ERF Plus - Wort zum Tag

ERF Plus - Wort zum Tag

By ERF - Der SinnsenderReligion & SpiritualityChristianity
Download on the App Store

ERF Plus - Wort zum Tag episodes

  • Die Jesus-Tür prägt
    Die Bibelstelle Johannes 10,9 – ausgelegt von Tina Arnold.

    Durch wie viele Türen sind Sie heute schon gegangen? Schlafzimmer, Badezimmer, Küche … Mindestens drei, vielleicht auch schon zehn oder zwanzig. Türen sind ein selbstverständlicher Teil unseres Lebens.

    Jesus ist Meister darin, an solchen alltäglichen Situationen anzuknüpfen und sie mit einer geistlichen Botschaft zu verbinden. Besonders eindrücklich sind die so genannten Ich-bin-Worte im Johannesevangelium. Mit sieben verschiedenen Bildern bringt es Jesus auf den Punkt, wer er für uns ist. Im Johannesevangelium, Kapitel 10, Vers 9 sagt er: „Ich bin die Tür. Wenn jemand durch mich hineingeht, wird er gerettet werden.“ Jesus hat dabei keine Haus- oder Zimmertür vor Augen, sondern die Tür eines Schafstalls. Die Schafherde ist ein Symbol für das Volk Gottes. Wer an Gott glaubt, der gehört zur Schafherde Gottes, lebt fröhlich und behütet in Gottes Stall. So weit ist das Bild den jüdischen Zuhörern zur Zeit Jesu vertraut. Doch dann ergänzt Jesus einen neuen Aspekt: Zugang zu Gottes Stall bekomme ich allein durch ihn. Er ist die Tür zum Reich Gottes. Deshalb sagen wir Christen, dass der Glaube an Jesus Christus uns Menschen den Zugang zu Gott eröffnet.

    Was bedeutet das für uns? Schauen wir uns das Bild von der Tür genauer an. Jesus geht es nicht nur um das einmalige Hineingehen, sondern der Vers geht so weiter: „Ich bin die Tür. Wenn jemand durch mich hineingeht, wird er gerettet werden. Er wird ein- und ausgehen und Weide finden.“ Das Hineingehen ist also der erste Schritt für ein dauerhaftes Rein und Raus-Gehen immer durch dieselbe Tür.

    Im Schafstall ist es kuschelig und warm. Die Schafe sind behütet und geborgen. So soll sich das anfühlen, wenn das Volk Gottes zusammenkommt. Doch Gottes Volk ist nicht dazu berufen, dauerhaft im Stall zu bleiben. Es muss auch raus. Draußen bewährt sich sein Glaube. Davon lebt es sogar: Draußen ist die Weide, wo sich die Schafe den Bauch vollschlagen. Die Schafe sind dabei nicht sich selbst überlassen. Jesus ergänzt daher das Bild der Tür um das Bild des guten Hirten. Er ist beides zugleich: Er ist die Tür für die Schafe und der Hirte, der uns rein- und rausführt, uns außerhalb des Stalles behütet und gut versorgt und sogar sein Leben für uns gibt.

    Lassen Sie uns heute ein Experiment machen und die nächsten drei Türen, durch die wir gehen, jeweils mit einem Gebet verbinden.

    Erste Tür: Loben wir Gott, dass wir zu seinem Volk, zu seiner Schafherde gehören dürfen!

    Zweite Tür: Danken wir für unseren Stall!

    Dritte Tür: Beten wir für unser Hinausgehen und Weide finden. Denn wer einmal durch die Jesus-Tür gegangen ist, geht in einer anderen Haltung hinaus in die Welt. Unser Stall, unser Zuhause ist bei Gott. Weil dort unser Rückzugsraum ist, können wir uns gelassen, neugierig und mutig auf den Weg zum Gras machen. Die Jesus-Tür prägt uns. Wir können jederzeit zurückblicken und uns versichern oder bei Gefahr zurückrennen.

    So würde ich die drei Tür-Gebete für mich formulieren:

    Erste Tür: „Jesus, gelobt seist du, dass ich durch dich zu Gottes Herde gehören darf!“

    Zweite Tür: „Danke, Herr, für das Geschenk des Stalls, für meine Brüder und Schwestern und dein Nahesein.“

    Dritte Tür: „Jesus, durch dich gehe ich in die Welt hinaus. Präge und gebrauche mich an diesem Tag. Amen.“

    Bibellesen unter bibleserver.com

    Autor: Tina Arnold

    Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Arbeit von ERF Plus mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

    5 min
  • Mit aller Macht wollen sie sich durchsetzen
    Die Bibelstelle 2. Mose 14,14 – ausgelegt von Tina Arnold.

    Machtmenschen wollen bestimmen, was geschieht, und ihre Ziele durchsetzen. Es geht ihnen nicht um die Förderung der anderen, sondern um die Darstellung ihres Erfolgs. Manche schüchtern ein und werden laut, andere manipulieren und streuen gezielt Gerüchte. Mit beiden Arten von Machtmenschen hatte ich in meinem Leben leider schon zu tun. Beide Verhaltensweisen setzen mir gleichermaßen zu. Ich fühle mich hilflos oder werde zornig, weil das Gute, das möglich wäre, ver- oder zumindest behindert wird.

