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Schlimme Zustände in Jerusalem. Die Stadt des Friedens ist seit eineinhalb Jahren belagert. Die Babylonier lassen sich nicht noch einmal an der Nase herumführen. Der von ihnen eingesetzte König Zedekia hatte zwar einen Treueeid auf Babel geschworen, wurde aber abtrünnig und hatte sich den Ägyptern angeschlossen. Aber jetzt ist Schluss. Die Nordseite der Stadtmauer wird durchbrochen. Die Truppen ziehen in die Stadt. Gegenwehr müssen sie keine mehr befürchten. Das Volk ist ausgehungert, viele sind schon verstorben, es gibt keine Verteidigung mehr. Jetzt ist passiert, wovor der Prophet Jeremia seit vielen Jahren gewarnt hatte. Seit seiner Berufung durch Gott rund 40 Jahre vor diesen Ereignissen sagte Jeremia immer wieder den Fall Jerusalems voraus. Letztlich war es nicht die Übermacht der Babylonier, die zum Fall der Jerusalemer Mauer, zur Zerstörung des Tempels und zum Stadtbrand führte. Es war der Ungehorsam der Israeliten, die den Geboten Gottes nicht mehr gehorchten. Götzendienst statt Gottesdienst, Vertrauen in die militärische Unterstützung der Ägypter statt Hören auf den Propheten, durch den Gott redete.
König Zedekia hatte sich gegen das Wort Gottes entschieden. Deshalb muss er jetzt das Gericht Gottes erleiden. Die Babylonier sind das Werkzeug Gottes für das Gericht über Jerusalem. Die Ereignisse um die Einnahme und Zerstörung Jerusalems haben sich tief im Gedächtnis Israels eingeprägt. Dazu gehört auch die Einsicht, dass die eigene Schuld zu dieser Katstrohe geführt hat. Bemerkenswert: König Zedekia hatte sich bis zum Schluss die Worte von Jeremia angehört. Die Stimme Gottes ließ ihn nicht los. Aber er konnte sich nicht entschließen, diesen Worten auch zu folgen. Wie tragisch. Er hatte Angst vor seinen Adligen, vielleicht auch Angst, Verantwortung zu übernehmen. Jeremia hat Zedekia im Auftrag Gottes dringend empfohlen, sich den Babyloniern zu ergeben, um das eigene Leben, das Leben der Stadtbevölkerung und die Stadt selbst vor Brandschatzung und Zerstörung zu retten. Statt den in dieser Situation weisen Rat anzunehmen, lässt Zedekia auf Druck des Adels Jeremia in eine Zisterne voller Schlamm werfen, in dem er fast umgekommen wäre. Hätte sich nicht der äthiopische Königssklave Ebed-Melech für Jeremia beim König eingesetzt, dann wäre Jeremia in dem Schlammloch elend verstorben. Mit einigen Helfern zieht Ebed-Melech Jeremia sehr behutsam aus dem Loch. Er denkt an Stofflappen, die sich Jeremia unter die Achseln legen soll, damit die Stricke ihn nicht verwunden. So wird Jeremia im letzten Moment aus dem Loch gerettet und bleibt bis zum Einmarsch der Babylonier als Gefangener im Wachhof.
Beim Fall der Mauer packt Zedekia nun eine panische Angst. Natürlich erinnert er sich an alles, was Jeremia ihm bis dahin gesagt hatte. Jetzt versucht er mit seinen Adligen so schnell wie möglich aus der Stadt zu fliehen. Tatsächlich gelingt ihm in der Nacht zunächst die Flucht, mit seinen Getreuen schleicht er durch den Königsgarten an die Stadtmauer und findet dort eine Öffnung ins Freie. Sie schaffen es ziemlich weit bis an den Jordan bei Jericho. Aber die Babylonier sind gute Verfolger. Sie holen ihn ein, packen ihn und schleppen Zedekia mit seinem Adel zum Verhör zu Nebukadnezar, der sich in dieser Zeit in Ribla im heutigen Syrien aufhält. Dort in Ribla erlebt Zedekia ein schlimmes Gericht. Vor seinen Augen werden seine Söhne und die Adligen getötet. Die schlimmen Bilder von der Tötung seiner Nächsten sind das letzte, was seine Augen sehen. Anschließend werden ihm die Augen ausgestochen. Mit diesen Schreckensbildern im Kopf wird er nach Babylon in die Gefangenschaft geführt. Dort stirbt er später als blinder Gefangener.
