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Die digitale Transformation des Gesundheitswesens ist in der Prioritätenliste des Bundesgesundheitsministeriums wieder oben angekommen. Das stellt Professor Jörg F. Debatin, ehemals Chairman im Health Innovation Hub des BMG, im „ÄrzteTag“-Podcast mit Befriedigung fest. Die Übergabe des Staffelstabes in dieser Sache habe nach dem Regierungswechsel zwar relativ lange gedauert, aber jetzt gehe es „in die richtige Richtung“. Es werde überall „ein bisschen gedreht“. Debatin begrüßt besonders das Commitment für die Digitalen Gesundheitsanwendungen, zur Opt-out-Patientenakte und auch zum E-Rezept mit der klaren Ansage zum Start am 1. Januar 2024.
Im Gespräch geht Debatin auch darauf ein, wo die Ampel in den Gesetzentwürfen bislang zu kurz springt und zu unpräzise bleibt, zum Beispiel bei der Umsetzung der Bezahlung von Telemedizin ohne die Grenze des Umsatzanteils in Höhe von 30 Prozent oder beim geplanten Forschungsdatenzentrum aus dem Gesundheitsdatennutzungsgesetz.
Sorgen bereitet dem Arzt und Ex-Klinikmanager noch die Gestaltung und die Umsetzung der elektronischen Patientenakte (ePA). Zwar sei eine möglichst wenig aufwändige Übertragung von Patientendaten in die ePA technisch „keine Rocket Science“, so Debatin. Dennoch sei der Aufwand, Daten aktiv in die ePA zu übertragen, auch wenn sie gar nicht benötigt werden, zu hoch, glaubt er.
Wie Debatin sich eine alternative Akte „on demand“ im Vergleich zu einer ePA „auf Vorrat“ vorstellt und wie die Daten dezentral gespeichert bleiben und dennoch bei Bedarf im Zugriff für Ärztinnen und Ärzte sein könnten – das erläutert er im „ÄrzteTag“-Podcast. (Dauer: 29:57 Minuten)
Seit 2008 unterstützt der Verein peri Frauen aus dem muslimischen Kulturkreis, um sie vor Unterdrückung, Zwangsheirat, Gewalt und Ehrenmorden zu schützen. Im „ÄrzteTag“-Podcast schildert Cansu Tokmak, die eine Selbsthilfegruppe begleitet, mit welchen Hürden sie dabei zu kämpfen haben. Ärztin Dr. Gisela Gille steht dem Verein nahe und engagiert sich seit Jahrzehnten für die Sexualaufklärung an Schulen. Sie betont im Podcast: Patriarchale Rollenbilder basieren oft auf medizinischem Fehlwissen – etwa rund um das Thema Jungfräulichkeit.
Peri ist türkisch und bedeutet „gute Fee“. Gegründet wurde der Verein für Menschenrechte und Integration von der Publizistin und Menschenrechtsaktivistin Serap Cileli. Die Vision ist, dass jeder Mensch die freie Wahl seines Liebespartners und Lebensentwurfs hat.
Was eigentlich selbstverständlich klingt, ist in einigen traditionellen muslimischen Strukturen für viele Frauen – und auch Männer – unerreichbar. Das alles geschieht nahezu unsichtbar mitten in Deutschland. 2021 wurde peri für sein Engagement mit dem Springer Medizin Charity Award ausgezeichnet.
Cansu Tokmak ist eine der „guten Feen“ des Vereins. „Als Kind mit türkischem Migrationshintergrund habe ich selbst erlebt, dass ich im Vergleich zu meinem Bruder anders aufgewachsen bin, dass mir weniger Freiheiten gewährt wurden – und zwar nur wegen meines Geschlechts“, erzählt sie. „Dadurch fühlte ich mich in meiner deutschen Umgebung häufig isoliert.“
Seit 30 Jahren setzt sich die Lüneburger Ärztin Dr. Gisela Gille für die Gesundheitsförderung und Sexualaufklärung von Mädchen in Schulen ein. Immer wieder komme es vor, dass muslimische Mädchen nicht am Sexualkunde-Unterricht teilnehmen dürfen. Mit ihrer Arbeit will sie den Grundstein für ein mögliches Umdenken gelegt. „Das ist eine Sache von Generationen, das geht nicht so schnell. Aber gehört zu haben, was richtig ist und verstanden zu haben, wie sich Dinge verhalten, ist ein erster wichtiger Schritt zur Selbstbestimmung.“ (Dauer: 38:14 Minuten)
Ende Juni kommen die Gesundheitsminister aus Bund und Ländern wieder zusammen, um über die Krankenhausreform zu beraten: Welche Klinik-Level sind weiter sinnvoll? Wie lässt sich ein ungesteuertes Krankenhaussterben verhindern, bevor die Reform-Regeln greifen? Wie müssen die verschiedenen Leistungsgruppen definiert werden, um die Qualität in den Häusern zu verbessern?