    Vor einigen Jahren bekomme ich in einer solchen Situation einen Vers aus 2. Mose, Kapitel 14, Vers 14 zugesprochen. Am Ende eines Gottesdienstes gibt es die Möglichkeit, für sich beten und sich segnen zu lassen. Dazu bekomme ich eine Karte mit einem Bibelvers. Auf meiner Karte steht: „Der HERR wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein.“

    Diese Verheißung spricht direkt in mein Leben und ich bin gespannt, was Gott tut. Doch was passiert? Nichts. Es geht gefühlt gerade so weiter. Ein paar Tage später spricht mich jemand vertraulich an: „Tina, ich muss was mit dir klären, weil ich nicht glauben kann, dass du so was machst.“ Dann erzählt er mir, was über mich gesprochen wird. Ich bin entsetzt und lege ihm den Vorgang aus meiner Sicht dar. Die Sache lässt sich natürlich nicht aufklären, weil der Ursprung der ganzen Aufregung angeblich ein Missverständnis ist. So geht es gerade weiter.

    An der Situation ändert sich gefühlt wenig. Was sich nach und nach ändert, ist mein Umgang damit. Ich liege Gott klagend in den Ohren und suche mir Nischen: Wo ich kann, will ich eine andere Form der Zusammenarbeit leben. Ich will, dass sich jede und jeder im Team entfalten kann mit den Gaben, die Gott schenkt. Ich will eine Haltung fördern, die nach dem fragt, was den anderen dient. Mein Eindruck ist: In diesen Teams macht das Miteinander uns allen Freude und die Arbeit in diesen Bereichen trägt Früchte. Wir erleben, wie Menschen zum Glauben an Jesus Christus kommen und im Glauben wachsen. Diese Erfahrungen lassen mich ruhiger werden. Die Dankbarkeit über Gottes Wirken überwiegt Traurigkeit und Verletzung.

    Anders läuft es übrigens in den Bereichen, in denen die Machtmenschen weiter Misstrauen säen. Das sage ich ohne Schadenfreude, weil ich mir von Herzen gewünscht habe, dass auch dort das Reich Gottes wächst.

    Ich lerne: Das Versprechen Gottes, dass er für uns kämpfen wird, braucht einen langen Atem. Damals, als Israel am Roten Meer vom Pharao und seinen Soldaten bedroht ist, hilft Gott zwar sofort. Durch Mose teilt er das Meer. Die Feinde ertrinken und Israel ist gerettet. Doch diese Rettung ist erst der Auftakt. Noch viele schwierige Situationen und Kämpfe sollen folgen, bis sie sich endlich im verheißenen Land niederlassen können. Selbst dann hört die Gefährdung nicht auf. Bis heute hat Israel keine Ruhe vor seinen Feinden.

    Gott kämpft für uns. Das ist wahr. Genauso wahr ist, dass die Ruhe Gottes verheißen, aber noch nicht vollkommen da ist. Wir kämpfen, zum Beispiel mit Machtmenschen. Wir erleben, wie Gott uns hilft, einen Umgang damit zu finden, und wieder ruhiger zu werden - durch Bibelworte, Gespräche, Zuspruch, Erkenntnisse. Wie sich sein Wirken an den Früchten zeigt. Doch vollkommen wird die Ruhe erst, wenn alles Böse, alle ungesunde Macht gerichtet ist. Wenn die Wellen endgültig über allen feindlichen Mächten zusammenschlagen.

    Bibellesen unter bibleserver.com

    Autor: Tina Arnold

    Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Arbeit von ERF Plus mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

    5 min
  • Gott hat ein Versprechen für dich!
    Die Bibelstelle Apostelgeschichte 2,39 – ausgelegt von Johannes Hruby.

    Was haben Menschen und Regierungen nicht alles versprochen? Es wurde ein Herbst der Reformen angekündigt, die Bürokratie soll abgebaut und das Land digitalisiert werden. Viel verspricht eine neue Regierung, wenn sie ihr Amt antritt. Und was ist daraus geworden?

    Aber wenn es um Versprechen geht, brauchen wir nicht auf die Politiker schauen. Denken Sie einmal daran, was Freunde ihnen schon alles versprochen haben: Ich werde dich bald besuchen! Ich lade dich zum Essen ein! Ich bin immer für dich da, wenn du mich brauchst! Wurden Sie nicht oft enttäuscht, weil viele Versprechen nicht eingehalten wurden?         

    Nun lesen wir heute im Lehrtext zur Losung der Herrnhüter Brüdergemeine auch von einem Versprechen. In der Sprache der Bibel wird das mit dem Wort „Verheißung“ ausge-drückt. Gott selber gibt ein Versprechen, eine Verheißung, eine Zusage. Petrus spricht in seiner Pfingstpredigt zu seinen Zuhörern: „Euch und euren Kindern gilt diese Verheißung …“

    Wie kommt Petrus zu dieser Aussage? Zehn Tage, nachdem Jesus zu seinem Vater in den Himmel zurückkehrt, wir sagen dazu Himmelfahrt, sendet Gott seinen Heiligen Geist auf seine Jünger. Das geschieht am Pfingstfest. Die ganze Stadt Jerusalem ist voll von Menschen aus aller Herren Länder. Petrus steht auf, ganz erfüllt vom Heiligen Geist, und hält eine Predigt, wie sie vorher noch nie gehalten wurde. Er spricht von Jesus Christus, der gekreuzigt wurde. Gott hat ihn aber vom Tod auferweckt. Nun wird Jesus zum „Herrn und Christus gemacht“, endet Petrus seine Predigt.

