Schlüsseltechnologie

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By Xyrillian NoisesTechnology
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Schlüsseltechnologie episodes

  • STP058: Identifier

    Da die Zeiten von Karteikarten in Büros und auf Ämtern zum Glück leider vorbei sind, braucht es nun andere Wege, um Personen zu identifizieren. Doch nicht nur störende Kundschaft will wiedererkannt werden...

    ShownotesWir haben einiges an Feedback bekommen, siehe Ende der Shownotes. Zuerst zum eigentlichen Thema:

    • Identifier (ID): eindeutiges Kennzeichen zur Unterscheidung gleichartiger Objekte oder Individuen

      • während des Softwaredesign (z.B. beim Entwurf des Datenbankschemas): Entscheidung darüber, welche Identifier für welche Kategorien von Objekten verwendet werden
      • Identifier für Menschen: Falsehoods Programmers Believe About Names

        • bei deutschen Behörden üblich: das Tupel aus Name und Geburtsdatum und evtl. Geburtsort -> immer noch nicht ganz eindeutig
        • bei Benutzerkonten im wesentlichen drei Optionen:
          • fortlaufende Nummern (Vorteile: im Speicher kompakt darstellbar, robustes Pseudonym; Nachteile: leakt das Alter des Kontos, rare kurze Nummern vermitteln Status), siehe z.B. ICQ-Kontonummern (frühe 2000er)
          • frei wählbare Benutzernamen (Vorteile: eingängig, Pseudonymität möglich; Nachteile: belohnt frühe Registrierung, fördert Name-Squatting)
          • E-Mail-Adressen (Vorteile: enthält implizit eine Kontaktmöglichkeit, wird seltener vergessen als eine Nummer oder ein frei wählbarer Name; Nachteile: muss vertraulich behandelt werden, beim Wechsel der Mail-Adresse evtl. Neuanmeldung erforderlich)
          • auch bei Objekten oder Datenstrukturen eine gute Option: fortlaufende Nummern

            • im deutschen Handelsrecht bei Rechnungen sogar in gewissem Rahmen rechtlich vorgeschrieben
            • Vorteil: Hochzählen ist trivial umzusetzen
            • Vorteil: kompakte Darstellung im Speicher (z.B. nur 4 Byte bei einer Gesamtzahl unter 4 Mrd. Objekte) -> insb. wichtig bei Kreuzreferenzen
            • Nachteil: ab und zu hat man doch mehr Objekte als erwartet und muss mühselig auf größere Zahlen umstellen (z.B. bei über 4 Mrd. Objekten von 32-Bit-Zahlen auf 64-Bit-Zahlen) -> Beispiel bei der Schachwebseite chess.com
            • Nachteil: in verteilten Systemen (siehe STP027) braucht man eine zentrale ID-Vergabestelle oder einen aufwändigen Konsensalgorithmus -> Geht das besser?
            • Universally Unique Identifier (UUID) gemäß RFC 4122

              • Idee: mit dem Schritt von 64 Bit auf 128 Bit so viele mögliche Werte, dass man z.B. bei zufälliger Wahl eine absurd geringe Kollisionswahrscheinlichkeit hat
              • Darstellung in Text meistens als Hexadezimalzahl in Gruppen von 8, 4, 4, 4 und 12 Stellen; Beispiel: 8b4b72a2-55dd-4ab7-b239-bb9caad9107a
              • mehrere verschiedene Formate: heutzutage am häufigsten UUIDv4 (mit rein zufälligen Zahlen, außer dass die 13. Hexadezimalstelle die Formatzahl "4" enthält)
              • Vorteil: in verteilten Systemen keine Koordination bei der Vergabe erforderlich
              • Nachteil: etwas weniger kompakt, insb. wenn die UUID wie oft üblich als Text abgespeichert wird
              • Nachteil insb. bei UUIDv4: keine sinnvolle Sortierung -> Alternativvorschläge wie UUIDv7 oder ULID stellen eine sortierbar kodierte Form des Erstellungszeitstempels voran
              • Content-Addressed Storage (CAS): Bezeichnung eines Datenstroms durch seine kryptografische Prüfsumme (siehe STP004)

                • z.B. Identifikation dieses Bildes nicht durch einen Dateinamen/Pfad/URL wie https://dl.xyrillian.de/noises/stp-038-intro.png, sondern durch die Prüfsumme sha256:e68ae45acddfab6198c01ba552ca9f1b76e78bc12c4a4ca0476da27d688d8238
                • Bildung von Datenstrukturen (z.B. Ordner oder Lesezeichenlisten) durch Benutzung dieser Prüfsummen-IDs analog zu Inode-Nummern (siehe STP031)
                • möglicherweise noch menschenlesbare Identifier, die auf CAS-Identifier abbilden (z.B. in Git: Tags als menschenlesbare Namen für Commits)
                • Vorteil: bei sorgfältigem Design selbsttätige Deduplikation und Integritätsprüfung möglich
                • Nachteil: Prüfsummen sind nochmal deutlich sperriger als UUIDs
                • zur Bezeichnung von Software-Versionen: Versionsnummern

                  • konventionelles Format: Zahlen mit Punkten getrennt (z.B. 1.7.10), sortiert leider nicht lexikografisch (z.B. "1.7.10" > "1.10.7")
                  • kein fester Formatstandard, aber es gibt Ansätze: z.B. Semantic Versioning
                  • Alternativschema: jahreszahlbasiert (z.B. Ubuntu 24.06 ist die im Juni 2024 veröffentlichte Version) -> Bemerkung von ttimeless: kann man auch mit Dateien machen (z.B. 2024-03-01-ticket-bahn.pdf)
                  • Alternativschema: das Marketing bestimmt (z.B. XBox -> XBox 360 -> XBox One -> XBox Series X/S)
                  • Alternativschema: Konvergenz (die Versionsnummer von TeX nähert sich der Zahl π an) -> bräuchten wir vielleicht mehr davon :)
                  • Feedback zu STP049

                    Till schreibt:

                    Hallo Xyrill,

                    dies bezieht sich auf Schlüsseltechnologie #49 bzw auf die darin erwähnten Farb-Begriffe.

                    Rot vs blau kommt ursprünglich vom Militär, ich selbst kenn es von den Pfadfindern, damals bei Sommerlagern und/oder Geländespielen. Um ein bisschen Spannung in das Lagerleben zu kriegen (wovon es unter 200 pubertierenden Jünglingen offenbar nicht genug gab), wurden wir in zwei Unterlager aufgeteilt, die in Wettbewerb gingen. Am letzten Abend wurden die Sieger nach Punkten verkündet, hurra. Bei Geländespielen wurde oft eine Burg definiert, gehalten von Blau und attackiert von Rot. Hier die Ursprünge: $LINK

                    Xyrill ersetzt hiermit den bereitgestellten Link auf einen Personalagentur-Blog durch den ausführlicheren Wikipedia-Artikel.

                    Die schwarzen und weißen Hüte kommen aus der Urform des Westernfilms, in der die guten Jungs immer weiße Hüte trugen und die Schurken schwarze. Zuletzt sehr pointiert in der ersten Staffel von "Westworld", die ich außerordentlich stark empfehlen möchte. (Steht bei euch popkulturell ignoranten Cyberspezls immer im Schatten von "Black Mirror".) https://en.wikipedia.org/wiki/Black_and_white_hat_symbolism_in_film

                    re: Wurm - Wiki sagt, die Bezeichnung gehe zurück auf einen SF-Roman

                    Schlapphüte (Farbe des Huts zweitrangig) sind geheimdienstlich aktive Personen. Vorkommen: ausschließlich in journalistisch schlampigen Kontexten. Das ist eine dieser Dummphrasen für alle Schreiber, die in Deutsch gelernt haben, dass man sich schöne Synonyme ausdenken soll, damit der Text eleganter wird. Wird er nicht, im Gegenteil fettet er zu, aber das ist wie nem Ochs ins Horn gepetzt. https://de.wikipedia.org/wiki/Schlapphut#Sonstiges

                    Wo wir grade dabei sind, off-topic mein Lieblings-Hassobjekt: "soziale Medien". Nichts an diesen Plattformen ist sozial, Medien sind sie auch nicht, sondern deren Inhalt. Wie meistens bei Übersetzungen im Cyberbereich war die erstübersetzende Person des Englischen nicht mächtig und hat uns für immer mit einem False Friend gestraft. Das originale "social media" hat zwar ein ebenfalls dubioses Medium, aber der Begriff "social" bedeutet in diesem Fall "gesellig": Let's go socialising! (dt. "Gehn wir einen saufen"). Entsprechend sind die sozialen Medien in Wirklichkeit Geselligkeitsplattformen. Nörgel nörgel.

