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Können Sie vielleicht in wenigen Minuten Gottes Güte, Treue, Gerechtigkeit und Frieden erklären?Verständlich und gründlich?
Das Ganze sollte sprachlich ansprechend, gern sogar poetisch sein. Am schönsten wäre es, wenn man es singen kann auf eine eingängige Melodie. Ist das möglich?
Der Dichter unter den Söhnen Korahs hat es versucht und aus seinen Gedanken heraus den Psalm 85 gedichtet. Und daraus lese ich die Losung der Herrnhuter Brüdergemeine für heute:
Da heißt es in Psalm 85, die Verse 10 und 11:
Gottes Hilfe ist nahe denen, die ihn fürchten, dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen.
Der Dichter schaut zurück in die Vergangenheit des Volkes Israels. Er redet nichts schön und erwartet trotzdem in der Zukunft neuen Segen für das Volk und seine Heiligen.
Und dann wird Gott wieder denen nahe sein, die ihn fürchten.
Aber was heißt heute Gott fürchten? Ich denke, das hat mit Ehrfurcht und Respekt zu tun. Wenn ich Gott fürchte, nehme ich ihn ernst. Wende mich ihm zu. Rechne mit seiner Autorität, vertraue seinem Handeln in meinem Leben. Und erfahre dann in dieser Haltung auch Gottes Hilfe.
Der Dichter beschreibt dann dieses schöne Bild: Dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen.
Das muss ich noch einmal lesen. Wie vier Pfeiler stehen diese Begriffe da für Gottes Handeln zum Heil der Menschen.
Doch anders als im Deutschen handeln sie wie Personen. Sind nicht etwa nur klar definierte Begriffe.
Da begegnen sich Güte und Treue, gehen aufeinander zu. Die bedingungslose Liebe und Gnade Gottes, zusammengefasst als Güte trifft auf seine Treue als Summe von Zuverlässigkeit und Wahrheit.
Dabei ist es sicher richtig, bei dem Ausdruck Güte an Liebe und Zuneigung zu denken. Aber mit Güte ist auch gemeint, dass Gott gut ist im Sinne von Qualität. Gott ist eben ein Wesen mit absoluter Güte.
Auch Gerechtigkeit und Friede kommen sich sehr nahe und küssen sich.
In der Sprache des Alltags ist Gerechtigkeit oft ein Maßstab zum Beispiel für ein Verhalten. Auch in der Bibel ist das so. Deshalb ist auch ein Mensch gerecht vor Gott, wenn er dessen Ansprüchen genügt.
Doch in der Beschreibung der Gerechtigkeit in Psalm 85 ist nicht nur von einem Kuss zwischen ihr und dem Frieden die Rede. Sondern auch von einer Gerechtigkeit, die vom Himmel schaut. Oder dass sie vor Gott her geht. Weitere Aktivitäten finden sich auch in anderen Texten des Alten Testaments. So heißt es im Buch des Propheten Jesaja, Kapitel 54, Vers 8:
Träufelt, ihr Himmel, von oben, und ihr Wolken, regnet Gerechtigkeit! Die Erde tue sich auf und bringe Heil, und Gerechtigkeit wachse mit auf! Ich, der HERR, erschaffe es.
Gerechtigkeit ist also nicht nur ein abstrakter Maßstab, sondern kann auch Gottes Handeln bezeichnen.
Gerechtigkeit und Frieden auf dieser Erde sind oft schwer zu vereinen. Aber die göttliche Gerechtigkeit kann einen tiefen, heilsamen Frieden schaffen. Einen neuen Anfang, bei dem Gerechtigkeit und Frieden eine untrennbare Einheit bilden.
Dabei heißt das hebräische Wort für Frieden: Schalom. Und bedeutet weit mehr als nur die Abwesenheit von Krieg. Sondern beschreibt einen Zustand, in dem sich ein Mensch rund herum geborgen fühlen kann. Schalom bezeichnet auch Frieden mit Gott und den Menschen.
Der Dichter hat beschrieben, wie Güte, Treue, Gerechtigkeit und Friede, die vier Pfeiler göttlichen Heils sich aufeinander zu bewegen. Auch als Hinweis auf Jesus Christus. Denn der hat am Kreuz von Golgatha diese vier ganz eng miteinander verbunden.
Bibellesen unter bibleserver.com
Autor: Herbert Laupichler
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Als unsere Kinder noch klein waren, vergaßen sie oft, dass es neben der Haustür einen Klingelknopf gab. Und wenn sie dann ins Haus wollten, klopften sie energisch an die Haustür, anstatt den Knopf für die Klingel zu drücken. Auch forderten sie lautstark den sofortigen Einlass. Denn oft genug war es für sie sehr dringend ins Haus zu kommen.
Daran wurde ich erinnert, als ich den Lehrtext zur Losung der Herrnhuter Brüdergemeine für heute las.
Da schreibt der Apostel Johannes in dem Sendschreiben an die Gemeinde in Laodizea: Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir. Nachzulesen in dem Buch der Offenbarung, Kapitel 3 Vers 20.
