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Kinder sind so! Schnappen einzelne Worte auf, knüpfen daran an und kommen auf eine komplett andere inhaltliche Spur. Bei Erwachsenen ist das anders. Allerdings nicht immer. Ein Gespräch zwischen Jesus und seinen Jüngern hat mich sehr an Kinder erinnert – und auch Jesus redet auf eine Art und Weise mit den Aposteln, als könne er gar nicht glauben, wie begriffsstutzig sie sind.
Zweimal stöhnt Jesus äußerst verwundert: „Begreift ihr immer noch nicht?“ Wobei sich natürlich sofort die Frage stellt: Was begreifen die Jünger nicht?
Ich möchte aber erst einmal herausfinden, warum die Freunde von Jesus überhaupt so begriffsstutzig sind. Diesem Gespräch mit Jesus gingen zwei Ereignisse voraus: zum einen hatte Jesus gerade zum zweiten Mal tausende von Menschen wunderbar satt gemacht und am Ende blieb körbeweise Brot übrig; danach hatte Jesus eines dieser unerquicklichen Streitgespräche mit einigen Pharisäern, das zu nichts führte. Jesus stieg mit seinen Jüngern in ein Boot, um etwas Abstand zu gewinnen. Trotz der Menge übriggebliebener Brote hatten die Jünger aus irgendeinem Grund gerade aber nur eins an Bord mitgenommen. So beginnt ja der heutige Textabschnitt aus dem Markusevangelium. Brot ist also irgendwie ein Thema. Und nun verbindet Jesus das Thema Brot mit dem Streitgespräch, das er gerade hatte. „Nehmt euch in Acht vor dem Sauerteig der Pharisäer und dem Sauerteig des Herodes“, warnt der seine Jünger.
Fällt Ihnen dazu spontan etwas ein? Den Jüngern jedenfalls nicht. Sie überlegen kurz – und machen sich dann kindlich-assoziativ Gedanken darüber, dass sie ja gerade dummerweise nicht genug Brot haben. Sie begreifen überhaupt nicht, dass Jesus mit ihnen wichtige Wahrheiten besprechen möchte.
Sauerteig hat die Eigenschaft, einen noch nicht gesäuerten Teig komplett zu durchdringen, wenn man ihn zugibt. Jesus spricht also eine ernsthafte Mahnung aus, bestimmten Geisteshaltungen erst gar keinen Raum im Leben zu geben, weil sie die Tendenz haben, sich unaufhaltsam in unserem Denken einzunisten. Pharisäer fallen im Neuen Testament häufig durch „Mach-Denken“ auf: ich mache etwas, um Gott gnädig zu stimmen; spende zum Beispiel regelmäßig, versuche, die Gebote möglichst genau einzuhalten, besuche Gottesdienste, lese in Gottes Wort usw. Jesus versucht immer wieder, seinen Jüngern etwas ganz anderes nahezubringen: der Himmel ist niemals eine wohlverdiente Belohnung, sondern immer ein unverdientes Geschenk, weil Gott uns liebt.
Es ist erstaunlich, wie der „Sauerteig der Pharisäer“ es seitdem durch all die Jahrhunderte immer wieder geschafft hat, das Denken der Christen zu durchdringen. Luther beobachtete das zum Beispiel und kreidete es seiner Kirche schwer an, dass sie die Menschen im Glauben ließ, sie könnten sich ihren Platz im Himmel durch Rituale und Ablässe kaufen. Bis heute haben viele Menschen große Schwierigkeiten, sich von Gott beschenken zu lassen. Wir sind unverbesserliche „Do-it-yourself“-Typen, die sich lieber alles selbst verdienen wollen als darauf zu bauen, dass Jesus am Kreuz alles schon bezahlt hat; reines „Mach“-Denken, Sauerteig der Pharisäer!