                    Warum die doofen Trojaner sich ein Hottepferdchen voll waffenstarrender Griechen in die Stadt holten, schildert Stephen Fry in seiner sehr lesenswerten Ilias-Nacherzählung "Troy": Erstens war das Pferd ein exquisites Stück Handwerkskunst, zweitens war es überzogen mit Gold und Silber und Edelsteinen, drittens stand es unter dem Schutz einer mächtigen Göttin, Stichwort Laokoon, vor allem aber ergänzten diese verschlagenen Griechen das Pferd mit einem False-Flag-Helfershelfer, der alle Zweifel (und Cassandras Verzweiflungsschreie) beiseite wischte. Die Operation wäre einer Leningrader Trollfabrik würdig.

                    Stuxnet: https://darknetdiaries.com/episode/29/

                    Wenn wir schon Podcasts zu Stuxnet verlinken, erhöht Xyrill um ein Alternativlos und möchte sehen.

                    Feedback zu STP057

                    Klaus schlägt per Mail einen anderen Namen für Matrix/Mastodon-Server vor:

                    Hallo Xyrill!

                    Wie wär's mit 'Meldestelle' oder 'Anmeldedienst' oder etwas in der Art.

                    Wenn man irgendwo neu hinzieht, muss man sich doch auch registrieren.

                    Das ist hier nicht anders, schließlich ist man neu auf den entsprechenden Diensten.

                    Gibt ja jede Menge Meldestellen in Deutschland, so auch im Fediverse, nur dass im Fediverse nicht vorgeschrieben wird, welche man zu nehmen hat.

                    In der Regel interagiert man ja auch nicht notwendigerweise mit den Leuten, die sich bei der gleichen Meldestelle angemeldet habe.

                    Grüße aus Belgien!

                    Mehr Feedback zu STP057

                    Jan schreibt:

                    Hallo Xyrill und ttimeless,

                    da ihr in der letzten Folge zu ActivityPub wiederholt nach Feedback gefragt habt, gebe ich doch auch gerne meinen Senf dazu!

                    Ich denke das Wort, das Xyrill bei 00:14:53 sucht ist Galionsfigur. Wikipedia nennt im Deutschen Artikel von Figurehead auch "Frühstücksdirektor".

                    Das war eigentlich schon alles was ich schreiben wollte. Ich danke euch vielmals für diesen tollen Podcast und freue mich alle

                    drei Wochen(!) über eine neue Folge.

                    Xyrill merkt hierzu an, dass er nicht mehr wirklich GPG verwendet und das Entschlüsseln dieser Mail ein Abenteuer war.

                    Cold Call

                    Xyrill hat eine Mail bekommen:

                    Hallo Herr Majewsky,

                    Das sieht schon nicht gut aus.

                    ich möchte Ihnen gerne einen spannenden Gast für Ihren Podcast vorschlagen

                    Haben wir ja grundsätzlich nichts dagegen. Ladet Euch bitte ein, wenn Ihr ein Thema mitbringen möchtet, zu dem Ihr was sagen könnt.

                    Mit freundlichen Grüßen,

                    $NAME

                    Communications Executive

                    $PR_AGENTUR

                    Aber wenn Ihr Eure PR-Agentur vorschickt, dann gehe ich davon aus, dass es sich hier um Native Advertising handelt. Nicht nur mag ich das nicht, sondern vielleicht denkt dann das Finanzamt noch, dass hier Gewinnabsicht bestünde.

                    1 hr 28 min
                  • STP057: ActivityPub

                    Wieder einmal ein von langer Hand vorbereitetes Thema. Hier kulminiert der Inhalt der beiden vorangegangenen Folgen zu einem Blick in den Maschinenraum von z.B. Mastodon. Außerdem sprechen wir ein weiteres Mal über unseren persönlichen Blick und Umgang mit diesem Thema.

                    ShownotesKlaus schreibt per Mail:

                    Hallo timeless und Xyrill,

                    bin Anfang des Jahres irgendwo auf euren Podcast gestoßen und dort eingestiegen, wo ihr damals gerade wart, Folge 49 Schadcode und dann die weiteren.

                    Diese haben mir so gut gefallen, dass ich alle Folgen mit Antennapod abgeholt habe und dabei bin euren Podcast von hinten aufzurollen.

                    Großes Kompliment an Euch! Phantastische Serie! Freue mich auf jede neue und für mich neue-alte Folge.

                    Bin zwar vom Fach, aber lerne immer was Neues oder andere Blickwinkel kennen. HERRLICH!

                    Eine kleine Bemerkung von mir zu den Folgen 13 und 14, Textkodierung und Textdarstellung.

                    Ich bevorzuge so wie Xyrill auch die Verwendung von kombinierenden diakritischen Zeichen.

                    Die meisten der für mich nützlichen davon (u.a. für DE, FR, NL, CN-Pinyin) beginnen an der Hex-Adresse U+0300 ff.

                    Leicht zu merken und praktisch, wenn man ständig mit anderen Tastaturbelegungen zu tun hat.

                    Worauf ich aber hinaus möchte, ist folgendes:

                    Diese diakritischen Zeichen werden sowohl am Schirm als auch im Druck gleich dargestellt, obwohl ihnen andere Byte-Folgen zugrunde liegen. Hat Xyrill alles beschrieben. Hab ja zugehört. Für Textprogramme, etc. ist das kein Problem, in Datenbanken aber schon.

                    Es macht dann leider doch einen gravierenden Unterschied, ob diakritische Zeichen wie en "ä" aus U+00E4 oder aus der Kombination von U+0061 + U+0308 entstehen.

                    • Tastaturen, die diese Zeichen direkt kodieren, verwenden nur die Version mit 1 Codepunkt.
                    • Bei Längenbestimmungen von Zeichenketten ergeben sich Unterschiede. Die Zeichenketten sehen gleich aus, sind aber nicht gleich lang, obwohl sie auch gleich lang aussehen!
                    • Eingabeformulare fangen das nicht immer gut ab. Gleich aussehender Begriff, aber doch nicht derselbe.
                    • Idem bei Suchanfragen.
                    • etc.
                    • Ich empfehle daher immer in Datenbanken Strings so zu standardisieren, dass nur die Version mit 1 Codepunkt verwendet wird, so wie eben Muttersprachler diesen Text auf ihrer sprachspezifischen Tastatur eingeben würden.

                      Viele Grüße aus Belgien!

