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"Es könnte auch alles ganz anders sein …“: Dieser Satz meines Gesprächspartners, den ich um Rat gefragt hatte, riss mich aus dem Abwärtsstrudel, in den ich geraten war.
In einer Auseinandersetzung fielen Worte, die mich sehr verletzten. Ganz unvermittelt geriet ich dabei in einen Sog, der sich für mich zu einem gefährlichen Strudel entwickelte, in dem diese Person immer mehr zum Gegner, ja zum Feind wurde.
Ganz egal was sie sagte oder tat, ich legte es ihr negativ aus. Ich fühlte mich als Opfer, stand für das Gute, und sie wollte mir nur Böses. Und dann kam dieser eine Satz, der mir die Augen öffnete. Ich begann meine bisherige Opferrolle zu hinterfragen.
Sein weiterer Rat: Versuch doch einmal, die Sachlage aus der Sicht des Anderen zu betrachten. Seine Worte doch einmal positiv zu hören. Plötzlich bekam all das, was sich so sehr aufgeschaukelt hatte, eine andere Gewichtung.
"Es könnte ja auch alles ganz anders sein", das ist eines der Themen, die der Apostel Paulus aufgreift. Denn mir scheint, auch Paulus wurde von den Gemeindegliedern in Korinth ganz falsch eingeschätzt.
Mit seiner Antwort wollte er den kritischen Gemeindegliedern die Möglichkeit geben, ihre bisherige Meinung über ihn, sein Handeln und Reden auf den Prüfstand zu stellen.
Dabei beschreitet der Apostel Paulus nicht den Weg der Konfrontation, sondern er erklärt, warum er manche Dinge tut bzw. getan hat. Aber auch warum er auf bestimmte Vorrechte bewusst verzichtet hat.
Wobei er sich dessen bewusst war, dass sein Verhalten, seine Lebensweise von einigen Gemeindegliedern wohlwollend, von den anderen kritisch und von manchen sogar ablehnend gesehen wurde.
Denn in der Gemeinde gab es vornehme Römer, jüdische und griechische Menschen, Handwerker und Unternehmer, Tagelöhner und Sklaven, gebildete und einfache Leute.
Dieser Vielfalt und den unterschiedlichsten Erwartungen und Anforderungen gerecht zu werden, war kaum möglich. Hier wirbt Paulus um Verständnis und begründet, warum er etwas tut oder nicht getan hat.
Der Apostel Paulus will durch seinen Lebenswandel deutlich machen, wie ein Leben in der Nachfolge ganz praktisch aussehen kann.
Wie heftig sein Lebensstil, wohl auch seine Predigten umstritten waren, zeigt sich daran, dass er einmal wegen heftiger innergemeindlicher Differenzen sogar sein Quartier wechseln musste. Einige Gemeindeglieder warfen ihm vor, zu tolerant zu sein – die anderen, er sei zu engherzig. Sie warfen ihm Führungsschwäche und Einseitigkeit vor.
So kam eins zum andern. Na ja: so redegewandt ist er ja auch nicht. Ein rechter Apostel predigt gewaltig, kann brillant reden, kann überzeugen. Doch davon war Paulus weit entfernt.
Darüber hinaus ist er angeschlagen, krank. So einer kann doch nur Verkündiger "zweiten Grades" sein. Als Apostel tritt man doch kühn und beherzt auf – oder? Darüber hinaus arbeitet er, schafft von früh bis spät, anstatt sich gründlich auf die Predigt vorzubereiten.
So reiht sich ein Vorurteil zum anderen, und manche sprechen Paulus seine Berechtigung als Apostel einfach ab.
Liebe Hörerinnen, liebe Hörer – ich vermute, auch in Ihrem Umfeld, vielleicht sogar in Ihrer Gemeinde, kennt man solche Vorurteile, solche Bewertungen gegenüber Menschen.