Der „Sauerteig des Herodes“ geht in eine ganz andere Richtung: „Macht“-Denken. Dieser Regent ließ sich ungern in Frage stellen. Johannes der Täufer tat es trotzdem – und bezahlte dafür mit seinem Leben. Wo Machtdenken in der Kirche insgesamt, in einzelnen Gemeinden, in Gemeindegruppen oder auch in der Familie einen Fuß in die Tür bekommt, wird das christliche Miteinander vergiftet. An der Liebe untereinander soll man seine Leute erkennen, so wollte es Jesus. Nicht am Kämpfen um und am Festhalten an Machtstrukturen. In Deutschland verlieren die großen christlichen Kirchen zusehends an Boden – und an Macht. Das mag vielleicht keine wünschenswerte Entwicklung sein, aber vielleicht ja zumindest eine, die der Kirche innerlich guttut. Denn viel zu lange haben wir als Christen gerade im wohlstandverwöhnten Westen dem „Sauerteig des Herodes“, dem Macht-Denken, viel zu viel Entfaltungsraum gegeben. Und das hat zu keiner Zeit und in keinem Zusammenhang jemals gute Auswirkungen gehabt!
Über solche Fragen hätte Jesus also gerne mit seinen Jüngern gesprochen. Aber die hören nur „Sauerteig“ und verstehen nur „Brot“. Wie oberflächlich. Wie begriffs-träge, oder wie Jesus es ausdrückt: „Habt ihr ein erstarrtes Herz in euch?“
Aber ich will gar nicht von oben herab auf die Jünger blicken. Ich kenne das ja auch: meine Alltagsprobleme nehmen mich gedanklich so gefangen, dass ich gar nicht offen bin für das, was Jesus mir sagen möchte.
Oder ich bin zu vergesslich. Auch das ist ein Grund für die Begriffsstutzigkeit der Truppe um Jesus herum. Nicht nur, dass sie vergessen hatten, Brot mit ins Boot zu nehmen. Jesus fragt bei ihnen nach: „Habt ihr vergessen, wie 5.000 bzw. 4.000 Menschen satt geworden sind?“ Und – wirklich fast wie im Kindergarten – fragt er nach: „Wieviel Körbe mit Resten blieben übrig bei den 5.000?“ Kleinlaute Ein-Wort-Antwort der Jünger: „Zwölf“. „Und wieviel bei den 4.000?“ Ebenso artige Antwort: „Sieben“.
Mich tröstet diese Vergesslichkeit der Jünger damals ein bisschen. Auch wenn Jesus davon sichtlich genervt ist, zeigt es doch, dass meine eigene Vergesslichkeit eine gewisse Normalität hat, wenn man Jesus nachfolgen möchte. Andererseits erzählt Markus es ja nicht vor allem, um mich zu trösten oder gar zu beruhigen. Markus ermahnt: Wer sich an die Wunder von Jesus in seinem Leben erinnert, bleibt wahrscheinlich weniger oberflächlich in seinem Glauben.
Also worauf kommt es an? Zu begreifen, dass Jesus alles zuzutrauen ist, und das nicht so schnell wieder zu vergessen? Vielleicht. Aber ist es wirklich das, was die Jünger damals und wir heute begreifen sollten?
Ich glaube, es geht weniger darum, was Jesus tut, sondern wer Jesus ist. Wunder tragen unseren Glauben an Jesus letztlich nicht. Denn Wunder geschehen – und geschehen oft genug auch nicht. Jesus möchte, dass wir begreifen, wer er ist: Gottes große Liebeserklärung an uns Menschen. Liebe, die das eigene Leben für uns gibt. Liebe, die größer ist als der Tod. Liebe, die uns hält und trägt und unserem Leben Sinn und Schönheit gibt, auch wenn wir in manchen Situationen vielleicht nichts begreifen außer das eine: wir sind geliebt von Gott, durch Jesus! Damit aber haben wir eben auch das Wichtigste begriffen.
