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Der Streit zwischen Donald Trump und Papst Leo XIV. eskaliert: harte Angriffe aus Washington, versöhnliche Töne aus Rom – und US-Vizepräsident J. D. Vance versucht zu schlichten. Was steckt hinter dem Konflikt? Und warum könnte er politisch noch Folgen haben? Wir sprechen mit dem FAZ-Korrespondenten in Rom, Matthias Rüb, und FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube.
Mitarbeit: Quentin Pehlke
Der Streit zwischen Donald Trump und Papst Leo XIV. sorgt international für Aufsehen. Während der US-Präsident das Oberhaupt der katholischen Kirche öffentlich angreift, bemüht sich der Vatikan inzwischen um Deeskalation. Auch US-Vizepräsident J. D. Vance hat seinen Ton zuletzt deutlich verändert.
Auslöser des Konflikts waren Friedensappelle des Papstes, die während seiner Afrika-Reise als indirekte Kritik an der US-Politik – insbesondere im Iran-Konflikt – verstanden wurden. Der Papst sei „schrecklich“ in Bezug auf Außenpolitik und „schwach“ im Umgang mit Kriminalität, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social.
Inzwischen versucht der Vatikan, die Situation zu entschärfen. Papst Leo XIV. stellte klar, dass seine Aussage „Tyrannen, die die Welt zerstören“ nicht gezielt auf Trump gemünzt gewesen sei, sondern allgemeine Friedensbotschaften darstellen. Vieles sei „hineininterpretiert“ worden.
Auch Vizepräsident J. D. Vance, der den Papst zunächst noch kritisiert hatte, schlägt nun versöhnlichere Töne an. Er dankte dem Papst für dessen Klarstellung und betonte, die Trump-Regierung setze sich ebenfalls für moralische Prinzipien ein.
Weltmacht gegen Weltkirche
Der Papst hat seinen Sieg verspielt
Der Papst und eine „Handvoll Tyrannen“
Für den FAZ-Korrespondenten in Rom, Matthias Rüb, zeigt der Streit dennoch eine klare Dynamik: Papst Leo XIV., der ursprünglich vor allem auf Beruhigung und Versöhnung innerhalb der katholischen Kirche gesetzt hatte, ist durch die Auseinandersetzung mit Washington aus diesem Kurs herausgedrängt worden. Seine eigentlich auf Ausgleich ausgerichtete Amtsführung – sowohl innerhalb der Kirche als auch im politisch gespaltenen US-Katholizismus – gerate dadurch in eine konflikthafte Dynamik, die er selbst so nicht angestoßen habe.
Im Zentrum der Debatte steht dabei eine theologisch anspruchsvolle Frage, insbesondere im Rückgriff auf den heiligen Augustinus. US-Vizepräsident J. D. Vance habe dessen Begriff der ordo amoris – der Ordnung der Liebe – populärpolitisch zugespitzt interpretiert: Man habe demnach zuerst für Familie, dann für das eigene Land und erst danach für die Welt Verantwortung zu tragen. Diese verkürzte Lesart, so Rüb, werde jedoch sowohl der augustinischen Tradition als auch dem neutestamentlichen Verständnis von Nächstenliebe nicht gerecht.
Besonders brisant ist der Streit also aus politischer Sicht. Millionen katholischer Wähler in den USA hatten Trump zuletzt unterstützt, ihm zum Wahlsieg verholfen. Nun stellt sich ein großer Teil der Kirche demonstrativ hinter den Papst. Beobachter sehen darin ein mögliches Risiko für die Republikaner – gerade mit Blick auf die kommenden Midterm-Elections.
Der Konflikt zwischen Trump und Papst Leo XIV. ist damit mehr als ein persönlicher Schlagabtausch. Er berührt grundlegende Fragen: die Rolle von Religion in der Politik, den Umgang mit Krieg und Migration – und die Frage, wer in globalen Krisen moralische Autorität beanspruchen kann. Darüber sprechen wir mit FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube.
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