Walk & Talk mit Ida
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Walk & Talk mit Ida episodes

  • Essen. Spätes essen - schlechtes schlafen?

    Spaziergang 16: Essen. Spät essen - schlecht schlafen?

    Hallo und herzlich willkommen bei unserem mittlerweile 16. Spaziergang hier in diesem wunderschönen grünen Westerwald. Wir sind wieder zusammen unterwegs und ich freue mich, dass du dabei bist. Mit mir und Paolo. Der Paolo läuft da hinten irgendwo. Ja, der freut sich gerade. Ja, mal gucken. Der kommt bestimmt gleich nochmal vorbei, gepest.

    Okay, also… Worum geht es heute? Es geht heute um den Grund, warum ich gestern so müde war. Du hattest ja gestern eine unglaublich müde Ida hier im Podcast mit dir auf deinem Spaziergang und ich finde, ich schulde dir zumindest den Grund, warum ich gestern so unglaublich übermüdet war. Wenn du schon mit mir spazieren gehst sozusagen.

    Ja, also der Grund war, dass ich am Samstag mit Freunden aus Essen war und wir haben herrlich gegessen - anders kann ich es gar nicht sagen. Aber das hat dazu geführt, dass ich herrlich war. Viel zu viel gegessen, aber es war mega, mega lecker. Es gab herrlichen Fisch und es gab Fleisch, Gemüse, Reis und es war einfach nur lecker. Ein Träumchen.

    Aber das Träumchen hatte sich relativ schnell ausgeträumt, als ich dann in meinem Bett lag und mein Magen wortwörtlich kugelrund war. Anders kann ich es gar nicht sagen. Ja, und die Nacht war entsprechend nicht so dolle. Und ich glaube, weil ich die Nacht schon nicht gut geschlafen habe, dann kam ich irgendwie in der nächsten Nacht nicht gut ins Schlafen.

    Irgendwie war die nächste Nacht auch nicht gut. Aber gut, das ist ja jetzt nur meine ganz individuelle Erfahrung. Ja und dann dachte ich mir, wenn ich dir schon davon erzähle, dann suche wenigstens mal raus, was es denn da so an Studien gibt in der Wissenschaft, die die Frage beantworten, ob das denn tatsächlich so ist.

    Wenn man spät und viel isst, vor allem viel später als man es gewohnt ist und viel mehr als man gewohnt ist und auch noch teilweise andere Sachen als man gewohnt ist, schläft man denn dann wissenschaftlich gesehen wirklich schlechter? Die Studien, die Details findest du auf jeden Fall wieder alle in den Shownotes und ich mache dir hier jetzt eine kleine Zusammenfassung und vielleicht inspiriert es dich zumindest spätestens, wenn du mal im Bett liegst und der Magen drückt, dass du an diese Folge zurückdenkst.

    Genau, also man hat tatsächlich in einer Studie herausgefunden, dass insbesondere dann, wenn man gewohnt ist, nicht so spät zu essen und das trotzdem tut und man mehr isst, dass man dann eine schlechtere Schlafqualität insgesamt hat. Ach, guck mal, da kommt er an, der kleine Paolo, unser Lagotto, der hier mit uns spazieren geht.

    Ach, da schüttelt er sich. Da kannst du ihn hören. Genau, also was ist dann ansonsten noch herausgefunden worden? Ich meine, das ist ja so ein relativ simples Ergebnis. Ja, wenn man zu spät und zu viel isst, dann ist die Schlafqualität nicht so gut. Was ich noch viel interessanter finde, ist, dass je nachdem welche Lebensmittel man vor allem isst, sich das durchaus unterschiedlich auf den Schlaf auswirkt. Also wenn man zum Beispiel viele Kohlenhydrate isst, dann kann es sogar sein, dass man erst mal schneller müde wird, vielleicht sogar schneller einschläft, aber es verändert trotzdem den Schlaf.

    Es verschiebt so ein bisschen die verschiedenen Schlafphasen und es ist trotzdem nicht der gleiche Schlaf, wie wenn du zu deiner normalen Zeit gegessen hättest und eben keine großen Mengen Kohlenhydrate dir kurz vor dem Schlafen reingezogen hättest. Ja, wie ist es mit anderen Sachen? Also mit Fetten hat man auch gemerkt, dass sich der Schlaf verändert, also große Mengen Fett.

    Ich sage mal, das ist natürlich interessant, Chips wären Fett und Kohlenhydrat. Boah, vielleicht kommt es dann wieder ins Gleichgewicht, keine Ahnung. Ich weiß nicht, ob man das auch untersucht hat. Also man hat Kohlenhydrat und Fett getrennt untersucht, wenn ich das so verstanden habe. Und das eine hat den Schlaf in die eine Richtung verändert und das andere in die andere.

    Also das heißt, andere Richtung, also auf eine andere Art. Genau, bei Proteinen, und ich gebe ehrlich zu, ich glaube, ich habe tierisch viele Proteine, also Eiweiße gegessen, am Samstag ist das noch nicht ganz so gut rausgefunden. Also da hat man keine eindeutigen Ergebnisse bis jetzt. Insofern, ja, es tut tatsächlich was.

    Also kurz vor dem Schlafen zu essen oder eben einfach deutlich später zu essen, als du es gewohnt bist, das tut was mit deinem Körper. Was ist jetzt zumindest einer der Mechanismen dahinter? Der Hauptmechanismus ist, dass, um gut zu schlafen, sich dein Körper ja auf eine Ruhephase einstellt. Also der fährt einige Systeme runter, andere wieder hoch.

    Und insgesamt wird das ganze System in den Ruhezustand versetzt.

    Und dann ist es so, dass wenn… Die Verdauung zumindest in großem Maße ansteht, der Körper in Verdauungsmodus geht und erstmal nicht in den klassischen Ruhemodus. Zwar ist es so, dass der Magen und Darm natürlich, wenn man im Ruhemodus ist, trotzdem einiges tut und da seine normale Arbeit verrichtet, aber das ist halt im Allgemeinen nicht das Verdauen einer riesigen Mahlzeit.

    Gut noch. Und so kannst du dir vorstellen, dass dann, wenn er im Verdauungsmodus ist, im Haupt-, im riesigen Verdauungsmodus, das mit dem Schlafmodus etwas schlechter wird. Ich weiß nicht, ob du die ganzen Autos da hinter uns hörst. Ich bin hier super weit von der Straße weg. Es hört sich gerade an, als ob die Autos neben mir fahren.

    Aber gut, wir gehen nochmal das Hügelchen ein bisschen hoch hier rein, tiefer rein in den Wald. In den grünen Westerwald. Ja, genau. Jetzt kommt da oben auch noch ein Flugzeug. Es wird immer besser. Ich bin echt im Wald. Vielleicht hörst du die Blätter hier. Ach da, genau, bei Paolo hört man die Blätter gut. Ja, zu der Frage, die ich dir heute stellen möchte.

    Ich möchte gerne in den nächsten Tagen und sowieso auch in den nächsten Wochen immer wieder über das Thema Teamwork reden und vor allem, wie man Teamwork machen kann und welchen Einfluss zum Beispiel Emotionen haben auf die Teamfähigkeit haben. Ich untermauere dir das auch alles schön mit verschiedenen Studien, damit das wirklich ein Inspirationsteil wird.

    Was du am Ende damit machst, ist ja sowieso deine Sache. Genau, aber um mal einzusteigen, noch mal tiefer in das Thema Teamwork und damit auch das Thema Entscheidungen finden im Team am Ende, denn das ist ja meistens der Sinn eines Meetings, dass man gemeinsam eine fachliche Entscheidung trifft. Eine gute fachliche Entscheidung, möglichst nur auf Basis der Fakten.

    Genau, und jetzt darfst du dir mal überlegen, an welches Meeting du dich erinnern kannst, in dem das nicht so war. In welchem Meeting waren vielleicht Menschen mit Emotionen? Die wurden wütend, die wurden traurig, die haben plötzlich gelacht. Du hattest das Gefühl, warum stört der jetzt die ganze Zeit? Warum ist es hier nicht möglich, einfach ein fachliches Meeting zu machen, alle zusammen und auf Basis von Fakten einen guten kooperativen Meetingabschluss zu finden, mit dem wir alle gut leben können?

    Geh mal in deine Erinnerung zurück. Vielleicht ist es schon lange her, weil du in einem total coolen eingegroovten Team bist, bei dem ihr wirklich alle nur auf die Fakten achtet und super kommuniziert. Aber vielleicht war es auch heute, irgendwann im Laufe des Tages, gestern oder letzte Woche, dass du ein unglaublich unkonstruktives Meeting erlebt hast.

    Genau, meistens versuche ich dir hier Fragen zu stellen, die dich in gute Laune versetzen, wenn du sie durchdenkst. Heute zum Start, dass wir weitermachen mit dem Thema Meeting, Entscheidungen finden in der Gruppe, miteinander reden, miteinander kommunizieren, fachlich gute Lösungen finden gemeinsam. Ja, zum Start von dieser Thematik darfst du erstmal drüber nachdenken, wann das ist nicht funktioniert hat.

    Und mit dieser Frage schicke ich dich jetzt in diesen wunderschönen Westerwälder Abend hinein.

    Wünsche dir noch ganz viel Spaß beim Spazieren und bis morgen. Ich freue mich auf dich.

    Literatur:

    Walker, M. (2018). Why we sleep. Penguin Books.

    Crispim, C. A., Zimberg, I. Z., dos Reis, B. G., Diniz, R. M., Tufik, S., & de Mello, M. T. (2011). Relationship between food intake and sleep pattern in healthy individuals. Journal of Clinical Sleep Medicine, 7(6), 659–664. https://doi.org/10.5664/jcsm.1476

    Lopes, T. V. C., Borba, M. E., Lopes, R. V. C., Fisberg, R. M., Paim, S. L., Teodoro, V. V., Zimberg, I. Z., & Crispim, C. A. (2019). Eating late negatively affects sleep pattern and apnea severity in individuals with sleep apnea. Journal of Clinical Sleep Medicine, 15(3), 383–392. https://doi.org/10.5664/jcsm.7658

    Nishijima, J., Takeyasu, K., & Sakamoto, T. (2014). Effects of dinner time on energy metabolism and sleep architecture in healthy male subjects. The Journal of Nutritional Science and Vitaminology, 60(2), 114–120. https://doi.org/10.3177/jnsv.60.114

    St-Onge, M.-P., Roberts, A., Shechter, A., & Choudhury, A. R. (2016). Fiber and saturated fat are associated with sleep arousals and slow wave sleep. Journal of Clinical Sleep Medicine, 12(1), 19–24. https://doi.org/10.5664/jcsm.5384

    Vahlhaus, J., Peters, B., Hornemann, S., Ost, A. C., Kruse, M., Busjahn, A., Pfeiffer, A. F. H., & Pivovarova-Ramich, O. (2025). Later eating timing in relation to an individual internal clock is associated with lower insulin sensitivity and affected by genetic factors. eBioMedicine, 116, 105737. https://doi.org/10.1016/j.ebiom.2025.105737

    Wilckens, K. A., & Woo, K. S. (2021). Chrono-Nutrition Has Potential in Preventing Age-Related Muscle Loss and Dysfunction. Frontiers in Neuroscience, 15. https://doi.org/10.3389/fnins.2021.659883

    Zimberg, I. Z., Crispim, C. A., da Luz, F. Q., Zimberg, R. N. M., Viana, F. M. S., de Oliveira, R. G. R., & de Mello, M. T. (2022). A systematic review with meta-analyses of the relationship between recurrent binge eating and sleep parameters. Obesity Reviews, 23(2). https://doi.org/10.1111/obr.13374

    Zimberg, I. Z., Zimberg, R. N. M., Dutra, P. V. S., Serejo, F. V. C., & Mello, M. T. (2024). The effects of time-restricted eating on sleep in adults: a systematic review of randomized controlled trials. Frontiers in Nutrition, 11, 1419736. https://doi.org/10.3389/fnut.2024.1419736

    Disclaimer:

    Dieser Podcast ist ein virtueller Spaziergang und dient ausschließlich der Information und Inspiration. Die Inhalte stellen keine Psychotherapie, kein Coaching und keine professionelle Beratung dar und ersetzen diese auch nicht.

    Alle hier formulierten Aussagen sind wissenschaftlich recherchiert. Die entsprechenden Referenzen und Quellen findest du im Anhang der Show Notes zu dieser Folge.