Jesus steht vor der Tür der Gemeinde. Aber da gehört er doch überhaupt nicht hin? Ist er nicht der Herr der Gemeinde? Was muss nur dort geschehen sein, dass Jesus nicht mehr mitten unter ihnen sein kann? Warum steht Jesus vor der Tür und klopft an?
Der Zustand der Gemeinde wird in diesem Sendschreiben recht schonungslos beschrieben. So wie das kalte Wasser aus dem Gebirge wegen der langen Leitung nur noch lauwarm in Laodizea ankam, hatte sich auch das Denken in der Gemeinde verändert.
So waren sie äußerlich wohl noch religiös, innerlich aber selbstzufrieden, bequem, ohne brennende Liebe zu Jesus Christus.
Die Stadt Laodizea war eine reiche Stadt, die Textilindustrie florierte ebenso wie die Herstellung von pharmazeutischen Produkten. Die Bewohner konnten stolz auf sich sein. Unabhängig fühlten sie sich und dieses Denken hatten auch die Christen in der Gemeinde übernommen. Sie brauchen Jesus nicht mehr. Sie waren mit sich selbst zufrieden.
Aber Jesus hält ihnen seinen Spiegel vor. Für ihn sind sie elend, jämmerlich, arm, blind und bloß. Und um dem abzuhelfen, bietet er ihnen aus seinem Schatz symbolisch wertvolles Gold an, weiße Kleider und Salbe zum Öffnen der Augen. Jesus will eins zu eins ihren Mangel ausgleichen. Will ihnen eine zweite Chance geben.
Sicher lief vieles verkehrt in der Gemeinde in Laodizea. Aber trotzdem lässt Jesus sie nicht fallen, kehrt ihnen nicht den Rücken zu. Sondern ganz im Gegenteil. Ihnen zugewandt steht er vor der Tür, klopft an und bittet um Einlass.
So wie bei unseren Kindern damals, spüre ich auch hier, dass dringend um Einlass gebeten wird.
Denn wer anklopft, erwartet das ihm die Tür möglichst bald von innen geöffnet wird. Aber Jesus klopft nicht nur an. Er lässt auch seine Stimme hören. Er lässt die Gemeinde nicht im Unklaren, dass er, Jesus Christus, vor der Tür steht. Sicher wünscht sich Jesus mit diesem Sendschreiben ein Umdenken der ganzen Gemeinde. Aber er ist realistisch und weiß, dass nur Einzelne seine Stimme hören und ihm die Tür öffnen werden.
Das Sendschreiben richtet sich wohl an die ganze Gemeinde. Aber nur Wenige lassen Jesus eintreten. Und denen verspricht er, gemeinsam mit ihnen zu essen, Damals wie heute ein Ausdruck von Gemeinschaft.
Wie der weitere Verlauf des Sendschreibens zeigt, sucht Jesus nicht die flüchtige Begegnung. Sondern er sagt eine dauerhafte Verbindung mit ihm in der Ewigkeit zu.
Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Das galt damals zunächst der Gemeinde in Laodizea. Aber auch heute muss sich jeder Einzelne in einer Gemeinde im Lauf der Zeit immer wieder selbstkritisch fragen, steht Jesus auch vor unserer Tür? Bin ich vielleicht die- oder derjenige, der Jesus die Tür öffnen soll? Und zum Schluss muss ich mich auch immer wieder fragen, bin ich etwa lau geworden? Klopft Jesus vielleicht gerade jetzt an meine Tür? Bittet wieder neu um Einlass in mein Leben?
Bibellesen unter bibleserver.com
Autor: Herbert Laupichler
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Das Leben kann mir ganz schön zusetzen. Meine Nachbarin wird in einigen Wochen arbeitslos, ein Arbeitskollege hat Krebs, einer guten Bekannten wird das Pachtgrundstück für ihren Schrebergarten gekündigt. Sie hat seit Jahren jeden Cent in die Instandhaltung und Verbesserung des kleinen Häuschens gesteckt, das auf dem Grundstück steht, und nun muss sie es verlassen oder sogar abreißen.
Solche Situationen können jeden treffen, ob ich nun Christ bin oder nicht. Und es gibt auch kein Patentrezept, damit umzugehen.
Aber es gibt doch einen Unterschied: Wer auf Gott vertraut, dem gelten die Versprechen, die Gott in der Bibel seinen Leuten macht. Ein Beispiel ist Psalm 97 Vers 11: Dem Gerechten muss das Licht immer wieder aufgehen und Freude den aufrichtigen Herzen. – Dieses Wort hat mich schon oft getröstet und ermutigt. Das ist mehr als die vage Hoffnung: „Kopf hoch, das wird schon wieder“, und zwar, weil Gott es sagt: dem Gerechten „muss“ das Licht immer wieder aufgehen, das hat Gott in die Ordnung des Lebens so eingearbeitet. Es ist so etwas wie ein geistliches Gesetz, ein Pendant zu den Naturgesetzen. Dem Gerechten muss das Licht so natürlich wieder aufgehen, wie jeden Morgen die Sonne wieder aufgeht. Und wie mit dem Licht geht es auch mit der Freude.