                      Klaus

                      Nun zum eigentlichen Thema:

                      • Ausgangssituation

                        • Soziale Medien: "digitale Medien bzw. Plattformen, die es Nutzern ermöglichen, sich im Internet zu vernetzen, [...] untereinander auszutauschen und mediale Inhalte einzeln, in einer definierten Gemeinschaft oder offen in der Gesellschaft zu erstellen, zu diskutieren und weiterzugeben"
                        • aber: alles zentralisiert (siehe STP056) und nicht interoperabel (siehe STP055)
                        • ActivityPub: der zurzeit wahrscheinlich aussichtsreichste Versuch, soziale Medien dezentral zu modellieren
                        • erste Anfänge in den frühen 2010ern mit Activity Streams 1.0, dann in 2016-2018 Entwicklung von Activity Streams 2.0 und darauf aufbauend ActivityPub
                        • Xyrill sieht zwei wesentliche Design-Einflüsse im ActivityPub-Protokoll
                        • Einfluss: REST (Representational State Transfer)

                          • HTTP kennt man allgemein als Protokoll zum Abruf von Webseiten (siehe STP002)
                          • neben GET gibt es in HTTP-Anfragen aber noch viele andere Verben
                          • POST: Ursprung in HTML für Abschicken ausgefüllter Formulare
                          • PUT, PATCH, DELETE etc.: für Hochladen und Verwalten von Dateien
                          • REST: Modellierung von APIs unter Einsatz dieser HTTP-Verben und unter Modellierung der Datensätze entlang von URLs (z.B. in einem Webshop PATCH /products/23, um Produkt Nr. 23 zu bearbeiten; oder in einem Blog GET /articles/hello-world/comments, um die Kommentare zu dem Post namens "Hello World" aufzurufen)
                          • Einfluss: E-Mail

                            • entworfen in einer Zeit, als die meisten Verknüpfungen im Internet nicht durchgehend verfügbar waren
                            • Mails werden nicht sofort an den Empfänger zugestellt, sondern landen erstmal auf dem Mail-Server des Absenders in einer Outbox (analog dem Postbriefkasten)
                            • Zustellung an den jeweils nächsten Server in der Kette bei Verfügbarkeit der Leitung (heutzutage unverzüglich und immer direkt an den Zielserver), dann Ablage in der Inbox des Empfängers (analog dem Hausbriefkasten)
                            • Problem bei ActivityPub: E-Mail ist Unicast (Nachrichten gehen immer an eine bestimmte Adresse bzw. eine bestimmte Liste von Adressen), aber soziale Medien können auch Broadcast sein (z.B. Tweets oder Blogposts sind global sichtbar)
                            • ActivityPub: Inbox und Outbox wie bei E-Mail, aber bidirektional

                              • Direktnachricht von Alice an Bob: Alice postet in ihre eigene Outbox, Server leitet weiter in Bobs Inbox, Bob ruft aus seiner Inbox ab
                              • öffentliche Nachricht von Alice: Alice postet in ihre eigene Outbox, Bob ruft aus Alices Outbox ab; bei Followern sendet Alices Server in deren Inbox
                              • Nachrichten verbleiben bis zu ihrer eventuellen Löschung in der Outbox und bilden einen Feed aller Nachrichten dieser Person
                              • REST-Einfluss: Inbox erlaubt GET durch den Inhaber und POST durch andere Server, Outbox erlaubt POST durch den Inhaber und GET durch alle
                              • vgl. Bilder in Kapitel 1 der ActivityPub-Spezifikation
                              • wesentliche Implementationen von ActivityPub: Kurznachrichtendienst Mastodon, Linkaggregator Lemmy, Bildplattform Pixelfed, Videoplattform PeerTube
                              • Anekdote: Xyrill hatte überlegt, die Podcast-Seite mit ActivityPub auszustatten, und ist davon wieder abgekommen
                              • Beobachtung bzw. Rückbezug zu STP056: föderierte Netzwerke haben einen starken Drang zur (Re-)Zentralisierung

                                • Anschauungsbeispiel: Verteilung der Nutzerzahlen zwischen verschiedenen ActivityPub-Implementationen -> Mastodon macht 99% der Nutzerbasis aus
                                • innerhalb von Mastodon initial starke Konzentration bei mastodon.social; seit einiger Zeit ist beim Anlegen eines Nutzerkontos kein Server mehr voreingestellt
                                • vgl. auch Matrix: schätzungsweise etwa 50% der Nutzer bei matrix.org
                                • absolut subjektiver Eindruck: Mastodon-Entwickler dominieren die Weiterentwicklung von ActivityPub als ganzes
                                • Vergleich mit dem AT-Protokoll von BlueSky

                                  • Motivation: Trennung des Zustellpfades von "dem Algorithmus" (Inhaltsvorschläge und Moderation), um letztere austauschbar zu gestalten
                                  • modulare/dezentrale Moderation (mit den daraus folgenden Konsequenzen, z.B. öffentlich einsehbare Blocklisten, also kein Shadowbanning möglich)
                                    • vgl. ActivityPub: Faustregel: 1 Moderator:in pro 1000 User
                                    • Konten bei AT sind nicht an bestimmte Server gebunden, sondern können unter Erhalt der gesamten Kommunikationshistorie umgezogen werden (ActivityPub-Adressen sind mehr wie Kontonummern oder E-Mail-Adressen; AT-Identifier sind mehr wie portierbare Telefonnummern)
                                      • vgl. Debatte über die Begrifflichkeit "Server" vs. "Instanz" vs. "Community" bei Mastodon
                                      • Update: ActivityPub arbeitet an "nomadischer Identität" analog zu den Decentralized Identifiers in AT
                                      • im Gespräch erwähnt: Entwurf einer Änderung der Gemeinsamen Geschäftsordnung der Bundesministerien (GGO) zur Umsetzung der Vorhaben "Exekutiver Fußabdruck" und "Synopse"

                                        1 hr 33 min
                                      • STP056: Zentralisierung

                                        In dieser Episode werden die Kerntatsachen zum Sachverhalt der Zentralisierung in geradezu essayistischer Form herausgearbeitet und dargestellt, um der Hörerin eine Urteilsbildung zu ermöglichen. Hierbei wird ein eigener Standpunkt zur Fragestellung gefunden und argumentativ abgeleitet.

                                        Shownotes
                                        • RFC (Request for Comments): eine Publikationsreihe für zumeist technische Spezifikationen, aber auch Essays betreffend die Fortentwicklung der Internet-Infrastruktur

                                          • bereits besprochen in STP035 anhand der Tradition der Aprilscherz-RFCs
                                          • im Übrigen auch eines der anschaulichsten Beispiele für die ursprüngliche Intention von Hypertext: RFCs sind blanke Textdateien, die für die Darstellung als Webdokument automatisiert aufbereitet werden
                                          • heute etwas ernster, aber hoffentlich ähnlich zugänglich anhand RFC 9518: "Centralization, Decentralization, and Internet Standards"
                                          • wir folgen in unserer Besprechung des Themas der Struktur der Textgrundlage; deutschsprachige Zitate sind jeweils aus dem Englischen übersetzt
                                          • Kernbegriff: "Zentralisierung [im Sinne dieses Dokumentes] ist eine Sachlage, bei der eine einzelne Entität oder eine kleine Gruppe eine Funktion des Internets überwachen, abfangen, kontrollieren oder aus ihrem Betrieb oder ihrer Benutzung Pacht ziehen kann."

                                            • Die ersten drei Varianten (Überwachung, Abfangen, Kontrolle) sind die intuitiv klaren Formen von Zentralisierung (z.B. das Telefon-Festnetz ist zentralisiert, da es von einem einzigen Anbieter, der Telekom, betrieben und kontrolliert wird).
                                            • Der Teil mit "Pacht" ist im Original "rent extraction", was im Englischen ein durchaus geläufiger Begriff ist, während im Deutschen der "Rentier" wahrscheinlich eher für einen Rentner gehalten wird.
                                              • en.wiktionary.org zu "rent" im Sinne "rent extraction": "A profit from possession of a valuable right, as a restricted license to engage in a trade or business." – "Profit aus dem Besitz eines wertvollen Rechtes, als limitierte Lizenz zum Betrieb eines Handwerks oder Geschäftes"
                                              • klassische Beispiele außerhalb der IT: Taximedaillon, Notarstellen, natürliche Monopole wie Netzbetreiber von Strom-/Wasser-/Gasleitungen
                                              • Beispiel im Internet: App-Store-Betreiber (wer Software für iPhones vertreiben will, muss 30% Pacht an Apple abführen), IANA (Internet Assigned Numbers Authority) als Betreiber der DNS-Rootserver (zu DNS siehe STP018)
                                              • im Gespräch erwähnt: 5 Gründe, warum der Markt in der Praxis nicht so funktioniert wie in der Theorie
                                              • mögliche negative Konsequenzen von Zentralisierung

