
Sign up to save your podcasts
Or


Da setzt sich einer aber voll ein. „Ich suche deine Gunst.“ „Ich bedenke meine Wege.“ „Ich eile und säume nicht.“ Und zur Mitternacht steht er auch noch auf – zu einer Zeit, in der andere sich erholen und im Schlaf wieder neue Kraft sammeln. Es muss um sehr viel gehen, wenn sich der Psalmbeter so ins Zeug legt.
Sehr geschickt setzt der Beter mit dem ersten und letzten Vers in dieser achten Strophe des
Darum also geht es. Der Beter hat ein großes Erbteil vor Augen. Er hat seinen Anteil an etwas überaus Kostbarem. Die Neue Genfer Übersetzung sagt es so: „HERR, du selbst bist mein kostbarer Schatz.“
Wenn von Schätzen die Rede ist, werden Menschen hellhörig. Wer abenteuerlich gestimmt ist, denkt vielleicht an die Schatzinsel, den Roman von Robert Louis Stevenson. Andere spazieren mit ihren Metalldetektoren durch historisch bedeutsame Landstriche und hoffen, vergrabene Münzen, Schwerter oder andere Kostbarkeiten aufzuspüren. Oft ist es vergebens. Aber es sind auf diese Weise auch schon wahre Kostbarkeiten entdeckt worden.
Der Anteil oder Schatz, den der Psalmbeter im Blick hat, ist aber noch viel mehr als alle vorstellbaren Goldschätze oder Edelsteinsammlungen. „Du selbst bist mein kostbarer Schatz“, sagt der Beter und meint damit Gott in Person. Martin Luther weist in seiner Übersetzung schon auf das Tun hin: „Das soll mein Erbe sein, dass ich deine Worte halte.“ Doch wörtlich und in der Reihenfolge, wie die Wörter im hebräischen Text erscheinen, steht dort: „Mein Anteil – Gott – sage ich.“
Wer das Wort Gottes so sehr liebt und in so vielen Versen abwechslungsreich besingt, der kennt dieses Wort, die Tora, sehr genau. Wenn der Psalmbeter einer der bibelkundigen Gelehrten, vielleicht ein Priester ist, dann weiß er eines ganz gewiss: Gott hat sich selbst zu einem Anteil, zu einem Erbteil und Schatz der Leviten eingesetzt.
So heißt es im 4. Buch Mose, Kapitel 18, Vers 20: „Und der Herr sprach zu Aaron: Du sollst in ihrem Lande kein Erbteil besitzen, auch keinen Anteil unter ihnen haben; denn ich bin dein Anteil und dein Erbteil inmitten der Israeliten.“
Diese Bestimmung wird an verschiedenen Stellen der Bibel wiederholt. So wird sie auch vom Propheten Hesekiel aufgegriffen. Im Buch Hesekiel, Kapitel 44, Vers 28 steht: „Und Erbbesitz sollen sie – die Priester und Leviten – nicht haben; denn ich bin ihr Erbbesitz. Auch sollt ihr ihnen kein Eigentum an Land geben in Israel; denn ich bin ihr Eigentum.“
Tatsächlich: Gott erklärt sich zum Erbteil, zum Eigentum der Leviten und Priester. Sie sind aus dem Volk ausgesondert für ihren ganzen Einsatz zum Dienst am Tempel, am Heiligtum Gottes. Und Gott bestimmt daher nicht nur Anteile an den Opfergaben der Israeliten zum Anteil für die Priester. Er selbst wird zu diesem Anteil.
Wo immer davon die Rede ist, dass Gott der Schatz, der Anteil oder Erbteil eines Menschen ist, steht diese Ordnung Israels im Hintergrund. „Der Herr ist mein Gut und mein Teil“, sagt David in Psalm 16, Vers 5. Und Asaf betet (Psalm 73,26): „Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.“
Dieser Gedanke setzt sich bei Paulus fort. Christen sind Kinder Gottes und damit auch Erben, (Galater 4,7). Und an Titus schreibt er (Titus 3,4): „damit wir, durch dessen Gnaden gerecht geworden, Erben seien nach der Hoffnung auf ewiges Leben.“ Die Beispiele lassen sich noch fortführen.
Worte, die gerne auch für einen kostbaren Schatz gebraucht werden, den ein Mensch behütet und bewacht. Immer wieder schaut der Beter diesen Schatz des Wortes Gottes an und wacht darüber, dass ihm selbst nichts davon verlorengeht. Die Kostbarkeit göttlicher Worte darf durch nichts verdeckt werden. Sie darf nicht beschmutzt werden. „Gott, ich hüte dein Wort.“
Es folgt eine Art Dreischritt in den Versen 58 bis 60. Der Beter sucht Gottes Gnade. Er umschmeichelt Gott. Und das Wort ist an der Stelle überaus positiv gemeint, ohne jeglichen schlechten Klang. Das Einschmeicheln, das in unserem Sprachgebrauch etwas Tückisches und Verwerfliches hat, hat hier nichts verloren. Hier wirbt einer, der hochgradig verliebt ist, um die Gunst des Geliebten.