    Ich übernehme keine Verantwortung für die Richtigkeit der wissenschaftlichen Aussagen oder deren Anwendung. Die Inhalte dieses Podcasts sind nicht als Anleitung zu verstehen, etwas Bestimmtes zu tun, sondern dienen rein der Inspiration und Anregung zum Nachdenken.

    Bei gesundheitlichen oder psychischen Problemen wende dich bitte an entsprechende Fachkräfte oder Beratungsstellen.

    10 min
  • Schlaf. Macht Schlafmangel mich ungenießbar?

    Spaziergang 15: Schlaf. Macht Schlafmangel mich ungenießbar?

    Hallo und herzlich willkommen zu unserem 15. gemeinsamen Spaziergang hier im Westerwald. Heute gibt es eine Ausgabe ein Wissensteil über das Thema Schlafen und insbesondere über die Auswirkungen von Schlafmangel. Das hat einen ganz praktischen Grund. Ich bin nämlich tierisch müde, ich habe zwei Nächte ganz schlecht geschlafen und merke am eigenen Leib extrem gut, was Schlafmangel so mit mir tut. Und das hat mich daran erinnert, dass ich mal ein ganz tolles Buch gelesen habe von Matthew Walker über das Thema Sleep, also Schlaf. Und ja, ich habe mir noch ein paar wissenschaftliche Studien angeguckt, damit ich auch wirklich die neuesten Infos für dich dabei habe.

    Genau, und dann versuche ich jetzt mal so konzentriert wie möglich dir hier über die Auswirkungen von Schlafmangel zu erzählen. Insbesondere, und das finde ich ja so super spannend, darauf, wie wir als Menschen im Team zusammenarbeiten. Hast ja vielleicht schon gemerkt, ich dadurch, dass ich selber über Jahre und Jahre hinweg in Teams in der Software gearbeitet habe, ist das Thema Team und Agilität für mich immer wichtig. Und man merkt natürlich, wenn Leute mal schlechter drauf sind oder mal anders sind, und vielleicht haben sie einfach schlecht geschlafen, wer weiß. Also was passiert da? Was verändert sich im Menschen, wenn man schlecht geschlafen hat?

    Das Erste ist, dass die Kognition, also das Denkvermögen - und wie gesagt, das merke ich bei mir ja gerade massiv - dass die abnimmt. Ich werde bestimmt gleich noch auf meine Unterlagen schauen müssen, das musste ich noch nie beim Podcast aufnehmen bis jetzt, wenn ich mit dir spazieren bin und dir was erzähle. Aber heute, ich fürchte, ich muss noch mal kurz drauf schauen.

    Zwischendurch eine andere Frage: Wie hast du denn heute Nacht geschlafen? Wie geht es dir denn? Ja, nimm dir das mal mit, diesen Gedanken, und guck einfach mal, wie du dich fühlst. Wie ist denn deine Konzentration?

    Das ist ja hier, heute ist was los. Da hinten muss ein LKW irgendwo fahren. Den hörst du bestimmt auch. Wir laufen mal wieder hier hoch, da wird es ein bisschen stiller. Genau, also Konzentration.

    Das Nächste ist Gedächtnis. Also die Gedächtnisleistung nimmt massiv ab, wenn man schlecht geschlafen hat. Genau, so viel dazu.

    Ida muss noch mal auf ihre Unterlagen nachschauen. Woran ich mich tatsächlich noch erinnere, ist, dass das Nächste, was passiert, ist, dass auch das Urteilsvermögen abnimmt. Das heißt, ich habe nicht nur schlechtere Konzentration und kann mich schlecht an Dinge erinnern, sondern mein Urteilsvermögen über das, was um mich herum passiert, nimmt ab. Ich urteile über Dinge anders, als ich sonst tun würde.

    Und interessant ist auch, dass meine Selbsteinschätzung dahingehend tendiert, dass ich mich überschätze. Das heißt, gerade Leute, die so müde Autofahren, nach welcher Party auch immer oder nach welcher schwierigen Diskussion vielleicht die ganze Nacht, und am nächsten Tag Autofahren wollen. Also es ist wirklich so, dass die Leute sich da dann… überschätzen. Die denken, sie sind deutlich fitter, als sie eigentlich sind.

    Also wir hatten schon: Die Konzentration nimmt ab, die Gedächtnisleistung nimmt ab, das Urteilsvermögen nimmt ab. Jetzt nimmt auch noch eigentlich die gute Einschätzung von uns selber ab. Also wir werden schlechter darin, uns selbst einzuschätzen, und vor allem nimmt damit auch die Risikobereitschaft zu. Das heißt, wir haben nicht nur eine schlechtere Kognition, sondern wir nehmen auch noch größere Risiken.

    Wenn wir jetzt mal gucken, wie das ist mit Teams: Also wir sitzen da morgens in unserer Besprechung und wir sollen gemeinschaftlich eine Entscheidung treffen, und einer von uns hat eine deutlich höhere Risikobereitschaft und denkt auch, dass er das alles kann und schafft. Das kann durch Schlafmangel kommen. Vor allem, wenn es halt dann mal deutlich mehr ist als sonst. Auch im Autoverkehr ist das halt echt gefährlich.

    So, was gibt es noch? Man hat auch noch ein verzerrtes Bild von vielen Dingen. Also geht so ein bisschen das Thema Urteilsvermögen. Aber gerade, wenn ich mir überlegen muss: Was hat denn der Chef da wirklich gesagt? Dann kann es sein, dass mein Kopf mich da ein bisschen täuscht bei Schlafmangel. Ich mich vielleicht anders daran erinnere, als er es gesagt hat. So gerade diese Kommunikationsdinge werden viel schwerer und viel verzerrter, wenn man schlecht geschlafen hat.

    Und dann kommen wir als Letztes auf eine ganz - hey, ich habe noch nicht nachgucken müssen, ich bin gerade voll stolz auf mich - genau, also auf eine Sache, die auch im Kontakt mit anderen Menschen unglaublich wichtig ist. Und das ist unsere Emotionsregulation.

    Also, gehen wir mal wieder auf das Thema Teambesprechung und eine Lösung finden. Ach, da läuft Paulchen an uns vorbei. Mein kleiner Lagotto, der ist etwas schneller als wir zwei.

    Genau, also: Wir wollen in einem Team eine Lösung finden. Wir haben eine schwierige Entscheidung vor uns. Einer ist nicht ausgeschlafen, vielleicht auch mehrere. Und wir überschätzen uns. Wir schätzen die Situation falsch ein. Wir können uns nicht konzentrieren. Das Gedächtnis ist schlecht. Der eine sagt was zum anderen. Die Kommunikation funktioniert nicht gut, weil man ein verzerrtes Bild von dem hat, was da ankommt. Und dann kommt die emotionale Dysregulation. Das ist so ein Fachbegriff. Das bedeutet einfach, der Mensch fängt an zu schreien, zu heulen, zu lachen, was auch immer man so an emotionalen Äußerungen heftigst von sich geben kann, die man… in völlig ausgeschlafenem Zustand so wahrscheinlich nicht tun würde.

    Also umso ausgeschlafener, wacher wir sind, umso besser ist bei mir und auch bei dir die emotionale Regulation. Und im unausgeschlafenen Zustand eben nicht. Wenn ich mir überlege, wenn ich so richtig fies unausgeschlafen bin wie heute, und die Kinder kommen heim und machen irgendwas, was für mich sonst völlig unproblematisch wäre. Und heute kriege ich davon die Krise. Und fange an und reg mich auf. Und am Ende alles nur, weil ich unausgeschlafen bin. Und ich mich nicht so gut unter Kontrolle habe und nicht so gut mir selber erklären kann, dass das jetzt eigentlich nicht so ein Problem ist, mich nicht so gut regulieren kann. Aber auch… ja, einsehen, ob das jetzt normal ist oder nicht.

    Und jetzt, wie gesagt, stellt euch das mal im Team vor. Da ist einer oder mehrere unausgeschlafen, und vielleicht ist das Ergebnis ein völlig auseinanderspringendes Meeting, wo sich am Ende die Leute angreifen. Ich habe leider schon öfter mal solche Meetings erlebt. Vielleicht waren die Leute unausgeschlafen.

    Ja, also vielleicht merkst du an dir selber, wie es dir heute geht, ob du gut ausgeschlafen bist oder nicht. Vielleicht hast du Lust, mal zu schauen, wie du bist, wenn du ausgeschlafen bist und wenn du nicht ausgeschlafen bist.

    Und meine Frage an dich heute ist: Was sind deine persönlich besten Tricks, um gut zu schlafen? Es gibt ja das große Thema Schlafhygiene, aber ich bin ja eher ein Fan davon, dass die Menschen, die hier mit mir spazieren - in diesem Falle du - selber herausfinden, was für sie persönlich das Richtige ist. Insofern such mal für dich raus, erinnere dich mal: Was du so gemacht hast in deinem Leben schon, um gut zu schlafen. Dann kannst du dir das merken, wenn du nächstes Mal merkst: Ich schlafe nicht gut ein. Dann kannst du das verwenden, wenn du möchtest.

    Und mit diesen unglaublich müden Worten hier aus dem wunderschönen Westerwald. Die Bewegung und die Luft hat mir übrigens gut getan. Das ist mal wieder eine schöne Erkenntnis. Der Wald macht wach.

    Genau, ich bin dankbar dafür, dass du hier mit mir läufst. Ich freue mich, von dir zu hören. Du bekommst wieder alle Studien und auch das Buch von Matthew Walker zitiert in den Shownotes.

    Ich laufe jetzt hier noch ein bisschen weiter, so schön müde gemütlich vor mir her mit Pauli. Ich wünsche dir auch noch einen wunderschönen Spaziergang. Und ich freue mich auf dich morgen wieder zu unserem gemeinsamen Spaziergang. Dann hoffentlich, zumindest von meiner Seite - hoffentlich eben auch von deiner, das habe ich ja nicht unter Kontrolle, nur meinen eigenen Schlaf - aber so viel dazu.

    Genau, also in der Hoffnung, dass ich dann wunderbar ausgeschlafen bin und mit dir hier wieder spazieren gehe. Mach's gut!

    Literatur:

    Walker, M. (2018).  Why we sleep. Penguin Books.

    Bubu, O. M., Andrade, A. G., Umasang, M., & Im, E. K. (2017). Sleep, cognitive impairment, and Alzheimer’s disease: A systematic review and meta-analysis. SLEEP, 40(1), 1–11. https://doi.org/10.1093/sleep/zsw070

    Ceban, F., et al. (2021). Fatigue and cognitive impairment in post-COVID-19 syndrome: a systematic review and meta-analysis. Brain, Behavior, and Immunity. https://doi.org/10.1016/j.bbi.2021.12.020

    Gianotti, L. R. R., et al. (2024). Human prosocial preferences are related to slow-wave activity in sleep. The Journal of Neuroscience. https://doi.org/10.1523/JNEUROSCI.0885-23.2024

    Hemmeter, U. M. (2012). Schlaf und Kognition im Alter. Psychiatrie und Neurologie, 4(4), 13–15.

    Palmer, C. A., Bower, J. L., & Cho, K. W. (2023). Sleep loss and emotion: A systematic review and meta-analysis of over 50 years of experimental research. Psychological Bulletin, 150(4), 440–463.

    Salehinejad, M. A., Ghanavati, E., Reinders, J., Hengstler, J. G., Kuo, M.-F., & Nitsche, M. A. (2022). Sleep-dependent upscaled excitability, saturated neuroplasticity, and modulated cognition in the human brain. eLife, 11, e69308. https://elifesciences.org/articles/69308

    Stickgold, R. (2005). Sleep-dependent memory consolidation. Nature, 437(7063), 1272–1278. https://doi.org/10.1038/nature04289

    Studler, M., Gianotti, L. R. R., Lobmaier, J., Maric, A., & Knoch, D. (2024). Human prosocial preferences are related to slow-wave activity in sleep. The Journal of Neuroscience. https://doi.org/10.1523/JNEUROSCI.0885-23.2024

    Wagner, U., et al. (2004). Sleep inspires insight. Nature, 427(6972), 352–355.

    Weir, S., et al. (2021). Shorter sleep duration, later sleep timing, and poorer sleep continuity were associated with thinner cortex and altered subcortical volumes in diverse brain regions across adolescence. Journal of Neuroscience. https://doi.org/10.1523/JNEUROSCI.0885-23.2024

    Disclaimer:

    Dieser Podcast ist ein virtueller Spaziergang und dient ausschließlich der Information und Inspiration. Die Inhalte stellen keine Psychotherapie, kein Coaching und keine professionelle Beratung dar und ersetzen diese auch nicht.