Jeremia dagegen durfte in Jerusalem bleiben. Bei den Babyloniern war bekannt, dass er für die Kapitulation geworben hatte. Deshalb durfte er wählen, ob er mit dem Großteil der Bevölkerung nach Babel ziehen oder bei dem mittellosen niederen Volk in Juda bleiben wollte. Jeremia wäre in Babel ein freier Mensch gewesen, er hätte auch dort prophetisch wirken können. Jeremia erhält für diese Frage seiner persönlichen Zukunft keine Weisung von Gott. Vielleicht auch, weil Gott seinen Auftrag als erfüllt ansah. Jeremia entscheidet sich für´s Bleiben. Dem einfachen Volk werden nun Felder und Weinberge zugeteilt. Von ihnen geht keine Gefahr mehr für das babylonische Weltreich aus. Zudem hatten die Besatzer Interesse an den Erzeugnissen auf den Feldern und Weinbergen Judas.
In all dem Schrecken des Gerichts wird die Verheißung an Ebed-Melech erwähnt. Er hatte dem Propheten in größter Not geholfen. Jetzt hilft ihm auch Gott. Ebed-Melech verliert weder sein Leben noch wird er in Gefangenschaft weggeführt. Beim Schicksal von Ebed-Melech zeigt sich eine Grund-Art Gottes: Keine Katastrophe im Volk Gottes, ohne den Ansatz von Heil. Es ist ein kleines Lichtzeichen in der Dunkelheit der Zerstörung Jerusalems. Zudem leuchtet zeichenhaft auf, was im Neuen Testament noch viel heller wird. In dem Maße, in dem Israel seine Ohren vor den Propheten Gottes verstopft, wird den Heiden der Zugang zum Gott Israels geebnet. Ebed-Melech wird als ein Heide bezeichnet, der Gott vertraut. Aus diesem Gottvertrauen heraus hat er die Befreiung von Jeremia initiiert. Ebed-Melech erleidet die Katastrophe der Zerstörung Jerusalems wie die übriggebliebenen Bewohner, aber er darf sein Leben behalten.
Immer wieder hat Gott in größten Nöten Einzelnen geholfen, sie bewahrt und gerettet. Ebed-Melech wurde für Jeremia zur Gebetserhörung. Vielleicht hat Jeremia in der Grube mit Psalm 40,2-3 gebetet. Dort heißt es: „Ich harrte des Herrn, und er neigte sich zu mir und hörte mein Schreien. Er zog mich aus der grausigen Grube, aus lauter Schmutz und Schlamm, und stellte meine Füße auf einen Fels, dass ich sicher treten kann.“ Ebed-Melech wurde für Jeremia zum Retter. Ein Hinweis auf Jesus, der für die Menschen zum Retter wird, die sich in einer aussichtslosen Lage wie in einer Grube befinden und sich in einem Gebetsschrei an Jesus wenden. Jesus ist gekommen, um aus schlammigen Gruben von Verachtung, Ungerechtigkeit und Verzweiflung zu retten. Jesus ist gekommen, um Menschen aus Gruben eigenen Versagens herauszuhelfen, Vergebung zu schenken und ihr Herz mit Glaube, Liebe und Hoffnung auszustatten. Diese Perspektive gilt für alle gottesfürchtigen Menschen, seien sie in einer Lage, die eher an Jeremia oder eher an Ebed-Melech erinnert. Auch in der Katastrophe hört Gott das Schreien seiner Kinder, und sein Versprechen gilt bis heute: Alle, die an ihn glauben, gehen nicht verloren, sondern erhalten das ewige Leben.
