ERF Plus - Bibel heute

Bilder sind gefragt, aber nicht von Gott


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Die Faszination des Bildes

Ich male gerne. Meine Kinder malen gerne. Meine Schüler malen gerne, zumindest meistens. Ja, mancher macht es sogar beruflich, das Malen! Ob als Künstler oder Grafiker, Maler oder Gestalter: Es wird viel gemalt in unserer Welt. Und wenn ich noch die vielen Fotos bedenke, die jeden Tag, jede Minute geschossen werden! Wie viele schöne Bilder sind schon entstanden und entstehen immer noch. Die Wohnzimmerwand unserer Wohnung und natürlich die Kunstgalerien sprechen Bände davon, wie Menschen Bilder machen von Dingen und Personen, die sie sehen und beeindrucken, die imponieren oder zum Nachdenken anregen – oder die einfach wichtig sind.

 

Das Bilderverbot im Alten Testament

Der Bibeltext, um den es heute geht, schärft dem Volk Israel ein, dass sie sich kein Bild von Gott machen sollen. Ja, sie dürfen sich kein Bild machen von Gott!

Ein Bild – jedes Bild, das wir Menschen uns von Gott machen können, greift schließlich zu kurz! Mose soll dem Volk ausrichten: Israel darf sich kein Bild von Gott machen. Er erinnert sie: „Damals, am Berg Horeb, habt ihr da Gott gesehen? Nein, ihr habt seine Stimme donnern gehört, aber ihn nicht gesehen! Ihr habt Gottes Worte – das, was er zu euch gesprochen hat, was er euch ausrichten ließ. Und ihr habt, was er getan hat: Gottes gutes heilvolles Handeln. Ihr habt Gott erlebt. Erinnert euch daran, wie er euch aus Ägypten aus der Sklaverei geführt hat. Erinnert euch an die mächtigen Taten, erinnert euch an das Wunder vom Schilfmeer, an Wolken- und Feuersäule. Erinnert euch an seine Worte und sein Tun!

Macht euch kein Bild, das doch zu klein bleibt, sondern streckt euch aus nach dem Gott, der sich euch zeigt und der geredet hat, und betet ihn alleine an!"

Beim Bild besteht die Gefahr, dass wir in unserer Vorstellung von Gott stecken bleiben und zu klein von Gott denken. Gott zeigt in seinen Worten und seinem Tun Facetten von sich. Er stellt sich Israel vor als der Schöpfer der Welt, als guter Hirte, als der Retter aus Ägypten, als Versorger in Hungersnot, als der, der hört und sieht, als Burg und Fels, als Vater und Mutter – und noch vieles mehr. Das sollen wir uns bewusst machen, damit wir vor unserem inneren Auge sehen, ahnen, begreifen, wie er ist und was ihm wichtig ist, sodass wir ihm vertrauen und auf sein Wort hören.

 

Jesus – Gottes Bild für uns

Im Neuen Testament geht Gott noch weiter. Johannes schreibt, dass Gott uns das Wort Gottes schlechthin gibt, dass er uns das Bild von sich gibt. Und dieses Bild ist SEIN Wort – nämlich Jesus. Jesus sagte: Wer mich sieht, der sieht den Vater. Deshalb geht es um Jesus in den Evangelien, um Jesu Wirken in der Apostelgeschichte. Auch in den Briefen malt Paulus den Gemeinden Jesus vor Augen: als den Gekreuzigten und Auferstandenen. In der Kirche durch die Zeiten und auch bei uns muss es um Jesus gehen. Jesus ist das Zentrum! Das Handeln Gottes bei Mose und im AT – alles wichtig. Aber noch viel klarer erkennen wir Gottes Wesen, seinen Willen, in Jesus. Er ist das ewige Wort, das Fleisch wurde. Er ist das Bild Gottes, das Gott uns gibt, damit wir ihm begegnen und ihn immer tiefer erfassen können. Diesen Jesus als Person gilt es deshalb immer wieder in den Blick zu nehmen!

Wie geht das? Indem wir Jesu Worte hören und erzählen und tun. Indem wir uns erinnern und erinnern lassen, uns vor unser inneres Auge malen lassen, was Jesus tat, was er sprach, wie er wirkte und was er vollbrachte – in Worten und Taten, im Dasein und Begegnen, im Leiden, Sterben und Auferstehen FÜR Sie!

Für Luther war der gekreuzigte Jesus Ausdruck und Bild der Liebe Gottes, die jeder begreifen und erfassen sollte. Deshalb findet sich ein Bild vom Gekreuzigten in fast jeder lutherischen Kirche. Luther hat auch das Bilderverbot aus den 10 Geboten relativiert. Denn wenn Gott uns in Jesus sein Bild von sich gibt, dann haben wir ja das Bild von Gott und müssen uns selbst kein Bild mehr machen, sondern vielmehr darauf konzentrieren, dieses Bild Gottes immer tiefer zu verstehen.

 

Den lebendigen Gott immer tiefer erkennen

Du sollst dir kein Bild von Gott machen. Ja, es gilt, dass wir uns weder ein allgemeines schwammiges noch ein eigenes Lieblingsbild basteln sollen, wie wir uns Gott vorstellen wollen. Und es gilt auch, wo wir von Jesus schon etwas kapiert haben, dass wir uns damit nicht zufrieden geben, mit einem mehr oder weniger tiefen Jesusbild, mit unserer Lieblingsfacette, die uns in den Kram passt und nicht herausfordert. Wir dürfen Gott nicht auf unsere Vorstellungen von ihm beschränken. Sondern ich höre unseren Text als Aufforderung und Herausforderung, mich immer wieder neu herausfordern zu lassen, Jesus neu zu begegnen und ihn tiefer zu begreifen. Mein Bild von ihm soll ich erweitern und korrigieren lassen von solchen Facetten Jesu, die mich freuen und die ich verstehe, aber auch von solchen, wo er mir fremd erscheint und ich ihn nicht verstehe.

Wenn ich vor großen Kunstwerken stehe, nehme ich mir Zeit. Ich will immer mehr Details und Tiefe wahrnehmen und ergründen. Das gilt auch für den Glauben. Ich will staunen über das Bild, das Gott uns von sich gibt, und es vielmehr noch studieren und darüber nachsinnen: Jesus Christus. Der menschgewordene Gott, der leidende, der gekreuzigte, der auferstandene, der voller Liebe für mich ist. Der mich kennt und Worte des Lebens hat. Der Ihnen und mir immer mehr ein Bild davon malt, wie er ist, wie Gott ist.

Autor: Tristan Schuh

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