Aus der Gnade, die der Beter erfährt, kommt sein Entschluss, seine Wege zu bedenken – Vers 59. Er wägt ab, wo er langgehen kann und wo nicht. Er überprüft sein Herz, seine Gedanken und seine Schritte. Sie sollen auf Gott hin ausgerichtet sein.
Und er macht Tempo. Er schiebt nichts auf die lange Bank. „Ich eile und säume nicht“ – Vers 60. Wer einen Schatz im Blick hat, sieht zu, dass er als erster an der richtigen Stelle ist und gräbt, bevor ein anderer ihm den Schatz streitig macht.
Den Platz bei Gott macht uns niemand streitig. Aber mit diesem Eifer darf ihn nichts ablenken, so zielgerichtet geht der Beter auf Gott zu. Niemand kann ihn aufhalten. Und diese Bremser, diese Gegner – er nennt sie Frevler – gibt es. Ich muss nicht einmal Menschen bemühen. Der Alltag bietet schon genügend Ablenkung und Fallstricke. Dagegen hilft der unbeirrte Blick auf Gott.
Vielleicht braucht es zur Stärkung auch einen besonderen Ort der Ruhe oder eine besondere Zeit. Für den Beter scheint es die Nacht zu sein, in der der Alltag schweigt, die Geschäftigkeit abgelegt ist. Nur noch die Stille vor Gott zählt. Vielleicht der Anblick des großartigen, überwältigend schönen Himmels. Nicht einmal aller Himmel Himmel können Gott fassen. Salomo betet das, als er den Tempel in Jerusalem einweiht – (1. Könige 8,27).
Vom Erbe in Vers 57 ist der Beter mit seinen Gedanken unterwegs und landet bei der Güte, mit der Vers 64 beginnt. Gott ist nichts Abgehobenes. Er ist kein Ideal außerhalb der Realität. „Die Erde ist voll deiner Güte.“ Mitten im Leben entdeckt der Beter Gottes Größe. Und er lernt, Gott zu schauen mit ganz irdischen Mitteln: an dem Reichtum der Natur, der ganzen Schöpfung, des Weltalls und an geschriebenen Worten.
Die Schatzkarte halten wir mit der Bibel in der Hand. Folgen wir ihren Hinweisen. Und sie selbst ist ein Schatz. Hüten wir sie.
Autor: Pfarrer Matthias Keilholz
Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden
By ERF - Der Sinnsender5
11 ratings
Da setzt sich einer aber voll ein. „Ich suche deine Gunst.“ „Ich bedenke meine Wege.“ „Ich eile und säume nicht.“ Und zur Mitternacht steht er auch noch auf – zu einer Zeit, in der andere sich erholen und im Schlaf wieder neue Kraft sammeln. Es muss um sehr viel gehen, wenn sich der Psalmbeter so ins Zeug legt.
Sehr geschickt setzt der Beter mit dem ersten und letzten Vers in dieser achten Strophe des
Darum also geht es. Der Beter hat ein großes Erbteil vor Augen. Er hat seinen Anteil an etwas überaus Kostbarem. Die Neue Genfer Übersetzung sagt es so: „HERR, du selbst bist mein kostbarer Schatz.“
Wenn von Schätzen die Rede ist, werden Menschen hellhörig. Wer abenteuerlich gestimmt ist, denkt vielleicht an die Schatzinsel, den Roman von Robert Louis Stevenson. Andere spazieren mit ihren Metalldetektoren durch historisch bedeutsame Landstriche und hoffen, vergrabene Münzen, Schwerter oder andere Kostbarkeiten aufzuspüren. Oft ist es vergebens. Aber es sind auf diese Weise auch schon wahre Kostbarkeiten entdeckt worden.
Der Anteil oder Schatz, den der Psalmbeter im Blick hat, ist aber noch viel mehr als alle vorstellbaren Goldschätze oder Edelsteinsammlungen. „Du selbst bist mein kostbarer Schatz“, sagt der Beter und meint damit Gott in Person. Martin Luther weist in seiner Übersetzung schon auf das Tun hin: „Das soll mein Erbe sein, dass ich deine Worte halte.“ Doch wörtlich und in der Reihenfolge, wie die Wörter im hebräischen Text erscheinen, steht dort: „Mein Anteil – Gott – sage ich.“
Wer das Wort Gottes so sehr liebt und in so vielen Versen abwechslungsreich besingt, der kennt dieses Wort, die Tora, sehr genau. Wenn der Psalmbeter einer der bibelkundigen Gelehrten, vielleicht ein Priester ist, dann weiß er eines ganz gewiss: Gott hat sich selbst zu einem Anteil, zu einem Erbteil und Schatz der Leviten eingesetzt.
So heißt es im 4. Buch Mose, Kapitel 18, Vers 20: „Und der Herr sprach zu Aaron: Du sollst in ihrem Lande kein Erbteil besitzen, auch keinen Anteil unter ihnen haben; denn ich bin dein Anteil und dein Erbteil inmitten der Israeliten.“