Egal, was mir passiert: Gott ist da, Gott ist real, Gott regiert und er liebt Sie und mich. Er hat das Leben seiner Kinder in der Hand. - Das heißt nicht, dass er mir immer alles gibt, was ich mir wünsche oder es mir so bequem wie möglich macht. Das tut er nicht – Gott wird mir manches zumuten, damit ich im Glauben wachse und mich auch ein Stück weit löse von allem, woran mein Herz hängt, und was doch vergänglich ist, was ich nicht festhalten kann.
Im Hebräischen lautet Psalm 97 Vers 11 anders. Da steht nicht: Dem Gerechten muss das Licht immer wieder aufgehen, sondern: Licht ist dem Gerechten gesät und Freude den von Herzen Aufrichtigen. Gott wird uns immer wieder Lichtblicke und Freude schenken, ja, die liegen auf unserem Weg bereit und gehen – wie Blumensamen - auf zu ihrer Zeit. Sei es, dass ich den Sinn von erfahrenem Leiden verstehe oder sei es, dass Gott mir in diesem Leiden so nahe kommt, wie vorher noch nie. Das merke ich aber erst, wenn’s so weit ist - oder hinterher - nicht vorher. - Oder denken Sie an den Nachthimmel: Er ist übersät mit Sternen. Aber wenn Wolken davor sind, wenn der Himmel unseres Geistes und unserer Seele trübe ist, dann sehe ich die Sterne nicht. Aber die Sterne sind da, „hingesät“ von Gott.
Und wem gilt das nun? – „Dem Gerechten“ heißt es. - Bin ich denn gerecht? Vor Gott kann ich nicht bestehen. Wenn er seinen Maßstab auf mich anwendet, dann falle ich durch – schon allein wegen Gedankensünden. –
Wer sind also die „Gerechten“? Die Antwort steht im Römerbrief: „Der Gerechte wird aus Glauben leben“, also aus dem Vertrauen darauf, dass Jesus, der Sohn Gottes, am Kreuz für alle Schuld, auch meine und Ihre persönliche, bezahlt hat. Das sind die „aufrichtigen Herzen“, die nicht mehr so tun müssen, als seien sie perfekt, sondern die ihre Schuld zugeben und Gott bekennen.
Bibellesen unter bibleserver.com
Autor: Martina Arp
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Einfach so aufstehen, in ein neues Leben gehen, alles hinter sich lassen, nochmal neu anfangen: Für manche ist das unvorstellbar. Andere sehnen sich danach. Ich kenne mehrere Leute, die aus Deutschland ausgewandert sind: in die Schweiz, nach Ungarn, einige liebäugeln mit Paraguay.
Ich weiß nicht genau, zu welcher Kategorie Levi gehört. - Hat er es vielleicht schon lange satt, für die Besatzungsmacht zu arbeiten? – Bei uns heute werden Zöllner verbeamtet. Die Arbeitsplätze sind sicher, und man wird respektiert. - Aber Levi wird von seinen Landsleuten verachtet: ein Zöllner ist damals ein Kollaborateur, ein Verräter, eine Art Kriegsgewinner, der für die Römer Abgaben einzieht und sich dabei oft kräftig persönlich bereichert.
Hat Levi es satt? – Bereut er seine Entscheidung, die ihn auf diesen Weg geführt hat? Oder ist er im Prinzip mit seinem Leben ganz zufrieden, aber irgendetwas fehlt noch. Die Erfüllung, die er sich vielleicht vom Reichtum erhofft hat, ist ausgeblieben. Sein Leben ist leer. Vielleicht hat er auch schon von Jesus gehört, wie er heilt und vom Reich Gottes spricht.
Jedenfalls: In dem Moment, in dem Jesus ihn ruft, da reagiert Levi sofort: Jetzt - das ist es! – Und er verließ alles, stand auf und folgte ihm nach. Noch vor dem Aufstehen „verlässt er alles“, er handelt hier nicht wie in Trance -so, so dass er gar nicht weiß, wie ihm geschieht, sondern er trifft eine klare Entscheidung, „er verlässt alles“– innerlich - und dann steht er auf und folgt Jesus.
Es gibt so Situationen im Leben, da werden die Weichen gestellt. Und in vielen Fällen weiß ich das in dem Moment. Ein Bekannter von mir erzählt, Jesus hat ihn dreimal gerufen, im Abstand jeweils von ungefähr 10 Jahren. Zweimal hat er es mehr oder weniger ignoriert und bewusst von sich geschoben. Er hat es schon irgendwie gemerkt, aber er wollte zu dem Zeitpunkt nicht. Und als der dritte Ruf kommt, da hat er sich sofort an die beiden anderen Male erinnert, er weiß, dass das der dritte Ruf ist, und dass er jetzt antworten muss.
Christen laden jeden Menschen zu Gott ein, und Jesus ermutigt uns dazu. Er sagt ja selbst: Kommt her zu mir alle, die ihr niedergedrückt und belastet seid: ich will euch Ruhe schaffen! (Matthäus 11,28, Menge) Jeder, der darin den Ruf Jesu hört, darf kommen. Jeder, der kommen will, darf auch kommen.
Aber ich soll diese Entscheidung nicht aufschieben. Manche denken ja: „Wenn ich mal in Rente bin, dann habe ich ja Zeit, mich mit sowas zu befassen.“ Aber Jesus hat auch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht. (Johannes. 6,44).