    Die Zuhörer sind von dieser Rede ganz ergriffen. Es geht ihnen „durchs Herz“. Das hat sie so getroffen, dass sie aufschrecken und stammeln: „Was sollen wir tun?“ „Kehrt um“, sagt Petrus. „Tut Buße! Lasst euch taufen, damit eure Sünden vergeben werden! Dann werdet ihr den Heiligen Geist empfangen!“ Und jetzt folgt unser Bibelwort für heute: „Euch und euren Kindern gilt diese Verheißung und allen, die fern sind, so viele der Herr, unser Gott, herzurufen wird.“ Gott will denen etwas schenken, die umkehren, die von Gott bekehrt werden. Gott ist hier der Aktive und Handelnde. Er lässt den Petrus eine geisterfüllte Predigt halten. Es ist Gott, der die Menschen zur Umkehr ruft und ihnen den Heiligen Geist schenkt. Das ist Gottes großes Versprechen. Nur durch Gottes Geist können wir im Glauben leben. Sein Geist wirkt, dass wir Gott vertrauen und an ihn glauben. Und dieses Geschenk Gottes gilt allen. Es gilt euch und euren Kindern, sagt Petrus. Es gilt auch denen, die fern sind, die noch zum Glauben an Jesus hinzugerufen werden. Gott ruft zum Glauben auch die Menschen, die auf Distanz zu Gott gegangen sind, die ihn längst vergessen haben. Gott ruft auch Sie, der oder die Sie zuhören. Gott wartet, dass Sie innehalten und sich ihm zuwenden. Er wartet, dass Sie umkehren in die offenen Arme Gottes. Gott will sein Versprechen an Ihnen erfüllen. Er will Ihnen die Kraft schenken, die sein Heiliger Geist allein bewirken kann.

    Viele Menschen brechen ihre Versprechen. Sie vergessen, was sie in Aussicht gestellt haben. Aber Gott ist verlässlich. Er hält, was er verspricht. Darauf können Sie sich heute verlassen!

    Bibellesen unter bibleserver.com

    Autor: Johannes Hruby

    Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Arbeit von ERF Plus mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

    5 min
  • Vergesst die Witwen nicht in euren Gemeinden!
    Die Bibelstelle Jakobus 1,27 – ausgelegt von Johannes Hruby.

    Heute werden in vielen Kirchen Gottesdienste gefeiert, denn heute ist Sonntag. An diesem Tag soll Gott im Mittelpunkt stehen. Gott ruhte am siebten Tag. Wir sollen auch nach sechs Werktagen zur Ruhe kommen. Wo kann das besser geschehen als in einem Gotteshaus, in dem mit festlicher Musik und fröhlichen Liedern, mit der Auslegung von Gottes Wort und der Gemeinschaft der Christen ein Gottesdienst gefeiert wird. Ich komme zur Ruhe. Ich nehme mir Zeit, auf Gott zu hören. Was ich gehört habe, soll in der neuen Woche in die Tat umgesetzt werden.

    Das ist ein großes Anliegen vom Apostel Jakobus, dem wir den Lehrtext zur Losung der Herrnhuter Brüdergemeine zu verdanken haben. Jakobus weist seine Leser darauf hin, dass sie nicht nur Hörer von Gottes Wort sein sollen, sondern auch Täter. Sie sollen in die Tat umsetzen, was sie von Gott gehört haben. So dienen sie in rechter Weise Gott. So feiern sie einen „reinen und unbefleckten Gottesdienst“, wie es in Jakobus 1, Vers 27 heißt. Jakobus wird ganz konkret und nennt ein Beispiel, wie Christsein in der Tat aussehen kann. Nach der BasisBibel lautet unser Bibelwort: „Zu einem frommen Leben gehört: Waisen und Witwen in ihrer Not beizustehen“

     Sicher gibt es viele Beispiele, wie ein frommes und gottesfürchtiges Leben aussehen kann. Jakobus hat sich nun für Waisen und Witwen entschieden. Als zu seiner Zeit jüdische Witwen Christen wurden, wurden sie aus der Versorgung durch die Synagoge ausgeschlossen. Dann gab es damals auch keine Witwenrente oder einen Staat, der die Bedürftigen versorgt. Da verstehe ich gut, dass Jakobus die Christen auffordert, Waisen und Witwen zu versorgen und sie zu besuchen.

    Wir leben in einer Zeit, in der die Witwen und Waisen staatliche Unterstützung erfahren. Bei uns gibt es Diakonie und Caritas. Aber wie können wir heute den „Waisen und Witwen in ihrer Not beistehen“? Ich bin auf Witwen zugegangen und habe sie gefragt, wie das aussehen kann, ihnen in ihrer Not beizustehen. Viele Witwen – die Witwer dürfen sich auch angesprochen fühlen - haben nicht den Mut, um Hilfe zu bitten. Gemeindeglieder können auf sie zugehen und fragen, ob sie sie zu einer Veranstaltung oder zum Gottesdienst abholen können. Alleinlebende möchten nicht gerne ohne Begleitung unter die Leute gehen. Da ist es gut, wenn jemand sie von der Gemeinde einlädt und abholt.

    Wir können Witwen zu einem Frühstück zu uns nach Hause einladen oder zum Mittag-essen. Auch ein Hausbesuch bringt für sie Abwechslung. Es tut ihnen gut, wenn jemand da ist, der einfach nur zuhört. Sie freuen sich über einen Telefonanruf oder über einen Besuch.

    Vielleicht nehmen Sie sich heute während oder nach dem Gottesdienst Zeit, Ausschau nach Witwen zu halten. Es gibt mehr, als uns bewusst ist. Schreiten Sie schon heute nach dem Hören von Gottes Wort zur Tat, denn der Gottesdienst findet nicht nur am Sonntag statt, sondern findet seine Fortsetzung im Alltag.

    Bibellesen unter bibleserver.com

    Autor: Johannes Hruby

    Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Arbeit von ERF Plus mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

    5 min
  • Eine ganz neue Zukunft
    Die Bibelstelle Johannes 20,18 – ausgelegt von Martin Leupold.

