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Stellen Sie sich ein junges Paar vor, das gerade in ein neues Haus gezogen ist. Es ist ein schöner Morgen, und sie sitzen beim Frühstück. Die junge Frau schaut aus dem Fenster und sieht, wie ihre Nachbarin draußen die Wäsche aufhängt. „Diese Wäsche ist nicht sehr sauber; sie weiß wohl nicht, wie man richtig wäscht. Vielleicht braucht sie ein besseres Waschpulver“, bemerkt sie abfällig. Ihr Mann schweigt und sieht einfach zu. Diese Szene wiederholt sich jedes Mal, wenn die Nachbarin ihre Wäsche zum Trocknen aufhängt.
Eines Morgens, ungefähr einen Monat später, sieht die junge Frau überraschend saubere Wäsche auf der Leine und sagt zu ihrem Mann: „Schau, sie hat endlich gelernt, wie man richtig wäscht. Ich frage mich, wer es ihr beigebracht hat.“ Ihr Mann lächelt und antwortet: „Ich bin heute Morgen früh aufgestanden und habe unsere Fenster geputzt.“
Wie peinlich. Und gleichzeitig, wie herrlich entlarvend! Denn wie oft ist unser Blick getrübt für das, was andere machen, während wir stolz auf unsere „weiße Weste“ sind.
„So spricht der HERR: Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums. Sondern wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne, dass ich der HERR bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden; denn solches gefällt mir, spricht der HERR.“ (Jeremia 9, 22-23)
Ich kenne sie aus dem öffentlichen Leben: die Weisen, die Starken und die Reichen. Die Starken präsentieren sich mit dem, was andere auch gerne hätten. Die Reichen suchen ständig nach Geldanlagemöglichkeiten. Und auch wenn die Weisen nicht immer mit ihrer Weisheit prahlen, so werden sie doch zuverlässig in die Talk-Shows eingeladen, um die Welt zu erklären. Die Starken beeindrucken mich mit Aussehen, Kraft und Macht, und die Reichen zeigen mir, was ich nicht habe. „Mein Haus – mein Auto – meine Yacht.“ Der Reichtum der einen ist die Armut der anderen. Und es gibt mehr Arme als Reiche.
Jeremia, der Prophet, war zu Lebzeiten unbeliebt. Er wurde verfolgt und ins Gefängnis geworfen. Mehrere Anschläge und Mordversuche überlebte er nur knapp. Warum? Weil seine Verkündigung in ihrer Schärfe weit über dieses Wort hinausgeht. Im Namen Gottes fällt der Prophet ein vernichtendes Urteil über das Volk Israel und kündigt den nahen Untergang an. So sind auch die Worte über das Rühmen eingebettet in ein Kapitel voller harter Worte. Jeremia beschreibt die hoffnungslose Lage drastisch: „Die Leichen der Menschen werden herumliegen wie Dünger auf dem Feld und wie abgeschnittene Ähren hinter dem Schnitter, und da ist niemand, der sie sammelt“ (Jeremia 9,21).
Die Geschichte gibt Jeremia Recht: Der Staat Israel wird noch zu seinen Lebzeiten unter die Räder kommen. Die kulturell, religiös und wirtschaftlich verwahrloste Gesellschaft hat keine Chance gegen die Übermacht Babylons. Alle menschliche Weisheit, Stärke und Finanzkraft scheitern kläglich. Jerusalem wird zerstört, das Land geplündert, ein großer Teil der Bevölkerung ins Exil verschleppt. Das Einzige, was Israel in dieser tiefen Not hilft, ist der Rettungsanker, den der Prophet Jeremia ihnen hingehalten hat: „Buße tun“, „umkehren zu Gott“, „ihm die Ehre geben, ihn allein rühmen.“
Gott allein schenkt den Seinen eine Identität, die im Flug der Zeit bestehen bleibt, indem er Gnade, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden. Das bedeutet, dass vor Gott niemand großtun und angeben muss mit Weisheit, Stärke und Reichtum. Das hat schon beim Turmbau zu Babel nicht funktioniert. Vor Gott dürfen wir sein, wie wir sind, zu unserer Ratlosigkeit stehen, unsere Schwäche bekennen und eingestehen, dass wir mit leeren Händen vor ihm stehen. Der Mensch braucht den Menschen und der Mensch braucht Gott.
Gott lädt uns ein, ihn zu rühmen. Rühmen wir Gott, erfahren wir, dass Gott allein der ist, welcher Gnade, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden. Für den gottvergessenen Menschen von heute steht stattdessen das ICH im Mittelpunkt allen Denkens und Handelns. Dieses Ich-Denken ist uns inzwischen so selbstverständlich geworden, dass manche es fast wie ein „biblisches“ Denken auffassen. „Was bringt mir das?“ oder „Was habe ich davon?“ – das sind die Fragen, die das Denken vieler prägen. Horst Opaschowski sprach von einer Gesellschaft von „Ichlingen“. Er kam zu dem Ergebnis, dass wir wieder zurück zum WIR kommen müssen.