    Alle hier formulierten Aussagen sind wissenschaftlich recherchiert. Die entsprechenden Referenzen und Quellen findest du im Anhang der Show Notes zu dieser Folge.

    Ich übernehme keine Verantwortung für die Richtigkeit der wissenschaftlichen Aussagen oder deren Anwendung. Die Inhalte dieses Podcasts sind nicht als Anleitung zu verstehen, etwas Bestimmtes zu tun, sondern dienen rein der Inspiration und Anregung zum Nachdenken.

    Bei gesundheitlichen oder psychischen Problemen wende dich bitte an entsprechende Fachkräfte oder Beratungsstellen.

    10 min
  • Macht. Macht erkennen ist Macht haben?

    Spaziergang 14: Macht. Macht erkennen ist Macht haben?

    Hallo und herzlich willkommen zurück im Westerwald. Schön, dass du wieder dabei bist. Heute unser vierzehnter gemeinsamer Spaziergang. Wir sind wieder hier oben an der Streuobstwiese und es ist Sonntag. Also habe ich dir eine kleine Inspiration aus der Welt der Philosophie mitgebracht und vielleicht hast du ja vom letzten Mal noch in Erinnerung, dass ich ein großer Fan der Stoiker bin.
    Eine, ja, eine Philosophierichtung, die schon relativ alt ist, aus der griechischen und römischen Zeit. Und heute habe ich dir was mitgebracht von dem Philosophen Epiktet. Und Epiktet hat etwas gesagt, was ich für unglaublich wahr empfinde. Nämlich dass man immer wissen sollte, wissen muss, was innerhalb der eigenen Macht liegt.
    Also wo habe ich Macht drüber, was kann ich da tun und wo habe ich keine Macht drüber. Und das unterscheiden zu können, jetzt rennt Paulchen hier an uns vorbei, der freut sich, dass wir draußen sind und zusammen spazieren. Genau, also das gibt ja auch ein relativ bekanntes Gedicht, das später mal ein Theologe darüber gemacht hat, aber ursprünglich eben von den Stoikern.
    Und als jemand, der viel im agilen Umfeld gearbeitet hat und auch schon viele Retros begleitet hat, das Wort sagt bestimmt allen, die im agilen Umfeld arbeiten, was. Also ein Retro ist ja ein Wort für Retrospektive, also ein Zurückschauen auf eine Situation. Und der Clou ist, dass man sich dabei immer überlegt oder überlegen sollte, was ist denn eigentlich gut gegangen und was ist weniger gut gegangen und was wollen wir weitermachen.
    Das ist zumindest eine der Möglichkeiten, wie man so eine Retrospektive tut. Und ich finde das eine sehr, sehr gute. Und bei dem, was man dann als Conclusion hat, was man tun kann, darf man sich überlegen, was ist denn innerhalb meiner oder unserer direkten Macht. Als Team oder als Teammitglied. Was kann ich denn verändern?
    Was kann ich vielleicht anstoßen bei anderen? Wo habe ich also Einfluss drauf? Und was ist außerhalb meiner Macht? Und hier finde ich das Spannende aus meinen allen Retros, die ich so gemacht habe, dass ganz oft Menschen oder Teams meiner Erfahrung nach davon ausgehen, dass sie viel weniger Macht haben, als sie in Wirklichkeit haben.
    Also ganz oft lagern wir was nach außen und sagen, ja, der Chef, der muss das ändern. Der Abteilungsleiter, die Firma. Und da können wir nichts dran tun. Wir verstehen ihre Sache. Und ich kann dann immer nur sagen, ja, aber du hast viel mehr Macht, als du denkst. Denn du kannst selber Entscheidungen treffen.
    Und im krassesten Fall ist die letzte Entscheidung, die du treffen kannst, ob du kündigst. Also mir hier zu sagen, dass du keine Macht hast, keine Entscheidung treffen kannst, das stimmt nicht. Wir sind uns in meiner Erfahrung oft nicht bewusst, welche Macht wir eigentlich haben. Was man natürlich dazu sagen darf, gerade man sieht das am Thema Kündigung, das hat teilweise krasse Konsequenzen.
    Gestern haben wir ja auch über heftige Konsequenzen von Entscheidungen getroffen. Damals war es so, dass beide Entscheidungen zu einer oder zur anderen Seite, Deiche durchbrechen oder Deiche nicht durchbrechen, heftige Konsequenzen gehabt hätte. Und ja, auch wenn ich in einem Team bin und ich fühle mich nicht wohl und aus irgendeinem Grund gibt es keinen anderen Ausweg, dann ist natürlich die Entscheidung zu kündigen oder zu bleiben vielleicht.
    Beides nicht ideal. Ich glaube, dass das häufig vorkommt, dass es nicht ideale Entscheidungen gibt, dass es nicht das gibt, was wir uns gerade so wünschen. Da kommen wir wahrscheinlich nächste Woche mal drauf, in unserem kleinen Philosophie-Spaziergang. Aber sich bewusst zu werden, über was man eigentlich alles Macht hat und dass das viel mehr ist.
    Als man oft denkt, nur dass die Konsequenz dessen, dass ich mit macht dann handle, oft nicht meine Lieblingskonsequenz ist. Ja, das ist tatsächlich so. Ich merke das auch bei meinen Patienten. Ich bin ja Physiotherapeutin, mache psychosomatische Physiotherapie. Und auch bei meinen Patienten ist das ganz oft so die Sache, ich kann ja nichts tun gegen meine Schmerzen.
    Ja, vielleicht ist das in mancher Hinsicht richtig, du hast vielleicht dir den Arm gebrochen und der Arm tut immer noch weh, aber in deiner Macht ist ja, wie gehe ich mit diesen Schmerzen um? Und dann ist Thema Schmerz nochmal da was ganz Besonderes, weil Schmerz im Kopf im Grunde in vielerlei Hinsicht erfahren wird, das ist ein bisschen eine größere Thematik, sprechen wir bestimmt auch nochmal drüber. Denn es gibt ja die verschiedensten Arten von Schmerz. So, jetzt kommt Paulchen wieder vorbeigerannt.
    Und das ist genau so eine Sache mit, was ist in meiner Macht? Vielleicht ist nicht in meiner Macht, dass dieser Nerv jetzt sofort heilt. Aber es ist in meiner Macht, wie ich mit diesem Schmerz umgehe. Auch wenn er mir nicht gefällt. Wieder das Thema. Nicht jede Entscheidung, die ich treffen kann, nicht alles, was in meiner Macht ist, gefällt mir.
    Von der Entscheidung, die ich mit dieser Macht treffen kann. Aber zu sagen, ich habe keine Macht, mich zu entscheiden, ob ich diesen Job weitermache oder nicht. Ich habe keine Macht zu sagen, ich mache das Projekt oder ich mache es nicht. Ich habe keine Macht zu sagen, das Projekt wird rechtzeitig fertig oder nicht.
    Das stimmt einfach nicht. Wir haben viel mehr Macht, du hast viel mehr Macht, als du denkst. Du musst nur mit den Konsequenzen dessen am Ende leben, was du an Macht durchsetzt. Aber innerhalb deiner Macht ist es trotzdem, zu sagen, ich mache das Projekt nicht. Hat vielleicht die Folge, dass du gekündigt wirst oder eine Abmahnung kriegst oder dein anderes Lieblingsprojekt, was du tun könntest, nicht bekommst.
    Aber wenn es die Entscheidung ist, zwischen ein Burnout bekommen oder nicht oder irgendwelche anderen körperlichen oder psychischen Probleme zu bekommen, wenn man das Projekt noch ein paar Wochen oder ein paar Monate weitermacht, dann ja, du hast die Macht, Nein zu sagen.
    Du hast die Macht, dich zu entscheiden. Du hast die Macht, diese Entscheidung zu kommunizieren. Du musst dann eben auch mit den Konsequenzen leben. Aber die Macht. Hast du. Insofern um nochmal auf Epiktet zurückzukommen, unterscheiden zu können, ob etwas in der eigenen Macht liegt oder ob es das nicht tut, ist eine unglaublich wichtige Sache.
    Und wenn man das entscheiden kann, dann bringt es einem einen massiven Vorteil, zumindest über die Entscheidungsmöglichkeiten in der Macht nachzudenken. Und eine Entscheidung dann eben auch zu treffen. So, also jetzt nochmal zu deiner Frage. Nein, nicht zu deiner Frage, zu der Frage, die ich dir stelle.
    Machen wir es mal so rum. So funktioniert ja unser kleiner Spazier-Podcast, in dem du mit mir spazieren gehst. Du kriegst am Ende eine Frage von mir. Und die Frage ist diesmal… Wann wurde dir klar, in einer Situation, ob das auf der Arbeit war oder privat, dass du mehr Macht hast, als du erst dachtest? Und wie hat sich das angefühlt?
    Na ja, wie hat sich das in deinem Kopf angefühlt? Welche Gedanken kamen dir? Vielleicht puh, okay, jetzt, es ist in meiner Macht, aber dann muss ich auch die Entscheidung treffen. Oder war es ein Freudengefühl überall im Körper? Yeah, ich habe ja doch die Macht, das zu entscheiden. Oder vielleicht was ganz anderes?
    Was hast du erfahren, was hast du empfunden, als du gemerkt hast, ich habe doch viel mehr Macht, als ich erst gedacht habe? So, und damit wünsche ich dir einen wunderschönen Abend, einen wunderschönen Sonntagabend und freue mich sehr auf dich morgen bei unserem nächsten gemeinsamen Spaziergang.

    9 min
  • Entscheidungen. Kann Sumpf die Zusammenarbeit fördern?

    Spaziergang 13: Entscheidungen. Kann Sumpf die Zusammenarbeit fördern?

    Hallo und herzlich willkommen zu unserem 13. Spaziergang. Heute läufst du mit mir durch die Niederlande. Und zwar habe ich dich mitgenommen in ein historisches Dorf und es soll tatsächlich heute darum gehen, was wir aus der Geschichte der Niederlande oder ein paar bestimmten Aspekten als Inspiration mitnehmen können für die Situation, wenn wir in Gruppen Entscheidungen treffen müssen.

    Und zwar Entscheidungen, die getroffen werden müssen, die sogar zeitkritisch sind, die extreme Konsequenzen haben. Und zumindest in dieser Teil der Geschichte geht es auch noch um das Thema Verteidigung. Und da ich ja selber sehr viele Jahre in der Wirtschaft gearbeitet habe, meistens in agilen Umfeldern als Product Owner und sehr viele agile Strukturen damit erlebt habe, in denen man ja doch versucht, gemeinschaftliche Entscheidungen zu treffen, auch wenn es im Projektkontext manchmal extreme Entscheidungen sein können und sie auch starke Folgen haben, egal ob man sich für die eine oder die andere Lösung entscheidet.

    Und was ich ganz besonders spannend finde ist, ich habe ja auch in der Cyber Security gearbeitet und diese kleine Inspiration heute aus der niederländischen Geschichte erzählt uns auch etwas über Verteidigung. Ja, wo soll ich anfangen? Am besten da, wo es darum geht, warum denn die Niederlande so ein gutes Beispiel für egalitäre Entscheidungsstrukturen sind.

    Das hat mit den Sümpfen zu tun. Und eigentlich hat die ganze Geschichte heute, die ich dir erzählen möchte, mit Sümpfen zu tun. Die Niederlande sind sehr flach. Irgendwann gab es da auch mal ein paar mehr Bäume, die wurden relativ schnell abgeholzt. Und das heißt, da war viel flaches Land, viel überflutet.

    Und aus diesem Grunde auch wenig herrschaftliche Strukturen, sage ich mal. Die ganzen Herren auf ihren hohen Rössern, die Landbesitzer, die wir so klassischerweise aus Deutschland oder Frankreich kennen, die haben sich in den Niederlanden wenig verirrt. Man sagt, man konnte da nicht so gut auf dem Ross reiten.

    Ich weiß nicht, ob es genau der Grund war, aber auf jeden Fall gab es hier wenig große Landbesitztümer. Das heißt, wir hatten eine Gesellschaft, die damals schon viel mit Handel zu tun hatte, schon im Mittelalter gab es ja sehr viel Handel entlang der Nordsee und wir hatten ganz viele kleine gehöfte Dörfer auf dem Land.

    Eins hat sie alle geeint, nämlich das Wasser. Überall gab es Wasser und zwar normalerweise zu viel Wasser. Es gab hier sehr viele Flüsse, es gab das Meer, es gab sehr viele Sümpfe und man musste sie irgendwie trocken kriegen. Um sie trocken zu kriegen, hat man sich in sogenannten Warterschappen zusammengeschlossen.