Ich kann mich nicht beliebig bekehren. Das geht nur in den Momenten, in denen der Vater mich „zieht“. Den Ruf Jesu höre ich heute nicht mehr direkt, sondern zum Beispiel durch eine Sehnsucht, die durch nichts auf dieser Welt gestillt werden kann, oder durch eine Einladung zu einem Glaubenskurs oder dadurch, dass die Bibel auf einmal lebendig wird und redet. Und Jesus sagt uns das Gleiche wie damals Levi: Folge mir nach.
Bibellesen unter bibleserver.com
Autor: Martina Arp
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Je älter ich werde, desto größer ist die Rolle, die meine Vergangenheit in meinem Leben spielt. Erinnerungen helfen, das Leben zu ordnen und die Gegenwart besser einzuordnen. Man sagt, die Ereignisse aus dem späten Jugendalter und der frühen Erwachsenenzeit bleiben besonders gut im Gedächtnis. Das ist sicher die Zeit, die mich besonders geprägt hat. Die Vielfalt der neuen Möglichkeiten eröffnet ein weites Feld zwischen Sehnsucht, Hoffnung und Angst. Auf der Suche nach der eigenen Identität wächst die Distanz zu dem Lebensmodell, das mir meine Eltern vorgelebt haben. Orientierung finde ich durch den Konfirmandenunterricht und durch Klassenkameraden im christlichen Glauben, in der Bibel. Damit stehe ich zwar nicht allein, aber rings um mich her erlebe ich eine Vielzahl anderer Lebensentwürfe.
Mit manchen Menschen von damals habe ich auch heute noch Kontakt, Familie natürlich, manche Freundinnen und Freunde, Mitschülerinnen und Mitschüler, Studienkolleginnen und Studienkollegen, frühere Nachbarinnen und Nachbarn. Hin und wieder blitzt da etwas auf von Veränderung. Mit fortschreitendem Alter verschieben sich zunehmend die Lebensschwerpunkte.
Das Bibelwort aus dem Losungsheft der Herrnhuter Brüdergemeine stammt aus einem Klagepsalm Davids In Psalm 143, Vers 5 heißt es:
„Ich gedenke an die früheren Zeiten: ich sinne nach über all deine Taten und spreche von den Werken deiner Hände.“
David spricht in seiner Rückbesinnung Gott an. Er erinnert sich daran, wie Gott auf sein Leben Einfluss genommen hat und er spricht darüber.
David spricht darüber. Ist das etwas Besonderes? Mir fällt dieser kleine Nebensatz auf.
Wie selten spreche ich darüber, wenn ich Gottes Einfluss auf mein Leben erfahren habe! Wo ich darüber nachdenke, kommt es mir fast peinlich vor, Gott öffentlich für seine Taten und das Werk seiner Hände in meinem Leben zu loben.
Nicht, dass mir das nicht sehr positiv auffällt. Natürlich habe ich Gott gedankt – in der Stille meines Gebets, im Gebet mit meiner Frau. Natürlich habe ich im Gottesdienst Gott für sein Wirken in der Gemeinde und in der Welt gedankt. Da gehört es ja auch hin. Aber in der Öffentlichkeit, in der Gott offensichtlich immer weniger eine Rolle spielt?
Da bin ich tatsächlich sehr zurückhaltend. Und damit bin ich ja auch nicht allein. Wann habe ich denn zuletzt mal ein Lob über Gottes Handeln im Alltag gehört?
Klage über sein Nicht-Handeln, ja, die ist ständig zu hören. Zumeist verbunden mit dem Versuch, aus dem vermeintlich erkannten Nichthandeln den Beweis für die Nichtexistenz Gottes zu führen.
Wenn es Gott wirklich gäbe, hätte er dieses oder jenes nicht zulassen dürfen, heißt es dann.
Hätte er nicht? Wer stellt denn hier die Regeln auf, nach denen Gott zu handeln hat? Wenn ich das einfach mal logisch hinterfrage, dann lässt sich aus dem Nichthandeln Gottes nur der Schluss ziehen, dass es mit der dahinterstehenden Gottesvorstellung nicht stimmt.
Gott lässt sich nicht reduzieren auf den Alles-gut-Macher, auf den Alles-Vergeber, auf einen Friede-Freude-Eierkuchen-Gott.
Vielleicht wird diese falsche Schlussfolgerung viel seltener gezogen, wenn mehr Menschen offen darüber sprechen, wie ihr Alltag mit Gott aussieht.
Schließlich habe ich ja Gottes Handeln in meinem Leben und in unserer Welt erlebt. Warum behalte ich das dann schüchtern für mich, als ob es die Menschen meiner Umgebung nichts angeht?
Schließlich geht es ja nicht um einen kleinen Privatgott, den ich nur für mich habe.
Jesus hat sein Leben für die Schuld aller Menschen am Kreuz hingegeben und hat Vergebung bewirkt. Darf ich dieses Wissen und die Erfahrung von Vergebung irgendwem vorenthalten?