Antworten auf diese Fragen gibt der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek im „ÄrzteTag“-Podcast. Auch spricht er über die Differenzen zwischen dem Freistaat und der Bundesregierung bei der Klinikreform und über den Zustand der Krankenhäuser in Bayern.
Holetschek warnt davor, bei der Reform die Probleme einer wohnortnahen Klinikversorgung in Flächenländern zu unterschätzen. Man könne die Probleme nicht nur von den Metropolen aus betrachten und lösen wollen.
Der Minister nimmt im Podcast auch Stellung dazu, warum die Krankenhäuser in Baden-Württemberg und Bayern im bundesweiten Vergleich im Durchschnitt eher schlecht dastehen und was der Aufbau von Level 1i-Häusern für niedergelassene Fachärzte bedeuten könnte.
Weite ländliche, dünn besiedelte Gebiete, aber auch große Ballungsräume, starke Provinz-Regierungen: Auch Kanada hat sich kurz nach der Jahrtausendwende aufgemacht, das Gesundheitswesen zu digitalisieren. Mit Canada Health Infoway wurde eine übergeordnete Non-Profit-Organisation geschaffen, die ähnlich wie die gematik in Deutschland die Digitalisierung koordiniert.
Deren Chef Michael Green ist zu Gast beim Hauptstadtkongress, eingeladen von Philips. Beim Panel zum Thema Datenschutz und Regulatorik im Internationalen Vergleich beschrieb er die Fortschritte, die sein Land seitdem gemacht hat bei E-Rezept, elektronischer Patientenakte und bei der Nutzung von Patientendaten für Forschungszwecke.
Im Podcast „ÄrzteTag vor Ort“ erläutert der CEO und Präsident in englischer Sprache, wie die Kanadier es geschafft haben, trotz des föderalen Systems und anderer Ähnlichkeiten mit Deutschland eine relativ weit entwickelte IT-Infrastruktur zu schaffen, der die kanadischen Patienten vertrauen, wie sie dabei Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes überwunden haben – und wie auch in Deutschland Hindernisse zu mehr Digitalisierung überwunden werden könnten.
Ein Krankenhaus klimaneutral zu gestalten ist sehr komplex, erinnert Professor Christian Schulz, Geschäftsführer der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG), beim Hauptstadtkongress 2023 in Berlin. Im „ÄrzteTag vor Ort“-Podcast führt Schulz einige Beispiele auf, was Kliniken bereits jetzt umsetzen können.
Und auch Arztpraxen können etwas für einen geringeren CO2-Fußabdruck unternehmen. Auch eine klimasensible Gesundheitsberatung leiste einen Beitrag. (Dauer: 2:36 Minuten)
Die Krankenhäuser stehen vor demselben Problem wie die Luftfahrtbranche vor drei Jahren, als die Passagiere ausblieben: Sie müssen Kapazitäten anpassen, weil weniger Patientinnen und Patienten kommen und nach der Pandemie jetzt die Staatshilfen für das Freihalten der Betten ausbleiben. Diese These vertritt Professor Boris Augurzky im Podcast „ÄrzteTag vor Ort“ aus Anlass der Vorstellung des Krankenhaus-Rating-Reports beim Hauptstadtkongress.
Im Gespräch bewertet Augurzky, Co-Autor des Rating-Reports, die Ergebnisse der Untersuchung von Jahresabschlüssen von Kliniken, die etwa 70 Prozent des Klinikmarktes abbilden, aus den Jahren 2021 und 2020.
Wenn sich nichts bei den Kliniken und in der Gesundheitspolitik ändert, wären bis 2030 44 Prozent der Kliniken akut von der Insolvenz bedroht, hat der Report berechnet. Augurzky, der den Kompetenzbereichs „Gesundheit“ am RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen leitet, beschreibt im Gespräch auch, wie stark die Probleme bei den unterschiedlichen Krankenhaustypen – je nach Träger, Größe, Ketten vs. einzelne Häuser – durchschlagen.
