
Sign up to save your podcasts
Or


Ich weiß nicht, wie man unsere Gesellschaft, unser deutsches Volk heute nennen müsste. Ist es auch ein „Haus des Widerspruchs“? Für einen engagierten Widerspruch ist den meisten Menschen in meinem Umfeld Religion viel zu gleichgültig. „Haus der Sattheit“ könnte ich vielleicht sagen, weil Herzen und Gehirne mit allem möglichen voll sind. Hausbau, Urlaubsreisen, endlose Stunden in den sozialen Medien – Herz, Hirn und Terminplan sind so voll, dass weder eine kritische Auseinandersetzung mit Gott noch eine Sehnsucht nach Gott Platz hat.
Aber egal, ob Widerspruch oder Sattheit – viele, viele Menschen halten sich Gott vom Leib.
Hesekiel damals soll seinem Volk, dem Haus des Widerspruchs, trotzdem predigen. Gott gibt offenbar damals sein „Haus des Widerspruchs“ nicht widerspruchslos auf. Über 48 Kapitel erleben wir Gottes Ringen um sein widerspenstiges Volk. Mit immer neuen Bildern, Vergleichen, Zeichenhandlungen sucht Gott durch Hesekiel einen Kanal zum Herzen seiner Menschen. Er möchte, dass der Ruf zur Umkehr die Herzen erreichen soll. Und endet diesen Abschnitt aber dennoch mit: „Wer es hört, der höre es; wer es lässt, der lasse es“.
Das klingt auf den ersten Blick, als wäre es Gott egal, wie die Menschen reagieren, das stimmt aber nicht. Sonst könnte er ja mit dem Kapitel zwei seine Botschaft beenden.
Es ist die Ermunterung für Hesekiel: Du sollst ihnen trotzdem predigen, ohne vorher Chancen abzuwägen, wie viele du erreichen wirst. Das war damals und ist heute die Sache der Zuhörer, nicht der Zeugen. Das finde ich sehr entlastend.
Aber schauen wir nochmal in unseren heutigen Bibelabschnitt. Was passiert denn direkt nach Hesekiels eindrucksvoller Berufung?
Hesekiel wird umgeworfen von Gottes herrlicher Gegenwart, wird wieder auf die Beine gestellt und dann bevollmächtigt zum Predigen. Und dann? Auf den Marktplatz geschickt? In ein gewaltiges Gotteshaus, wo er viele Menschen erreichen kann?
Diese Bilder habe ich in meinem Kopf, wenn es um Vollmacht und geistbegabte Prediger geht. Billy Graham, der vor ganzen Arenen voller Menschen gepredigt hat. Oder wenigstens Ulrich Parzany, mit Hunderten von Zuhörern, live übertragen in viele, viele Veranstaltungsorte bei ProChrist. Dann fühle ich mich auch gleich ganz klein, weil meine Reichweite, naja, sagen wir mal: „überschaubar“ ist. Und dann fange ich an zu zweifeln: Hab ich den Heiligen Geist? Braucht Gott mich überhaupt? Müsste ich nicht viel mutiger sein (und kann‘s aber doch nicht!!) Was bin ich schon mit meinen beschränkten Mitteln… Und da unterscheidet sich mein Dienst als Pfarrerin nicht sehr von Ihrem Engagement oder vom Einsatz unserer Kirchenvorsteher, Kindergottesdienst-Mitarbeiterinnen, Besuchsdienstmenschen, Gemeindebrief-Redakteuren, Chorsängerinnen, Kirchkaffee-Mitarbeitern. Sehr beschränkte Mittel und oft sehr begrenzte Reichweite.
Und es ist ein Text für alle, die sich ausgebremst fühlen, durch ihre Beschränkung auf ihre eigenen vier Wände: Schätze die Begegnungen nicht gering, die sich da ergeben!
Es ist ein Bibeltext für alle, die sich klein und unwichtig fühlen, weil der Erfolg ihrer Kinderstunde oder Mitarbeiterandacht in keinem Verhältnis zum Aufwand steht – der Geist des Herrn lebt trotzdem in dir, er spricht aus dir, er liebt durch dich – egal, wie groß dein Publikum ist. Und Gott möchte deinen Dienst!
Und es ist ein Text für alle Entmutigten, weil unser Volk so harthörig geworden ist. Gott hat sich damals Mühe gegeben mit seinem Volk. Er kämpft bis heute um die Liebe der Menschen. Wir dürfen seine Handlanger sein, sein Mund, damit sie hören, seine Hände, damit sie seine Liebe und Hilfe erfahren. Wir dürfen Beter sein, die die anderen Boten Gottes im Gebet unterstützen und sie segnen. Und bei all unserem Mühen gilt: Wer es hört, der höre es; wer es lässt, der lasse es; der Erfolg ist nicht unsere Sache. Unsere Sache ist der Gehorsam.
Autor: Pfarrerin Elisabeth Küfeldt
Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden
By ERF - Der Sinnsender5
11 ratings
