ERF Plus - Bibel heute

Die Aussendung der Zwölf


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Unvergesslich ist für mich der Sommer 1986. Ich hatte mich dazu entschlossen, in den Semesterferien an einem Sommereinsatz des Missionswerks Operation Mobilisation (kurz OM) teilzunehmen. Wir waren zu dritt aus unserem Jugendkreis. Mit meinem alten Opel Kadett fuhren wir zur Vorbereitungskonferenz nach Löwen in Belgien und erlebten dort eine fantastische und inspirierende Tagung. Nach einer Woche wurden wir in Teams zusammengestellt – immer so 6-8 junge Leute, denn jetzt sollte unser Missionseinsatz beginnen. Mein Team wurde in die Region von Gent gesandt. Wir bekamen einen VW-Bus, hatten ein paar Zelte und einen Karton mit Büchern, die wir gegen Spenden verteilen sollten. „Wo ihr unterkommt, müsst ihr selbst herausfinden“, wurde uns gesagt. „Fragt mal, ob ihr im Garten von katholischen Gemeindehäusern zelten könnt oder auf einem Bauernhof oder wenn es gar nicht anders geht, dann eben auch auf einem günstigen Campingplatz.“

Ungewissheit und Wunder

Für mich war das eine riesige Anspannung, Verantwortung für ein Team zu haben und nicht zu wissen, wo wir unterkommen sollten. Nachdem wir uns einige Absagen eingeholt hatten, durften wir unsere Zelte auf der Wiese eines Bauernhofes aufstellen. In den nächsten Tagen gingen wir dann im Dorf von Haus zu Haus, um mit den Menschen über Jesus zu sprechen und unsere Bücher loszuwerden. Von den Spenden kauften wir dann wieder Lebensmittel und Benzin. Diese drei Wochen gehörten tatsächlich zu den abenteuerlichsten Wochen meines Lebens. Wir hatten manche Wunder erlebt und die Bauersfamilie, auf deren Hof wir zelteten, war nach diesen drei Wochen offen für das Evangelium. Als wir zum Konferenzgelände zurückkamen, hatten wir noch genau 15 belgische Franken – damals etwa drei Mark – übrig. So exakt hatte uns Gott versorgt.

Immer wenn ich im Neuen Testament die Geschichte der Aussendung der 12 Jünger durch Jesus lese, kommt mir dieser Sommereinsatz in den Sinn. Da war wirklich Vieles sehr ähnlich.

Aussendung der Jünger

Von der Aussendung der 12 durch Jesus wird uns im Matthäus-, Markus- und Lukasevangelium berichtet. Es ist schon ein bewegendes Geschehen, wie die Jünger durch die Dörfer ziehen, um Israel für den Messias zu gewinnen. Man spürt den Jüngern eine Begeisterung für ihren Einsatz ab. Initiative und Ausrüstung, Kraft und Vollmacht dazu empfangen sie von Jesus selbst.

Sie sollten über das Reich Gottes predigen. So wie Johannes der Täufer es tat, so wie Jesus seine öffentliche Wirksamkeit begann. Die Evangelien berichten davon, dass Jesus seine Predigttätigkeit mit den Worten begann: „Das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium“ (Markus 1,15).

Diese Verkündigung der Jünger war begleitet von Krankenheilungen und Dämonenbefreiungen. Das würde ich mir doch heute auch wünschen. Mehr Heilungen, mehr Wunder bei der Verkündigung des Evangeliums. Dazu wäre viel zu sagen. Z.B. aber auch das, dass die Wunder zur Zeit Jesu nötig waren, um Jesus im Volk Israel als den im Alten Testament angekündigten Messias zu bezeugen. Oder die Beobachtung, dass in Ländern der dritten Welt tatsächlich mehr Wunder geschehen, weil das dort wirklich nötig ist. Wir in unseren Breitengraden dürfen ja durchaus auch unsere gute medizinische Versorgung als ein Wunder einordnen.

Schlecht gerüstet?

Die äußere Reiseausstattung der Jünger war armselig. Weder Stab noch Rucksack, weder Geld noch Reiseproviant, nicht einmal Ersatzkleidung war erlaubt. Ein wenig erinnert mich das schon an unseren Sommereinsatz 1986, da war unsere Ausstattung auch spartanisch. Warum nur diese Kargheit? Zum einen wollte Jesus die Mission schnell und schlagkräftig aufstellen. Er wusste, seine Zeit in Galiläa läuft ab. Zum anderen wollte er, dass seine Jünger Vertrauen lernen. Vertrauen darauf, dass der Vater im Himmel sie mit dem täglich Notwendigen, mit dem täglichen Brot, versorgen wird.

