Wer anderen mit einem "empfindlichen Übel" droht, wenn sie ihm nicht das geben, was er begehrt, setzt sich dem Vorwurf aus, ein Erpresser zu sein. Trifft dieser Vorwurf den türkischen Präsident Erdogan? Er hat nun entschieden, Flüchtlinge, die aus der Türkei in die EU wollen, nicht mehr aufzuhalten. Und viele in der EU sehen sich dadurch von einem empfindlichen Übel bedroht, einem "Übel", das Erdogan lange von ihnen ferngehalten hatte. Denn genau dazu hatte sich Erdogan in einem Deal mit der EU verpflichtet. Nun aber wünscht sich der türkische Präsident offenbar mehr von der EU, als der bisherige Deal ihm bietet. Also erhöht er den Druck, und prompt denken manche in der EU laut über einen neuen Türkei-Deal nach. Wird Erdogans Rechnung aufgehen? Wie genau sieht seine Rechnung aus? Wie erpressbar ist die EU? Und was ist das für eine politische Gemengelage, in der Flüchtlinge als "empfindliches Übel" herhalten müssen - und damit zum Erpressungspotential werden?