    Also, wie würde man das übersetzen? Wasserschaften. Und diese Wasserschaften, diese Warterschappen, waren sehr egalitär aufgebaut. Das heißt, jeder war wichtig. Und um voranzukommen mussten alle zusammenarbeiten. Im Grunde ein bisschen wie so in einem agilen Team heute. Alle verschiedenen Berufe, alle Stände waren wichtig.

    Und man hat einen Weg gefunden… Man nennt das Poldern, ich finde das ein so tolles Wort, weil diese Sümpfe heißen in den Niederlanden, wenn man sie trocken legt, Polder. Und dieses Kommunikationsmodell, bei dem man versucht, dass alle zu ihrem Recht kommen und man gemeinschaftliche Entscheidungen trifft, heißt Poldern.

    Ja, und durch diese Art des Polderns hat man sich auf gemeinschaftliche Entscheidungen spezialisiert, sage ich mal. Also man hat sich daran gewöhnt, dass man das tut. So, und jetzt kommt die Situation, dass plötzlich das französische Heer Richtung Niederlande zieht. Hm, das ist ein bisschen eine doofe Situation.

    Die Niederlande sind flach und wenn man dann angegriffen wird, dann kommt man in die Situation, dass man eine Entscheidung treffen muss. So, jetzt sind wir eine relativ egalitäre gemeinschaftliche Gruppe und müssen eine Entscheidung treffen. Und tatsächlich hat man bei diesem ersten Angriff in den Niederlanden der Franzosen, das war schon in der frühen Neuzeit, eine Entscheidung getroffen und diese Entscheidung war, mehrere hundert Quadratkilometer der Niederlande unter Wasser zu setzen.

    Auf einer Linie von über 100 Kilometern und einem Streifen von drei bis sechs Kilometer breit hat man die Deiche durchstochen, die Deiche des Meeres, die Deiche der Flüsse. Man hat Schleusen geöffnet und innerhalb von zwei bis drei Wochen sind also ein Teil der Niederlande 40 bis 60 Zentimeter unter Wasser gekommen.

    Okay, was sagt uns das jetzt über das Entscheidungstreffen? Darum geht es ja. Wenn es eine Entscheidung zu treffen gibt und der Feind steht vor der Tür und man schafft es, gemeinschaftlich eine Lösung zu finden und sie auch gemeinschaftlich umzusetzen, denn dieses Unterwassersetzen hat bedeutet, dass alle einzelnen Warterschappen, es waren ganz viele von diesen Gemeinschaften, die es dort in dem Holland damals noch, es gab ja noch keine Niederlande, die es damals gab, alle zusammenarbeiten mussten.

    Alle Warterschappen mussten einen Teil ihres Gebietes unter Wasser setzen. Und ihr könnt euch vielleicht vorstellen, du kannst dir vorstellen, dass das nicht einfach war. Das war Bauernland. Da standen Tiere, die mussten woanders hin, da wurden Wege blockiert und trotzdem hat man ganz, naja ich würde mal sagen, für die damaligen Verhältnisse und die Situation spontan diese Entscheidung dann doch treffen können.

    Mit dem Resultat, dass man das französische Heer abgewehrt hat. Die haben anderthalb Jahre auf der Außenseite dieser holländischen Wasserlinie gecampt, sage ich mal, und sie sind nicht durchgekommen. Das heißt, die gemeinschaftliche Entscheidung, die extrem viel bedeutet hat, die extrem viel Unwohl gebracht hat, die hat aber dazu geführt, dass die Niederlande sich verteidigen konnten. Amsterdam wurde nicht eingenommen, es gab viele Gefechte mit den französischen Truppen, die nämlich teilweise schneller waren als das Wasser rein fließen konnte, aber der Teil war so klein, dass man sie besiegt hat und die Niederlande oder Holland damals Amsterdam verteidigt hat.

    Später hat man das noch ein paar mal gemacht, diese Wasserlinie unter Wasser zu setzen und es gibt da auch, und das ist, finde ich, vielleicht die deutlichste Idee, die ich dir mitgeben will, in dem Moment, dass nämlich der Feind wusste, dass es da diese Wasserlinie gibt und die Niederländer sich unter sich nicht schnell genug einig werden konnten.

    Man hat nicht in der Gemeinschaft geschafft, schnell genug eine Einigung zu finden. Hat man zwar sich dann irgendwann zu durchgerafft, die Deiche durchzustechen, aber da waren die Preußen schon hinter der Linie. Ja, es waren die Preußen tatsächlich. Es war ein großer Reinfall, also das Land stand unter Wasser und die Preußen waren schon drüber.

    Heißt auch… Wenn Entscheidungen getroffen werden müssen und wir müssen sie gemeinschaftlich treffen, dann ist es extrem wichtig, dass wir sie auch schnell genug treffen und dass wir Wege finden, miteinander zu reden, um eben die Preußen vor Amsterdam zu verhindern. Übrigens einer der Gründe, warum es jetzt immer noch eine Monarchie in den Niederlanden gibt, denn trotz Aufstände haben die Preußen eben die niederländische Königsherrschaft wieder eingesetzt.

    Ja, da gab es dann schon einen König, der war aber mehr im Vorstand. So, das heißt, Verteidigung, ja, und wenn schwierige Entscheidungen getroffen werden müssen, dann muss man die auch manchmal treffen, auch wenn man eine Gemeinschaft zusammen ist. Ich hoffe, dass dich diese niederländische Geschichte rund um das Thema gemeinschaftliche Entscheidungen treffen in egalitären Gruppen und auch die Probleme, die auftreten, wenn man ein Land oder eine Firma oder was auch immer verteidigen möchte und eben sich nicht durchringen kann, Entscheidungen, die einen großen Einfluss auf das Land haben, hunderte Quadratkilometer unter Wasser setzen, eben nicht schnell genug trifft.

    Ich möchte dir daher mal die Frage stellen, und das ist die Frage zum heutigen Tag: Wann hast du mal in einem Team, in dem du bist oder warst, erlebt, dass ihr gemeinschaftlich eine schwierige Entscheidung getroffen habt und die auch umgesetzt habt? Also ihr habt zwar lange diskutiert, das ist in Projekten ja häufig so, wir sind ja in vielerlei Hinsicht in unseren modernen Projekten gar nicht so viel anders als die Niederlande in der späten Neuzeit.

    Wir sind relativ egalitär und wir müssen… schwierige Entscheidungen treffen in Projekten. So, wann hast du also mal erlebt, dass du eine schwierige Entscheidung mit dem Team gemeinschaftlich getroffen habt und dir die umgesetzt hast? Also, ja, wie ging es dir dabei? Wie war der Prozess für dich? Wenn du Lust hast, reflektiere das mal und schau mal, ob du ein Stück der niederländischen Geschichte als deine Inspiration mitnehmen kannst.

    Ich werde dir in den nächsten Wochen auch immer wieder Ideen mitbringen, dann nicht nur zur Inspiration, Geschichte ist ja immer nur Inspiration, aber auch Ideen, wie man eben in Gemeinschaften Lösungen finden kann. Also wie kann man in Meetings in einer Gemeinschaft besser oder einfacher Lösungen finden und wie kann man schwere Entscheidungen auch tatsächlich tragen.

    Also hier mal ein kleiner geschichtlicher Ausblick auf Business-Themen und ich wünsche dir einen wunderschönen Tag, ein hoffentlich interessantes Nachdenken über die Frage und einen noch ganz tollen Ausflug hier in den Niederlanden. Morgen wieder zurück aus dem Westerwald.

    Mach's gut!

    Disclaimer:

    Dieser Podcast ist ein virtueller Spaziergang und dient ausschließlich der Information und Inspiration. Die Inhalte stellen keine Psychotherapie, kein Coaching und keine professionelle Beratung dar und ersetzen diese auch nicht.

    Alle hier formulierten Aussagen sind wissenschaftlich recherchiert. Die entsprechenden Referenzen und Quellen findest du im Anhang der Show Notes zu dieser Folge.

    Ich übernehme keine Verantwortung für die Richtigkeit der wissenschaftlichen Aussagen oder deren Anwendung. Die Inhalte dieses Podcasts sind nicht als Anleitung zu verstehen, etwas Bestimmtes zu tun, sondern dienen rein der Inspiration und Anregung zum Nachdenken.

    Bei gesundheitlichen oder psychischen Problemen wende dich bitte an entsprechende Fachkräfte oder Beratungsstellen.

    11 min
  • Ja. Nee heb je, Ja kan je krijgen.

    Spaziergang 12 Nee heb je, Ja kan je krijgen

    Hallo und herzlich willkommen zu unserem zwölften gemeinsamen Spaziergang im Westerwald. Schön, dass du da bist. Ja, wir laufen hier jetzt wieder zusammen mit Pauli. Vielleicht hört man ihn gerade, wie er sich geschüttelt hat. Und wir sind draußen, wir sind wieder auf der Streuobstwiese hier und laufen so gemütlich am Rand der Streuobstwiese entlang.

    Und da ich schon eine kleine Ankündigung habe, dass du morgen mit mir in den Niederlanden spazieren gehst, genau, gibt es heute auch ein sehr niederländisches Thema schon mal zur Einstimmung auf morgen.

    Ich habe dir nämlich etwas mitgebracht, was mich beeinflusst geprägt hat aus den Niederlanden. Ich habe dort sieben Jahre gelebt.

    Immer wenn ich es anderen Leuten erzählt habe, fanden sie es sehr interessant und inspirierend. Und deshalb möchte ich es dir mitgeben, denn das ist eine ganz typische niederländische Weise etwas zu sagen. Und eine ganz typische niederländische Lebensweisheit dadurch auch. Auf Niederländisch heißt das Ganze: "Nee heb je, ja kan je krijgen."

    Und was heißt das wörtlich übersetzt auf Deutsch? Nein hast du, ja kannst du kriegen. Ja, was meinen die Niederländer denn damit? Die meinen damit, dass wenn du etwas haben möchtest, für das du jemanden fragen musst oder vielleicht auch was machen musst, häufig, wenn man jemanden fragen muss, das ist so die typische Situation, wo dann jemand zu dir sagt: "Nee heb je, ja kan je krijgen." Also mach es doch, mach es doch, das ist die Botschaft, mach es doch, nein hast du doch sowieso schon.

    Und ich gebe ehrlich zu, es gilt vielleicht nicht für Heiratsanträge. Weil da ist ein Nein dann vielleicht bei der Frage doch ein bisschen kritisch. Zumindest für den einen oder anderen. Aber in ganz normalen Situationen, also wenn ich bei einer Firma frage, ob es noch einen Rabatt gibt. Und die Firma hätte mir sonst vielleicht gar nicht gegeben von sich aus.

    Sie sagen: "Ja klar gibt es einen Rabatt. Können wir hier oder so machen." Oder du suchst einen Job. Und überlegst dir, ob du jetzt jemanden fragen kannst, ob der eine Stelle frei hat. Und du traust dich nicht so wirklich. Ja, nein hast du doch sowieso schon. Wenn du nicht fragst, dann wirst du da sehr wahrscheinlich sowieso keine Stelle kriegen.

    Und wenn du fragst, ist nichts verloren. Das ist die Botschaft. Wenn du fragst, ist nichts verloren. Nein hast du doch sowieso schon. Ja kannst du bekommen. Oder auf Niederländisch dann: "Ja kan je krijgen."

    Ja, das ist eine… Ja, urniederländische Sache und ich finde es total schön, weil es total positiv ist. Total motivierend für mich immer, immer wenn ich mich unwohl fühle und denke, ja kann man das denn jetzt wirklich machen, kann man das mal anfragen, kann man das mal fragen.

    Ist das nicht schlimm, wenn ich frage? Und dann denke ich mir: "Nee heb je, ja kan je krijgen." Meistens frage ich dann und meistens hat es total viel Sinn. Denn angenommen, ich frage, ob es den Bonus noch gibt und derjenige sagt: "Nee, tut mir leid, wir haben da keinen Bonus." Ja und? Dann geht ja die Welt nicht unter.

    Auf der anderen Seite, wenn ich den Bonus kriege, dann kann ich mich freuen. Und so denke ich, dass es einfach im Leben extrem viele Situationen gibt, bei mir gegeben hat und vielleicht auch bei dir gibt, in denen es dich weder was kostet zu fragen, noch ein Nein ein Problem wäre. Und dann gilt ganz einfach der Spruch: "Nee heb je, ja kan je krijgen."

