Walk & Talk mit Ida
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Walk & Talk mit Ida episodes

  • Nein sagen. Nein auch wenn andere mich dann nicht mögen?

    Spaziergang 26. Nein sagen. Nein auch wenn andere mich dann nicht mögen?

    Hallo und herzlich willkommen zu unserem Samstagsspaziergang, heute wieder hier im Westerwald gemeinsam. Schön, dass du dabei bist. Heute ist Samstag und da gibt es wieder ein Inspirations- oder Erfahrungsthema. Das heißt, nicht das typische wissenschaftliche gebackte Thema, was es unter der Woche gibt als Wissensthema, sondern etwas aus meiner eigenen Erfahrung.

    Wir hatten ja schon vor zwei Wochen über das Thema „Nein, hast du" und „ja, kannst du bekommen" gesprochen. Eine niederländische Lebensweisheit, die mir sehr viel bedeutet hat. Und letzte Woche haben wir uns über das Thema Nein hören unterhalten. Was passiert vielleicht in mir, wenn ich das Wort Nein von jemandem höre? Was passiert in dir? Wie gehst du damit um? Und was sind so meine Erfahrungen damit?

    Und heute soll es dann ganz konsequent weitergehen mit dem Thema Nein sagen. Ich hatte da letzte Woche ein unglaublich interessantes Gespräch drüber und deshalb ist es mir auch besonders wichtig, dass ich diese Folge heute aufnehme und wir hier gemeinsam laufen.

    Nein sagen ist für viele Menschen sehr schwer. Ich gebe zu, manchmal ist es für mich auch schwer. Für mich ist Nein sagen einfacher als Nein hören, gebe ich ganz ehrlich zu. Ich bin jemand, der schon immer relativ wenig Probleme mit dem Nein sagen hatte. Deshalb werde ich versuchen, zumindest so gut wie möglich, das aus meiner Warte dir zu erzählen. Vielleicht hilft dir meine Herangehensweise ans Nein sagen, wenn es dir selber schwerfällt.

    Wenn ich ans Nein sagen denke, dann fällt mir als erstes die ganz krasse Situation ein, als ich gerade früher als Studentin in Aachen unterwegs war und wir nachts auf der Straße von Leuten angequatscht wurden oder man in der Disco ist oder auch einfach mit Freunden oder selbst mit einer einzelnen Person irgendwo und plötzlich passiert etwas, was einem nicht recht ist. Vielleicht sieht man es schon ankommen, vielleicht auch nicht.

    Und ich glaube, dass es nichts Wichtigeres gibt, als da konsequent Nein zu sagen. Und ich fürchte, da gibt es auch wenig Tipps oder Tricks als einfach: Du darfst das. In jeder Situation, in der du dich unwohl fühlst, in der du glaubst, dass deine Gesundheit – egal ob mental oder körperlich – irgendwie in Gefahr ist, dann darfst du immer Nein sagen.

    Du darfst sowieso immer Nein sagen, aber erst recht in dieser Situation. Ich hoffe, dass es dir bewusst wird, dass du Nein sagen darfst. Und mein Tipp ist: Sag das, wenn es irgendwie geht, so ruhig, so deutlich und so tief im Ton wie nur möglich. Das wirkt häufig für die Leute deutlicher.

    Ich glaube, viel mehr kann ich dazu auch gar nicht sagen. Es ist essentiell wichtig, überlebenswichtig. Wir haben über Alltagsstress gesprochen. Das ist auch so eine Situation, in der natürlich der Stress massiv hochgeht. Aber dieses Hochgehen des Stresses ist auch ein ganz klares Zeichen für dich, dass es hier eine Gefahrensituation ist und du ganz, ganz klar Nein sagen solltest. Nicht nur nein, sondern auch „ich möchte nicht", „ich will nicht" und dich auch wehren sollst, auf jeden Fall.

    Und das ist die vielleicht klarste und einfachste Situation für das Thema Nein, denn da gibt es auch keine andere Antwort. Wenn du dich nicht wohlfühlst, wenn du dich bedroht fühlst, dann musst du mit Nein meiner Meinung nach reagieren und ganz klar machen, dass es für dich hier nicht weitergeht.

    Die anderen zwei Situationen, die mir einfallen zum Thema Nein sagen, sind da mit Sicherheit komplexer. Und ich schaue mal, ob ich alle drei heute auch wirklich besprechen werde oder ob wir uns eins für nächste Woche aufheben. Die anderen beiden sind nämlich das überlegte Nein. Das heißt, eine Situation, in der du Zeit hast zum Nachdenken, Zeit hast, vielleicht zu reflektieren mit anderen Leuten, aber auf jeden Fall ganz klar deine Situation überblicken kannst und dann zu einem Zeitpunkt, zu dem es dir passt, dieses Nein äußern kannst.

    Egal, ob das per E-Mail ist oder persönlich oder in welcher Art auch immer. Es geht auch gar nicht unbedingt darum, ob das jetzt im beruflichen Kontext ist oder privat. Wichtig dabei ist: Du kannst darüber nachdenken.

    Die andere Situation ist die, mit der man im Gespräch ist, vielleicht in einer Diskussion ist oder ähnliches und gar nicht die Zeit hat, da groß drüber nachzudenken. Die werde ich mir für hinten aufheben und auch vielleicht für nächste Woche mal schauen.

    Jetzt zu dem Anliegen, bei dem du drüber nachdenken kannst. Und was mir da ganz besonders aufgefallen ist in vielen Gesprächen mit Menschen und auch in der Reflexion mit mir selber, ist die Idee: Was denken denn die anderen, wenn ich jetzt Nein sage? Oder was passiert denn vielleicht Schlimmes, wenn ich jetzt Nein sage?

    Kennst du die Fragen vielleicht? Hast du dir auch schon mal überlegt: Eigentlich will ich das gar nicht, aber vielleicht verliere ich dann eine Freundschaft, vielleicht verliere ich dann den Arbeitsplatz, vielleicht verliere ich was auch immer.

    Ich glaube, das ist ein Punkt, in dem ich dir nur raten kann: Hör auf dich selber. Wenn du etwas nicht möchtest, dann solltest du nur schauen, warum möchte ich das nicht.

    Und so brutal das im ersten Moment klingt, aber du bist für dich wichtig. Ich bin immer der Meinung, man sollte gutes Teamwork machen. Aber nichtsdestotrotz solltest du für deine Bedürfnisse und deine eigene Situation einstehen. Denn am Ende kann das kein anderer.

    Das ist auch nicht egoistisch meiner Meinung nach, sondern extrem wichtig.

    Was aber dabei essentiell ist, ist das, was ich gerade schon sagte, dass du dir bewusst wirst, warum du das nicht möchtest. Vielleicht ist das ein Teil in dir, der gerade ganz laut schreit: „Das will ich nicht, das will ich nicht." Und vielleicht gibt es andere Teile in dir, die eine andere Meinung haben. Und ich glaube, dass es dann wichtig ist, wenn man eben die Zeit hat, dass man sich die verschiedenen Meinungen in sich anhört.

    Wir Menschen haben häufig verschiedene Teile oder Anteile und diese Teile haben durchaus verschiedene Meinungen. Und nur weil einer gerade besonders laut schreit, heißt das nicht, dass das die Meinung des gesamten Systems ist, des Systems Mensch.

    Und das ist, glaube ich, wichtig. Nicht die Frage: Was denken die da draußen oder welche schrecklichen Konsequenzen könnte es haben? Du siehst, ich rede hier im Konjunktiv: könnte haben. Insbesondere dann, wenn das noch gar nicht klar ist, dass das die Konsequenz haben wird.

    Es ist dein Schritt, du gehst den. So wie du eine Frage stellst und ein Ja oder ein Nein kriegen kannst, so kannst du das Statement machen, dass es für dich Nein ist.

    Vielleicht hat dich auch jemand anders gefragt. Vielleicht ist es für den gar nicht so eine entscheidende Frage. Sondern nur so eine: Nö, hab ich schon. Ja, kann ich kriegen. Und vielleicht ist es nur in deinen Augen in diesem Moment so schrecklich, demjenigen Nein zu sagen.

    Sieh das als das, was da ist, finde ich. Das, was da ist in deinem System, wenn du alle Stimmen angehört hast und zu einer Überlegung gekommen bist, die sagt: Hey, in mir bin ich für Nein. Dann sag das auch.

    Und was der andere damit macht, das ist seine Sache. Und wenn der andere dann sauer auf dich ist, dann ist das erstmal seine Sache. Und selbst wenn der Chef dich daraufhin rausschmeißt, aber es war eine gut überlegte Antwort von dir, dann ist das zwar in zweiter Konsequenz deine Sache, aber in erster Konsequenz erst mal seine.

    Denn jetzt muss er erst mal überlegen, wie er darauf reagiert auf dein Nein. Und wie er darauf reagiert oder wie sie darauf reagiert, ist gar nicht festgelegt in den meisten Fällen.

    Wir Menschen, habe ich die Erfahrung gemacht, neigen dazu, die Dinge zu dramatisieren. Erst mal zu denken, dass das Schlimmstmögliche kommt. Und ganz ehrlich, in der Urzeit war das teilweise auch tatsächlich sinnvoll. Jetzt sind wir wieder bei der Steinzeit. Aber in unserer Zeit, in der ganz, ganz viel um uns herum passiert, ist es nicht mehr so, dass wir sterben, wenn wir aus der Gruppe ausgeschlossen werden. Vielleicht haben wir mehrere Freundschaftsgruppen.

    Wir werden nicht in die Tundra ausgesetzt und haben plötzlich kein Zelt mehr über dem Kopf. Wir haben auch in unserer Welt Sozialsysteme und wir haben Anwälte und wir haben ganz viel anderes.

    Nein sagen ist okay. Nein sagen ist wirklich okay. Und das, was zählt, ist, wie du dich fühlst. Nicht so sehr, welche Konsequenz kommen könnte. Dafür ist es ein Konjunktiv, eine Möglichkeit. Aber es steht überhaupt nicht fest.

    Nur das, was du in dir selber mit deinen verschiedenen Teilen spürst und erlebst und für dich klar machst. Wenn das Nein ist, dann ist das Nein. Und dann denk auch nicht über die anderen nach in dem Moment.

    Ich hoffe, dass ich, obwohl ich mich hier ein paar Mal wiederholt habe, das Ganze deutlich gemacht habe. Es ist mir einfach unglaublich wichtig, denn ich erlebe ganz, ganz viele Menschen um mich herum, die zweifeln beim Nein sagen. Und ganz viel an die anderen Menschen und an die Konsequenzen denken, statt an sich.

    Und das ist nicht egoistisch. Sag Nein, wenn du etwas nicht möchtest.

    Jetzt verschiebe ich tatsächlich den anderen Punkt mit dem Nein in Gesprächen und Diskussionen auf nächste Woche. Denn ich glaube, da gibt es eine ganze Menge zu sich anzuschauen und eine ganze Menge Techniken auch, mit denen man umgehen kann, um dann nicht sofort spontan Nein sagen zu müssen, sondern sich ein bisschen Zeit zu erkaufen. Und die möchte ich dir gerne alle erklären.

    Daher jetzt die Frage des Tages. Und die Frage ist: Wann hast du schon mal Nein gesagt und das Ergebnis hat dich positiv überrascht? Du hast dich getraut, du hast Nein gesagt, du warst klar in deiner Antwort und die Menschen rundherum haben auf eine Art und Weise positiv reagiert, die du gar nicht erwartet hättest.

    Zum Beispiel haben sie dich gelobt, waren sie glücklich darüber, dass du Nein gesagt hast. Oder sie haben viel weniger kritisch reagiert oder die Welt ist nicht untergegangen oder was auch immer dir dazu einfällt. Aber die wichtige Sache ist: Wann in deinem Leben hast du die Situation erlebt, dass du ganz klar Nein gesagt hast und es war für dich ein positives Erlebnis?

    Damit verabschiede ich mich für heute. Ich wünsche dir noch einen wunderschönen Spaziergang. Ich freue mich darauf, dich morgen wiederzusehen. Mach's gut!

    Disclaimer:

    Dieser Podcast ist ein virtueller Spaziergang und dient ausschließlich der Information und Inspiration. Die Inhalte stellen keine Psychotherapie, kein Coaching und keine professionelle Beratung dar und ersetzen diese auch nicht.

    Alle hier formulierten Aussagen sind wissenschaftlich recherchiert. Die entsprechenden Referenzen und Quellen findest du im Anhang der Show Notes zu dieser Folge.

    Ich übernehme keine Verantwortung für die Richtigkeit der wissenschaftlichen Aussagen oder deren Anwendung. Die Inhalte dieses Podcasts sind nicht als Anleitung zu verstehen, etwas Bestimmtes zu tun, sondern dienen rein der Inspiration und Anregung zum Nachdenken.

    Bei gesundheitlichen oder psychischen Problemen wende dich bitte an entsprechende Fachkräfte oder Beratungsstellen.

    14 min
  • Alltagsstress. Laster auf der Landstraße = Höhlenlöwe?

    Alltagsstress. Laster auf der Landstraße = Höhlenlöwe?

    Hallo und herzlich willkommen hier zu unserem Spaziergang im Westerwald. Schön, dass du dabei bist. Heute geht es um die Frage, warum ich gestern statt einem Laster einen Tiger gesehen habe. Oder zumindest so getan habe, als ob da ein Tiger vor mir ist. Völlig unnötig natürlich. War einfach nur ein Laster auf einer kurvigen Landstraße und ich hatte einen Termin und war schon viel zu spät.

    Was ist bei mir passiert?

    Ich wollte eigentlich zu einer Entspannungssession und ich bin auch noch hingekommen, erzähle ich dir gleich noch. Aber ich habe mich so richtig gestresst gefühlt und selbst mein Versuch, eine andere Perspektive einzunehmen, war schwierig. Man darf ja immer an seinen eigenen Herausforderungen wachsen, aber in diesem Moment habe ich mich einfach gestresst gefühlt. Ich habe mich geärgert, dass der Laster jetzt meine Entspannungssession wegnimmt und ich zu spät komme und nicht mehr rein kann.

    Und im Endeffekt kam ich noch an, habe mich tierisch beeilt, saß in der Session und war überhaupt nicht entspannt. Die ganze Session über nicht. Und das hat echt eine ganze Zeit gedauert, bis ich wieder halbwegs entspannt war. Interessanterweise ging es noch einem Teilnehmer so und da dachte ich, da muss ich mich doch mal drum kümmern um das Thema.

    Alltagsstress ist ja was total Häufiges. Wie oft sind wir nicht im Verkehr unterwegs und ärgern uns? Wie oft ärgern wir uns nicht vielleicht über einen Kollegen? Oder sind wir gestresst, weil wir irgendwas schnell fertig machen müssen? Die Kinder müssen morgens zur Schule, irgendjemand hat was vergessen.

    Ich glaube, du weißt ganz genau, was ich meine. Interessant fand ich, wie lange das angehalten hat. Vielleicht wurde es mir nur so bewusst, weil ich ja so eine Entspannungssession hatte und mal ganz genau auf meine eigene Spannung oder Entspannung geachtet habe. Ich hatte das Gefühl, dass nachdem ich angekommen war und mich umgezogen hatte und angefangen habe, mich zu entspannen, das bestimmt noch eine halbe Stunde gedauert hat, bis ich wieder recht entspannt war.