Nein, ich will mutig einstimmen in die Worte Davids:
„Ich gedenke an die früheren Zeiten: ich sinne nach über all deine Taten und spreche von den Werken deiner Hände.“
Bibellesen unter bibleserver.com
Autor: Reinhard Arnold
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Vor mir liegt eine Trauerkarte. Wie immer tue ich mich schwer damit, die richtigen Worte zu finden. Das Leben des Verstorbenen zieht in Gedanken an mir vorbei. Was war ihm wirklich wichtig, welche Hoffnungen und Erwartungen haben ihn geprägt?
Deutlich kristallisiert sich für mich der Wunsch nach Anerkennung heraus. Ja, das hat sein Handeln vielfach geprägt. Aber hat ihn das von anderen so deutlich unterschieden?
Meine Gedanken wandern zu dieser grundsätzlichen Frage: Warum ist so vielen Menschen die Anerkennung von andern so wichtig?
Und was unterscheidet die, die offensichtlich leichter darauf verzichten können, von anderen Leuten?
Die Psychologie lehrt uns, dass unsere Kindheit einen großen Einfluss darauf hat, wie wir mit Lob und Zuwendung umgehen. Wer sich als Kind die äußeren Anzeichen der Liebe immer erst verdienen musste, sei es durch gute Noten in der Schule oder durch Artig sein, also angepasstes Verhalten, der wird dieses Grundmuster in seinem Leben nur schwer überwinden können.
Wie geht es Ihnen damit? Ist es Ihnen wirklich egal, was andere von Ihnen denken?
Die Losung der Herrnhuter Brüdergemeine für den heutigen Tag aus Richter 8, 23 ist ein Zitat von Gideon.
Gideon ist eine bekannte Figur aus dem Alten Testament. Er ist einer der großen Richter und Retter des Volkes Israel in einer Zeit, in der das Land regelmäßig von den feindlichen Midianitern bedrängt und beraubt wird. Mit Gottes Hilfe überwindet er zuerst seine Zweifel und stellt sich dann an die Spitze von nur 300 Kriegern siegreich den übermächtigen Gegnern entgegen. Als er danach in großer Anerkennung zum Herrscher über ganz Israel gemacht werden soll, antwortet er:
„Ich will nicht Herrscher über euch sein, sondern der HERR soll Herrscher über euch sein.“
Gideon hat sich durch seinen Einsatz die Anerkennung auch derer verdient, die ihn vorher nicht unterstützt haben. Jetzt hätte er sich auf seinen Lorbeeren ausruhen können, und niemand hätte es ihm verwehrt. Aber Gideon weiß, wem er seinen Sieg über die Midianiter zu verdanken hat. Und so verweist er auf Gott, dessen Macht er ja spürbar erlebt hat.
Gideon hat seine Zweifel durch Gottes Hilfe schon in der Vergangenheit überwunden. Mehrfach hat Gott ihm die erbetenen Zeichen gesendet. Er darf sich sicher sein, dass Gott hinter ihm steht. Er weiß sich von Gott getragen. Den Auftrag, den Gott Gideon gegeben hat, hat er ausgeführt. Mehr ist nicht vorgesehen.
Es heißt in der Erzählung nicht, dass Gideon sich in seiner Rolle als Retter nicht wohlgefühlt habe. Aber er weiß, wer ihm die Kraft dazu gegeben hat.
Und wie soll ich nun damit umgehen, wenn ich Anerkennung und Lob erfahre und plötzlich etwas in den Mittelpunkt rücke?
Zuerst ist natürlich die Kontrollfrage erlaubt, geht hier alles mit den richtigen Dingen zu? Nichts wäre ja peinlicher, als einem üblen Scherz aufzusitzen!
Dann die Überlegung, ob die Beteiligung anderer auch angemessen berücksichtigt wird!
Und schließlich die Rückbesinnung darauf, wem ich all meine Möglichkeiten und meine Kraft zu verdanken habe.
Nicht um peinlich empfundenes Lob zu vermeiden oder abzuwehren. Sondern, um es dorthin zu leiten, wohin es gehört:
Gott ist der, der mir mein Leben mit all seinen Möglichkeiten geschenkt hat. Gott ist der, der mir die Kraft und Kreativität zum Gestalten gegeben hat.
Gott ist der, der mich hier als Werkzeug genutzt hat. Genau dafür bin ich dankbar. Genau darauf bin ich stolz.
Und das darf ich sein. Weil Gott an meiner Seite steht. Und darauf weise ich hin.
Bibellesen unter bibleserver.com
Autor: Reinhard Arnold
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„Wow! Das kenne ich ja gar nicht von dir!“, staunt eine Freundin, als sie meine frisch gemachten Fingernägel sieht. Stimmt. So kennt sie mich nicht. Das ist neu für sie. Sie hat mich bisher auf eine andere Art, in einem anderen Kontext kennengelernt. Sie kennt nur einen Teil von mir. Nicht alles. Unterschiedliche Menschen in meinem Leben kennen unterschiedliche Facetten von mir. Haben Sie das auch schon einmal erlebt? Dass Sie jemand total überrascht hat? Ich finde solche Überraschungen spannend, da sie mir zeigen, dass ich eine Person nicht so gut kenne, wie ich dachte. Und dass es noch viel zu entdecken gibt.