    Der wichtigste Tag der Weltgeschichte beginnt für Christinnen und Christen mit dem Ostermorgen. Mit der Nachricht: Jesus ist auferstanden! Sein Grab ist leer. Er hat den Tod besiegt. Der Horizont ist weit offen für eine ganz neue Zukunft. Um diese entscheidende Stunde geht es in dem Vers aus dem Neuen Testament, den uns die Herrnhuter Losungen für heute als sogenannten Lehrtext anbieten. Er steht im Johannesevangelium, Kapitel 20, Vers 18: „Maria Magdalena geht und verkündigt den Jüngern: »Ich habe den Herrn gesehen«, und was er zu ihr gesagt habe.“

    Der erste Mensch, der die unglaubliche Nachricht weitergibt, ist eine Frau. Schon das ist für die damalige Zeit etwas Besonderes. Wichtige Botschaften wurden üblicherweise von Männern überbracht. Frauen traute man höchstens irgendeinen Klatsch und Tratsch zu, aber keine ernsthaften oder gar weltbewegenden Nachrichten. Noch vor wenigen Jahrzehnten waren die ersten Nachrichtensprecherinnen im Deutschen Fernsehen eine kleine Revolution.

    Die Bibel lässt die revolutionärste Botschaft aller Zeiten zuerst von einer Frau verkünden. Sogar von einer Frau, die gesellschaftlich alles andere als anerkannt war. Maria Magdalena war eine einfache Frau aus dem Volk. Noch dazu eine mit einer dunklen Vergangenheit. Von den Evangelisten Lukas und Markus erfahren wir, dass Jesus von ihr sieben Geister ausgetrieben hatte. Was das genau bedeutet hat, wissen wir gar nicht. Die spätere Schriftauslegung hat geschlussfolgert, dass sie eine Prostituierte war und mit der Frau identisch ist, die Jesus vor seinem Leidensweg gesalbt hat.

    Auf jeden Fall stand sie unter einem zerstörerischen Zwang, der ihr Leben massiv beeinträchtigte und wahrscheinlich auch das Leben der Menschen, die mit ihr zu tun hatten. Jesus hatte sie davon befreit und ihr Leben damit von Grund auf verändert. Als er starb, stand sie mit einigen anderen unter dem Kreuz. Zusammen mit anderen Frauen beobachtete sie, in welche Grabhöhle der Leichnam Jesu gelegt wurde, und wollte ihn später der Tradition gemäß salben. So werden diese Frauen zu den ersten Zeuginnen der Auferstehung und Maria Magdalena wird ihre Sprecherin.

    Diese kleine Notiz in den Evangelien reiht sich für mich ein in eine Fülle von biblischen Zeugnissen, in denen Gott unsere gewohnten Hierarchien einfach ignoriert. Er macht Mose, der kein guter Redner war, zum Anführer des Volkes. Er macht den jungen Jeremia zum Propheten. Jesus beruft einfache Leute zu seinen Jüngern und macht aus ihnen die Gründer der christlichen Kirche. Er wendet sich den Kranken zu, den Bettlern und denen, die keiner leiden kann.

    Immer wieder wird Frauen in der Bibel eine Schlüsselrolle für Gottes Geschichte zugewiesen. In einer Welt, in der die Männer das Sagen haben. In der man Frauen nichts zutraut, ihre Rechte einschränkt und damit ihre Entwicklungsmöglichkeiten. Auch die Bibel steht dieser Ungleichbehandlung an vielen Stellen unkritisch gegenüber. Aber oft weist sie eben doch darüber hinaus. Und erinnert daran, dass Gott Frau und Mann am Anfang als gleichwertiges und gleichberechtigtes Gegenüber schuf. Erinnert daran, dass die Unterordnung der Frau unter den Mann eine Folge des Sündenfalls ist und keine gottgewollte Ordnung. Ein Blick in das 3. Kapitel des 1. Mosebuches genügt, um das zu erkennen. Am Ostermorgen hebt Gott das Verhängnis seiner Menschenkinder endgültig auf und entmachtet den Tod für immer. Es sind ein paar Frauen, die als erste davon erfahren. Und mit Maria Magdalena wird eine von ihnen zur Ausruferin der Weltenwende.

    Bibellesen unter bibleserver.com

    Autor: Martin Leupold

    Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Arbeit von ERF Plus mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

    5 min
  • Davids Tanz
    Die Bibelstelle 1. Chronik 13,8 – ausgelegt von Martin Leupold.

    Jeden Tag bieten uns die Herrnhuter Losungen zwei Verse aus der Bibel an, einen aus dem Alten und einen aus dem Neuen Testament. Manchmal scheinen sie direkt in unser Leben hineinzusprechen.

    Manchmal klingen diese Losungen aber auch wie eine fremde Botschaft aus einer fernen Welt. Man merkt ihnen an, dass die Bibel in einer anderen Zeit entstand und in eine andere Lebenswelt spricht. So wie die heutige Losung aus dem 1. Chronikbuch, Kapitel 13, Vers 8: „David und ganz Israel tanzten mit aller Macht vor Gott her, mit Liedern, mit Harfen, mit Psaltern, mit Pauken, mit Zimbeln und mit Trompeten.“

    Dreitausend Jahre ist es her, dass König David über das damalige Israel regierte. Er einte das Land und machte Jerusalem zu seiner Hauptstadt. David war überzeugt, dass sein Volk nur mit dem Gott der Väter Zukunft haben würde. Deshalb wollte er dem Glauben einen Ort geben, an dem die Gegenwart Gottes erfahrbar wird.

    Die Vorfahren Israels hatten dafür keinen festen Ort. Denn sie waren Jahrzehnte durch die Wüste gezogen. Aber sie hatten ein Zeltheiligtum, in vielen Bibeln Stiftshütte genannt. Und der heiligste Gegenstand in diesem Zeltheiligtum war die sogenannte Bundeslade. Das war ein tragbarer Schrein, in dem nach der Schilderung der Bibel die Steintafeln mit den zehn Geboten aufbewahrt wurden. Als David König wurde, stand diese Lade bei einem einfachen Bauern in einem kleinen Städtchen. Jetzt gehörte sie ins Zentrum des jungen Königreichs.

