ERF Plus - Bibel heute

Der verdorbene Gürtel


Listen Later

Jeremia bekommt von Gott einen seltsamen Auftrag. Einen Gürtel in einer Felsspalte hunderte Kilometer weit weg am Fluss Euphrat in einer feuchten Felsspalte zu verstecken. Nach einer Weile soll er wieder den ganzen Weg dahin gehen und den Gürtel holen. Der war inzwischen vermodert und verschimmelt, vermutlich voller Stockflecken und unbrauchbar geworden – verrottet.

Ähnliches habe ich auch schon erlebt, als ich meinen besten Wollpulli im Keller in einem leider zu feuchten Schrank gelagert hatte. Schimmel, Stockflecken, ein komischer Geruch und nicht mehr sauberzubekommen. Ich musste ihn schweren Herzens entsorgen. Hätte ich ihn mal lieber ab und zu angezogen oder wenigstens in einen trockenen Schrank gelegt. Bei mir war das ein Versehen, ich habe daraus gelernt. Aber warum um alles in der Welt sollte der Prophet Jeremia im Auftrag Gottes diesen Gürtel absichtlich vermodern lassen?

Der vermoderte Gürtel war ein Zeichen. Ein Zeichen, das das geistliche Problem des Volkes Israel zu seiner Zeit drastisch illustrieren sollte. Ein Gürtel gehört normalerweise an die Hüften seines Besitzers. Dort erfüllt er seinen Zweck und vermodert auch nicht. Das ist sozusagen die Bestimmung eines Gürtels. Dafür wurde er gemacht.

„Denn gleichwie der Gürtel um die Lenden des Mannes gebunden wird, so habe ich, spricht der Herr, das ganze Haus Israel und das ganze Haus Juda um mich gegürtet, dass sie mein Volk sein sollten, mir zum Ruhm, zu Lob und Ehren“ (Vers 11).

Man kann auch übersetzen „angeschmiegt, dicht dran, angeschlossen, um mich herum sein“. Das war die Bestimmung des Volkes Israel, Gottes eigenem Volk, eine hohe und schöne Berufung: enge Verbundenheit mit Gott, Nähe zu ihrem Schöpfer, angeschmiegt an den, der sie liebt und gerettet und berufen hat. Er hatte sie aus der Sklaverei in Ägypten befreit und einen Bund mit ihnen geschlossen, er wollte sie leiten und beschützen, das Volk sollte seine Gebote halten und seinen Willen tun und dadurch zu großer Blüte kommen und ein Segen für die Menschheit sein.

Doch Israel war innerlich und äußerlich weit weg von dieser hohen Berufung, so wie der Gürtel geographisch weit weg war am Fluss Euphrat. Israel hatte sich anderen Göttern und Götzen zugewendet und damit von Gott abgewendet. Diese Götter der Nachbarvölker lockten mit Konsum, kurzzeitigem Vergnügen, scheinbarer Macht über Menschen und Natur, und über die Jahrhunderte bekamen sie immer mehr Verehrung.

Die Folge war, dass das Volk moralisch, politisch und sozial total verrottete. Ohne Gott keine Orientierung, im letzten kein Gut und Böse, keine Nähe zu dem, der sich selbst als Quelle des Lebens bezeichnet. Es gab Unterdrückung, Korruption, falsche Propheten, Gier und Habsucht, Misstrauen und Gewalt. Ursache dafür war der „große Hochmut“, der Stolz, eine teuflische Sünde, die Menschen denken lässt, sie bräuchten Gott nicht. Es folgten verstockte, verhärtete Herzen, ein korrumpiertes Innenleben und damit einhergehend erleben sie moralischen Verfall.

Propheten wie Jeremia hatten den Auftrag, mit drastischen Worten und lebendigen Illustrationen ihnen diese Lage vor Augen zu führen und sie zur Umkehr zu ihrem eigentlichen Gott zu rufen. Gott wollte mit ihnen sein, an ihnen dran sein, ein Team mit dem Volk bilden, verbunden sein, sie zu Gutem gebrauchen „Ihm zum Ruhm, zu Lob und Ehren“.

Das Bild des Gürtels, der nicht an seinem Platz, d.h. in seiner Bestimmung ist und deshalb verrottet, beschreibt das Grundproblem, dass der Mensch von Natur aus keine Verbindung mit seinem Schöpfer hat, nicht in seiner Bestimmung läuft, sondern weit weg ist.

Jesus sah die Menschen Jahrhunderte später als „Schafe ohne Hirten“. Paulus beschreibt sie als der Nichtigkeit verfallen und mit verfinsterten Herzen, unversöhnt mit Gott, unfähig, ihm zu danken und ihn zu verehren.

