Ich kann mich noch an die Bilder erinnern, wie hunderte Menschen vor einem Geschäft übernachtet haben, nur um das neuste Buch oder Smartphone kaufen zu können. Aus heutiger Sicht unvorstellbar, denn man kann sich doch alles nach Hause liefern lassen.
Was macht das Warten mit mir, wenn ich warte oder eben nicht? Ich glaube ja, dass sich Warten lohnt. Wer aktiv wartet, entwickelt eine gewisse Vorfreude. Und die führt sicherlich zum intensiven Genuss des Erworbenen.
So ging es vielleicht auch dem jüdischen Volk im 6. Jahrhundert vor Christus. Das erfahren wir aus dem Buch Nehemia. Die Situation: Die Rückkehrer aus dem babylonischen Exil und die wenigen Einwohner Jerusalems, die in der verwüsteten Stadt ausgehalten hatten, haben die Stadt wieder aufgebaut und vor allem den Tempel, das zentrale Heiligtum Israels, wieder errichtet. Nicht so prachtvoll wie früher - aber zweckmäßig.
Und nun ist Einweihung. Das ganze Volk ist auf dem Platz vor dem Tempel versammelt. Dort schildert Nehemia, der das Projekt Wiederaufbau geleitet hat: Sie standen auf an ihrem Platz, und man las vor aus dem Buch des Gesetzes des HERRN, ihres Gottes, drei Stunden lang, und drei Stunden bekannten sie und beteten an den HERRN, ihren Gott.
Sie warteten, bis alle Gesetze Gottes vorgelesen wurden. Dafür standen sie drei Stunden lang. Und drei weitere Stunden haben sie auf das Hören reagiert. Wahnsinn, oder?
Man könnte sagen, dass sie erst gewartet und dann ausprobiert haben. Wie beim Warten vor dem Geschäft, wo nach dem Kauf die eigentliche Freude doch erst beginnt.
Erst das Warten, dann die Freude des Ausprobierens und zum Abschluss die Dankbarkeit. So oder so ähnlich stelle ich mir die Situation vor.
Warten klingt anstrengend, lohnt sich aber meistens, … oder?
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