Neben Ziel und Ausstattung gibt Jesus auch die Missionsstrategie vor. Bleiben, wo man aufgenommen wird, Weiterziehen, wenn sich Widerstand herauskristallisiert. Dieser Befehl klingt hart, ist aber heilsam. Sonst verbeißen sich die Missionare in aussichtslosen Situationen. So sollte auch der letzte Winkel Galiläas vom Reich Gottes hören, das in Jesus angebrochen ist.

Im Lukasevangelium, Kapitel 10 wird von einer zweiten Aussendung Jesu berichtet. Dieses Mal sind es 72. Und auch von ihrer Rückkehr erfahren wir, die war überaus begeistert und fröhlich…

Was lernen wir daraus?

Bleibt die Frage, was lernen wir von der Aussendung der Jünger Jesu?

Zum einen: Jesus hat diese Sendung nicht auf die 12 oder später auf die 72 beschränkt. Nach seiner Auferstehung sagt er zu allen, die ihm nachfolgen: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, welcher auf euch kommen wird und werdet meine Zeugen sein zu Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde“ (Apostelgeschichte 1,8). Die bei Jesus gelernte Sendung in die Dörfer Galiläas, um das Reich Gottes zu verkündigen, war für die Jünger das Übungsfeld, auf dem sie lernten, der Missionsauftrag der ganzen Welt gilt. Den Aposteln war schnell klar: Jesus nachfolgen und dann einfach so mal zuzuschauen, was er so macht, das funktioniert bei Jesus nicht. Er hat ihnen deutlich gemacht: mitlaufen und zugucken, das ist nicht mein Plan, sondern ihr sollt gehen. Es geht bei Jesus nicht um eine „Komm und sieh“ – Sache, sondern bei Jesus geht es um eine „geh und tu“- Sache. Ich glaube, das müssen wir hier hören, vielleicht auch neu hören. Christsein heißt nicht zur Kirche zu gehen, sondern Kirche zu sein. Zur Kirche geht man nicht. Kirche ist man. Der Missionsbefehl Jesu, die Sendung seiner Nachfolger in die Welt gilt auch heute noch. Den Missionsauftrag zu leben, ist auch nicht das Sondergut einiger berufenen professionellen Missionare, sondern ein Universalauftrag für jeden, der an Jesus glaubt. Das Erstaunliche ist, dass der allmächtige Gott uns schwache, begrenzte Menschen als Mitarbeiter in sein kraftvolles Wirken mit einbezieht. Oft sind wir nur staunende Zeugen, zuweilen auch eher unbedeutende Helfer, die ihm zur Verfügung stehen. Jesus könnte es alleine tun, aber er will uns als Juniorpartner an seinem großartigen, weltweiten Handeln beteiligen. Das ist sein Wille, seine Entscheidung! Welche Würde, welche Ehre, welche Bedeutung gibt dies unserem Leben!

Der Missionsbefehl gilt heute noch

Die Botschaft ist noch dieselbe, wie sie Jesus seinen Jüngern bei der Aussendung in die Dörfer Galiläas mit auf den Weg gegeben hat. Es ist die Einladung, Bürger des Reiches Gottes zu werden. Die Missionsstrategie ist dieselbe, wie sie damals war. Lebt den Missionsauftrag mit leichtem Gepäck und im Vertrauen, dass ich euch versorge und helfe. Und wie Jesus den Jüngern damals gesagt hat, was sie tun sollen, so sagt er auch uns heute: Macht einfach, was Ihr bei mir gesehen habt. Kümmert Euch um die Leute. Wenn jemand krank ist, betet für ihn. Wenn jemand hungrig ist, gebt ihm zu essen. Wenn jemand einsam ist, besucht ihn. Wenn jemand von Gott nichts weiß, erzählt ihm von mir. Tut einfach, was Ihr hier bei mir gesehen habt.

Die Wochen im Sommer 1986 in Belgien gehören für mich zu den prägenden Ereignissen meines Glaubens an Jesus. Sie waren abenteuerlich, sie waren herausfordernd und gleichzeitig habe ich in diesen Wochen intensiv erlebt, was Jesus ganz am Schluss des Missionsauftrages gesagt hat: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Matthäus 28,20). Wenn wir uns heute auch senden lassen, wird das bestimmt herausfordernd, aber wir werden dabei auch begeisternde Erfahrungen mit Jesus machen.

Autor: Uli Limpf

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