    Und das hat mich verwundert. Der Stress war ja schon längst vorbei. Und das ist was, was ich so interessant fand, dass ich es mir mal genauer angeschaut habe. Denn natürlich kennen wir aus der Physiotherapie, dass man Stress hat und dass wir Menschen auch aktuell viel zu viel Stress haben, meistens chronischen Stress.

    Aber warum bleibt das eigentlich so lange hängen? Der Laster war doch schon längst weg.

    Die Sache ist die, dass wir von Natur aus natürlich ganz andere Arten von Stress hatten. Früher hatten wir da eine Schlange neben uns im Gebüsch und kein Päulchen, das jetzt irgendwie raschelt. Oder wir hatten einen Greifvogel über uns, einen, der uns auch vielleicht was tun kann. Und nicht so ein süßer Rotmilan, der hier immer in der Gegend rumfliegt. Oder wir hatten tatsächlich einen Höhlenlöwen, der uns angegriffen hat. Alles nicht so schöne Situationen.

    Und da hat der Mensch vor allem gelernt, sich darauf vorzubereiten und lieber einmal mehr Alarm zu schlagen als einmal weniger, weil er dann eher überlebt und weil das in der Urzeit auch kein Problem war.

    In der Urzeit, wenn ich Stress hatte, dann bin ich gerannt oder habe gekämpft oder habe mich vielleicht totgestellt. Aber meistens war es ja dann eher Kampf oder Flucht und dann habe ich die Energie, die mir zur Verfügung gestellt wurde durch diese Stressreaktion, auch direkt wieder abgebaut. Was war da mit mir in meinem Auto und dem Laster vor mir?

    Ich habe gesessen. Ich war gestresst und habe gesessen. Und nichts da mit Stressabbau.

    Nachher, als ich in der Entspannungssession war, ging der Stress dann auch langsam weg. Aber dass das noch so lange geblieben ist, hat noch einen zweiten Grund. Nämlich unser Körper hat nicht nur die Akutreaktion, die du vielleicht auch kennst - da geht dein Puls hoch und hast du eine eigentlich recht krasse Reaktion, ganz direkt.

    Aber es gibt noch eine zweite Reaktion und vielleicht hat dir der Stoff schon mal was gesagt von Cortisol. Diese Cortisolreaktion ist später, die fängt erst nach ein paar Minuten an, die hält dafür aber auch eine ganze Zeit. Von Natur aus war das alles gut und richtig.

    Da war das nämlich dazu da, dass wir direkt nach dem Kampf oder in der zweiten Phase des Kampfes genug Energie haben. Nochmal, eine ganz andere Energie, als wir haben nur von dieser allerersten Stressreaktion. Und es war auch dann dazu da, dass wir trotz Verwundungen und Problemen nicht direkt gestorben sind, sozusagen. Sondern das war eine ganz, ganz wichtige Reaktion unseres Körpers und heutzutage ist genau dieses Cortisol das, was mich in meiner Entspannungssession gestört hat.

    Wir Menschen sind halt nicht wirklich für unsere heutige Zeit gemacht und dadurch, dass wir uns nicht bewegen, den Stress nicht rausrennen oder rauskämpfen sofort, wenn er entsteht und der Stress halt auch ganz oft kommt, sogar schon, wenn man nur dran denkt. Denken an eine stressige Reaktion löst bei Menschen schon die Stressreaktion auch wirklich im Körper aus.

    Eigentlich eine total super Sache, wenn ich denke, da könnte eine Schlange sein. Brauche ich sie noch nicht mal gesehen oder gehört zu haben, dann kommt die Stressreaktion und im besten Fall rettet sie mir das Leben. Aber halt nicht mit einem Laster vor mir. Und ich habe nicht versucht, ihn zu überholen. Das wäre dann tatsächlich, wenn da ein Auto im Gegenverkehr wäre, eine sehr gefährliche Stressreaktion. Wir haben die ja auch heute noch.

    Aber einfach nur der Laster, der da vor mir war. Und meine Einstellung dazu, dass mich das geärgert hat, weil der Laster mir vielleicht meine Entspannungssession weggenommen hat, das wäre eigentlich überhaupt nicht nötig gewesen.

    Das heißt zusammengefasst, unsere Stressreaktion ist was ganz Natürliches, ist was Richtiges, was Gutes, besteht aus einem kleinen akuten Teil, der geht ganz schnell innerhalb von Sekunden, und einem, der länger wirkt, der kommt erst nach ein paar Minuten und wirkt dann auch bis zu einer halben Stunde durch.

    War ja auch genau das, was ich dann erlebt habe. Und früher haben wir gerannt oder gekämpft, um die Stoffe im Körper wieder loszuwerden oder beziehungsweise sie wurden los, weil wir gerannt sind. Und heute kommt es halt eher vor, dass die Stoffe länger als nötig im Körper bleiben, weil wir meistens nicht rennen, wenn der Chef uns gerade halb anpflaumt oder wir denken, dass der Chef uns gleich anpflaumt.

    Das bringt mich nochmal zurück zum Sonntag und den Perspektiven. Ich meine, mir ist es auch nicht so richtig gut gelungen in der Situation. Ich werde weiter üben. Ich werde üben und versuchen, in dem Moment eine andere Perspektive einzunehmen und mich gar nicht stressen zu lassen. Tatsächlich ist das auch eine der besten Methoden, die man machen kann.

    Abgesehen tatsächlich von Entspannungsmethoden - habe ich danach dann auch nochmal das Richtige gemacht. Oder eben tatsächlich körperlicher Betätigung, um den Stress wieder loszuwerden. Aber dieser Perspektivwechsel hilft vor allem, um erst gar nicht in die Situation zu kommen, dass es uns heute so stresst in Situationen, die ja überhaupt nicht lebensgefährlich sind und trotzdem Stress machen.

    Das war so meine kleine Info über Alltagsstress, dass es eigentlich zurückgeht auf den Urstress des Überlebensinstinktes. Wir den halt einfach nur ganz oft erleben und er nicht passt zu unserer Umgebung. Das bringt mich zu meiner Frage, nämlich was hilft dir denn, um erst gar nicht gestresst zu werden?

    Oder wenn du schon gestresst bist, um den Stress wieder abzubauen? Das habe ich mir gestern auch überlegt und bin da auf einige Ideen gekommen. Und vielleicht hilft es dir ja auch mal darüber nachzudenken.

    Ich wünsche dir einen wunderschönen, hoffentlich total entspannten weiteren Spaziergang. Und ich freue mich, dich morgen wieder zu sehen.

    Mach's gut!

    Literatur:

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    • Tsigos, C., & Chrousos, G. P. (2002). The stress system in the human body: Homeostatic control and dysregulation in stress-related disorders. Nature Medicine, 8(7), 675-681.

    • Disclaimer:

      Dieser Podcast ist ein virtueller Spaziergang und dient ausschließlich der Information und Inspiration. Die Inhalte stellen keine Psychotherapie, kein Coaching und keine professionelle Beratung dar und ersetzen diese auch nicht.

      Alle hier formulierten Aussagen sind wissenschaftlich recherchiert. Die entsprechenden Referenzen und Quellen findest du im Anhang der Show Notes zu dieser Folge.

      Ich übernehme keine Verantwortung für die Richtigkeit der wissenschaftlichen Aussagen oder deren Anwendung. Die Inhalte dieses Podcasts sind nicht als Anleitung zu verstehen, etwas Bestimmtes zu tun, sondern dienen rein der Inspiration und Anregung zum Nachdenken.

      Bei gesundheitlichen oder psychischen Problemen wende dich bitte an entsprechende Fachkräfte oder Beratungsstellen.

      9 min
    • Erkältung. Nase zu - Meeting unproduktiv?

      Spaziergang 24: Erkältung. Nase zu - Meeting unproduktiv?

      Hallo und herzlich willkommen heute auf unserem schon leicht herbstlichen Spaziergang durch den Westerwald. Heute zum 24. Mal gemeinsam. Bestimmt kommt Pauli auch gleich noch mal hier angerast. Er läuft mit uns. Schön, dass du dabei bist.

      Bei diesem herbstlichen Wetter dachte ich, gibt es mal eine weitere praktische Folge zu biologischen Gründen, warum Meetings nicht so produktiv und nicht so konstruktiv in unserer heutigen Zeit sind, als wir das uns wünschen würden.

      Dieser Grund ist ganz einfach, nämlich eine Erkältung. Jetzt rede ich gar nicht über die Frage, ob man erkältet zur Arbeit kommen sollte und vielleicht seine Kollegen anstecken sollte. Das ist nochmal eine völlig andere Frage, das ist nicht unser Thema heute, sondern die Frage, inwieweit so eine Erkältung dich, mich, wen auch immer sie trifft, einschränkt bei diesen wunderbaren Fähigkeiten wie: Wie gut kann ich nachdenken? Wie gut kann ich Entscheidungen treffen? Wie gut kann ich Probleme lösen? Wie gut bin ich in der Lage, mit anderen Menschen zu kommunizieren? Wie gut bin ich in der Lage, mit meinen Emotionen umzugehen und die zu steuern? All diese Dinge, die wir brauchen, um wirklich gut und konstruktiv und auch produktiv am Ende Meetings zu haben. Uns als Menschen zusammensetzen und zu Ergebnissen zu finden.

      Da gibt es in der Biologie eine ganz einfache Antwort. Wenn man erkältet ist, dann nimmt das alles ab. Umso erkälteter, umso kränker man ist, normalerweise umso mehr. Interessant ist, dass das schon ganz früh anfängt. Schon in dem Moment, dass der Virus reinkommt und die ersten Abwehrreaktionen vom Körper stattfinden. Schon dann gehen unsere Merkfähigkeit, unser Gedächtnis, Erinnerungen, Konzentrationsfähigkeit und so weiter ein Stückchen nach unten. Wenn die Erkältung fortschreitet, dann wird das immer mehr. Selbst in der Phase, dass man sich eigentlich schon wieder relativ fit fühlt, bis der Körper wieder ganz fit ist und die ganzen kognitiven Fähigkeiten, die ganzen Denkfähigkeiten, Kommunikationsfähigkeiten und so weiter wieder da sind, das dauert eine Zeit lang.

      Wenn du ein wichtiges Meeting hast und du bist erkältet oder auf dem besten Wege dorthin, dann ist natürlich die Frage, inwieweit du wirklich so fit bist, wie du gerne wärst und inwieweit du so gut mit den anderen kommunizieren kannst. Mal abgesehen davon, ob du vielleicht verschnupft bist und alles zu ist und du nicht gut hören kannst. Das Thema hatten wir schon. Aber das ist jetzt gar nicht so der Punkt, sondern einfach deine Konzentration, dein Gedächtnis, deine Erinnerung, deine allgemeine Leistungsfähigkeit des Kopfes.

      Jetzt kannst du sagen, wie böse der blöde Virus, der tut mir das alles an. Aber es ist tatsächlich nicht der Virus, der dir das antut, sondern in diesem Falle ist es dein eigenes Immunsystem. Es hat auch seinen guten Grund. Man geht davon aus, dass diese Nebenwirkung der Virusbekämpfung, dass nämlich wir ein bisschen runtergeregelt werden, dass wir auch eben nicht so fit sind, dass wir nicht so gut denken können und jetzt kommt eine kleine Metapher, nämlich dass wir in so eine Art kurzweilige Mini-Depressionen kommen, wir werden auch von den Emotionen her negativer gestimmt.

      Das hat mit einem Immunstoff zu tun, einem Stoff, den unser Körper verwendet, um gegen den Virus zu kämpfen. Dieser Stoff hat eben als zusätzliche Wirkung einen Einfluss auf unsere Emotionen, auf unsere Gefühle, auf unsere Denkfähigkeit und auf ungefähr alles, was wir brauchen für ein Meeting und Emotionskontrolle. Wir werden ein bisschen müde, wir werden grumpy, wir ziehen uns lieber zurück. Das hat aber einen wichtigen Grund. Denn wenn wir uns zurückziehen, dann haben wir mehr Ruhe, die wir brauchen, um gegen den Virus zu kämpfen. Das heißt, wir werden ein bisschen lahmgelegt kurzfristig, damit wir besser die Immunreaktion ablaufen lassen können.

      Was aber auch wiederum bedeutet: Wenn wir uns nicht hinlegen, dann ist das nicht das, was wahrscheinlich unser Körper vorgesehen hat. Jetzt ist das kein medizinischer Podcast, ich bin auch keine Ärztin, deshalb höre ich an der Stelle auch auf, darüber weiter zu erklären. Du findest bei mir in den Shownotes natürlich Studienergebnisse, wie das so funktioniert mit einer Erkältung, was da wirklich alles runterreguliert wird und warum wir in so eine Art, es ist eine Metapher, so eine Art kurzweilige Mini-Depression kommen, warum wir viele Veränderungen erleben.

      Das war meine Info dazu und vielleicht hilft es dir, wenn du darüber nachdenkst, ob du bei einem Meeting mit Erkältung trotzdem teilnimmst oder nicht, weil es kann sein, dass du sowieso überhaupt nicht so leistungsfähig bist, wie du es für das Meeting bräuchtest oder deine Kollegen, die gerade erkältet da sitzen. Was du von deren in dem Moment kognitiver Leistungsfähigkeit erwarten kannst im Vergleich zu normal.

      Das bringt mich zu meiner Frage und die ist: Was tut dir denn gut, wenn du erkältet bist? Wie schaffst du es selber, dass du dir gut tun kannst? Legst du dich hin? Schaust du dir einen gemütlichen Film an? Was machst du, damit es dir gut geht? Vielleicht ist das deine Alternative zum Meeting, wenn dein Hirn eh nicht so funktioniert, wie es könnte.

      Damit aus dem schon leicht herbstlichen, ein wenig nassen Wald hier im Westerwald wünsche ich dir einen wundervollen Tag, einen wunderbaren weiteren Spaziergang. Pauli und ich gehen jetzt nach Hause, ich habe nämlich Hunger. Was der Hunger macht und warum ich jetzt direkt nach Hause gehe und nicht nur einen riesigen Spaziergang mache, da werde ich dir dann auch mal anders erzählen, denn das hat auch Auswirkungen auf die Qualität von Meetings, wenn du da hungrige Leute rumsitzen hast.

      Bis morgen, mach's gut!

      Literatur:

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      Mahoney, A., & Ball, M. (2002). The effects of non-steroidal anti-inflammatory drugs on the malaise associated with upper respiratory tract infections. Journal of Psychosomatic Research, 53(1), 329-335.   

      Eccles, R. (2005). Understanding the symptoms of the common cold and influenza. The Lancet Infectious Diseases, 5(11), 718-725.

      Disclaimer:

      Dieser Podcast ist ein virtueller Spaziergang und dient ausschließlich der Information und Inspiration. Die Inhalte stellen keine Psychotherapie, kein Coaching und keine professionelle Beratung dar und ersetzen diese auch nicht.

      Alle hier formulierten Aussagen sind wissenschaftlich recherchiert. Die entsprechenden Referenzen und Quellen findest du im Anhang der Show Notes zu dieser Folge.

      Ich übernehme keine Verantwortung für die Richtigkeit der wissenschaftlichen Aussagen oder deren Anwendung. Die Inhalte dieses Podcasts sind nicht als Anleitung zu verstehen, etwas Bestimmtes zu tun, sondern dienen rein der Inspiration und Anregung zum Nachdenken.