Im heutigen Lehrtext der Herrnhuter Brüdergemeine erleben die Jünger von Jesus eine solche Überraschung. Sie sind vermutlich schon einige Monate mit Jesus unterwegs. Sie haben ihn predigen hören, er hat sie in Geheimnisse eingeweiht und ihnen Gleichnisse erklärt. Sie haben gesehen, wie er heilt und Menschen von bösen Geistern befreit. Sie waren dabei, als Jesus sich mit Pharisäern und Schriftgelehrten auseinandergesetzt hat und einem gelähmten Mann seine Schuld vergeben hat. Und dann sind da natürlich noch die vielen Momente, von denen die Bibel uns nichts berichtet: Die Gespräche auf staubigen Straßen zum Beispiel. Gemeinsame Abende, ruhige Morgenstunden. Ich glaube, dass die Jünger Jesus in dieser Zeit schon relativ gut kennengelernt haben. Und sie sehen, wie andere auf ihn reagieren: die Zuhörer seiner Predigten, die Schriftgelehrten, die ihn herausfordern, die Kranken, die Heilung suchen und die bösen Geister, die ganz genau wissen, wer Jesus ist.
Und doch werden die Jünger überrascht. Nach einem langen Tag, an dem Jesus das Volk lehrt, setzen sie mit einem Boot auf die andere Seite des Sees über. Jesus schläft. Ja, auch die Seite kennen sie von ihm, die des müden Messias. Doch während der Überfahrt fängt es plötzlich an zu stürmen. Und zwar richtig. Ängstlich wecken die Jünger Jesus. Er ist der Einzige, der in dieser Notsituation helfen kann. Ich frage mich, was die Erwartung der Jünger ist, als sie Jesus wecken. Oder ob sie einfach nur hoffen, dass er irgendetwas macht, weil sie angesichts der immer höherschlagenden Wellen machtlos sind? Jesus handelt. Offensichtlich anders, als die Jünger erwarteten, denn die sind komplett baff. Jesus spricht zum Sturm. Jesus sagt dem Sturm, dass er still sein soll. Und es funktioniert. Der Wind hört auf. Die Wellen werden ruhig. Die Gefahr ist vorüber. Von jetzt auf gleich. Und jetzt ist Jesus erstaunt vom Staunen seiner Jünger. „Ihr kennt mich doch!“ Aber die Jünger merken in diesem Moment, dass sie Jesus soeben noch einmal anders, tiefer, größer, mächtiger kennengelernt haben. Im Markusevangelium steht: „Die Jünger sprachen untereinander: Wer ist der, dass ihm Wind und Meer gehorsam sind!“
Die Jünger sind von Jesu Macht überrascht. Sie hatten ihn in eine Schublade gesteckt, die mitten auf dem See Genezareth gesprengt wird. Während ich das lese, frage ich mich: Wann habe ich zum letzten Mal meine Schublade von Jesus sprengen lassen? Wann bin ich überhaupt zu ihm gekommen, wie die Jünger in dieser Nacht? Wann habe ich ihn geweckt mit einer diffusen Idee von Hilfe? Wann habe ich ihm zuletzt so etwas richtig Großes zugetraut? Dieser Text heute ist eine Erinnerung für mich, mich immer wieder von Jesus überraschen zu lassen. Immer wieder danach zu fragen, ihn besser kennenzulernen. Wie ist das bei Ihnen? Wann hat Jesus Sie das letzte Mal überrascht? Ich glaube, es gibt noch viel zu entdecken und zu erleben.
Bibellesen unter bibleserver.com
Autor: Johanna Kunz
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Der Blick geht mir durch Mark und Bein. „Das lässt du deine Kinder machen?!“ sagt der Blick, als meine Kinder temperamentvoll auf dem Spielplatz ihre Energie loswerden. Sie tun niemandem weh. Es geht nichts kaputt. Sie sind laut und wild. Genug, um verurteilende Blicke anderer Mütter auf mich zu ziehen. Ich schaue weg. Gehe dem verurteilenden Blick aus dem Weg. Ich schaue lieber auf meine Kinder, die in dem Moment auf das höchste Klettergerüst klettern. Wüsste die andere Mutter, dass ich sogar noch Kekse mit Schokolade in der Tasche habe, wäre es sicher komplett vorbei.
Während ich am Abend die Kinder ins Bett bringe, geht mir dieser Blick nach. Diese Verurteilung, die in ihrem Blick lag, lässt mich nicht los. „Stimmt es vielleicht?“, denke ich. „Bin ich eine schlechte Mutter? Sind meine Kinder zu wild?“ Ich schaue auf das friedlich schlafende Kind neben mir. Denke an seine Lebensfreude, Energie, Kreativität und auch Fürsorge für andere. „Nein.“, wehre ich mich innerlich gegen den Blick der anderen Mutter. Ich lasse meinem Kind den Freiraum, den es braucht. Und achte dabei auf andere. Ich bin keine schlechte Mutter. Mein Kind braucht nur etwas anderes als ihre Kinder.
