun wird er den Rumpf mit Holzleisten verkleiden. Später folgen die Aufbauten aus Plastik. Auf eine Dampfmaschine musste er vorab wegen des Gewichts verzichten. Das Modell-«Spiezerli» soll in drei Jahren zu seiner Jungfernfahrt auslaufen.
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Samuel Krähenbühl hat das Buchprojekt geleitet. Im Podcast erzählt er, wie er auf dem Estrich seines Urgrossvaters ein Foto vom Dampfschiff Bubenberg gefunden hat, das heute als ältestes bekanntes echtes Farbfoto von einem europäischen Binnenseedampfer gilt. Er gibt einen Einblick, wie für das Buch weitere bis anhin unbekannte historische Bilder gefunden wurden, gerade auch dank dem Internet.
Er spricht darüber, dass die Schiffe im Berner Oberland oft auch auf den Strassen unterwegs sind. Er erklärt, warum das Dampfschiff Oberland oft unterschätzt wird. Und er sagt, was ihm am «Spiezerli» besser gefällt als an der «Blümlisalp».
Wir sprechen über vergangene und aktuelle Krisen in der Schifffahrt, über die Ästhetik der alten Motorschiffe, über falsche Anreize aus der Verwaltung und über die Zukunft der Schifffahrt im Berner Oberland.
Samuel Krähenbühl ist im Berner Oberland aufgewachsen. Der studierte Historiker ist Chefredaktor des Magazins «natürlich». Er ist auch politisch tätig, unter anderem als Grossrat für die SVP.
Über das neue Buch sagt Samuel Krähenbühl: «Die Schiffe gehören zum Thuner- und Brienzersee wie der Eiger, der Mönch und die Jungfrau oder das Brienzer Rothorn. Die Schiffe fahren seit bald 200 Jahren. Es gibt kein Werk, das die Geschichte der Kurschiffe im Berner Oberland so umfassend, so detailliert und so reich bebildert erzählt, wie unser neues Buch».
Die Geschichte der Schifffahrt auf dem Thuner- und Brienzersee
Dr. Jürg Meister (Hrsg.) und Erich Liechti
504 Seiten, 23x27cm, gebunden, Hardcover
Mit 480 Abbildungen
ISBN 978-3-03818-340-2
CHF 59.-
Erhältlich im Internet: weberverlag.ch
oder im Buchhandel: zum Beispiel bei Krebser Thun oder Orell Füssli Thun
Ebenfalls im Podcast angesprochen wurde das Buch Das Justistal und seine Alpen von Therese Krähenbühl-Müller und Samuel Krähenbühl. Das Buch ist ebenfalls im Weber-Verlag erschienen und kostet 49 Franken.
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Fällt ein Mensch ins Wasser, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Die Crew muss rasch und dennoch überlegt handeln. Deshalb wird das Mann über Bord-Manöver in jedem Sommer ein- bis zweimal geübt. Im Podcast erzähle ich, wie so eine Übung abläuft.
Eine wichtige Rolle spielt dabei die gelbe Boje Wilmaa II. Sie ist die einzige Passagierin an Bord des Dampfschiffs Lötschberg. Das aber nur für eine kurze Zeit. Danach wird sie in den Brienzersee geworfen und muss von der Crew möglichst rasch geborgen werden.
Warum wird das Rettungsmanöver mit dem Dampfschiff rückwärts, mit dem Motorschiff aber vorwärts gefahren? Ist steuerbord immer auf derselben Seite des Schiffes? Was passiert, wenn die Boje den Schiffsrumpf berührt? Wurde mit der «Lötschberg» jemals ein Mensch aus dem See gerettet? Dies und mehr beantwortet die erste Folge des Podcasts «Dani fährt Schiff».
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