      Bei gesundheitlichen oder psychischen Problemen wende dich bitte an entsprechende Fachkräfte oder Beratungsstellen.

      8 min
    • Schritte. Produktiv durch kleine Schritte?

      Spaziergang 23: Schritte. Produktiv durch kleine Schritte?

      Hallo und herzlich willkommen an diesem schönen Morgen hier im Westerwald. Schön, dass du wieder mit Paolo und mir spazieren gehst. Heute möchte ich dir im Grunde erzählen, warum wir hier spazieren gehen, was das mit Prozessen und Zielen zu tun hat und wieso ich das so ein unglaublich wichtiges Thema finde.

      Ja, wir gehen jetzt hier seit 23 Tagen zusammen spazieren. Ich habe mir ja mal vorgenommen, mindestens 100 Tage das zu machen. Und ich muss sagen, bis jetzt gefällt es mir ausgesprochen gut und ich freue mich schon jeden Tag auf diesen Spaziergang. Und das war bis vor… Ja, bis vor 24 Tagen noch ganz anders.

      Ich hatte immer geplant, dass ich gerne einen Podcast machen will. Einfach, weil ich dachte, das macht mir Spaß. Und ich dachte, hey, wenn du mal irgendwas erreichen willst, dann lernen die Leute dich schon mal kennen. Wenn du ganz viele Follower hast, ganz viele Hörer, kannst du deine Themen vermarkten. Und ich hatte immer ein Ziel vor Augen.

      Also, wenn ich tausend Leute habe, die meinen Podcast hören. Wenn ich zehntausend Leute habe, die meinen Podcast hören. Und weißt du was? Ich habe das mit dem Podcast nie gemacht. Weil ich immer mir Sorgen gemacht habe. Gefällt denen das dann? Ist das genau das Richtige? Kriege ich auf dem Weg wirklich so viele Leute, die das hören?

      Wie muss ich meine Technik perfekt einstellen? Ja, und dann habe ich das Buch "Tiny Experiments" von Anne-Laure Le Cunff gehört, was ich dir übrigens extrem empfehlen kann und auch natürlich unten in den Show Notes reinmache. Und am gleichen Tag habe ich die Podcast-Sachen mir bestellt, am nächsten Tag bekommen, meine mobilen Podcast-Sachen nämlich.

      Und vielleicht erinnerst du dich noch bei der ersten Folge, da war es noch das falsche Mikro, aber ich habe trotzdem angefangen. Ich habe mich nicht mehr abhalten lassen. Und was erzählt die gute Frau in dem Buch? Dass es im Leben nicht um die großen Ziele gehen sollte, oder dass das, was man sich setzt, nicht die Ziele sein sollten, die groß sind und wichtig und das Leben verändern, sondern dass man am Ende viel mehr erreicht, wenn man prozessorientiert denkt und das Ganze als einen Weg sieht.

      Nicht so sehr mit "der Weg ist das Ziel", weil das Ziel ist ja schon was anderes, aber gar nicht groß über das weite große Ziel nachdenken. Und mich hat das ja auch total behindert in dem, was ich eigentlich machen wollte. Und ich hätte schon seit Monaten, wahrscheinlich seit Jahren, meinen Spaß mit Podcasts haben können, wenn ich einfach mal gemacht hätte, ohne drüber nachzudenken, was da alles so wichtig ist, um dieses Ziel zu erreichen.

      Ich glaube, du weißt ja schon, dass ich einen gewissen Faible für die Altsteinzeit habe und mir immer versuche zu erklären, wie der Mensch von Natur aus ist, auf Basis dessen, was man über die Altsteinzeit weiß. Und heute ist es wieder so ein bisschen eine Folge in diese Richtung, tatsächlich. Aber es ist nicht mal nur die Altsteinzeit, auch die Jungsteinzeit und die ganze spätere Zeit, hier in Europa, Mitteleuropa bis ins Mittelalter hinein waren die Menschen eigentlich mit ihrer täglichen Arbeit beschäftigt.

      Wenn ich zum Beispiel in der Steinzeit was gemacht habe, dann hat das häufig eine ganze Zeit gedauert. Wenn ich so Perlen gemacht habe oder Steinmesser, dann war das schon Arbeit. Aber es war nicht die Arbeit für ein großes Ziel. Ich glaube, in der Steinzeit gab es nicht das eine große Ziel. Wofür auch?

      Die Menschen hatten keinen Besitz im klassischen Sinne. Sie waren nicht mal fest an eine Gruppe per se gebunden. Man kannte sich, es gab viele Gruppen, die sich immer mal wieder getroffen haben, wahrscheinlich. Soweit man sich das in der Forschung schon denkt. Das heißt, ich war weder an einen spezifischen hohen Status in einer Gruppe gebunden, ich hatte meine Autonomie, ich hatte meine Freiheit. Man hilft sich gegenseitig und ich habe auch kein Land, was ich besitze, keine großen anderen Besitztümer.

      Das heißt, es gab überhaupt nichts, was ich erreichen hätte können, außer meine Freundschaft mit den Menschen um mich herum, mein gutes Auskommen und das, was ich eben mit meinen eigenen Händen in meinem täglichen Tun mache. Das war alles. In dem Sinne prozessorientiert. Und wenn ich gemerkt habe, dass was auf eine gewisse Art besser geht, dann werde ich es wahrscheinlich am nächsten Tag wieder machen.

      Und wenn es wieder besser geht, dann mache ich es wieder auf eine andere Art. Das heißt, dass wir uns plötzlich große Ziele stecken. Das hat wahrscheinlich in dem Moment angefangen, dass ich so was wie Besitz anhäufen kann. Ui ui ui, da kommt jetzt vielleicht der Philosoph in mir durch. Aber tatsächlich, in dem Moment, dass ich Besitz habe, anhäufen kann oder Macht anhäufen kann oder irgendetwas Ähnliches, erst dann kann ich mir ja, oder macht es überhaupt Sinn, mir größere Ziele zu stecken, wenn ich das überhaupt nicht kann.

      Ich kann weder Land noch Besitz noch Gold noch irgendwas anhäufen, weil es einfach gar nicht existiert, noch irgendwie die Macht erringen in einer großen Gruppe, über sie herrschen. Das gab es alles gar nicht. Das heißt, in den paar… Millionen Jahren? Er ist recht… seit der Homo sapiens besteht, habe ich ja schon mal erzählt, 300.000 Jahre, 40.000 hier in Europa, gab es das nicht.

      Und ja, wir Menschen sind also eher so für das Prozessorientierte. Tägliche kleine Stückchen vorankommen, kleine Innovationen immer wieder, die Steinmesser hat man immer wieder geschlagen. Und im Laufe der Jahrtausende hat man das immer besser getan. Faszinierende Klingen, die da entstanden sind zum Beispiel.

      Und was bedeutet das denn für uns Menschen heute? Ich glaube, dass man in der wissenschaftlichen Forschung da schon unglaublich viel zu gemacht hat. Und ich habe das mal für dich rausgesucht. Denn ein Konzept gefällt mir besonders. Das ist das Growth Mindset. Dieses Growth Mindset besagt, dass wenn wir eben iterativ Dinge tun und immer wieder lernen möchten…

      Uns verbessern möchten, daran glauben, dass wir uns verbessern können, immer wieder Vertrauen und Zuvertrauen in uns haben, wir immer besser werden. Statt dass wir, vielleicht merkst du die Parallele zu mir und meinem Podcast, statt dass wir uns etwas Spezifisches vorstellen und denken, nur dann sind wir gut.

      Das ist dann eben das Gegenteil. Ich glaube, es hieß Fixed Mindset, ich weiß es gar nicht mehr genau. Aber es ist einfach die Idee, das muss ich erreichen. Und wenn ich das nicht, am besten direkt erreiche, dann bin ich nicht gut genug. Und dann bringt auch alles Üben nichts, dann erreiche ich es ja eh nicht.

      Und ja, wie gesagt, ich glaube, dass das im Menschen gar nicht so typisch ist, aber witzigerweise heute extrem viel vorkommt. Ich dachte wirklich, ja, ich muss das machen. Und dann muss ich mit meinem Podcast sofort irgendwie, keine Ahnung, der muss sofort von ganz vielen Leuten gehört werden, weil nur dann bin ich gut.

      Und dann habe ich es einfach gar nicht gemacht. Ich war total blockiert.

      Und stattdessen jetzt mit dem, wie man so schön Growth Mindset nennt, freue ich mich, dass du hier mit mir läufst, dir meine Geschichten, meine Wissensteile, meine Inspirationsteile, meine Physiologie-Teile anhörst und mein einziges Ziel ist, dass es auf der einen Seite mir Spaß macht, ich das Gefühl habe, dass ich auch vorankomme für mich, aber dass ich auch das Gefühl habe, dass ich dir was mitgebe, denn was auch immer du damit machst…

      Ist ja am Ende deine Sache und ich finde es total schön, von dir zu hören und ja, auch dein Feedback von unseren Spaziergängen zu bekommen. Jetzt fängt es ein bisschen an zu regnen, hörst du es? Tropft auf die Blätter. Ja, ich freue mich, dein Feedback zu bekommen dazu, was ich in vielleicht kleinen Schritten noch besser machen kann, denn ich mag es, ich liebe es, dich zu inspirieren.

      Und trotzdem wird es immer etwas bleiben, was mir Spaß machen soll. Das heißt, ich werde in keine Richtung gehen, in der ich nicht Spaß und Freude dabei habe. Denn das ist einfach etwas, was, glaube ich, unglaublich wichtig bei diesem Prozess ist, wenn wir Prozesse gehen, dass jeder noch so kleine Schritt einem eine Form von Freude bringen sollte. Es ist vielleicht anstrengend oder manchmal auch schwierig, diese kleinen Schritte dann doch zu gehen.

      Aber es sollte mit Freude verbunden sein. Und, das finde ich auch interessant, es sollte trotzdem mit einer Art von übergeordnetem Ziel verbunden sein. Jetzt kommt das Wort doch wieder, das mit den Zielen. Aber nicht mit dem konkreten Ziel. Ich will tausend Hörer, zehntausend Hörer, whatever, ich will das, keine Ahnung. Ey, ganz ehrlich, wenn ich mal eine Physiopraxis habe und plötzlich 10.000 Leute vor meiner Praxis stehen, dann habe ich ein ganz schönes Problem.

      Nein, tatsächlich, es geht nicht um größer und besser und noch mehr, sondern mein Ziel dabei, und das habe ich heute Morgen auch nochmal ganz deutlich reflektiert, als ich die ganzen wissenschaftlichen Sachen durchgelesen habe, ist tatsächlich in meiner Purpose. Weil ich einfach gerne inspiriere. Und weil es für mich von Herzen schön ist, zu erleben, wenn jemand mit dieser Inspiration sein Leben, vielleicht auch nur ein ganz kleines, ganz mini-mini-mini-kleines bisschen besser leben kann.

      Und deshalb bin ich total glücklich, dass mir jemand hier geschrieben hat, dass meine Folge, die… "Nein… Nee? Siehst! Nein?" Ja, genau, siehst du! Nein. Nämlich nee heb je, ja kan je krijgen. Also: Nein hast du sowieso schon, ja kannst du bekommen. Das war irgendwann, ich glaube, vorletzte Woche. Und er hat mir geschrieben, dass ihn das motiviert hat, ein Gespräch anzugehen, was er sonst wahrscheinlich vermieden hätte.

      Und dass dieses Gespräch unglaublich positiv lief, völlig gegenüber seiner vorherigen Annahme und es tatsächlich so war. Nein hatte er eh schon und er dachte, okay, dann spreche ich das jetzt an. Und er hat Ja bekommen und sogar noch viel tiefer als das, denn es war ein persönliches Gespräch und gerade in persönlichen Kontakten kann so was ja unglaublich viel bewirken.

      Und das ist… Ja, ich glaube, das ist, wofür ich das Ganze mache. Das ist mein übergeordnetes Ziel, dass es eben in meine Purpose passt, in das, was ich gerne machen will. Das heißt, ja, Ziele gibt es schon, aber es sind nicht Ziele, die ich in konkrete Zahlen fassen kann oder Ziele, die ein ganz konkretes Enddatum haben, dieses typische SMART.

      Ja, SMART-Ziele sind cool, aber wenn sie uns davor abhalten, überhaupt zu starten, weil das so groß und so weit weg ist, dass wir sowieso nicht wissen, wie wir das erreichen sollen. Plötzlich 10.000 Menschen, die das hören und irgendein Produkt kaufen, oh mein Gott, dann muss es ja perfekt sein. Nein, es geht nicht um Perfektion ismus und das merkst du ja jetzt auch hier.

      Ich laufe einfach gemütlich mit dir durch den Wald, ich genieße jeden Schritt, ich genieße jeden, ja. Jeden Moment hier und einfach mit dir laufen zu dürfen, dich vielleicht inspirieren zu dürfen. Genau, also Prozess ist meiner Meinung nach urmenschlich, prozessuales Denken und Arbeiten und in kleinen Schritten vorankommen.

      Das Growth Mindset ist die Schlüsselkraft der Menschen, wie er sich über so viele Jahrtausende entwickelt, in einer völlig unwirtlichen Welt hier in der Eiszeit in Europa behauptet hat, wie er Sachen gemeistert hat, wo wir uns heute nicht mal mehr vorstellen können, wie er das geschafft hat. Und alles durch ganz, ganz kleine, iterative Schritte über Jahrhunderte, über Jahrtausende, über viele Menschenleben und Generationen hinweg.

      Und ja, wir können sogar so eine Art Flow-Zustand erreichen, wir Menschen, wenn wir das Stück für Stück tun. Das heißt, ich fliege jetzt hier gemütlich durch den Wald mit dir. Ja, das ist mein Wissensteil, vielleicht auch kombiniert mit ein bisschen Inspiration. Und die Frage an dich ist dann natürlich, wann hast du mal erlebt, dass ein großes Ziel dich blockiert hat?

      Und vielleicht kommt dir dann auch in den Sinn, was du stattdessen anders hättest tun können. Oder dir fällt eine Situation ein, wo du gerade durch dieses iterative, dieses ganz kleine prozessorientierte Arbeiten eben gerade vorangekommen bist. Also je nachdem, was dir einfällt, ob du eher ein Mensch bist, der eben diese Blockade schon erlebt hat von einem großen Ziel, was man denkt unbedingt erreichen zu müssen und dann doch nicht erreicht, weil man gar nicht anfängt, so wie ich mit meinem Podcast die letzten Wochen und Monate und Jahre.

      Oder eben vielleicht bist du schon auf dem Prozess, in der Prozessrichtung und stellst das jetzt für dich fest und merkst, hey, ja, ja, das mache ich die ganze Zeit schon und das geht auch richtig gut bei mir. Wo auch immer du auf deiner Reise stehst, ich hoffe, diese Frage hilft dir ein Stück, ein ganz kleines Stück weiter voranzukommen.

      Und ich würde mich sehr, sehr, sehr freuen, wenn du mir schreibst oder mich anrufst oder was auch immer du möchtest und mir dein ganz persönliches Feedback gibst. Denn… Ja, ich laufe meinen Weg, aber mein Weg wird noch schöner, ihn mit dir zu laufen.

