ERF Plus - Bibel heute

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By ERF - Der SinnsenderReligion & SpiritualityChristianity
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ERF Plus - Bibel heute episodes

  • Wer sich zu Jesus Christus bekennt, lebt gefährlich
    Der Bibeltext Offenbarung 1,1-8 – ausgelegt von Jan-Peter Graap.
    Wer hat die Welt noch in der Hand?

    Manchmal reicht eine Nachricht – und die Welt fühlt sich plötzlich unsicherer an. Krieg. Gewalt. Hass. Ich schalte das Radio aus, lege die Zeitung weg. Aber im Kopf gibt es keinen Aus-Schalter. Und dann kommen noch die ganz persönlichen Nachrichten dazu. Die, die in keiner Zeitung stehen: ein Gespräch, vor dem ich mich fürchte. Eine Schuld, die mich nicht loslässt. In solchen Momenten frage ich mich: Wer hat diese Welt eigentlich noch in der Hand? Ausgerechnet auf diese Frage antwortet das letzte Buch der Bibel: die Offenbarung des Johannes. Ein Buch, das viele mit gemischten Gefühlen aufschlagen. Die einen suchen darin einen geheimen Fahrplan für das Ende der Welt. Die anderen machen es lieber gleich wieder zu. Doch beide verpassen, worum es der Offenbarung im Kern geht.

    Johannes schreibt an Gemeinden, die unter Druck stehen. Wer sich zu Jesus Christus bekennt, lebt gefährlich. Manche verlieren ihre Arbeit, andere ihre Freiheit, einige ihr Leben. Darum steht eine Frage über allem: Hat Jesus Christus die Herrschaft aus der Hand gegeben? Die Antwort überrascht. Johannes beginnt statt mit Rom und seinen Mächtigen mit Jesus Christus: „Dies ist die Offenbarung Jesu Christi.“ Das ist mehr als eine Überschrift. Es ist der Schlüssel zum ganzen Buch. Wer diesen ersten Satz überliest, wird sich im ganzen Buch verirren. Die Offenbarung enthüllt nicht zuerst die Zukunft. Sie enthüllt Jesus Christus. Ich ertappe mich manchmal dabei, dass ich Antworten suche, obwohl ich eigentlich eine Person brauche. Wer Jesus Christus kennt, sieht die Welt mit anderen Augen.

     

    Einer, der den schwersten Weg kennt

    Der Seher auf Patmos nennt ihn den treuen Zeugen. Das ist kein Ehrentitel. Es ist die Geschichte seines Lebens. Jesus blieb seinem Vater treu, als alle ihn verließen. Er wich dem Kreuz nicht aus. Darum spricht er nicht über das Leid wie ein Zuschauer. Er kennt es von innen. Wer sich Jesus anvertraut, folgt einem Herrn, der den schwersten Weg selbst gegangen ist. Ich habe Menschen erlebt, die genau darin Hoffnung fanden: Da ist einer, der meinen Weg kennt. Außerdem nennt Johannes ihn den „Erstgeborenen von den Toten“. Mit einem einzigen Ausdruck fällt Ostern in dieses Buch. Der Tod trennt Menschen bis heute. Aber seit Ostern hat der Tod nicht mehr das letzte Wort. Seit Ostern hat selbst die dunkelste Geschichte nicht mehr das letzte Wort. Darum beginnt die Offenbarung nicht mit Angst. Sie beginnt mit dem Auferstandenen.

    Doch Johannes bleibt nicht bei diesen beiden Titeln stehen. Er nennt Jesus auch den „Herrscher über die Könige der Erde“. Als er das schreibt, scheint der römische Kaiser unantastbar. Gerade deshalb bekennt Johannes: Die Macht der Herrscher ist groß. Aber sie ist nicht die letzte Macht. Der Herr der Welt ist Jesus Christus. Darum können Christen selbst dann hoffen, wenn die Verhältnisse gegen sie sprechen.

     

    Er liebt uns – nicht nur damals, sondern heute

    Der alte Apostel verändert nun den Ton und die Blickrichtung. Jetzt spricht er über Jesus: „Ihm, der uns liebt und uns von unseren Sünden erlöst hat durch sein Blut.“ Aus der Verkündigung wird ein Lobpreis. Das überrascht nicht. Wer Jesus Christus wirklich erkennt, beginnt ihn anzubeten. Mich bewegt dabei ein kleines Wort. Johannes schreibt nicht: „der uns geliebt hat“. Sondern: „der uns liebt“. Gegenwart. Jetzt.

    Vielleicht ist das der Satz, den wir am nötigsten haben. Vielleicht müssen auch wir das immer wieder hören. Wir denken leicht, Gottes Liebe gehöre der Vergangenheit an und habe ihren Platz zu besonderen Festen wie Weihnachten, Karfreitag oder Ostern. Doch Jesus liebt seine Gemeinde heute. Seine Liebe trägt nicht nur die ersten Christen. Sie trägt auch uns. Nicht weil unser Glaube so stark wäre. Sondern weil seine Liebe stärker ist als unser Glaube. Darum führt uns der Bibelabschnitt zum Kreuz.

    Christus hat uns von unseren Sünden erlöst durch sein Blut. Unsere tiefste Not ist nicht die Unsicherheit der Zukunft. Unsere tiefste Not heißt Schuld. Vergangenes können wir nicht ungeschehen machen. Aber Christus trägt, was wir nicht mehr tragen können. Darum ist die Offenbarung kein Buch der Angst. Sie ist ein Buch der Hoffnung. Der Richter, der am Ende kommt, ist derselbe, der am Kreuz sein Leben für uns gegeben hat.

     

    Die Zukunft hat ein Gesicht

    Johannes fügt noch einen Gedanken hinzu. Jesus Christus hat seine Gefolgsleute „zu einem Königreich und zu Priestern vor Gott“ gemacht. Mitten in einer Welt, die Christen an den Rand drängt, erinnert Johannes sie daran: Ihr gehört zu Gott. Eure Würde hängt nicht davon ab, was Menschen über euch sagen. Sie kommt von Jesus Christus. Dann richtet Johannes den Blick nach vorn. Mit einem Satz fasst er das ganze Buch zusammen: „Siehe, er kommt.“ Die Offenbarung beantwortet nicht zuerst die Frage: Was wird kommen? Sondern: Wer kommt? Jesus Christus kommt.

    Das gab den ersten Gemeinden Kraft zum Durchhalten. Und vielleicht ist das auch das, was wir heute am nötigsten haben. Wir brauchen keinen genauen Fahrplan der Zukunft. Sondern die Gewissheit, wer uns entgegenkommt. Am Ende spricht Gott selbst: „Ich bin das A und das O.“ Anfang und Ende liegen in seiner Hand. Dazwischen liegt unser Leben – mit seinen Freuden und seinen Wunden, mit seinen Fragen und seiner Hoffnung. Nicht alles wird uns erklärt. Auch die Offenbarung löst nicht jedes Rätsel. Aber sie zeigt uns den, der größer ist als unsere Fragen.

    Wenn Sie in den kommenden Wochen dieses letzte Buch der Bibel lesen, dann verlieren Sie den ersten Satz nicht aus den Augen: „Dies ist die Offenbarung Jesu Christi.“ Wer diesen ersten Satz festhält, wird die Offenbarung anders lesen. Nicht die Bilder erklären Christus. Christus erklärt die Bilder. Wer ihn festhält, entdeckt: Dieses geheimnisvolle Buch ist in Wahrheit ein großes Trostbuch. Darum endet die Offenbarung nicht mit Angst, sondern mit Hoffnung. Die Zukunft ist kein dunkler Raum. Sie hat ein Gesicht. Es ist das Gesicht Jesu Christi.

    Bibellesen unter bibleserver.com

    Autor: Jan-Peter Graap

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    11 min
  • Ein klares Profil
    Der Bibeltext Galater 6,10-18 – ausgelegt von Friedrich-Eckart Isemer.
    Die Beschneidung als Streitfrage und das Kreuz

    Paulus erkennt zwei Problemfelder: Denjenigen, der seine Mitchristen zur Beschneidung auffordert oder gar zwingt, sowie den Christen, der sich beschneiden lässt.

    Paulus wirft den örtlichen Autoritäten die Aufforderung zur Beschneidung vor, ja, geradezu den Zwang dazu. Ausgeübt von denjenigen, die „Ansehen wollen nach dem Fleisch“, also gesellschaftliche Anerkennung, um der Verfolgung zu entgehen.  

    Man kann unterstellen, dass sich Christen in Galatien durch die Beschneidung vor Verfolgung schützen möchten. Sie wollen sich in jüdischer Tradition Gott annähern, zugleich aber bekennen sie sich zum Kreuzestod von Jesus und damit zu ihrer Erlösung.

    Bei Paulus steht das Kreuz ganz zentral; es dreht sich alles um die Beziehung zu Gott, eine Herzensbeziehung in Treue zu Gott. Das Kreuz ist die einzige Tür in die Gemeinschaft mit Gott [4]. Die Beschneidung ist als Zeichen des Abfalls von Gott zu sehen. Auf den Christen liegt aber nach Galater 4,23–28 die Verheißung. Es gilt die neue Kreatur in Jesus Christus, im Bekenntnis zum Kreuz.

    Es kommt nicht auf das Beschnitten- oder Unbeschnittensein an.

