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Der heutige Bibeltext steht in direktem Zusammenhang mit der Verklärung Jesu am Tag oder wahrscheinlich eher in der Nacht zuvor. Bei diesem Ereignis hatte Jesus Petrus, Johannes und Jakobus - also seine drei engsten Jünger - auf einen Berg zum Beten mitgenommen. Während Jesus betete, veränderte sich sein Gesicht, seine Kleidung strahlte und Mose und Elia erschienen – ebenfalls von einem herrlichen Glanz umgeben – und sprachen mit Jesus. Die Jünger waren ziemlich geflasht von diesem Erlebnis – wie man heute sagen würde. Mehr als eindrücklich sahen sie Jesus in seiner himmlischen Herrlichkeit. Es war kein Traum, sondern ein wirkliches Erlebnis, das bleibenden Eindruck bei ihnen hinterließ.
Gipfelerlebnisse mit Jesus ermutigen auch heute, hinterlassen Eindruck, bauen auf. Ich fühle mich gut nach einem gut besuchten Lobpreisabend mit euphorischer Stimmung, einer Konferenz mit motivierenden Rednern und intensiven Gebetszeiten oder auch nach einer ganz persönlichen Zeit mit Gott in der majestätischen Schönheit der Natur. Es scheint, als ob Gottes Macht greifbar nahe ist. In solchen Momenten ist es für mich undenkbar, dass ich jemals an Gottes Macht zweifeln könnte.
Doch nach jedem Gipfelerlebnis kommt der Abstieg. Nach jeder Auszeit mit Gott der Alltag. Nach jeder beglückenden Erfahrung die Realität einer Welt voller Leid, Angst, Not und Zweifel. Und so stieg auch Jesus mit seinen Jüngern am nächsten Morgen wieder vom Berg hinab. Aus der himmlischen Herrlichkeit stieg Jesus wieder herab in zwischenmenschliche Konflikte, Not und Leid. Unten am Berg erwartete Jesus eine Menschenmenge. Mittendrin die übrigen Jünger, die sich gerade mit einigen Schriftgelehrten stritten, wie uns der Evangelist Markus in seinem Evangelium berichtet. Lukas erzählt davon nichts. Mitten in der Menge auch ein Mann mit seinem Sohn, seinem einzigen Sohn. Für uns heute vielleicht nur eine Randbemerkung. In der damaligen Kultur war der einzige Sohn aus gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und erbrechtlichen Gründen unendlich wichtig für einen Vater. Er war quasi seine Altersversorgung und sicherte den Fortbestand der Familie. Hier war der einzige Sohn allerdings schwer krank. Der Junge schrie, er hatte Schaum vor dem Mund, machte unkontrollierte Bewegungen. Diese Merkmale erinnern uns heute an eine Epilepsie. Die Bibel sieht die Ursache in einer Besessenheit von einem bösen Geist, was bis zu einem selbstzerstörerischen Verhalten führt. Der Junge war am Ende seiner Kräfte. Der Vater verzweifelt. Beide litten. Es schien ausweglos. In seiner Not bat der Vater die Jünger um Hilfe.
Schon am Anfang des 9. Kapitels des Lukasevangeliums lesen wir, wie Jesus die Jünger beauftragte, überall die Botschaft von Gottes Reich zu verkünden und Kranke gesund zu machen. Was diese auch mit großem Erfolg taten. Doch diesmal blieben sie erfolglos. Der Kranke wurde nicht gesund, das Leid nicht gelindert.
Ich frage mich, wie sieht das bei heutigen Christen aus? Sind sie heute nicht oft genauso „erfolglos“, wie die Jünger damals? Wie oft stehen sie hilflos vor Not? Wie oft haben sie Streit, Konflikten oder Hass nichts entgegenzusetzten?
Während Jesus also mit den drei Jüngern eine unbeschreibliche Herrlichkeit auf dem Verklärungsberg erlebte, enthüllte sich unten am Fuße des Berges eine erschreckende Ohnmacht der restlichen Jünger. Welche Blamage für die Jünger. Welche Hoffnungslosigkeit für den Vater, der doch seine ganze Hoffnung auf die Jünger gesetzt hatte. Welche Enttäuschung für Jesus, der eigentlich erwartete, dass der Glaube seiner Jünger groß genug war, um die gleichen Wunder zu bewirken, die er vollbrachte. Das zeigt seine recht schroffe Antwort. „Oh, du ungläubiges und verkehrtes Geschlecht…“, sagte Jesus. „Verkehrt“ bedeutet „verdreht“, „verbogen“, also in die falsche Richtung gehend. Jesus bemängelte den Glauben seiner Jünger und des Volkes Israels. Ihm fehlte der kindliche Glaube, der sich ganz auf Gott ausrichtet und alles von Gott erwartet. So ist Vollmacht eben kein stets abrufbares Konto, das Christen bekommen. Vollmacht war und ist an Jesus gekoppelt. Sie muss immer wieder neu erbeten werden. Sie ist kein Selbstläufer. Vollmacht geschieht in gläubiger Verbundenheit mit Jesus und liegt in der Souveränität von Jesus.