Diese Bestimmung wird an verschiedenen Stellen der Bibel wiederholt. So wird sie auch vom Propheten Hesekiel aufgegriffen. Im Buch Hesekiel, Kapitel 44, Vers 28 steht: „Und Erbbesitz sollen sie – die Priester und Leviten – nicht haben; denn ich bin ihr Erbbesitz. Auch sollt ihr ihnen kein Eigentum an Land geben in Israel; denn ich bin ihr Eigentum.“
Tatsächlich: Gott erklärt sich zum Erbteil, zum Eigentum der Leviten und Priester. Sie sind aus dem Volk ausgesondert für ihren ganzen Einsatz zum Dienst am Tempel, am Heiligtum Gottes. Und Gott bestimmt daher nicht nur Anteile an den Opfergaben der Israeliten zum Anteil für die Priester. Er selbst wird zu diesem Anteil.
Wo immer davon die Rede ist, dass Gott der Schatz, der Anteil oder Erbteil eines Menschen ist, steht diese Ordnung Israels im Hintergrund. „Der Herr ist mein Gut und mein Teil“, sagt David in Psalm 16, Vers 5. Und Asaf betet (Psalm 73,26): „Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.“
Dieser Gedanke setzt sich bei Paulus fort. Christen sind Kinder Gottes und damit auch Erben, (Galater 4,7). Und an Titus schreibt er (Titus 3,4): „damit wir, durch dessen Gnaden gerecht geworden, Erben seien nach der Hoffnung auf ewiges Leben.“ Die Beispiele lassen sich noch fortführen.
Worte, die gerne auch für einen kostbaren Schatz gebraucht werden, den ein Mensch behütet und bewacht. Immer wieder schaut der Beter diesen Schatz des Wortes Gottes an und wacht darüber, dass ihm selbst nichts davon verlorengeht. Die Kostbarkeit göttlicher Worte darf durch nichts verdeckt werden. Sie darf nicht beschmutzt werden. „Gott, ich hüte dein Wort.“
Es folgt eine Art Dreischritt in den Versen 58 bis 60. Der Beter sucht Gottes Gnade. Er umschmeichelt Gott. Und das Wort ist an der Stelle überaus positiv gemeint, ohne jeglichen schlechten Klang. Das Einschmeicheln, das in unserem Sprachgebrauch etwas Tückisches und Verwerfliches hat, hat hier nichts verloren. Hier wirbt einer, der hochgradig verliebt ist, um die Gunst des Geliebten.
Aus der Gnade, die der Beter erfährt, kommt sein Entschluss, seine Wege zu bedenken – Vers 59. Er wägt ab, wo er langgehen kann und wo nicht. Er überprüft sein Herz, seine Gedanken und seine Schritte. Sie sollen auf Gott hin ausgerichtet sein.
Und er macht Tempo. Er schiebt nichts auf die lange Bank. „Ich eile und säume nicht“ – Vers 60. Wer einen Schatz im Blick hat, sieht zu, dass er als erster an der richtigen Stelle ist und gräbt, bevor ein anderer ihm den Schatz streitig macht.
Den Platz bei Gott macht uns niemand streitig. Aber mit diesem Eifer darf ihn nichts ablenken, so zielgerichtet geht der Beter auf Gott zu. Niemand kann ihn aufhalten. Und diese Bremser, diese Gegner – er nennt sie Frevler – gibt es. Ich muss nicht einmal Menschen bemühen. Der Alltag bietet schon genügend Ablenkung und Fallstricke. Dagegen hilft der unbeirrte Blick auf Gott.
Vielleicht braucht es zur Stärkung auch einen besonderen Ort der Ruhe oder eine besondere Zeit. Für den Beter scheint es die Nacht zu sein, in der der Alltag schweigt, die Geschäftigkeit abgelegt ist. Nur noch die Stille vor Gott zählt. Vielleicht der Anblick des großartigen, überwältigend schönen Himmels. Nicht einmal aller Himmel Himmel können Gott fassen. Salomo betet das, als er den Tempel in Jerusalem einweiht – (1. Könige 8,27).
Vom Erbe in Vers 57 ist der Beter mit seinen Gedanken unterwegs und landet bei der Güte, mit der Vers 64 beginnt. Gott ist nichts Abgehobenes. Er ist kein Ideal außerhalb der Realität. „Die Erde ist voll deiner Güte.“ Mitten im Leben entdeckt der Beter Gottes Größe. Und er lernt, Gott zu schauen mit ganz irdischen Mitteln: an dem Reichtum der Natur, der ganzen Schöpfung, des Weltalls und an geschriebenen Worten.
Die Schatzkarte halten wir mit der Bibel in der Hand. Folgen wir ihren Hinweisen. Und sie selbst ist ein Schatz. Hüten wir sie.
Autor: Pfarrer Matthias Keilholz
Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

7 Listeners

10 Listeners

113 Listeners

6 Listeners

0 Listeners

1 Listeners

45 Listeners

19 Listeners

62 Listeners

300 Listeners

40 Listeners

3 Listeners

20 Listeners

2 Listeners

1 Listeners