    Den Glaubensgeschwistern gibt Paulus seinen Segen: „Friede und Barmherzigkeit über sie.“ Und wie es in dem Galater-Brief heißt: „Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen“.  

    Paulus stellt sich ganz unter das Kreuz und die Gnade Jesu Christi und gibt dies an die Gemeinden in Galatien weiter. So der Schlusssatz im Brief an die Christen in Galatien: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit eurem Geist“.

     

    Christenverfolgung und Mission heute

    Was hat nun dies alles mit uns zu tun? Weltweit erleben wir eine massive Christenverfolgung. Auch ich erlebe, dass das Bekenntnis zu Jesus gelegentlich Befremden auslöst. Es wird als rückwärtsgewandt interpretiert, dem Modernen verschlossen.

    Wer als Christ den Weg des geringsten Widerstandes gehen will, der wird sein Bekenntnis zurückhalten; vergleichbar zu Zeiten von Paulus also, sich beschneiden lassen. Dies setze ich der Abkehr vom Kreuz gleich.  

    Es bleibt für mich unverständlich, wie im Oktober 2016 höchste deutsche Bischöfe, evangelisch und katholisch, bei ihrem offiziellen Besuch auf dem Tempelberg in Jerusalem ihre Kreuze, und damit auch ihr Bekenntnis zum Kreuz Jesu ablegten.  

    Ist der Christ heute im Alltag eher defensiv eingestellt? Ich hoffe: nein. Realität aber ist, dass die Zahl der Gemeindemitglieder der beiden großen Kirchen kontinuierlich abnimmt.

    Brauchen wir Mission in Deutschland? Ich denke: ja. „Durch den Traditionsabbruch, den die DDR erzwungen hat, sind zwei komplette Generationen von der kirchlichen Wirklichkeit getrennt worden“, sagt der Pfarrer von Großschirma in Sachsen in der FAZ vom 7. Mai dieses Jahres. Das habe zu einer fast vollkommen atheistischen Gesellschaft geführt. „Wir wollen diesen Osten wieder missionieren“, so sagt er. Gleiches hoffe ich auch für den Westen Deutschlands [2].

    Auf der anderen Seite sehe ich große Feste unter dem Kreuz, zuletzt das Gospel-Sänger-Fest in Stuttgart mit 5.000 eingeladenen Sängern und über 50.000 Teilnehmern. Diese haben sich in großer Freude in der Porsche-Arena und in den Kirchen Stuttgarts versammelt.  

    Der Ruf nach Kirche und Seelsorge wird oft dann laut, wenn Katastrophen über uns kommen. Nach der Amokfahrt eines Autofahrers am 4. Mai dieses Jahres in der Leipziger Innenstadt reichte die Kapazität der Nikolai-Kirche nicht aus, um alle Betenden aufzunehmen.  

    Die Sehnsucht nach Trost ist groß. Offensichtlich existiert trotz aller Kirchenaustritte dennoch ein christliches Grundgefühl und -Gefüge, das uns nicht verlässt. Der Mensch, auch ein Atheist, ist ein religiöses Wesen und hat mit Religion nicht wirklich Mühe. Er lehnt sich allerdings auf, wenn er mit seiner Schuld vor Gott konfrontiert wird, von der er sich nur durch die Vergebung am Kreuz befreien kann [4]. So bleibt zu hoffen, dass wir als Christen auf diesem Grundstock wieder aufbauen können.

    In der Katholischen Kirche wird auf insgesamt niedrigem Niveau ein leichter Anstieg der Taufen im Jahr 2025 dokumentiert.  In Frankreich verzeichnet die katholische Kirche zu Ostern 2026 einen neuen Höchststand mit insgesamt 21 386 Taufen. Das entspricht einem Anstieg von rund 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr [3]. Und fast einer Verdoppelung der Taufrate gegenüber 2024 [5].  

     

    Persönliches Bekenntnis im Alltag

    Aber wie ist unser eigenes Verhalten einzuordnen? Das kann nur jeder für sich entscheiden. In meinem Umfeld, privat wie auch beruflich, lebe ich mein Christsein. Auch die atheistisch eingestellten Freunde nehmen daran keinen Anstoß, im Gegenteil. Sie fragen mich nach meinen Erlebnissen in Israel und nach den Widersprüchen, die sie in den Kirchen erleben. Das macht mir Mut. Hier erlebe ich Mission im kleinen privaten Umfeld. So kann ein jeder sein christliches Bekenntnis, seinen Beitrag nach außen tragen.

    Als Christen setzen wir durch die Eindeutigkeit unserer Beziehung zum Kreuz Jesu einen Kontrapunkt gegen die Beliebigkeit unserer Gesellschaft. Den Mönchen des Klosters Santo Domingo de Silos ist es mit ihrem Psalmengesang gelungen, in die Charts der Pop-Musik vorzudringen. Diese gregorianischen Gesänge gehen in ihrer Klarheit unter die Haut. Das fordert mich heraus. Die Eindeutigkeit im Glauben an Jesus Christus sollte zu meinem Wesen gehören.

    Ich möchte klar sprechen und erkennbar, wiedererkennbar sein mit einem eigenen Profil. Dem Profil: Ich vertraue Jesus Christus. Insbesondere auch für die, die sich in der Kirche nicht oder nicht mehr aufgehoben fühlen.

     

    Literatur
    1. William Barclay: Brief an die Galater / Brief an die Epheser / Auslegung des Neuen Testaments. Aussaat Verlag Neukirchen-Vluyn, 5. Aufl. 1994
    2. Markus Wehner, Großschirma: Der Missionar. Pfarrer Justus Geilhufe will sich nicht damit abfinden, dass die Kirche in Ostdeutschland stirbt. Er kämpft für ihr Überleben – und gegen die AfD. FAZ v. 7. Mai 2026 Nr. 105, S. 3
    3. Franziska Harter: Klarer Kurs, Katholischer Journalismus. Die Tagespost 26.03.2026
    4. Marcel Rebiai, Verein Gesher-Bridge, Jerusalem, persönliche Mitteilung vom 12.05.2026
    5. https://www.katholisch.de/artikel/52533-rekordhoch-bei-taufen-was-macht-die-kirche-in-frankreich-anders
    6. Stefan Weinfurter: Karl der Große. Piper Verlag 3. Auflage September

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    Autor: Prof. Dr. med. Friedrich-Eckart Isemer

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    11 min
  • Es ist passiert
    Der Bibeltext Galater 6,1-9 – ausgelegt von Ingrid Braun.
    Wenn Worte und Taten entgleisen

    Unschöne Worte stehen im Raum. Bei einer Zusammenkunft des Mitarbeiterkreises explodiert einer, ich nenne ihn Aaron. Er wirft dem Gemeindeleiter alles Mögliche an den Kopf, bis dahin, dass es irgendwann aus ihm herausplatzt: „Dir trau ich’s zu, dass du auch in die Kasse greifst!“ Allen ist klar: Das stimmt so nicht. Was Aaron dem Leiter unterstellt, entbehrt jeglicher Grundlage.

    Die Sache mit Aaron habe ich erfunden. Aber so ähnlich kann es laufen: Da vergaloppiert sich einer komplett – mit Worten und vielleicht sogar mit Taten. Alle anderen schütteln nur noch den Kopf und fragen sich: Wie kann der bloß?

    Die christlichen Gemeinden in Galatien scheinen ähnliche Vorfälle zu kennen. Paulus erwähnt den Fall, dass ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt wird. Da hat einer danebengegriffen. Er hat nicht nur einen harmlosen Fehler gemacht in dem Sinn, dass er das Plakat rot statt blau gestaltet oder Semmeln statt Brezen gekauft hat. Es geht um einen Fehltritt, eine Verfehlung. Etwas, was falsch ist und was Schaden anrichtet. Das Ganze ist nicht beabsichtigt. Es ist passiert. Paulus schreibt von dem Fall, dass ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt wird.

    Ich kann mir die Reaktionen lebhaft vorstellen. „Wie konnte Aaron nur so ausfällig werden!“, wird hinterher gesagt. Und vielleicht denkt der eine oder andere: „Typisch Aaron! Von dem habe ich nichts anderes erwartet.“ Wenn einer einen Fehler macht, kann ich mich dem erhebenden Gefühl hingeben, dass ich selbst zum Glück ein bisschen besser bin als er.

     

    Mit sanftmütigem Geist zurechthelfen

    „Das geht gar nicht“, schreibt Paulus, „ihr seid doch Leute, die vom Heiligen Geist erfüllt sind! Eure Reaktion soll anders sein.“ Brüder und Schwestern, wenn ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt wird, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, ihr, die ihr geistlich seid.

    Ich finde es bezeichnend: Paulus befasst sich nicht mit demjenigen, der den Fehler gemacht hat. Paulus geht es darum, wie die Gemeinde mit ihm umgeht.

    Und da ist vor allem eines angesagt: nicht von oben herab den anderen abzuurteilen, sondern ihm wieder zurecht zu helfen – und zwar mit Sanftmut. Sanftmut gehört zu den Früchten des Geistes, die Paulus in Kapitel 5 aufgezählt hat. Wohlgemerkt: Es geht nicht darum, den anderen zu entschuldigen, ihn in Schutz zu nehmen, wo nichts in Schutz zu nehmen ist. Es geht darum, dem anderen zu helfen, damit er wieder auf die richtige Bahn kommt.

