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Dem David geht es aber überhaupt nicht gut! Das war mein erster Gedanke. Und der zweite? David ist depressiv. Vielleicht nicht im medizinischen Sinn als psychische Krankheit. Aber er hängt doch zumindest in einer depressiven Phase fest. Sie äußert sich so: David ist schwer niedergeschlagen, hat starke Gefühle: Ich bin überfordert, es ist aussichtslos, ich habe Angst. David leidet unter Schuld, sowohl konkreter Schulderkenntnis als auch vagen und wabernden Schuldgefühlen.
„Vor dir (Gott) ist kein Mensch gerecht“, betet er. Es geht ihm hier aber nicht um eine konkrete Sünde, wie z.B. sein Ehebruch mit Bathseba und der anschließende Mord an deren Ehemann Uria. Er fühlt sich vielmehr gefangen in einem Netz von Anschuldigungen, inneren und äußeren. Dazu gehört auch verborgene Schuld, die er ahnt, aber nicht konkret benennen kann. Er erkennt falsches Handeln in einer Mischung von Schuld und Schicksal, die er gar nicht aufdröseln kann. Im Rückblick sieht er sein Leben, in dem er einfach Vielen vieles schuldig geblieben ist, seinem Volk, seiner Familie und letztlich auch gegenüber Gott.
Er sieht, wie viel Unglück und Unheil er über Menschen gebracht hat durch falsches Handeln oder durch versäumtes Handeln und Durchgreifen. Kein Wunder! Als König war er oberster Richter seines Volkes. Und in aller Regel ist keine der beiden Parteien am Ende glücklich über das gefällte Urteil. Vermutlich gab es auch Fehlurteile, mangels genauer Kenntnis der Lage oder mangels Beweisen, oder wegen falscher Zeugenaussagen. Als König musste er täglich Anordnungen treffen und den Lebensalltag seines Volkes regeln.
Eine seiner gut gemeinten Entscheidungen war die Anordnung einer Volkszählung. Dadurch hat er aber – unbeabsichtigt – Gottes Ärger und Strafe hervorgerufen und damit Tausende seiner Untertanen ums Leben gebracht.
David hatte mindestens zehn Frauen und dazu noch viele Nebenfrauen. Wer ehrlich zu sich selber ist, weiß, dass wir Männer schon einer Ehefrau vieles schuldig bleiben an Liebe, Achtung und Ehre. Dann die Kinder und Enkelkinder in kaum mehr überschaubarer Zahl. Vielleicht hat er versucht, seine Kinder zum Gehorsam und Respekt gegenüber Gott zu erziehen – mit eher wenig Erfolg. Ständig gab es Intrigen, Eifersüchteleien, Konkurrenz um die Anerkennung durch den Vater, schlechtes Gerede.
Als sein von ihm sehr geliebter Sohn Amnon seine Halbschwester Tamar vergewaltigte und sich dann weigerte, sie wenigstens auch zu heiraten, griff er nicht durch. Weder als es darum ging, dieses Verbrechen zu bestrafen, noch als er dann Amnon offensichtlich vergeben hatte.
David verarbeitete alles mit sich selbst, ohne in der Familie für Klarheit zu sorgen. Wieviel Leid brachte er über seine Familie und über sein Volk dadurch, dass er seinen Nachfolger nicht rechtzeitig offen bekanntgab. Dass Gott ihm gegenüber Salomo zu seinem Nachfolger bestimmt hatte, behielt David bis kurz vor seinem Tod für sich. Nur so konnte es zum Aufstand seines Sohnes Absalom kommen mit allem Leid und Elend, den er mit sich brachte.