Einem Vorgesetzen, einem Arbeitskollegen oder einem Mitarbeiter, ob hauptamtlich oder ehrenamtlich tätig, wird die Legitimation abgesprochen. Es werden ihm falsche Motive unterstellt.
Gerade solche Vorurteile oder falsche Annahmen und Vermutungen führen oft zu einem belastenden Miteinander (siehe V. 20) und hemmen das geistliche Wachstum einzelner Gemeindeglieder, ja einer ganzen Gemeinde.
Dem will Paulus entgegenwirken. Er ruft daher die Gemeindeglieder auf, einmal innezuhalten und sich die Frage zu stellen: "Es könnte ja alles auch ganz anders sein".
Wäre das nicht auch ein Ansatz für Sie? In Konfliktsituationen einmal innezuhalten?
Er listet nicht empört und besserwisserisch alles von oben herab auf. Er argumentiert auf eine eher ironische Weise. So, wie wenn er sich selber auf die Schippe nehmen würde.
Durch diese bewusst überzogenen Argumente verhindert Paulus ein Verhärten der Fronten.
Damit ermutigt er die Gemeindeglieder, doch einmal ganz unbefangen darauf zu schauen, wo es durch seine Predigt und Gottes Gnade Veränderungen in der Gemeinde gab.
Und was sich bei Menschen verändert, wenn sie vom Geist Jesu ergriffen werden. Ihr Handeln und Tun nach Gottes Wort und Gebot ausrichten.
Gerade solche Lebensveränderungen sind Kennzeichen, die ihn als Apostel und Prediger auszeichnen. Dann verlässt Paulus den Weg der Ironie und wird ernst. Benennt das, was ihm zentral wichtig ist. Er bündelt dies in dem Satz, der seine Motivation deutlich macht: "Denn ich suche nicht das Eure, sondern ich suche euch".
Paulus will weder Geld, Ehre noch besondere Anerkennung. Er will nicht Herr, sondern Diener der Gemeinde sein. Er will weder abhängig sein noch auf Kosten anderer leben. "Ich suche euch.“ Jeder Einzelne ist mir wichtig.
Sind das nicht Jesu Worte? Der gesagt hat: „Ich bin gekommen zu suchen und selig zu machen was verloren ist“? Ist das nicht auch der Weg, den der Herr Jesus gegangen ist?
Den Weg der Demut, den Weg ans Kreuz. Weil er nicht das "Unsere", sondern uns, Sie und mich sucht, gewinnen will. Ja, dieser Herr sucht bis heute nach Menschen, die sich, so wie ich einst, verrannt haben. Die auf falsche Wege oder in den tödlichen Strudel der Sünde geraten sind.
Und ja, der Herr Jesus will heute noch Menschen begegnen, auch denen, die sich ein falsches Bild von Gott gemacht haben. Ein Bild, das von Vorurteilen geprägt, so nicht stimmt.
Die Frage an Sie, liebe Hörerinnen und Hörer: Könnte es nicht auch sein, dass dieser Gott so ganz anders ist, als Sie ihn sich bislang vorstellen, vielleicht sogar erlebt haben?
Dass er nicht der alte Mann mit weißem Bart ist, der all unsere Missetat gütig und lächelnd übersieht und vergibt? Sondern der Gott, dem wir für unser Tun und Lassen einmal Rechenschaft geben müssen?
Unabhängig von Ihrer Sichtweise: Sicher ist, Gott will, dass Ihr Leben gelingt. Dass Sie eine Zukunftsperspektive haben, die hineinreicht bis in die Ewigkeit. Ganz sicher ist, dass dieser Gott bereit ist, uns um Jesu willen unsere Schuld zu vergeben.
Danke, Paulus, für Deine Nachhilfestunde in Sachen Konfliktbewältigung. Danke für Deine Hinweise, Tipps und Anregungen.
Ich habe heute viel dazu gelernt. Und ich hoffe, das trifft auch auf Sie zu.
