Die Überraschung hinter dem Dank
„Ach, ja, jetzt kommt der Aufruf zu mehr Dankbarkeit!"
„Ach, ja, er hat ja so recht!"
„Ach, ja! Auf eine Moralpredigt kann ich gut verzichten."
Diese „Ach ja!"-Reaktion kann ich gut verstehen, wenn diese Liedzeile nicht weiterginge: „Im Danken kommt Neues ins Leben hinein, ein Wünschen, das nie du gekannt!" Was ist das für ein Wünschen? Welche Sehnsucht steht hinter den Wünschen? Jetzt werde ich hellhörig!
Auf wen oder was bezieht sich das Danken?An wen richtet sich der Dank?Und warum löst dieser Dank eine Sehnsucht aus?Der Refrain dieses Liedes gibt die Antwort:
„Barmherzig, geduldig und gnädig ist er [= der lebendige Gott]
viel mehr als ein Vater es kann.
Er warf unsere Sünden ins äußerste Meer.
Kommt, betet den Ewigen an!"
Wenige Worte bringen das Evangelium, die frohmachende Botschaft, auf den Punkt: Gott liebt seine Welt so sehr, dass er mit seinem Sohn Jesus Christus eine großartige Geschichte ins Leben rief: Wer Jesus vertraut, der bekommt ewiges Leben. Denn für unsere durchgängige Gottlosigkeit starb Jesus am Kreuz, damit uns vergeben wird. Und weil Gott seinen Sohn nicht im Tode ließ, steht fortan der Auferstandene uns allen gegenüber. Jede und jeder kann Jesus Christus sein Leben anvertrauen.
Ein neuer Blick auf die Welt
Was aber hat das mit einer aufkeimenden Sehnsucht zu tun? Nun, das Leben mit dem Auferstandenen heißt, ich bekomme einen Blick dafür, welchen Segen der Vater im Himmel in mein Leben legt: Vor allem sind es Menschen, die mir mit Liebe und Wahrheit begegnen, die mir freundlich gesonnen sind.
Ich bekomme sogar einen Blick für die Menschen in Politik und Gesellschaft, die sich offensichtlich für das Wohlergehen unseres Landes einsetzen; – auch für sie kann ich Gott danken; ebenso für die Menschen, die durch gute Rechtsprechung die Rechtsstaatlichkeit sichern. Das Leben mit dem Auferstandenen heißt auch: Ich bekomme einen Blick für die Schöpfung: Schöne Blumen, bestellte Felder, deren Ertrag ich genießen kann. Danke, Vater im Himmel, für das tägliche Brot.
Das Leben mit dem Auferstandenen heißt für mich auch: Ich kann mit allem, was mir begegnet, zu ihm kommen. Auch mit den hässlichen Dingen:
Ob es ein zerrissener Müllsack in einer Autobahnausfahrt ist, der an den Randstreifen geschleudert wurde.Ob mir in der Seelsorge hässliche Machtmissbräuche geschildert werden und ich Trost brauche, damit ich Betroffene trösten kann.Ja, ich danke auch dann dem Herrn Jesus. Denn mir ist Vertrauen geschenkt worden. Gleichzeitig bitte ich ihn um Hilfe, dass niemand ungetröstet von mir weggehen muss. Jesus hilft; bisher hat er mich nicht enttäuscht: Stets zeigte Jesus den Betroffenen einen Ausweg; er ermutigte sie, seine Hand zu ergreifen.
Und wie gestaltet sich mein persönliches Leben mit dem Auferstandenen? Ich habe viel mit ihm zu besprechen – ich danke ihm, dass er stets ein offenes Ohr für mich hat. Ich danke ihm, dass er mir durch mein beständiges Bibellesen klare Hinweise zur Lösung meiner Probleme gibt. Das fasziniert mich immer wieder.
Gemeinde als lebendiges Zeugnis der Hoffnung
„Im Danken kommt Neues ins Leben hinein,
ein Wünschen, das nie du gekannt,
dass jeder – wie du – Gottes Kind möchte sein."
