ERF Plus - Bibel heute

Die Salbung in Betanien


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Diese Begebenheit in Betanien im Hause Simons des Aussätzigen erinnert mich an ein Gespräch mit einem Christen. Wir sprachen über das Gebet und kamen auch auf Gebetsnächte zu sprechen, wie sie mancherorts praktiziert werden. Er sagte zu mir: „Das Gebet ist mir persönlich sehr wichtig, ich beteilige mich gerne an einer Gebetsgemeinschaft und besuche wöchentlich den Frühgebetskreis, der morgens um 6 Uhr in meiner Gemeinde stattfindet. Aber Gebetsnächte sind nichts für mich. Man kann auch übertreiben. Die Nacht ist zum Schlafen da, nicht zum Beten“. Das war seine Überzeugung. Kann ich mein Christsein tatsächlich im einen oder anderen Bereich übertreiben? – Manfred Siebald hat aus einem Gespräch, das er zu diesem Thema führte, ein Lied gemacht: „Ja weißt du“, sagte er, „das ist ja alles schön und gut, man hat ja nichts dagegen, wenn einer Gutes tut; und Glaube ist ja auch nicht schlecht – schon wegen der Moral, dass alles seine Ordnung hat, doch bleib nur hübsch normal. Denn allzu viel ist ungesund“, so sagte er sehr weise und dann gab er mir noch manchen guten Rat; und ich stand da und sagte was und wusste nur das eine, dass mein Herr für mich nicht weniger als alles tat.“ Soweit Manfred Siebald.

Nahezu zeitgleich mit der Begebenheit in Betanien zog Jesus unter dem Jubel vieler Menschen in Jerusalem ein: „Hosianna, gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn“. Nur wenige Tage später schrie die Menge in Bezug auf Jesus: „Kreuzige ihn!“ So nahe stehen Begeisterung und Verwerfung beieinander. Und ich frage mich: Wie stehe ich zu Jesus? Wie viel darf er mir bedeuten? Was ist zumutbar, was ist übertrieben und erregt Ärgernis bei den Menschen in meinem Umfeld? Das Verhalten dieser Frau, die Jesus salbte, gibt mir darauf hilfreich Antworten. Drei Impulse will ich dazu gerne weitergeben.

Impuls Nr. 1:

Alles für uns: Simon gibt ein Gastmahl, zu dem viele eingeladen sind. Eine Frau, vermutlich war es Maria, die Schwester der Martha und des Lazarus, nutzte die Gelegenheit und salbte das Haupt von Jesus und seine Füße mit einem sehr teuren Öl. Die Frau hat in der Begegnung mit Jesus bereits gespürt, was wenige Tage später am Kreuz sichtbar wurde: In Jesus hat sich Gott uns zugewandt. Gott kam, um uns zu erlösen und er hat dafür einen hohen Preis gezahlt. Für Gott war nichts zu viel - er hat mit Jesus sein Liebstes für uns gegeben. Ja, Jesus hat sich hingegeben an uns. Sie hatte kapiert: Ich bin Jesus die Hingabe seines Lebens wert. Ihre Antwort darauf lautete: „Weil Jesus alles für mich gegeben hat, weil er mich so liebt, will auch ich ihm meine Liebe erweisen. Wenn Jesus nichts zu viel war für mich, dann soll mir auch nichts zu viel sein für ihn.“ Deshalb ist ihr Werk ein „gutes Werk": Es ist Ausdruck ihrer Liebe zu Jesus. Und die Flamme dieser Liebe entzündet sich nirgends anders als dort, wo mir aufgeht: Alles tat Jesus für mich.

Impuls Nr. 2:

