ERF Plus - Bibel heute

Die Geldsammlung für die Gemeinde in Jerusalem (1)


Listen Later

65 Jahre alt ist der ERF in diesem Jahr. Ich bin beeindruckt vom diesjährigen Jahresbericht. Die Vielfalt der Sendeformate, die Wirkungen und Reaktionen bei Hörerinnen und Hörern. Glaubensaufbrüche. Entscheidungen für Jesus. Beeindruckend die Spendeneingänge für dieses Großunternehmen. Zig-Tausende Abnehmer der Guten Botschaft. Die große Schar der angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und die noch weit größere Zahl der Ehrenamtlichen in der Verkündigung und der nötigen Arbeit im Hintergrund. Das will ich einmal sagen als einer, der bereits seit 48 Jahren Beiträge im Evangeliums-Rundfunk beisteuern darf.

Gut möglich, dass der Apostel Paulus aus der Schar der Spenderinnen und Spender des ERF Geschichten erzählt hätte. Von Menschen, die beträchtliche finanzielle Beiträge durch Nachlässe leisten. Bestimmt auch von Menschen, die nur über ein kleines Budget verfügen und großherzig spenden. Grundzüge für Fundraising entdecke ich bei Paulus in seinem zweiten Brief an die Gemeinde in Korinth und die Christen in ganz Achaja, dem Süden Griechenlands.

Paulus sammelt bei den von ihm gegründeten Gemeinden Kollekten für die Muttergemeinde in Jerusalem ein. Die Geschwister dort leben in Armut. Sie haben Verfolgung hinter sich. Die Kollekte für die Gemeinde in Jerusalem ist auch Dank für das empfangene Evangelium, das mit Jesu Auferstehung in Jerusalem das Licht der Welt erblickte. Paulus bestätigt damit auch seine Verbundenheit mit der Urgemeinde.

Sein Erbitten der Kollekte beginnt er mit dem Erzählen von unglaublicher Unterstützung der Gemeinden in Nordgriechenland, in Mazedonien. Also in Philippi und Thessaloniki. Er gibt seiner Freude Ausdruck und will zur Mitfreude anstiften. Die Gemeinden in Mazedonien gehören selbst zu den Ärmeren. Sie haben sich in vielen schwierigen Situationen bewährt. Ihre Armut hat sie nicht gehindert, freiwillig und großzügig zu spenden – nach Kräften und darüber hinaus, bezeugt ihnen Paulus. Sie wollten unbedingt bei denen sein, die die Urgemeinde in Jerusalem unterstützen. Sie haben darauf gedrängt, mithelfen zu dürfen.

Für Paulus ist das ein erkennbares Wirken der Gnade Gottes. Die beschenkt uns nicht nur mit dem ewigen Leben. Die befähigt uns auch zum Weitergeben und Teilen. Das macht nicht ärmer, das weckt Freude.

Vor kurzem erzählte mir eine Frau, dass sie mit großer Freude mitarbeitet in einem Café Vielfalt im Parterre eines Seniorenheims. Da kommen nicht nur die Bewohner und ihre Besucher. Da kommen manche der Anwohner aus der Nachbarschaft und aus dem Ort. „Ich freue mich, dass ich mit meinen Gaben des Organisierens und des Bedienens anderen Menschen Freude bereiten kann und dem Leben schöne Akzente setzen.“ Das sagte sie mit einem Strahlen im Gesicht. Dabei sein dürfen an einem Liebeswerk ist selbst schon Gnade.

Das Engagement der Gemeinden in Mazedonien ermutigt Paulus, auch in der Gemeinde der großen Hafenstadt Korinth und in der ganzen Region einzuladen zum Spenden. Die sollen und dürfen sich beteiligen an der Unterstützung der Christen in Jerusalem, die wie sie zu Jesus gehören. Paulus nennt sie „Heilige“. Ausgesonderte für Gott. Für das Werben um die Kollekte beauftragt Paulus seinen Mitarbeiter Titus. Den empfiehlt er als vertrauenswürdig. Das nennt man heute Fundraising.

Fundraising heißt: die Möglichkeit geben, etwas zu unterstützen, was der Unterstützung wert ist. Vor allem, wenn es um Menschen geht, die Hilfe brauchen.

Fundraising ist Pflege von Beziehungen. Fundraising bettelt nicht um Gaben, sondern ermöglicht Teilhabe an Größerem. Mir macht es Freude, andere dafür zu gewinnen, mit ihren Möglichkeiten etwas zu unterstützen, das Gottes Liebe fördert und Menschen zugutekommt, die es nötig haben. Fundraising ist vielfältig. Eine Möglichkeit ist die Fürbitte. Menschen Gott ans Herz legen. Fundraising ist auch ehrenamtliche Mitarbeit. Dann auch mit finanziellen Mitteln helfen, so wie es möglich ist und es mir ans Herz gelegt wird.

