ERF Plus - Bibel heute

Bildworte vom Licht


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Der Evangelist Lukas war bekanntlich Arzt von Beruf. Und er war sehr daran interessiert: Wie hat Jesus die Menschen geheilt? Wie hat er die Menschen behandelt, die zu ihm kamen? Kann ein Arzt etwas von ihm lernen?

Im heutigen Bibelabschnitt ist vom Auge die Rede, und davon, welche zentrale Bedeutung es für den ganzen Menschen hat. Der Mensch ist ein visuelles Wesen, weiß die moderne Medizin. Jesus wusste das auch. Und die Art und Weise, in der Lukas uns davon erzählt, lässt etwas von seinem Interesse als Arzt spüren: Er will, dass die Menschen gesund werden. Das wird deutlich, wenn ich seine Darstellung mit der des Evangelisten Matthäus vergleiche; wir finden sie bei Matthäus, Kapitel 6, ab Vers 22: „Wenn dein Auge lauter ist, so wird dein Leib licht sein. Wenn dein Auge böse ist, wird dein Leib finster sein.“

Matthäus richtet den Blick auf die Zukunft. Er stellt den Vers vom lauteren Auge in sein Kapitel vom Schätzesammeln und Sorgen. In diesem Kapitel geht es um das, was ein Mensch anstrebt. Es geht um das Heil, das ein Mensch erlangen soll, und darum, dass er es sich nicht mit oberflächlichem Besitzstreben verbaut.

Lukas dagegen geht es auch um Heilung. Bei ihm ist die Rede vom Auge in der Gegenwartsform verfasst: „Wenn dein Auge lauter ist, ist dein Leib licht, ist es böse, so ist dein Leib finster.“ Das klingt wie eine Diagnose: Ich schaue in deine Augen und weiß, wie es um dich bestellt ist. Manche Ärzte können das tatsächlich. Lukas lässt der Diagnose einen ärztlichen Rat folgen: „Achte also darauf, dass nicht das Licht in dir Finsternis ist.“ Ein Gesundheitstipp, den sich der Evangelist Matthäus spart.

Bei beiden aber wird deutlich, wie wichtig das Auge für den Menschen ist. Es ist nicht nur Rezeptionsorgan, das heißt, es ist nicht nur dazu da, Licht von außen aufzufangen und zur Weiterverarbeitung an das Gehirn weiterzuleiten. Es ist auch Kommunikationsorgan, das heißt, es teilt mit. Es teilt mit, wie es um einen Menschen bestellt ist. Zwei, die sich lieben, merken das besonders. Blicken sie einander in die Augen, stiftet das Vertrauen. Mag sein, ein Mensch kann sich verstellen. Aber der Blick in die Augen fördert die Wahrheit zutage. „Was senkst du deinen Blick?“, fragt Gott Kain. In seinen Augen spiegelt sich die bevorstehende Tat. Spiegelt sich die Wut auf den Bruder. Im 1. Buch Mose, Kapitel 4 heißt es: „Kain ergrimmte sehr und senkte finster seinen Blick.“ Da ist es, das Auge, in dem sich das Böse zeigt, was Menschen mitunter besetzt hält.

Doch für Jesus ist das Auge noch mehr. Es fängt Licht von außen auf, ja. Es gibt Botschaften von innen nach außen weiter, ja. Aber es ist auch selbst lichtproduzierendes Organ. Es strahlt nach innen. „Dein Auge ist das Licht des Leibes“, sagt Jesus. Wie ist das zu verstehen? Wir wissen doch, das Auge ist keine Lampe, die unser Inneres hell macht. Noch merkwürdiger erscheint der letzte Vers des Abschnitts: „Wenn dein ganzer Leib licht ist und kein Teil an ihm finster, dann wird er ganz licht sein, wie wenn dich das Licht erleuchtet mit hellem Schein.“

Ziehe ich zu diesem Vers weitere Bibelübersetzungen zu Rate, so stelle ich fest, an dieser Stelle weichen sie weit voneinander ab.