    „Und das mit sanftmütigem Geist“, schreibt Paulus. Das heißt: So, dass ich mir bewusst bleibe: Ich bin doch auch nicht besser. Ich mache auch immer wieder Dinge falsch. Deswegen stelle ich mich nicht über den anderen. Ich stehe auf einer Stufe mit ihm. Gemeinsam versuchen wir, die Dinge wieder in Ordnung zu bringen.

    „Denn wenn jemand meint, er sei etwas, obwohl er doch nichts ist, der betrügt sich selbst. Ein jeder aber prüfe sein eigenes Werk; und dann wird er seinen Ruhm bei sich selbst haben und nicht gegenüber einem andern“, schreibt Paulus.  

    Vergleicht euch nicht mit anderen. Schaut nicht darauf, ob ihr besser oder schlechter seid. Schaut darauf, dass es bei euch stimmt: dass euer Leben mit eurem Glauben übereinstimmt; dass das, was ihr sagt und tut, vor Gott recht ist. Bemüht euch darum, dass euer Leben Gott die Ehre gibt.

    Dem, der einen Fehler gemacht hat, mit sanftmütigem Geist wieder zurecht zu helfen und sich nicht über den anderen zu stellen, ist das eine, was Paulus wichtig ist. Das Zweite ist: Und sieh auf dich selbst, dass du nicht auch versucht werdest. Paulus weiß, wie schnell es geht, dass man ins gleiche Fahrwasser gerät. Ich meine noch, ich habe alles Recht, dem anderen seinen Fehler unter die Nase zu reiben – dabei bin ich selbst schon lieblos unterwegs. Ja, schlimmstenfalls übt der Fehler des anderen eine geheimnisvolle Anziehungskraft aus – so, dass ich selbst mithineingezogen werde. „Passt auf euch auf“, sagt Paulus, „damit euch das nicht passiert!“

     

    Die Last der Schuld nicht allein tragen

    „Lasst den anderen mit seiner Schuld nicht allein“, ist die dritte Aufforderung des Paulus. „Einer trage des andern Last, so werdet ihr das GesetzChristi erfüllen.“

    Manchmal wird dieser Satz so verstanden, dass wir uns in der Gemeinde gegenseitig helfen sollen, wenn z. B. einer viel Leid ertragen muss. Das ist nie verkehrt. Paulus meint an dieser Stelle aber konkret die Last der Schuld. In der Gemeinde soll keiner mit der Last seiner Schuld allein gelassen werden. Es ist Aufgabe der Gemeinde, füreinander da zu sein – auch und gerade so, dass der, der schuldig geworden ist, den Weg findet, seine Schuld zum KreuzJesu zu bringen, um sie dort loszuwerden.

    „Letztlich“, schreibt Paulus, „wird sich jeder für sein Leben und Handeln selbst vor Gott rechtfertigen müssen.“ Das gilt auch für hochmütige Gedanken, die mir vorgaukeln, ich bin ein besserer Mensch. „Denn ein jeder wird seine eigene Last tragen“, schreibt Paulus. „Jeder muss sich selbst für sein Reden, Denken und Tun vor Gott verantworten. Deswegen: Solange es möglich ist, helft einander, auf dem rechten Weg zu bleiben oder dahin zurückzukehren.

     

    Geistlich statt fleischlich leben

    Es soll in der Gemeinde geistlich zugehen und nicht fleischlich – nicht so, wie es normalerweise in der Welt läuft, wie mein Egoismus es mir vorgibt. Sondern so, wie der Geist Gottes es will.

    Denn eines bleibt klar: Wer meint, er könne auf den Geist verzichten, er wisse selbst, was für ihn gut ist, der wird am Ende genau da landen, wo sein Egoismus ihn hinführt – nämlich ins Verderben. Wer sich aber vom Geist leiten lässt, der wird vom Geist zum ewigen Leben geführt.

    Auch, wenn es oft zuerst der mühsamere Weg zu sein scheint: Wer sich vom Geist leiten lässt, ist auf dem richtigen Weg.

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    Autor: Ingrid Braun

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    9 min
  • Statt Freiheit – Zwang des Gesetzes
    Der Bibeltext Galater 5,16-26 – ausgelegt von Ludwig Geisler.
    Freiheit durch Gnade und Gottes Geist

    Paulus schreibt den Christen in Galatien. Dort hat er auf seiner ersten Missionsreise Gemeinden gegründet. Das liegt noch nicht so lange zurück. Aber die Gemeinden sind verunsichert, und Paulus ist empört: „Ihr unvernünftigen Galater, wer hat euch verblendet?“, fragt er sie. Die gute Nachricht von der GnadeGottes, die uns von dem Zwang des Gesetzes befreit, wird infrage gestellt. „Gab Gott euch denn seinen Geist und wirkt er Wunder unter euch, weil ihr das Gesetz befolgt oder weil ihr die Botschaft vom Glauben gehört habt?“ So will Paulus die Christen in Galatien an den Grund ihres Glaubens erinnern. Diese Frage will ich mir auch stellen. Die Frage nach einem christlichen Lebensstil in Übereinstimmung mit Gottes guten Weisungen, aber doch frei von den Regeln des Talmud, der jüdischen Gesetze. „Christus hat uns befreit, damit wir auch in Freiheit leben!“, ruft Paulus den Galatern in Kapitel 5,1 zu.

    Die Unterscheidung von Gesetz und Gnade, von Gerechtigkeit aus Werken oder aus Glauben muss immer wieder erklärt und bedacht werden. Der Brief an die Galater ist dafür ein lehrreiches Bibelbuch. Es könnte so einfach sein, wenn Gottes Geist in uns Klarheit schafft. Darin liegt die Herausforderung und darin besteht oft die Abweichung: Unsere menschliche Natur widerstrebt dem Geist Gottes. Unser selbstsüchtiges Wollen liegt in unserer von Gott abgewandten Natur – die Bibel nennt sie auch „Fleisch“. Als Pfingsten geschieht, sendet Jesus den versprochenen Helfer, Tröster und Sachwalter, den Heiligen Geist. Durch ihn werden die Apostel ermutigt und befähigt, von der Auferstehung und dem ewigen Leben zu reden. Durch Gottes Geist geschehen wunderbare Zeichen und werden Menschen verändert. Durch ihn wächst die Zahl der Jesus-Nachfolger, die Ecclesia, die Kirche.

    Die menschliche Natur und ihre Werke

    Die menschliche Natur wird aber nicht ausgelöscht, sodass es auch zu Streit, Zwietracht und Spaltungen kommt. Paulus erwähnt in unserem Text vierzehn „Werke des Fleisches“, also Untaten, die unsere Ichbezogenheit hervorbringt. Ich habe mich gefragt, was meine Schwachstellen sind. In allem ist es die mangelnde Selbstbeherrschung, ob bei sexueller Unmoral oder bei Genusssucht – die Bibel spricht von Fressgelagen. Unsere Gesellschaft leidet an Egoismus, an Feindseligkeit, Intrigen und Neidereien. Der Glaube wird angefeindet durch Götzendienst und Okkultismus.

    In den Zeiten des Apostels Paulus sind im Römischen Reich die Auswirkungen der Selbstsucht deutlich sichtbar. Intrigen und Mord sind unter den Herrschenden verbreitet. Von Julius Caesar bis Domitian werden im Römischen Reich fünf Kaiser ermordet. Die sexuelle Unmoral und Ausschweifung, die Trunkenheit und Fressgier werden zur Schau gestellt. Diese Verlockungen machen auch vor den Christen nicht halt. Die Bibel mahnt uns zur Bescheidenheit und zum Teilen unserer Güter. Im Brief des Jakobus (3,13) können wir lesen: „Wer von euch ist denn weise und verständig? Er soll das durch seinen Lebenswandel zeigen, und zwar in der Bescheidenheit, die aus der Weisheit kommt.“

    Die Frucht des Geistes: Farben des Lebens

    Im ersten Vers unseres Textes will ich es mir von Paulus sagen lassen, wer der entscheidende Bestimmer meines Lebens sein will: „Lasst den Geist Gottes euer Leben bestimmen, dann könnt ihr den Begierden in euch widerstehen.“ Dann werdet ihr nicht mehr von eurer Lust beherrscht.

    Paulus beschreibt uns dann eine Frucht mit neun Wesenszügen, die der Geist Gottes in unserem Leben „hervorbringt“. Wir können sie nicht selbst produzieren, aber wachsen lassen. Ich will mich erfüllen und leiten lassen und diese Wesenszüge ausstrahlen. Sie sollen die Farben meines Lebens sein.

    Liebe – Freude – Frieden – Geduld – Freundlichkeit – Güte – Treue – Sanftmut – Selbstbeherrschung.

    Welche Farbe hat mich von Anfang an begleitet? Welche Farbe soll in meinem Leben hervortreten? Welche Farbe ist noch sehr blass in meinem Leben?

    1. Die Freude hat mich am Beginn meines Christseins zuerst erfüllt und bleibt in mir als eine starke Kraft. Das Glück, bei Gott angenommen zu sein und bei Jesus Vergebung zu finden, ist für mich unbeschreiblich. So freue ich mich täglich über Worte der Bibel, aber auch an der Gemeinschaft mit Menschen, die mit mir auf dem Wege sind. So wie Esra es seinem Volk zurief, gilt es auch mir: „Die Freude am HERRN ist eure Stärke, sie gibt euch Kraft.“ (Nehemia 8,10)
    1. Die Freundlichkeit möge als Wesensmerkmal immer stärker hervortreten. Ich will sie reflektieren, weil Gottes Freundlichkeit mich anstrahlt. Paulus schreibt an Titus so schön: Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilands, hat er uns gerettet und durch den Heiligen Geist erneuert. (Titus 3,4) Ein freundliches Lächeln gibt meinem Gegenüber ein gutes Gefühl und provoziert eine Erwiderung. Ein freundliches Wort ist wie ein Sonnenstrahl im trüben Alltag.
     