      Literatur:

      Le Cunff, A.-L. (2025). Tiny experiments: How to live freely in a goal-obsessed world. Avery/Penguin Random House

      Brandstätter, V., Schüler, J., Puca, R. M., & Baumann, N. (2013). Die „Action Crisis“ im Zielstreben und ihre Bedeutung für die psychische Gesundheit. Zeitschrift für Gesundheitspsychologie, 21(1), 1–11.

      Dweck, C. S. (1999). Self-Theories: Their role in motivation, personality, and development. Psychology Press.

      Dweck, C. S., & Leggett, E. L. (1988). A social-cognitive approach to motivation and personality. Psychological Review, 95(2), 256–273.

      Locke, E. A. (1996). Motivation through conscious goal setting. Applied and Preventive Psychology, 5(2), 117–123.

      Massimini, F., Csikszentmihalyi, M., & Carli, M. (1987). The measurement of flow in daily experience: Some methodological problems and a preliminary research. Social Indicators Research, 19(4), 499–515.

      Ryan, R. M., & Deci, E. L. (2000). Intrinsic and extrinsic motivations: Classic definitions and new directions. Contemporary Educational Psychology, 25(1), 54–67.

      Schwartz, J., & Weinberger, J. (2020). The relationship between perfectionism, goal orientation, and burnout in a sample of university students and teachers. Zeitschrift für Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie, 68(1), 1–10.

      Disclaimer:

      Dieser Podcast ist ein virtueller Spaziergang und dient ausschließlich der Information und Inspiration. Die Inhalte stellen keine Psychotherapie, kein Coaching und keine professionelle Beratung dar und ersetzen diese auch nicht.

      Alle hier formulierten Aussagen sind wissenschaftlich recherchiert. Die entsprechenden Referenzen und Quellen findest du im Anhang der Show Notes zu dieser Folge.

      Ich übernehme keine Verantwortung für die Richtigkeit der wissenschaftlichen Aussagen oder deren Anwendung. Die Inhalte dieses Podcasts sind nicht als Anleitung zu verstehen, etwas Bestimmtes zu tun, sondern dienen rein der Inspiration und Anregung zum Nachdenken.

      Bei gesundheitlichen oder psychischen Problemen wende dich bitte an entsprechende Fachkräfte oder Beratungsstellen.

      16 min
    • Uhrzeit. Frühes Meeting grillt die Eule?

      Spaziergang 22: Uhrzeit. Frühes Meeting killt die Eule?

      Hallo und herzlich willkommen wieder zurück im Westerwald. Schön, dass du dabei bist. Heute ist es unser 22. gemeinsamer Spaziergang und wir sind heute ganz früh unterwegs. Es ist hier auf meiner Uhr 6:49 Uhr und das hat mit unserem Thema zu tun. Ich bin nämlich jemand, der gerne früh aufsteht. Nicht immer.

      Ich schlafe auch mal aus, aber ich habe auf jeden Fall kein Problem damit. Und ich merke, dass ich morgens am produktivsten bin. Das heißt, ja, ich könnte schon sagen, ich stehe gerne früh auf, zumindest dann, wenn ich was erledigen will. Und das ist was, das habe ich erst so seit ich… 25 bin etwa. Davor war ich jemand, der morgens echt nicht zu gebrauchen war.

      Überhaupt nicht. Die ersten Stunden in der Schule? Vergiss es. Die erste Vorlesung auf der Uni? Keine Chance. Ich erinnere mich echt an nichts mehr aus diesen Vorlesungen. Und da merke ich einfach, dass sich bei mir die Biologie ein bisschen verschoben hat. Was bedeutet das jetzt eigentlich in Bezug auf unser Thema Meetings?

      Ich hatte dir ja gesagt, es geht weiter um biologische Gründe, dass Meetings eher unproduktiv oder auch unkonstruktiv werden. Oh, der Himmel ist echt schön. Ich finde ja Sonnenaufgänge fast noch schöner als Sonnenuntergänge. Man muss halt nur früh genug im Wald sein. Das ist echt traumhaft, hier so die Mischung aus diesen rosa Wolken, dunklen fast lila dahinter.

      Na gut, also nicht zu viel Geschwärme über den frühen Morgen. Vielleicht bist du ja gar kein Morgenmensch und quälst dich jetzt hier mit mir morgens früh zu laufen. Ja, also was bedeutet das in Bezug auf Meetings? Wir Menschen haben tatsächlich verschiedene sogenannte Chronotypen. Die einen, wie man so schön sagt, sind frühe Vögel und die anderen sind eher Eulen. Und dann gibt es den größten Teil der Menschen, der liegt irgendwo dazwischen. Also das wären sozusagen die gut angepassten an unsere Arbeitswelt, die morgens irgendwann so gegen 10, 11 fit werden und dann so bis um 14, 15 Uhr fit sind und davor und danach können sie noch so ein bisschen noch Shallow Work machen, also so ein bisschen E-Mails durchblättern oder halt mal ein Kaffee-Klatschen. Du siehst schon. Die Zeit liegt zwar in der Mitte, aber vorne und hinten gibt es trotzdem Bereiche, in denen auch diese Mitteltypen nicht so fit sind.

      Die frühen Vögel, also die sogenannten Lerchen, irgendwann hat man die mal nach Vögeln genannt, die sind schon früh morgens fit. Also häufig schon so ab sieben haben die eine echt produktive Phase. Und so gegen zwölf ist halt dann der Saft raus. Wortwörtlich. Danach kann man auch bei denen Shallow Work machen. Kann sich E-Mails durchlesen oder ist nicht nett. Über Sachen unterhalten. Das ist nicht verkehrt. Auch damit kommt man auf der Arbeit relativ gut voran, weil man sich austauscht, weil man ein bisschen netzwerkt und eigentlich ganz viele Informationen bekommt. Aber es ist keine Arbeit, bei der man sich jetzt super konzentrieren muss, Entscheidungen treffen muss, sich wirklich intensiv Sachen überlegen muss. Und bei den sogenannten Eulen ist das wieder genau andersrum zu den Lerchen.

      Das heißt, wenn die Lerchen morgen schon fertig sind, um zwölf mit ihrer Konzentrationszeit, dann haben die Eulen noch nicht mal angefangen. Die kommen irgendwann im Nachmittag so richtig auf Fahrt und die sind aber dafür häufig bis in den Abend hinein unglaublich konzentriert und kreativ und fit und können da bis in die Nacht Präsentationen erstellen und umso später der Tag wird, umso besser wird die Präsentation.

      Aber zurück auf Meetings. Was bedeutet das denn, wenn wir ein Team sind? Ich bin ja immer ein großer Fan davon, wenn man durchaus sehr unterschiedliche Leute in Teams hat, weil es an sich, finde ich, Teams bereichert. Aber was die Uhrzeit von wichtigen Meetings angeht, kann das echt schwierig sein. Man will ja natürlich im Allgemeinen auch nicht direkt nach dem Mittagessen, da sind wahrscheinlich alle etwas matschig. Das hat aber wieder andere biologische Gründe, die gucken wir uns auch noch mal irgendwann an.

      Man will vielleicht nicht direkt vor dem Mittagessen, zumindest wenn man ordentlich über Sachen reden und nicht zu überstürzte Entscheidungen haben will, weil Leute mit knurrendem Magen im Allgemeinen eher dazu tendieren, schnell eine Entscheidung treffen zu wollen, damit sie zum Mittagessen können. Das ist persönliche Erfahrung, das ist jetzt keine Wissenschaft.

      Aber… Ah, hörst du? Morgen ist ja die Vögel etwas fitter. Da ist einer am Rufen. Ja, also es gibt verschiedenste Gründe, warum die direkte Mittagszeit vielleicht auch nicht immer so gut ist. Na, dann bleibt so der klassische Slot zwischen 9 und 11 oder zwischen, sagen wir mal, 14 und 17 Uhr. In dem einen Slot kriege ich zwar die Leute, die im mittleren Bereich sind, schon halbwegs mit, die frühen, die sind da auf jeden Fall fit, aber diejenigen, die ja erst abends ihre Konzentrationsphase haben, die sind da potenziell noch total übermüdet.

      Wie gesagt, meine Erfahrung als ich jung war, aus den Vorlesungen, und es waren echt interessante Vorlesungen, aber ich hatte… Keine Chance, mich zu konzentrieren. Oh, die Vögelchen singen echt schön. Ich muss häufiger morgens aufnehmen. Ich sollte meine eigenen Biologiefolgen mir den Tag so einteilen. Genau, also.

      Ich sollte mich auch nicht zu viel von dem Vögelchen ablenken lassen. Ich wollte ja nochmals auf das Thema Meeting kommen. Das heißt, der Morgenslot ist zwar für die Leute, die Lerchen sind oder ich glaube, diese Mitteltypen nennt man Tauben, ganz okay. Da können die Entscheidungen treffen, da können die sich konzentrieren, da können die auch kommunizieren, Teamwork machen und das funktioniert.

      Aber, wie gesagt, die Eulen, die sind da ja noch total verschlafen im Endeffekt. Wenn die so früh aufstehen mussten, das ist ja fast wie eine Art Jetlag. Das heißt, du bist tierisch müde, weißt eigentlich nicht, wo du bist, fragst dich die ganze Zeit, wo deine Kaffeetasse steht und hast einfach morgens nicht die Konzentration zuzuhören, wenn du ein später Typ bist.

      Nein, du hast nicht, das ist okay. Die Chance ist etwas größer, dass du die Konzentration nicht hast. Aber andersrum, der Nachmittagsslot, gerade für die sogenannten Lerchen natürlich total unpraktisch, die hatten ihre kreative, konzentrierte Zeit morgens, die sind mittags eigentlich schon gefühlt durch, die fragen sich dann, wo ihre Kaffeetasse steht, die wissen nicht mehr, wann sie…

      Ja, wann sie sich zum letzten Mal an dem Tag wirklich konzentrieren konnten nach dem Mittagessen. Und die freuen sich die ganze Zeit schon darauf, endlich nach Hause zu gehen. Vielleicht sind sie auch schon ihre acht Stunden da. Es gibt ja sogar Leute, die morgens um sechs schon anfangen. Ich habe mal eine Zeit lang um sechs angefangen.

      Ich muss sagen, das war eine coole Zeit. Bis um neun stand niemand vor meinem Schreibtisch. Ich hatte drei Stunden produktive Zeit, aber eben nicht in Meetings. Genau, also zum Thema Meeting, das kann wirklich herausfordernd sein und wenn ihr sehr unterschiedlich seid im Team, redet doch vielleicht einfach mal darüber.

      Ja, findet eure eigene Lösung für die Thematik, aber ich persönlich finde es immer nicht fair, wenn man eine Gruppe… an den Rand drängt, die sind dann immer morgens im Daily müde und die anderen sind schon topfit und wundern sich, warum die müde Gruppe nicht so viel sagt, unproduktiv ist, vielleicht sogar unkonstruktiv ist, weil müde kann auch schlecht gelaunt sein, kann auch emotional etwas weniger reguliert sein.

      Wenn ich sehr müde bin, habe ich ja schon mal erzählt, dann kann ich auch durchaus etwas grumpy sein. Und ja, das macht natürlich einen ganz anderen Kontakt zwischen den Menschen, wenn manche so müde sind. Was ich auch noch ansprechen will, ist was, was mich natürlich als jemand, der gerne früh aufsteht, weniger betrifft, aber allgemein sind die Leute ja eher bei der größeren mittleren Gruppe und genauso viele sind wahrscheinlich von der späteren Gruppe wie von der frühen.

      Und jetzt ist diese klassische, häufig vermittelte in unserer Gesellschaft, diese Arbeitsmoral, früh aufstehen, nur der frühe Vogel fängt den… Wurm? Ich wollte Fisch sagen, aber ich glaube, es heißt Wurm. Du bist ein besserer, besser auf der Arbeit, wer früh da ist. Obwohl es gibt ja auch die, die dann meinen, jeder müsste super lange bleiben.

      Ist aber wieder eine andere Thematik. Auf jeden Fall gibt es einen gewissen gesellschaftlichen Druck, habe ich das Gefühl, dass es wichtig ist, früh aufzustehen, schon mal was zu leisten am Tag. Und für die Leute, die eben abends super produktiv sind, die dann richtig loslegen können, ist das einfach nicht fair.

      Also wenn die Leute sich, finde ich, und das ist jetzt meine persönliche Meinung wirklich, da in ein Schema gedrängt werden, sich da vielleicht auch reingedrängt fühlen, dass nur die Morgenstunden die wahren sind, dann ist das ganz schön fies. Also dann können diese Leute… ja einfach überhaupt niemals ihr richtiges Potenzial ausschöpfen.

      Und gerade bei Konzentration und bei Kreativität ist das so unglaublich wichtig, finde ich, dass wir nach unserer eigenen Uhr handeln. Und wie gesagt, die Wissenschaft hat ja auch da ganz viel geforscht und herausgefunden, dass manche Menschen eben einfach kreativer und konzentrierter zu Zeiten sind, wo andere schon wieder müde sind oder eben andersrum.

      Ja, soviel zum Thema Chronobiologie und die Auswirkungen auf Meetings, die gar nicht so einfach zu lösen sind, aber vielleicht kann ich dich damit inspirieren, dass du es wenigstens mal drüber nachdenkst und verstehst und vielleicht mal schaust, welche Lösungen du für dich und dein Team findest, damit jeder immer möglichst konzentriert und produktiv und konstruktiv in Meetings sitzt.

      Ja, also daher natürlich ganz praktisch pragmatisch die Frage an dich, welcher Typ bist du denn? Gehörst du zu denen, die morgens gerne früh aufstehen, dann schon super produktiv sind? Oder eher zu diesem großen Gruppe an mittlerem Typ, die im Laufe des Vormittags dann immer konzentrierter werden, so über den Mittag hinaus ihre Hauptzeit haben?

      Und wenn der Nachmittag gefordert ist, dann auch schon wieder ein bisschen abbauen oder gehörst du zu der Gruppe, die erst im Laufe des Nachmittags immer fitter werden und dann bis in den Abend hinein unglaublich konzentriert sein können.

      Hilft dir ja diese Frage auch ein bisschen über dich selber herauszufinden. Ich wünsche dir mit diesen ganzen Vögeln hier im Hintergrund einen wunderschönen weiteren Spaziergang, wann auch immer am Tag du jetzt das hörst und gedanklich eben hier mit mir spazieren gehst. Bis morgen. Ich freue mich auf dich.

      Mach's gut.

      Literatur:

      Walker, M. (2018). Why we sleep. Penguin Books.

      Brum, J. A., et al. (2023). Effects of sleep-corrected social jetlag on measures of mental health, cognitive ability, and brain functional connectivity in early adolescence. Sleep, 46(12), zsad259.

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      Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund. (2022). Morgens die Leistung, abends das Risiko?. Abgerufen am 8. September 2025 von https://www.ifado.de/de/newsroom/news/innere-uhr

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      Panda, S. (2019). Der Zirkadian-Code. VAK Verlags GmbH.

      Protime. (2025). Arbeitgeber sollten Biorhythmus bei Arbeitszeitgestaltung berücksichtigen. Abgerufen am 8. September 2025 von https://persoblogger.de/2025/02/21/arbeitgeber-sollten-biorhythmus-bei-arbeitszeitgestaltung-beruecksichtigen

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      West, R., et al. (2024). Being a 'night owl' is associated with mental sharpness, study shows. BMJ Public Health, e000523.