Diese Erkenntnis gilt auch für die christlichen Gemeinden heute. Wir müssen erkennen, dass unser Denken oft um unser eigenes Leben kreist. Unsere Sprache entlarvt uns: „Ich und Jesus“, „ich und der Heilige Geist“, „ich und der Vater“, „ich und die Gemeinde.“ Dreht sich unser Denken nicht oft um uns selbst? Fühlen wir uns nicht oft, als kämen wir zu kurz? Darum sind Sätze wie „Denk doch mal an dich!“ oder „Gönn' dir was Gutes!“ Balsam für unsere Seele. Doch dieser Balsam hält oft nicht lange. Eine zu starke Fokussierung auf uns selbst führt in die „Ich-Einsamkeit“. Führt nicht oft der Druck, mit allem allein zurechtkommen zu müssen, dazu, dass so mancher Mensch an der Seele erkrankt?
Gott wird uns in der Bibel nicht als „einsames Ich“ vorgestellt, sondern als ein Gott in Gemeinschaft: „Vater, Sohn und Heiliger Geist.“ Graf von Zinzendorf sprach von „Gott als Familie“. Diese Sichtweise kann uns helfen zu erkennen, wer Gott ist und wie die Beziehung zwischen den Personen der Dreieinigkeit aussieht.
Wie sieht das Rühmen Gottes im Unterschied zum „Selbstruhm“ des Menschen aus? Paulus sagt es uns im ersten Korintherbrief. Dort zitiert er Jeremia, aber mit einer leicht veränderten Formulierung: „Durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus, der für uns zur Weisheit wurde durch Gott und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung, auf dass gilt, wie geschrieben steht: ‚Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn!‘“ (1. Kor. 1, 30 und 31)
Liebe Hörerinnen und Hörer, lassen Sie uns also nicht auf unsere eigene Stärke, Weisheit oder Reichtum bauen. Lassen Sie uns unseren Blick schärfen, unsere Fenster putzen und erkennen, dass allein Gott der ist, der Gnade, Recht und Gerechtigkeit übt. Darin liegt unsere wahre Stärke und Hoffnung.
Autor: Pastor Jan-Peter Graap
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By ERF - Der Sinnsender5
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Stellen Sie sich ein junges Paar vor, das gerade in ein neues Haus gezogen ist. Es ist ein schöner Morgen, und sie sitzen beim Frühstück. Die junge Frau schaut aus dem Fenster und sieht, wie ihre Nachbarin draußen die Wäsche aufhängt. „Diese Wäsche ist nicht sehr sauber; sie weiß wohl nicht, wie man richtig wäscht. Vielleicht braucht sie ein besseres Waschpulver“, bemerkt sie abfällig. Ihr Mann schweigt und sieht einfach zu. Diese Szene wiederholt sich jedes Mal, wenn die Nachbarin ihre Wäsche zum Trocknen aufhängt.
Eines Morgens, ungefähr einen Monat später, sieht die junge Frau überraschend saubere Wäsche auf der Leine und sagt zu ihrem Mann: „Schau, sie hat endlich gelernt, wie man richtig wäscht. Ich frage mich, wer es ihr beigebracht hat.“ Ihr Mann lächelt und antwortet: „Ich bin heute Morgen früh aufgestanden und habe unsere Fenster geputzt.“
Wie peinlich. Und gleichzeitig, wie herrlich entlarvend! Denn wie oft ist unser Blick getrübt für das, was andere machen, während wir stolz auf unsere „weiße Weste“ sind.
„So spricht der HERR: Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums. Sondern wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne, dass ich der HERR bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden; denn solches gefällt mir, spricht der HERR.“ (Jeremia 9, 22-23)
Ich kenne sie aus dem öffentlichen Leben: die Weisen, die Starken und die Reichen. Die Starken präsentieren sich mit dem, was andere auch gerne hätten. Die Reichen suchen ständig nach Geldanlagemöglichkeiten. Und auch wenn die Weisen nicht immer mit ihrer Weisheit prahlen, so werden sie doch zuverlässig in die Talk-Shows eingeladen, um die Welt zu erklären. Die Starken beeindrucken mich mit Aussehen, Kraft und Macht, und die Reichen zeigen mir, was ich nicht habe. „Mein Haus – mein Auto – meine Yacht.“ Der Reichtum der einen ist die Armut der anderen. Und es gibt mehr Arme als Reiche.