Etwas für die Armen: Die Empörung über Marias Handeln ist groß. Ihre Kritiker meldeten sich zu Wort. Die Frage steht im Raum: Haben sie nicht Recht? Sind ihre Argumente nicht stichhaltig? Marias Tat war ja nicht schlecht, aber eine kleine Menge Öl hätte doch auch gereicht! Und außerdem: In Jerusalem herrschte wirklich soziale Not. Während des Passahfestes waren die Straßen voll armer Menschen. Nicht zuletzt hatte doch Jesus ausdrücklich dazu aufgerufen, den Armen zu helfen: „Was ihr getan habt einem meiner geringsten Brüder, das habt ihr mir getan“. So gut und richtig das klingt, Jesus macht diese Kosten-Nutzen-Rechnung nicht mit. Jesus sieht nicht nur die Kritik, sondern auch die Quelle, aus der diese kommt. Es ist das kalt-böse Herz der Kritiker. Nach Aussage des Johannes-Evangeliums war Judas ihr Wortführer. Der Judas, der sich mit den Mitgliedern des Hohen Rates verbündet, die planen, Jesus zu töten. Der Judas, der bald darauf geht, um Jesus zu verraten. Sicher: Brot machen und es verteilen, ist gut; dem Leiden wehren, ist gut; den Armen helfen, ist gut. Das alles lehnt Jesus ja gar nicht ab, zu seiner Zeit ist das dran. Aber: Es kann die Liebe zu dem Jesus, der am Kreuz sein Leben für uns gibt, nicht ersetzen. Gutes tun – das ist das eine, noch nicht spezifisch Christliche. Das können viele auch, die sich nicht als Christen verstehen. Doch was Maria tat, kann nur jemand tun, der eine persönliche Beziehung zu Jesus hat. Natürlich sollen Menschen Gutes tun und den Armen helfen. Das bestätigt Jesus ausdrücklich. Doch er hebt das andere hervor: Sie hat ein gutes Werk an mir getan, sie hat meinen Leib gesalbt für mein Begräbnis.

Impuls Nr. 3:

Etwas Ganzes für Jesus: Maria hat begriffen: Meine Antwort muss dem entsprechen, was Jesus für mich getan hat. Deshalb kann meine Antwort nur Hingabe heißen. Und genau das stellt Jesus als Vorbild hin. Dabei können wir heute Maria nicht kopieren. Wir können ihn nicht salben, wie sie das tat. Aber zwei Fragen fordern mich heraus: Bin ich zur Hingabe bereit? Habe ich eine solche Liebe zu Jesus? Wie äußert sie sich?

Bei Maria beobachte ich: Sie betreibt einen hohen Aufwand und erzielt damit praktisch keinen Nutzen, zumindest nicht für sich und andere Menschen. Da frage ich mich: Wie ist das bei mir? Ich muss mir eingestehen, dass in meiner 40jährigen Tätigkeit als Pastor mehrerer Gemeinden und Glaubenswerke die Fragen entscheidend waren: Welchen Nutzen hat das? Was kommt zahlenmäßig dabei heraus? So zu fragen, hat sicher dann und wann seinen Platz. Doch Maria will nur eines: Jesus ehren und erfreuen. Was tue ich vor allem anderen mit dieser Motivation? Ich will es immer mehr einüben: Was ich tue, mein Bibellesen, mein Gebet, meine praktischen Dienste im Hintergrund, das tue ich nicht zuerst für mich, sondern um Jesus zu ehren und ihm eine Freude zu machen. – Noch etwas fällt mir bei Maria auf: Sie schenkt Jesus nicht irgendetwas, sondern das Wertvollste, was sie hatte. Der Wert des Salböls entsprach wohl einem Jahresverdienst. Da darf ich gerne einmal rechnen: Was spende ich für Jesus? Was spende ich dafür, dass das Evangelium bekannt gemacht wird?

Meine Frau und ich haben regelmäßig den Zehnten gegeben. Das war für uns anfangs bei einem bescheidenen Gehalt ein echtes Opfer. Doch später, als wir etwas mehr Geld hatten und weniger brauchten, haben wir oft weit darüber hinaus gespendet, wenn Jesus uns etwas aufs Herz gelegt hat. Das war ohne Verzicht nicht möglich. Bei Maria haben wir gelernt. Sie hatte nicht nur einen Teil gegeben von dem, was sie hatte, sondern das Ganze. Auch wir wollten nicht nur etwas geben von dem, was wir übrighaben, sondern etwas Ganzes.

In Manfred Siebalds Lied geht das Gespräch mit diesen Worten zu Ende: „Es wurde spät, ich musste gehn und gab ihm noch die Hand und sagte ihm, wie gut ich ihn und seinen Rat verstand; und trotzdem sei es so, dass es bei Gott nichts Halbes gibt, dass man ihn, wie sein Wort es sagt, ganz oder gar nicht liebt. Denn Gottes Liebe ist so groß, so ewig und bedingungslos, dass der, den sie erfasst, nicht anders kann als alles diesem Herrn zu geben, Geld und Ehre, Zeit und Leben und zu bitten: „Herr, fang mit mir an!“

Autor: Achim Kellenberger

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