      Wieden, M. (2016). Chronobiologie. Abgerufen am 8. September 2025 von https://spitzen-praevention.com/2022/02/15/chronobiologie-die-wissenschaft-von-der-zeit-in-lebenden-systemen/

      Wieden, M. (2025). Was sind Chronotypen?. ChronoCollege. Abgerufen am 8. September 2025 von https://www.chronocollege.de/was-chronotypen/

      Zell, K. (2024). Chronotypen: Finde deinen inneren Rhythmus. kununu. Abgerufen am 8. September 2025 von https://news.kununu.com/chronotyp-test/

      Disclaimer:

      Dieser Podcast ist ein virtueller Spaziergang und dient ausschließlich der Information und Inspiration. Die Inhalte stellen keine Psychotherapie, kein Coaching und keine professionelle Beratung dar und ersetzen diese auch nicht.

      Alle hier formulierten Aussagen sind wissenschaftlich recherchiert. Die entsprechenden Referenzen und Quellen findest du im Anhang der Show Notes zu dieser Folge.

      Ich übernehme keine Verantwortung für die Richtigkeit der wissenschaftlichen Aussagen oder deren Anwendung. Die Inhalte dieses Podcasts sind nicht als Anleitung zu verstehen, etwas Bestimmtes zu tun, sondern dienen rein der Inspiration und Anregung zum Nachdenken.

      Bei gesundheitlichen oder psychischen Problemen wende dich bitte an entsprechende Fachkräfte oder Beratungsstellen.

      13 min
    • Perspektive. Ist alles meine Entscheidung?

      Spaziergang 21: Perspektive. Ist alles meine Entscheidung?

      Hallo und herzlich willkommen zu unserem Spaziergang hier am Rheinufer. Es ist hier wunderschön grün und sonnig, aber wahrscheinlich hörst du noch das Schiff hier im Hintergrund. Das ist gleich vorbei. Ja, schön, dass du hier wieder mit dabei bist, zum 21. Mal heute. Also wir haben unsere Drei-Wochen-Marke gemeinsam erreicht und ich bin sehr froh, dass du mit mir spazieren gehst.

      Heute ist Sonntag und Sonntag steht ja immer bei uns im Zeichen der Philosophie. Und wie die letzten Wochen auch, kommt heute etwas von den Stoikern. Als Inspiration und die Stoiker haben wir ja letztes Mal schon besprochen über Entscheidungen. Also herauszufinden, wo ist eigentlich mein Entscheidungsraum? Und wo ist er nicht, diese Trennung? Und damals haben wir relativ simpel, in Anführungsstrichen, darüber nachgedacht, was ist denn grundsätzlich in meiner aktiven Entscheidung, zum Beispiel eine Situation zu akzeptieren oder zu sagen, ich kündige. Oder ich entferne mich aus der Situation oder was auch immer.

      Häufig gibt es ja auch innerhalb der Situation noch Entscheidungsmöglichkeiten. Die sind, wie gesagt, ganz praktisch pragmatisch und brauchen erstmal noch gar nicht so viel philosophische Perspektive. Ja, genau, und um diese Perspektive geht es jetzt. Das ist nämlich ein unglaublich wichtiger Teil der stoischen Philosophie.

      Und es ist so, ja, wenn man mal drüber nachgedacht hat, unglaublich einsichtig finde ich, diese Perspektive. Und ich will mal versuchen, dir die Idee der Perspektive etwas näher zu bringen an einem der Beispiele, die die Stoiker auch häufig bringen, nämlich den Vogelflug. Das ist eine ihrer typischen Übungen.

      Das heißt, wenn ich jetzt so ein großes Obstacle vor mir habe, zum Beispiel einen großen Stein, ich will auf diesen Weg gehen und er ist ein riesiger Felsbrocken. Und vielleicht sind daneben auch noch ein paar Felsbrocken und ich habe das Gefühl, ich kann überhaupt nicht weitergehen. Nun jetzt habe ich verschiedene Möglichkeiten.

      Ich kann mich zum Beispiel davor stellen und stehen bleiben und ihn immer weiter anstarren und denke mir, scheiße ich kann nicht weitergehen. Oder ich lege mich auf den Boden, ich gucke zur Erde und sehe auch nicht mehr. Jetzt sehe ich zwar den Stein nicht mehr, aber ich sehe halt auch nur den Erdboden und voran geht es auch nicht.

      Dann gibt es die nächste Möglichkeit, ich kann mich auf den Rücken drehen und meinen Kopf zum Himmel bringen. Und jetzt kann ich eben, wenn ich da liege, mit dem Kopf nach oben Richtung Himmel den Himmel sehen. Und es ist schon mal zumindest eine andere Perspektive wortwörtlich. Und vielleicht fällt mir da ein Vogel auf.

      Hier am Rhein gibt es ja ganz viele Möwen, also da würde ich mit Sicherheit eine Möwe sehen. Und dann kann ich mir überlegen, okay, wenn ich jetzt nicht von hier unten liegend den großen Felsbrocken dahinter mir ignoriere, sondern nach oben fliege und mal aus der Perspektive der Möwe schaue. Dann sieht der Stein ja schon vielleicht ganz anders aus.

      Und tatsächlich, wenn ich nach oben fliege, kann ich vielleicht sehen, dass drei Steine weiter, in einem Winkel, der mir überhaupt nicht auffällt wenn ich davor stehe, tatsächlich eine Lücke ist. Und durch diese Lücke, durch die kann ich hindurch. Das ist die Grundidee der Perspektive, indem man einfach den Blickwinkel verändert.

      Und ich erkläre dir das mal auch ganz praktisch an einem Beispiel von mir. Nach meinem Burnout, da habe ich ja schon von erzählt, also mein zweiter im letzten Sommer, wusste ich, dass ich einfach nicht wieder zurück in die Wirtschaft kann, weil die Gefahr einfach extrem hoch ist, dass ich genau das gleiche wieder erlebe.

      Und da ich schon viele, viele Jahre gerne wieder in die Therapie wollte, war meine Entscheidung ziemlich schnell klar. Ich will wieder zurück in die Physiotherapie beziehungsweise irgendwann auch mal in die Osteopathie. Und ja, mein Lieblingsgebiet war immer die psychosomatische Physiotherapie. Also wollte ich da wirklich was machen, vorankommen.

      Aber ich wollte nicht so das ganze Risiko noch nehmen, weil ich habe Familie. Und ja, eine Praxis aufzubauen ist ziemlich teuer und ziemlich schwierig. Und ich kenne eine ganz tolle Praxiseigentümerin und wir haben uns alles Mögliche überlegt, was wir machen könnten, weil sie genug Patienten hat und ich gerne was machen will.

      Aber ich eben meine Autonomie, meine Selbstbestimmung sehr schätze und tatsächlich selbstbestimmt, komplett selbstbestimmt arbeiten möchte. Ja, dann haben wir hin und her überlegt, verschiedene Möglichkeiten uns angeguckt und sind immer gegen Wände gerannt. Egal wo wir hingeguckt haben, war das entweder durch die Kassen nicht erlaubt oder durch irgendwelche anderen Sozialträger mit Richtung Scheinselbstständigkeit.

      Und jeder wird seine guten Gründe haben, dass es diese Regeln gibt. Für mich war es nur einfach sehr unpraktisch, denn das, was ich gerne wollte in dem Moment, war einfach nicht erlaubt. Ein bisschen Risiko aber nicht zu viel und möglichst viel Freiheit. Und nur ein steller Start. Das ging einfach nicht.

      Punkt, aus, Ende. Und da war ich erstmal ziemlich frustriert. Bis ich dann mir überlegt habe, okay, ich wechsle jetzt mal die Perspektive und gucke mir das Ganze mal von meinem eigenen Purpose aus an. Und es war erstmal hart, weil ich mir überlegen musste… Wie die Situation denn von der Warte aussieht, die mir wichtig ist.

      Was mir wirklich wichtig ist und wie ich dann am besten damit umgehen kann. Und am Ende blieb von dieser Perspektive aus nur eine Möglichkeit übrig. Denn ich will ja wirklich so arbeiten, wie es sich für mich richtig anfühlt zu arbeiten. Und da blieb eben einfach nur die Selbstständigkeit übrig. Und hey, ich habe draufgeguckt, was ich wirklich tun will und ich liebe ja die Natur und die Naturverbundenheit. Deshalb gehen wir ja hier immer so schön im Wald spazieren, außer heute, da haben wir gerade noch ein Schiff neben uns.

      Und ich habe mir einfach gesagt, gut, dann halt draußen. Wenn die Investition für eine große Praxis oder überhaupt eine Praxis zu teuer ist und eigentlich mein größtes Problem und ich ja sowieso mit den Menschen in den Wald will, ja, warum mache ich das denn dann nicht? Gut, kommen wieder andere Komplikationen dazu mit Kassenzulassung und so geht dann alles nicht, aber ich darf ja trotzdem mit den Menschen arbeiten und für mich hat das, dieser Perspektivwechsel zu sagen, okay, was will ich denn wirklich und nicht, was ist jetzt gerade vielleicht die nächstgelegene Möglichkeit, sondern mal über den Tellerrand zu schauen und einfach drei Schritte weiter zu gehen in die Richtung, die ich eigentlich tatsächlich will.

      Das hat mir unglaublich viel gebracht. Also nicht immer nur den Stein anstarren, sondern mal einen ganz anderen Blickwinkel einnehmen. Und genau, so eine kleine Inspiration von meiner Seite. Aber die Idee der Perspektive geht noch ein Stück weiter. Wenn die Stoiker über Perspektive reden, dann reden sie auch über meine innere Einstellung zu dem, was um mich herum passiert und auch was in mir passiert.

      Ich kann mich ärgern über meinen eigenen Ärger oder ich kann ihn mit einem Lächeln nehmen. Ich kann mich darüber ärgern oder wütend sein oder traurig sein, was um mich herum passiert. Ich kann mich aber auch bewusst entscheiden, einen positiven Blickwinkel auf das zu haben, was um mich herum passiert und dann rede ich wirklich um die Emotionen, die es in mir auslöst.

      Ich habe ja schon gesagt, Schmerz ist also eine ganz besondere Sache, weil es physiologisch an den verschiedensten Stellen Stellschrauben hat, aber trotzdem ist ja meine Perspektive, wenn ich Schmerz habe, meine eigene Perspektive. Dass ich den Schmerz habe, kann ich vielleicht nicht ändern. Aber welche Emotion ich gegenüber diesem Schmerz empfinde, das ist meine Entscheidung.

      Genauso mit anderen Dingen im Leben. Egal was ich empfinde im ersten Moment und ich sage damit nicht, du sollst die Empfindung wegschubsen. Aber ich kann auch Wut empfinden und eine Perspektive einnehmen, in der ich sage, okay, ich bin jetzt wütend, aber ich brauche ja trotzdem nicht hier jetzt auszurasten.

      Ich kann ja auch meine Wut mit einem gewissen Lächeln nehmen. Ist nicht so einfach, darf man üben, wenn man möchte. Aber tatsächlich gibt es auch die Perspektive in einem drin, bezüglich all dem, was wir selber empfinden. Und natürlich auch dem, was draußen ist. Ja, es gibt dieses schöne Beispiel in einem Buch, das verlinke ich euch auch unten, wo es um stoische Lebensweisheit geht.

      Und da erzählt der Autor die Geschichte von jemandem, der ins Gefängnis kommt. Das ist einer Meinung nach zu Unrecht. Das stellt sich am Ende auch tatsächlich im Gericht heraus, aber erst viele, viele Jahre später. Und er sagt, die können mir alles nehmen, aber nicht meine eigene Würde. Ja. Das finde ich unglaublich mächtig und unglaublich toll zu sagen, auch hier geht eben diese Entscheidung, die ich habe, diese Perspektive auf die Unzerstörbarkeit meiner eigenen Würde, solange ich die weiter sehe und die Perspektive halte.

      Genau wie ganz viele andere Emotionen oder grundsätzliche Eigenschaften. Nur weil um mich herum Schlechtes passiert, muss ich ja auch nicht meine Gütigkeit verlieren. Kann ich eine Perspektive einnehmen, in dem diese Gütigkeit, die ich in mir habe, trotzdem sinnvoll und relevant ist. Und so gibt es ganz viele Beispiele, wo die Perspektive auf das, was in uns drin ist, einfach einen riesigen Unterschied macht und uns erlaubt zu entscheiden.

      Also die Dinge sind in unserem Entscheidungsraum, wie wir mit unseren inneren Bedürfnissen, wie wir mit unseren inneren Gefühlen, wie wir mit dem, was um uns herum geschieht umgehen, was wir in uns damit machen. Das ist immer in deiner und auch in meiner Entscheidungsfreiheit. Das heißt, wenn wir letztes Mal über Entscheidungsfreiheit gesprochen haben, dann war das ja erstmal eine praktisch pragmatische Idee über Entscheidungsfreiheit. Und ich hoffe, du siehst heute, dass die Idee viel weiter geht, wenn du Perspektive mit reinbringst, ob es rund um praktisch pragmatische Dinge wieder geht, also wie du auf die Entscheidung zu kündigen zum Beispiel, die letztendlich vielleicht im ersten Moment sich schwer anfühlt, aber mit anderer Perspektive vielleicht die größte Chance deines Lebens ist.

      Oder auf das Gefühl, das in dir entsteht, wenn dein Chef das nächste Mal meckert oder ein Kollege doof ist und du eine andere Perspektive zu den Gefühlen einnimmst, die in dir entstehen, vielleicht eine liebevolle Perspektive und den Ärger liebevoll sacken lässt, auch das ist in deiner Entscheidungsfreiheit.

      Ja, da ist verdammt viel in deiner eigenen Entscheidungsfreiheit, wenn nicht fast alles. Im Grunde sind nur ein paar von außen gegebene Dinge nicht in deiner Entscheidungsfreiheit und ja jetzt würde ich sagen, das ist das erste Mal, dass ich wirklich auch gar keine Frage dazu habe, ich glaube ich lasse das jetzt einfach so stehen, wenn du möchtest, darfst das mal durch den Kopf gehen lassen, dass im Grunde alles außer ein paar wenigen Dingen, die außen geschehen, komplett in deiner eigenen Entscheidungsfreiheit ist, wenn du die Perspektive wechseln zulässt. Damit verabschiede ich mich, wünsche dir einen wunderschönen Sonntag und freue mich, dich morgen wieder zu sehen.

      Bis dann!

      Literatur:

      Holiday, R. (2014). The Obstacle is the Way: The Ancient Art of Turning Adversity to Advantage. Portfolio/Penguin.

      Disclaimer:

      Dieser Podcast ist ein virtueller Spaziergang und dient ausschließlich der Information und Inspiration. Die Inhalte stellen keine Psychotherapie, kein Coaching und keine professionelle Beratung dar und ersetzen diese auch nicht.

      Alle hier formulierten Aussagen sind wissenschaftlich recherchiert. Die entsprechenden Referenzen und Quellen findest du im Anhang der Show Notes zu dieser Folge.

      Ich übernehme keine Verantwortung für die Richtigkeit der wissenschaftlichen Aussagen oder deren Anwendung. Die Inhalte dieses Podcasts sind nicht als Anleitung zu verstehen, etwas Bestimmtes zu tun, sondern dienen rein der Inspiration und Anregung zum Nachdenken.