Zurück zur Geschichte. Mehr Tal geht kaum. Streit, Krankheit, Leid, Blamage, Hoffnungslosigkeit, Enttäuschung, Zweifel. Der Evangelist Lukas berichtet uns sehr nüchtern, was Jesus in diesem ganzen Elend tat: „Jesus bedrohte den unreinen Geist und machte den Knaben gesund.“ Normalerweise versuchten damals Exorzisten, also Dämonenaustreiber, einen Dämon durch die Beschwörung eines höheren Geistes auszutreiben. Manchmal benutzten sie auch stinkende Wurzeln oder andere unangenehme oder gar schmerzhafte Methoden. Jesus dagegen gebietet dem Dämon einfach auszufahren. Ohne Berührung, Rituale oder Hilfsmittel. Ziemlich unspektakulär. Nur mit seinem Wort. Doch gerade damit zeigt er seine große Vollmacht. Er muss keinen höheren Geist anrufen, er ist selbst der Sohn Gottes, dem alle Geister gehorchen müssen. Jesus als Herr über Dämonen, Krankheiten und Naturkräfte – so tritt er auch in dieser Begebenheit vor unsere Augen.
Jesus hat Macht in unseren tiefsten Tälern. Wenn die Medizin nichts mehr tun kann. Jesus kann. Wenn Menschen am Ende ihrer Kräfte sind und nicht mehr weiter wissen. Jesus ist nicht am Ende und hat einen Weg. Wenn Menschen in Hoffnungslosigkeit, Enttäuschungen oder Konflikten gefangen sind. Jesus ist größer als menschliche Abgründe und kann in jeder Situation helfen.
Und so bleibt mir nur noch am Ende dieser Andacht ein Gebet zu sprechen: Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben. Begegne mir in meinem Unglauben und hilf mir, dass ich dir immer mehr vertrauen kann
Autor: Kathrin Gottschick
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By ERF - Der Sinnsender5
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Der heutige Bibeltext steht in direktem Zusammenhang mit der Verklärung Jesu am Tag oder wahrscheinlich eher in der Nacht zuvor. Bei diesem Ereignis hatte Jesus Petrus, Johannes und Jakobus - also seine drei engsten Jünger - auf einen Berg zum Beten mitgenommen. Während Jesus betete, veränderte sich sein Gesicht, seine Kleidung strahlte und Mose und Elia erschienen – ebenfalls von einem herrlichen Glanz umgeben – und sprachen mit Jesus. Die Jünger waren ziemlich geflasht von diesem Erlebnis – wie man heute sagen würde. Mehr als eindrücklich sahen sie Jesus in seiner himmlischen Herrlichkeit. Es war kein Traum, sondern ein wirkliches Erlebnis, das bleibenden Eindruck bei ihnen hinterließ.
Gipfelerlebnisse mit Jesus ermutigen auch heute, hinterlassen Eindruck, bauen auf. Ich fühle mich gut nach einem gut besuchten Lobpreisabend mit euphorischer Stimmung, einer Konferenz mit motivierenden Rednern und intensiven Gebetszeiten oder auch nach einer ganz persönlichen Zeit mit Gott in der majestätischen Schönheit der Natur. Es scheint, als ob Gottes Macht greifbar nahe ist. In solchen Momenten ist es für mich undenkbar, dass ich jemals an Gottes Macht zweifeln könnte.
Doch nach jedem Gipfelerlebnis kommt der Abstieg. Nach jeder Auszeit mit Gott der Alltag. Nach jeder beglückenden Erfahrung die Realität einer Welt voller Leid, Angst, Not und Zweifel. Und so stieg auch Jesus mit seinen Jüngern am nächsten Morgen wieder vom Berg hinab. Aus der himmlischen Herrlichkeit stieg Jesus wieder herab in zwischenmenschliche Konflikte, Not und Leid. Unten am Berg erwartete Jesus eine Menschenmenge. Mittendrin die übrigen Jünger, die sich gerade mit einigen Schriftgelehrten stritten, wie uns der Evangelist Markus in seinem Evangelium berichtet. Lukas erzählt davon nichts. Mitten in der Menge auch ein Mann mit seinem Sohn, seinem einzigen Sohn. Für uns heute vielleicht nur eine Randbemerkung. In der damaligen Kultur war der einzige Sohn aus gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und erbrechtlichen Gründen unendlich wichtig für einen Vater. Er war quasi seine Altersversorgung und sicherte den Fortbestand der Familie. Hier war der einzige Sohn allerdings schwer krank. Der Junge schrie, er hatte Schaum vor dem Mund, machte unkontrollierte Bewegungen. Diese Merkmale erinnern uns heute an eine Epilepsie. Die Bibel sieht die Ursache in einer Besessenheit von einem bösen Geist, was bis zu einem selbstzerstörerischen Verhalten führt. Der Junge war am Ende seiner Kräfte. Der Vater verzweifelt. Beide litten. Es schien ausweglos. In seiner Not bat der Vater die Jünger um Hilfe.