Autor: Pfarrer Andreas Koch
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By ERF - Der Sinnsender5
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Kinder sind so! Schnappen einzelne Worte auf, knüpfen daran an und kommen auf eine komplett andere inhaltliche Spur. Bei Erwachsenen ist das anders. Allerdings nicht immer. Ein Gespräch zwischen Jesus und seinen Jüngern hat mich sehr an Kinder erinnert – und auch Jesus redet auf eine Art und Weise mit den Aposteln, als könne er gar nicht glauben, wie begriffsstutzig sie sind.
Zweimal stöhnt Jesus äußerst verwundert: „Begreift ihr immer noch nicht?“ Wobei sich natürlich sofort die Frage stellt: Was begreifen die Jünger nicht?
Ich möchte aber erst einmal herausfinden, warum die Freunde von Jesus überhaupt so begriffsstutzig sind. Diesem Gespräch mit Jesus gingen zwei Ereignisse voraus: zum einen hatte Jesus gerade zum zweiten Mal tausende von Menschen wunderbar satt gemacht und am Ende blieb körbeweise Brot übrig; danach hatte Jesus eines dieser unerquicklichen Streitgespräche mit einigen Pharisäern, das zu nichts führte. Jesus stieg mit seinen Jüngern in ein Boot, um etwas Abstand zu gewinnen. Trotz der Menge übriggebliebener Brote hatten die Jünger aus irgendeinem Grund gerade aber nur eins an Bord mitgenommen. So beginnt ja der heutige Textabschnitt aus dem Markusevangelium. Brot ist also irgendwie ein Thema. Und nun verbindet Jesus das Thema Brot mit dem Streitgespräch, das er gerade hatte. „Nehmt euch in Acht vor dem Sauerteig der Pharisäer und dem Sauerteig des Herodes“, warnt der seine Jünger.
Fällt Ihnen dazu spontan etwas ein? Den Jüngern jedenfalls nicht. Sie überlegen kurz – und machen sich dann kindlich-assoziativ Gedanken darüber, dass sie ja gerade dummerweise nicht genug Brot haben. Sie begreifen überhaupt nicht, dass Jesus mit ihnen wichtige Wahrheiten besprechen möchte.
Sauerteig hat die Eigenschaft, einen noch nicht gesäuerten Teig komplett zu durchdringen, wenn man ihn zugibt. Jesus spricht also eine ernsthafte Mahnung aus, bestimmten Geisteshaltungen erst gar keinen Raum im Leben zu geben, weil sie die Tendenz haben, sich unaufhaltsam in unserem Denken einzunisten. Pharisäer fallen im Neuen Testament häufig durch „Mach-Denken“ auf: ich mache etwas, um Gott gnädig zu stimmen; spende zum Beispiel regelmäßig, versuche, die Gebote möglichst genau einzuhalten, besuche Gottesdienste, lese in Gottes Wort usw. Jesus versucht immer wieder, seinen Jüngern etwas ganz anderes nahezubringen: der Himmel ist niemals eine wohlverdiente Belohnung, sondern immer ein unverdientes Geschenk, weil Gott uns liebt.
Es ist erstaunlich, wie der „Sauerteig der Pharisäer“ es seitdem durch all die Jahrhunderte immer wieder geschafft hat, das Denken der Christen zu durchdringen. Luther beobachtete das zum Beispiel und kreidete es seiner Kirche schwer an, dass sie die Menschen im Glauben ließ, sie könnten sich ihren Platz im Himmel durch Rituale und Ablässe kaufen. Bis heute haben viele Menschen große Schwierigkeiten, sich von Gott beschenken zu lassen. Wir sind unverbesserliche „Do-it-yourself“-Typen, die sich lieber alles selbst verdienen wollen als darauf zu bauen, dass Jesus am Kreuz alles schon bezahlt hat; reines „Mach“-Denken, Sauerteig der Pharisäer!
