ERF Plus - Bibel heute

Botschafter der Versöhnung (1)


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Meine Schwägerin arbeitet im Schwarzwald als Krankenschwester in der ambulanten Pflege. Sie ist in den Dörfern unterwegs und betreut kranke und alte Menschen in ihren Wohnungen oder Häusern, versorgt sie medizinisch, soweit es ihre Kompetenz erlaubt, und hilft ihnen bei ihrer Körperpflege.

Der Schwarzwald ist eine fromme Gegend, und besonders in den ländlichen Gegenden ist der Glaube an Jesus sehr verbreitet. Auch meiner Schwägerin, die zusammen mit meinem Bruder viele Jahre als Missionarin in der Tschechischen Republik wirkte, ist der Glaube sehr wichtig. Ihr Beruf bringt es mit sich, dass sie auch Menschen in ihrer letzten Lebens-Zeit begleitet. Kein Wunder, dass gerade dabei Gespräche entstehen, die sich um die Worte aus der Bibel drehen. Sehr überrascht war ich jedoch, als meine Schwägerin die meistgestellte Frage der Sterbenden zitierte: Ob es wohl reicht? Gemeint war: Reicht das, was ich im Leben geleistet habe, um in den Himmel zu kommen?

Bei meinem letzten Besuch bei ihr sprachen wir ziemlich ausgiebig über diese Sorge der Menschen, und merkwürdigerweise begegnet mir diese Frage seither öfter. Und je länger, je mehr stelle ich mir selbst diese Frage.

Ich bin seit über 50 Jahren Christ und von Anfang an bemüht, so zu leben, wie es Gott gefällt. Besonders seinen Auftrag, Menschen zum Glauben zu ermutigen, nehme ich sehr ernst. In der Bibel steht: „Geht hinaus in die ganze Welt und ruft alle Menschen dazu auf, meine Jünger zu werden!“

Ja, ich bin stets bemüht, diesem Auftrag gerecht zu werden – aber wird es reichen? Welche Beurteilung Gottes erwartet mich, wenn ich einmal vor ihm stehe, bevor ich in den Himmel komme? Komme ich überhaupt in den Himmel? Was ist mit den vielen Fehlern, die mir im Leben passiert sind, mit dem bewussten Umgehen der Gebote Gottes, mit den Gedanken in meinem Kopf, die Gott bestimmt nicht gefallen haben? Und je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr kommen mir Dinge in Erinnerung, die einem Christen nicht passieren dürften! Reicht es trotzdem?

Die heutigen Worte von Paulus helfen mir in meinen Überlegungen. Paulus war kein perfekter Mensch. Bevor er Christ wurde, war er als Saulus genau das Gegenteil von dem, was wir in Gottes Augen sein sollen. Saulus verfolgte und ließ die töten, die im Namen Jesu den Auftrag Gottes ernst nahmen.

Dabei handelte er nicht willkürlich. Er glaubte an Gott und hatte Angst, dass die Menschen, die der neuen Sekte angehörten und sich Christen nannten, diesen Glauben untergraben. Er verteidigte vermeintlich Gottes Willen. Mit all seiner Kraft und Überzeugung, denn er wollte vor Gott bestehen. Als Zeitzeuge Jesu hätte er doch erkennen müssen, dass er auf dem Holzweg war! Auch die Haltung der verfolgten Anhänger Jesu hätte ihn ansprechen können. Woher nahmen sie die Kraft, ihren Glauben in der Todesgefahr nicht zu widerrufen?

Es ließ Paulus kalt, bis der Herr selbst ihn angesprochen hat. Das haute ihn wortwörtlich um, und er fiel drei Tage lang ins Dunkel der Blindheit. Dann kam die Wende! Durch die Erkenntnis, dass Jesus die Wahrheit und der Weg zum Licht ist. Ihm ist klar geworden, dass er nie vor Gott bestehen kann, und wenn er sich noch so bemüht, ihm zu gefallen. Ohne den Tod Jesu am Kreuz und seine Auferstehung ist alles sinnlos! Keiner kann Gott durch seine Werke allein gefallen. Aus Saulus wurde Paulus. Der Paulus, der hier zu den Christen in Korinth spricht. Und zu uns.

Auffallend ist die Mehrzahl, die Paulus benützt. Mit dem WIR möchte er, dass die Christen in Korinth konkrete Vorbilder vor sich haben. Die Handlungsweise, die er schildert, soll ansteckend sein. Keiner soll sich dabei einbilden, dass er es aus eigener Kraft so weit im Glauben bringen kann, wie Paulus und seine Anhänger. Paulus bringt die zentrale Botschaft des Evangeliums ins Spiel. Jesus konnte sein Sterben am Kreuz nur durch seine große Liebe zu Gott und zu uns Menschen aushalten. Wir bleiben vor diesem ewigen Tod verschont, wenn wir glauben, dass Jesus die Strafe für unsere Sünden auf sich nahm und in das Todestal hinabstieg, in dem er von seinem himmlischen Vater getrennt wurde. Durch die Auferstehung Jesu bestätigt uns Gott, dass auch wir nicht im Tod bleiben werden. Wer diese Liebestat, dieses Geschenk Gottes für sich annimmt, der braucht sich vor dem Tod nicht zu fürchten. Das reicht aus!

Diese Liebe, die ich in der Tat Jesu erkenne, wird mich auch antreiben, anderen davon zu erzählen und damit Gottes Auftrag zu erfüllen. Nein, ich werde es nicht machen können, dass Menschen glauben. Da könnte ich mit Engelszungen reden – es liegt nicht daran, wie ich mich mit Worten ausdrücke. Mein Bekenntnis kommt aus dem Herzen, und ich vergesse nicht, den Heiligen Geist zu bitten, mein angefangenes Werk zu Ende zu führen. Der Glaube kommt durch das Bekennen zu Gottes Wort und durch die Leitung und das Wirken des Heiligen Geistes.

Ich glaube nicht, dass ich nach der Zahl der bekehrten Menschen, die ich begleitet habe, beurteilt werde, sondern aus welcher Motivation und mit welcher Herzenshaltung ich ihnen meinen Glauben bezeugt habe. Da Gott in mein Herz hineinsieht – auch in die tiefsten Gedanken meiner Seele – wäre es schön, wenn auch ich mit Paulus sagen könnte: Gott weiß, dass es mir um nichts anderes geht.

Sollten mir Menschen andere Absichten unterstellen, darf es mich nicht kümmern. Nicht, was andere denken ist wichtig, sondern allein, was Gott denkt. Wer sich am Ende seines Lebens wahrhaftig die Frage stellt, ob es wohl reicht, dem möchte ich gerne zusagen: Ja, es reicht. Weil Jesus alles erledigt hat.

Leider gibt es Menschen, die so sehr von sich selbst überzeugt sind, dass sie gar nicht auf die Idee kommen, sich eine solche Frage zu stellen. Oft denken sie dabei auch, dass mit dem Tod alles aus ist. Und wenn nicht – nun ja, sie sind doch nicht böse, sie tun niemandem was Schlechtes – das wird schon reichen. Sie brauchen Gott nicht dazu.

Richtig – ich kann ohne Gott gut leben. Schon ein Asaf erkannte es, als er im Psalm 73 fragte: „Warum geht es den Gottlosen so gut?“ Bis ihm Gott im Tempel die Augen öffnete. Da wurde ihm klar: Der Mensch kann ohne Gott vielleicht gut leben, er wird aber ohne Gott nicht sterben können.

Lasst uns also fröhlich unseren Glauben bezeugen und einladend für andere als Christen leben. Das reicht!

Autor: Dajka Krentz

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