                                                • Machtkonzentration (der RFC zitiert hier die Federalist Papers von 1788: "So wie [John Madison in denselben] Good Governance [(verantwortungsbewusste Regierungsführung)] der US-Staaten beschreibt, so erfordert Good Governance des Internets, dass Kontrolle über seine einzelnen Funktionen nicht ohne angemessene Gewaltenteilung an einer zentralen Stelle konsolidiert wird.")
                                                • Begrenzung von Innovation: neue Entwicklungen brauchen Freiraum
                                                  • im Gespräch erwähnt: Freak Show #274 zum App-Store-Monopol von Apple
                                                  • Begrenzung von Wettbewerb: Wettbewerb mehrerer kompatibler Anbieter oder mehrerer Protokolle schafft die vorgenannte Gewaltenteilung
                                                  • Verringerte Verfügbarkeit: Wenn alles durch einen zentralen Anbieter geht, führt ein Ausfall dort zu Folgeausfällen woanders.
                                                    • Greifbares Beispiel: Was passiert, wenn ein Stadtviertel über eine zentrale Glasfaserleitung angebunden ist und diese Glasfaser versehentlich aufgebaggert wird?
                                                    • Der RFC zitiert einige Beispiele.
                                                    • Xyrill hat eine Anekdote zu AWS und Minecraft.
                                                    • Monokultur
                                                    • Selbstverstärkung
                                                    • mögliche positive Konsequenzen von Zentralisierung

                                                      • Verständlichkeit, Zweckdienlichkeit
                                                        • zentrale Steuerung von DNS verleiht Domain-Namen eine hilfreiche Universalität
                                                        • z.B. bei IP-Adressen oder Telefonnummern ist derartig kontrollierte Universalität technisch notwendig
                                                        • Effizienz durch Skaleneffekte: siehe Besprechung von CDNs in STP024 (Cloud-Computing)
                                                        • Konzentration von Kontrolle kann Governance einfacher machen (was positiv sein kann, sofern man Governance an sich als grundsätzlich wünschenswert ansieht)
                                                          • Beispiel: Bankenregulierung
                                                          • Xyrill fügt noch hinzu: Zentralisierung kann die Weiterentwicklung von Protokollen vereinfachen, sofern Ossifikation entgegengewirkt werden muss
                                                            • Ossifikation: im Wortsinne "Verknöcherung", im übertragenen Sinne die faktische Unänderbarkeit von Protokollen, wenn eine Vielzahl von verschiedenen unabhängigen Akteuren die Änderung gleichzeitig vollziehen muss
                                                            • Ansätze zur aktiven Dezentralisierung

                                                              • Föderation: verschiedene Anbieter betreiben voneinander unabhängige Instanzen, die miteinander in Kontakt treten, um einen insgesamten Dienst zu bilden (klassisches Beispiel: E-Mail)
                                                                • alleine unzureichend, da nicht-technische Faktoren Zentralisierungsdruck erzeugen
                                                                • Beispiel E-Mail: wer einen E-Mail-Server betreiben will, muss faktisch nach der Pfeife von Microsoft/Google/United Internet/etc. tanzen, da Outlook und G-Mail den Markt dominieren
                                                                • Beispiel XMPP: nachdem einige wenige Betreiber in der Föderation groß geworden sind, haben sie sich vom föderierten Netz getrennt und ihre Nutzer effektiv eingesperrt (z.B. WhatsApp war früher XMPP-kompatibel)
                                                                • verteilter Konsens: Zusammenschluss aus vielen Teilnehmenden, bei denen die Ausübung von Macht innerhalb des Netzes zufällig und temporär zugewiesen wird (siehe Besprechung von Blockchain in STP048)
                                                                  • "Während diese Maßnahmen darin wirkungsvoll sein können, den Betrieb eines Dienstes zu dezentralisieren, können andere Aspekte seiner Vorhaltung weiterhin zentralisiert sein: zum Beispiel die Kontrolle über das Design, die gemeinsam genutzte Implementation, sowie die Dokumentation von Netzwerkprotokollen."
                                                                  • aktives Regierungshandeln ("Operational Governance"): Ausübung der operativen Kontrolle durch eine neutrale Treuhänderstelle, die die Interessen der verschiedenen Diensteanbietern und Nutzenden gegeneinander abwägt
                                                                    • Einrichtung mitunter auch im Nachhinein möglich, sofern das technische, ökonomische oder politische Umfeld die Diensteanbieter zur Kooperation zwingt
                                                                    • klassische Beispiele: ICANN für IP-Adressen, IANA für DNS, CA/Browser-Forum für Wurzel-Zertifikatsautoritäten (siehe STP048)
                                                                    • Was können Autorinnen von Internet-Standards tun, um Zentralisierung vorzubeugen und Dezentralisierung zu fördern?

                                                                      • Legitimität erzeugen
                                                                        • durch Öffentlichkeitsarbeit gegenüber der Bevölkerung oder gesellschaftlichen und staatlichen Institutionen Vertrauen schaffen, um dann die öffentliche Diskussion in die gewünschte Richtung zu beeinflussen
                                                                        • Problem: mehr Geld kauft mehr PR
                                                                        • Diskussion fokussieren
                                                                          • nicht Zentralisierung als solches verteufeln (hat wie gesehen ja auch Vorteile), sondern explizit auf die Nachteile konzentrieren
                                                                          • konkreter Vorschlag: RFCs sollten neben den Standardabschnitten "Sicherheitsrelevante Überlegungen" und "IANA-relevante Überlegungen" immer auch "Zentralisierungsrelevante Überlegungen" explizieren
                                                                          • Abzielen auf proprietäre Dienste
                                                                            • zentralisierte Angebote und Protokolle sollten aktiv mit offenen Standards konfrontiert werden
                                                                            • Wechselkosten verringern
                                                                              • z.B. neue offene Standards so gestalten, dass sie mit bestehenden proprietären Diensten interoperabel sein können
                                                                              • selbst Open Source ist nicht immer die Lösung, wenn die Weiterentwicklung der Open-Source-Software die Expertise eines bestimmten Anbieters erfordert
                                                                              • Delegation von Kontrolle bändigen
                                                                                • Wenn ein Protokoll der Nutzerin ermöglicht, Aufgaben an einen Dritten zu delegieren, kann das eine Sollbruchstelle zur Machtkonzentration sein.
                                                                                • Beispiel (im RFC erwähnt): HTTP-Proxies (ähnliches war auch bei HTTP auf der Internetanbieter-Ebene zu beobachten)
                                                                                • starke Isolation durchsetzen
                                                                                  • Beispiel: viele Protokolle hängen von der Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit eines darunterliegenden Netzwerkes ab -> Verschlüsselung schützt gegen Machtkonzentration beim Betreiber dieser Basisschicht (schützt in diesem Beispiel nur vor Zentralisierung im Sinne von Überwachung, weniger im Sinne von Kontrolle)
                                                                                  • sorgfältige Abwägung von Erweiterbarkeit
                                                                                    • hilfreich, um Wettbewerb und Innovation zwischen verschiedenen Anbietern zu fördern
                                                                                    • aber auch Risiko des "Vendor Lock-In" (Erweiterung durch anbieterspezifische Funktionen, die Nutzerinnen an den Anbieter binden)
                                                                                    • wiederverwenden, was funktioniert
                                                                                      • z.B. hat DNS trotz aller Probleme alles in allem ein relativ dezentrales Design und eine relativ gute Governance – tendenziell lieber darauf aufbauen, als eine eigene dezentrale Datenbank zu frickeln (oder s/DNS/Ethereum/, wenn man lieber Blockchain nehmen möchte)
                                                                                      • Xyrills Abendgedanken: (De-)Zentralisierung ist, so wie fast alle Fragen aus dem Feld der Netzpolitik, nicht eine rein technische Frage und erfordert neben technischen auch soziale und gesetzliche Lösungen

                                                                                        1 hr 27 min
                                                                                      • STP055: Interoperabilität

                                                                                        "Together we stand, divided we fall." Deshalb geht es heute darum, wie Prozesse zur Zusmmenarbeit gebracht werden, oder auch, wie das gelegentlich schief geht. Zum Schluss haben wir wieder eine leicht schwermütige Unterhaltung darüber, warum die Dinge sind, wie sie sind. In diesem Sinne: "Let's work together..."

