ERF Plus - Bibel heute

Das Brandopfer


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Einmal fühlte ich mich in meine Kindheit zurückversetzt. Es hatte da einen Punkt in meinem Leben gegeben, an dem ich mir vornahm, einmal die Bibel ganz von vorn bis hinten durchzulesen. Ganz tapfer begann ich beim 1. Mosebuch und hatte Freude an den Berichten über die Schöpfung bis hin zu den Geschichten der Urväter Abraham, Isaak und Jakob. Zäher wurde es dann schon im 2. Buch Mose. Das war zwar auch noch interessant, fand ich doch da die 10 Gebote, die wir zu lernen hatten. Aber es gab auch schon die ersten Rechtsordnungen zu studieren und das Gesetz über den Bau der Stiftshütte. Zu Beginn des 3. Buches Mose habe ich dann kapituliert. Denn das hat mir als Kind gar nichts mehr sagen können. Zum Glück hat mich diese Erfahrung nicht davon abgehalten, weiterhin in der Bibel zu lesen. Irgendwann habe ich kapiert, dass ich vielleicht mal im Neuen Testament anfangen sollte. Dort, wo von Jesus die Rede ist. Später habe ich gelernt: Er ist auch der Schlüssel dazu, um als Nichtjude das Alte Testament verstehen zu können.

Das 3. Buch Mose

Dies gilt insbesondere für die heutigen Verse aus dem 3. Buch Mose. Diese Textsammlung wird auch „Leviticus“ genannt, das „Buch der Leviten“. Levi ist einer der 12 Stämme Israels. Aus diesem sollten die Priester für Gottes Volk hervorgehen. Entgegen den anderen Stämmen bekam Levi kein Land zugeteilt. Ihr Anteil war das Sich-Nähren-Können durch den priesterlichen Opferdienst, wie es im 5. Buch Mose, Kapitel 18 beschrieben ist. Auch die Brüder Aaron und Mose stammen von Levi ab. So wundert es mich nicht, dass Gott immer wieder mit Mose spricht. Er soll die Gesetze und Ordnungen für den Gottesdienst und das tägliche Leben dem Volk Israel vermitteln. Daher beginnen 20 der 27 Kapitel des 3. Buches Mose mit dem Satz, dass Gott mit Mose redete.

Durch Jesus das Alte Testament verstehen

Aber zurück zu dem Gedanken, dass Jesus der Schlüssel dafür ist, um als Christ das Alte Testament zu verstehen. Das 3. Buch Mose wird auch als Opferhandbuch bezeichnet. Noch bevor in Kapitel 8 die Priester geweiht werden, erklärt Gott dem Mose 7 Kapitel lang, wie die einzelnen Opfer durchzuführen sind. Von den beschriebenen 5 Opferarten wird zuallererst das sogenannte Brandopfer beschrieben. Es wird auch als Ganzopfer bezeichnet, weil dabei das ganze Fleisch auf dem Altar verbrannt wird. Bei diesem Opfer scheint die Betonung auf der vollkommenen Weihe und Hingabe zu liegen.

Im Neuen Testament hat wohl auch der Apostel Paulus dieses Bild vor Augen, wenn er an die Gemeinde in Rom schreibt, Kapitel 12, Vers 1, gelesen nach der Übertragung „Hoffnung für alle“: Weil ihr Gottes reiche Barmherzigkeit erfahren habt, fordere ich euch auf, liebe Brüder und Schwestern, euch mit eurem ganzen Leben Gott zur Verfügung zu stellen. Seid ein lebendiges Opfer, das Gott dargebracht wird und ihm gefällt. Ihm auf diese Weise zu dienen ist der wahre Gottesdienst und die angemessene Antwort auf seine Liebe.

In Vers 3 der heutigen Bibellese ist von der Freiwilligkeit des Opfers die Rede. „Will er (jemand) ein Brandopfer darbringen“, heißt es da. Gleichzeitig wird aber auch erwähnt, dass damit die Hoffnung verbunden ist, Gottes Gnade zu finden, wenn es heißt: „damit es ihn wohlgefällig mache vor dem HERRN...und für ihn Sühne schaffe.“

Wenn uns Paulus dazu auffordert, ein lebendiges Opfer für Gott zu sein, meint er damit, dass wir unser ganzes Leben Gott zur Verfügung stellen sollen, indem wir seine Liebe empfangen und diese an andere weitergeben. Auch dies soll freiwillig geschehen. Aber der Unterschied zum alttestamentlichen Denken ist der, dass Christen ihre Opfer nicht deshalb Gott geben, um ihm wohlgefällig zu sein, oder um Sühnung für die eigenen Verfehlungen zu erlangen.

Denn Jesus Christus hat ja bereits ein einmaliges, vollumfängliches Opfer für alle Menschen dargebracht. Durch seinen Tod am Kreuz hat er die Sünden der gesamten Menschheit auf sich genommen und damit Sühne geschaffen. Jesus war unser Opferlamm. Damit sind die alttestamentlichen Opfer Geschichte. Sie sind nicht mehr nötig. Sie sind überboten worden durch das Opfer, das Jesus ein für alle Mal erbracht hat.

Im heutigen Bibeltext wird Gott recht menschlich beschrieben. Das Feueropfer sei ihm ein „lieblicher Geruch“. Ich weiß nicht, ob das verbrannte Fleisch wirklich so gut gerochen hat. Aber es geht ja hier auch um etwas ganz Anderes. Diese Art zu sprechen, soll uns mit verständlichen Worten zeigen, welch große Befriedigung es für Gott ist, wenn wir ihm Opfer bringen. Wir dürfen das jetzt aus einer komfortablen Position heraus tun. Wir bringen Gott nicht deshalb unser Opfer, um ständig neu seine Gnade zu erhalten. Sondern, weil er uns gnädig gestimmt ist, danken wir ihm dies mit unserem täglichen Opfer, dem lebendigen Opfer unserer Hingabe an Jesus, Gottes Sohn, der uns erlöst und befreit hat von unseren Sünden.

Gerechtigkeit vor Gott

So gesehen, kann ich das 3. Buch Mose nun ganz anders verstehen. Dort wird ja im Grunde die Frage gestellt: „Wie kann ein Mensch gerecht sein vor Gott?“. Antwort: Indem, er ein Opfer bringt. Dass dieses in alttestamentlicher Zeit nur unvollkommen geschehen konnte, beweist die Tatsache, dass es ständig erneuert werden musste. Im Grunde täglich. Im Neuen Testament antwortet der Apostel Paulus auf die Frage, wie ein sündiger Mensch vor Gott bestehen kann, mit dem Hinweis auf Gottes Gnade. Indem ich Jesu stellvertretendes Opfer am Kreuz annehme und für mich gelten lasse, werde ich von dem Druck befreit, ständige Opfer zu bringen, um seine Gnade zu erfahren. Er ist mir schon wohlgesonnen. So lesen wir es wunderschön im Römerbrief, Kapitel 3, Vers 28 - wieder nach der „Hoffnung für alle“: „Also steht fest: Nicht wegen meiner guten Taten werde ich von meiner Schuld freigesprochen, sondern allein deshalb, weil ich mein Vertrauen auf Jesus Christus setze.“

Autor: Christoph Müller

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