Bei einem Interview erzählt eine Trauerbegleiterin, dass sie seit einiger Zeit einen kleinen Totenkopf an ihrem Armband trägt. Als „Memento Mori“, sagt sie. Das ist Latein und heißt übersetzt: „Bedenke, dass du sterben wirst.“
Ich fand das erst befremdlich, doch es stellte sich heraus, dass sie damit in einer alten Tradition stand: Memento Mori sind Erinnerungen an die eigene Sterblichkeit. In so mancher Kirche finden sich zum Beispiel Totenköpfe, die in den Fassadenstuck eingearbeitet sind. Viele Kunstschaffende haben Schädel gemalt, um damit an die Endlichkeit des Lebens zu erinnern.
Der folgende Bibelvers aus dem Buch Kohlelet – auch bekannt als Prediger – fordert mich auf, so ein „Memento Mori“ ganz praktisch zu erleben. Ich zitiere:
„Es ist besser, in ein Haus zu gehen, wo man trauert, als in ein Haus, wo man feiert; denn da zeigt sich das Ende aller Menschen, und der Lebende nehme es zu Herzen!“ (Prediger 7,2 LUT)
Auf ersten Blick eine deprimierende Vorstellung: statt Feiern zu gehen soll ich mich lieber den ernsten Dingen des Lebens zuwenden.
Doch dem Autor des Kohelet geht es gar nicht darum, mir den Spaß zu verderben. Einige Kapitel vorher fordert er mich regelrecht auf, das Leben bewusst zu genießen, eben weil es endlich ist.
Vielmehr lädt mich der Prediger ein, dem Tod nicht aus dem Weg zu gehen. Denn so lerne ich mein Leben als kostbar zu betrachten. Als Christ kommt eine weitere Ebene hinzu: es gibt ein ewiges Leben bei und mit Jesus, und so manches, was mir jetzt wichtig erscheint, ist aus dieser Perspektive nun wirklich zweitrangig.
Ich gebe zu: bequem ist es nicht, ein solches Memento Mori. Aber es ist eine Einladung, weiser zu werden. Und mein Leben aus der Perspektive der Ewigkeit zu betrachten.
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