                                                                                        Shownotes
                                                                                        • historischer Einstieg: initial nur einzelne monolithische Programme

                                                                                          • Computer startet, sobald das Programm eingegeben ist, zusammen mit dem Programm
                                                                                          • mehrere Programme möglich, aber diese alle komplett voneinander unabhängig; bzw. jeweils nur abhängig von der Maschine selbst
                                                                                          • dann wurden Programme so komplex, dass sie nicht mehr von einer Person verfasst werden konnten
                                                                                          • 1975: akademische Unterscheidung zwischen "Programming in the large" und "Programming in the small"
                                                                                          • Unterteilung der Software eines Computers in kleinere Einheiten erfordert definierte Schnittstellen
                                                                                          • Analogie: Unternehmen mit mehreren Mitarbeiterinnen erfordern meist definierte Abläufe
                                                                                          • Schnittstellen auf der großen Ebene (zwischen Prozessen): Kommunikationsprotokolle und Datenformate

                                                                                            • Kommunikationsprotokolle: regeln Sende-/Empfangsreihenfolge, Inhalte der einzelnen Datenpakete und das durch sie ausgelöste Verhalten, Fehlerbehandlung etc.
                                                                                            • Datenformate: definieren die Struktur eines Datenpaketes; kann in einer Datei gespeichert sein; kann Teil eines Kommunikationsprotokolls sein; kann Baustein in einem größeren Datenformat sein (z.B. Videodatei besteht aus einem Audiodatenformat, einem Bildstromdatenformat und einem umschließenden Containerformat)
                                                                                            • Schnittstellen auf der kleinen Ebene (innerhalb eines Prozesses): API (Application Programming Interface) und ABI (Application Binary Interface)

                                                                                              • z.B. eine Komponente, die einen Sortieralgorithmus bereitstellt, hat eine Schnittstelle, die eine Liste von Zahlen entgegennimmt und eine sortierte Liste von Zahlen zurückgibt
                                                                                              • dies ungefähr die geringste Ebene von Komplexität, Skala nach oben offen
                                                                                              • API: auf der Ebene von Programmcode
                                                                                              • ABI: auf der Ebene von Maschinencode
                                                                                              • Beispiel API: OpenGL vs. DirectX vs. Vulkan
                                                                                              • XKCD 927
                                                                                              • Interoperabilität mit der Brechstange: Reverse Engineering

                                                                                                • siehe auch STP040 (§69e UrhG: Dekompilierung und Reverse Engineering sind unter bestimmten Umständen auch ohne Zustimmung des Urheberrechteinhabers erlaubt)
                                                                                                • Interoperabilität mit etwas sanfterem Hebel: Emulation

                                                                                                  • siehe auch STP023
                                                                                                  • siehe auch: Berufsbezeichnung Systemintegrator

                                                                                                    • Unterdisziplin des Ausbildungsberufes "Fachinformatiker", in Abgrenzung zum Anwendungsentwickler
                                                                                                    • Tätigkeitsschwerpunkt: Anpassung bestehender Systeme zum Zwecke der Interoperabilität
                                                                                                    • vor allem im Umfeld von Firmensoftware verbreitet (Warenwirtschaftssystem des Herstellers A muss mit dem Buchhaltungssystem des Herstellers B verbunden werden)
                                                                                                    • 1 hr 7 min
                                                                                                    • STP054: TLS als Ganzes

                                                                                                      Nach unserem kleinen Ausflug in fremdes Fach kehren wir heute zurück zu TLS. Dabei soll es diesmal mehr um einen Blick aufs Ganze gehen – und um die Identität der Entität.

                                                                                                      ShownotesFeedback per Mail:

                                                                                                      Bei ca. 8 Minuten sagst du, das ein 64-Bit-Prozessor eine Adressbreite von 64 Bit hat, 32 Bit etc. analog. Das stimmt so nicht. Die Zahl gibt die Datenbreite an, nicht die Adressbreite (und damit auch die Registerbreite). Ein aktueller 64 Bit amd64 Prozessor kann max. 48 Bit adressieren (siehe /proc/cpuinfo, bzw. die Länge deiner Adressen in der maps Ausgabe). Der 286er konnte 20 bit Adressbreite, obwohl es ein 16-Bit-Prozessor war – Ich weiss nicht, ob du die Rumfummelei mit den Segmentregistern noch machen musstest. ;) Bei den 32-Bit-Prozessoren hat es übereingestimmt.

                                                                                                      Ca 14 Minuten: Das Programm muss nicht komplett im Speicher liegen, sondern nur Teil, der abgearbeitet wird. Heute eventuell unüblich, aber früher war es durchaus so, das Programmteile während der Ausführung nachgeladen wurden und dann andere, gerade nicht benutzte Programmteile ersetzt haben.

                                                                                                      Bei den 8-Bit-Spielekonsolen teilweise mit per Software umschaltbaren Speicherseiten des Game-ROMs, als z.B. das von einem 64k-ROM immer nur 16k-Blöcke für den Prozessor sichtbar waren (und die gleichen Adressen benutzt haben) und per IO-Befehl die Speicherseiten vom Programm gewechselt werden konnten, da ansonsten der Adressraum nicht ausgereicht hätte.

                                                                                                      Stack: Soweit ich weiss, ist der Stack nicht wirklich hart beschränkt, sondern nur über das eingestellte ulimit. Bis zu diesem (änderbarem) Limit wird der dynamisch zur Laufzeit verwaltet und ggf. vergrößert.

                                                                                                      Xyrill nimmt die Ausführungen wohlwollend zur Kenntnis, sieht sich jedoch nicht gezwungen, seine Position zu revidieren. Nun zum eigentlichen Thema:

                                                                                                      • Wo kriegt man Zertifikate her?

                                                                                                        • Rückblick auf STP048: Zertifikate sind signiert von übergeordneten Zertifikaten (Zertifikatsautoritäten, CA), wodurch sich eine Kette bis hoch zu einem Wurzelzertifikat (Root-CA) aufbaut
                                                                                                        • Clientzertifikate werden durch eine Stelle ausgegeben, der der Server vertraut (z.B. in Unternehmensnetzwerken eine CA unter der Obhut der Unternehmens-IT)
                                                                                                        • für Serverzertifikate enthält der Browser bzw. das Betriebssystem eine Liste von vertrauenswürdigen Root-CAs -> Wie kann man eine Root-CA werden?
                                                                                                        • CA/Browser Forum

                                                                                                          • Verein von Browser-Herstellern und Root-CA-Betreibern zur Selbstregulierung der Anforderungen an Browser und Root-CAs
                                                                                                          • Root-CAs, die gegen die entsprechenden Sicherheits- und Transparenzregeln verstoßen, wird von den Browsern das Vertrauen entzogen, was deren Geschäftsgrundlage entzieht (siehe z.B. diese tolle lange Liste von Vorfällen mit Symantec-CAs, die Mozilla dokumentiert hat)
                                                                                                          • eine sehr bekannte Root-CA: ISRG (Internet Security Research Group) unter dem Markennamen Let's Encrypt

                                                                                                            • Situation vor 2013: TLS-Zertifikate kosten Geld und werden im Prinzip nur von Firmenwebseiten gekauft (Teufelskreis: teuer -> kleine Kundschaft -> keine Skaleneffekte -> teuer)
                                                                                                            • 2013: Snowden-Enthüllungen (Pentaradio berichtete neulich über das 10-jährige Jubiläum) -> Erkenntnis: wir brauchen mehr Verschlüsselung im Internet
                                                                                                            • 2015: ISRG bietet mit Let's Encrypt automatisierbare und kostenlose TLS-Zertifikate für Jedermann
                                                                                                            • Was tun nach einem IT-Angriff, wenn ein Server-Zertifikat kompromittiert wurde?