    Deshalb ließ David die Lade nach Jerusalem holen. Natürlich in einem festlichen Umzug. Denn sie war ja der Ort innerhalb der irdischen Welt, an der die Präsenz des ewigen Gottes erkennbar wurde. Sie war das Heiligste, was das junge Israel besaß. Der Losungsvers lässt ahnen, wie groß die Begeisterung während dieser Prozession war: „David und ganz Israel tanzten mit aller Macht vor Gott her, mit Liedern, mit Harfen, mit Psaltern, mit Pauken, mit Zimbeln und mit Trompeten.“

    In unserer Tradition sind Kirchen ein Ort ernster Sammlung. Dort sollen die Worte feierlich und getragen klingen. Man bewegt sich langsam und gemessen. Ausgelassene Freude und ungehemmtes Tanzen wirkt für viele befremdlich. Dieser Lobpreis mit angezogener Handbremse ist aber kein biblisches Gebot, sondern einfach unser kulturelles Erbe. Wer es so liebt, dem soll es nicht genommen werden. Aber in vielen Kirchen und Gemeinden auf der Welt gehören Rhythmus und Tanz bis heute selbstverständlich zum Gottesdienst.

    Auch Davids Tanz vor der Lade haben wir uns ziemlich ausgelassen vorzustellen. „David und ganz Israel tanzten mit aller Macht,“ heißt es. Sie waren geradezu außer sich, in Ekstase. Auch damals fanden das nicht alle schicklich. Davids Frau Michal hat ihn später dafür gerügt, dass er sich so zum Affen gemacht hat. So würden wir es heute sagen. Kann es sein, dass viele ähnlich empfinden, weil mit dieser Ausgelassenheit ein Kontrollverlust verbunden ist? Und weil sie am liebsten uns selbst und alles um uns herum unter Kontrolle hätten?

    Es ist nicht egal, wer oder was über uns die Kontrolle hat. Selbstbeherrschung ist eine biblische Tugend. Aber Gott gegenüber geht es immer darum, Kontrolle abzugeben. Sich ihm zu überlassen und ihm zu vertrauen, dass es gut wird. Deshalb ist die Bibel hier auf Davids Seite. Um Gottes Willen in Begeisterung zu geraten und ihn mit jeder Faser des Körpers zu loben, ist für die Bibel völlig in Ordnung. Wenn es echt ist. Und wenn es den ehrt, der uns unseren Körper und unsere Stimme und seine unfassbare Liebe geschenkt hat.

    Bibellesen unter bibleserver.com

    Autor: Martin Leupold

    Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Arbeit von ERF Plus mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

    5 min
  • Auf dem Weg zur echten Stärke
    Die Bibelstelle Sprüche 16,32 – ausgelegt von Wolfgang Ortmann.

    Heute nennt uns die Tageslosung der Herrnhuter Brüdergemeine einen Spruch aus der lebenspraktischen Weisheit von König Salomo. Wohl dreitausend Jahre alt ist dieser Satz und zu gleich verblüffend aktuell. In den Sprichwörtern, Kapitel 16, Vers 32 steht: „Ein Geduldiger ist besser als ein Starker und wer sich selbst beherrscht, besser als einer, der Städte ein nimmt.“

    Was bedeutet es eigentlich, stark zu sein? Oft verbinden wir Stärke mit Durchsetzungsvermögen, Mut und Erfolg. Stark ist, wer etwas bewegt und sich behauptet. Stark erscheint, wer seine Ziele erreicht, sich gegen Widerstände durchsetzt und Einfluss gewinnt. Doch die Losung setzt einen anderen überraschenden Maßstab: „Ein Geduldiger ist besser als ein Starker.“ Und noch erstaunlicher: „Wer sich selbst beherrscht, ist besser als jemand, der Städte erobert.“ Damit stellt die Losung unsere Vorstellung von Stärke auf den Kopf. Eine Stadt einzunehmen, braucht Kraft, Härte, Strategie und Durchhaltevermögen. Die Kriegsschauplätze auf unserer Welt führen uns das jeden Tag neu vor Augen. Sich selbst zu beherrschen, erscheint dagegen unspektakulär. Niemand applaudiert, wenn wir auf eine verletzende Reaktion verzichten. Niemand sieht es, wenn wir den Ärger hinunterschlucken und geduldig bleiben.

    Aber wir hören heute: Das ist echte Stärke. Wenn wir etwas tiefgründiger überlegen, entdecken wir schnell: Einen anderen Menschen beiseitedrängen oder ihn fertig machen ist relativ leicht. Viel schwerer aber ist es, sich selbst zu beherrschen. Wir können einen Streit gewinnen und dabei einen Freund verlieren. Wir können Recht haben und trotzdem lieblos handeln. Wir können unsere Meinung durchsetzen und dabei den Frieden zerstören. Wir merken: Geduldig sein, sich selbst beherrschen, das ist nicht leicht. Aber es ist echte Stärke, die unser Miteinander wirklich voranbringt. Geduld und Selbstbeherrschung bedeuten eben nicht Schwäche oder Gleichgültigkeit. Ein geduldiger Mensch kann sehr wohl klar und entschlossen sein. Und er kennt auch Gefühle wie Wut und Enttäuschung und Angst. Ein Geduldiger aber muss nicht sofort reagieren. Er muss keine Stärke ausspielen. Er kann vielmehr warten und zuhören. Und er kann beten, bevor er spricht.

