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„Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen!“
Ob dieses Zitat tatsächlich von Matthias Claudius stammt, weiß ich nicht. Doch ist diese Aussage sicher richtig. Das können sowohl sie – liebe Hörerinnen und Hörer – als auch ich bestätigen.
Ja, und sicher auch das Volk Israel und Mose, die auf dem Weg in eine neue Heimat sind. Etliches haben sie ja schon hinter sich gebracht. Den Wegzug aus Ägypten; aus einer ziemlich bedrückenden Situation.
Nun sind sie miteinander unterwegs. Wie das so ist, wenn viele Menschen miteinander unterwegs sind, geht das nicht ohne Stress und Streit ab.
Den einen geht es nicht schnell genug, die anderen wollen lieber wieder zurück. Etliche beschweren sich über das Essen, die anderen über die Reise an sich.
Schuld sind natürlich – wie immer – die da oben; vielleicht auch Gott?
Vergessen sind die Schläge der Aufseher bei der Sklavenarbeit in Ägypten. Vergessen ist die Willkür, der sie alle ausgesetzt waren. Vergessen auch die Wunder, die sie mit Gott schon erlebt haben.
Wer hat schon Lust, so eine Bande von undankbaren Typen durch die Wüste zu einem neuen Anfang zu führen?
Mose nicht. Zumindest nicht mehr. Der hat die Schnauze voll. Der ist fertig und am Ende. Der kann und er will auch nicht mehr.
Und Gott? Ja, auch der ist zornig. Sein Zorn brennt wie Feuer – und das nicht nur im übertragenen Sinn. Doch brennt es da nicht in der Mitte des Lagers, sondern am Rand. Und auf das Gebet von Mose hin erlischt das Feuer auch wieder.
Doch schon gibt es neue Klagen des Volkes. Es hört einfach nicht auf. Immer wieder ähnliche Klagen; immer wieder der gleiche Ärger.
Mose jedenfalls hat die Nase voll. Jetzt klagt er. Ihm ist das Volk nur noch eine Last und die Verantwortung für diese Menschen zu schwer und nicht zu tragen.
Mose ist müde geworden im Dienst, den Gott ihm übertragen hat. Er ist ausgebrannt und verzweifelt.
Dabei beschreibt Mose das Volk und sich selbst mit Worten, die auch Gott immer wieder verwendet. Denn Gott tröstet, wie eine Mutter tröstet; er liebt seine Menschen innig, wie ein Vater es tut. Er leidet um seine Geschöpfe, und sehnt sich nach der Gemeinschaft mit ihnen.
Doch anders als Mose, steigt Gott aus seiner Fürsorge für die Menschen nicht aus. Und Gott steigt auch aus der Verantwortung für seinen ausgebrannten und müde gewordenen Mitarbeiter Mose nicht aus. Im Gegenteil.
Aber Moment mal. Also diese Überforderung oder auch der Frust über einzelne Menschen und ihre Klagen sind ja auch mir nicht unbekannt. Und geht ihnen das denn anders?
Ich bemühe mich darum, meiner Verantwortung gerecht zu werden. Ich setze mich ein und packe an.
Und dann erlebe ich Kritik und Vorwürfe, statt Dankbarkeit und Freude.
Ja, das macht müde. Das ärgert mich. Da möchte ich alles gerne hinschmeißen.
O ja, in solchen Augenblicken kann ich Mose und seinen Frust gut verstehen.
Und er ist für mich dabei sogar Vorbild, denn er wendet sich mit seinem Ärger und seiner Enttäuschung an den Richtigen – an Gott.
Mose macht aus seinem Ärger ein Gebet. Zugegeben, ein recht drastisches und forderndes Gebet. Und doch frisst er seinen Frust nicht in sich hinein, sondern geht damit zu Gott. Das gefällt mir. Davon möchte ich gerne lernen.
Selbst dieser letzte Ausweg, den Mose für sich nur noch sieht, kennt ja nicht nur er. Als er Gott darum bittet, ihn lieber sterben zu lassen, als ihn weiter diese Verantwortung tragen zu lassen, da ist er nur einer von etlichen anderen.
In der Bibel wird so ja auch von Eliah, Jona oder Jeremia berichtet. Und auch in der Kirchengeschichte bis heute sind Menschen bekannt, denen der Lebensmut gefehlt hat. Und auch ich stelle mir hin und wieder vor, wie schön es wäre, bei Gott zu sein und alle Verantwortung damit abgeben zu können.
Genau an diesem Punkt im Leben des Mose – und vielleicht auch in ihrem und in meinem Leben – antwortet Gott.
Und wie er antwortet. Da kommen keine Durchhalteparolen. Gott gibt Mose recht – und handelt für ihn.
Er schenkt Perspektive, öffnet den Blick für fähige und bewährte Mitarbeiter und schenkt damit spürbare und echte Entlastung. Gott selber handelt.
Er macht damit deutlich: Ja, das ist mein Volk, meine Gemeinde, das sind meine Menschen.
