Vor vielen Jahren las ich einmal den Hinweis:
„Alle Menschen sind Ausländer - fast überall!“
Das Losungswort der Herrnhuter Brüdergemeine von heute aus 5. Mose 10,18-19 zeigt uns, in welche Richtung Gott den Blick Israels und dann auch meinen Blick lenken will und wie meine Vorgehensweise gerade im Blick auf Ausländer seinem Willen entspricht. Dort heißt es:
Der HERR schafft Recht den Waisen und Witwen und hat Fremdlinge lieb, dass er ihnen Speise und Kleider gibt. Darum sollt ihr auch die Fremdlinge lieben.
In einem Atemzug werden hier die Menschen genannt, die damals gesellschaftlich die stark Benachteiligten waren. Es war eine Zeit, in der es überhaupt keine staatliche oder gesellschaftliche Absicherung gab. Wer keine Familie hatte und keine Beziehungen, dem blieb nur übrig, betteln zu gehen.
Kinder, deren Eltern und Verwandte nicht mehr lebten, mussten auf sich allein gestellt sehen, wie sie überleben konnten. Es gab keine Kinderheime, kein Jugendamt, nichts.
Witwen waren nicht besser dran. Ohne Mann galt die Frau in der damaligen Gesellschaft nicht viel und musste ebenfalls sehen, wie sie sich alles Nötige erbetteln konnte.
Noch schwerer war es für Ausländer, die hier als Fremdlinge bezeichnet werden. Eine unbekannte Sprache und fremde Sitten machten es ihnen besonders mühsam. Lebten sie so, wie sie es in ihrer Kultur gewohnt waren, war das fremd, sorgte für Unsicherheit und Angst bei den Menschen, die ihr Land nicht mehr wiedererkannten.
Es war damals also nicht viel anders, als es heute bei uns auch ist. Außer, dass hier und heute jeder das Recht hat, finanzielle Unterstützung zu bekommen und nicht mehr betteln muss.
Doch das Problem mit dem Fremdsein und Fremde lieben ist ebenso herausfordernd wie damals. Wie den Israeliten damals sagt mir Gott heute noch genauso deutlich: Ich soll die Ausländer wie alle Not Leidenden liebhaben, weil Gott sie auch lieb hat.
Der erste Schritt der Liebe ist immer der, dass ich den anderen erst einmal kennen und verstehen lernen will. Das weitet meinen Horizont und schafft eine ganz andere Basis, um mit fremden Kulturen umgehen zu können. Wer, wie Gott, zuerst den Menschen als Menschen sieht, unabhängig von Hautfarbe, Lebensstil und seiner Art, tut den ersten Liebesschritt. Denn Liebe ist nicht zuerst ein Gefühl, sie ist zuerst eine Einstellung. Die Einstellung: Ich will mich nicht von Äußerlichkeiten leiten lassen, sondern den Menschen sehen, wie er wirklich ist.
Im Grunde will jeder Mensch gesehen und richtig verstanden werden, egal aus welcher Kultur er kommt. Und es gibt in jeder Kultur, in jeder Nationalität, was es auch bei uns auch gibt: gute und weniger gute Menschen.
Wenn dann noch die Erkenntnis dazu kommt, dass jeder Mensch nicht nur fast überall, sondern wirklich überall ein Fremdling ist, wird es noch leichter. Gerade als Christ erlebe ich, dass ich zwar noch in dieser Welt lebe, aber nicht mehr von dieser Welt bin. Wer zu Gott gehört, bekommt Gottes Sichtweise, beginnt mit dem Herzen Gottes zu fühlen und ist damit ganz schnell ein Außenseiter.
Wer Jesus sein Leben anvertraut hat, ist als Bürger im Reich Gottes zu einem Fremdkörper in einer gottlosen Welt geworden.
Er ist überall fremd, außer dort, wo sich die Kinder Gottes treffen. Wo Gott Gemeinde baut, spielen Nationalitäten und Eigenarten nur noch eine untergeordnete Rolle, weil alle zur Familie Gottes gehören.
Damit das gelingt, ist immer der erste Schritt der ehrliche Wunsch:
Ich möchte den anderen wirklich kennen- und verstehen lernen. Ich frage nach: Wer bist du, was ist deine Geschichte?
Und dann höre ich, wo Not ist, wo ich helfen kann und kann so die Liebe Gottes weitergeben.
Autor: Pastor Walter Undt
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