    Und ja, vielleicht inspiriert dich das, nächstes Mal auch eine Frage zu stellen, denn das Nein hast du eh schon.

    So, und damit komme ich zur Frage an dich. Ja, ich stelle dir ja auch jeden Tag eine Frage. Und die Frage des Tages heute ist, passend zu unserem Thema: Wann hast du das denn zum letzten Mal erlebt, dass du mal gedacht hast, dass ich weiß nicht, ob ich das fragen kann, wer weiß. Und dann hast du doch gefragt. Und dann hat derjenige gesagt: "Ja klar, gar kein Problem, gut dass du fragst."

    Was hat es mit dir gemacht, wie hast du dich in dem Moment gefühlt? Einmal, dass du dich getraut hast. Und zum anderen: Ja, dass das funktioniert hat, dass du einfach gefragt hast und ja, da ist auch was bei rausgekommen.

    Ja, damit würde ich sagen, mit diesem leichten Wind im Hintergrund, oh wie schön, da fliegt noch so ein Raubvogel. Wir haben hier echt eine schöne Strecke zusammen. Genau, mit diesem leichten Wind im Hintergrund verabschiede ich mich von dir. Ich wünsche dir einen wundervollen Tag. Und pack deine Sachen.

    Morgen laufen wir zusammen in den Niederlanden. Bis morgen.

    Disclaimer:

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    6 min
  • Purpose. Gesund alt werden durch Lebenssinn?

    Spaziergang 11 - Purpose. Gesund alt werden durch Lebenssinn?

    Hallo und herzlich willkommen hier im wunderschönen Westerwald zu unserem elften Spaziergang. Und heute geht es um das Thema "Sinn des Lebens".

    Was bringt dir denn ein Sinn des Lebens? Oder hey, was hat die Wissenschaft untersucht, was angeblich dein Sinn des Lebens bringt? Hallo, ich erzähle dir ein bisschen über die Vorteile, die man gefunden hat, und dann schauen wir nochmal zurück auf die letzten Tage und die Fragen, die ich dir gestellt habe, und mal sehen, ob die Antworten der letzten Tage dir helfen, die Frage von heute nachher zu beantworten.

    So, jetzt gucke ich erstmal hier über diese wunderschöne grüne Landschaft. Ich bin hier auf einer kleinen Wiese, größer als eine Lichtung, aber es ist echt, es ist wunderschön. Die Abendsonne scheint hier her über so eine kleine, neu angelegte Streuobstwiese. Es ist traumhaft hier. Schön, dass du mit mir gehst.

    Also, was hat man wissenschaftlich herausfinden können darüber, was der Sinn des Lebens einem Menschen bringt? Da hat man verschiedene Studien gemacht. Man hat versucht, die Leute zu interviewen, ob sie einen Sinn des Lebens haben und wie es ihnen geht. Und dabei hat man verschiedene, also wirklich mehrere gut gemachte Studien.

    Und da hat man herausgefunden, dass als allererstes die Menschen im Schnitt länger leben. Das ist ja schon mal nicht verkehrt. Du hast einen Sinn im Leben, du setzt diesen Sinn im Leben um, hast du im besten Falle sowieso ein schönes und angenehmes Leben und zusätzlich hast du auch noch eine Chance, länger zu leben.

    Finde ich schon mal super. Als nächstes hat man rausgefunden, dass die Leute im Schnitt länger und besser alt werden. Also nicht nur länger leben, sondern sie haben auch weniger Probleme mit der Kognition und haben eine kleinere Chance, um dement zu werden. Finde ich jetzt auch schon mal sehr angenehm.

    Dann obendrauf kommt noch, dass man festgestellt hat in einer anderen Studie, dass die Menschen, die einen Sinn im Leben haben und sehen, dass die körperlich auch fitter sind. Also wenn man älter wird und dann können die Leute immer noch besser länger laufen. Finde ich jetzt auch schön, wenn ich so zurückdenke.

    Meine Oma, die hatte immer einen starken Sinn im Leben gesehen und die ist richtig gesund alt geworden. Heißt nicht, dass jeder das wird, der einen Sinn im Leben sieht, aber zumindest hat man eine bessere Chance. Und was noch als Schmankerl obendrauf kommt, die Leute mit Sinn im Leben, die schlafen auch besser.

    33% fand ich eine schöne, fand ich eine schöne, ja, Ergebnis des Ganzen. Übrigens wundere dich nicht, falls ich manche Worte manchmal komisch verwende. Ich spreche nämlich auch Niederländisch und auf Niederländisch heißt Ergebnis "Outkomst". Und dann verwende ich manchmal die, ähm, die Satzanfänge etwas merkwürdig und merke dann, dass es jetzt der Satzanfang für das niederländische Wort wäre.

    Ja genau, also ich merke, du lernst mich auch im Laufe der Zeit etwas besser kennen. Übrigens apropos besser kennenlernen, ich würde mich sehr freuen, wenn du schon einen Sinn im Leben liest, wenn du mir schreibst. Schreib mir doch mal, was dein Sinn im Leben ist. Und haben dir, und da kommen wir jetzt gleich auf die Fragen, dir die Fragen der letzten beiden Tage und auch die Folge über Memento Mori am Sonntag ein wenig dabei geholfen, ihn zu finden.

    Ich habe meinen eigenen Lebenssinn schon vor einigen Jahren gefunden, nur leider, wie du gestern erfahren hast, noch nicht umgesetzt in vielen dieser Jahre. Erst so seit meinem letzten Burnout von einem Jahr habe ich angefangen, a, auch das zu verstehen, warum ich das habe, und b, diesen Sinn im Leben nicht nur zu haben, sondern auch aktiv umzusetzen in meinem Leben.

    Und das ist schön. Das heißt, ich werde dir mit Sicherheit, ach, da kommt Paulchen an, auch in einer der nächsten Folgen davon erzählen. Denn ich hoffe, dass ich dich damit ein bisschen inspirieren kann. Jeder hat ja seinen eigenen Sinn im Leben, aber vielleicht wirkt das ein bisschen. Heute erstmal für dich die Vorteile, die so ein Sinn im Leben und das Umsetzen des Sinns im Leben hat.

    So, nun aber zu der Frage an dich. Die Frage baut auf den letzten beiden Tagen auf und wie gesagt, wenn du Lust hast, hör dir doch die beiden Folgen nochmal an. Ich hatte dich ja vorgestern gefragt, wenn du nur noch 365 Tage zu leben hättest, was würdest du denn dann machen? Was würdest du machen und was würdest du lassen?

    Denn etwas zu machen ist ja auch immer eine bewusste Entscheidung, etwas anderes nicht zu machen. Ich glaube, jetzt fliegt da so ein großes Flugzeug über uns drüber. Wir liegen hier so ein bisschen in der Anflugschneise zu Köln-Bonn, fürchte ich. Ab und an hört man sie hier mal. Genau, also wenn du noch 365 Tage hättest zu leben, was würdest du dann machen und was würdest du nicht machen?

    Und gestern habe ich dich gefragt, wenn du nur noch einen einzigen Tag zu leben hättest, 24 Stunden. Was würdest du dann machen? Und was würdest du dann nicht tun? Und ich hoffe, du hast dir diese Fragen beantwortet und ich hoffe, du kannst dir dadurch auch die Frage heute beantworten.

    Nämlich die Frage heute ist: Was würdest du jetzt tun, das alles wissend, wenn du ein ganzes Leben vor dir hast?

    Wenn du weißt, dass mit einem Purpose im Leben du länger, gesünder, fitter lebst und du jetzt herausgefunden hast, was du tun würdest, wenn du nur noch ein Jahr oder einen Tag zu leben hast. Und was sagt dir das? Was sagt dir das für den Rest deines jetzigen Lebens? Ich hoffe, diese Frage inspiriert dich.

    Wir werden, wie gesagt, noch öfter über Purpose reden und auch darüber, wie man ihn findet. Das heißt, ich hoffe, ich kann dir auch dabei helfen, dir Infos mitgeben, dich dazu inspirieren, wie man so einen Purpose finden kann, wenn du ihn noch nicht weißt. Und damit gucke ich nochmal über diese herrlichen Felder hier und die Wälder, genieße den Abend und wünsche dir noch einen wunderschönen weiteren Spaziergang.

    Ich freue mich auf dich morgen. Mach's gut!

    Literatur:

    Hill, P. L., & Turiano, N. A. (2014). Purpose in life as a predictor of mortality across adulthood. Psychological Science, 25(2), 555–559.   

    Kim, E. S., Kim, J. K., Heo, J., & Kubzansky, L. D. (2020). Sense of purpose in life and five health behaviors in older adults. Journal of Aging and Health, 32(8), 856–868.   

    Kim, E. S., Sun, J. K., Park, N., & Kubzansky, L. D. (2017). Association between purpose in life and objective measures of physical function in older adults. JAMA Psychiatry, 74(10), 1039–1045.   

    Kim, E. S., Wicker, D., & Kubzansky, L. D. (2022). Sense of Purpose in Life and Subsequent Physical, Behavioral, and Psychosocial Health: An Outcome-Wide Approach. Journal of Gerontology: Psychological Sciences.   

    Pinquart, M. (2002). Creating and maintaining purpose in life in old age: A meta-analysis. Ageing International, 27(2), 90–114.   

    Wingo, A. P., Howard, N. C., & Wingo, T. S. (2025). Purpose-in-life associates with later onset and lower hazard for cognitive impairment in a population-based longitudinal cohort of diverse participants. American Journal of Geriatric Psychiatry.

    Disclaimer:

    Dieser Podcast ist ein virtueller Spaziergang und dient ausschließlich der Information und Inspiration. Die Inhalte stellen keine Psychotherapie, kein Coaching und keine professionelle Beratung dar und ersetzen diese auch nicht.

    Alle hier formulierten Aussagen sind wissenschaftlich recherchiert. Die entsprechenden Referenzen und Quellen findest du im Anhang der Show Notes zu dieser Folge.

    Ich übernehme keine Verantwortung für die Richtigkeit der wissenschaftlichen Aussagen oder deren Anwendung. Die Inhalte dieses Podcasts sind nicht als Anleitung zu verstehen, etwas Bestimmtes zu tun, sondern dienen rein der Inspiration und Anregung zum Nachdenken.

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    7 min
  • Burnout. Wenn Werte und Arbeit nicht zusammenpassen?

    Spaziergang 10: Burnout. Wenn Werte und Arbeit nicht zusammenpassen?

    Hallo und herzlich willkommen zu unserer mittlerweile zehnten Spaziergang hier zusammen im Westerwald. So ein bisschen vor dem Sturm ist es still, außer die Autos, die hört man etwas lauter heute. Es ist ein bisschen drückendes Wetter, kein bisschen Wind, fast kein Tier zu hören, wenn wir hier laufen. Aber schön, dass du dabei bist.

    Heute gibt es zum ersten Mal etwas im Wissensteil über das Thema Stress und genauer über das Thema Burnout. Ich hatte in meiner Willkommensfolge ja schon gesagt, dass das so eines meiner Hauptthemen ist. Stress, Burnout, was es mit uns tut, aber vielleicht auch alle Ideen, alle Inspirationen rundherum, was man tun kann, beziehungsweise was man so auch alles erforscht hat, um das zu verhindern.

    Und ich werde dir gleich von meinen eigenen Erlebnissen erzählen. Und du wirst hören von einem Buch, was mich sehr fasziniert. Das heißt Feel Good Productivity. Das ist natürlich auch wieder in den Shownotes. Und durch dieses Buch, gebe ich ganz ehrlich zu, habe ich überhaupt erst verstanden, warum meine eigenen zwei Burnouts entstanden sind.

    Und das hat mir unglaublich geholfen, dieses Verständnis. Und ich erzähle dir mal ein bisschen darüber. Erstmal über meine Burnouts und dann, was die verursacht hat. Und vielleicht erkennst du dich ja darin wieder. Vielleicht auch nicht. Genau, also.

    Ich glaube, das war ein Vogel. Hast du den gehört? Gut, aber ich wollte ja von meinen… von meinen Burnouts erzählen. Und zwar, der erste war im Jahr 2021 und der zweite war vor ziemlich exakt genau einem Jahr, jetzt heute. Damals 1. September, war der Tag, an dem ich meinen ersten Krankheitstag geschrieben habe.

    Und wenn ich da zurückdenke, dann war das für mich unglaublich heftig. Also, ich will mich ganz bewusst nicht mit irgendjemandem vergleichen, der auch Burnout hatte. Denn jede Erfahrung ist anders. Bei mir war es so, dass das beim ersten Mal fast ein Dreiviertel Jahr gedauert hat. Und ich bin ja selber psychosomatische Physiotherapeutin.

