Der peinliche Bundespräsident? Oder ein sozial eingestellter Konservativer und engagierter Umweltschützer? Heinrich Lübke ist die Symbolfigur für Würde und Bürde des höchsten deutschen Staatsamts. Vielen Deutschen sind Heinrich Lübkes politische Taten weniger in Erinnerung geblieben als seine manchmal unbeholfenen Reden. Dabei sind einige besonders peinliche "Lübke-Zitate" frei erfunden. Und dass angesichts einer fortschreitenden Gehirnerkrankung manche Häme über hochnotpeinliche Auftritte des Bundespräsidenten auch kein gutes Licht auf die Spötter wirft, weiß man inzwischen auch. "Ein solider Konservativer, der soziale Positionen vertrat", sagt SPD-Urgestein Franz Müntefering über den ebenfalls aus dem Sauerland stammenden CDU-Politiker Heinrich Lübke. Das Staatsoberhaupt mit stramm konservativer Haltung engagierte sich in der Entwicklungshilfe, im Umweltschutz und für die deutsche Wiedervereinigung. Anfang 1969, wenige Monate vor Ablauf seiner zweiten Amtszeit, gab Heinrich Lübke sein Amt auf. Offiziell, um die Wahl eines Nachfolgers aus dem aufziehenden Bundestagswahlkampf herauszuhalten. Es wird aber vermutet, dass seine fortschreitende Demenz und die auftauchenden Vorwürfe, er sei KZ-Baumeister in der Nazi-Zeit gewesen, die Gründe für Lübkes Rückzug waren. Heinrich Lübke starb im Alter von 77 Jahren in Bonn und wurde in seinem Geburtsort Enkhausen im Sauerland beerdigt.