      Bei gesundheitlichen oder psychischen Problemen wende dich bitte an entsprechende Fachkräfte oder Beratungsstellen.

      13 min
    • Nein. Nein hören - gut fühlen?

      Spaziergang 19: Nein. Nein hören - gut fühlen?

      Hallo und herzlich willkommen hier am Rheinufer heute noch einmal. Ab Montag sind wir dann wieder gemeinsam im Westerwald spazieren. Schön, dass du dabei bist.

      Heute gibt es keinen Wissensteil, sondern einen Inspirationsteil. Und diese Inspiration geht rund um das Wort „Nein".

      Ich war ja sehr lange in den Niederlanden. Ich habe sieben Jahre dort gelebt, davor schon war ich drei Jahre sehr häufig da, ich habe da studiert und habe dort gearbeitet. Und eines der Sachen, die ich dort gelernt habe, ist ein entspannter Umgang mit dem Wort „Nein".

      Für mich, als ich aufgewachsen war, war das immer irgendwie was Unangenehmes. Was sich nicht gut angefühlt hat, ich hab manchmal so ein leichtes Magenkrämpfchen gekriegt in dem Moment, wo jemand zu mir „Nein" gesagt hat. Oder, ja, ich habe mich abgewiesen gefühlt und das ist meine persönliche Erfahrung, die ich dir jetzt sage. Das ist keine Psychologie, sondern wirklich nur eine Erfahrung.

      Genau, ich glaube in den Niederlanden würde man sagen, Psychologie von der Koude Grond, also Psychologie vom kalten Grund oder auf Deutsch Küchenpsychologie.

      Aber es geht hier wirklich um meine persönliche Erfahrung und um die Hoffnung, dass es dich vielleicht ein wenig inspiriert. Was habe ich jetzt in den Niederlanden so anderes gelernt, so anderes erfahren? Nämlich dass man ganz entspannt und selbstverständlich mit dem Wort „Nein" umgehen kann. Das war für mich, als ich aufgewachsen bin, ganz und gar nicht so.

      Wie gesagt, ich habe mich immer… etwas unangenehm gefühlt, habe mich abgewiesen gefühlt, habe denke ich häufig auch versucht Situationen zu verhindern, indem ich das Wort „Nein" bekomme. Hey liebe Möwe da oben, was versuchst du mir denn gerade zu erzählen? Ich habe kein Brötchen oder sowas dabei, ne?

      Ne, genau, also ich habe es ganz oft versucht zu verhindern und bin in Situationen auch aus dem Weg gegangen, weil ich es so unangenehm fand.

      Und in den Niederlanden war das dann plötzlich allgegenwärtig. Ganz viele Leute haben auf ganz simple Fragen einfach ganz selbstverständlich „Nein" gesagt. Auch „Nein, das will ich nicht", zum Beispiel. Ohne dass da irgendetwas ich in der Stimme Unangenehmes mitschwingen habe hören. Und umso öfter das passiert ist, umso mehr wurde ich mir auch meiner Reaktion bewusst und das obwohl der andere Mensch, mein Gegenüber das völlig easy und selbstverständlich und ohne jede negatives Mitschwingen in der Stimme sagt, dass ich trotzdem darauf reagiere, dass ich trotzdem mein kleines Magenkrämpfchen kriege und mich abgewiesen fühle.

      Mich unangenehm fühle, das meint diese Meta-Ebene mich abgewiesen zu fühlen hatte ich dann in dem Moment natürlich nicht, sondern ich fühlte mich unangenehm. Und umso öfter ich das erlebt habe, umso bewusster wurde mir einfach, dass meine Reaktion überhaupt nicht nötig ist, dass die anderen Leute um mich herum mit diesem „Nein" ganz selbstverständlich umgehen, als ob das irgendeine normale fachliche Info ist.

      Ist es ja auch. Nur für mich war es das in dem Moment nicht.

      Und vielleicht hörst du das jetzt und denkst dir, oh nö das hatte ich schon immer so, dass das für mich ganz einfach war. Und das ist toll. Also dann bist du auf jeden Fall in einer Situation aufgewachsen, in der dir der Umgang mit dem „Nein" auf ganz wundervolle Weise beigebracht wurde.

      Und ich bin einfach total froh, dass ich das in den Niederlanden so gelernt habe. Und ja, für all die, die diese Erfahrung vielleicht noch nicht gemacht haben, hoffe ich, dass ich jetzt hier eben dir die Inspiration mitgeben kann. Ja, dass das Wort „Nein" etwas ganz Simples sein kann. Etwas ganz Selbstverständliches.

      Etwas was einem weder kleine Bauchkrämpfe noch ein unangenehmes Gefühl machen braucht. Gerade dann braucht. Jeder hat da seine eigene Erfahrung.

      Umso öfter ich das gehört habe. Ich glaube, das war einfach die Exposure bei mir, die dauernd wieder Exposure von einem ganz simplen ganz selbstverständlichen, ganz natürlichen ganz unproblematischen „Nein", dass die Leute mit solcher Selbstverständlichkeit ausgesprochen haben, dass ich überhaupt nicht daran zweifeln konnte, dass sie da irgendetwas Negatives mir gegenüber meinen konnten und es hat wirklich viele Monate, Jahre gedauert bis das dann wirklich ganz, ganz bei mir angekommen ist und ich bin total glücklich, dass ich mittlerweile mit „Neins" viel selbstverständlicher und viel bewusster umgehen kann und wenn ich doch mal mich abgewiesen fühle oder ja in meinem Körper eine Reaktion spüre, dann kann ich zumindest da bewusst damit umgehen und mir auch selber sagen, hey, das ist nicht notwendig du konntest das ja auch schon mal anders.

      Und darf das aber dann auch liebevoll annehmen, weil anscheinend in dem Moment mein Körper oder meine Emotionen das doch wieder reaktiviert haben. Genau, also diese andere Perspektive und über Perspektivwechsel werden wir übrigens uns auch morgen unterhalten, aber dann auf Basis der Philosophie. Morgen gibt es ja wieder unseren philosophischen Spaziergang mit den Stoikern.

      Aber heute ist das auch so ein bisschen ein Perspektivwechsel, den ich gemacht habe. Von, oh mein Gott, ein „Nein" ist was ganz Schlimmes, zu, hey, ein „Nein" kann etwas ganz Unproblematisches Selbstverständliches sein. Und ja, daher meine Frage heute an dich. Wie ist es für dich, ein „Nein" zu hören, wenn du jemanden etwas fragst?

      Wie ist es, wenn du ein „Nein" hörst auf eine ganz simple Frage, vielleicht einfach, hey, habt ihr den Rabatt noch? Kann ich den auch haben? Oder vielleicht auch eine Frage die etwas wichtiger ist. Kann ich mitfahren in den Urlaub? Etwas was dir am Herzen liegt. Wie ist es je nach Situation, wenn du ein „Nein" hörst?

      Wie gehst du selber damit um? Wie fühlt sich das in deinem Körper an? Wie fühlt sich das in deinen Emotionen an? Ja, das ist meine Frage für dich heute, mit der du dich wenn du möchtest beschäftigen darfst und bevor wir der Straße jetzt zu nahe kommen und hier der nächste Kutter vorbeifährt, mit übrigens niederländischer Flagge, das erste Schiff hatte auch schon eine niederländische Flagge, wir sind hier umgeben von Niederländern in Köln, habe ich das Gefühl.

      Da passt ja unser kleines niederländisches Thema heute wieder sehr schön rein. Ich wünsche dir einen ganz wundervollen Tag. Genauso sonnig wie mein Tag hier in Köln und ich freue mich, dich morgen wieder dabei zu haben.

      Disclaimer:

      Dieser Podcast ist ein virtueller Spaziergang und dient ausschließlich der Information und Inspiration. Die Inhalte stellen keine Psychotherapie, kein Coaching und keine professionelle Beratung dar und ersetzen diese auch nicht.

      Alle hier formulierten Aussagen sind wissenschaftlich recherchiert. Die entsprechenden Referenzen und Quellen findest du im Anhang der Show Notes zu dieser Folge.

      Ich übernehme keine Verantwortung für die Richtigkeit der wissenschaftlichen Aussagen oder deren Anwendung. Die Inhalte dieses Podcasts sind nicht als Anleitung zu verstehen, etwas Bestimmtes zu tun, sondern dienen rein der Inspiration und Anregung zum Nachdenken.

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      8 min
    • Hören. Hört mich der Kollege im Meeting einfach nicht?

      Spaziergang 19: Hören. Hört mich der Kollege im Meeting einfach nicht?

      Hallo und herzlich willkommen bei unserem erneuten Spaziergang hier am Rheinufer. Insgesamt ist es schon unser neunzehnter gemeinsamer Spaziergang. Das ist schön, dass du wieder dabei bist. Heute ist es gar nicht so verkehrt, dass wir so viele Hintergrundgeräusche haben, denn ich möchte mit dir mit unserer Meeting-Thematik weitermachen.

      Das Thema konstruktive Meetings, produktive Meetings, ja, ergebnisorientierte Meetings und warum das komischerweise in unserer Zeit häufig schief geht, beziehungsweise es eben keine konstruktiven, sondern unkonstruktive Meetings sind, obwohl wir Menschen doch eigentlich für die Teamarbeit und die gemeinsame Lösungsfindung geschaffen sind.

      Davon habe ich dir schon diese Woche erzählt. Wenn du Lust hast, hör dir die Folge sonst noch mal an. Die heißt "300.000 Jahre" und da geht es darum, warum wir Menschen das eigentlich gut können müssten. Ja, heute möchte ich dir von einem Grund erzählen, der ganz simpel und pragmatisch ist und dazu führen kann, dass Meetings unkonstruktiv werden.

      Aus dem einfachen Grund, dass rein biologisch jemand etwas nicht gut hören kann. Ich meine damit wirklich explizit das biologische, also das physiologische Hören und nicht das Zuhören wollen oder die nicht die Konzentration haben zuzuhören oder Sprachschwierigkeiten haben, Verständnisschwierigkeiten haben, das meine ich hier alles nicht.

      Das können wir mal wann anders drüber reden, wie das zu unkonstruktiven Meetings führen kann. Es geht wirklich ganz explizit um das biologische Hören können. Denn wenn du einen Teil dessen, was jemand spricht, einfach nicht hörst und selbst wenn es nur einzelne kleine Töne sind, die du zwischendurch nicht hörst, dann sorgt das schon dafür, dass du wahrscheinlich ein deutlich schlechteres Verständnis von dem hast, was derjenige dort sagt.

      Vielleicht musst du dir ein paar Sachen zusammenreimen oder du hörst das einfach gar nicht gut, weißt überhaupt nicht, was da gesprochen wird. Und dafür gibt es ein paar Gründe. Der eine ist relativ simpel, den kennst du wahrscheinlich auch selber: Wenn du erkältet bist, hörst du schlechter. Naja, das ist jetzt ein bisschen zu allgemein, aber wenn man erkältet ist, kann es sein, dass die verschiedenen Röhren oben im Nasen-Ohr-Bereich, die ja auch miteinander verbunden sind, etwas verstopft sind von Schleim oder zugeschwollen oder was auch immer und dadurch kann es sein, dass man weniger gut hört. Gleiches gilt für sowas wie eine Mittelohrentzündung oder ähnliches. Das heißt, solltest du erkältet sein, trotzdem arbeiten, dann kann es sein, dass du einfach weniger gut hören kannst. Genau, das ist der eine Grund, erst ganz simpel und den kennst du wahrscheinlich selber auch.

      Der nächste ist ja etwas konfrontierend vielleicht für den einen oder anderen, der so meine Altersklasse ist. Ich bin ja 40, nein über 40 auch schon und ich war selber schon beim Akustiker und habe mich mal durchchecken lassen. Der Grund dafür erkläre ich dir später noch mehr. Wo ich Glück hatte war, dass ich noch alle Frequenzen gut hören kann. Also tatsächlich sowohl die tiefen als auch die hohen Frequenzen.

      Wenn wir nämlich älter werden, und ab 40 kann das durchaus auch schon mal vorkommen. Das sind nicht nur die alten Omas, Opas, grauhaarig, über 70, über 80, über 90, die nicht mehr so gut hören, sondern auch in meinem Alter kann das durchaus vorkommen. Und was passiert dann? Normalerweise ist es nicht so, dass man plötzlich extrem viel weniger hört, sondern ganz langsam nimmt vor allem im oberen Tonbereich das Hörvermögen ab.

      Und das ist tricky. Weil dadurch, dass es so langsam geht, fällt es uns häufig gar nicht so gut auf. Und dadurch, dass es vor allem die hohen Töne betrifft, bedeutet das, die Vögelchen vom Anfang, ja, jetzt piepst gerade keins. Am Anfang waren ein paar Vögelchen, ich weiß nicht, ob du sie gehört hast. Hier sind am Rhein immer mal wieder welche.

      Und also dieses hohe Hören von Tönen, das nimmt besonders ab. Und wenn wir jetzt über Meetings, über Sprache sprechen, dann sind es meistens eher die jüngeren Frauen, die höhere Stimmen haben. Nicht immer, aber eben häufiger als Männer. Und wenn man dann aufgeregt ist und vor einer großen Menge steht und es vielleicht nicht gewöhnt ist, dann kann es sein, dass man noch etwas höher spricht und auch schneller spricht.

      Und das kann dazu führen, dass gerade ältere Menschen, insbesondere Männer - tatsächlich nimmt das Hören der hohen Frequenzen bei Männern schneller ab, häufig schneller ab, als bei Frauen, im Durchschnitt nimmt es schneller ab - das heißt, gerade in dem Frequenzbereich, wo dann vielleicht die jungen Frauen ganz aufgeregt ihr Meeting halten, kann es sein, dass ältere Männer, vielleicht auch ältere Frauen, einfach diesen Frequenzbereich nicht so gut hören können.

      Und ein Teil von dem, was die Frau sagt, oder ein Mann, wenn er eine hohe Stimme hat, eben nicht gut gehört wird, rein biologisch. Und das kann dazu führen, dass man sich entweder was zusammenreimt, was das denn da sein könnte, man versucht sich ja auch immer irgendwie zu helfen, wenn man was nicht gut hört.

      Ich werde dir gleich erzählen, dass ich tatsächlich auch das Problem habe und es dadurch gut kenne. Oder man überlegt sich irgendwie, ja, gar nicht zuzuhören, weil man hört ja eh das meiste nicht und versteht es nicht oder was auch immer in den Menschen passiert. Aber ein Teil oder ein Großteil von dem nicht hören zu können, was da gesprochen wird, Teile von Wörtern nicht zu hören, das sorgt dafür, dass man wirklich einfach nicht gut verstehen kann, was derjenige erzählt.

      Genau, das ist einer der Gründe, was biologisches Hören bedeutet, eben an Problemen machen kann, wie gesagt insbesondere in der Kombination hohe Stimmen zu Menschen, die im hohen Tonbereich schon nicht mehr so gut hören. Gut, dann hatten wir schon zwei nach der Erkältung und der damit einhergehenden Nasenverstopfung und dem hohen Frequenzbereich bei älteren Menschen.