    Vielleicht gibt es gerade einen Menschen oder eine Situation, bei der Sie diese Geduld brauchen. Vielleicht haben Sie das Gefühl: „Jetzt muss ich endlich reden!“ Oder: „Das lasse ich mir nicht gefallen!“ Die Starken dieser Welt wollen an dieser Stelle ihren Willen durchsetzen. Die Selbstbeherrschten dagegen fragen: Was ist jetzt im Sinne Gottes? Jesus ist hier ein großes Vorbild. Er hätte allen Grund gehabt, sich gegen seine Widersacher zu wehren. Doch er reagierte nicht mit Hass und Vergeltung. Seine Stärke zeigte sich gerade darin, dass er sich Gott, dem Vater anvertraute und sich nicht von Zorn oder Rache bestimmen ließ. Das ist echte Stärke.

    So lade ich Sie zum Schluss ein, mitzubeten: „Barmherziger Gott, schenke mir heute echte Stärke. Hilf mir, mich selbst zu beherrschen, wenn ich wütend oder verletzt bin. Gib mir Geduld, wenn ich am liebsten sofort reagieren möchte. Bewahre mich davor, andere besiegen zu wollen. Lass mein Verhalten deine Liebe und deine Weisheit widerspiegeln. Amen.“

    Bibellesen unter bibleserver.com

    Autor: Wolfgang Ortmann

    Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Arbeit von ERF Plus mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

    5 min
  • Gott hat das letzte Wort
    Die Bibelstelle Nehemia 13,2 – ausgelegt von Wolfgang Ortmann.

    Die Losung der Herrnhuter Brüdergemeine für den heutigen Tag klingt gut, hat aber auch eine bedrückende Seite. Von einem möglichen Fluch im Leben ist die Rede: Im Buch Nehemia, Kapitel 13, Vers 2 heißt es: „Unser Gott wandte den Fluch in einen Segen.“ Kommt Ihnen das bekannt vor? Es gibt Situationen im Leben, die sich zunächst wie ein Fluch anfühlen. Ein Weg, den man gerne gehen wollte, wird versperrt. Ein Plan zerbricht. Menschen enttäuschen. Gott scheint ein Gebet zu überhören. Wir fragen uns: Warum passiert das jetzt? Aber Gott hat besondere Möglichkeiten: Er kann Dinge wandeln. Darauf macht Nehemia aufmerksam. Er erinnert an eine bedrohliche Situation des Volkes Israel. Jahrzehnte waren die Israeliten unterwegs aus Ägypten in die neue Heimat, die Gott ihnen versprochen hatte. In der Nähe von Jericho wird ihnen der Weg versperrt. Die Feinde Israels wollen das Volk mit Hilfe eines Sehers namens Bileam verfluchen, um es leichter zu besiegen. Doch Gott lässt den Fluch über sein Volk nicht zu. Was gegen Israel gerichtet war, wird am Ende zur Hilfe für das Volk. Es wird zum Segen. Das ist ein wunderbares Beispiel für Gottes Möglichkeiten.

    Gott kann Sie und mich nicht nur vor dem Bösen bewahren. Er kann sogar das, was gegen uns gerichtet ist, gebrauchen, sodass daraus etwas Gutes entsteht. Vielleicht kennen Sie solche Erfahrungen selbst. Etwas, das zunächst wie ein Rückschlag aussah, wurde später zu einer großen Hilfe. Eine Enttäuschung mit einem Menschen, der für Sie wichtig war, führte zu einer neuen Begegnung. Eine verschlossene Tür öffnete einen anderen Weg. Eine schwere Zeit hat ihren Glauben vertieft. Das bedeutet nicht, dass alles, was Ihnen und mir widerfährt, deshalb auch gut ist. Die Bibel verklärt Leid nicht. Es gibt Schmerz im Leben, den wir einfach nicht verstehen. Aber wir können darauf vertrauen, dass Gott größer ist als das, was uns begegnet. Jemand mag uns verfluchen, aber Gott hat das letzte Wort. Menschen lehnen uns ab, aber Gott kennt unseren Wert. Eine Situation erscheint hoffnungslos, aber Gott sieht Möglichkeiten, die wir noch nicht sehen. Vielleicht stehen Sie gerade an einem Punkt, an dem Sie nur den Fluch erkennen: Sorgen, Unsicherheit, Verlust oder Enttäuschung. Dann können Sie voller Hoffnung beten: „Herr, ich verstehe nicht, warum gerade alles so ist. Aber ich vertraue darauf, dass du größer bist als diese Situation. Wende du, was gegen mich gerichtet ist, dir will ich vertrauen.“

    Gottes Antwort kommt nicht immer sofort. Manchmal braucht es Geduld. Manchmal erkennen wir erst viel später, wie Gott geführt hat. Aber Gottvertrauen gründet nicht darauf, dass wir den Ausgang kennen. Es gründet darauf, dass wir den kennen, der den Ausgang in seiner Hand hält. Darum können wir mit Hoffnung weitergehen. Was zunächst wie ein Fluch aussieht, ist für Gott nicht das Ende der Geschichte. Der Gott Nehemias ist auch heute derselbe Gott wie vor zweieinhalbtausend Jahren. Er kann Wege öffnen, wo wir keine sehen. Er kann Herzen verändern, wo wir keine Möglichkeiten erkennen. Gott kann eben aus schweren Erfahrungen Segen wachsen lassen. So können wir heute darauf vertrauen, dass Gott sieht und tut, was für uns gut ist. Und wir können von ihm die Gewissheit erbitten, dass er in jeder Situation das letzte Wort hat.

    Bibellesen unter bibleserver.com

    Autor: Wolfgang Ortmann

    Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Arbeit von ERF Plus mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

    6 min
  • Gnade von Jesus für euch
    Die Bibelstelle Offenbarung 22,21 – ausgelegt von Christian Huth.