Das alles und viel mehr hatte er verursacht, konnte aber nicht klären, was Schuld und Sünde gegen Gott und Mitmenschen war, und was Schicksal oder Strafe Gottes, die er nicht aufhalten konnte. Das Ergebnis? David drückt es so aus: „Der Feind verfolgt meine Seele und schlägt mein Leben zu Boden, er legt mich ins Finstere wie die, die lange schon tot sind. Und mein Geist ist in mir geängstet, mein Herz ist erstarrt in meinem Leibe.“
Er nennt keine konkreten „Feinde“, die ihm das Leben schwermachen. Er sieht eher den einen Feind und Widersacher im Spiel, der ihn in dieses Netz aus Schuld und Schicksal verwickelt hat. Dieser Feind, Satan, hatte ihn schon auf die schlechte Idee mit der Volkszählung gebracht. Und er hatte schon König Saul durch Schwermut schachmatt gesetzt. Vielleicht fürchtet David auch, dass Gott selbst ihm inzwischen zum Feind geworden ist, wegen seiner Sünden, deren Folgen er nun auf ihn und sein Haus zurückfallen ließ.
Das alles raubt ihm den Schlaf und die Lebensfreude. Er fühlt sich wie abgestorben, ohne innere Kraft. Er hat keine Lust mehr zu nichts und weiß nicht, wie er weiterleben und weiterregieren kann. Aber David wäre nicht David, und diesen Psalm gäbe es nicht, wenn er es dabei belassen hätte: innerlich aufgeben, resignieren und in Selbstmitleid versinken.
Stattdessen geht er den ersten Schritt der Heilung: „Ich gedenke an die früheren Zeiten; ich sinne nach über all deine Taten und spreche von den Werken deiner Hände.“ Er musste ja nur seine eigenen Psalmlieder lesen und vielleicht auch singen. Die hatten ja schon König Saul aus seinen Depressionen befreit. Er erinnert sich an Gott und seine Taten. Seine Hilfe, die David so oft im Leben erlebt hatte. Wie oft hat ihn sein Herr aus Not und Lebensgefahr gerettet.
Er fühlt neu die Berufung durch den Propheten Samuel und das Salböl, das ihm über das Haupt fließt. Gott wollte ihn als König Israels haben, nicht wegen seiner Tatkraft und Weisheit, sondern wegen seines Herzens, seiner Liebe zu Gott. Es war Gottes Gnade, dass Gott ihm damals seine Gottesfurcht und Gottesliebe geglaubt hat. In seinen schlaflosen Nächten möchte er wieder – wie bei seiner Thronbesteigung – das umwerfende Bekenntnis Gottes zu ihm hören: „Du bist mein Sohn! Heute habe ich dich gezeugt.“
Er bittet: „Lass mich am Morgen hören deine Gnade, denn ich hoffe auf dich“. Er möchte es wieder sehen, das Antlitz Gottes, den liebenden Blick des Vaters auf seinen Sohn, der Anerkennung und Stolz ausstrahlt. David erinnert sich an die erlebte Vergebung. Gott vergibt ihm in einer großzügigen Weise, die uns und ihm den Atem raubt. Und Gott will ihn weiter als seinen Gesalbten und König behalten. David bittet Gott um seinen Geist, der ihm einen Ausweg zeigen kann. Einen oder vielleicht den Weg, der David weiterleben und weiterwirken lässt. Gottes Geist schenkt nicht nur das Wissen um diesen Weg, sondern wirkt auch die Kraft, ihn zu gehen.
Wie kommt er zu der Hoffnung, dass Gott alle diese Feinde in ihm vernichten will? Er sagt abschließend: „Denn ich bin dein Knecht.“ „Knecht Gottes“ meint einerseits Unterwerfung: Ich will dir dienen, für dich da sein, mein Leben dir zur Verfügung stellen. Das geht aber nur, wenn der „böse Feind“ in mir zerstört wird. „Knecht Gottes“ ist in der Bibel aber auch eine Ehrenstellung: Er ist der Verwalter und Aufseher über Haus und Hof des Herrn. David sagt damit: Ich bin für dich da auf dieser Welt, als der, der deine Pläne und Absichten durchführt; als der, der deine Sache treibt, als dein Beauftragter. Ich vertrete deinen Namen, ja, dich selbst in meiner Welt.
Damit lädt David Sie und mich ein, es ihm gleich zu tun.