  • Die Selbstbeherrschung ist wie die Weisheit eine Gabe, die im Alter zunehmen soll. Ich bin schon alt, aber oft noch unbeherrscht. Wo sie fehlt, bin ich ungeduldig und lieblos. Im Brief des Petrus habe ich den weisen Rat gelesen: So setzt nun allen Fleiß daran, in eurem Glauben ein vorbildliches Leben zu führen und diesem Leben muss die Selbstbeherrschung folgen, der Selbstbeherrschung die Geduld und der Geduld die liebevolle Ehrfurcht vor Gott. (2. Petrus 1,6)
  • Im Geist wandeln und Jesus nachfolgen

    So sind sich die Apostel bei aller Unterschiedlichkeit einig und konform mit ihrem HERRN Jesus Christus. Paulus, Jakobus und Petrus beschreiben die geistliche Frucht in einem Christenmenschen mit diesen Tugenden. Ich sagte schon, die Selbstbeherrschung fällt mir schwer, da braucht Gott mit mir Geduld. An meinem Tun und Handeln soll sichtbar werden, dass der Heilige Geist in mir etwas Neues begonnen hat. „Lasst uns nun auch im Geist wandeln“, steht kurz und klar in der Luther- und Schlachter-Übersetzung. Wandeln, das ist die christliche Bewegungsform; frei und doch nicht orientierungslos. Ich habe mich entschieden und will Jesus nachfolgen. Er ist der Ursprung, der Weg und das Ziel (Offenbarung 22,13).

    Die Verse 25 und 26 finde ich in der Neuen Genfer Übersetzung sehr treffend ausgedrückt: „Wir wollen uns auf Schritt und Tritt von Gottes Geist bestimmen lassen, nicht überheblich auftreten, einander nicht provozieren und nicht neidisch aufeinander sein!“ Dazu segne uns der HERR Jesus Christus. 

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    Autor: Ludwig Geisler

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    11 min
  • Glück wünschen
    Der Bibeltext Psalm 32 – ausgelegt von Hans-Claus Ewen.
    Das Glück der Vergebung

    Haben Sie schon einmal den Begriff „Brutto-National-Glück“ gehört? Im Königreich Bhutan steht das Recht auf Glück seit 2008 in der Verfassung des kleinen Himalaya-Staates. Der ehemalige König Jigme Singye Wangchuck prägte den Begriff des Brutto-National-Glücks als Alternative für das Bruttoinlandsprodukt. Bhutan ist damit das einzige Land der Welt, dem das Glück seiner Bewohner wichtiger ist als sein wirtschaftlicher Erfolg.

    Wenn ich Menschen zum Geburtstag gratuliere, wünsche ich ihnen Glück. Jungvermählten wünsche ich Glück für ihren gemeinsamen Weg, Schulabgängern eine glückliche Zukunft. Dabei verstehe ich unter Glück meist Dinge wie Gesundheit, Erfolg, Freude, Frieden und eine gute materielle Versorgung.

    Der Psalm, um den es heute geht, bezieht sich nach Ansicht vieler Bibelausleger – wie auch Psalm 51 – auf Davids Ehebruch mit Bathseba und auf den Auftragsmord an ihrem Ehemann Uria. Das Glück, von dem David in diesem Zusammenhang spricht, ist ein ganz anders geartetes Glück: das Glück eines Menschen, dem GottSünde, Übertretung und Schuld vergeben hat. Dieses Glück ist nicht mit der Redewendung „Glück gehabt!“ zu verwechseln. Es beschreibt einen bleibenden Zustand, der mit der Vergebung beginnt.

    Schuld erkennen und ihre Folgen verstehen

    Die Schwere seiner Schuld unterstreicht David durch mehrere Begriffe: Sünde, Übertretung, Schuld und Trug. Je nach Übersetzung finden sich auch Wörter wie Treubruch, Rebellion, Missetat oder Ungerechtigkeit. Damit wird deutlich, dass Sünde nicht nur ein Fehler oder eine menschliche Schwäche ist. Die verschiedenen Begriffe beleuchten unterschiedliche Seiten derselben Wirklichkeit.

    Sünde bedeutet zunächst das Überschreiten einer von Gott gesetzten Grenze. David übertrat die Gebote „Du sollst nicht ehebrechen“ und „Du sollst nicht morden“. Zugleich bedeutet Sünde: da verfehlt jemand das von Gott gesetzte Ziel. Sünde ist Rebellion gegen Gott und nimmt den Bruch der Gemeinschaft mit ihm bewusst in Kauf. Besonders interessant ist der Begriff „Trug“. Er beschreibt den Selbstbetrug des Menschen, der versucht, seine Schuld zu rechtfertigen oder zu verharmlosen.

    David hat erkannt, dass seine einzige Hoffnung darin bestand, seine Schuld zu bekennen. Seine Erfahrung zeigt, dass Sünde nicht nur eine moralische oder ethische Angelegenheit ist. Er beschreibt körperliche Beschwerden, die er mit seinem Fehlverhalten verbindet. Die Bibel macht deutlich, dass die Sünde des Menschen Auswirkungen auf die gesamte Schöpfung hat. Das wird schon im ersten Buch der Bibel auf den ersten Seiten deutlich: Nach dem Sündenfall wird der Erdboden verflucht (1. Mose 3,17). Und im Neuen Testament behauptet der ApostelPaulus im Römerbrief, dass die ganze Schöpfung der Vergänglichkeit unterworfen wurde und bis heute seufzt und in Geburtswehen liegt (Römer 8,20–22). Sowohl beim Propheten Jesaja als auch im letzten Buch der Bibel, beim Seher Johannes, ist davon die Rede, dass Gott eine neue Erde schaffen wird. Wenn Sünde bereits die Schöpfung so tief betrifft, wie viel mehr den Menschen selbst!

    David beschreibt die zerstörerische Wirkung der Sünde mit Bildern aus der Natur: ausgetrocknete Flüsse während großer Hitze und reißende Sturzfluten nach heftigen Regenfällen. Er wusste, dass unausgesprochene Schuld ihn letztlich zugrunde richten würde.

    Sündenbekenntnis und Rechtfertigung

    Für David bedeutete Sündenbekenntnis, dass er sich Gottes Urteil über die eigene Schuld unterwirft: keine Beschönigung, keine Ausreden, keine Verniedlichung und keine Rechtfertigung. Der Weg zu dem eingangs beschriebenen Glück führt nur über das ehrliche Eingeständnis: „Ich bin schuldig und habe Strafe verdient.“

    Im Neuen Testament greift Paulus diesen Psalm in Römer 4 auf und erklärt die Rechtfertigung allein aus Glauben mit den folgenden Worten:

    „Dem, der nicht mit Werken umgeht, sondern an den glaubt, der den Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet … Selig sind die, denen die Ungerechtigkeiten vergeben und deren Sünden bedeckt sind.“ (Römer 4,5–8)

    Die Sünde des Menschen machte den stellvertretenden Tod JesuChristi notwendig. David erwähnt bereits zwei wesentliche Aspekte der Erlösung: Die Schuld muss bedeckt und dem Menschen muss Gottes Gerechtigkeit zugerechnet werden. Dieses „Bedecken“ bedeutet nicht, dass Schuld einfach übergangen wird. Im Hebräerbrief, Kapitel 9, wird deutlich: „Ohne Blutvergießen geschieht keine Vergebung.“ Das ist ein Hinweis auf den Opferkult Israels – anfangs in der Stiftshütte, dem mobilen Heiligtum aus der Zeit der Wüstenwanderung. Später dann im Tempel in Jerusalem. Die Opfer dort verdeutlichten dieses Prinzip: Die Schuld des Sünders wurde symbolisch auf ein Opfertier übertragen, während dessen Unschuld dem Sünder zugutekam. Diese Opfer haben bereits auf Jesus Christus hingewiesen. Am Kreuz wurde ihm die Schuld der Menschheit zugerechnet. Sein Tod – 1000 Jahre nach David – hat erst die Möglichkeit eröffnet, dass allen Glaubenden Gottes Gerechtigkeit zugerechnet wird.

    Gottes Führung im vertrauensvollen Blickkontakt

    Zum Schluss des Psalms spricht David über Gottes Führung. Wer seine Schuld bekannt und sich von ihr abgewandt hat, kann darauf vertrauen, dass Gott ihn leitet. Es ist offensichtlich nicht Gottes Wunsch, den Menschen wie ein Maultier oder Pferd zu kontrollieren, um ihnen so seinen Willen aufzuzwingen. Gottes Wille mag nicht immer das sein, was seine Kinder für gut und gerecht halten, aber angesichts der empfangenen Vergebung können sie lernen, ihm vertrauensvoll zu folgen. Gott meint es immer gut, auch wenn man seine Wege nicht direkt versteht. Diese Führung beschreibt David mit dem Bild des Augenkontakts.

