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Die Stimmung ist aufgeheizt. Zerrissene Kleidungsstücke fliegen über die aufgebrachten Hitzköpfe hinweg. Eine wild gestikulierende Menge schreit: „Bringt ihn um! – Weg mit ihm! – Er darf nicht mehr leben!“
Diese Parolen gelten Paulus. Von den Stufen der Burg aus hat er von sich erzählt. Wie aus dem fanatischen Pharisäer Saulus ein Apostel Paulus geworden ist. Dank Jesus. Und wie dieser Jesus ihm begegnet ist. Zu ihm gesprochen hat. Ihn beauftragt hat, Zeuge für ihn zu sein. Vor Juden und Heiden zugleich. Aber die Menge erstickt seine Rede mit großem Geschrei.
Was ist der Grund für diesen Aufruhr? – Dass Paulus den auferstandenen Jesus bezeugt und zum Glauben einlädt? Oder die Tatsache, dass diese „neue Lehre“ nicht nur Juden, sondern plötzlich auch Heiden gelten soll? Und Heiden dabei nicht einmal zur Einhaltung jüdischer Riten und Gesetze angehalten werden? – Die Situation ist brenzlig. Für den römischen Oberst genauso, wie für Paulus. Wird es dem Oberst gelingen, Paulus zu schützen? Oder wird der wütende Mob gleich über ihn herfallen?
Drei Beobachtungen erstaunen mich in dem heutigen Textabschnitt:
Keiner weiß, wie es ausgeht. Auch Paulus nicht. Trotzdem zeigt er keine Anzeichen von verzweifelter Panik. Von dem Gesagten kann und will er nichts zurücknehmen. Er scheint es für klug zu halten, den Dingen ihren Lauf zu lassen. Wer weiß, ob es dran sein wird, still für Jesus zu leiden?
Mit stillem Leiden kennt Paulus sich aus. In seinem langjährigen Missionsdienst hat er Zustimmung, häufig aber auch Ablehnung erlebt. Nur zu gut weiß er, was es bedeutet, um Jesu willen vermöbelt oder fast zu Tode gesteinigt zu werden. Gerade so, wie Jesus es seinen Jüngern bereits ins Stammbuch geschrieben hat, hat er es schon häufig erlebt: Der Knecht ist nicht größer als sein Herr. Haben sie mich verfolgt, so werden sie auch euch verfolgen. (Matthäus 10,24)
Paulus muss die Dinge nicht mit Einsatz und Kampfgeist lösen. Bis jetzt hat er immer Rettung und Trost durch seinen Herrn erlebt. Am allermeisten dann, wenn er aus eigener Kraft nichts mehr ausrichtet. Also ist es auch jetzt Gottes Sache. Paulus hält unaufgeregt stand.
Da schnelles Entschärfen der Situation gefragt ist, ordnet der Oberst Verhör unter Folter an. Damals ein erlaubtes, wenn auch grausames, mitunter sogar tödliches Mittel, um Aufrührern auf den Zahn zu fühlen. Die Fesseln sind bereits angelegt. Da stellt Paulus eine einfache Frage. Sachlich, überlegt: „Ist es erlaubt bei euch, einen Menschen, der römischer Bürger ist, ohne Urteil zu geißeln?“ – Volltreffer! Das sitzt! Der Oberst bekommt es mit der Angst zu tun. Hat er sich gerade selbst strafbar gemacht?
Römische Staatsbürger genießen hohes Ansehen und sind privilegiert: sie sind von lokalen Steuern befreit, dürfen frei reisen, besitzen aktives und passives Wahlrecht, dürfen Verträge schließen, sich selbst vor Gericht verteidigen. Und: sie brauchen keine Folter oder Todesstrafe zu fürchten. Einen römischen Staatsbürger zu fesseln oder unter Verhör zu foltern ist strengstens verboten. Dem Oberst muss das Herz vollends in die Hose gerutscht sein, als er hört, dass Paulus sein Bürgerrecht nicht nur – wie er selbst – gekauft hat, sondern als römischer Bürger geboren wurde. Das erklärt, weshalb Folter und Verhör von Paulus augenblicklich abgesagt sind.