Der „Sauerteig des Herodes“ geht in eine ganz andere Richtung: „Macht“-Denken. Dieser Regent ließ sich ungern in Frage stellen. Johannes der Täufer tat es trotzdem – und bezahlte dafür mit seinem Leben. Wo Machtdenken in der Kirche insgesamt, in einzelnen Gemeinden, in Gemeindegruppen oder auch in der Familie einen Fuß in die Tür bekommt, wird das christliche Miteinander vergiftet. An der Liebe untereinander soll man seine Leute erkennen, so wollte es Jesus. Nicht am Kämpfen um und am Festhalten an Machtstrukturen. In Deutschland verlieren die großen christlichen Kirchen zusehends an Boden – und an Macht. Das mag vielleicht keine wünschenswerte Entwicklung sein, aber vielleicht ja zumindest eine, die der Kirche innerlich guttut. Denn viel zu lange haben wir als Christen gerade im wohlstandverwöhnten Westen dem „Sauerteig des Herodes“, dem Macht-Denken, viel zu viel Entfaltungsraum gegeben. Und das hat zu keiner Zeit und in keinem Zusammenhang jemals gute Auswirkungen gehabt!
Über solche Fragen hätte Jesus also gerne mit seinen Jüngern gesprochen. Aber die hören nur „Sauerteig“ und verstehen nur „Brot“. Wie oberflächlich. Wie begriffs-träge, oder wie Jesus es ausdrückt: „Habt ihr ein erstarrtes Herz in euch?“
Aber ich will gar nicht von oben herab auf die Jünger blicken. Ich kenne das ja auch: meine Alltagsprobleme nehmen mich gedanklich so gefangen, dass ich gar nicht offen bin für das, was Jesus mir sagen möchte.
Oder ich bin zu vergesslich. Auch das ist ein Grund für die Begriffsstutzigkeit der Truppe um Jesus herum. Nicht nur, dass sie vergessen hatten, Brot mit ins Boot zu nehmen. Jesus fragt bei ihnen nach: „Habt ihr vergessen, wie 5.000 bzw. 4.000 Menschen satt geworden sind?“ Und – wirklich fast wie im Kindergarten – fragt er nach: „Wieviel Körbe mit Resten blieben übrig bei den 5.000?“ Kleinlaute Ein-Wort-Antwort der Jünger: „Zwölf“. „Und wieviel bei den 4.000?“ Ebenso artige Antwort: „Sieben“.
Mich tröstet diese Vergesslichkeit der Jünger damals ein bisschen. Auch wenn Jesus davon sichtlich genervt ist, zeigt es doch, dass meine eigene Vergesslichkeit eine gewisse Normalität hat, wenn man Jesus nachfolgen möchte. Andererseits erzählt Markus es ja nicht vor allem, um mich zu trösten oder gar zu beruhigen. Markus ermahnt: Wer sich an die Wunder von Jesus in seinem Leben erinnert, bleibt wahrscheinlich weniger oberflächlich in seinem Glauben.
Also worauf kommt es an? Zu begreifen, dass Jesus alles zuzutrauen ist, und das nicht so schnell wieder zu vergessen? Vielleicht. Aber ist es wirklich das, was die Jünger damals und wir heute begreifen sollten?
Ich glaube, es geht weniger darum, was Jesus tut, sondern wer Jesus ist. Wunder tragen unseren Glauben an Jesus letztlich nicht. Denn Wunder geschehen – und geschehen oft genug auch nicht. Jesus möchte, dass wir begreifen, wer er ist: Gottes große Liebeserklärung an uns Menschen. Liebe, die das eigene Leben für uns gibt. Liebe, die größer ist als der Tod. Liebe, die uns hält und trägt und unserem Leben Sinn und Schönheit gibt, auch wenn wir in manchen Situationen vielleicht nichts begreifen außer das eine: wir sind geliebt von Gott, durch Jesus! Damit aber haben wir eben auch das Wichtigste begriffen.
Autor: Pfarrer Andreas Koch
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