    Mich erinnert das an kleine Kinder auf einem Spielplatz. Die Eltern beobachten ihre Kinder aufmerksam. Möchte ein Kind etwas tun, von dem es weiß, dass es vielleicht falsch ist, sucht es oft den Blickkontakt mit den Eltern. Deren Blick genügt häufig als Antwort. Ebenso sucht ein Kind nach einem gelungenen Verhalten den Blick der Eltern, um Bestätigung und Freude zu erfahren. Auch hier sagt der Blick oft mehr als Worte.

    So verstehe ich Davids Bild von Gottes Führung. Zwischen Gott und seinen Kindern soll ein lebendiger Blickkontakt bestehen. Jesus selbst beschreibt seine Beziehung zum Vater mit den Worten: „Der Sohn kann nichts von sich aus tun, sondern nur, was er den Vater tun sieht“ (Johannes 5,19).

    Natürlich bedeutet das nicht, dass wir Gott mit unseren leiblichen Augen sehen. Solche Erfahrungen schildert die Bibel nur in besonderen Ausnahmen. Paulus betet im Epheserbrief darum, dass die „Augen des Herzens“ geöffnet werden, damit wir geistliche Wirklichkeiten erkennen (Epheser 1,17–18).

    Ich glaube, dass genau darin der Blickkontakt mit Gott besteht. Wie das Kind den Blick seiner Eltern sucht, können wir die Augen unseres Herzens auf Gott richten. Im Gebet und im Hören auf sein Wort schenkt er Orientierung, Korrektur und Bestätigung. Wer seine Schuld bekennt und Gottes Vergebung angenommen hat, lebt nicht nur im Glück der Versöhnung, sondern kann auch darauf vertrauen, dass Gott ihn auf seinem Weg liebevoll führt.

    Bibellesen unter bibleserver.com

    Autor: Hans-Claus Ewen

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    12 min
  • Zur Freiheit befreit
    Der Bibeltext Galater 5,1-15 – ausgelegt von Lydia Dummert.
    Die Sehnsucht nach Freiheit

    "Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!"

    Ich lese diese Worte des Paulus, und in mir wird ein tiefer, lang ersehnter Wunsch berührt:

    FREIHEIT!

    Wegen schwerer Krankheit wurde ich plötzlich aus dem Leben herausgerissen und musste mit Mitte 40 einige Jahre in einem Pflegeheim verbringen. Ich fühlte mich in mehrfacher Hinsicht wie in einem Gefängnis: Mein zuvor "normal" funktionierender Körper war über Nacht pflegebedürftig und auf einen Rollstuhl und fremde Hilfe angewiesen.

    Mein Körper, den ich zuvor so selbstverständlich in seiner großartigen Funktionsweise hingenommen hatte, setzte mir deutliche Grenzen:

    Ich war nicht mehr frei, zu gehen, zu stehen, allein zu essen oder mich zu waschen.

    Ich war aber auch nicht mehr frei, mein Zuhause und die Menschen, mit denen ich es teile, zu wählen. Ich musste mich wohl oder übel auch mit Menschen arrangieren, mit denen ich mich sonst nicht umgeben hätte.

    Ich musste mich an Regeln halten, die ich nicht selbst gewählt hatte, musste damit leben, dass jederzeit jemand – auch ohne anzuklopfen – in mein Zimmer kommen konnte.

    Und wenn ich hier das Wort "Zuhause" verwende, so vermied ich es damals fast zwanghaft, dies für meine neue Unterkunft zu verwenden. Denn diesen Ort hätte ich nie freiwillig gewählt.

    Doch nicht nur äußerlich und körperlich fühlte ich mich in meiner Freiheit beschnitten, auch seelisch fühlte ich mich in meiner Freiheit bedrängt. Ich fühlte mich wie ein gläserner Mensch. Die Schweigepflicht wurde im Heim nicht besonders hochgehalten; und jeder wusste viel zu viel Persönliches über den anderen.

    Heute – nach langem Warten und Kämpfen – habe ich meine körperlichen Funktionen beinahe vollständig zurückerlangt, und ich habe wieder ein eigenes Zuhause!

    Das erfüllte mich zu Beginn mit einem großen Glücksgefühl und auch Dankbarkeit.

    Doch meine Psyche hatte gelitten – zu viel war in der Vergangenheit an Schmerzhaftem geschehen. Bin ich also auch jetzt noch nicht frei?

    Was Paulus mit Freiheit meint

    Und ich frage mich: Was meint Paulus eigentlich mit Freiheit? Spricht er von einer anderen Freiheit als der, an die ich bei dem Wort Freiheit denke? Ich glaube schon.

    Aber was hat Freiheit mit Beschneidung zu tun? Wer sich beschneiden lässt, muss, so Paulus, „das ganze Gesetz tun“. Doch wer durch das Gesetz gerecht werden möchte, der hat Christus verloren und ist aus der Gnade herausgefallen.

    Was will Paulus damit sagen? Soll ich mich nicht an Gottes Gebote halten? Ja, wäre das sogar falsch, da ich dann Christus verliere?

    Vielleicht hilft ja der historische Kontext. Paulus schreibt an Gemeinden in Galatien, die offenbar unter dem Einfluss stehen, dass der Glaube an Christus allein nicht ausreicht.

    Stattdessen werden offenbar besonders für nichtjüdische Christen die Beschneidung und damit die Übernahme wesentlicher Elemente des jüdischen Gesetzes als Voraussetzung für die volle Zugehörigkeit zu Gottes Volk gefordert.

    Dahinter steht also das Grundproblem: Wird ein Mensch allein durch den Glauben an Christus gerecht – oder muss er zusätzlich die Forderungen des Gesetzes erfüllen?

    Gnade statt religiöser Leistung

    In Vers 6 sagt Paulus dazu: „Denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe tätig ist.“

    Eigentlich, so meine ich, ist diese Aussage des Paulus doch wirklich befreiend. Ich darf mich frei machen von einem religiösen Leistungsdenken. Ich muss nicht zuerst viel beten, viele gute Werke tun und regelmäßig in die Kirche gehen. Nein – allein der Glaube genügt.

    Das klingt doch in einer Leistungsgesellschaft, in der wir leben, beinahe befremdlich. Wenn ich mehr Gehalt oder eine höhere Position im Job möchte, muss ich dafür erstmal etwas (und vielleicht sogar mehr, als mir guttut) leisten. Zuerst muss ich etwas investieren, bevor ich etwas bekomme.

    Hier scheint es aber gerade umgekehrt zu sein. Denn hier – so verstehe ich Paulus – habe ich es mit einem gnädigen Gott zu tun. Für ihn muss ich nicht in Vorleistung gehen. Mein Glaube an ihn genügt.

    Bedeutet das dann im Umkehrschluss: Ich kann tun und lassen, was ich will, und trotzdem falle ich nicht aus Gottes Gnade?

    Nein. Auch dies scheint nicht Paulus´ Intention zu sein. Auch wenn mich Gottes Gnade freispricht, so soll diese Freiheit nicht dem „Fleisch Raum geben“.

    Fleisch meint hier aber nicht einfach den menschlichen Körper, sondern den Menschen in seiner von Gott losgelösten, selbstbezogenen Lebensweise.

    Freiheit meint hier also nicht Zügellosigkeit. Denn es gilt das Gesetz der Nächstenliebe.

    Das wirkt im ersten Moment doch widersprüchlich: Zuerst stellt sich Paulus gegen eine Gesetzesgerechtigkeit, aber dann soll ich mich doch an ein Gesetz, das sogar „das ganze Gesetz“ umfasst, halten …

    Freiheit, die zur Liebe befähigt

    Aber vielleicht löst sich dieser scheinbare Widerspruch, wenn ich die Funktion des Gesetzes bei Paulus betrachte. Es geht nicht darum: Ich liebe meinen Nächsten, damit Gott mich annimmt. Sondern: Weil Gott mich in Christus angenommen hat, kann ich meinen Nächsten lieben. Und was ich ebenfalls für sehr wichtig erachte: Auch mich selbst.

    Eigentlich sagt dieses Gebot doch aus, was ich aus der Psychologie kenne: Wenn ich mich selbst nicht mag und nicht gut zu mir bin, wird es schwer, sich anderen in Liebe zuzuwenden.

    Wenn ich mich aber wirklich als von Gott geliebten und durch seine Gnade freigesprochenen Menschen sehe, dann kann ich vielleicht auch ein Segen für meine Mitmenschen sein.

    Dies zu glauben, ist sicherlich nicht immer leicht.

    Aber es erscheint es mir wert.

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    Autor: Lydia Dummert

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    11 min
  • Freiheit, die Gott meint
    Der Bibeltext Galater 4,21-31 – ausgelegt von Dirk Bösenberg.
    Freiheit in Gottes Gegenwart und das himmlische Jerusalem

    Paulus schärft uns im Galaterbrief, Kapitel 2, Vers 20 ein: „Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern der Christus – der Sohn Davids, der Sohn Gottes – lebt in mir.“ Gott selbst lebt in einem Christen.

    Ich habe die Freiheit, ihm zu gehören; die Freiheit, von seiner Auferstehungsmacht getragen zu
    sein; und die Freiheit, für immer in Gottes Gegenwart zu sein.