Autor: Martin Siehler
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By ERF - Der Sinnsender5
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Schlimme Zustände in Jerusalem. Die Stadt des Friedens ist seit eineinhalb Jahren belagert. Die Babylonier lassen sich nicht noch einmal an der Nase herumführen. Der von ihnen eingesetzte König Zedekia hatte zwar einen Treueeid auf Babel geschworen, wurde aber abtrünnig und hatte sich den Ägyptern angeschlossen. Aber jetzt ist Schluss. Die Nordseite der Stadtmauer wird durchbrochen. Die Truppen ziehen in die Stadt. Gegenwehr müssen sie keine mehr befürchten. Das Volk ist ausgehungert, viele sind schon verstorben, es gibt keine Verteidigung mehr. Jetzt ist passiert, wovor der Prophet Jeremia seit vielen Jahren gewarnt hatte. Seit seiner Berufung durch Gott rund 40 Jahre vor diesen Ereignissen sagte Jeremia immer wieder den Fall Jerusalems voraus. Letztlich war es nicht die Übermacht der Babylonier, die zum Fall der Jerusalemer Mauer, zur Zerstörung des Tempels und zum Stadtbrand führte. Es war der Ungehorsam der Israeliten, die den Geboten Gottes nicht mehr gehorchten. Götzendienst statt Gottesdienst, Vertrauen in die militärische Unterstützung der Ägypter statt Hören auf den Propheten, durch den Gott redete.
König Zedekia hatte sich gegen das Wort Gottes entschieden. Deshalb muss er jetzt das Gericht Gottes erleiden. Die Babylonier sind das Werkzeug Gottes für das Gericht über Jerusalem. Die Ereignisse um die Einnahme und Zerstörung Jerusalems haben sich tief im Gedächtnis Israels eingeprägt. Dazu gehört auch die Einsicht, dass die eigene Schuld zu dieser Katstrohe geführt hat. Bemerkenswert: König Zedekia hatte sich bis zum Schluss die Worte von Jeremia angehört. Die Stimme Gottes ließ ihn nicht los. Aber er konnte sich nicht entschließen, diesen Worten auch zu folgen. Wie tragisch. Er hatte Angst vor seinen Adligen, vielleicht auch Angst, Verantwortung zu übernehmen. Jeremia hat Zedekia im Auftrag Gottes dringend empfohlen, sich den Babyloniern zu ergeben, um das eigene Leben, das Leben der Stadtbevölkerung und die Stadt selbst vor Brandschatzung und Zerstörung zu retten. Statt den in dieser Situation weisen Rat anzunehmen, lässt Zedekia auf Druck des Adels Jeremia in eine Zisterne voller Schlamm werfen, in dem er fast umgekommen wäre. Hätte sich nicht der äthiopische Königssklave Ebed-Melech für Jeremia beim König eingesetzt, dann wäre Jeremia in dem Schlammloch elend verstorben. Mit einigen Helfern zieht Ebed-Melech Jeremia sehr behutsam aus dem Loch. Er denkt an Stofflappen, die sich Jeremia unter die Achseln legen soll, damit die Stricke ihn nicht verwunden. So wird Jeremia im letzten Moment aus dem Loch gerettet und bleibt bis zum Einmarsch der Babylonier als Gefangener im Wachhof.
Beim Fall der Mauer packt Zedekia nun eine panische Angst. Natürlich erinnert er sich an alles, was Jeremia ihm bis dahin gesagt hatte. Jetzt versucht er mit seinen Adligen so schnell wie möglich aus der Stadt zu fliehen. Tatsächlich gelingt ihm in der Nacht zunächst die Flucht, mit seinen Getreuen schleicht er durch den Königsgarten an die Stadtmauer und findet dort eine Öffnung ins Freie. Sie schaffen es ziemlich weit bis an den Jordan bei Jericho. Aber die Babylonier sind gute Verfolger. Sie holen ihn ein, packen ihn und schleppen Zedekia mit seinem Adel zum Verhör zu Nebukadnezar, der sich in dieser Zeit in Ribla im heutigen Syrien aufhält. Dort in Ribla erlebt Zedekia ein schlimmes Gericht. Vor seinen Augen werden seine Söhne und die Adligen getötet. Die schlimmen Bilder von der Tötung seiner Nächsten sind das letzte, was seine Augen sehen. Anschließend werden ihm die Augen ausgestochen. Mit diesen Schreckensbildern im Kopf wird er nach Babylon in die Gefangenschaft geführt. Dort stirbt er später als blinder Gefangener.