Vielleicht haben Sie auch schon einmal verurteilende Blicke erlebt. Dann wissen Sie, wie sehr die treffen können. Und das, obwohl die Menschen, die uns diese Blicke zuwerfen, keine Macht über uns haben. Diese Blicke treffen etwas in uns. Lassen Zweifel an unserer Identität und unserem Wert wachsen.
Wie gut, dass der heutige Lehrtext der Herrnhuter Brüdergemeine eine ganz andere Perspektive zeigt. Im Römerbrief, Kapitel 8, 34 schreibt Paulus: „Wer sollte uns verurteilen? Christus Jesus selbst ist ja für uns gestorben. Mehr noch, er ist der Auferstandene. Er sitzt auf dem Ehrenplatz zur rechten Seite Gottes und tritt für uns ein.“ Paulus fragt: „Wer sollte uns verurteilen?“ Ich denke beim Lesen: „Da fallen mir einige Namen ein. Nicht zuletzt mein eigener.“ Doch Paulus zählt keine Liste an Namen auf. Paulus stellt dieser Frage Jesus Christus gegenüber. Durch seinen Tod und seine Auferstehung sind alle, die an ihn glauben, vor Gott gerecht gesprochen.
Der Einzige, der wirklich ein Urteil über uns fällen darf, spricht uns durch Jesus gerecht. Unsere Schuld vor Gott ist real, aber Christus hat für sie bezahlt. Mit der Antwort nimmt Paulus der Frage die Wucht. Klar, können viele Menschen mich verurteilen. Natürlich sprechen Gerichte Urteile, wenn Menschen gegen das Gesetz verstoßen. Aber kein menschliches Urteil kann Gottes endgültiges Urteil über mich ersetzen.
Die grenzenlose Liebe Gottes ist es, die uns das ermöglicht. Die grenzenlose Liebe Gottes ist der Grund, dass der Vater seinen Sohn gesandt hat, um alle gerecht zu sprechen, die an ihn glauben. Die grenzenlose Liebe Gottes ist es, die uns Jesus immer ähnlicher werden lässt.
Verurteilende Blicke tun weh. Sie erinnern mich daran, dass ich nicht perfekt bin. Manchmal ertappen sie mich auch auf frischer Tat. Manche verurteilenden Blicke verfolgen mich schon lange. Ich spüre die Schuld, die auf mir lastet. Und jeder verurteilende Blick ist gleichzeitig eine Einladung. Eine Einladung diese ganze Last vor die Füße Jesu zu legen. Dem, der durch Tod und Auferstehung für meine Schuld bezahlt hat. Und der jetzt zur Rechten Gottes für uns einsteht. Und dann aus den verurteilenden Blicken rauszutreten in den liebenden Blick des Vaters.
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Autor: Johanna Kunz
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„Es hat keinen Wert. Es wird sich bei mir nichts ändern. Ich kann mich nicht ändern. Ich bin und bleibe halt so, wie ich bin.“ Das war der erste Gedanke, der mir nach dem Gespräch durch den Sinn ging. Dabei wollte ich mir wirklich Mühe geben. Ich wollte ruhig bleiben und zuhören. Ich wollte nicht vorschnell meine Argumente vorbringen. Ich wollte Verständnis aufbringen. Aber kaum hatte der andere seinen ersten Satz vollendet, ging es mit mir durch: „So kann man doch nicht denken! So kann man sich doch nicht verhalten!“ Das Gespräch ging also daneben. Und ich gab mir danach die Schuld dafür, vermutlich zu Recht.
Als ich darüber weiter nachdachte, erkannte ich, dass mein Problem letztlich gar nicht meine schlechte Gesprächsführung war, sondern mein Weg, mit mir selbst umzugehen: „Ich bin halt so!“ Dabei machte es mir meine Umwelt leicht: „Jeder Mensch ist anders, und du bist halt so: manchmal etwas aufbrausend und rechthaberisch. Aber das ist ok!“ Nur leider half mir das im Konflikt mit meinem Gegenüber nicht weiter. Im Gegenteil: Ich habe mich mit anderen verglichen und wurde dadurch immer unglücklicher: „Immer wieder die gleichen Fehler, das gleiche Versagen, die gleiche Schuld. Ich kann mir das nicht mehr verzeihen.“
Im Jakobusbrief im Neuen Testament entdecke ich: Jakobus hat es auch mit Konflikten zu tun, zum Beispiel mit reichen und selbstsicheren Leuten. Da gebraucht er das Bild von einem Landwirt, der Saatgut in den Boden einbringt und dann geduldig wartet, dass Regen die Saat zum Keimen bringt, das Getreide heranwächst und Frucht bringt. Dazu meint Jakobus dann: So wie das Saatgut im Boden muss sich auch das Herz des Menschen entwickeln und ausreifen. Und Gott wie so ein Landwirt. Er hat so viel Geduld mit jedem Menschen. Geduld ist ein Wesenszug Gottes.
Schon vor 2000 Jahren hat Gott das grundlegende Menschheitsproblem gelöst, dass die Menschen von ihm nichts wissen wollen. Darum hat er seinen Sohn Jesus Christus bei uns leben und für uns sterben lassen. Doch so viele Menschen konnten oder wollten davon nichts wissen. Wäre Gott ungeduldig, dann hätte er dem Treiben auf der Erde ein Ende machen können! Aber Gott wartet geduldig, damit Menschen immer noch umkehren können und sich das, was er in sie hineingelegt hat, entwickeln und ausreifen kann.