Autor: Martin Hirschmüller
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By ERF - Der Sinnsender5
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Dem David geht es aber überhaupt nicht gut! Das war mein erster Gedanke. Und der zweite? David ist depressiv. Vielleicht nicht im medizinischen Sinn als psychische Krankheit. Aber er hängt doch zumindest in einer depressiven Phase fest. Sie äußert sich so: David ist schwer niedergeschlagen, hat starke Gefühle: Ich bin überfordert, es ist aussichtslos, ich habe Angst. David leidet unter Schuld, sowohl konkreter Schulderkenntnis als auch vagen und wabernden Schuldgefühlen.
„Vor dir (Gott) ist kein Mensch gerecht“, betet er. Es geht ihm hier aber nicht um eine konkrete Sünde, wie z.B. sein Ehebruch mit Bathseba und der anschließende Mord an deren Ehemann Uria. Er fühlt sich vielmehr gefangen in einem Netz von Anschuldigungen, inneren und äußeren. Dazu gehört auch verborgene Schuld, die er ahnt, aber nicht konkret benennen kann. Er erkennt falsches Handeln in einer Mischung von Schuld und Schicksal, die er gar nicht aufdröseln kann. Im Rückblick sieht er sein Leben, in dem er einfach Vielen vieles schuldig geblieben ist, seinem Volk, seiner Familie und letztlich auch gegenüber Gott.
Er sieht, wie viel Unglück und Unheil er über Menschen gebracht hat durch falsches Handeln oder durch versäumtes Handeln und Durchgreifen. Kein Wunder! Als König war er oberster Richter seines Volkes. Und in aller Regel ist keine der beiden Parteien am Ende glücklich über das gefällte Urteil. Vermutlich gab es auch Fehlurteile, mangels genauer Kenntnis der Lage oder mangels Beweisen, oder wegen falscher Zeugenaussagen. Als König musste er täglich Anordnungen treffen und den Lebensalltag seines Volkes regeln.
Eine seiner gut gemeinten Entscheidungen war die Anordnung einer Volkszählung. Dadurch hat er aber – unbeabsichtigt – Gottes Ärger und Strafe hervorgerufen und damit Tausende seiner Untertanen ums Leben gebracht.
David hatte mindestens zehn Frauen und dazu noch viele Nebenfrauen. Wer ehrlich zu sich selber ist, weiß, dass wir Männer schon einer Ehefrau vieles schuldig bleiben an Liebe, Achtung und Ehre. Dann die Kinder und Enkelkinder in kaum mehr überschaubarer Zahl. Vielleicht hat er versucht, seine Kinder zum Gehorsam und Respekt gegenüber Gott zu erziehen – mit eher wenig Erfolg. Ständig gab es Intrigen, Eifersüchteleien, Konkurrenz um die Anerkennung durch den Vater, schlechtes Gerede.
Als sein von ihm sehr geliebter Sohn Amnon seine Halbschwester Tamar vergewaltigte und sich dann weigerte, sie wenigstens auch zu heiraten, griff er nicht durch. Weder als es darum ging, dieses Verbrechen zu bestrafen, noch als er dann Amnon offensichtlich vergeben hatte.
David verarbeitete alles mit sich selbst, ohne in der Familie für Klarheit zu sorgen. Wieviel Leid brachte er über seine Familie und über sein Volk dadurch, dass er seinen Nachfolger nicht rechtzeitig offen bekanntgab. Dass Gott ihm gegenüber Salomo zu seinem Nachfolger bestimmt hatte, behielt David bis kurz vor seinem Tod für sich. Nur so konnte es zum Aufstand seines Sohnes Absalom kommen mit allem Leid und Elend, den er mit sich brachte.