Jesus Christus ist die alleinige Schlüsselfigur, die dieses Problem lösen kann. Er ging wie Jeremia einen weiten Weg, von der Herrlichkeit Gottes auf diese Erde, um Menschen wieder in ihre Bestimmung, in die Nähe ihres Schöpfers zu rufen. Er kam uns Menschen nahe, damit wir die Nähe Gottes wieder erleben können. Er starb für uns am Kreuz, damit unser Stolz und unser moralisches Versagen vergeben werden und damit kein Problem mehr für die Nähe zu Gott darstellen. Jesus ist sozusagen Gott zum Anfassen, zum Nahe sein, zum Kennenlernen.

Nähe zu Gott ist unsere eigentliche Bestimmung. „Der Herr ist nahe denen, die ihn anrufen“ heißt es in den Psalmen. „Naht euch zu Gott, so naht er sich zu euch“, sagt Jakobus.

Paulus spricht davon, dass „Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne“. Jesus sagt: „Bleibt in mir und ich in euch“ – näher geht es kaum. Was Jesus zu bieten hat, geht noch über ein Anschmiegen, ein fest verbunden sein, hinaus. Er will uns Menschen innewohnen, in uns Gestalt gewinnen und damit eine einzigartige Verbundenheit mit Gott schaffen.

Dann braucht es auch keine Ersatz-Götter, keine Götzen, auch nicht in unseren Tagen, dann sind wir angeschlossen an die Quelle des Lebens, an den, der uns geschaffen hat und am besten weiß, wie dieses Leben hier zu leben ist.

Eine zutiefst enge Beziehung zu Gott ist unsere eigentliche Bestimmung. Gott möchte nicht diese Distanz, diese Kälte in der Felsspalte, dieses weit weg sein, dieses Verrotten, dieses Unnütz-werden. Er möchte da sein. Für uns, mit uns und in uns.

Wie der Gürtel, der nah am Körper getragen seine Funktion erfüllt, so sind auch wir dazu geschaffen, in dieser Verbundenheit mit Gott zu leben. Er möchte, dass wir in seiner Nähe sind, ihm zum Ruhm, zu Lob und Ehre.

Lasst uns heute bewusst in diese Nähe treten, unser Herz öffnen und uns an Gott schmiegen, wie der Gürtel an die Lenden seines Trägers. Mögen wir in dieser innigen Beziehung mit Gott wachsen und seine Liebe, Gnade und Führung in unserem Leben erfahren. Wir sollen nicht weit weg sein, wir sollen nicht verrotten, wir sollen nah sein an ihm und verbunden mit ihm, in unserer Bestimmung.

Autor: Pastor Christoph Bergfeld

Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

...more
View all episodesView all episodes
Download on the App Store

ERF Plus - Bibel heuteBy ERF - Der Sinnsender

  • 5
  • 5
  • 5
  • 5
  • 5

5

1 ratings


More shows like ERF Plus - Bibel heute

View all
ICF München | Podcast by ICF München e.V.

ICF München | Podcast

6 Listeners

Johannes Hartl über die Philosophie des wahren Lebens by Dr. Johannes Hartl

Johannes Hartl über die Philosophie des wahren Lebens

11 Listeners

Das Wissen | SWR by SWR

Das Wissen | SWR

108 Listeners

Worthaus Podcast by Worthaus

Worthaus Podcast

5 Listeners

ERF Plus - Wort zum Tag by ERF - Der Sinnsender

ERF Plus - Wort zum Tag

0 Listeners

ERF Plus - Anstoß by ERF - Der Sinnsender

ERF Plus - Anstoß

1 Listeners

Psychologie to go! by Dipl. Psych. Franca Cerutti

Psychologie to go!

52 Listeners

Spektrum-Podcast by detektor.fm – Das Podcast-Radio

Spektrum-Podcast

17 Listeners

Unter Pfarrerstöchtern by DIE ZEIT

Unter Pfarrerstöchtern

63 Listeners

11KM Stories by Tagesschau

11KM Stories

300 Listeners

Quarks Daily by Quarks

Quarks Daily

37 Listeners

Das Wort und das Fleisch by Worthaus

Das Wort und das Fleisch

3 Listeners

Die Ernährungs-Docs - Essen als Medizin by NDR

Die Ernährungs-Docs - Essen als Medizin

18 Listeners

Kalenderblatt by Deutschlandfunk

Kalenderblatt

2 Listeners

Gedanken zur Tageslosung by Christus Zentrum Arche Elmshorn

Gedanken zur Tageslosung

1 Listeners