Paulus bringt selbstbewusst ein, was er besitzt: sein Recht als römischer Staatsbürger. Schließlich hat er noch einiges vor. Sein Auftrag, unter den Heiden Zeuge für Jesus zu sein, ist noch nicht zu Ende. Nur wenige Verse weiter lese ich, wie ihn ein Engel in der Nacht ermutigt, dass er auch in Rom Jesus bezeugen wird. Paulus ergibt sich nicht einfach seinem Schicksal. Sondern ohne zu zögern sieht und ergreift er seine Chance.
Noch kennt Paulus nicht das Ende der Geschichte. Zum jetzigen Zeitpunkt kann er allein darauf vertrauen, dass Jesus eingreifen und Türen öffnen wird. Ob er den Hohen Rat überzeugen kann?
Immerhin kann Paulus auf eine lange Berufserfahrung als Schriftgelehrter, Apostel und Missionar zurückblicken. Weiß er denn nicht, „wie es geht“? Wo man den Hebel ansetzen muss? Schließlich kennt er die Denksysteme seiner jüdischen Geschwister wie kaum ein anderer.
Neben seiner eindrücklichen Berufung kann er von unzähligen Wundern Gottes berichten, die er im Dienst erlebt hat. Mit hieb- und stichfesten Argumenten. Und doch: er hat es nicht in der Hand, seine jüdischen Landsleute zu überzeugen. Die besten und durchdachtesten Argumente, ja noch nicht einmal die eigene Biographie garantieren, dass die Botschaft beim Gegenüber ankommt und überzeugt.
Was ihm bleibt, ist das Be-zeugen. Von seinem Weg mit Jesus zu erzählen. Aber Über-zeugen kann er nicht. Paulus hat keine Geling-Garantie. Auch nicht als Apostel.
Mich entspannt das.
Und auch Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, wünsche ich, dass Sie lernen
Der Theologe Reinhold Niebuhr drückt es in einem Gebet so aus:
Autor: Hanna Exner
Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden
By ERF - Der Sinnsender5
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Die Stimmung ist aufgeheizt. Zerrissene Kleidungsstücke fliegen über die aufgebrachten Hitzköpfe hinweg. Eine wild gestikulierende Menge schreit: „Bringt ihn um! – Weg mit ihm! – Er darf nicht mehr leben!“
Diese Parolen gelten Paulus. Von den Stufen der Burg aus hat er von sich erzählt. Wie aus dem fanatischen Pharisäer Saulus ein Apostel Paulus geworden ist. Dank Jesus. Und wie dieser Jesus ihm begegnet ist. Zu ihm gesprochen hat. Ihn beauftragt hat, Zeuge für ihn zu sein. Vor Juden und Heiden zugleich. Aber die Menge erstickt seine Rede mit großem Geschrei.
Was ist der Grund für diesen Aufruhr? – Dass Paulus den auferstandenen Jesus bezeugt und zum Glauben einlädt? Oder die Tatsache, dass diese „neue Lehre“ nicht nur Juden, sondern plötzlich auch Heiden gelten soll? Und Heiden dabei nicht einmal zur Einhaltung jüdischer Riten und Gesetze angehalten werden? – Die Situation ist brenzlig. Für den römischen Oberst genauso, wie für Paulus. Wird es dem Oberst gelingen, Paulus zu schützen? Oder wird der wütende Mob gleich über ihn herfallen?
Drei Beobachtungen erstaunen mich in dem heutigen Textabschnitt:
Keiner weiß, wie es ausgeht. Auch Paulus nicht. Trotzdem zeigt er keine Anzeichen von verzweifelter Panik. Von dem Gesagten kann und will er nichts zurücknehmen. Er scheint es für klug zu halten, den Dingen ihren Lauf zu lassen. Wer weiß, ob es dran sein wird, still für Jesus zu leiden?