Bei der Eröffnung des Hauptstadtkongresses hat Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek zu Pragmatismus bei der Klinikreform aufgerufen. Am Ende komme es darauf an, dass „man sich unterhakt und im Gespräch Kompromisse findet“, sagte der CSU-Politiker.
Im „ÄrzteTag vor Ort“-Podcast führt der Minister aus, dass „die Reformen von Patienten her zu denken“ seien. Auch die Fachkräfte müssten einbezogen werden.
Holetschek hebt hervor, welche Rolle die Bundesländer im Prozess der Klinikreform beanspruchen, und er erläutert, wie die Milliarden aus dem Bürgergeld der Krankenversicherung helfen könnten.
Am Beispiel der bisher geplanten Level-1i-Häuser, die zwischen den Sektoren ambulant und stationär etabliert werden sollen, bricht der Minister nicht zuletzt eine Lanze dafür, dass die Belange der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte bei der Reform stärker berücksichtigt werden sollten.
Der Streit zwischen Industrie und Kassenärztlicher Bundesvereinigung um die gesetzlich vorgegebene Archiv- und Wechselschnittstelle (AWSt) schwelt schon seit Jahren. Die Hersteller schimpfen, die Schnittstelle sei sehr aufwändig zu programmieren.
Aber der eigentliche Zweck werde darüber gar nicht erreicht, nämlich, dass Praxen mit Hilfe der Schnittstelle beim Wechsel des Praxisverwaltungssystems (PVS) leichter ihre Daten mitnehmen können. Längst gebe es Lösungen am Markt, die viel besser zur Datenübernahme geeignet seien als das KBV-Konstrukt.
Nun hat der Bundesverband Gesundheits-IT ein Positionspapier erstellt, mit dem er einen Appell an den Gesetzgeber richtet, angesichts der vielen Aufgaben für die Programmierung neuer Anwendungen über die Telematikinfrastruktur doch eine Priorisierung der Aufgaben vorzunehmen, damit es nicht wieder zu einer Zeitverzögerung bei neuen Anwendungen komme.
Im „ÄrzteTag“-Podcast erläutert Bereichsleiterin Susanne Koch vom bvitg, wie aktuell der Wechsel von einem PVS zu einem anderen funktioniert und inwiefern Praxen Leidtragende überflüssiger IT-Projekte sind, wenn diese gesetzlich mit festen Fristen unterlegt werden. Koch mahnt auch an, was zu tun wäre, um weitere Verzögerungen bei der für Ende 2024 avisierten elektronischen Patientenakte (ePA) zu verhindern.
Immerhin: Die Hausaufgaben für das E-Rezept sind nach Auffassung der bvitg-Vertreterin in den Mitgliedsunternehmen abgeschlossen. Die Module für das E-Rezept seien fertig, beim Start müssten die Praxen nur noch das Häkchen für die Aktivierung setzen.
Die Bundesregierung hat sich in ihrem Koalitionsvertrag vorgenommen, die Gestaltungsfreiheit der Gesundheitsversorgung in den Regionen zu stärken. Wie Gesundheitsminister Karl Lauterbach das Vorhaben angehen könnte, hat vor Kurzem der Bundesverband Managed Care (BMC) in einem Positionspapier erarbeitet. Dem BMC schwebt vor, über die Regionalisierung den Reformstau von unten aufzulösen.
Seit 2017 zählen Schlangenbisse zu den vernachlässigten Tropenkrankheiten. Jährlich sterben – nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation von 2019 – zwischen etwa 81.000 und 135.000 Menschen an den Folgen von Schlangenbissen. Eine Crux bei der Therapie dabei: Um das richtige Antidot geben zu können, muss bekannt sein, welche Schlangenart zugebissen hat.
Das könnte zukünftig anders sein: Dr. Timothy Patrick Jenkins von der Technischen Universität Dänemarks in Kopenhagen arbeitet daran. Er sagt, ein erster Schritt ist getan: Mit seinem Team hat er einen Antikörper gefunden, der kreuzreaktiv für das Gift der Schwarzen Mamba, der Königskobra und der Monokelkobra ist (Nature 2023; online 8. Februar).
Warum sich das Team für die Neurotoxine von Schlangen entschieden hat, die von verschiedenen Kontinenten kommen, erklärt Jenkins im „ÄrzteTag“-Podcast (Dauer: 18:52 Minuten).
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