    Das heißt, ich wusste eigentlich schon, was da los war. Ich wusste, dass ich immer gestresster wurde. Ich merkte, dass ich immer aggressiver wurde. Dass ganz, ganz, ganz viele Dinge in meinem Leben nicht mehr funktionieren. Dass ich keine Zeit mehr habe, keine Geduld mehr habe für andere Menschen um mich herum.

    Dass ich immer tauber wurde. Da ist ganz, ganz viel passiert, aber ich habe nicht verstanden, warum. Eigentlich mochte ich meinen Job. Ich wollte gerne Teamleiterin werden. Ich wollte für mein Team aufkommen. Ich bin für mein Team aufgekommen. Es war auch noch gerade Corona, das hat mit Sicherheit nicht geholfen.

    Aber ich wollte für mein Team da sein und ich wollte vor allem dafür sorgen, dass es meinem Team gut geht. Wir hatten irrsinnig viele Projekte, unglaublich hohen Projektdruck. Und ich wollte, dass meine Mitarbeiter gut arbeiten können, ohne diesen extremen Druck spüren zu müssen. Ich wollte ein bisschen den Druck von ihnen abhalten.

    Und gleichzeitig kam aber immer mehr Druck von oben auf unsere Abteilung. Und wenn ich mich immer mit dem Thema Burnout beschäftigt habe, dann ging das ganz viel darum, man hatte zu viel zu tun. Aber das war gar nicht unbedingt der Fall. Ja, mein Kalender war voll, aber das Pensum kannte ich schon von vorher.

    Und ja, super viele Pausen hatte ich nicht, aber definitiv genug. Also in meinem damaligen Verständnis definitiv genug. Und ich habe es nicht verstanden, warum es mir so schlecht ging und warum es mir immer schlechter ging, bis es dann gar nicht mehr ging. Es war damals echt heftig. Ich habe ein dickes Jahr gebraucht, bis ich wieder ein bisschen auf die Beine gekommen bin und dann ging es eigentlich zwei, drei Jahre, fast vier Jahre ganz gut.

    Und dann plötzlich bin ich in ein neues Projekt gekommen. Und es ist exakt das gleiche wieder passiert. Nur innerhalb von zwei Wochen. Total heftig. Das waren, glaube ich, die krassesten zwei Wochen meines Lebens. Und ich habe es wieder nicht verstanden. Ich habe viel gearbeitet, aber nicht übermäßig viel. Ich hatte genug Pausen, ich hatte nette Kollegen. Aber es war halt ein Projekt, so wie ich es die drei Jahre dazwischen eben nicht hatte.

    Und klipp, klapp, sofort hat es wieder eingesetzt. Ich habe mich wieder taub gefühlt. Ich habe mich wieder extremst gestresst gefühlt. Ich wusste nicht mehr, wo vorne und hinten ist. Ich wusste nicht mehr, wie ich mit meinen Kindern rede. Ich wusste nicht mehr, wie ich schlafe. Es ging gar nichts mehr. Also wirklich, es ging nichts mehr.

    Ich konnte nichts mehr. Ich konnte nichts mehr essen. Ich konnte nicht mehr schlafen. Ich konnte gar nichts mehr. Ich konnte nicht mehr sprechen. Ich weiß nicht, wie ich damals überhaupt… Mein Mann hat mich damals zum Arzt gefahren. Ich glaube, ich bin selber die Treppe nicht mehr hochgekommen. Und das nach zwei Wochen.

    Und nachdem ich das Buch gelesen habe, habe ich es zumindest zum ersten Mal verstanden. Und zwar erzählt der Autor in dem Buch, dass es drei Formen von Burnout gibt. Häufig treten sie gemischt auf und das gebe ich auch ehrlich zu. Ich hatte mit Sicherheit viel auf meinem Tellerchen. Ich habe auch mit Sicherheit ein bisschen zu wenig Pause gemacht.

    Aber der Hauptfaktor bei mir war etwas anderes, nämlich das, was er Misalignment nennt oder auch Disharmonie. Und die sorgt dafür, dass das, was ich selber an Werten habe, das, was mir wichtig ist, und das, was von außen von mir gewollt wird, in diesem Fall von Chefs, von Teamleitungen, von was auch immer, nicht zu dem passt eben, was ich selber will, was mir wichtig ist.

    Und umso größer diese Disharmonie wird, und es kam auch noch Corona dazu. Es war auch noch eine Zeit, wo Unternehmen viele Entscheidungen getroffen haben, ohne dass ich ihnen was vorhalten kann. Es war halt einfach eine krasse Zeit. Aber sie haben viele Entscheidungen getroffen, mit denen ich so nicht mitgehen konnte, die ich trotzdem als Teamleiter umsetzen musste.

    Und das waren auch so die Momente, wo es mir echt immer am schlechtesten ging. Ich finde es so schön, jetzt das gelesen zu haben und deshalb möchte ich das mit dir teilen, einfach mal eine sehr persönliche Geschichte. Ich stehe da auch völlig zu, also ich habe auch kein Problem mehr, wer auch immer das hier hört, denn es geht mir wieder gut.

    Und es geht mir gut, weil ich eben im letzten Jahr ganz konsequent genau… in die andere Richtung gelaufen bin, in Richtung Harmonie, in Richtung das Tun, was mit meinen eigenen Werten übereinstimmt. Unter anderem hier diesen Podcast zu machen, denn ich finde es wundervoll, Menschen zu inspirieren. Und auch dabei, dir deine eigene Autonomie zu lassen.

    Wenn du Lust hast, dann mach was mit der Inspiration und wenn nicht, dann nicht. Ich beantworte meine Fragen, oder nicht? Ich versuche nicht, die Anleitungen zu geben. Ich glaube, dass Fragen mehr bringen als Anleitungen. Und das ist meine persönliche Harmonie. Ich gehe ganz bewusst zu Entscheidungen und in Richtungen, die zu meinen eigenen Werten passen.

    Ich glaube, da hinter uns kommt eine Familie. Man hört sie schon wundervoll. Und wir gehen jetzt mal hier weiter den Berg runter, dann wird es wahrscheinlich nicht so laut. Genau, aber das ist mein Grund gewesen, der Hauptgrund für meine Burnouts war diese Disharmonie zwischen dem, was die Wirtschaft, die Firma, die Abteilung, der Chef, die Chefin, wer auch immer von mir verlangt hat oder ich gedacht habe, dass sie von mir verlangen.

    Das ist ja nochmal eine ganz andere Geschichte. Also die Erwartungen, die ich gespürt habe. Und dem, was ich eigentlich wollte. Ja, für mich bedeutet das jetzt ganz bewusst, Entscheidungen zu treffen für mein Leben. Und auch einige Dinge, die viele Leute eben denken, die klüger wären, nicht zu machen.

    Ja, vielleicht inspiriert dich das ein bisschen. Untersucht wurde das auch. Das schreibt… der Autor in dem positiven Produktivitätsbuch, wie gesagt, du findest das in den Shownotes und da findest du auch diese Studien. Da wird nämlich untersucht, wann man am… am besten zum Beispiel einen sehr, sehr langen Wanderweg laufen kann.

    Das ist der in Amerika, den sie da untersucht haben, die Leute. Aber stell dir das wie den Jakobsweg vor. Das heißt, du gehst den Jakobsweg und irgendwann, selbst wenn du noch so intrinsisch motiviert bist, lässt die Motivation nach. Wenn du da Wochen und Monate lang unterwegs bist, irgendwann wird es schwierig.

    Und dann… greift man doch zurück auf eine extrinsische, eine externe, eine von außen kommende Motivation. Will ich jemandem gefallen oder erwartet jemand von mir, dass ich diesen Weg laufe? Oder gibt es da Werte, die von außen kommen, die aber zu meinen eigenen passen? Und da hat man herausgefunden, dass dann, wenn du nach den Werten von außen handelst, die auch zu deinen inneren Werten passen, dass du dann weiterlaufen kannst, dass du dann mehr Kraft hast und auch schwierige Phasen überwinden kannst, wenn interne und externe Motivationen zusammenpassen.

    Und das finde ich schön, das scheint in dem Bereich nicht allzu viel an Untersuchungen zu geben, zumindest habe ich nicht allzu viel mehr gefunden, aber in dem Buch wird diese eine beschrieben und die passt unglaublich eben zu dem, was ich erlebt habe. Die externe Motivation, die mir auferlegt wurde, die ich erfahren habe, dass sie mir auferlegt wurde, die hat einfach nicht zu meiner internen Motivation gepasst.

    Und das hat unglaublich viel Disharmonie gegeben, unglaublich viel Reibung, unglaublich viele Reibungsverluste. Und diese Reibungsverluste, die haben mich ausgebrannt. Zusammen mit viel Arbeit und weniger Pausen als ich gebraucht hätte. Aber der Hauptgrund war diese Reibung, diese Reibung zwischen dem Außen und dem Innen.

    Ja, das ist soweit zu unserem kleinen Info- und Wissensteil heute. Ich hoffe, du hast immer noch Bock, weiter zuzuhören, denn jetzt kommt meine Frage an dich und wir laufen den Berg wieder ein bisschen hoch. Genau, also gestern habe ich dich ja gefragt, was wäre dir wichtig, was würdest du gerne machen in deinem Leben, wenn du noch 365 Tage zu leben hast?

    Was würdest du vielleicht auch nicht tun? Und heute kriegst du die Aufgabe noch etwas konkreter. Nämlich was würdest du tun, wenn du noch genau einen Tag zu leben hast? 24 Stunden. Wie würdest du die füllen? Was würdest du machen? Was wäre dir wichtig? Mit wem willst du sie verbringen? Und ja, was ist so die Essenz, die du an diesem Tag mitnehmen willst, wenn du nur noch einen einzigen Tag hättest, den du füllen kannst?

    Das ist die Frage für heute. Und falls du nochmal ein bisschen über dieses Konzept des Memento Mori hören möchtest, auf das diese Fragen basieren und gestern und heute, dann kannst du dir gerne unseren kleinen Philosophie-Spaziergang vom Sonntag noch mal anhören. Und jetzt müssen wir uns sputen, da hinten, das sieht total cool aus, da fällt so der Regen vom Himmel. Ich bin hier auf so einer kleinen Bergkuppe und ich kann hier über die Landschaft schauen und vielleicht siehst du es auch gerade, da hinten so wie aus den Wolken Schlieren fallen, das ist der Regen.

    Und weil ich weiß, hier im Westerwald, wie schnell der rüberzieht, mache ich mich jetzt ganz schnell auf den Weg nach Hause. Ich hoffe, du bist morgen wieder dabei. Ich freue mich auf dich, auf unseren nächsten kleinen gemeinsamen Spaziergang. Und ja, je nachdem, wo du wohnst, mach dich auch schnell nach Hause. Bis bald. Ciao.

    Kleiner Nachtrag. Wir müssen jetzt wirklich rennen. Ich werde jetzt richtig nass hier. Ich hoffe du nicht, mach es gut.

    Literatur:

    Ali Abdaal (2023). Feel-Good Productivity: Produktiv sein ohne Stress – und mehr vom Leben haben. Penguin Verlag.

    Sheldon, K. M. (2020). Going the distance on the Pacific Crest Trail: The vital role of identified motivation. Motivation Science, 6(2), 177–181.

    Disclaimer:

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    Alle hier formulierten Aussagen sind wissenschaftlich recherchiert. Die entsprechenden Referenzen und Quellen findest du im Anhang der Show Notes zu dieser Folge.

    Ich übernehme keine Verantwortung für die Richtigkeit der wissenschaftlichen Aussagen oder deren Anwendung. Die Inhalte dieses Podcasts sind nicht als Anleitung zu verstehen, etwas Bestimmtes zu tun, sondern dienen rein der Inspiration und Anregung zum Nachdenken.

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    14 min
  • Fisch. Konzentration durch ausgequetschte Fische?

    Spaziergang 9: Fisch. Konzentration durch ausgequetschte Fische?

