Peter Thiel – der umstrittene libertäre Tech-Milliardär und Vordenker einer postdemokratischen Rechten, der als Stratege und Geldgeber viel Einfluss auf die US-Politik hat – sollte sich Anfang Juni bei den Wiener Festwochen einer öffentlichen Diskussion stellen. Eingeladen hatte ihn Festwochen-Intendant Milo Rau, der als Regisseur für seine provokanten debattenpolitischen Projekte bekannt ist.
Doch am Wochenende folgte die Ausladung von Peter Thiel. Die mediale Kritik im Vorfeld war groß, Festivalkünstler hatten Auftritte abgesagt, und auch Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler hatte von Milo Rau mehr Rückbesinnung auf die Kunst und weniger polarisierende Politik gefordert. Das externe Beratungsgremium hingegen, dem auch der Intendant der Berliner Festspiele, Matthias Pees, angehört, ist der Ansicht, dass diese Gesellschaft stark genug sein müsse, "um auch polemische, spaltende, unsolidarische, extremistische, undemokratische oder verfassungswidrige Stimmen zu ertragen, ihnen entgegenzutreten, sie aufzudecken und ihnen entgegenzuwirken".