    „Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen!“ heißt es heute im Lehrtext der Herrnhuter Losungen. „Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen!“ Das ist das letzte geschriebene Wort in der Bibel. Ein Schlusswort. Mit den Schwerpunkten „Gnade“, „Herr Jesus“ und „mit euch allen“. Dieses „mit euch allen“ meint nicht einfach alle Menschen zu allen Zeiten. Es meint jene, die die Bibel hörbereit bis zum Schluss lesen und dem glauben, der hinter den Verfassern steht. Denn die Bibel ist Gottes Wort an die Menschen, überbracht durch geist-begabte Zeugen des Glaubens wie dem Apostel Johannes, der die Offenbarung schrieb. Glaube ich, glauben Sie der Bibel, dem heiligen Wort Gottes? Dann sind wir die Adressaten.

    Aber wovon? Auch das verrät der Schluss-Vers: Gnade und Jesus oder Jesus und Gnade. Die Schwierigkeit besteht darin, dass Gnade eigentlich das Gegenteil ist von allem, was ich denke und fühle. Adam und Eva verstecken sich vor Gott, weil sie sich schämen und fürchten. Und alle Menschen sind seit dem Sündenfall von Gott getrennt und verirren sich auf ihrem Lebensweg. Auch ich. Obwohl ich das Leben nicht erfunden und auch mir selbst nicht gegeben habe, versuchte ich, die Betriebsanleitungen für mein Leben so umzuschreiben, wie es mir passt. Ich tat das, wovor der Apostel Johannes in seiner Offenbarung am Ende warnt. Gottes Wort, Jesus und seine Gnade zu ignorieren, also vom Wort etwas weg zu nehmen oder hinzuzufügen. Und so war ich ein Mensch, der versuchte ohne Jesus und ohne die Gnade irgendwie durchzukommen. Und ich denke, dass ich hier nicht der Einzige bin, der die Erfahrung gemacht hat: Wo Jesus und die Gnade Gottes keinen Raum mehr haben, wird das Leben immer härter und dunkler. So kam ich schon als junger Mensch zu dem Schluss, am besten alles aufzulösen, weil in meinen Augen mein Leben nicht gut und nichts wert war. Am Ende ist doch alles sinnlos.

    Doch ein Mensch, der mit seinem Schöpfergott durch Jesus verbunden ist, der empfängt die Gnade und wird aus der Gnade leben. „Wer auf den Herrn hofft, der wird Güte empfangen“, heißt es in der Tageslosung (Psalm 32,10). Und dafür bin ich sehr dankbar. Denn ich brauche die Gnade, also die Vergebung von Gott jeden Tag neu. Gott ist in seinem Wesen gnädig, die Gnade ist die Mitte seiner Gedanken und Handlungen. Gott fragt unentwegt: Wo ist etwas zu vergeben, wo kann ich meine Gnade walten lassen. Wo ist eine Möglichkeit, sich zu versöhnen, zu heilen und zu helfen? Gottes Gnade ist ein ununterbrochener Strom von Barmherzigkeit, Liebe und Zuwendung. Das erfährt der verlorene Sohn im Gleichnis Jesu, das habe ich erfahren und viele andere.

    Aber manchmal bin ich dann auch wie im Gleichnis der ältere Sohn, der beim Vater bleibt, weil das gesetzlich richtig ist. Und wenn ich alles richtig mache, brauche ich ja keine Gnade mehr. So leben bis heute auch viele gläubige Menschen.

    Und sie sind dann wie der ältere Sohn frustriert, weil es ohne Gnade eben hart und gnadenlos wird. Nicht nur in einer weltlichen Gesellschaft, sondern auch in der Kirche.

    Der jüngere Sohn wird durch die Gnade vollständig wiederhergestellt – in seiner Identität, seiner Würde und seiner Bestimmung. Und er ist glücklich. Vielleicht wenn das Gleichnis weitererzählt würde, könnte ich sehen, wie die empfangene Gnade und Vergebung den Sohn so verändert, dass er fortan mit den Mitmenschen ganz anders umgeht und es durch seine Gnade und Barmherzigkeit etwas heller wird in der Welt! Ich will mich auch von Jesus und der Gnade Gottes berühren, anstecken und senden lassen. „Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen!“

    Bibellesen unter bibleserver.com

    Autor: Christian Huth

    Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Arbeit von ERF Plus mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

    5 min
  • Jesus geht mit
    Die Bibelstelle Markus 5, 41-42 - ausgelegt von Christian Huth.

    Im heutigen Lehrtext der Herrnhuter Brüdergemeine hören Sie: „Jesus ergriff das Kind bei der Hand und sprach zu ihm: Talita kum! - das heißt übersetzt: Mädchen, ich sage dir, steh auf! Und sogleich stand das Mädchen auf und ging umher.“ (Markus 5,41–42)

    Dies ist für mich eine der eindrücklichsten Szenen aus dem Jesusfilm von „Campus für Christus“.

    Jesus befindet sich in Kapernaum. Da kommt der Synagogenvorsteher Jairus zu ihm. Er wirft sich vor Jesus nieder und bittet ihn verzweifelt, seine todkranke Tochter zu heilen. Nennen wir sie – auch wenn die Bibel ihren Namen nicht überliefert – Salome.

    Über den Glauben des Jairus erfahre ich nicht viel. Aber ich sehe seine große Not. Seine Tochter, seine Salome, liegt im Sterben. Not lehrt beten.

    Jesus sieht nicht nur diese Not – er ist zutiefst barmherzig. Er geht mit Jairus. Doch unterwegs treffen Boten ein und bringen die schreckliche Nachricht: Das Mädchen ist gestorben. Nun, so meinen sie, brauche Jesus nicht mehr zu kommen. Er könne seine Kraft und Zeit anderen Kranken widmen.