Das alles und viel mehr hatte er verursacht, konnte aber nicht klären, was Schuld und Sünde gegen Gott und Mitmenschen war, und was Schicksal oder Strafe Gottes, die er nicht aufhalten konnte. Das Ergebnis? David drückt es so aus: „Der Feind verfolgt meine Seele und schlägt mein Leben zu Boden, er legt mich ins Finstere wie die, die lange schon tot sind. Und mein Geist ist in mir geängstet, mein Herz ist erstarrt in meinem Leibe.“
Er nennt keine konkreten „Feinde“, die ihm das Leben schwermachen. Er sieht eher den einen Feind und Widersacher im Spiel, der ihn in dieses Netz aus Schuld und Schicksal verwickelt hat. Dieser Feind, Satan, hatte ihn schon auf die schlechte Idee mit der Volkszählung gebracht. Und er hatte schon König Saul durch Schwermut schachmatt gesetzt. Vielleicht fürchtet David auch, dass Gott selbst ihm inzwischen zum Feind geworden ist, wegen seiner Sünden, deren Folgen er nun auf ihn und sein Haus zurückfallen ließ.
Das alles raubt ihm den Schlaf und die Lebensfreude. Er fühlt sich wie abgestorben, ohne innere Kraft. Er hat keine Lust mehr zu nichts und weiß nicht, wie er weiterleben und weiterregieren kann. Aber David wäre nicht David, und diesen Psalm gäbe es nicht, wenn er es dabei belassen hätte: innerlich aufgeben, resignieren und in Selbstmitleid versinken.
Stattdessen geht er den ersten Schritt der Heilung: „Ich gedenke an die früheren Zeiten; ich sinne nach über all deine Taten und spreche von den Werken deiner Hände.“ Er musste ja nur seine eigenen Psalmlieder lesen und vielleicht auch singen. Die hatten ja schon König Saul aus seinen Depressionen befreit. Er erinnert sich an Gott und seine Taten. Seine Hilfe, die David so oft im Leben erlebt hatte. Wie oft hat ihn sein Herr aus Not und Lebensgefahr gerettet.
Er fühlt neu die Berufung durch den Propheten Samuel und das Salböl, das ihm über das Haupt fließt. Gott wollte ihn als König Israels haben, nicht wegen seiner Tatkraft und Weisheit, sondern wegen seines Herzens, seiner Liebe zu Gott. Es war Gottes Gnade, dass Gott ihm damals seine Gottesfurcht und Gottesliebe geglaubt hat. In seinen schlaflosen Nächten möchte er wieder – wie bei seiner Thronbesteigung – das umwerfende Bekenntnis Gottes zu ihm hören: „Du bist mein Sohn! Heute habe ich dich gezeugt.“
Er bittet: „Lass mich am Morgen hören deine Gnade, denn ich hoffe auf dich“. Er möchte es wieder sehen, das Antlitz Gottes, den liebenden Blick des Vaters auf seinen Sohn, der Anerkennung und Stolz ausstrahlt. David erinnert sich an die erlebte Vergebung. Gott vergibt ihm in einer großzügigen Weise, die uns und ihm den Atem raubt. Und Gott will ihn weiter als seinen Gesalbten und König behalten. David bittet Gott um seinen Geist, der ihm einen Ausweg zeigen kann. Einen oder vielleicht den Weg, der David weiterleben und weiterwirken lässt. Gottes Geist schenkt nicht nur das Wissen um diesen Weg, sondern wirkt auch die Kraft, ihn zu gehen.
Wie kommt er zu der Hoffnung, dass Gott alle diese Feinde in ihm vernichten will? Er sagt abschließend: „Denn ich bin dein Knecht.“ „Knecht Gottes“ meint einerseits Unterwerfung: Ich will dir dienen, für dich da sein, mein Leben dir zur Verfügung stellen. Das geht aber nur, wenn der „böse Feind“ in mir zerstört wird. „Knecht Gottes“ ist in der Bibel aber auch eine Ehrenstellung: Er ist der Verwalter und Aufseher über Haus und Hof des Herrn. David sagt damit: Ich bin für dich da auf dieser Welt, als der, der deine Pläne und Absichten durchführt; als der, der deine Sache treibt, als dein Beauftragter. Ich vertrete deinen Namen, ja, dich selbst in meiner Welt.
Damit lädt David Sie und mich ein, es ihm gleich zu tun.
Autor: Martin Hirschmüller
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