ERF Plus - Bibel heute

Das Gleichnis vom Töpfer


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Gott hatte seinem Volk Israel zehn Worte zum Leben gegeben. Wir nennen sie heute die Zehn Gebote. Zuerst stellte sich Gott den Israeliten als ihr Gott vor, der sie befreit hat und der für sie da ist. Dann verbot er ihnen, andere Götter neben ihm zu haben. Vor allem sollten sie sich keine Götzenbilder machen. Solche Bilder machte man damals aus Materialien wie Holz, Stein und sogar Gold.

Die Bilder, die wir uns heute von Gott machen, sind dagegen mehr ideeller Art. Für manche Zeitgenossen ist Gott ein gütiger, liebevoller, weißhaariger, zuweilen auch seniler und müder alter Mann. Von diesem Opa haben wir nichts zu befürchten, im Gegenteil: er ist dafür da, uns möglichst alle unsere Wünsche zu erfüllen.

Ein ganz anderes Bild ist der Gott, der zu jeder Zeit alles sieht. Wie ein Polizist stellt er bei dem kleinsten Vergehen einen Strafzettel aus. Geistliche und weltliche Herrscher, aber auch Eltern versuchten damit, die ihnen anvertrauten Menschen in die Schranken zu weisen. So entstand das Bild eines unbarmherzig strafenden Gottes, das bei vielen Menschen alle Freude am Glauben erstickte.

Auch der heutige Bibeltext präsentiert uns ein ideelles Gottesbild. Doch im Unterschied zu den eben beschriebenen Gottesbildern ist dieses Bild nicht von Menschen. Es war nicht Jeremias Idee, Gott mit einem Töpfer zu vergleichen. Die Initiative geht ganz klar von Gott aus. Ein Wort geschieht von Gott, dem HERRN, an Jeremia. Damit bekommt der Prophet den Auftrag, in das Haus des Töpfers zu gehen. Jeremia gehorcht und kommt genau zur rechten Zeit. Er sieht den Töpfer bei seiner Arbeit.

Ich war mit meiner Familie 30 Jahre auf einer Nordseeinsel im Urlaub. Dort gibt es viele Künstler, auch einige Töpfer. Einen von ihnen suchten wir fast jedes Jahr auf. Nur selten kamen wir, als er gerade am Töpfern war. Es ist sehr eindrücklich zu sehen, wie er mit seinen Händen den Ton formt. Schon bald erkennt er, was daraus wird. Da konnte es vorkommen, dass mir gefiel, was er machte, doch er brach seine Arbeit ab und begann noch einmal von vorne. So hat es auch Jeremia wahrgenommen. Der Töpfer machte es so, wie es ihm gefiel.

Die Deutung dessen, was Jeremia sieht, kommt nicht von ihm, sondern von Gott. Er bezieht dieses Bild auf sich und erklärt Jeremia damals und uns heute, was er damit sagen will. Drei Lektionen sind es, die ich daraus lerne.

1. Gott ist frei in dem, was er tut.

Die Menschen zu Jeremias Zeit dachten, ihnen könne nichts passieren, weil Gott tun musste, was sie von ihm erwarten. Er hatte sie erwählt, er hatte ihnen seine Verheißungen gegeben. Daran war er gebunden. Wenn Jeremia Gottes Gericht ankündigte, glaubten sie ihm nicht. Sie wollten ihn sogar töten. Doch Gott macht klar, dass Menschen, die so denken wie Jeremias Zeitgenossen in Israel damals, sich irren. Gottes Freiheit als Töpfer ist es, dass er mit dem Ton so umgehen kann, wie er will. Seine Worte in Vers 6 sind unmissverständlich: „Kann ich nicht ebenso mit euch umgehen, ihr vom Hause Israel, wie dieser Töpfer? spricht der HERR. Siehe, wie der Ton in des Töpfers Hand, so seid auch ihr in meiner Hand, Haus Israel.“

Wenn Gott mit dem Ton unzufrieden ist, kann er ihn wieder zu einem Klumpen zusammendrücken und einen anderen Gegenstand daraus machen. Darüber ist er keinem Menschen Rechenschaft schuldig. Wenn Gott etwas zulässt, was ich überhaupt nicht verstehen kann, dann kann ich ihn fragen und um eine Antwort bitten. Aber ich habe nicht das Recht, Gott zu verhören. Er muss sich mir nicht erklären. Er ist frei in dem, was er tut.

2. Gott achtet auf das, was wir tun.

Wäre das alles, was dieses Bild uns sagen will, dann wäre Gott eine Macht, die willkürlich mit uns umgeht. Doch Gottes Freiheit ist nicht wie unsere Freiheit, die häufig rücksichtslos tut, was uns gerade passt. Gott ist nicht so wie die Götter, die wir aus der griechischen oder römischen Mythologie kennen, die allzu menschlich und somit auch unmenschlich handeln. Genau das Gegenteil tut Gott. Er schaut auf uns Menschen. Er schaut ganz genau hin, wie wir über ihn denken.

Wenn er Gericht über ein Volk angekündigt hat, aber das Volk tut Buße, ändert sich und ruft ihn um Hilfe an, dann kommt das Gericht nicht. So hat es der Prophet Jona in Ninive erlebt. Er haderte mit der Freiheit Gottes, weil der so gütig war.

Jeremia dagegen hätte sich gefreut, wenn seine Volksgenossen auch so gehandelt hätten wie die Menschen in Ninive. Doch ausgerechnet das Volk, dem Gott so viel Gutes getan hat, das er als sein Volk erwählt hat, das durch die Worte vieler Propheten genau erfahren hat, was Gott will: dieses Volk tut, was Gott missfällt. Es gehorcht seiner Stimme nicht, und so reut Gott das Gute, das zu tun er seinem Volk verheißen hat (Vers 9 und 10).

Am Ende muss Jeremia miterleben, wie Gottes Gericht an seinem Volk vollzogen wird und wie das Volk unter der babylonischen Gefangenschaft zerbricht. An Ninive und an Israel sehen wir, wie Gott in seiner Freiheit sein Tun im barmherzigen Handeln wie im Gericht an dem ausrichtet, was wir Menschen tun.

3. Gottes Güte macht es möglich, dass Menschen seine Barmherzigkeit erfahren.

Aus dem, was wir in der Töpferwerkstatt gehört haben, können wir nur einen Schluss ziehen. Gott richtet sein Tun danach aus, ob wir auf sein Wort hören und ihm gehorchen. Er schaut auf unsere Herzen. Findet er dort ehrliche Reue über unsere Sünde, dann will er uns vergeben. In seinen Klageliedern (3,22-24) hören wir Jeremia sagen: „Die Güte des HERRN ist’s, dass wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß. Der HERR ist mein Teil, spricht meine Seele; darum will ich auf ihn hoffen.“

Viele Generationen später hat Gott in seiner Barmherzigkeit seinen Sohn Jesus in diese Welt gesandt. Dieser Tage sprach ich mit einem 87jährigen Mann. In wenigen Worten fasste er das Schöne und das Schwere seines Lebens zusammen. Er schloss mit dem Satz: „Das größte Geschenk Gottes ist, dass er uns durch Jesus alle unsere Sünden vergibt.“ Und ich spürte: da hat jemand Gottes Barmherzigkeit erfrischend neu erfahren und erlebt sie immer noch.

Autor: Achim Kellenberger

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