Und ich werde und will mich um jeden kümmern. Doch gleichzeitig werde ich dich, Mose, auch entlasten.
Dabei hat Mose ja alle Fähigkeiten für seinen Dienst bekommen. Das wird daran deutlich, dass Gott von seinem Geist, den er Mose gegeben hat, einen Teil an diese 70 Ältesten verteilt.
Und das gilt bis heute.
Schön, wenn viele sich mühen und einsetzen mit ihren Begabungen für die eigene Kirche und Gemeinde. Gut, wenn wir mit unseren Fähigkeiten und unseren Möglichkeiten mitarbeiten in unserem Umfeld. Wunderbar, wenn wir die Gaben, die wir von Gott bekommen haben, auch in seinem Namen für andere Menschen einsetzen.
Doch keiner von uns trägt die Last der Verantwortung für Menschen, Kirchen und Gemeinden auf seinen eigenen Schultern.
Gott war, ist und bleibt der Herr seiner Gemeinde.
Das musste auch Mose ganz neu lernen. Eigentlich erstaunlich, oder?
Gerade erst hat Gott dessen Verzweiflung ernst genommen und ihm Hilfe zugesagt. Ganz praktisch und auch zeitnah.
Doch schon gerät Mose erneut in Panik, als Gott ihm den Auftrag erteilt, dem Volk das erwünschte Fleisch anzukündigen.
„Wie soll ich das denn hinbekommen?“, so bricht es in seiner Angst und Panik aus Mose heraus. Er sieht auf die vielen Menschen und fragt sich zu Recht, wie er die Zusage Gottes denn nur einhalten soll.
Wieder denkt Mose an sich und seine begrenzten Möglichkeiten.
Natürlich steht ihm die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben. Völlig verständlich.
Er hat erneut den Eindruck, er solle Gottes Zusagen an das Volk irgendwie selber erfüllen. Mose denkt nur in menschlichen Möglichkeiten. Mit Recht fühlt er sich überfordert.
Jetzt aber soll er über Gottes unbegrenzte Macht staunen.
Nein, nicht Mose soll dem Volk das erbetene Essen servieren. Einzig Gottes Zusage soll er an die Menschen übermitteln.
Gott selber ist es dann, der seine Zusagen einlöst.
Damals, zur Zeit von Mose – und auch heute, in unserer Zeit.
Auch uns gilt damit Gottes Zuspruch:
„Meinst du, es gibt eine Grenze für meine Macht?“
► Mehr zu 4. Mose:
Autor: Pastor Michael Bürger
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By ERF - Der Sinnsender5
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„Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen!“
Ob dieses Zitat tatsächlich von Matthias Claudius stammt, weiß ich nicht. Doch ist diese Aussage sicher richtig. Das können sowohl sie – liebe Hörerinnen und Hörer – als auch ich bestätigen.
Ja, und sicher auch das Volk Israel und Mose, die auf dem Weg in eine neue Heimat sind. Etliches haben sie ja schon hinter sich gebracht. Den Wegzug aus Ägypten; aus einer ziemlich bedrückenden Situation.
Nun sind sie miteinander unterwegs. Wie das so ist, wenn viele Menschen miteinander unterwegs sind, geht das nicht ohne Stress und Streit ab.
Den einen geht es nicht schnell genug, die anderen wollen lieber wieder zurück. Etliche beschweren sich über das Essen, die anderen über die Reise an sich.
Schuld sind natürlich – wie immer – die da oben; vielleicht auch Gott?
Vergessen sind die Schläge der Aufseher bei der Sklavenarbeit in Ägypten. Vergessen ist die Willkür, der sie alle ausgesetzt waren. Vergessen auch die Wunder, die sie mit Gott schon erlebt haben.
Wer hat schon Lust, so eine Bande von undankbaren Typen durch die Wüste zu einem neuen Anfang zu führen?
Mose nicht. Zumindest nicht mehr. Der hat die Schnauze voll. Der ist fertig und am Ende. Der kann und er will auch nicht mehr.
Und Gott? Ja, auch der ist zornig. Sein Zorn brennt wie Feuer – und das nicht nur im übertragenen Sinn. Doch brennt es da nicht in der Mitte des Lagers, sondern am Rand. Und auf das Gebet von Mose hin erlischt das Feuer auch wieder.
Doch schon gibt es neue Klagen des Volkes. Es hört einfach nicht auf. Immer wieder ähnliche Klagen; immer wieder der gleiche Ärger.
Mose jedenfalls hat die Nase voll. Jetzt klagt er. Ihm ist das Volk nur noch eine Last und die Verantwortung für diese Menschen zu schwer und nicht zu tragen.
Mose ist müde geworden im Dienst, den Gott ihm übertragen hat. Er ist ausgebrannt und verzweifelt.
Dabei beschreibt Mose das Volk und sich selbst mit Worten, die auch Gott immer wieder verwendet. Denn Gott tröstet, wie eine Mutter tröstet; er liebt seine Menschen innig, wie ein Vater es tut. Er leidet um seine Geschöpfe, und sehnt sich nach der Gemeinschaft mit ihnen.