                                                                                                              • Zertifikate können der CA als gestohlen gemeldet werden
                                                                                                              • Online Certificate Status Protocol (OCSP): Protokoll für die Abfrage von Rückzugsanzeigen (dem digitalen Äquivalent von Diebstahlsmeldungen)
                                                                                                              • Probleme: wenn das die Clients machen, überlastet es die kleinen CAs und die großen CAs könnten damit wunderbar #Datenspuren sammeln
                                                                                                              • OCSP-Stapling ("OCSP-Tackern"): der Server lässt sich alle paar Minuten per OCSP bescheinigen, dass das eigene Zertifikat noch nicht zurückgezogen wurde, und tackert das an alle TLS-Handshakes ran
                                                                                                              • Angriffe auf TLS

                                                                                                                • grundsätzlich alle Angriffe auf einzelne Primitiven sowie die Interaktion bestimmter Primitiven miteinander im Rahmen von TLS -> das geht uns zu sehr ins Detail, ist aber einer der Hauptgründe für die fortwährende Weiterentwicklung des Protokolls
                                                                                                                • Implementierungsfehler (z.B. Heartbleed, siehe STP037)
                                                                                                                • Downgrade-Angriffe: Kryptoagilität ausnutzen, um die anderen Teilnehmer zu einer weniger starken Verschlüsselung zu überreden; z.B. auch durch Machine-in-the-Middle (MITM), weswegen die Verschlüsselung schon der allerersten Handshake-Schritte so wichtig ist
                                                                                                                • Export-Downgrade: Spezialform des Downgrade-Angriffs, der die anderen Teilnehmer auf eine extrem schwache Exportverschlüsselung herunterzieht (bewusst schwache Verschlüsselungen aus der Zeit vor dem Wassenaar-Abkommen, als starke Verschlüsselung noch als exportlimitierte Militärtechnik eingestuft war)
                                                                                                                • 55 min
                                                                                                                • STP053: Lieber was mit Holz

                                                                                                                  Diesmal hat Xyrill kein Bock mehr auf den Computermist und ttimeless erzählt stattdessen etwas über die ehrliche Arbeit des Handwerkers. Oder zumindest einiger Handwerker.

                                                                                                                  Shownotes
                                                                                                                  • Gewerksabgrenzung

                                                                                                                    • Drechsler: Holzgewerk, Kunsthandwerk: Stellt Drehteile aus Holz, Kunststoffen, Bein, Elfenbein, Horn, … her
                                                                                                                    • Holzbildhauer: stellt Skulpturen aus Holz sowie Verzierungen an hölzernen Bauelementen oder Einrichtungsgegenständen her
                                                                                                                    • Zimmerer: Holzgewerk, Bauberuf (Bauhauptgewerbe); stellt Bauwerksteile her, z.B. Dachkonstruktionen, Rohbauten (Fachwerk, Holzrahmenbau, Blockbauweise, …), Balkone, Innenausbau (Böden, Treppen, Holzdecken, Wandverkleidungen), …
                                                                                                                    • Stellmacher/Wagner: Holzgewerk; stellt Räder, Wagen, landwirtschaftliche Geräte, … her
                                                                                                                    • Tischler/Schreiner: "… Handwerk, welches sich auf die schneidende, fügende oder veredelnde Verarbeitung von Holz und Holzwerkstoffen spezialisiert hat." Stellt Bauelemente (Fenster, Türen, …), Möbel, Innenausbauten (Böden, Treppen, Holzdecken, Wandverkleidungen wie Lambris, …), … her.
                                                                                                                    • Die Abspaltung der Tischler vom Zimmererberuf wurde ab dem 14. Jahrhundert durch Bildung von Zünften vorangetrieben.
                                                                                                                    • Siehe hierzu auch Liste der Handwerksberufe: Holzhandwerke
                                                                                                                    • Materialien

                                                                                                                      • Verschiedene einheimische und importierte Hölzer als:
                                                                                                                        • Massivholz (hauptsächlich in Form von Brettern oder Bohlen)
                                                                                                                        • Furnier
                                                                                                                        • Holzwerkstoffe (haupsächlich Plattenwerkstoffe) z.B.
                                                                                                                          • Platten auf Massivholzbasis
                                                                                                                            • Brettsperrholz (z.B. Dreischichtplatte)
                                                                                                                            • Brettschichtholz
                                                                                                                            • Stabsperrholz (Tischlerplatte)
                                                                                                                            • …
                                                                                                                            • Furnierholzwerkstoffe
                                                                                                                              • Furniersperrholz
                                                                                                                              • Furnierstreifenholz
                                                                                                                              • Furnierschichtholz
                                                                                                                              • Biegesperrholz
                                                                                                                              • …
                                                                                                                              • Spanplatten
                                                                                                                                • Flachpressplatten
                                                                                                                                • Strangpressplatten
                                                                                                                                • OSB (Oriented Strand Board)
                                                                                                                                • …
                                                                                                                                • Holzfaserplatten
                                                                                                                                  • MDF (Mitteldichte Faserplatte)
                                                                                                                                  • "Hartfaserplatte"
                                                                                                                                  • Holzfaserdämmplatte
                                                                                                                                  • …
                                                                                                                                  • Kunststoffe
                                                                                                                                    • Plexiglas (oder allgemeiner durchsichtige oder trübe Kunststoffplatten)
                                                                                                                                    • Corian
                                                                                                                                    • Epoxidharz
                                                                                                                                    • …
                                                                                                                                    • Metall, z.B. in Form von Beschlägen
                                                                                                                                    • Mineralische Werkstoffe
                                                                                                                                    • Fachrichtungen

                                                                                                                                      • Möbeltischler: Herstellung und Montage von mobilen und Einbaumöbeln
                                                                                                                                      • Bautischler: Herstellung und Montage von Bauelementen
                                                                                                                                      • Treppenbau: Herstellung und Belag von Treppen sowie Geländern und Brüstungen
                                                                                                                                      • Innenausbau: Erstellung von bewohnbaren Raumoberflächen auf Basis des Rohbaus
                                                                                                                                      • Ladenbau: Erstellung und Einrichtung von Verkaufspräsentationsflächen inkl. z.B. Kassenbereich
                                                                                                                                      • Montagebetriebe: Montage vorwiegend von Bauelementen auf Baustellen ohne umfangreiche Fertigungsstätten
                                                                                                                                      • Bodenleger: Verlegen und Aufarbeiten von Parkett-, Dielen-, Laminat- und anderen Böden
                                                                                                                                      • (Messebau)
                                                                                                                                      • Billardbau
                                                                                                                                      • Zaunbau
                                                                                                                                      • …
                                                                                                                                      • Rausschmeißer: In eigener Sache

                                                                                                                                        • Postkarten eingetroffen aus Berlin, Rheinland-Pfalz, dem Kanton Zürich und vom Kongress – Bitte weiter so. :)
                                                                                                                                        • Wir nehmen auch gute Bewertungen bei Apple Podcasts etc.
                                                                                                                                        • 1 hr 30 min
                                                                                                                                        • STP052: TLS im Detail

                                                                                                                                          Wir steigern den Schwierigkeitsgrad. In dieser Episode wird der Stoff der vorherigen Folgen abgefragt. Dafür können wir dann aber auch die Folge in einer Stunde abfeiern – oder zumindest den ersten Teil.

                                                                                                                                          Shownotes
                                                                                                                                          • Rückbezug zu STP048: Transportverschlüsselung vs. Ende-zu-Ende-Verschlüsselung

                                                                                                                                            • Ende-zu-Ende-Verschlüsselung: zwischen den Endpunkten einer Kommunikation (z.B. im Messenger zwischen Alice und Bob)
                                                                                                                                            • Transport-Verschlüsselung: entlang eines einzelnen Schrittes des Kommunikationsweges (z.B. im Messenger einmal zwischen Alice und dem Server, und dann einmal zwischen dem Server und Bob)
                                                                                                                                            • heute reden wir über Transport-Verschlüsselung
                                                                                                                                            • Transport Layer Security (Sicherheit auf der Transportschicht): "ein Verschlüsselungsprotokoll zur sicheren Datenübertragung im Internet"