      Der dritte Grund ist das, was ich selber erfahre, nämlich in dem Moment, in dem ich viele Hintergrundgeräusche habe. Deshalb nehme ich dir das jetzt auch heute hier am Rhein auf, diese Folge. Ich bin ja sowieso hier, weil ich hier eine Fortbildung habe und laufe ganz gemütlich zu meinem Fortbildungssaal.

      Und ja, auf dem Weg nehme ich dich hier mit am Rhein. Und diese ganzen Hintergrundgeräusche sind für mich ausgesprochen schwierig. Wenn ich zum Beispiel in der Nähe von rauschendem Wasser, ob das jetzt, ja der Rhein rauscht zum Glück nicht so, aber wenn das so ein Bach ist oder ich bin bei einem Wasserfall oder ähnliches, dann kann ich unglaublich schlecht hören, weil ich nicht gut differenzieren kann zwischen Außengeräuschen und dann der Stimme.

      Das gleiche passiert mir übrigens in Großraumbüros. Das heißt, so gesellig ich Großraumbüros finde, und das tue ich wirklich, so wenig verstehe ich da. Wenn ich wirklich ein Gespräch mit jemandem führen will und ich bin im Großraumbüro, dann muss ich irgendwo in eine stille Ecke gehen. Besonders schwierig wird es für mich, wenn ich in einem Meeting sitze und um mich herum reden noch mehr Leute.

      Entweder weil ich vorm Zoom sitze und jemand neben mir hat noch ein Zoom-Meeting oder derjenige, der mit mir zoomt, hat im Hintergrund Stimmen. Letztens habe ich mal mit jemandem aus dem Kundenservice geredet und das war super schwer für mich verständlich, weil da im Hintergrund mehr Kundenservice-Mitarbeiter anscheinend waren, die alle irgendwas geredet haben.

      Und das ist für meinen Kopf anscheinend unglaublich schwer auseinanderzuhalten. Das heißt, sobald ich Hintergrundgeräusche habe, ob das jetzt Menschenstimmen sind - Menschenstimmen sind für mich am allerschwierigsten - oder eben auch natürliche Geräusche, die so, ja, einen starken Hintergrund erzeugen, dann höre ich einfach schlecht und kriege häufig die Hälfte oder mehr gar nicht an Tönen so rausgefiltert, dass ich die Wörter verstehen kann.

      Und dann muss ich immer direkt auf die Leute zugehen und sagen, ich höre das nicht. Dann werde ich meistens etwas komisch angeguckt und dann erkläre ich das und dann ist es auch okay und dann finden wir eine Lösung, dass ich gut hören kann, denn ansonsten bringt ja das ganze Gespräch nichts und das habe ich so, das kann aber auch, also das ist jetzt nicht so krass ungewöhnliches, das heißt vielleicht merkst du das bei dir auch in mehr oder weniger Maße. Wenn du Glück hast, merkst du es gar nicht und kannst du extrem gut filtern.

      Also das ist bei jedem unterschiedlich anscheinend veranlagt und genau das sind so die drei großen biologischen Gründe, dass man nicht gut hört und die eben dadurch konstruktive Meetings verhindern können oder schwieriger machen, denn wenn man einfach sich nicht versteht, selbst wenn man vielleicht will, ja, dann wird es schwer, konstruktiv zu sprechen.

      Ach, da ist eine Möwe, die ist aber gar nicht ganz so hoch, die hören glaube ich auch Leute noch gut, die im oberen Bereich nicht so gut hören. Genau, was habe ich also gemacht? Als ich gemerkt habe, dass ich Schwierigkeiten habe, gerade zum Beispiel Großraumbüros gut zu hören, bin ich zum Akustiker gegangen.

      Ich habe mich untersuchen lassen. Für meine Problematik gibt es leider nur die Lösung, tatsächlich den Leuten zu sagen, können wir irgendwo an einen ruhigeren Ort gehen. Für die Leute, die tatsächlich im Frequenzbereich ein Problem haben, da kann man natürlich dann mit dem Akustiker oder Hals-Nasen-Ohren-Arzt arbeiten.

      Das ist wie immer kein Tipp, sondern Info. Wer immer möchte, kann damit tun, was er will. Genau, aber es hilft in Meetings, wenn jeder sich schon mal biologisch rein grundsätzlich hören kann. Ja, so viel dazu zu den Gründen, wieso aus rein praktisch, pragmatischen Sachen so ein Meeting unkonstruktiv werden kann.

      Jetzt die Frage an dich. Da ist wieder die Möwe. Die Frage an dich. Wann hörst du gut und wann merkst du, dass du nicht gut hörst? Und ich meine jetzt wirklich dieses biologische Hören. Was hilft dir, um besser zu hören? Und was macht es schwieriger? Und vielleicht hörst du ja auch immer irrsinnig gut. Das ist natürlich schön. Und ist dir das überhaupt nicht bewusst, dass andere Menschen vielleicht nicht immer genauso gut hören.

      Aber vielleicht merkst du bei dir selber auch, dass du in manchen Situationen weniger gut hören kannst und vielleicht inspiriert dich das ein bisschen, dann das anzusprechen oder was daran zu tun. Ich wünsche dir einen wunderschönen Tag hier noch. Ich gehe noch ein bisschen spazieren, bis ich bei meinem Seminarraum bin.

      Ich hatte ein wunderbares Seminar gestern schon und freue mich heute auf meinen Tag. Morgen und übermorgen gehen wir dann auch noch hier am Rhein spazieren und ab Montag wird es endlich wieder still und, naja, abgesehen von den Flugzeugen, okay, meistens still im schönen Westerwald. Mach's gut, ciao!

      Literatur:

      Löhler, J., Lehmann, M., & Segler, V. (2019). Der Mini-Audio-Test (MAT) – Eine Screeningmethode auf Schwerhörigkeit für Haus- und Fachärzte. Laryngo-Rhino-Otologie, 98(1), 27–34.

      Gutschalk, A., Micheyl, C., & Oxenham, A. J. (2008). Neural Correlates of Auditory Perceptual Awareness under Informational Masking. PLoS Biology, 6(6), e138.

      Rutherford, B. R., Brewster, K., Golub, J. S., Kim, A. H., & Roose, S. P. (2018). Sensation and psychiatry: linking age-related hearing loss to late-life depression and cognitive decline. American Journal of Psychiatry, 175(3), 215–224.

      Mazurek, B., Stöver, T., Haupt, H., Gross, J., & Szczepek, A. (2008). Die Entstehung und Behandlung der Presbyakusis. HNO, 56, 429–435.

      Irani, R., Saki, N., & Ayyadi, M. (2022). The Effects of the Early-onset Otitis Media on Cognitive Skills in Children: A Systematic Review. Iranian Rehabilitation Journal, 20(3), 365–374.

      Disclaimer:

      Dieser Podcast ist ein virtueller Spaziergang und dient ausschließlich der Information und Inspiration. Die Inhalte stellen keine Psychotherapie, kein Coaching und keine professionelle Beratung dar und ersetzen diese auch nicht.

      Alle hier formulierten Aussagen sind wissenschaftlich recherchiert. Die entsprechenden Referenzen und Quellen findest du im Anhang der Show Notes zu dieser Folge.

      Ich übernehme keine Verantwortung für die Richtigkeit der wissenschaftlichen Aussagen oder deren Anwendung. Die Inhalte dieses Podcasts sind nicht als Anleitung zu verstehen, etwas Bestimmtes zu tun, sondern dienen rein der Inspiration und Anregung zum Nachdenken.

      Bei gesundheitlichen oder psychischen Problemen wende dich bitte an entsprechende Fachkräfte oder Beratungsstellen.

      13 min
    • Gemeinschaft. Glücklicher leben als Pfarrer?
      Spaziergang 18: Gemeinschaft. Glücklicher leben als Pfarrer?

      Hallo und herzlich willkommen heute mal nicht aus dem Westerwald, sondern du hörst es bestimmt schon im Hintergrund: wir sind an einem etwas belebteren Ort und gehen hier spazieren und zwar sind wir in Köln am Rheinufer. Aber ich finde dafür, dass wir in der Stadt sind, ist es hier echt schön. Ich habe dich mitgenommen, weil ich nämlich heute eine Weiterbildung habe hier in Köln und die nächsten drei Tage auch, also du darfst immer morgens mit mir am Rhein entlang laufen.

      Und die Sonne scheint und hier ist so richtig schöne, für die Stadt grüne Landschaft um mich herum, also es ist echt nett. Aber gerade fuhr ein großes Schiff vorbei und hier drüben sind ganz viele Autos, also nicht wundern über die heutige Geräuschkulisse. Trotzdem freue ich mich sehr, dass du dabei bist und nachdem wir ja gestern in die Serie über das Thema konstruktive Meetings gestartet sind, will ich dir heute mal etwas mitbringen, was ich gestern erlebt habe, denn ich liebe ja spontane Folgen von unserem Spaziergang.

      Und gestern hatte ich ein ganz wundervolles Erlebnis und zwar habe ich jemanden getroffen, der ja, über 70 war, aber unglaublich fit und vital und auch geistig fit und irrsinnig inspirierend. Er war früher, oder ist immer noch Pfarrer, war früher in der Gemeinde und hat sich ganz, ganz viel engagiert und immer noch mit über 70, dick über 70, fährt er auf verschiedenste Reisen, um da als Pfarrer seine Arbeit noch zu machen oder auf Kreuzfahrtschiffe, also ein unglaublich inspirierender und engagierter Mensch.

      Und ja, das hat mich dazu gebracht, nochmal darüber nachzudenken: wie wird man denn gesund, fit und alt? Alt wird man ja, aber das heißt ja nicht, dass man Altersbeschwerden in großem Maße haben muss. Ich weiß nicht, ob ich schon erzählt habe, meine Oma wurde 90, also sie wurde insgesamt 95, aber bis sie 90 war, bis sie 90 wurde, war sie tipptopp fit, geistig und körperlich und sowas begeistert mich.

      Und deshalb habe ich nachgeschaut und in dem Buch „Blue Zones of Happiness", übrigens ein ganz tolles Buch, werde ich dir bestimmt noch öfter was darüber erzählen. Also wie kann man glücklich werden, wo gibt es Teile in der Welt, wo die Leute besonders glücklich sind. Und eines der Sachen, die man dort festgestellt hat, wie man… Welche Verbindung zwischen den verschiedenen Bereichen besteht, in denen Menschen auf dieser Welt besonders glücklich sind, ist, dass sie regelmäßig Religion ausüben oder eine Form von Religion. Und dabei beschränkt sich das gar nicht darauf, welche Religion das ist. Das kommt darauf gar nicht an, sondern es kommt darauf an, dass man sich mit Gleichgesinnten trifft und dass man gemeinsam sich spirituell entfaltet. Und das finde ich total schön und habe das auch mal nachgesucht.

      Es gibt auch tatsächlich mehrere wissenschaftliche Untersuchungen, die sich damit beschäftigt haben. Und das bekommst du von mir natürlich wie immer in den Shownotes. Warum begeistert mich das so? Weil es eigentlich so einfach und auch so urmenschlich wieder ist. Gestern haben wir schon drüber gesprochen, ich bin ja ein ganz großer Altsteinzeit-Fan. Und es ist urmenschlich, dass wir uns in Gruppen treffen und gemeinsam Rituale durchführen.

      Nichts anderes ist es ja. Unsere modernen Religionen, Spiritualität, gemischt mit Ritualen. Und das scheint uns Menschen gut zu tun. Und es scheint auch, wenn wir das regelmäßig machen, dafür zu sorgen, dass wir glücklicher sind. Und wir haben ja schon festgestellt in früheren Folgen: wenn wir glücklich sind, wenn wir Spaß haben mit dem was wir tun, dann sind wir auch insgesamt ausgeglichener, produktiver und hat ganz, ganz viele Vorteile. Insofern ja, kannst du dich selber in deine Zone of Happiness begeben, wenn du eine Gruppe, eine spirituelle Gruppe findest, die zu dir passt. Das ist natürlich immer wichtig.

      Vor einiger Zeit haben wir ja auch über Werte gesprochen, die eigenen Werte und die der Leute um einen herum, ob es jetzt die Firma ist oder ob es auch eine Religionsgemeinschaft ist. Wenn das nicht zusammenpasst, dann gibt es eher Reibung, die zu Verlust führen kann, die zu Burnout und Ähnlichem führen kann, diese Reibung. Und daher ist es ganz wichtig, finde ich, dass man eine Gruppe findet, die wirklich zu einem passt, von ganzem Herzen. Und dann scheint es, wenn man das regelmäßig macht gemeinsam, wirklich sehr, sehr positive Effekte zu haben.

      Ja, insofern vielleicht hast du ja schon eine spirituelle Gruppe und freust dich jetzt, was für tolle Auswirkungen das auf dein Leben haben kann, außer denen, die du sowieso schon spürst. Und ja, vielleicht inspiriert es dich ja dazu, dich da mal umzuschauen. Insofern ist meine Frage des Tages: hast du das denn schon mal erlebt und muss nicht unbedingt in einer spirituellen Gruppe sein. Vielleicht war es auch beim Singen am Strand am Lagerfeuer gemeinsam. Hat ja auch sowas Gemeinschaftliches, Rituelles fast. Also wie oder wo hast du denn schon mal in einer Gruppe dich wohlgefühlt und gemeinsam etwas fast schon Rituelles, Spirituelles erlebt und gemacht?

      Und überleg dir mal: wie hast du dich dabei gefühlt? Wie hat sich dein Körper angefühlt? Wie hat sich dein Innerstes angefühlt? Welche Gedanken hattest du? Wenn du Lust hast, dann geh einfach mal in deinen Gedanken zu dem Moment. Fühl dich da rein. Und ich wünsche dir ganz viel Spaß dabei. Bis morgen früh wieder hier.

      Weißt ja, bis Sonntag laufen wir hier in Köln am Rheinufer. Und deshalb freue ich mich. Bis morgen.

      Literatur:

      Buettner, D. (2017). The blue zones of happiness: Lessons from the world’s happiest people. National Geographic.

