ERF Plus - Bibel heute

Die Heimkehr


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Nichts, nichts mehr ist da. Jerusalem liegt in Trümmern. Wo früher der Tempel Salomos stand, grasen jetzt wilde Tiere. Die Mauern sind eingerissen. Dieser Haufen Schutt soll einst die prächtige Hauptstadt des Volkes Gottes gewesen sein, der Ort, an dem der Herr wohnte? Davon ist wirklich nichts mehr übrig. Und seine Bewohner sind verschleppt worden, in ein fernes Land. An den Flüssen Babylons leben sie jetzt, 1.000 Kilometer entfernt. Und hier weinen sie und klagen, wenn sie an Jerusalem denken, an Zion, die Stadt Gottes. Die Babylonier wollen, dass die Judäer ihnen ein Lied singen, über Zion. Aber wie könnten sie dem Herrn ein Lied singen, in einem fremden Land? Sie sind wie entwurzelte Bäume, getrennt von ihrem Ursprung, vom Segen ihres Gottes. Das Leid ist übergroß. Weinen statt Singen, alle Tage. Hat ihr Gott sie denn wirklich ganz und gar verlassen?

Die Heimat verloren

So könnte ein Außenstehender es beschrieben haben, was vor 2.600 Jahren im Land Israel und im heutigen Irak passierte. Die Babylonier hatten Jerusalem erobert und zerstört, wie der Prophet Jeremia es immer wieder angekündigt hatte. Immer wieder hatte er das Volk aufgerufen, zum Herrn umzukehren, Buße für Sünden zu tun. Den Götzendienst zu lassen. Doch die Menschen wollten nicht hören, verehrten ihre eigene Stärke statt ihren Gott. Beteten ihren Reichtum an, ihren Verstand und andere Götzen. Und so kam das Leid über sie, die Babylonier machten kurzen Prozess und verschleppten einen großen Teil der Überlebenden des Krieges in ihre Hauptstadt im heutigen Irak.

Was muss das für ein Trauma gewesen sein, für alle, Alte, Junge, Frauen, Männer und für die Kinder. Verwandte getötet, sie selbst aus der Heimat verschleppt in ein fremdes Land. Psalm 137 beschreibt ihre Gefühle sehr klar, die Klage, die Bitterkeit und auch den Hass gegen ihre Unterdrücker.

Im Jahr 1978 wurde in Deutschland aus diesem Psalm ein Popsong gemacht, an den ich mich noch gut erinnere. „By the rivers of Babylon“ hieß er und war ungeheuer erfolgreich. Aber das, was die Israeliten in der Zeit vor 2600 Jahren wirklich erlebten, war kein fröhlicher Popsong, zu dem man tanzen konnte.

Es gibt Hoffnung!

Das Volk klagt in Babylon. In Gefangenschaft. In genau diese Situation platzt plötzlich eine Nachricht: „Jeremia hat wieder gesprochen! Er verkündet wieder Gottes Wort! Und dieses Mal ist es völlig anders!“ – Vielleicht ist es so gewesen, als die Verschleppten das erste Mal diese Worte aus Jeremia 31 hörten und lasen. Sie sind wirklich ganz anders als die Warnungen und Prophezeiungen, die der Prophet davor so oft verkünden musste. Gott spricht durch Jeremia und sagt: „Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte. 4 Ich will dich wiederum bauen, dass du gebaut sein sollst, du Jungfrau Israel“.

Ja, Jerusalem soll wieder gebaut werden, das Volk Israel soll zurückkommen in seine Heimat, und soll wieder das Volk Gottes sein!

Und dann, ein paar Verse weiter, kommt diese herrliche Stelle: „Siehe, ich will sie aus dem Lande des Nordens bringen und will sie sammeln von den Enden der Erde, unter ihnen Blinde und Lahme, Schwangere und junge Mütter, dass sie als große Gemeinde wieder hierher kommen sollen. 9 Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten.“

Das Land des Nordens: Beim Lesen ist mir aufgefallen, dass Babylon gar nicht nördlich von Israel liegt, sondern östlich. Babylonien ist also nicht das Land des Nordens. Es gibt Ausleger, die diese Stelle auf das 20.Jahrhundert beziehen. Auf die Rückkehr der Juden aus Europa nach Israel. Nach der Verfolgung durch die Nationalsozialisten und dem Holocaust. Europa liegt nördlich von Israel. Und damals, nach dem 2. Weltkrieg, kamen tatsächlich auch Lahme, die die KZs überlebt hatten, Schwangere und junge Mütter. Sie kamen weinend, weil sie ihre Lieben verloren hatten, durch das Morden der Nazis und ihrer Helfer. Aber der Herr tröstete sie und leitete sie ins Gelobte Land, ins heutige Israel. Wie vor über 2.500 Jahren Gott die babylonische Gefangenschaft beendete und sein Volk nach Hause zurückführte, nach Jerusalem, das wiederaufgebaut wurde, wie Jeremia es verkündet hatte.