Paulus knüpft an Erfahrungen der Gemeinde an. Er möchte abholen und überzeugen. Er weist auf den Reichtum der Gemeinde hin, auf ihren Glauben, das von Gott gegebene Wort, ihre Einsicht, ihre schon bewiesene Fähigkeit zu uneingeschränkter Einsatzfreude und ihrer erwiesenen geschwisterlichen Liebe. Er erinnert die christlichen Geschwister aber auch daran, dass sie selbst Beschenkte sind. Er geniert sich nicht zu sagen, dass er selbst der Gemeinde zum Glauben verholfen hat. Dann wagt er auch Gewagtes, finde ich. Zwar wolle er der Gemeinde die Kollekte nicht befehlen, aber sie doch herausfordern zu einer erkennbaren Echtheit ihrer Liebe. Die kümmert sich nicht nur um die Bedürftigen in der Nähe, die öffnet sich auch für die Not an fernen Orten. Paulus geht es um eine weltweite, eine ökumenische Perspektive und Hilfsbereitschaft.

Den tiefsten Grund zum Geben findet Paulus im Leben Jesu. In Jesus hat sich Gott in unserer Welt verschenkt. Er greift zurück auf ein Grundbekenntnis des christlichen Glaubens: „Jesus Christus, obwohl er reich ist, wurde er doch arm um euretwillen, damit ihr durch seine Armut reich würdet.“

Jesus ist reich an unsterblichem ewigem Leben. Um unseretwillen, zu unserem Heil wurde er ein sterblicher Mensch. Durch seine freiwillige Selbsthingabe und Armut werden wir reich. In diesen lebensspendenden Tausch sollen und dürfen wir einwilligen. Das hat Konsequenzen. Wir leben aus Gnade von geschenktem Leben. In der Gnade bleiben wir, wenn wir nicht an uns hängenbleiben im Kreisen um uns selbst. Dazu sind wir aufeinander angewiesen. Wir sollen uns daran erinnern, von welchem ewigen Geschenk wir leben. Und wie wir dieses Geschenk bewahren und bewähren.

„Geld und Geist“ heißt ein Buch von Jeremias Gotthelf, dem Schweizer Pfarrer und Schriftsteller.

Wir müssen übers Geld reden, aber nicht am Geld hängen. Wir sollen geistlich mit unserem Besitz umgehen. Nicht auf Kosten anderer uns bereichern. Abgeben von dem, was wir nicht unbedingt brauchen. Wir sollen uns nicht ausbeuten lassen, aber durchschauen, dass wir in einem System des Ausbeutens leben. Frieden gibt es nicht ohne gerechtes Teilen. Aber da liegen noch große Herausforderungen vor uns. Herausforderungen für Kirchen und Gemeinden, Gemeinschaften und uns als Einzelne.

Einer meiner theologischen Lehrer an der Universität in Heidelberg hat zu uns Studierenden gesagt: „Wenn Sie den Zehnten von ihren jetzigen überschaubaren Mitteln nicht geben, werden Sie es später, wo Sie vielleicht gut verdienen, erst recht nicht tun. Dabei ist der Zehnte nur ein Zeichen dafür, dass uns eigentlich nichts gehört. Alles Lebenswichtige ist ein Geschenk. Wenn ich den Zehnten meines Besitzes gebe, bringe ich zum Ausdruck, dass ich mein Leben und alles, was ich habe, von Gott geliehen habe.“

 Da wachsen wir in der Nachfolge Jesu.

Autor: Pfarrer Hans-Martin Steffe

Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

...more
View all episodesView all episodes
Download on the App Store

ERF Plus - Bibel heuteBy ERF - Der Sinnsender

  • 5
  • 5
  • 5
  • 5
  • 5

5

1 ratings


More shows like ERF Plus - Bibel heute

View all
ICF München | Podcast by ICF München e.V.

ICF München | Podcast

7 Listeners

Johannes Hartl über die Philosophie des wahren Lebens by Dr. Johannes Hartl

Johannes Hartl über die Philosophie des wahren Lebens

11 Listeners

Das Wissen | SWR by SWR

Das Wissen | SWR

108 Listeners

Worthaus Podcast by Worthaus

Worthaus Podcast

5 Listeners

ERF Plus - Wort zum Tag by ERF - Der Sinnsender

ERF Plus - Wort zum Tag

0 Listeners

ERF Plus - Anstoß by ERF - Der Sinnsender

ERF Plus - Anstoß

1 Listeners

Psychologie to go! by Dipl. Psych. Franca Cerutti

Psychologie to go!

53 Listeners

Spektrum-Podcast by detektor.fm – Das Podcast-Radio

Spektrum-Podcast

16 Listeners

Unter Pfarrerstöchtern by DIE ZEIT

Unter Pfarrerstöchtern

63 Listeners

11KM Stories by Tagesschau

11KM Stories

299 Listeners

Quarks Daily by Quarks

Quarks Daily

37 Listeners

Das Wort und das Fleisch by Worthaus

Das Wort und das Fleisch

3 Listeners

Die Ernährungs-Docs - Essen als Medizin by NDR

Die Ernährungs-Docs - Essen als Medizin

18 Listeners

Kalenderblatt by Deutschlandfunk

Kalenderblatt

2 Listeners

Gedanken zur Tageslosung by Christus Zentrum Arche Elmshorn

Gedanken zur Tageslosung

1 Listeners