      American Psychological Association. (2013, 1. März). Religion and spirituality can have a positive effect on mental and physical health. https://www.apa.org/news/press/releases/2013/03/religion-spirituality

      BNS Institute. (o. J.). The Role of Religion and Morality in Social Control. Abgerufen von https://bns.institute/behavioural-sciences/role-of-religion-morality-social-control/

      Gebauer, J. E., Bleidorn, W., Gosling, S. D., Rentfrow, P. J., & Lamb, M. E. (2012). Religiosity, Social Norms, and Happiness. Journal of Personality and Social Psychology, 103(5), 896–913. https://doi.org/10.1037/a0029791

      Grand Rising Behavioral Health. (o. J.). The Role of Spirituality in Mental Well-being. Abgerufen von https://www.grandrisingbehavioralhealth.com/blog/the-role-of-spirituality-in-mental-well-being

      Holt, C. L., Wang, Y., Clark, E. M., Williams, A. V., & Schulz, E. (2013). Role of religious social support in longitudinal relationships between religiosity and health-related outcomes in African Americans. Journal of Health Psychology, 18(2), 226–239. https://doi.org/10.1177/1359105312455938

      Khan, Z., Kothari, G., Buse, J., & Patel, V. (2023). Religiosity and mental health in adolescents: a systematic review of longitudinal studies. BMC Psychiatry, 23(1), 729. https://doi.org/10.1186/s12888-023-05091-2

      Koenig, H. G., & Pargament, K. I. (2023). Turning to Religion During COVID-19 (Part I): A Systematic Review, Meta-analysis and Meta-regression of Studies on the Relationship Between Religious Coping and Mental Health Throughout COVID-19. International Journal of Environmental Research and Public Health, 20(2), 1530. https://doi.org/10.3390/ijerph20021530

      Loh, E. M. S., & Tang, J. C. S. (2024). How do religious faith and flourishing reduce psychological distress? The mediating role of flourishing in the relationship between religious faith and psychological distress among Singaporean youth. International Journal of Adolescence and Youth, 29(1), 2297082. https://doi.org/10.1080/13674676.2023.2297082

      Marshall, J. (2019, 31. Januar). Are Religious People Happier, Healthier? Our New Global Study Explores This Question. Pew Research Center. https://www.pewresearch.org/fact-tank/2019/01/31/are-religious-people-happier-healt hier-our-new-global-study-explores-this-question/

      National Alliance on Mental Illness. (o. J.). Faith & Spirituality. Abgerufen von https://www.nami.org/your-journey/individuals-with-mental-illness/faith-spirituality/

      Pew Research Center. (2019, 31. Januar). Religion’s Relationship to Happiness, Civic Engagement and Health Around the World. https://www.pewresearch.org/religion/2019/01/31/religions-relationship-to-happiness-civic-engagement-and-health-around-the-world/

      Rethink Mental Illness. (o. J.). Spirituality, religion and mental illness. Abgerufen von https://www.rethink.org/advice-and-information/living-with-mental-illness/mental-wellbeing-and-physical-health/spirituality-religion-and-mental-illness/

      University of Minnesota. (2016). Introduction to Sociology: Understanding and Changing the Social World. Pressbooks. https://pressbooks.howardcc.edu/soci101/

      Verywell Mind. (o. J.). How Spirituality Can Benefit Your Health and Well-Being. Abgerufen von https://www.verywellmind.com/how-spirituality-can-benefit-mental-and-physical-health-3144807

      Disclaimer:

      Dieser Podcast ist ein virtueller Spaziergang und dient ausschließlich der Information und Inspiration. Die Inhalte stellen keine Psychotherapie, kein Coaching und keine professionelle Beratung dar und ersetzen diese auch nicht.

      Alle hier formulierten Aussagen sind wissenschaftlich recherchiert. Die entsprechenden Referenzen und Quellen findest du im Anhang der Show Notes zu dieser Folge.

      Ich übernehme keine Verantwortung für die Richtigkeit der wissenschaftlichen Aussagen oder deren Anwendung. Die Inhalte dieses Podcasts sind nicht als Anleitung zu verstehen, etwas Bestimmtes zu tun, sondern dienen rein der Inspiration und Anregung zum Nachdenken.

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      7 min
    • 300.000 Jahre. Sind Meetings urmenschlich?

      Spaziergang 17: 300.000 Jahre. Sind Meetings urmenschlich?

      Hallo und herzlich willkommen bei unserem 17. gemeinsamen Spaziergang hier im wunderschönen grünen Westerwald. Heute erzähle ich dir in unserem kleinen Wissensteil etwas über Meetings. Das wird die erste Anfangsfolge, in der es um Meetings geht, und in den nächsten Wochen werde ich dir ja ganz viel darüber erzählen.

      Erzählen, warum Meetings heute so unkonstruktiv sind häufig. Warum wir erleben, dass Leute zu Meetings einladen, die wahrscheinlich gar nicht nötig wären, weil man das ganz einfach zwischen Tür und Angel hätte klären können oder vielleicht per E-Mail. Warum Leute in Meetings sitzen, die ganze Zeit nur reden und sich dann wundern, dass kein anderer was sagt. Warum in Meetings Emotionen hochkochen und am Ende keine fachliche Lösung gefunden wird, weil jeder auf seinem, ja, seinem eigenen System besteht.

      Warum Leute meinen, in Meetings immer ihren Rang klären zu müssen und erstmal zeigen zu müssen, wer denn hier der Chef ist, statt dass man fachlich sinnvoll über Themen redet und fachliche Lösungen findet. Und so gibt es ja noch mehr Dinge, die Meetings irrsinnig unkonstruktiv machen können und dazu beitragen, dass am Ende eben kein gutes Ergebnis rauskommt oder wie gesagt, das Meeting vielleicht gar nicht nötig wäre.

      Wir werden reden über sehr große Meetings, was da vielleicht das Problem ist. Wir reden aber bestimmt auch über Zweiergespräche. Und ich hoffe, dass mit diesen ganzen Themen in den nächsten Wochen – es werden übrigens zwischendurch auch mal ein paar andere Sachen wiederkommen, aber das wird sich so die nächsten Wochen durchziehen – ich hoffe, dich damit inspirieren zu können, dass du besser verstehst, warum die Meetings, die du heute hast, unkonstruktiv laufen.

      Und vielleicht inspiriert es dich auch dazu, etwas zu ändern. Mal gucken, ich werde dir mit Sicherheit auch den ein oder anderen Tipp mitgeben, aber ich bleibe die ganze Zeit dabei: Es ist deine eigene Sache und deine eigene Entscheidung, was du damit machst. Aber manchmal hilft dir auch einfach ein bisschen was darüber zu wissen.

      Und damit fange ich mal beim Ursprung von Meetings an. Das, was wir hier in Firmen und in Betrieben und in Behörden im Grunde tagtäglich machen, das hat seinen Ursprung. Und damit gehen wir jetzt mal etwa 300.000 Jahre zurück. Da war es hier im Westerwald zu der Zeit etwas kühler. Aber die Menschen, zumindest unsere direkten Vorfahren, haben noch nicht im Westerwald gelebt. Da hüpfen wir jetzt noch nach Afrika.

      Vor etwa 300.000 Jahren hat sich, zumindest sagen das die ältesten Funde, der Homo sapiens in Afrika entwickelt. Und der Homo sapiens ist eine ganz interessante Spezies. Wir Menschen sind nämlich dann überlebensfähig, wenn wir kooperieren. Wir haben damals in kleinen Gruppen gelebt, meistens so 25 bis 50 Menschen. Das heißt, einige waren Erwachsene, Teil Kinder. Häufig Großfamilien. Ach, da läuft Pauli wieder vorbei. Der ist ein verdammt großer Stock. Hoffentlich rennt er dir gleich nicht gegen die Knie damit.

      Genau, also wir haben in Gruppen gelebt, und häufig hatten wir so im Umfeld noch ein paar weitere Gruppen, die wir regelmäßig mal irgendwo getroffen haben. Wir Menschen hatten damals wahrscheinlich schon Feuer und unglaublich viel Technik, was wir konnten. Wir konnten Waffen herstellen und so weiter. Aber trotzdem waren wir Menschen als Gruppe nur dann überlebensfähig, wenn wir kooperiert haben.

      Und das ist eigentlich der Ursprung unserer Meetings. Wenn du es dir so überlegst, dann sind wir Menschen die letzten 300.000 Jahre ganz intensiv darauf trainiert, Meetings zu machen. Aber, naja, vor allem funktionierende Meetings. Denn wenn wir alle zusammen abends am Feuer sitzen oder mittags irgendwo uns zusammensetzen – Paulchen, was ist denn bei dir los? War der Stock doch zu groß? Ja, der Stock war definitiv zu groß. Ich dachte es mir schon fast, aber du wolltest ihn haben.

      Gut, also wenn wir zusammensitzen, dann war es natürlich für unser Leben, unser Überleben wichtig, dass wir gemeinsam Lösungen finden. Also keine konstruktiven Lösungen zu finden war in der Urzeit – war gefährlich. Vielleicht ist die Gruppe auseinandergebrochen, und keiner davon hat mehr überlebt. Das heißt, wir sind dafür geschaffen – so komisch das vielleicht für uns jetzt klingt bei all diesen unkonstruktiven Meetings, die wir erleben – wir sind dafür geschaffen, in Meetings, in kleineren, manchmal auch etwas größeren Gruppen Lösungen zu finden.

      Also eigentlich können wir das als Menschen, denn wir haben es ja 300.000 Jahre lang geübt. Und die Menschen kamen vor etwa 40.000 Jahren nach Europa. Da war eine Diskussion noch ein bisschen drüber. Du merkst übrigens vielleicht gerade, ich habe ein Faible für die Altsteinzeit. Da lernst du mich noch ein bisschen besser kennen. Das wird uns vielleicht auch in den nächsten Wochen noch ab und an begegnen. Ich bin tatsächlich ein extremer Altsteinzeit-Fan und kenne mich dadurch auch viel aus in der Altsteinzeit, insbesondere was es darum geht, wie die Menschen damals gelebt haben, was es eben schon wohl oder nicht gibt an Funden.

      Und genau, also ich nehme dich immer mal wieder mit, wenn es sinnvoll und passend ist, um zu erklären, warum wir Menschen uns jetzt vielleicht so verhalten, wie wir es tun. Genau, das ist unser erster kleiner Ausflug. Also vor etwa 40.000 Jahren kamen wir nach Europa, und durch die Kälte, durch die Eiszeit, die wir damals hier erlebt haben, mit einem Peak so vor etwa 20.000 Jahren, mussten wir noch intensiver zusammenarbeiten.

      Also hier in Europa waren wir noch intensiver auf diese Zusammenarbeit angewiesen durch diese extreme Kälte, die wir gemeinsam meistern mussten. Und ja, wir sind dafür geschaffen, ich kann es nicht anders sagen. Wir Menschen sind urmenschlich dafür geschaffen, Meetings zu haben und konstruktive Lösungen zu finden, damit wir überleben.

      Jetzt hat aber unser Körper und unsere Psyche und unsere damit verbundenen Emotionen sich auf eine Situation eingestellt, wie sie eben vor 40.000, 30.000, 20.000 Jahren war. Und im Grunde hat sich, zumindest was Meetings und Zusammenarbeit betrifft, wenig verändert bis vielleicht vor 100 Jahren. Also, auch wenn ich euch gerne mehr über die Jungsteinzeit und die ganzen Veränderungen erzähle, da passt es heute nicht so ganz rein.

      Also wir gehen mal davon aus, dass erst in den letzten 100 bis 50 Jahren sich irrsinnig viel in unserer menschlichen Umgebung geändert hat. Und das hat zum Beispiel mit biologischen Faktoren zu tun. Also es gibt biologische, neurologische, neuroimmunologische Gründe, warum es uns heute manchmal schwerfällt, in Meetings konstruktiv zu sein und gute Lösungen zu finden.

      Das wird ein Blog sein, über den wir reden. Einen davon kennst du schon: Schlafmangel. Da habe ich dir Montag von erzählt. In dem Moment, dass Leute schlecht schlafen, echt einen massiven Schlafmangel haben, dann wirkt sich das auf die sogenannte emotionale Regulation aus. Also die können ihre Emotionen nicht mehr ganz so gut im Griff halten, wie sie es sonst können. Ich gehe mal davon aus, dass sie es sonst sehr gut können. Wir können ja aber auch noch darüber reden. Und dadurch hat man gerade so ein Edge. Und dieser Edge kann schon reichen, damit das Meeting am Ende nicht gut funktioniert und unkonstruktiv ist.

      Das heißt, es gibt unglaublich viele biologische Gründe. Dann können wir uns dann später nochmal überlegen, warum es die überhaupt gibt. Also wenn wir doch als Menschen dazu gemacht sind, eigentlich zusammenzuarbeiten, dann ist es ja eigentlich ziemlich doof, dass es biologische Gründe gibt, dass wir nicht so gut zusammenarbeiten können. Na, okay. Aber das werden wir uns nochmal anschauen und warum die heute auch so massiv vorkommen, warum die in der Steinzeit vielleicht gar nicht so relevant waren.

      Wir werden uns mit psychologischen Faktoren beschäftigen. Wie kommt denn ein Mensch dazu, bestimmte Bedürfnisse zu haben, und diese Bedürfnisse, wenn sie nicht gedeckt sind, dazu führen, dass er sich unkonstruktiv verhält in Meetings oder vielleicht Meetings ansetzt, die gar nicht nötig wären?

      Möchte ich mit dir im Laufe der Zeit über psychotherapeutische, emotionale Gründe reden, die nochmal vielleicht ein bisschen tiefer liegen bei den Menschen und wie die dafür sorgen können, dass unkonstruktive Meetings am Ende sind mit dem Resultat, dass wir nicht vorankommen, dass wir in verschiedene Richtungen rennen, dass wir uns streiten, dass wir uns ärgern und alles, was eben in so unkonstruktiven Meetings passiert.

      Wir geben unglaublich viel Geld aus, solche Meetings sind ja auch teuer. Sich überlegt, da sitzen zehn Leute mit einem ordentlichen Gehalt eine Stunde am Tisch, das ist teuer. Ja, ich habe es mir – da ich 15 Jahre immer mehr oder weniger in kleineren, aber auch vielen größeren Firmen gearbeitet habe – ja, ich habe es mir zur Aufgabe gesetzt, dich zumindest mal darüber zu inspirieren, woher das kommt, und dir eben im Laufe der Zeit mit den Inspirationen hoffentlich auch den ein oder anderen – eine Lösungsidee mitzugeben, bei der du dir überlegen kannst, ob du die verwendest oder ob du vielleicht einen der Faktoren auch bei dir selber entdeckst. Kann ja auch sein, dass du merkst, dass du selber Schlafmangel hast und vielleicht immer dann die Meetings genau besonders doof laufen, wenn du schlecht geschlafen hast. Das wäre jetzt nur mal so eine kleine Sache.

      Genau, also meine Inspiration von heute ist das Wissen, dass wir Menschen seit 300.000 Jahren und erst recht die letzten 40.000 Jahre für Meetings geschaffen sind. Also wir können das, du kannst das, ich kann das, wir alle können Meetings, und wir alle können konstruktive Lösungen finden, denn wir haben es 300.000 Jahre zum Überleben gebraucht.

      Ja, so, das ist jetzt die Inspiration von heute, dieses Wissen, und nachdem ich dir gestern die Frage gestellt habe, wann du zum letzten Mal ein unkonstruktives Meeting erlebt hast, bekommst du heute von mir die Frage: Wann hast du denn zum letzten Mal ein ausgesprochen konstruktives Meeting gehabt, und was war da anders?

      Waren das vielleicht einfach ganz andere Leute, die anders drauf waren? Lag es daran, lag es daran, dass es ein anderes Setting war, eine ganz andere Art von Thema? War es vielleicht nicht so emotional aufgeladen? Warst du vielleicht fitter? Es gibt ja immer sehr, sehr, sehr verschiedene Gründe, warum so ein Meeting ausgesprochen konstruktiv war.

      Und das ist die Frage an dich heute: Denke mal an ein Meeting, was ausgesprochen konstruktiv – so konstruktiv war. Und warum glaubst du, dass das so konstruktiv war?

      Ja, mit dieser Frage wünsche ich dir noch einen wunderschönen Tag. Ich hoffe, ich konnte dich etwas überraschen, denn wenige Leute denken ja über die Altsteinzeit nach. Etwas überraschen mit dem Wissen, dass wir tatsächlich für Meetings geschaffen sind. Und ja, bis morgen! Mach's gut.

      Literatur:

      van Schaik, C., & Michel, K. (2023). Mensch sein: Von der Evolution für die Zukunft lernen. Rowohlt.

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      13 min

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