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Wer in diesen Tagen die Nachrichten verfolgt, sieht viele Karten: Frontverläufe in der Ukraine, Grönland in der Einflusssphäre der USA, die Straße von Hormus. Solche Karten suggerieren Übersicht und Objektivität – eine Welt natürlicher Einheiten, der Nationalstaaten, in einem großen strategischen Spiel um Macht und Einfluss. Für den Politikwissenschaftler Klaus Schlichte ist diese Sicht eine voraussetzungsreiche Deutung. In seinem neuen Buch beschreibt er „Das Elend der Geopolitik“: ein Denken, das die komplizierte politische Realität der Weltgesellschaft auf Konkurrenz zwischen Großmächten reduziert und in vermeintlich nüchterner Klarsicht die ewigen Regeln internationaler Politik erkennt.
Für Schlichte ist das ein Relikt des 19. Jahrhunderts, ein Echo des europäischen Imperialismus und in der Forschung lange diskreditiert. Stattdessen brauche es soziologische Analyse und ein Bewusstsein für die historische Interpretationsabhängigkeit zwischenstaatlicher Beziehungen. Dann erweist sich die jüngere Geschichte nicht als Wiederholung eherner Gesetze von Dominanzstreben und Machtgleichgewichten, sondern als Abfolge unterschiedlicher Legitimitätsordnungen mit je eigenen kontingenten Regeln. Der machtpolitische Realismus erlebt seine Renaissance demnach nicht wegen seiner unabweislichen Wahrheit, sondern wegen der Einfalt mancher öffentlicher Debatte und der fragwürdigen Expertise seiner erfolgreichsten Fürsprecher.
Das Transkript zur Episode ist hier abrufbar. ACHTUNG: Das Transkript wird automatisch durch wit.ai erstellt und aus zeitlichen Gründen NICHT korrigiert. Fehler bitten wir deshalb zu entschuldigen.
By Das Neue BerlinDu willst uns unterstützen? Hier entlang.
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Wer in diesen Tagen die Nachrichten verfolgt, sieht viele Karten: Frontverläufe in der Ukraine, Grönland in der Einflusssphäre der USA, die Straße von Hormus. Solche Karten suggerieren Übersicht und Objektivität – eine Welt natürlicher Einheiten, der Nationalstaaten, in einem großen strategischen Spiel um Macht und Einfluss. Für den Politikwissenschaftler Klaus Schlichte ist diese Sicht eine voraussetzungsreiche Deutung. In seinem neuen Buch beschreibt er „Das Elend der Geopolitik“: ein Denken, das die komplizierte politische Realität der Weltgesellschaft auf Konkurrenz zwischen Großmächten reduziert und in vermeintlich nüchterner Klarsicht die ewigen Regeln internationaler Politik erkennt.
Für Schlichte ist das ein Relikt des 19. Jahrhunderts, ein Echo des europäischen Imperialismus und in der Forschung lange diskreditiert. Stattdessen brauche es soziologische Analyse und ein Bewusstsein für die historische Interpretationsabhängigkeit zwischenstaatlicher Beziehungen. Dann erweist sich die jüngere Geschichte nicht als Wiederholung eherner Gesetze von Dominanzstreben und Machtgleichgewichten, sondern als Abfolge unterschiedlicher Legitimitätsordnungen mit je eigenen kontingenten Regeln. Der machtpolitische Realismus erlebt seine Renaissance demnach nicht wegen seiner unabweislichen Wahrheit, sondern wegen der Einfalt mancher öffentlicher Debatte und der fragwürdigen Expertise seiner erfolgreichsten Fürsprecher.
Das Transkript zur Episode ist hier abrufbar. ACHTUNG: Das Transkript wird automatisch durch wit.ai erstellt und aus zeitlichen Gründen NICHT korrigiert. Fehler bitten wir deshalb zu entschuldigen.

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