    Doch Jesus lässt sich nicht beirren. Er sagt zu Jairus: „Fürchte dich nicht; glaube nur.“

    Als sie am Haus ankommen, haben sich bereits Trauernde und Klagefrauen versammelt. Der Tod eines Menschen ist immer schmerzlich. Doch dieses Mädchen Salome ist erst zwölf Jahre alt – gerade an der Schwelle zum Frausein und zu einem eigenständigen Leben in der Gemeinschaft.

    Bemerkenswert ist, dass Jesus auf dem Weg zu Salome eine andere Frau heilt, die seit zwölf Jahren an Blutungen litt. Zwölf Jahre ist sie durch ihre Krankheit geschwächt und nach den damaligen Reinheitsvorschriften von der Gemeinschaft ausgeschlossen. Auch sie befindet sich in tiefster Not.

    Jesus schenkt beiden neues Leben. Er heilt nicht nur ihre Körper, sondern gibt ihnen ihre Würde, ihre Identität und ihren Platz in der Gemeinschaft zurück.

    Sein machtvolles Wort „Talita kum!“ richtet den ganzen Menschen auf – Leib, Seele und Geist. Die Frau wird aus dem Nichtsein und das Mädchen wird aus der Macht des Todes ins Leben gerufen. Sie stehen beide auf zu einem neuen Anfang.

    Mit diesem Jesus haben auch wir es heute zu tun, Gott sei Dank! Sein vollmächtiges Wort hat bis heute schöpferische und rettende Kraft.

    Darum gilt auch uns Gottes Verheißung, die in der Jahreslosung 2026 anklingt: „Siehe, ich mache alles neu.“

    Seit dem Sündenfall verlieren Menschen Gott immer wieder aus dem Blick. Sie verirren sich, geraten in Schuld und erleben die Folgen einer zerbrochenen Welt – Leid, Krankheit und Tod. Doch Gott hält unbeirrbar an seinem Bund fest. Und er schreibt bis heute seine Geschichte mit uns Menschen weiter, auch wenn wir sie immer wieder mit dunklen Kapiteln von Streit, Unrecht und Zerstörung füllen.

    Der entscheidende Wendepunkt ist das Kreuz Jesu Christi. Es steht für sein Leben, Leiden, Sterben und seine Auferstehung. Damit beginnt Gottes neue Wirklichkeit. Das Böse, das Verderben und der Tod haben nicht das letzte Wort. Mit Jesus Christus, dem Kreuz und der Auferstehung steht und fällt unsere Hoffnung. Gottes Ruf gilt deshalb auch heute jedem Menschen:

    „Mensch, steh auf!“

    Und wir leben aus der Hoffnung auf den neuen Himmel und die neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt; wo Gott alle Tränen abwischen wird und es kein Leid, keinen Schmerz, kein Geschrei, keine Krankheit und keinen Tod mehr geben wird.

    Talita kum! – Mensch, steh auf! Dieser Ruf Jesu gilt bis heute. Er richtet Menschen auf, schenkt neues Leben und eröffnet eine neue Zukunft. Denn Gott spricht: „Siehe, ich mache alles neu.“

    Bibellesen unter bibleserver.com

    Autor: Christian Huth

    Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Arbeit von ERF Plus mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

    5 min

About ERF Plus - Wort zum Tag

From the publisher's feed

Die tägliche, alltagstaugliche Auslegung eines Bibelverses aus der „Losung“ oder den „Lehrtexten“ der Herrnhuter Brüdergemeine.

More shows like ERF Plus - Wort zum Tag

Johannes Hartl Podcast by Dr. Johannes Hartl

Johannes Hartl Podcast

10 Listeners

SWR1 Leute by SWR

SWR1 Leute

44 Listeners

ERF Plus - Anstoß by ERF - Der Sinnsender

ERF Plus - Anstoß

1 Listeners

Was jetzt? by DIE ZEIT

Was jetzt?

122 Listeners

Handelsblatt Morning Briefing - News aus Wirtschaft, Politik und Finanzen by Friederike Hofmann, Sven Prange und die Handelsblatt Redaktion, Handelsblatt

Handelsblatt Morning Briefing - News aus Wirtschaft, Politik und Finanzen

48 Listeners

Auf den Punkt by Süddeutsche Zeitung

Auf den Punkt

58 Listeners

The Pioneer Morning Briefing - Nachrichten aus Politik und Wirtschaft by The Pioneer

The Pioneer Morning Briefing - Nachrichten aus Politik und Wirtschaft

85 Listeners

eat.READ.sleep. Der Podcast, der das Lesen feiert. by NDR

eat.READ.sleep. Der Podcast, der das Lesen feiert.

26 Listeners

ERF Plus - Bibel heute by ERF - Der Sinnsender

ERF Plus - Bibel heute

1 Listeners

Amerika, wir müssen reden! by NDR Info

Amerika, wir müssen reden!

48 Listeners

Lanz + Precht by ZDF, Markus Lanz & Richard David Precht

Lanz + Precht

310 Listeners

Das bringt der Tag – Nachrichten und Analysen by WELT

Das bringt der Tag – Nachrichten und Analysen

2 Listeners

Aha! Zehn Minuten Alltags-Wissen by WELT

Aha! Zehn Minuten Alltags-Wissen

31 Listeners

Die Ernährungs-Docs - Essen als Medizin by NDR

Die Ernährungs-Docs - Essen als Medizin

24 Listeners

Zwei Seiten - Der Podcast über Bücher | WDR by WDR

Zwei Seiten - Der Podcast über Bücher | WDR

20 Listeners