                                                                                                                                              • nicht selbst ein vollständiges Protokoll, sondern ein Fundament, dass andere Protokolle als Nutzlast trägt (vgl. STP005: Netzwerkschichten-Modell)
                                                                                                                                              • Geschichte von TLS: 1994 erste stabile Version als Teil des Netscape-Browsers (unter dem Namen SSL); in den 90ern in schneller Abfolge neue Versionen, seitdem nach Bedarf in unregelmäßigen Abständen; aktuell TLS 1.3 (und 1.2 ist auch hinreichend okay)
                                                                                                                                              • wir beschreiben jetzt die Struktur des TLS-Protokolls; hierfür sind als notwendiges Vorwissen STP043 (Kryptografische Primitiven) und STP048 (Vertrauen) erforderlich
                                                                                                                                              • TLS Record: zweite und einfachere Phase der Verbindung

                                                                                                                                                • einfach eine symmetrische Verschlüsselung, um die Nutzdaten einzupacken
                                                                                                                                                • offensichtliches Problem: Wo kommt der symmetrische Schlüssel her?
                                                                                                                                                • das klingt nach einem Job für asymmetrische Verschlüsselung
                                                                                                                                                • TLS Handshake: initiale Aushandlungsphase zu Beginn der Verbindung

                                                                                                                                                  • erste Aufgabe: Aushandlung eines symmetrischen Schlüssels -> Diffie-Hellman-Schlüsselaustausch (siehe STP Live)
                                                                                                                                                  • zweite Aufgabe: Überprüfung der Identität der Gegenstelle -> digitale Zertifikate (siehe STP048)
                                                                                                                                                  • beide Aufgaben müssen miteinander verbunden werden -> drei (teils überlappende) Phasen
                                                                                                                                                  • Phase 1: Berechnung eines initialen symmetrischen Schlüssels mit Diffie-Hellman, damit Verschlüsselung von Phase 2 und 3
                                                                                                                                                  • Phase 2: Validierung des Server-Zertifikates durch den Client und ggf. des Client-Zertifikates durch den Server
                                                                                                                                                  • Phase 3: Client würfelt den finalen symmetrischen Schlüssel und überträgt diesen verschlüsselt mit dem öffentlichen Schlüssel des Server-Zertifikates
                                                                                                                                                  • Warum zwei Schlüssel?

                                                                                                                                                    • die Art und Weise der Übertragung des finalen Schlüssels stellt sicher, dass der Server den privaten Schlüssel kontrolliert
                                                                                                                                                    • der Handshake-Schlüssel aus Phase 1 stellt sicher, dass auch bei nachträglicher Kompromittierung des privaten Schlüssels des Servers eine mitgeschnittene Verbindung nicht geknackt werden kann (Perfect Forward Secrecy/Perfekte Vorwärts-Geheimhaltung)
                                                                                                                                                    • eine wesentliche Eigenschaft von TLS: Kryptoagilität

                                                                                                                                                      • TLS ist erstmal nur eine Grundstruktur
                                                                                                                                                      • konkrete kryptografische Primitiven sind bis zu einem gewissen Grad gegeneinander austauschbar
                                                                                                                                                      • im Laufe der Zeit Hinzufügung neuentwickelter Primitiven und Abschaffung alter Primitiven
                                                                                                                                                      • Handshake enthält eine Verhandlung, in der Client und Server sich über die zu verwendenen Primitiven handelseinig werden
                                                                                                                                                      • Im Gespräch erwähnt:

                                                                                                                                                        • ARP(Address Resolution Protocol) erklärt im RFC-Podcast
                                                                                                                                                        • 57 min
                                                                                                                                                        • STP051: Ablauf eines IT-Angriffs

                                                                                                                                                          Im zweiten Teil der ursprünglichen Episode #49 spricht Xyrill nun über den tatsächlichen Ablauf einer Attacke. Außerdem geht es um Motivationen und Gegenmaßnahmen.

                                                                                                                                                          Shownotes

                                                                                                                                                          [Unser Arbeitsfeld] heißt "Computer-Sicherheit", nicht "Computer-Optimismus". Wir machen uns der schlimmstmöglichen Resultate bewusst, denn auch wenn wir es nicht tun, unsere Gegner werden es auf jeden Fall tun.

                                                                                                                                                          – Matthew Green über IT-Sicherheit (übersetzt aus dem Englischen)

                                                                                                                                                          • Topologie eines IT-Angriffs auf ein verteiltes System (z.B. das interne Netz eines Unternehmens oder einer Organisation)

                                                                                                                                                            • Erstangriff entweder durch reinen Exploit eines von außen erreichbaren Systemes (z.B. der Firmenwebseite) oder durch Einschleusung eines Exploits mittels Social Engineering (Manipulation von Menschen mit Zugriff auf das System mit dem Ziel, einen Exploit einzuschleusen oder Informationen wie Passwörter auszuschleusen; z.B. Phishing)
                                                                                                                                                            • basierend auf erstem Zugriff in das System dann Privilege Escalation (Verwendung weiterer Exploits, um schrittweise immer weitergehenden Zugriff zu erlangen) und Lateral Movement (Ausnutzung des Zugriffs auf ein Teilsystem, um andere verwundbare Systeme im Netzwerk aufzuspüren und anzugreifen)
                                                                                                                                                            • Welche Ziele kann ein IT-Angriff letztendlich verfolgen?

                                                                                                                                                              • Datendiebstahl: z.B. Spionage, Wirtschaftsspionage, Erpressung mittels Kompromat, Doxing
                                                                                                                                                              • Propaganda: z.B. Verbreitung von Desinformation und Fake-News durch gekaperte Accounts von Personen des öffentlichen Lebens
                                                                                                                                                              • Datendiebstahl: z.B. Datenbanken von Nutzerdaten (Passwörter, Mail-Adressen, Kontodaten etc.) können für weitere Angriffe und Betrugsversuche vermarktet werden
                                                                                                                                                              • Finanzdiebstahl: z.B. Ausnutzung illegitimen Zugriffs auf Bankkonten, Kreditkarten oder auch Konten in virtuellen Währungen
                                                                                                                                                              • Sabotage: z.B. Ransomware (Infektion durch Virus oder Trojaner, dann evtl. Lateral Movement, dann Verschlüsselung aller erreichbaren Festplatten und Backups, dann Erpressung von Lösegeld)
                                                                                                                                                              • Sabotage: z.B. Stuxnet
                                                                                                                                                              • Was kann man auf der Verteidigerseite machen?

                                                                                                                                                                • keine Sicherheitslücken haben :)
                                                                                                                                                                • Verwendung von sichereren Programmiermethodiken (z.B. moderne Programmiersprachen, die Speicherverwaltungsfehler systematisch verhindern)
                                                                                                                                                                • Einsatz von Sandboxing (siehe STP023) und anderen Techniken, um die Privilege Escalation zu erschweren ("Principle of Least Privilege": jeder Prozess sollte mit den geringsten möglichen Rechten laufen, und jedes Benutzerkonto sollte nur genau die Berechtigungen haben, die für die Erfüllung der jeweiligen legitimen Aufgaben notwendig sind)
                                                                                                                                                                • aktive Verteidigungsmaßnahmen wie Virenscanner oder Intrusion-Detection-Software sind umstritten
                                                                                                                                                                • allgemeiner: Threat Modeling; das systematische Auflisten von möglichen Angriffen und Schwachstellen, um dann entsprechende Gegenmaßnahmen zu koordinieren
                                                                                                                                                                • nach dem Angriff: Attribuierung (die Zuschreibung eines Angriffs zu einem Angreifer) ist zwar oft gewünscht (man hat halt gerne einen Schuldigen, gerade in der politischen Arena), ist aber meist extrem schwer (es ist deutlich einfacher, als Angreifer falsche Fährten zu legen, als sie als Forensiker als solche zu erkennen)
                                                                                                                                                                • weiterführende Quellen

                                                                                                                                                                  • zu Social Engineering: Hirne hacken
                                                                                                                                                                  • zu digitalen Waffen und Hackback: Wie Hackback mit der Gesellschaft spielt
                                                                                                                                                                  • 1 hr 17 min
                                                                                                                                                                  • STP050: Jargon File

                                                                                                                                                                    In dieser Nichtjubiläumsfolge kümmern wir uns wieder einmal darum, unseren Hörer:innen Nerdkultur näher zu bringen. Dazu ist selbstverständlich nichts besser geeignet als der Ursprung vieler lieb gewonnener Worte und Redewendungen.