    1. Paulus greift verschiedene Bilder aus der hebräischen Bibel auf. Ein schönes Bild ist das von

    Jerusalem, das droben und unsere Mutter ist, die sich in Jubel und Freude über die große
    Schar ihrer Kinder ergreifen lässt. Was ist damit im Lichte der jüdischen Tradition gemeint?
    Zum einen, Jerusalem ist der Ort, der nach 2. Samuel 5 von David erobert und zur Stadt
    Davids wird. Zum anderen, nach 2. Samuel 7: Gott bindet sich an David und verheißt, dass
    Davids Königshaus auf Dauer bestehen wird, und kündigt an, dass der Sohn Davids ihm ein
    Haus bauen wird – den Tempel auf dem Zion. Das Lied für den Tempeldienst Psalm 132,11–
    14 ruft: „Denn der Ewige hat David eine Treue geschworen, von der Er nie ablassen wird: Aus
    der Frucht deines Schoßes werde ich dir [Nachkommen] auf den Thron setzen! Wenn deine
    Söhne meinen Bund halten und dieses Zeugnis von mir, das ich sie lehre, sollen auch ihre
    Kinder für alle Zeiten auf deinem Thron sitzen. Denn der Ewige hat Zion für sich gewählt, es
    als seinen Wohnsitz gewollt. Das ist meine Ruhestätte für immer; hier will ich wohnen, denn so
    will ich es …“. Gottes Gegenwart ist mit Jerusalem für immer verbunden. Dazu kommt Jesaja
    25,6–9 (in Kurzform): Gott lädt alle Völker zu einem Festmahl ein, hebt den Schleier der Völker
    ab, verschlingt den Tod, trocknet jede Träne und nimmt die Schmach seines Volkes weg – und
    die Antwort der Erlösten lautet: „Das ist der HERR, auf den wir hofften; lasst uns jubeln und
    fröhlich sein über sein Heil.“ Für das Wort „Heil“ steht hier in der hebräischen Bibel: Yeshuah,
    das Wort für Jesus. Dann kann man sagen: „Weil der Tod auf ewig verschlungen ist, lasst uns
    jubeln und fröhlich sein über Yeshua-Jesus.“ Hier hat jeder die Freiheit, in der Gegenwart
    Gottes zu sein. Jeder hat die Freiheit, ihm zu gehören.

    Der Abrahambund und der Umgang mit Gottes Verheißung

    2. Nun zum Abrahambund, der besagt: Gott gibt Abraham das Versprechen: „Ich will dich segnen

    … und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen … Und in dir sollen gesegnet
    werden alle Geschlechter der Erde.“ Diese Verheißung ging nicht an Hagar und Ismael,
    sondern an Sara und Isaak. Aus dieser Linie ist das Volk Israel hervorgegangen – und nach
    einer langen Zeit der Zerstreuung lebt es heute wieder in seinem Land. Abraham, Sara und
    Hagar haben Gottes Wort auf eigene Faust so umgeformt, dass es ihrer eigenen Planung
    diente. Das ist Gott gegenüber überheblich und übergriffig. So Gottes Wort in die eigene Logik
    zu pressen oder über Gottes Wort zu richten, mag wie Freiheit aussehen – doch die Folgen
    zeigen das Gegenteil.

    Sinai und irdisches Jerusalem: Freiheit und Gefangenschaft

    3. Dann ein weiteres Bild, vom Sinai, von Knechtschaft und dem damaligen irdischen Jerusalem:

    In 2. Mose 20 steht das Volk Israel hinter einer Grenze, die Moses um den Berg gezogen hat,
    getrennt von der Gegenwart Gottes. In den Versen 18–19 heißt es: „Und das ganze Volk sah
    den Donner und die Blitze und den Posaunenschall und den rauchenden Berg; und als das
    Volk solches sah, erschraken sie und blieben ferne stehen. Und sie sprachen zu Mose: Rede
    du mit uns, so wollen wir hören; aber Gott rede nicht mit uns, dass wir nicht sterben.“
    Das Volk Israel lebt nach seiner Befreiung aus Ägypten in Freiheit – und doch ist es gefangen in
    seiner Angst und der Trennung von Gott. Gott selbst ist in ihrer Mitte, sie hören Gottes Stimme,
    und doch bauen sie das goldene Kalb. Sie sind so frei und doch gefangen in ihrem Hochmut. Gott
    löst seinen Bund mit Israel nicht auf.
    Das gilt auch für die damalige Stadt Jerusalem. Man lebt die Freiheit von Gottes Gedanken. Es
    gibt einen Tempel mit Gottesdiensten. Der König stammt nicht aus dem Hause Davids, die
    Priesterschaft ist zerrissen, ein tägliches Opfer für den Kaiser, dazu im Land drei römische
    Tempel. Es gibt eine lebendige Religiosität, und gleichzeitig kann man mit Jesaja 1, Vers 4 sagen:
    „Wehe dem sündigen Volk, dem Volk mit Schuld beladen, dem boshaften Geschlecht, den
    verderbten Kindern, die den HERRN verlassen, den Heiligen Israels lästern, die abgefallen sind!“
    Sie erleben: Wer sich über Gott stellt, wählt die Unfreiheit. Und doch sendet Gott seinen Sohn
    Jesus und eine Freiheit, mit Gott zusammen zu sein.

    Das Gesetz hören und Gott in Jesus gehören

    4. Es wird gefragt: „Hört ihr nicht das Gesetz?“ (Vers 21)

    Damit kann gemeint sein: „Ihr hört das Gesetz nicht.“ Oder: „Gott sei Dank, es gibt die Heilige

    Schrift, und da kann ich Gott zuhören. Also schaue ich mal in die Schrift.“ Da frage ich mich: Mit
    welcher Einstellung gehe ich an das Alte Testament heran? Will ich akzeptieren, dass es das
    Fundament der Geschichte Gottes mit Israel und mit den Christen ist?
    5. „Ihr, die ihr unter dem Gesetz sein wollt.“ (Vers 21)
    Ich meine, hier sind nicht die Juden gemeint. Hier werden Nicht-Juden in den Blick genommen, zu
    denen gesagt wird: „Ich sage euch, die ihr das wahre Volk Gottes unter dem Gesetz sein wollt, ihr
    wollt nicht hören, was das Gesetz sagt.“ Sie wollen Israels Vorrang übernehmen. Die Freiheit, sich
    über Gott zu stellen, hilft nicht. Die Freiheit, Gott in Jesus zu gehören, schon. Weil sie sich mit
    Jesus verbunden fühlen, nehmen sie sich die Freiheit, die Verheißungen zu modernisieren und
    weiterzuentwickeln. Jesus ist doch kein Instrument zur Freiheit! Er ist die Freiheit, Gott in Jesus zu
    gehören. Er ist die Freiheit in mir – Gottes Gegenwart.

    [1]Übersetzung von Miriam Magall, 2023, aus: Das Buch der Psalmen, Ohel Josef Jizchak, Verlag „Jüdisches“ e.V. 

    Bibellesen unter bibleserver.com

    Autor: Dirk Bösenberg

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    10 min
  • Das richtige Sehvermögen
    Der Bibeltext Galater 4,8-20 – ausgelegt von Claudia Volkmann.

    Paulus ist in Sorge. Er fragt sich, ob all seine Liebesmüh, die Galater mit dem Evangelium vertraut zu machen, vergeblich war. Offenbar sind Irrlehrer unterwegs, die sie auf Abwege führen wollen. Gerade, wenn jemand (oder auch eine Gruppe) noch jung im Glauben ist, kann dies leicht geschehen. Zu beurteilen, was wahr ist oder eben nicht, muss ich ja erst lernen. Auf den Heiligen Geist zu hören, gelingt anfangs sicher nicht immer. Im Glauben zu reifen, ist ein Prozess. Paulus erinnert die Christen in Galatien an das Evangelium, ermahnt sie. Doch ist der Apostel auch dankbar für ihre Hilfsbereitschaft, die er „in seiner Schwachheit des Leibes“ erfahren hat. Es klingt, als hätte Paulus ein größeres Problem mit den Augen gehabt.

    Ein vermindertes Sehvermögen kann sehr beschwerlich im Alltag sein – beim Lesen, Schreiben, Finden von Gegenständen, aber auch unterwegs. Jeder Stein kann zur Stolperfalle werden und die Orientierung mühsam. Allen Widrigkeiten zum Trotz behält Paulus die Übersicht und sendet den Christen in Galatien einen Brief. Er hätte allerdings lieber direkt mit ihnen gesprochen. In der persönlichen Kommunikation lässt sich vieles klarer ausdrücken als schriftlich. Die Dringlichkeit, die Paulus empfindet, kommt vermutlich noch deutlicher an.

    Bei einem schriftlichen Feedback kann es auch heute noch zu allerlei Missverständnissen kommen. Als Absender zu erkennen, wie das Geschriebene auf den Empfänger wirkt oder wirken könnte, braucht einiges an Fähigkeiten. Ich persönlich habe auf diesem Gebiet schmerzhaft aus Fehlern gelernt.

    Als Pastorin und Gemeindeleiterin treffe ich täglich Entscheidungen und habe dies (zumindest meistens) nach bestem Wissen und Gewissen getan. Dennoch kommt es gelegentlich vor, dass ich von Menschen angefeindet werde. Manchmal einfach, weil ich eine Frau in Leitungsverantwortung bin. In anderen Fällen, weil jemand der Meinung ist, dass er Dinge besser weiß, selbst wenn ihm der Hintergrund völlig fehlt. Es gibt Missverständnisse. Oder vielleicht ist einer bloß „mit dem falschen Fuß aufgestanden“ und ich bekomme seine schlechte Stimmung ab.