Autor: Rolf Röhm
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By ERF - Der Sinnsender5
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"Es könnte auch alles ganz anders sein …“: Dieser Satz meines Gesprächspartners, den ich um Rat gefragt hatte, riss mich aus dem Abwärtsstrudel, in den ich geraten war.
In einer Auseinandersetzung fielen Worte, die mich sehr verletzten. Ganz unvermittelt geriet ich dabei in einen Sog, der sich für mich zu einem gefährlichen Strudel entwickelte, in dem diese Person immer mehr zum Gegner, ja zum Feind wurde.
Ganz egal was sie sagte oder tat, ich legte es ihr negativ aus. Ich fühlte mich als Opfer, stand für das Gute, und sie wollte mir nur Böses. Und dann kam dieser eine Satz, der mir die Augen öffnete. Ich begann meine bisherige Opferrolle zu hinterfragen.
Sein weiterer Rat: Versuch doch einmal, die Sachlage aus der Sicht des Anderen zu betrachten. Seine Worte doch einmal positiv zu hören. Plötzlich bekam all das, was sich so sehr aufgeschaukelt hatte, eine andere Gewichtung.
"Es könnte ja auch alles ganz anders sein", das ist eines der Themen, die der Apostel Paulus aufgreift. Denn mir scheint, auch Paulus wurde von den Gemeindegliedern in Korinth ganz falsch eingeschätzt.
Mit seiner Antwort wollte er den kritischen Gemeindegliedern die Möglichkeit geben, ihre bisherige Meinung über ihn, sein Handeln und Reden auf den Prüfstand zu stellen.
Dabei beschreitet der Apostel Paulus nicht den Weg der Konfrontation, sondern er erklärt, warum er manche Dinge tut bzw. getan hat. Aber auch warum er auf bestimmte Vorrechte bewusst verzichtet hat.
Wobei er sich dessen bewusst war, dass sein Verhalten, seine Lebensweise von einigen Gemeindegliedern wohlwollend, von den anderen kritisch und von manchen sogar ablehnend gesehen wurde.
Denn in der Gemeinde gab es vornehme Römer, jüdische und griechische Menschen, Handwerker und Unternehmer, Tagelöhner und Sklaven, gebildete und einfache Leute.
Dieser Vielfalt und den unterschiedlichsten Erwartungen und Anforderungen gerecht zu werden, war kaum möglich. Hier wirbt Paulus um Verständnis und begründet, warum er etwas tut oder nicht getan hat.
Der Apostel Paulus will durch seinen Lebenswandel deutlich machen, wie ein Leben in der Nachfolge ganz praktisch aussehen kann.
Wie heftig sein Lebensstil, wohl auch seine Predigten umstritten waren, zeigt sich daran, dass er einmal wegen heftiger innergemeindlicher Differenzen sogar sein Quartier wechseln musste. Einige Gemeindeglieder warfen ihm vor, zu tolerant zu sein – die anderen, er sei zu engherzig. Sie warfen ihm Führungsschwäche und Einseitigkeit vor.
So kam eins zum andern. Na ja: so redegewandt ist er ja auch nicht. Ein rechter Apostel predigt gewaltig, kann brillant reden, kann überzeugen. Doch davon war Paulus weit entfernt.
Darüber hinaus ist er angeschlagen, krank. So einer kann doch nur Verkündiger "zweiten Grades" sein. Als Apostel tritt man doch kühn und beherzt auf – oder? Darüber hinaus arbeitet er, schafft von früh bis spät, anstatt sich gründlich auf die Predigt vorzubereiten.
So reiht sich ein Vorurteil zum anderen, und manche sprechen Paulus seine Berechtigung als Apostel einfach ab.
Liebe Hörerinnen, liebe Hörer – ich vermute, auch in Ihrem Umfeld, vielleicht sogar in Ihrer Gemeinde, kennt man solche Vorurteile, solche Bewertungen gegenüber Menschen.