Nun gut – ich weiß nicht, ob und welche Ausstrahlung ich habe. Aber ich erinnere mich an einen Gebetskreis im Durchschnittsalter von 70–75 Jahren. Die jüngste war 48 Jahre alt. Die Leute beteten um eine Erweckung; sie beteten, dass Menschen in ihrer Gemeinde zum Glauben an Jesus finden. Mit regelmäßiger Erfolgslosigkeit gingen sie mit einem Tapeziertisch als Schriftenablage ins Einkaufszentrum. Dort versuchten sie, die gute Nachricht von Jesus an den Mann und an die Frau zu bringen. Diese Leute hatten eine Ausstrahlung – gepaart mit einer großen Hoffnung: In ihrer Gegenwart fühlte ich mich wohl! Durch sie ist bei mir eine Sehnsucht gewachsen, um – wie sie – zu einem Menschen zu werden, der Hoffnungsträger für andere ist. Sie haben in mir ein Wünschen erzeugt, das ich vorher nicht kannte.
Dass Gott ihre Bitten erfüllt hat, ist selbstredend: Gott schenkte dieser kleinen, überalterten Ortsgemeinde ein neues Gemeindezentrum. Die Gemeinde boomte. Viele kamen zum Glauben an Jesus Christus. Etliche der Beter haben das nicht mehr erlebt.
„Im Danken kommt Neues ins Leben hinein,
ein Wünschen,
das nie du gekannt. Dass jeder – wie du – Gottes Kind möchte sein,
vom Vater zum Erben ernannt."
Das Erbe der Kinder Gottes und die Versiegelung durch den Heiligen Geist
Hier stoße ich zum Kern des Bibeltextes vor: Menschen, die Jesus Christus vertrauen, lässt er seine Brüder und Schwestern sein, das heißt: Er macht sie zu Kindern Gottes; für die hält Gott ein Erbe bereit. Von diesem Erbe können sie bereits jetzt leben. Denn das heutige „Leben vom Erbe" schlägt sich in einer „Gewissheit" nieder, die sich nicht begründen lässt.
Der biblische Hintergrund für den Begriff „Erbe" bezieht sich auf die sogenannte Landnahme: Gott hatte mit gewaltiger Hand Israel aus der ägyptischen Sklaverei befreit. Er brachte es in das Land, das er dem Stammvater Abraham zugesprochen hatte. Durch ein Losverfahren wurde das Erbe Abrahams an die Stämme Israels verteilt – außer an den Stamm Levi: Gott behielt es sich vor, diesen Stamm direkt mit allem Guten zu versorgen.
Dieser Begriff „Erbe" mit der Direktversorgung durch Gott taucht in dieser Bibelstelle auf: So verweist der Begriff zunächst auf Eigentumsverhältnisse: Menschen, die an Jesus Christus glauben, sind in Gottes Hand. Mit seinem am Kreuz vergossenen Blut hat Jesus Menschen teuer erkauft, dass sie fortan von der Liebe Gottes nicht getrennt werden können.
Das ist das Zweite: Angst vor Krieg, schwerer, chronischer Krankheit, Angst vor Verlusten – das alles kann ein Leben belasten. Aber die Eigentumsrechte besagen:
Keiner kann aus der guten Hand Gottes herausgerissen werden.Keiner muss in der Hoffnungslosigkeit versinken.Er, der Vater im Himmel, schenkt neue Ausblicke, neue Perspektiven, öffnet Auswege – die sich zumindest für mich als gangbar erwiesen. Dass das für mich …, dass das für alle bleibt, die Jesus vertrauen, dafür gibt es die Versiegelung mit dem Heiligen Geist.
Das ist das Dritte: Diese Versiegelung drückt sich in der „Gewissheit" aus; eine „Gewissheit", die ich z. B. bei jenen Beterinnen und Betern erlebt hatte. Sie waren gewiss, dass Gott in ihrem Stadtteil ihre Gemeinde aufblühen lässt und zum Segen für viele setzt.
„Im Danken kommt Neues ins Leben hinein,
ein Wünschen, das nie du gekannt."
Können Sie diese Liedzeile als Einladung verstehen?
„Im Danken kommt Neues ins Leben hinein,
ein Wünschen, das nie du gekannt,
dass jeder, wie du, Gottes Kind möchte sein,
vom Vater zum Erben – oder auch zur Erbin – ernannt."
Lassen Sie sich einladen, um durch Danken Neues in Ihrem Leben zu erfahren.
Buchvideo: Epheser
Autor: Pastor Wolfgang Ströhle
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