    Früher, wenn mir jemand seinen Unmut schriftlich mitgeteilt hat (z. B. per E-Mail) und ich seine Äußerungen ungerecht oder ungerechtfertigt fand, habe ich sofort schriftlich geantwortet. Meine Verärgerung hat den nötigen Schub geliefert, sehr viel schneller als sonst in die Tasten zu hauen und – zack!!! – war die lange Nachricht abgeschickt. Meine Antwort fand der Empfänger wiederum nicht komisch. So wird Ärger befeuert, schneller als ich denke. Die Stellschrauben wieder zurückzudrehen und die Situation und die Menschen zu beruhigen, ist nicht immer möglich. Wer mehr Lebenserfahrung mitbringt, weiß wahrscheinlich, wie gut es ist, noch einmal eine Nacht darüber zu schlafen, wenn ich im Eifer des Gefechts eine Antwort geschrieben habe, statt sie abzusenden.

    Vor Jahren ist es mir passiert, dass mir jemand beleidigend und sehr aggressiv, wie ich fand, eine seitenlange Mail geschickt hat. Meine Antwort, detailliert und messerscharf, war schnell getippt, aber ich habe sie erstmal zwischengespeichert. Am nächsten Tag, als das „Mütchen“ sich wieder abgekühlt hatte, habe ich mich selbst über die Tonart gewundert, die mich zwischen den Zeilen lautstark anzufallen schien. Wie gut, dass ich diesen Text nicht abgeschickt hatte!

    Mit dem, was der Heilige Geist uns an biblisch beschriebener „Frucht des Geistes“ gibt – zum Beispiel Sanftmut, Liebe, Freundlichkeit und Geduld – schreibe ich aus dem inneren Abstand heraus viel friedfertiger. Vielleicht verständnisvoller. Dennoch setze ich klare Grenzen, ermahne manchmal oder beende ein Gespräch. Wenn jemand keinerlei konstruktive Bereitschaft hierfür erkennen lässt, Wertschätzung und Respekt fehlen, will ich meine Zeit und Kraft an der Stelle nicht mehr investieren, sondern lieber da, wo ich wirklich gebraucht werde und willkommen bin. Diese Entscheidung hat auch mit Prioritäten, Selbstschutz und Gesundheit zu tun. Die biblische Formulierung von den „Perlen vor die Säue“, klingt hart, doch manchmal werde ich daran erinnert.

    Auch solche Dinge tut der Heilige Geist, er deckt Wahrheit auf, die gelegentlich unbequem sein kann. Buße fühlt sich auch nicht primär angenehm an. Jesus hat gesagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Wahrheit sollte an Gnade gekoppelt sein. Jemandem auch mal ein Feedback zu geben, das ihm vielleicht nicht so gut schmeckt, ist Teil meiner Aufgaben. Die Aussage „Das ist nicht liebevoll, und als Christ darfst du dich nicht so verhalten!“ ist bei manchen Menschen erstaunlich schnell bei der Hand – egal wie gut die Absicht hinter einer Rückmeldung ist, wieviel ich gebetet oder was ich dabei geistlich gehört habe. Manchmal bedeutet Liebe, jemandem zuzumuten, sein Handeln oder auch seine Haltung zu überdenken. Wer Drogen nimmt, findet den Appell, damit aufzuhören, vielleicht lieblos. Ist es tatsächlich liebevoller, schweigend zuzuschauen, wie er sich zugrunde richtet?

    Paulus sagt selbst, dass er ratlos wegen der Christen in Galatien ist. Es zuzugeben, kann Überwindung kosten. „Guter Rat ist teuer“, sagt der Volksmund. Wie wertvoll ist es, wenn der Heilige Geist uns als Berater zur Seite steht und wir in Weisheit vom Himmel her unterwegs sind! Dann kehrt Frieden auch in einem selbst ein, egal, wie das Gegenüber wüten mag. Jesus ist der Friedefürst – Paulus weiß das. Gut, wenn ich es ebenfalls erkenne und beherzige.

    Jemand hat mir einmal gesagt: „Nicht alles, was dir widerfährt, ist deines Kommentares wert!“ Das hat mich sehr geprägt. In der Verabreichung von Medikamenten gibt es eine sogenannte 10 R-Regel: die richtige Person, das richtige Medikament, die richtige Dosierung, die richtige Applikationsart, der richtige Zeitpunkt und die richtige Dauer, die richtige Aufbewahrung, das richtige Risikomanagement, die richtige Dokumentation und die richtige Entsorgung. Nicht alle diese Punkte lassen sich auf unseren Zusammenhang übertragen, die meisten ansatzweise aber schon, wie ich finde. Wahrheit und Richtigkeit liegen nah beieinander. Wenn Liebe und Barmherzigkeit dazu kommen, kann ein Feedback echte Hilfe bedeuten (wenn jemand es will und die „R‘s“ passend sind). Zu viel, ein falscher Zeitpunkt, zu hart, zu weich etc. kann völlig kontraproduktiv sein – man denke an Risiken und Nebenwirkungen! Paulus wusste um diese Dinge und hat sich bestmöglich ausgedrückt. Wir können viel von ihm lernen.

    Ich wünsche Ihnen segensreiche Gespräche an jedem neuen Tag.

    Bibellesen unter bibleserver.com

    Autor: Claudia Volkmann

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    11 min
  • Vom Knecht zum Erben
    Der Bibeltext Galater 4,1-7 – ausgelegt von Julien Schmidt.

    In den Versen 1 – 2 beginnt Paulus mit einem Bild aus dem damaligen Alltag. Solange ein Kind minderjährig ist, besitzt es keinen höheren Status als ein Sklave. Obwohl es später alles erben würde, hat es als Minderjähriger nicht mehr Autorität als ein Sklave. Tatsächlich steht es sogar unter diesem. Sklaven werden damals auch als Erzieher für Kinder eingesetzt. Das Kind hat nicht mehr Freiheit als ein Sklave, in manchen Situationen sogar noch weniger. Dass das Kind genau wie ein Sklave unter anderen steht, dauert so lange an, bis der Vater den Sohn zum Erben erklärt.

    In Vers 3 wendet Paulus dieses Bild an. „Unter dem Gesetz“ bedeutet, dass die Juden unter die rechtlichen Vorschriften des Mosaischen Gesetzes versklavt sind. Die Nichtjuden hingegen kennen den wahren Gott, den Gott Israels noch nicht, bis Jesus Christus in die Welt kommt. Vorher haben die Nichtjuden mit der Anbetung von menschengemachten Göttern und heidnischen Ritualen zu tun.

    Die Bestimmungen des Gesetzes sind ein Zeichen der Unreife. Unter dem Gesetz sind die Juden versklavt und abhängig. In diesem Sinne hält sie das in einem Zustand geistlicher Unreife. Manche Christen leben tatsächlich wie Sklaven. Sie sind zwar vor der Hölle gerettet, aber sie verpassen die herrliche Wahrheit, dass sie Söhne und Töchter Gottes sind.

    Paulus erinnert die Christen in Galatien daran, so zu leben, wie sie es als Kinder Gottes dürfen. Bereits in Galater 3, Vers 26 hat er ihnen geschrieben: „Denn ihr alle seid Söhne Gottes durch den Glauben in Christus Jesus.“ Sie sind also nicht nur Erlöste, sondern Gottes Kinder.

    Die Galater als Nichtjuden kannten den wahren Gott früher nicht und dienten Götzen, also menschengemachten falschen Göttern.

    Auf seiner ersten Missionsreise hat Paulus sein Leben riskiert, als er zu den Galatern reiste, um ihnen das Evangelium zu verkündigen. Er wurde von den Menschen in Galatien gesteinigt. Sie dachten, er sei tot, und ließen ihn einfach liegen.

    Paulus verkündigte den Galatern die gute Nachricht von Jesus Christus. Nämlich, dass sie allein aus Gnade durch den Glauben an Jesus Christus gerechtfertigt und Kinder Gottes sind. Nach Paulus kamen dann Juden und lehrten die nichtjüdischen Galater, dass sie das Mosaische Gesetz einhalten sollen.

    Da sich die Christen in Galatien von diesen falschen Lehrern verwirren ließen, erinnert Paulus sie in den folgenden Versen daran, dass sie allein durch Christus erlöst und Kinder Gottes sind.

    In Vers 4 schreibt der Apostel vom Kommen von Gottes Sohn, Jesus Christus. Dieser kommt zur Fülle der Zeit. „Fülle der Zeit“ meint die von Gott bestimmte Zeit, zu der die Prophetien auf den Erlöser Jesus Christus erfüllt werden. Dieser Erlöser muss Jude sein und zugleich wahrer Mensch und wahrer Gott, um sein Volk von dem Gesetz zu befreien.

    Zu diesem Erlöser sagt Paulus drei Dinge: Erstens sendet Gott seinen Sohn, was seine Gottheit betont. Zweitens wird er von einer Frau geboren, was sein Menschsein betont. Drittens wird er unter dem Gesetz geboren, was seine jüdische Identität betont. Er ist also Jude, Gott und Mensch zugleich.

    In Vers 5 werden zwei Gründe für das Kommen des Sohnes genannt. Erstens kommt er für die Juden, damit er die loskauft, die unter dem Gesetz sind. Zweitens – hier ist der Wechsel zum Pronomen „wir“ zu beachten – damit wir (Juden und Nichtjuden) die Sohnschaft empfangen. Der Weg zur Reife ist also das Kommen des jüdischen Erlösers, der sowohl Gott als auch echter Mensch ist.