    Hallo und herzlich willkommen zu unserem neunten gemeinsamen Spaziergang hier im Westerwald. Vielleicht kannst du es noch ein bisschen hören, da hinten raschelt ein Eichhörnchen. Ich bin mal hier stehen geblieben und da hinten läuft es. Es ist echt goldig. Schön, dass du dabei bist.
    Heute geht es allerdings nicht um Eichhörnchen. Sondern um Fische. Ja, es geht um Fische und zwar nicht mal um lebende Fische, sondern tatsächlich um, naja wie soll ich das nett ausdrücken, um tote Fische. Und es geht nicht mal um die Fische selber, sondern es geht um das Öl, was die Fische beinhalten. Das ist nämlich etwas ganz Besonderes wenn es sich um Seefische handelt.
    Und was hat das jetzt mit dir zu tun, ausgequetschte Seefische? Das hat damit zu tun dass man festgestellt hat, dass dieses Öl das beinhaltet sehr viel Omega-3, zumindest wenn es wirkliche Seefische und nicht Aquakulturfische sind, und das nehmen die auf, indem sie kleine Algen fressen oder sie fressen Fische, die kleine Algen fressen. Und dieses ganz spezielle Omega-3, das ist ein wichtiger Faktor für unsere eigene Gesundheit.
    Es ist immer noch die Frage, warum erzähle ich dir davon, wenn es doch eigentlich darum geht, wie man sich besser konzentriert oder besser mit Menschen auskommt, produktiver ist. Na gut, auch gesünder ist. Da passt es ja schon was besser. Aber tatsächlich möchte ich dich ja inspirieren und was ich so interessant finde an den ganzen Omega-3-Themen, ist, dass man in wissenschaftlichen Studien herausgefunden hat, und du findest die Studien wie immer unten in den Shownotes, dass es dafür sorgen kann, dass man sich besser konzentrieren kann.
    Ist ja auch nicht so verrückt, wir haben ziemlich viel Omega-3 in den Wänden unserer Zellen und auch in den Wänden unserer Nervenzellen. Und da gibt es verschiedene Aspekte, damit will ich dich jetzt gar nicht langweilen, wie das funktioniert. Einer davon ist übrigens, und das hat man auch relativ gut nachgewiesen muss ich sagen, da ist eine höhere Omega-3-Spiegel, zumindest von einem der Omega-3-Öle, da gibt es auch wieder mehrere, aber das kannst du dir in den Studien genauer durchlesen wenn du möchtest.
    Dass diese Öle dafür sorgen, dass man im Körper weniger Entzündungen hat. Vor allem solche Entzündungen, die man gar nicht so genau sieht. Die, die irgendwo schleichend in den Zellen sind. Und jetzt kommt das Coole, dass man eine ganze Menge Probleme, so im Bereich Kognition, Depression und andere, Stück für Stück immer mehr in diese kleinen versteckten Entzündungen koppeln kann.
    Und da sind wir wieder. Genau. Da sind wir an der Stelle, wo ich hoffe, dich inspirieren zu können, dass es nämlich mehr gibt, als nur da zu sitzen und zu versuchen, sich so unglaublich hart zu konzentrieren oder sich was zu merken, sondern dass da unglaublich viel bei beteiligt ist. Und eines dieser Dinge, die daran beteiligt sind, ist eben dieses Omega-3.
    Das heißt, du brauchst übrigens keinen Fisch zu mögen, denn das gibt es auch als Kapseln. Dieses Omega-3 scheint nach der Studienlage uns Menschen zu helfen, mehr Konzentration zu haben. Andere Studien haben ergeben, dass man etwas weniger Depressionen hat. Jetzt hoffe ich, du hast keine Depression. Du weißt ja, das ist keine Psychotherapie. Aber vielleicht kennst du jemanden. Also da ist die Studienlage auch ganz gut mit Metastudien. Aber wie immer, es ist nicht perfekt, es gibt nicht die perfekte Studie und trotzdem sind die Ergebnisse, finde ich, echt interessant.
    Also es gibt zum Beispiel eine, die aussagt, dass man weniger aggressiv ist, wenn der Omega-3-Spiegel hoch genug ist. Also man hat den Leuten Omega-3 gegeben in einer bestimmten Form und dann hat man festgestellt dass sie weniger aggressiv sind. Finde ich eigentlich ganz praktisch. Und so gibt es eben noch eine ganze Menge Sachen im Bereich Konzentration im Bereich mentale Gesundheit, wo es einiges an Evidenz gibt, dass Omega-3 vorteilhaft ist.
    Und weißt du, was ich das Coolste finde daran? Dass es mir, ich ohne schlechtes Gewissen darüber rede, dass ich keine Studie gefunden habe, was nicht heißt, dass sie nicht existiert aber ich habe keine gefunden, in der ich ausgesagt wurde omega-3 ist ungesund. Insofern finde ich das okay jetzt hier mal darüber zu reden. Mal schauen wozu es dich inspiriert. Insofern gibt es bestimmt Fischliebhaber hier und solche die es nicht sind und es vielleicht seltener essen und was vielleicht auch interessant zu wissen ist ist dass in den ganzen landbasierten Produkten egal ob Pflanzen oder Tiere, hier mit Ausnahme von Leinsamen ziemlich wenig Omega-3 drin ist, beziehungsweise im Grunde fast gar keins.
    Also alles, was wir hier so an Dingen zu uns nehmen, die auf dem Land angebaut sind, da gibt es das fast nicht. So, das wäre mein Wissensteil des Tages über Omega-3, über dieses aus Fischen herausgeholte Öl. Das anscheinend uns Menschen gut tut. Zusammengefasst kann man sagen, es tut uns gut. Aber wie gesagt, schau dir selber die wissenschaftlichen Studien an.
    Das ist ja immer etwas differenzierter, das Bild. Manche sind etwas besser gemacht, manche etwas schlechter. Aber selbst die Europäische Union gibt mittlerweile an, dass es einige positive Effekte hat, Omega-3-Öl. Deshalb, wie gesagt, habe ich jetzt kein Problem, darüber zu reden.
    So, nach meiner kleinen Gesundheitskognitionsinspiration, was es so in der Wissenschaft alles gibt, kommt meine Frage des Tages an dich. Wenn du dir jetzt vorstellst, dass du nur noch ein Jahr zu leben hättest, vielleicht hast du meine Folge vom Sonntag geguckt. Gehört Du warst mit mir hier unterwegs am Sonntag. Da ging es ja um das Thema. Uns bewusst zu sein, dir bewusst, mir bewusst, dass wir nicht ewig leben. Und jetzt meine Frage an dich heute.
    Wenn du nur noch ein Jahr zu leben hättest, 365 Tage, was wäre dir dann wichtig? Was würdest du dann machen? Was würdest du vielleicht auch nicht machen? Was von deinem Leben würdest du weitermachen? Was würdest du ändern? Was ist dir wichtig, wenn du dir vorstellst dass du noch 365 Tage zu leben hast?
    Und mit dieser etwas morbiden Frage im Sinne des Memento Mori vom Sonntag wünsche ich dir einen wunderschönen Tag. Ich hoffe, du hast unseren gemeinsamen Spaziergang genauso genossen wie ich hier durch diesen grünen unglaublich grünen Westerwald. Und ich freue mich sehr, dich morgen wieder bei mir zu haben. Mach's gut!

    Literatur:

    Europäische Union. (2012). Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16. Mai 2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel mit Ausnahme von Angaben über die Reduzierung eines Krankheitsrisikos sowie die Entwicklung und Gesundheit von Kindern. Amtsblatt der Europäischen Union, L 136, 1–40. https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:02012R0432-20140513

    Amarin Pharma Inc. (2022). A Study of AMR101 to Evaluate Its Ability to Reduce Cardiovascular Events in High-Risk Patients With Hypertriglyceridemia and on Statin (REDUCE-IT) (NCT01492361). clinicaltrials.gov.

    BfR. (2023, November 16). Präparate mit Omega-3-Fettsäuren können bei Herzpatienten das Risiko für Vorhofflimmern erhöhen (Mitteilung 57/2023). Bundesinstitut für Risikobewertung.   

    Calder, P. C. (2012). Long Chain Fatty Acids and Inflammation. Progress in Lipid Research, 51(4), 325–351. doi:10.1016/j.plipres.2012.02.004.    

    Grosso, G. et al. (2014). Omega-3 fatty acid supplementation and depression: A meta-analysis. University of Munich.   

    He, S. Y. et al. (2024). Differential Cardiovascular Impact of ω-3 Fatty Acid in Patients at High Cardiovascular Risk in Asians versus non-Asians: Sub-analysis of the STRENGTH Randomized Clinical Trial. Circulation, 150(Suppl_1).   

    O’Keefe, J. H. et al. (2018). Omega-3 Fatty Acids and Cardiovascular Disease. Mayo Clinic Proceedings, 93(6), 725-745.   

    Pagnin, D. et al. (2018). Omega-3 fatty acids and inflammation: a narrative review. International Journal of Molecular Sciences, 19(2), 594.   

    Xin, T. et al. (2022). Efficacy of the omega-3 fatty acids supplementation on inflammatory biomarkers: An umbrella meta-analysis. International Immunopharmacology, 111, 109104. doi:10.1016/j.intimp.2022.109104.   

    Zaher, A. et al. (2019). Omega-3 und stille Entzündungen. ResearchGate.

    Appleton, K. M., Voyias, P. D., Sallis, H. M., Dawson, S., Ness, A. R., Churchill, R., & Perry, R. (2021). Omega-3 fatty acids for depression in adults. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2021(11). doi:10.1002/14651858.CD004692.pub5

    Chen, J. P.-C., Wu, S.-K., Hsieh, K.-J., Ma, I. A., Lee, W.-C., Chou, C.-H.,… & Chien, W.-C. (2024). The Efficacy of Omega-3 Fatty Acids as the Monotherapy for Depression: A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Pilot Study. Nutrients, 16(21), 3688. doi:10.3390/nu16213688

    Luo, X., Zhang, X., Li, X., Wu, X., Song, S., Zhang, J.,… & Tang, S. (2022). Efficacy and safety of n-3 fatty acids supplementation on depression: a systematic review and dose-response meta-analysis of randomised controlled trials. British Journal of Nutrition, 128(1), 16–29. doi:10.1017/S000711452200236X

    Sanosi, A. A. (2025). The impact of omega-3 supplements on the cognitive function in Alzheimer's patients: A systematic review and meta-analysis. Insights-Journal of Health and Rehabilitation, 3(3).

    Stonehouse, W., Conlon, C. A., Podd, J., Hill, S. R., Minihane, A. M., Haskell, C., & Kennedy, D. (2013). DHA supplementation improved both memory and reaction time in healthy young adults: A randomized controlled trial. The American Journal of Clinical Nutrition, 97(5), 1134–1143. doi:10.3945/ajcn.112.052684

    Yang, R., Wang, L., Jin, K., Cao, S., Wu, C., Guo, J.,… & Tang, M. (2022). Omega-3 polyunsaturated fatty acids supplementation alleviate anxiety rather than depressive symptoms among first-diagnosed, drug-naïve major depressive disorder patients: A randomized clinical trial. Frontiers in Nutrition, 9, 876152. doi:10.3389/fnut.2022.876152

    Raine, A., & Brodrick, L. (2024). Omega-3 supplementation reduces aggressive behavior: A meta-analytic review of randomized controlled trials. Aggression and Violent Behavior. https://doi.org/10.1016/j.avb.2024.101956

    Disclaimer:

    Dieser Podcast ist ein virtueller Spaziergang und dient ausschließlich der Information und Inspiration. Die Inhalte stellen keine Psychotherapie, kein Coaching und keine professionelle Beratung dar und ersetzen diese auch nicht.

    Alle hier formulierten Aussagen sind wissenschaftlich recherchiert. Die entsprechenden Referenzen und Quellen findest du im Anhang der Show Notes zu dieser Folge.

    Ich übernehme keine Verantwortung für die Richtigkeit der wissenschaftlichen Aussagen oder deren Anwendung. Die Inhalte dieses Podcasts sind nicht als Anleitung zu verstehen, etwas Bestimmtes zu tun, sondern dienen rein der Inspiration und Anregung zum Nachdenken.

    Bei gesundheitlichen oder psychischen Problemen wende dich bitte an entsprechende Fachkräfte oder Beratungsstellen.

    9 min
  • Kleine Änderung. Große Wirkung?

    Spaziergang 8. Kleine Änderung. Große Wirkung?