Jeremia dagegen durfte in Jerusalem bleiben. Bei den Babyloniern war bekannt, dass er für die Kapitulation geworben hatte. Deshalb durfte er wählen, ob er mit dem Großteil der Bevölkerung nach Babel ziehen oder bei dem mittellosen niederen Volk in Juda bleiben wollte. Jeremia wäre in Babel ein freier Mensch gewesen, er hätte auch dort prophetisch wirken können. Jeremia erhält für diese Frage seiner persönlichen Zukunft keine Weisung von Gott. Vielleicht auch, weil Gott seinen Auftrag als erfüllt ansah. Jeremia entscheidet sich für´s Bleiben. Dem einfachen Volk werden nun Felder und Weinberge zugeteilt. Von ihnen geht keine Gefahr mehr für das babylonische Weltreich aus. Zudem hatten die Besatzer Interesse an den Erzeugnissen auf den Feldern und Weinbergen Judas.
In all dem Schrecken des Gerichts wird die Verheißung an Ebed-Melech erwähnt. Er hatte dem Propheten in größter Not geholfen. Jetzt hilft ihm auch Gott. Ebed-Melech verliert weder sein Leben noch wird er in Gefangenschaft weggeführt. Beim Schicksal von Ebed-Melech zeigt sich eine Grund-Art Gottes: Keine Katastrophe im Volk Gottes, ohne den Ansatz von Heil. Es ist ein kleines Lichtzeichen in der Dunkelheit der Zerstörung Jerusalems. Zudem leuchtet zeichenhaft auf, was im Neuen Testament noch viel heller wird. In dem Maße, in dem Israel seine Ohren vor den Propheten Gottes verstopft, wird den Heiden der Zugang zum Gott Israels geebnet. Ebed-Melech wird als ein Heide bezeichnet, der Gott vertraut. Aus diesem Gottvertrauen heraus hat er die Befreiung von Jeremia initiiert. Ebed-Melech erleidet die Katastrophe der Zerstörung Jerusalems wie die übriggebliebenen Bewohner, aber er darf sein Leben behalten.
Immer wieder hat Gott in größten Nöten Einzelnen geholfen, sie bewahrt und gerettet. Ebed-Melech wurde für Jeremia zur Gebetserhörung. Vielleicht hat Jeremia in der Grube mit Psalm 40,2-3 gebetet. Dort heißt es: „Ich harrte des Herrn, und er neigte sich zu mir und hörte mein Schreien. Er zog mich aus der grausigen Grube, aus lauter Schmutz und Schlamm, und stellte meine Füße auf einen Fels, dass ich sicher treten kann.“ Ebed-Melech wurde für Jeremia zum Retter. Ein Hinweis auf Jesus, der für die Menschen zum Retter wird, die sich in einer aussichtslosen Lage wie in einer Grube befinden und sich in einem Gebetsschrei an Jesus wenden. Jesus ist gekommen, um aus schlammigen Gruben von Verachtung, Ungerechtigkeit und Verzweiflung zu retten. Jesus ist gekommen, um Menschen aus Gruben eigenen Versagens herauszuhelfen, Vergebung zu schenken und ihr Herz mit Glaube, Liebe und Hoffnung auszustatten. Diese Perspektive gilt für alle gottesfürchtigen Menschen, seien sie in einer Lage, die eher an Jeremia oder eher an Ebed-Melech erinnert. Auch in der Katastrophe hört Gott das Schreien seiner Kinder, und sein Versprechen gilt bis heute: Alle, die an ihn glauben, gehen nicht verloren, sondern erhalten das ewige Leben.
Autor: Martin Siehler
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