Es war das schlimmste Hochwasser seit über fünfzig Jahren, das gerade Venedig heimgesucht hatte. "Ein Atemzug vor der Apokalypse" nannte das der venezianische Dombaumeister. Und der Bürgermeister schob’s auf den Klimawandel. Nach dem Motto: Da können wir nichts machen. Doch, können sie, die Venezianer, und haben sie auch schon: Sie haben die Fahrrinnen für die Kreuzfahrtschiffe immer tiefer ausgebaggert, so dass der Südostwind immer mehr Wasser in die Stadt drücken kann. Sie haben ihre Stadt dem Tourismus geopfert, sie für die Einheimischen unbewohnbar gemacht, sodass auch niemand mehr da ist, um die Häuser vor den Fluten zu schützen. Sie haben Milliarden in der Lagune verbaut, ohne die Flutschutztore je fertigzustellen. Venedig baut am eigenen Untergang - und verdient gut daran. Venedig ist damit ein gutes Beispiel für das Handeln der Menschen insgesamt. Venedig ist überall, in (fast) allen Köpfen und (fast) allen Taten: Wir wissen um unseren Untergang, und sind unfähig, umzudenken und uns zu retten.