Die neue Genfer Übersetzung schreibt: „Wenn dein ganzer Körper im Licht steht … dann ist es, wie wenn dich eine Lampe … anstrahlt“. Folge ich dieser Version, geht es nicht um ein inwendiges Licht, sondern um ein Licht von außerhalb. Das ist leicht vorstellbar, aber der schwierige Sachverhalt bleibt auf der Strecke: Wo bleibt das Auge, das nach innen leuchtet?

Die Gute Nachricht bemüht sich, beides miteinander zu verbinden, das innere Licht und das äußere Licht: „Wenn du nun ganz vom Licht durchdrungen bist“, - also innen - „dann wirst du ganz und gar im Licht sein – so wie du es bist, wenn der Lichtstrahl der Lampe dich trifft.“

„So wie – wenn“: das ist eine Redewendung, die zwei Dinge miteinander vergleicht. So rückt das Augen-Wort Jesu in die Nähe seiner Gleichnisse: Wenn es innen hell ist, dann ist das „so, wie wenn“ man im Scheinwerferlicht steht.

Die Bibelübersetzung „Das Buch“ löst sich weit vom ursprünglichen Text, sie erklärt: „Wenn nun deine gesamte Person ganz vom Licht erleuchtet ist und überhaupt nichts mit der Dunkelheit zu tun hat, dann wirst du bis in alle Winkel hell sein. Das ist dann genauso, wie wenn eine Lampe dich direkt anstrahlt.“

Alle diese Versuche machen deutlich: Es geht hier nicht bloß um die Anatomie des Menschen. Jesus hat den ganzen Menschen im Blick. Er achtet auf sein körperliches Wohlbefinden; er macht die Blinden sehend, er gibt Brot denen, die hungern. Aber er weiß auch: Wirklich heil wird der Mensch dann, wenn er sein Heil findet.

Jesus erkennt den Zusammenhang zwischen dem, was in der Seele seines Gegenübers passiert und seiner körperlichen Verfassung. Jesus sieht den Menschen in seiner Ganzheit. Körper, Seele, Leib und Geist. Dazu passt das Wörtchen „ganz“, das in unserem Abschnitt auffallend häufig vorkommt. Ganz licht, ganz finster, der ganze Leib.

Ein Mensch, in dessen Seele es düster wird, kann schon bald einen finsteren Blick entwickeln. Und wer zu lange den Gram in der Seele bewegt, dem trübt sich das Auge. „Mein Auge ist trübe geworden vor Gram“, so steht es in Psalm 6. Jesus wird das Gebet gekannt haben.

Wo ein Kummer meine Seele belastet. Wo ich das Gefühl habe, im Leben zu kurz zu kommen. Wo ich mich ungerecht behandelt fühle: da passt der Rat Jesu, so wie ihn der Evangelist Lukas zitiert: Gib acht, gib auf dich selbst acht. Das, was hell ist in dir, soll sich nicht auf Dauer verdunkeln.

Aber wie vermeide ich das?

Ich vermeide es, indem ich mich in den Vergebungszusammenhang stelle, den Jesus durch sein Leben und seinen Tod am Kreuz begründet hat. Ich lasse mir von ihm vergeben. Und ich lerne, anderen zu vergeben. Menschen, die mir wehgetan haben: ich lasse sie los. Bosheit, die mir einmal begegnet ist, Lüge, Untreue, Achtlosigkeit: ich lasse sie los. Gott war dabei, als es geschah. Gott hat es gesehen, er wird es richten. Mich muss es nicht mehr belasten. Ich richte meine Augen auf die Vergebung, die Gott schenkt. Und auf das Schöne, was Gott mich heute schauen lässt.

„Wir, die unser Heil annehmen, werfen allen Kummer hin“, dichtet Paul Gerhardt in seinem Weihnachtslied „Kommt und lasst uns Christus ehren.“ Es war ein Lied in schwerer Zeit, und trotzdem: allen Kummer hinwerfen. Gram und Hader loslassen. Zuversichtlich auf den Heiland schauen, der unsere Augen klar und unser Leben hell machen will.

Ist das nicht ein guter Vorsatz für diesen Tag?

Autor: Ulrich Pohl

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