Doch anders als Mose, steigt Gott aus seiner Fürsorge für die Menschen nicht aus. Und Gott steigt auch aus der Verantwortung für seinen ausgebrannten und müde gewordenen Mitarbeiter Mose nicht aus. Im Gegenteil.
Aber Moment mal. Also diese Überforderung oder auch der Frust über einzelne Menschen und ihre Klagen sind ja auch mir nicht unbekannt. Und geht ihnen das denn anders?
Ich bemühe mich darum, meiner Verantwortung gerecht zu werden. Ich setze mich ein und packe an.
Und dann erlebe ich Kritik und Vorwürfe, statt Dankbarkeit und Freude.
Ja, das macht müde. Das ärgert mich. Da möchte ich alles gerne hinschmeißen.
O ja, in solchen Augenblicken kann ich Mose und seinen Frust gut verstehen.
Und er ist für mich dabei sogar Vorbild, denn er wendet sich mit seinem Ärger und seiner Enttäuschung an den Richtigen – an Gott.
Mose macht aus seinem Ärger ein Gebet. Zugegeben, ein recht drastisches und forderndes Gebet. Und doch frisst er seinen Frust nicht in sich hinein, sondern geht damit zu Gott. Das gefällt mir. Davon möchte ich gerne lernen.
Selbst dieser letzte Ausweg, den Mose für sich nur noch sieht, kennt ja nicht nur er. Als er Gott darum bittet, ihn lieber sterben zu lassen, als ihn weiter diese Verantwortung tragen zu lassen, da ist er nur einer von etlichen anderen.
In der Bibel wird so ja auch von Eliah, Jona oder Jeremia berichtet. Und auch in der Kirchengeschichte bis heute sind Menschen bekannt, denen der Lebensmut gefehlt hat. Und auch ich stelle mir hin und wieder vor, wie schön es wäre, bei Gott zu sein und alle Verantwortung damit abgeben zu können.
Genau an diesem Punkt im Leben des Mose – und vielleicht auch in ihrem und in meinem Leben – antwortet Gott.
Und wie er antwortet. Da kommen keine Durchhalteparolen. Gott gibt Mose recht – und handelt für ihn.
Er schenkt Perspektive, öffnet den Blick für fähige und bewährte Mitarbeiter und schenkt damit spürbare und echte Entlastung. Gott selber handelt.
Er macht damit deutlich: Ja, das ist mein Volk, meine Gemeinde, das sind meine Menschen.
Und ich werde und will mich um jeden kümmern. Doch gleichzeitig werde ich dich, Mose, auch entlasten.
Dabei hat Mose ja alle Fähigkeiten für seinen Dienst bekommen. Das wird daran deutlich, dass Gott von seinem Geist, den er Mose gegeben hat, einen Teil an diese 70 Ältesten verteilt.
Und das gilt bis heute.
Schön, wenn viele sich mühen und einsetzen mit ihren Begabungen für die eigene Kirche und Gemeinde. Gut, wenn wir mit unseren Fähigkeiten und unseren Möglichkeiten mitarbeiten in unserem Umfeld. Wunderbar, wenn wir die Gaben, die wir von Gott bekommen haben, auch in seinem Namen für andere Menschen einsetzen.
Doch keiner von uns trägt die Last der Verantwortung für Menschen, Kirchen und Gemeinden auf seinen eigenen Schultern.
Gott war, ist und bleibt der Herr seiner Gemeinde.
Das musste auch Mose ganz neu lernen. Eigentlich erstaunlich, oder?
Gerade erst hat Gott dessen Verzweiflung ernst genommen und ihm Hilfe zugesagt. Ganz praktisch und auch zeitnah.
Doch schon gerät Mose erneut in Panik, als Gott ihm den Auftrag erteilt, dem Volk das erwünschte Fleisch anzukündigen.
„Wie soll ich das denn hinbekommen?“, so bricht es in seiner Angst und Panik aus Mose heraus. Er sieht auf die vielen Menschen und fragt sich zu Recht, wie er die Zusage Gottes denn nur einhalten soll.
Wieder denkt Mose an sich und seine begrenzten Möglichkeiten.
Natürlich steht ihm die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben. Völlig verständlich.
Er hat erneut den Eindruck, er solle Gottes Zusagen an das Volk irgendwie selber erfüllen. Mose denkt nur in menschlichen Möglichkeiten. Mit Recht fühlt er sich überfordert.
Jetzt aber soll er über Gottes unbegrenzte Macht staunen.
Nein, nicht Mose soll dem Volk das erbetene Essen servieren. Einzig Gottes Zusage soll er an die Menschen übermitteln.
Gott selber ist es dann, der seine Zusagen einlöst.
Damals, zur Zeit von Mose – und auch heute, in unserer Zeit.
Auch uns gilt damit Gottes Zuspruch:
„Meinst du, es gibt eine Grenze für meine Macht?“
► Mehr zu 4. Mose:
Autor: Pastor Michael Bürger
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