    Hallo und herzlich willkommen zu unserem gemeinsamen achten Spaziergang. Schön, dass du wieder da bist. Heute gibt es von mir erstmal eine kleine Einsicht, nämlich dass, egal wie viele Fach- und Sachbücher ich immer so gerne verschlinge, man immer wieder aufpassen muss, ob das auch wirklich eine wissenschaftliche Studie ist, über die da geschrieben wird, oder ob das nur die Conclusion des Autors ist.
    Und man auch immer aufpassen sollte, wie gut die Evidenz der Studie ist. Ich habe nämlich in den letzten Tagen ganz viel gesucht und rausgesucht und dabei festgestellt, dass das eine oder andere gar keine wissenschaftliche Studie ist, über das geschrieben wird, sondern einfach ein Erfahrungswert. Und viele wissenschaftliche Studien leider gar nicht so gut belegt sind oder…
    Manche, über die berichtet wird, sind schon wieder veraltet oder haben gegenteilige Meinungen. Du weißt ja, ich versuche dir das hier immer möglichst transparent darzustellen. Und deshalb heute mal ganz bewusst ein Thema, das ich total cool finde, nämlich das Nudging. Das für mich im Leben schon ganz viel verändert hat, obwohl die Sache…
    Die eigentlich so am coolsten klingt übers Nudging, gar keine wissenschaftliche Studie war. Ich erzähle sie dir trotzdem. Nudging heißt ja, dass man Dinge in der Umwelt verändert, sodass sie im Endeffekt eine Auswirkung auf das Leben haben. Ganz praktisch pragmatisch. Ob ich jetzt den Zucker in der Nähe von meinem Müsli stehen habe oder eher die Nüsse und dann vielleicht eher zu meinen Nüssen greife morgens statt zum Zucker.
    Solche Kleinigkeiten oder ja, alles, was man so am Schreibtisch vielleicht einfacher oder mehr convenient machen kann, damit man es eher benutzt, während man andere Sachen nicht tut oder wie man sich eben den Spaziergang etwas mehr convenient macht, damit man überhaupt mal spazieren geht. Da gibt es ja ganz viel, was man so kleine Dinge in der Umwelt ändern kann.
    Und die vielleicht bekannteste Story daraus, und ich liebe sie vielleicht auch, weil ich so viel Zeit in den Niederlanden verbracht habe, und ich mag das Wort Schiphol so sehr. Also am Flughafen von Amsterdam, der heißt tatsächlich Schiphol, hat man einen, ja, hat man was ausprobiert, so muss man es sagen.
    Weil wie gesagt, es war keine wissenschaftliche Studie. Und trotzdem hatte es ein phänomenales Ergebnis. Und das ist ein ganz viel wissenschaftlicher, vor allem populärwissenschaftlicher Literatur zitiert worden. Man hat nämlich auf die Urinale der Männer innen drin eine kleine Plastiksticker mit einer Fliege geklebt.
    Einfach nur das. Kostet ein paar Cent, wird schnell mal reingeklebt und was ist das Ergebnis? Die Herren der Schöpfung haben anscheinend massenweise auf die Fliege gezielt und plötzlich nicht mehr so viel gespritzt. Kleine Veränderung, eigentlich gar nichts Besonderes, mit zumindest nach Meinung der Mitarbeiter von Schiphol, die die Bereiche sauber machen mussten, großer Wirkung.
    Ich finde das total cool, abgesehen davon, dass ich hier immer wieder dieses wunderschöne Wort Schiphol sagen kann, dass eben diese kleine, klitzeklitzekleine Veränderung diese Wirkung hat da. Und mich, wie gesagt, inspiriert das immer wieder dazu, kleine Veränderungen bei mir im Leben zu versuchen zu machen.
    Unter anderem zum Beispiel, dass mein Podcast-Zeug sehr gut zugänglich liegt, direkt mitten auf meinem Schreibtisch. Und wenn ich rausgehe, dann nehme ich das gleich mit in die Hand. Und wenn ich Lust habe und Spaß daran habe, dann nehme ich dich mit. Und freue mich darüber, dass du hier bist. Genau, vielleicht inspiriere ich dich damit, etwas zu tun und vielleicht auch nicht, kommt immer darauf an, wozu du Lust hast.
    So, dann kommt jetzt hier die heutige Frage an dich und die hat natürlich wieder mit dem zu tun, was ich dir vorher erzählt habe, dem Nudging. Das heißt, die Frage ist jetzt, wo in deinem Leben, wann, wie? Hast du mal eine Kleinigkeit verändert, die einen riesigen Change verursacht hat? Vielleicht hilft dir das Nachdenken darüber, auch an anderen Stellen Dinge für dein Leben zu tun, die du gerne möchtest.
    Also, wann und wie und wo hat ein ganz kleiner Change, vielleicht einfach nur ein Buch ins Bad zu legen, sodass man dieses Buch liest, statt auf dem Handy zu spielen, wenn man auf der Toilette sitzt, oder ähnliches, um mal auf das Schiphol-Beispiel zurückzukommen.
    Oder irgendwas anderes, irgendeine Kleinigkeit, irgendwas, was du an deinem Schreibtisch verändert hast, was du in deiner Küche verändert hast, egal wo im Leben. Wann, wie und wo hat eine kleine Änderung, die du bewusst herbeigeführt hast, zu einem großen Change geführt in deinem Leben? Damit verabschiede ich mich wieder von dir und wünsche dir noch einen wunderschönen Spaziergang.
    Ich gehe jetzt hier weiter, heute mal ohne Paulchen. Ihr habt vielleicht schon gemerkt, es raschelt viel weniger. Der war heute müde, der war schon lange mit mir aus. Der ist mal zu Hause geblieben, dafür hört man jetzt ein paar Vögel hier. Und die Sonne scheint herrlich. Ich hoffe, du hast einen genauso schönen Spaziergang wie ich und ich freue mich, dich morgen wieder beim Spazierengehen dabei zu haben. Tschüss.

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    6 min
  • Memento Mori. Bessere Entscheidungen?

    Spaziergang 7: Memento Mori. Bessere Entscheidungen?

    Hallo und herzlich willkommen auf unserem bereits siebten Spaziergang zusammen im Westerwald. Wir sind hier unterwegs und vor uns laufen tatsächlich ein paar Rehe. Da ist eine Mama Reh und noch, ich glaube, zwei Kleine. Wir müssen also ganz leise sein. Mal gucken, wie leise Pauli ist. Ich weiß nicht, ob der sie schon entdeckt hat.

    Na, wir gucken mal, dass wir sie nicht stören. Also, und genau so gemütlich soll es hier jetzt auch weitergehen. Es ist Sonntag, es ist hier bei mir schon Sonntagabend und ich freue mich sehr, dass du hier seit einer Woche mit mir spazieren gehst. Normalerweise gibt es hier an dieser Stelle ja einen Wissensteil und ich habe mir überlegt, heute Abend gibt es keinen Wissensteil, sondern einen kleinen Philosophieteil. Und ja, wenn dir das gefällt, können wir das gerne jeden Sonntag machen, so ein bisschen philosophieren gemeinsam hier im Wald auf unserem Spaziergang.
    Und heute soll es mal starten mit einem Ausspruch und zwar der heißt Memento Mori. Und angeblich hat den Marc Aurel gesagt. Marc Aurel war ein römischer Kaiser und Philosoph. Man nennt diese Philosophie-Richtung die Stoiker. Und ich bin unglaublich begeistert von vielen Sachen der Stoiker. Also die werden hier in dem Philosophie-Teil, wenn wir das jetzt sonntags zusammen machen, bestimmt öfter zurückkommen.
    Memento Mori heißt: erinnere dich, dass du sterblich bist, also erinnere dich daran, dass du sterben wirst. Der Ausspruch selber, wie gesagt, hat Marc Aurel so nicht aufgeschrieben zumindest, der kommt noch von einer Zeit vor ihm aus der römischen Geschichte, aber er hat diese Idee sehr oft in seinen Büchern beschrieben. Und was will er damit sagen?
    Er will damit sagen, dass in dem Moment, dass wir uns unseres Todes bewusst werden, wir anfangen, anders über das Leben nachzudenken, wir andere Entscheidungen im Leben treffen, wir bewusster sind dessen, dass wir nicht ewig Zeit haben, dass wir irgendwann eben keine Entscheidung mehr treffen können.
    Irgendwann sind wir vielleicht krank, irgendwann sind wir mit Sicherheit tot. Und dann ist diese Zeit, in der wir unsere eigenen Entscheidungen treffen können, vorbei. Und umso bewusster wir uns sind, desto bewusster können wir im Hier und Jetzt Entscheidungen treffen. Wenn wir es denn zulassen, wenn wir diesen Gedanken zulassen, dass wir irgendwann mal keine Entscheidung mehr treffen können.
    Ich selber bin ja gerade in einer Zeit, wo ich sehr viele Entscheidungen für mein Leben treffe. Treffen muss teilweise, aber auch treffen will. Einer davon ist hier mit dir spazieren zu gehen, nämlich dass ich mich entschieden habe, hier diesen Podcast zu machen und ich muss sagen, ich bin sehr, sehr glücklich damit.
    Und ich bin jetzt 41, das heißt ich habe wahrscheinlich noch 40 gesunde Jahre, vielleicht ein bisschen mehr. Es gibt ja auch Leute, die werden 90 und sind noch fit. Dann sind es 50 Jahre und das ist aber nicht mehr ewig. Und ich möchte ganz bewusst mein Leben leben und möchte ganz bewusst Entscheidungen für mich treffen.
    Paulchen hat einen Stock, mal gucken, ob du ihn hörst. Ich hoffe nicht zu laut. Ich möchte bewusst Entscheidungen für mich treffen, für mein Leben, so wie sie für mich passen. Und das ist etwas, was mich diese Idee von Memento Mori einfach klar gemacht hat.
    Für mich brauchen Entscheidungen nicht unbedingt gesellschaftskonform oder sicher zu sein, da ist ja jeder ein bisschen anders, aber sie müssen die sein, die zu mir passen. Und genau diese Entscheidung nehme ich gerade, auch wenn es sich manchmal ein bisschen mulmig anfühlt oder ich darüber nachdenke, ist die sichere Variante doch die bessere?
    Oder was werden denn vielleicht die Leute sagen? Und dann denke ich wieder daran, dass es mein Leben ist und dass es nicht immer – nicht unendlich ist, sondern jeden Tag, den ich lebe, ich bewusst leben darf. Und das ist das Schöne daran. Deshalb mag ich diesen Gedanken von Marc Aurel so gerne. Insofern hoffe ich, dass ich dich damit ein wenig inspirieren kann, vielleicht auch ein bisschen für die Stoiker begeistern kann.
    Sehr viele interessante Dinge geschrieben haben, gerade für Menschen, die so im Büroleben sind, im Business sind und häufig Entscheidungen treffen müssen oder häufig darüber nachdenken dürfen, was sie denn eigentlich wollen. Jetzt ist Paulchen noch bei den Blättern, jetzt hörst du ihn ein bisschen kruscheln, wir gehen mal weiter.
    Genau und deshalb meine Frage an dich heute: Wann hast du denn zum letzten Mal eine Entscheidung getroffen, wo du so richtig gemerkt hast, das ist eine Entscheidung für mich und für mein Leben? Wann hast du eine Entscheidung getroffen, die vielleicht nicht der sicherste Weg war, der vielleicht nicht der gesellschaftlich konformste Weg war oder der, den alle von dir erwarten?
    Wann hast du das gemacht, was sich für dich einfach nur richtig anfühlt? Vielleicht weil du dir bewusst warst, dass dein Leben nicht mehr unendlich ist. Wie hat sich das für dich angefühlt? Was war das in dem Moment? Was war in deinem Kopf? Aber auch, was hast du in deinem Körper gespürt? Wo hast du diese Entscheidung gespürt?
    War das ein angenehmes Gefühl oder war es vielleicht auch ein bisschen ein schwieriges Gefühl? Hat es irgendwo gekribbelt? Ist es warm geworden? Bist du vielleicht in die Luft gesprungen? Ja, schau einfach mal, was da bei dir war, als du eine Entscheidung getroffen hast, wirklich komplett nur für dich, die für dich und dein Leben gepasst hat.
    Und damit hoffe ich, dass ich dich morgen hier wieder dabei habe mit Paulchen und mir im Westerwald. Dann wahrscheinlich ohne Rehe, die sind jetzt auch schon weggelaufen, also wir können jetzt wieder runterlaufen den Weg. Da kruschelt es auch etwas weniger. Also bitte entschuldige, dass es heute so viel gekruschelt hat hier im Mikrofon.
    Paulchen war bei vielen Blättern, weil wir eben den Rehen nicht zu nahe kommen wollten. Die dürfen hier so im leicht schummrigen Wald natürlich ungestört weiterlaufen. Dann würde ich sagen, bis morgen. Ich freue mich auf dich. Tschüss.

    Disclaimer:

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    7 min

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