Schon am Anfang des 9. Kapitels des Lukasevangeliums lesen wir, wie Jesus die Jünger beauftragte, überall die Botschaft von Gottes Reich zu verkünden und Kranke gesund zu machen. Was diese auch mit großem Erfolg taten. Doch diesmal blieben sie erfolglos. Der Kranke wurde nicht gesund, das Leid nicht gelindert.
Ich frage mich, wie sieht das bei heutigen Christen aus? Sind sie heute nicht oft genauso „erfolglos“, wie die Jünger damals? Wie oft stehen sie hilflos vor Not? Wie oft haben sie Streit, Konflikten oder Hass nichts entgegenzusetzten?
Während Jesus also mit den drei Jüngern eine unbeschreibliche Herrlichkeit auf dem Verklärungsberg erlebte, enthüllte sich unten am Fuße des Berges eine erschreckende Ohnmacht der restlichen Jünger. Welche Blamage für die Jünger. Welche Hoffnungslosigkeit für den Vater, der doch seine ganze Hoffnung auf die Jünger gesetzt hatte. Welche Enttäuschung für Jesus, der eigentlich erwartete, dass der Glaube seiner Jünger groß genug war, um die gleichen Wunder zu bewirken, die er vollbrachte. Das zeigt seine recht schroffe Antwort. „Oh, du ungläubiges und verkehrtes Geschlecht…“, sagte Jesus. „Verkehrt“ bedeutet „verdreht“, „verbogen“, also in die falsche Richtung gehend. Jesus bemängelte den Glauben seiner Jünger und des Volkes Israels. Ihm fehlte der kindliche Glaube, der sich ganz auf Gott ausrichtet und alles von Gott erwartet. So ist Vollmacht eben kein stets abrufbares Konto, das Christen bekommen. Vollmacht war und ist an Jesus gekoppelt. Sie muss immer wieder neu erbeten werden. Sie ist kein Selbstläufer. Vollmacht geschieht in gläubiger Verbundenheit mit Jesus und liegt in der Souveränität von Jesus.
Zurück zur Geschichte. Mehr Tal geht kaum. Streit, Krankheit, Leid, Blamage, Hoffnungslosigkeit, Enttäuschung, Zweifel. Der Evangelist Lukas berichtet uns sehr nüchtern, was Jesus in diesem ganzen Elend tat: „Jesus bedrohte den unreinen Geist und machte den Knaben gesund.“ Normalerweise versuchten damals Exorzisten, also Dämonenaustreiber, einen Dämon durch die Beschwörung eines höheren Geistes auszutreiben. Manchmal benutzten sie auch stinkende Wurzeln oder andere unangenehme oder gar schmerzhafte Methoden. Jesus dagegen gebietet dem Dämon einfach auszufahren. Ohne Berührung, Rituale oder Hilfsmittel. Ziemlich unspektakulär. Nur mit seinem Wort. Doch gerade damit zeigt er seine große Vollmacht. Er muss keinen höheren Geist anrufen, er ist selbst der Sohn Gottes, dem alle Geister gehorchen müssen. Jesus als Herr über Dämonen, Krankheiten und Naturkräfte – so tritt er auch in dieser Begebenheit vor unsere Augen.
Jesus hat Macht in unseren tiefsten Tälern. Wenn die Medizin nichts mehr tun kann. Jesus kann. Wenn Menschen am Ende ihrer Kräfte sind und nicht mehr weiter wissen. Jesus ist nicht am Ende und hat einen Weg. Wenn Menschen in Hoffnungslosigkeit, Enttäuschungen oder Konflikten gefangen sind. Jesus ist größer als menschliche Abgründe und kann in jeder Situation helfen.
Und so bleibt mir nur noch am Ende dieser Andacht ein Gebet zu sprechen: Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben. Begegne mir in meinem Unglauben und hilf mir, dass ich dir immer mehr vertrauen kann
Autor: Kathrin Gottschick
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