Das, was in Frankreich zuletzt abging, ist kein Protest mehr gegen soziale Ungleichheiten oder marode Klassenzimmer. Bürgerlichen Protest zeichnet eine Zielgerichtetheit aus, und selbst die für Frankreich obligatorische linke Randale am Rande des Protests folgte meist gewissen Regeln, war sozusagen elementarer Bestandteil in der "Gesellschaft des Spektakels" (Guy Debord). Zerstörungsorgien, Plünderungen und Gewalt gegen alles und jeden, angefacht von linken Bürgerkindern und ausgeführt von Vorstadtjugendlichen, folgen nicht dieser Logik, sie sind eine Kampfansage an die Republik, an all das, was die französische Revolution, die Werte der Aufklärung, schlicht den Citoyen ausmachen.
Kolja Zydatiss und ich sprechen über die französische Idee des Bürgers, über staatliche Aufstiegsversprechen, Proteste in Frankreich und vor allem über die Gewalt der Bruderhorden aus den Banlieues, die von der akademischen Linken verklärt und von linken Agitatoren wie Jean-Luc Mélenchon als Drohkulisse benutzt wird, obwohl diese Jugendlichen alles, aber nicht links sind und sich eigentlich wie die skrupellosesten Kapitalisten benehmen.
Das erwähnte Interview:
https://www.novo-argumente.com/artikel/der_westen_befindet_sich_genau_in_der_gefahrenzone
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