Ich weiß nicht, wie man unsere Gesellschaft, unser deutsches Volk heute nennen müsste. Ist es auch ein „Haus des Widerspruchs“? Für einen engagierten Widerspruch ist den meisten Menschen in meinem Umfeld Religion viel zu gleichgültig. „Haus der Sattheit“ könnte ich vielleicht sagen, weil Herzen und Gehirne mit allem möglichen voll sind. Hausbau, Urlaubsreisen, endlose Stunden in den sozialen Medien – Herz, Hirn und Terminplan sind so voll, dass weder eine kritische Auseinandersetzung mit Gott noch eine Sehnsucht nach Gott Platz hat.
Aber egal, ob Widerspruch oder Sattheit – viele, viele Menschen halten sich Gott vom Leib.
Hesekiel damals soll seinem Volk, dem Haus des Widerspruchs, trotzdem predigen. Gott gibt offenbar damals sein „Haus des Widerspruchs“ nicht widerspruchslos auf. Über 48 Kapitel erleben wir Gottes Ringen um sein widerspenstiges Volk. Mit immer neuen Bildern, Vergleichen, Zeichenhandlungen sucht Gott durch Hesekiel einen Kanal zum Herzen seiner Menschen. Er möchte, dass der Ruf zur Umkehr die Herzen erreichen soll. Und endet diesen Abschnitt aber dennoch mit: „Wer es hört, der höre es; wer es lässt, der lasse es“.
Das klingt auf den ersten Blick, als wäre es Gott egal, wie die Menschen reagieren, das stimmt aber nicht. Sonst könnte er ja mit dem Kapitel zwei seine Botschaft beenden.
Es ist die Ermunterung für Hesekiel: Du sollst ihnen trotzdem predigen, ohne vorher Chancen abzuwägen, wie viele du erreichen wirst. Das war damals und ist heute die Sache der Zuhörer, nicht der Zeugen. Das finde ich sehr entlastend.
Aber schauen wir nochmal in unseren heutigen Bibelabschnitt. Was passiert denn direkt nach Hesekiels eindrucksvoller Berufung?
Hesekiel wird umgeworfen von Gottes herrlicher Gegenwart, wird wieder auf die Beine gestellt und dann bevollmächtigt zum Predigen. Und dann? Auf den Marktplatz geschickt? In ein gewaltiges Gotteshaus, wo er viele Menschen erreichen kann?
Diese Bilder habe ich in meinem Kopf, wenn es um Vollmacht und geistbegabte Prediger geht. Billy Graham, der vor ganzen Arenen voller Menschen gepredigt hat. Oder wenigstens Ulrich Parzany, mit Hunderten von Zuhörern, live übertragen in viele, viele Veranstaltungsorte bei ProChrist. Dann fühle ich mich auch gleich ganz klein, weil meine Reichweite, naja, sagen wir mal: „überschaubar“ ist. Und dann fange ich an zu zweifeln: Hab ich den Heiligen Geist? Braucht Gott mich überhaupt? Müsste ich nicht viel mutiger sein (und kann‘s aber doch nicht!!) Was bin ich schon mit meinen beschränkten Mitteln… Und da unterscheidet sich mein Dienst als Pfarrerin nicht sehr von Ihrem Engagement oder vom Einsatz unserer Kirchenvorsteher, Kindergottesdienst-Mitarbeiterinnen, Besuchsdienstmenschen, Gemeindebrief-Redakteuren, Chorsängerinnen, Kirchkaffee-Mitarbeitern. Sehr beschränkte Mittel und oft sehr begrenzte Reichweite.
Und es ist ein Text für alle, die sich ausgebremst fühlen, durch ihre Beschränkung auf ihre eigenen vier Wände: Schätze die Begegnungen nicht gering, die sich da ergeben!
Es ist ein Bibeltext für alle, die sich klein und unwichtig fühlen, weil der Erfolg ihrer Kinderstunde oder Mitarbeiterandacht in keinem Verhältnis zum Aufwand steht – der Geist des Herrn lebt trotzdem in dir, er spricht aus dir, er liebt durch dich – egal, wie groß dein Publikum ist. Und Gott möchte deinen Dienst!
Und es ist ein Text für alle Entmutigten, weil unser Volk so harthörig geworden ist. Gott hat sich damals Mühe gegeben mit seinem Volk. Er kämpft bis heute um die Liebe der Menschen. Wir dürfen seine Handlanger sein, sein Mund, damit sie hören, seine Hände, damit sie seine Liebe und Hilfe erfahren. Wir dürfen Beter sein, die die anderen Boten Gottes im Gebet unterstützen und sie segnen. Und bei all unserem Mühen gilt: Wer es hört, der höre es; wer es lässt, der lasse es; der Erfolg ist nicht unsere Sache. Unsere Sache ist der Gehorsam.
Autor: Pfarrerin Elisabeth Küfeldt
Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

8 Listeners

10 Listeners

114 Listeners

6 Listeners

0 Listeners

1 Listeners

45 Listeners

18 Listeners

62 Listeners

300 Listeners

40 Listeners

3 Listeners

19 Listeners

2 Listeners

1 Listeners