Mit stillem Leiden kennt Paulus sich aus. In seinem langjährigen Missionsdienst hat er Zustimmung, häufig aber auch Ablehnung erlebt. Nur zu gut weiß er, was es bedeutet, um Jesu willen vermöbelt oder fast zu Tode gesteinigt zu werden. Gerade so, wie Jesus es seinen Jüngern bereits ins Stammbuch geschrieben hat, hat er es schon häufig erlebt: Der Knecht ist nicht größer als sein Herr. Haben sie mich verfolgt, so werden sie auch euch verfolgen. (Matthäus 10,24)
Paulus muss die Dinge nicht mit Einsatz und Kampfgeist lösen. Bis jetzt hat er immer Rettung und Trost durch seinen Herrn erlebt. Am allermeisten dann, wenn er aus eigener Kraft nichts mehr ausrichtet. Also ist es auch jetzt Gottes Sache. Paulus hält unaufgeregt stand.
Da schnelles Entschärfen der Situation gefragt ist, ordnet der Oberst Verhör unter Folter an. Damals ein erlaubtes, wenn auch grausames, mitunter sogar tödliches Mittel, um Aufrührern auf den Zahn zu fühlen. Die Fesseln sind bereits angelegt. Da stellt Paulus eine einfache Frage. Sachlich, überlegt: „Ist es erlaubt bei euch, einen Menschen, der römischer Bürger ist, ohne Urteil zu geißeln?“ – Volltreffer! Das sitzt! Der Oberst bekommt es mit der Angst zu tun. Hat er sich gerade selbst strafbar gemacht?
Römische Staatsbürger genießen hohes Ansehen und sind privilegiert: sie sind von lokalen Steuern befreit, dürfen frei reisen, besitzen aktives und passives Wahlrecht, dürfen Verträge schließen, sich selbst vor Gericht verteidigen. Und: sie brauchen keine Folter oder Todesstrafe zu fürchten. Einen römischen Staatsbürger zu fesseln oder unter Verhör zu foltern ist strengstens verboten. Dem Oberst muss das Herz vollends in die Hose gerutscht sein, als er hört, dass Paulus sein Bürgerrecht nicht nur – wie er selbst – gekauft hat, sondern als römischer Bürger geboren wurde. Das erklärt, weshalb Folter und Verhör von Paulus augenblicklich abgesagt sind.
Paulus bringt selbstbewusst ein, was er besitzt: sein Recht als römischer Staatsbürger. Schließlich hat er noch einiges vor. Sein Auftrag, unter den Heiden Zeuge für Jesus zu sein, ist noch nicht zu Ende. Nur wenige Verse weiter lese ich, wie ihn ein Engel in der Nacht ermutigt, dass er auch in Rom Jesus bezeugen wird. Paulus ergibt sich nicht einfach seinem Schicksal. Sondern ohne zu zögern sieht und ergreift er seine Chance.
Noch kennt Paulus nicht das Ende der Geschichte. Zum jetzigen Zeitpunkt kann er allein darauf vertrauen, dass Jesus eingreifen und Türen öffnen wird. Ob er den Hohen Rat überzeugen kann?
Immerhin kann Paulus auf eine lange Berufserfahrung als Schriftgelehrter, Apostel und Missionar zurückblicken. Weiß er denn nicht, „wie es geht“? Wo man den Hebel ansetzen muss? Schließlich kennt er die Denksysteme seiner jüdischen Geschwister wie kaum ein anderer.
Neben seiner eindrücklichen Berufung kann er von unzähligen Wundern Gottes berichten, die er im Dienst erlebt hat. Mit hieb- und stichfesten Argumenten. Und doch: er hat es nicht in der Hand, seine jüdischen Landsleute zu überzeugen. Die besten und durchdachtesten Argumente, ja noch nicht einmal die eigene Biographie garantieren, dass die Botschaft beim Gegenüber ankommt und überzeugt.
Was ihm bleibt, ist das Be-zeugen. Von seinem Weg mit Jesus zu erzählen. Aber Über-zeugen kann er nicht. Paulus hat keine Geling-Garantie. Auch nicht als Apostel.
Mich entspannt das.
Und auch Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, wünsche ich, dass Sie lernen
Der Theologe Reinhold Niebuhr drückt es in einem Gebet so aus:
Autor: Hanna Exner
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