Allerdings habe ich den Eindruck, dass viele mit sich selbst viel weniger Geduld haben als Gott und die Hoffnung aufgeben. Dabei ist es so wichtig mit sich selbst Geduld zu haben. Dann können wir vielleicht auch mit den eigenen Schwächen, dem eigenen Mangel, und den eigenen Fehlern besser umgehen. Und wer nicht ständig mit sich selbst ins Gericht gehen muss, der wird auch für andere genießbarer.
Dabei geht es nicht um billige Selbstentschuldigung. Kein Mensch kann sich seine Sünden selbst vergeben. Aber wer sie sich selbst eingesteht und Gott bekennt, dem wird Gott vergeben, ganz gewiss! Wer das erkennt und annimmt, der kann von Gott Geduld lernen, auch mit sich selbst. Jakobus sagt es so: „Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen.“
Manchmal bin ich wie ein Kind, das am Grashalm zieht, damit er schneller wächst. Aber damit erreiche ich nur das Gegenteil von dem, was ich eigentlich will. Jakobus lädt Sie darum im Namen Gottes ein: Lass dir die Zeit, die Gott dir gönnt.
Bibellesen unter bibleserver.com
Autor: Jens Brakensiek
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Durch die Bibel redet Gott. Darum nennen Christinnen und Christen sie auch „Gottes Wort“. Darin gibt es echt komplizierte Geschichten. Aber in grundlegenden Dingen redet Gott in der Bibel oft sehr einfach und klar. So auch im heutigen Losungswort im Buch des Propheten Amos: „Sucht das Gute und nicht das Böse, auf dass ihr lebt.“
Aber ist das wirklich so einfach, wie es klingt? Was ist denn „das Gute“, das man suchen soll? Und lebe ich nicht sogar besser, wenn ich suche, was mir nützt, auch wenn es böse ist? Klar, die meisten Menschen möchten leben, und zwar nicht irgendwie, sondern echt und gut. Wenn ich im Gespräch mal über den Austausch von unverbindlichen Floskeln hinauskomme, höre ich jedenfalls häufig, dass Menschen eine Sehnsucht nach echtem Leben umtreibt. Aber was macht denn ein wirklich lebenswertes Leben aus?
Gott sagt durch Amos: „Ich möchte deine Sehnsucht nach einem solchen Leben stillen.“ Sein Wort ist dabei klar und einfach: „Willst du ein Leben leben, das diesen Namen wirklich verdient, dann suche mich!“ Aber wie geht das? Wie viele Menschen haben Gott ihr ganzes Leben lang gesucht und nie gefunden! Wie viele wurden einfach nur bitter enttäuscht. Wie viele Hoffnungen sind dabei zerplatzt wie eine Seifenblase.
Es ist also doch nicht alles so klar und einfach! Aber das liegt meiner Meinung nach nicht an falschen Versprechungen von Gott. Ich vermute, dass es eher daran liegt, dass Menschen Gott auf eine falsche Weise suchen. Wie meine ich das? Nun, sie möchten vielleicht, dass Gott ihre Probleme löst oder sie tröstet. Aber sie erlauben ihm nicht, dafür zum Beispiel die alltäglichen Gewohnheiten oder die eigenen Überzeugungen zu hinterfragen. Gott soll helfen, aber er darf nicht stören oder gar wehtun.
Aber dann suchen Menschen doch letztlich gar nicht Gott, sondern sie wünschen sich einfach nur ein sorgenfreies Leben. Gott sagt aber nicht: „Suche ein gutes Leben, dann will ich es dir schenken.“ Sondern er sagt: „Sucht mich, denn ich bin gut. Dann werdet ihr leben.“
Damals machte das Amos den Mächtigen in Israel so klar: Gott suchen heißt das Gute suchen und das Böse hassen. Das bedeutet: Ihr könnt nicht die Armen unterdrücken und zugleich sorgenfrei leben. Ihr könnt nicht hohe Steuern von den Menschen erpressen und es euch zugleich gut gehen lassen. Ihr könnt nicht das Recht beugen und zugleich im Frieden mit Gott leben.
Ich habe mich gefragt: Was bedeutet das heute für mein persönliches Leben? Ich verstehe Amos so: Wer sich auf die Suche nach dem wahren und lebendigen Gott begibt, der sollte sich zugleich für das entscheiden, was Gott ist und will: Liebe und Gerechtigkeit und Wahrheit. Im Neuen Testament macht Gott das besonders durch seinen Sohn Jesus Christus konkret. Durch Jesus kommt Gottes Liebe bei mir persönlich an. Durch Jesus spricht Gott mich gerecht. Durch Jesus wird mein Leben wahrhaftig und echt.
Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie den lebendigen Gott suchen und finden. Dass Sie durch Jesus echtes Leben empfangen: ein Leben, wie Gott es gemeint hat.
Bibellesen unter bibleserver.com
Autor: Jens Brakensiek
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