Die Bedeutung der Prophezeiung

Ich glaube, diese Prophezeiung hat mehrere Bedeutungen, wie so viele biblische Prophezeiungen. Ich meine, Gott spricht hier durch Jeremia wirklich auch von der Rückkehr seines Volkes nach Israel vor fast 80 Jahren. Er redet auch davon, dass an den Bergen Samaria wieder Weinberge gepflanzt werden. Im Norden Israels haben die Rückkehrer tatsächlich wieder Weinberge gepflanzt. Die Prophezeiung hat sich erfüllt. Und auch diese Worte haben sich erfüllt: „Der Israel zerstreut hat, der wird’s auch wieder sammeln und wird es hüten wie ein Hirte seine Herde; denn der HERR wird Jakob erlösen und von der Hand des Mächtigen erretten.“ 

Die Mächtigen hatten tatsächlich versucht, die Juden auszulöschen. Aber der Herr hat den Rest seines Volkes gerettet und zurück ins Gelobte Land gebracht. Wie damals zur Zeit Jeremias. Dabei gibt es weiter Leid, Weinen und Klagen, auch in Israel. Und in aller Welt. Aber der Herr wird für sein Volk sorgen. Der Hüter Israels schläft und schlummert nicht, heißt es in Psalm 121. Noch eine Verheißung, die für immer gilt.

Dieser Text aus Jeremia 31 hat aber, wie ich finde, noch eine dritte Bedeutung. Und die gilt für uns in der Gegenwart. Gott will die Menschen sammeln, von allen Enden der Erde, auf dass sie als große Gemeinde zu ihm kommen. Das kann ich auch auf die weltweite Gemeinde der Christen beziehen. In allen Ländern der Welt wird heute das Evangelium gepredigt, oft unter Not und Verfolgung. Denn Gott will, dass alle Menschen zu ihm kommen. Er will uns trösten und leiten, er will uns zu Wasserbächen führen auf ebenem Wege, auf dem wir nicht straucheln. Er will uns das geben, was unsere Seele braucht. Das ist seine Gegenwart, das lebendige Wasser, von dem Jesus im Neuen Testament spricht.

Wenn wir beten, sind wir ganz dicht bei ihm. Und noch viel besser: Er lebt in uns, wenn wir an Jesus als unseren Herrn und Erlöser glauben. Das ist ein großartiges Geschenk, das uns Gott aus Liebe schenkt, denn er hat uns zu sich gezogen aus lauter Güte. Das heißt nicht, dass jetzt alles gut läuft, so wie wir uns das wünschen. Es wird immer Rückschläge geben, Kummer und Leid, solange wir hier auf der Welt sind. Aber Gott trägt und tröstet uns, wie Jeremia es sagt. Er lässt uns nicht fallen. Wir können ihm vertrauen.

Und dieser Text hat, glaube ich, noch eine vierte Bedeutung: Sie weist auf die Zukunft. Jesus wird zurückkommen und alle, die an ihn glauben, zu sich holen. So steht es auch in der Offenbarung des Johannes, dem letzten Buch der Bibel. Und zwar auch von allen Enden der Erde. Dann wird er uns für immer in sein Reich rufen. Das ist das, was wir Himmel nennen. Die Ewigkeit, das Paradies, in dem es kein Leid und kein Klagen mehr gibt. „Denn ich will ihr Trauern in Freude verwandeln und sie trösten und sie erfreuen nach ihrer Betrübnis“, sagt Gott durch Jeremia. Und das gilt für uns heute. Und auch für unsere Zukunft, wenn wir auf ewig beim Herrn, unserem Gott sind.

Jeremia hat also eine Prophezeiung geschrieben, die durch die Jahrtausende reicht, bis zu uns heute und noch darüber hinaus. Ein gewaltiger Text, über den wir nur staunen und uns freuen können. Denn Gott hat Wunderbares für uns im Sinn.

Autor: Jens Wellhöner

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