    Diese neue Reife führt zu drei Ergebnissen. Die erste Folge in Vers 6 besteht darin, dass Gott seinen Heiligen Geist in die Herzen der Gläubigen sendet. Dieser soll den Menschen bewusst machen, dass dies der Beginn einer neuen Beziehung ist. Da die Gläubigen nun eine Verwandtschaftsbeziehung zu Gott haben, können sie nun „Abba, Vater“ rufen. Das Wort „Abba“ bedeutet nicht einfach nur Vater, sondern kann mit „Papa“ übersetzt werden. Der Geist lebt in den Herzen der Gläubigen und wendet sich mit den Worten „Abba, Vater“ an Gott.

    Und auch die Gläubigen haben das Recht, den Vater so anzusprechen, was Römer 8,15 zeigt. Genau so hat Jesus Christus den Vater (Markus 14,35-36) im Garten Gethsemane kurz vor seiner Kreuzigung angesprochen. Er weiß, dass ihm nicht nur der grausamste römische Foltertod bevorsteht, sondern dass er stellvertretend für die Sünde der Welt den heiligen und gerechten Zorn Gottes erleidet.

    Am Kreuz ruft der Herr Jesus: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“

    Der Herr Jesus trägt dieses Leid, diese Trennung von Gott, damit Christen nicht nur nicht in die Hölle kommen, sondern damit sie Kinder Gottes und Christus ähnlich sein dürfen. Christusähnlichkeit ist Gottes höchster Wille für alle Menschen. Alle Christen soll dies daran erinnern, die Kindschaftsbeziehung zu Gott dem Vater zu führen, die sie in Christus zu ihm haben dürfen.

    Und alle, die Jesus Christus noch nicht als ihren Herrn und Retter angenommen haben, soll es ermutigen, dies zu tun und selbst Kind Gottes zu werden.  Ich schließe mit Johannes 1,12: „So viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben“.

    Bibellesen unter bibleserver.com

    Autor: Julien Schmidt

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    9 min
  • Das Foto auf meinem Schreibtisch
    Der Bibeltext Galater 3,19-29 – ausgelegt von Christian Nicko.
    Ein Foto mit Folgen

    Auf meinem Schreibtisch liegt ein neues Foto meiner Frau. Mein Blick fällt immer wieder darauf. Sie schaut konzentriert in die Kamera, fast ein wenig überrascht. Wie immer sieht sie gut aus, auch wenn das Schwarzweißbild etwas körnig geraten ist. Die Aufnahme stammt weder aus einem alten Fotoalbum noch von einem Urlaub oder einem besonderen Fest. Über dem Bild steht in großen, unübersehbaren Buchstaben: „Bußgeldbescheid“.

    Was ist passiert? – Meine Frau ist mit dem Auto unterwegs. Irgendwo auf ihrer Strecke steht ein Verkehrsschild: Höchstgeschwindigkeit 30 km/h. Vielleicht ist sie gerade in Gedanken. Vielleicht achtet sie auf den Verkehr oder sucht nach der richtigen Abzweigung. Jedenfalls übersieht sie das Schild. Als sie an der Messstelle vorbeifährt, zeigt das Messgerät 41 km/h an. Elf Kilometer pro Stunde zu schnell.

    Keine rücksichtslose Raserei. Keine vorsätzliche Missachtung der Regeln. Sie hat das Schild schlicht nicht gesehen.

    Doch einige Wochen später liegt der Brief im Briefkasten. Das Foto, der Bescheid, die Zahlungsaufforderung. Die Straßenverkehrsordnung in Deutschland kennt keinen Paragraphen, der besagt: „Wer das Schild aus Versehen übersehen hat, ist entschuldigt.“ Das Gesetz fragt nicht: „Hast du es absichtlich getan?“ Das Gesetz fragt nur: „Hast du dagegen verstoßen?“

    Das Ergebnis ist eindeutig. Die zulässige Geschwindigkeit wurde überschritten. Damit liegt ein Verstoß vor. Ob wissentlich oder unwissentlich, ob absichtlich oder aus Unachtsamkeit, spielt für die Feststellung der Schuld keine entscheidende Rolle.

    Das Gesetz spricht sein Urteil.

    Das Gesetz macht Schuld sichtbar

    Der Bußgeldbescheid auf meinem Schreibtisch erinnert mich an das Gesetz Gottes. Gott gibt das Gesetz, um Sünde in meinem Leben sichtbar zu machen. Er gibt das Gesetz, um mir zu zeigen, wie sehr ich ihn brauche. Es offenbart seine heiligen Maßstäbe und macht deutlich, wie weit mein Herz von ihm entfernt ist.

    Das Gesetz wirkt wie ein Röntgenbild: Es zeigt die Verletzung, kann sie aber nicht heilen. Es deckt meine Schuld auf, überführt und klagt mich an, es kann mich jedoch nicht freisprechen. Genau hier setzt Paulus in Galater 3 an: Das Gesetz macht meine Schuld sichtbar, doch Rettung finde ich nicht im Gesetz, sondern allein in JesusChristus.

    Dieses Denken entdecke ich auch in meinem eigenen Leben. Mein Problem ist oft, dass ich mich durch meine Leistung vor Gott rechtfertigen möchte. Ich denke: Wenn ich nur genug bete … Wenn ich ein guter Christ bin … Wenn ich mich genügend anstrenge … – … dann wird Gott mich annehmen.

    Dabei erwarte ich vom Gesetz etwas, was es gar nicht leisten kann. Ich versuche, mich selbst vor Gott zu beweisen und seine Anerkennung zu verdienen.

    Doch Paulus macht deutlich: Dafür ist das Gesetz nicht geeignet. Das Gesetz ist kein Retter. Es zeigt nur, dass ich einen Retter brauche. Das Gesetz ist ein Wegweiser zum Retter.

    Ein Wegweiser zu Christus

    Um das zu verdeutlichen, verwendet Paulus in Vers 24 das Bild von einem „Zuchtmeister“, das mir heute kaum noch vertraut ist. Im griechischen Haushalt ist damit kein Lehrer gemeint, sondern ein Begleiter. Er begleitet die Kinder im Alltag. Er passt auf sie auf. Er bringt sie zur Schule und sorgt dafür, dass sie sicher an ihr Ziel kommen. Doch dieses Amt ist nicht für immer gedacht. Eines Tages wird das Kind erwachsen. Dann endet die Aufgabe des Zuchtmeisters.

    Genauso beschreibt Paulus die Aufgabe des Gesetzes: Es führt mich zu Christus. Es zeigt mir meine Schuld und macht deutlich, wie sehr ich einen Retter brauche. – Als Jesus Christus in die Welt kommt, ist die Aufgabe des Gesetzes erfüllt. Das bedeutet nicht, dass Gottes Gebote schlecht oder überflüssig sind. Ganz im Gegenteil. Sie bleiben gut und zeigen den Willen Gottes. Aber sie können keinen Menschen retten. Das Gesetz weist nur auf den hin, der retten kann: auf Jesus Christus.

    Nun kommt Paulus zu dem Gedanken, auf den alles hinausläuft. In den Versen 26 bis 29 schreibt er: „Denn ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus.“

    Diese Worte verändern meinen Blick auf mich selbst. Meine Identität hängt nicht mehr von meiner Leistung ab. Sie wird nicht durch meine Herkunft bestimmt. Auch mein sozialer Status spielt keine Rolle. Weder Erfolg noch Versagen legen fest, wer ich bin. Selbst meine Vergangenheit definiert mich nicht. Wenn ich zu Christus gehöre, dann bin ich ein Kind Gottes. Allein aus Glauben.

    Allein aus Glauben angenommen

    Viele Jahrhunderte später entdeckt Martin Luther diese Wahrheit neu. Lange Zeit versucht er selbst, durch Frömmigkeit, Disziplin und gute Werke Frieden mit Gott zu finden. Doch je mehr er sich anstrengt, desto deutlicher erkennt er seine eigene Schuld. Schließlich kommt er beim Lesen der Bibel zu der Erkenntnis: Gott nimmt Menschen nicht an, weil sie genug leisten, sondern weil sie Jesus Christus vertrauen. Diese Erkenntnis verändert sein Leben. Aus dieser Erkenntnis wächst einer der zentralen Grundsätze der Reformation: Sola fide – allein aus Glauben.

    Das Ende von Galater 3 lädt mich deshalb ein, neu auf Jesus Christus zu schauen. Nicht auf meine Leistung. Nicht auf meine Fehler. Nicht auf das, was mir fehlt. Wenn ich zu Christus gehöre, muss ich Gott nichts beweisen. Ich brauche mir seine Liebe nicht verdienen. Ich muss nicht ständig fragen, ob ich genug getan habe. Durch Jesus Christus bin ich angenommen. Vollständig. Dauerhaft. Unverdient.

    Wenn ich auf mich selbst schaue, finde ich oft Zweifel und Unsicherheit. Wenn ich auf Christus schaue, finde ich Gewissheit und Frieden. Ich bin Gottes Kind. Nicht weil ich alles richtig mache. Sondern weil Jesus alles für mich getan hat. Das ist die befreiende Botschaft des Evangeliums.

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    Autor: Christian Nicko

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