Jeremia, der Prophet, war zu Lebzeiten unbeliebt. Er wurde verfolgt und ins Gefängnis geworfen. Mehrere Anschläge und Mordversuche überlebte er nur knapp. Warum? Weil seine Verkündigung in ihrer Schärfe weit über dieses Wort hinausgeht. Im Namen Gottes fällt der Prophet ein vernichtendes Urteil über das Volk Israel und kündigt den nahen Untergang an. So sind auch die Worte über das Rühmen eingebettet in ein Kapitel voller harter Worte. Jeremia beschreibt die hoffnungslose Lage drastisch: „Die Leichen der Menschen werden herumliegen wie Dünger auf dem Feld und wie abgeschnittene Ähren hinter dem Schnitter, und da ist niemand, der sie sammelt“ (Jeremia 9,21).
Die Geschichte gibt Jeremia Recht: Der Staat Israel wird noch zu seinen Lebzeiten unter die Räder kommen. Die kulturell, religiös und wirtschaftlich verwahrloste Gesellschaft hat keine Chance gegen die Übermacht Babylons. Alle menschliche Weisheit, Stärke und Finanzkraft scheitern kläglich. Jerusalem wird zerstört, das Land geplündert, ein großer Teil der Bevölkerung ins Exil verschleppt. Das Einzige, was Israel in dieser tiefen Not hilft, ist der Rettungsanker, den der Prophet Jeremia ihnen hingehalten hat: „Buße tun“, „umkehren zu Gott“, „ihm die Ehre geben, ihn allein rühmen.“
Gott allein schenkt den Seinen eine Identität, die im Flug der Zeit bestehen bleibt, indem er Gnade, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden. Das bedeutet, dass vor Gott niemand großtun und angeben muss mit Weisheit, Stärke und Reichtum. Das hat schon beim Turmbau zu Babel nicht funktioniert. Vor Gott dürfen wir sein, wie wir sind, zu unserer Ratlosigkeit stehen, unsere Schwäche bekennen und eingestehen, dass wir mit leeren Händen vor ihm stehen. Der Mensch braucht den Menschen und der Mensch braucht Gott.
Gott lädt uns ein, ihn zu rühmen. Rühmen wir Gott, erfahren wir, dass Gott allein der ist, welcher Gnade, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden. Für den gottvergessenen Menschen von heute steht stattdessen das ICH im Mittelpunkt allen Denkens und Handelns. Dieses Ich-Denken ist uns inzwischen so selbstverständlich geworden, dass manche es fast wie ein „biblisches“ Denken auffassen. „Was bringt mir das?“ oder „Was habe ich davon?“ – das sind die Fragen, die das Denken vieler prägen. Horst Opaschowski sprach von einer Gesellschaft von „Ichlingen“. Er kam zu dem Ergebnis, dass wir wieder zurück zum WIR kommen müssen.
Diese Erkenntnis gilt auch für die christlichen Gemeinden heute. Wir müssen erkennen, dass unser Denken oft um unser eigenes Leben kreist. Unsere Sprache entlarvt uns: „Ich und Jesus“, „ich und der Heilige Geist“, „ich und der Vater“, „ich und die Gemeinde.“ Dreht sich unser Denken nicht oft um uns selbst? Fühlen wir uns nicht oft, als kämen wir zu kurz? Darum sind Sätze wie „Denk doch mal an dich!“ oder „Gönn' dir was Gutes!“ Balsam für unsere Seele. Doch dieser Balsam hält oft nicht lange. Eine zu starke Fokussierung auf uns selbst führt in die „Ich-Einsamkeit“. Führt nicht oft der Druck, mit allem allein zurechtkommen zu müssen, dazu, dass so mancher Mensch an der Seele erkrankt?
Gott wird uns in der Bibel nicht als „einsames Ich“ vorgestellt, sondern als ein Gott in Gemeinschaft: „Vater, Sohn und Heiliger Geist.“ Graf von Zinzendorf sprach von „Gott als Familie“. Diese Sichtweise kann uns helfen zu erkennen, wer Gott ist und wie die Beziehung zwischen den Personen der Dreieinigkeit aussieht.
Wie sieht das Rühmen Gottes im Unterschied zum „Selbstruhm“ des Menschen aus? Paulus sagt es uns im ersten Korintherbrief. Dort zitiert er Jeremia, aber mit einer leicht veränderten Formulierung: „Durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus, der für uns zur Weisheit wurde durch Gott und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung, auf dass gilt, wie geschrieben steht: ‚Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn!‘“ (1. Kor. 1, 30 und 31)
Liebe Hörerinnen und Hörer, lassen Sie uns also nicht auf unsere eigene Stärke, Weisheit oder Reichtum bauen. Lassen Sie uns unseren Blick schärfen, unsere Fenster putzen und erkennen, dass allein Gott der ist, der Gnade, Recht und Gerechtigkeit übt. Darin liegt unsere wahre Stärke und Hoffnung.
Autor: Pastor Jan-Peter Graap
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