Einem Vorgesetzen, einem Arbeitskollegen oder einem Mitarbeiter, ob hauptamtlich oder ehrenamtlich tätig, wird die Legitimation abgesprochen. Es werden ihm falsche Motive unterstellt.
Gerade solche Vorurteile oder falsche Annahmen und Vermutungen führen oft zu einem belastenden Miteinander (siehe V. 20) und hemmen das geistliche Wachstum einzelner Gemeindeglieder, ja einer ganzen Gemeinde.
Dem will Paulus entgegenwirken. Er ruft daher die Gemeindeglieder auf, einmal innezuhalten und sich die Frage zu stellen: "Es könnte ja alles auch ganz anders sein".
Wäre das nicht auch ein Ansatz für Sie? In Konfliktsituationen einmal innezuhalten?
Er listet nicht empört und besserwisserisch alles von oben herab auf. Er argumentiert auf eine eher ironische Weise. So, wie wenn er sich selber auf die Schippe nehmen würde.
Durch diese bewusst überzogenen Argumente verhindert Paulus ein Verhärten der Fronten.
Damit ermutigt er die Gemeindeglieder, doch einmal ganz unbefangen darauf zu schauen, wo es durch seine Predigt und Gottes Gnade Veränderungen in der Gemeinde gab.
Und was sich bei Menschen verändert, wenn sie vom Geist Jesu ergriffen werden. Ihr Handeln und Tun nach Gottes Wort und Gebot ausrichten.
Gerade solche Lebensveränderungen sind Kennzeichen, die ihn als Apostel und Prediger auszeichnen. Dann verlässt Paulus den Weg der Ironie und wird ernst. Benennt das, was ihm zentral wichtig ist. Er bündelt dies in dem Satz, der seine Motivation deutlich macht: "Denn ich suche nicht das Eure, sondern ich suche euch".
Paulus will weder Geld, Ehre noch besondere Anerkennung. Er will nicht Herr, sondern Diener der Gemeinde sein. Er will weder abhängig sein noch auf Kosten anderer leben. "Ich suche euch.“ Jeder Einzelne ist mir wichtig.
Sind das nicht Jesu Worte? Der gesagt hat: „Ich bin gekommen zu suchen und selig zu machen was verloren ist“? Ist das nicht auch der Weg, den der Herr Jesus gegangen ist?
Den Weg der Demut, den Weg ans Kreuz. Weil er nicht das "Unsere", sondern uns, Sie und mich sucht, gewinnen will. Ja, dieser Herr sucht bis heute nach Menschen, die sich, so wie ich einst, verrannt haben. Die auf falsche Wege oder in den tödlichen Strudel der Sünde geraten sind.
Und ja, der Herr Jesus will heute noch Menschen begegnen, auch denen, die sich ein falsches Bild von Gott gemacht haben. Ein Bild, das von Vorurteilen geprägt, so nicht stimmt.
Die Frage an Sie, liebe Hörerinnen und Hörer: Könnte es nicht auch sein, dass dieser Gott so ganz anders ist, als Sie ihn sich bislang vorstellen, vielleicht sogar erlebt haben?
Dass er nicht der alte Mann mit weißem Bart ist, der all unsere Missetat gütig und lächelnd übersieht und vergibt? Sondern der Gott, dem wir für unser Tun und Lassen einmal Rechenschaft geben müssen?
Unabhängig von Ihrer Sichtweise: Sicher ist, Gott will, dass Ihr Leben gelingt. Dass Sie eine Zukunftsperspektive haben, die hineinreicht bis in die Ewigkeit. Ganz sicher ist, dass dieser Gott bereit ist, uns um Jesu willen unsere Schuld zu vergeben.
Danke, Paulus, für Deine Nachhilfestunde in Sachen Konfliktbewältigung. Danke für Deine Hinweise, Tipps und Anregungen.
Ich habe heute viel dazu gelernt. Und ich hoffe, das trifft auch auf Sie zu.
Autor: Rolf Röhm
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