                                                                                                                                                                    Shownotes
                                                                                                                                                                    • Jargon File
                                                                                                                                                                      • "a comprehensive compendium of hacker slang illuminating many aspects of hackish tradition, folklore, and humor" ("ein umfassendes Kompendium des Hackerslangs, das viele Aspekte der Hackertradition, der Folklore und des Humors beleuchtet")
                                                                                                                                                                      • zuletzt aktualisiert 2003, repräsentiert sprachliche Eigenheiten der 70er bis 90er, als die Hacker noch relativ isoliert vom Mainstream-Zeitgeist waren
                                                                                                                                                                      • wir haben durch das Glossar geschaut und präsentieren unsere Picks von A bis M
                                                                                                                                                                      • Vorsicht: das Jargon File ist absolut ein Produkt seiner Zeit und einer männlich-weiß dominierten Subkultur mit entsprechend teils unsensiblen Begriffsbildungen und Nutzungsbeispielen (zum Beispiel hier in Unterdefinition 2)
                                                                                                                                                                      • Namensgebend: hack und hacker
                                                                                                                                                                      • Design und Methodik: buzzword-compliant, cargo cult programming, connector conspiracy, crufty, cruftsmanship, deep magic, elegant, KISS principle
                                                                                                                                                                      • Fehler: airplane rule, bug-for-bug compatible, bug-of-the-month club, Finagle's Law vs. Murphy's Law, glitch, magic smoke, smoke test
                                                                                                                                                                      • Vergänglichkeit: bit rot und link rot, cosmic rays
                                                                                                                                                                      • Netzwerk: Chernobyl packet, honey pot, LAN party, massage
                                                                                                                                                                      • Hardware: bitty box, gorilla arm, Moore's law und passend dazu Andy's and Bill's law
                                                                                                                                                                      • Grafische Oberflächen: marching ants, menuitis
                                                                                                                                                                      • Kryptografie: Alice and Bob
                                                                                                                                                                      • Dokumentation: Green's theorem, language lawyer, left as an exercise
                                                                                                                                                                      • Kommunikation: fnord, Hanlon's Razor, highly, Jeopardy-style quoting, meta und metasyntactic variable, meatspace
                                                                                                                                                                      • als Rausschmeißer ein Koan: "Tom Knight and the Lisp Machine"
                                                                                                                                                                      • 2 hr
                                                                                                                                                                      • STP049: Schadcode

                                                                                                                                                                        In dieser ersten Folge zum Thema Cyber-Cyber halten wir uns so lange mit der Einführung von Grundbegriffen auf, dass am Ende die Entscheidung fällt, den Rest auf Episode 51 zu verschieben. Betrachtet euch hiermit als angeteasert!

                                                                                                                                                                        Shownotes

                                                                                                                                                                        Die drei wichtigsten Dinge, die Experten über Software-Sicherheit wissen:

                                                                                                                                                                        1. Software ist unglaublich unzuverlässig und unsicher.
                                                                                                                                                                        2. Nein, wirklich, ihr könnt es euch nicht vorstellen.
                                                                                                                                                                        3. Es ist sogar noch schlimmer als das.
                                                                                                                                                                        4. Matt Blaze auf Twitter (Achtung: zweiter Link geht zu einer Domain von Elon Musk)

                                                                                                                                                                          • Vorbemerkung: für offensive und defensive Computernutzung wird regelmäßig der Wortteil "Cyber-" verwendet (z.B. "Cyberangriff", "Cybersicherheit")

                                                                                                                                                                            • in IT-Kreisen, insb. im CCC-Umfeld, gilt "Cyber-" als Schibboleth für Leute, die von IT keine tiefgehende Ahnung haben (siehe z.B. "Unsere Cyber-Cyber-Regierung")
                                                                                                                                                                            • wir bleiben deswegen sicherheitshalber bei "IT-Angriff" :)
                                                                                                                                                                            • Grundlage: Sicherheitslücken ("Fehler in einer Software oder einer Hardware, durch [die] ein Programm mit Schadwirkung oder ein Angreifer in ein Computersystem eindringen kann")

                                                                                                                                                                              • siehe STP037: heutige berühmte Softwarefehler sind meist Sicherheitslücken (z.B. Heartbleed, wie in STP037 besprochen)
                                                                                                                                                                              • siehe STP039: handwerkliche Fehler in der Authentifizierung oder Autorisierung ergeben meist besonders gut ausnutzbare Sicherheitslücken (siehe gerade neulich Azure AD)
                                                                                                                                                                              • siehe STP045/STP047: Grundlage vieler Sicherheitslücken sind Speicherverwaltungsfehler (z.B. Pufferüberlauf, wie in STP047 besprochen)
                                                                                                                                                                              • Sicherheitslücken werden aktiv gesucht, entweder von "Whitehats" (Sicherheitsforschern oder den Red-Teams der Softwarehersteller selbst) oder von "Blackhats" (die die Lücken für tatsächliche Angriffe ausnutzen wollen oder an Angreifer verkaufen wollen)
                                                                                                                                                                              • bekannte Sicherheitslücken werden in der CVE-Datenbank ("Common Vulnerabilities and Exposures", dt. "Bekannte Schwachstellen und Anfälligkeiten") geführt (z.B. Heartbleed ist CVE-2014-0160)
                                                                                                                                                                              • zweiter Schritt: Exploit (eine systematische Methode, um eine Sicherheitslücke auszunutzen)

                                                                                                                                                                                • auch für Whitehats sind Exploits wichtig, um die Kritikalität einer Sicherheitslücke zu demonstrieren
                                                                                                                                                                                • für Blackhats sind Exploits die handelbare Form von Sicherheitslücken
                                                                                                                                                                                • Preise für Exploits orientieren sich an Angebot und Nachfrage, z.B. für RCE-Exploits in iOS oder Android bis zu 20 Mio. $ (RCE = Remote Code Execution)
                                                                                                                                                                                • Angriffe auf der Grundlage von Exploits haben meist eines von zwei Zielen: Ausführung von Schadcode oder Ausschleusung von Informationen (z.B. Passwörter)
                                                                                                                                                                                • Schadcode: der große Nachteil von Computern ist auch ihr Vorteil; sie tun genau all das, was man ihnen sagt :)

                                                                                                                                                                                  • Computervirus: ein sich selbst verbreitendes Programm, dass sich in einen Computer einnistet (biologisches Analog: Pilze, die die Gehirne von Insekten infizieren)
                                                                                                                                                                                  • Computerwurm: wie ein Virus, aber nistet sich nicht ein, sondern verbreitet sich nur weiter (z.B. über E-Mails oder USB-Sticks)
                                                                                                                                                                                  • Trojaner: ein Virus, der sich nicht mittels Exploit einer Sicherheitslücke verbreitet, sondern sich als nützliches Programm tarnt
                                                                                                                                                                                    • in der netzpolitischen Debatte vor allem relevant in Form von Staatstrojanern
                                                                                                                                                                                    • Vorschau: zweiter Teil in STP051 (Ablauf eines IT-Angriffs)

                                                                                                                                                                                    • im Gespräch erwähnt: Vortrag von HonkHase zu Hackback und Digitalen Waffen

                                                                                                                                                                                      53 min

                                                                                                                                                                                    About Schlüsseltechnologie

                                                                                                                                                                                    From the publisher's feed

                                                                                                                                                                                    Die IT hat unser Leben in den letzten Jahrzehnten von Grund auf verändert. Aber wie funktioniert sie wirklich? Das möchte ttimeless mal erklärt bekommen. Zum Glück hat Xyrill Antworten.

                                                                                                                                                                                    More shows like Schlüsseltechnologie

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                                                                                                                                                                                    Freak Show

                                                                                                                                                                                    9 Listeners

                                                                                                                                                                                    Lage der Nation - der Politik-Podcast aus Berlin by Philip Banse & Ulf Buermeyer

                                                                                                                                                                                    Lage der Nation - der Politik-Podcast aus Berlin

                                                                                                                                                                                    219 Listeners

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                                                                                                                                                                                    Logbuch:Netzpolitik

                                                                                                                                                                                    5 Listeners