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Vielleicht haben Sie auch während einer Reise im Heiligen Land den Berg Tabor zwischen Nazareth und Tiberias besucht. Dieser markante Berg ist rund 600 Meter hoch und ragt in besonderer Weise aus der umliegenden Jesreel-Ebene heraus. Vielleicht war es diese besondere Lage und auch die fast eiförmige Form der Erhebung, die dazu führte, dass im Jahr 348 der Jerusalemer Bischof Kyrill den Tabor als Ort der Verklärung zu identifizieren suchte. Bis heute ist das Erklimmen des Tabors über die Autoserpentinen oder über die Wanderpfade ein bleibendes Erlebnis. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Christinnen und Christen über die Jahrhunderte auf dem erhaben scheinenden Tabor der Geschichte der Verklärung gedachten.
Doch das Neue Testament schweigt über die Lokalisierung der Geschichte. Lukas erwähnt zwar, dass Jesus zusammen mit Petrus, Johannes und Jakobus auf einen Berg stieg; dieser Berg wird bei Matthäus und Markus, die ebenfalls von der Verklärung berichten, zusätzlich als "hoch" qualifiziert. Weiter wird aber über den Ort der Verklärung nichts ausgesagt.
Schauen wir uns die die Geschichte an, wie sie von Lukas eindrücklich geschildert wird. Eine Woche nach einigen aufregenden Ereignissen wie der Speisung der 5000 oder der Aussendung der 12 Apostel zieht sich Jesus mit dreien seiner Jünger zurück zum Gebet. Es war ein besonderes Privileg, dass Jesus Petrus, Johannes und Jakobus mit sich genommen hat. Diese drei gehörten zum Kreis der Erstberufenen, sie waren es auch, die sich in unmittelbarer Umgebung Jesu bei der Auferweckung der Tochter des Jairus und schließlich im Garten Gethsemane befanden. Später sollte Paulus eben diese drei Jünger im Brief an die Galater als Säulen der Gemeinde beschreiben. Und trotzdem sind diese drei keine Superhelden, sie bleiben einfache Fischer, fehlbare und schwache Menschen, die im weiteren Verlauf insbesondere des Leidensweges Jesu keine rühmlichen Rollen einnahmen und ihren Herrn am Ende alleine ließen oder sogar verrieten.
So gesehen hätte ich mich mit meinen Unzulänglichkeiten und Fehlern gut dazu gesellen können. Denn bei dem, was nun folgt, wäre ich sehr gerne dabei gewesen. „Und als er – Jesus – betete, wurde das Aussehen seines Angesichts ein anderes, und sein Gewand wurde weiß und glänzte,“ erläutert Lukas. Der Theologe und Denker Romano Guardini spricht vom "Wetterleuchten der kommenden Auferstehung des Herrn." Auf dem Tabor kann der Auferstehungsleib Jesu erahnt werden. Das Gebet Jesu lässt das Licht Gottes aufleuchten. Es öffnet einen Spalt zur Ewigkeit. Die Farbe „weiß“ ist die Farbe Gottes. Dieses Licht ist gleißend hell und erleuchtet alles, auch die tiefen Abgründe, die wir erleben, bisweilen auch in uns selbst. Unsere Gebete sind oft unspektakulärer und doch dürfen wir gewiss sein, dass auch sie die Fenster zur Ewigkeit öffnen und das Ewigkeitslicht in unsere Herzen hineinlassen.
Es bleibt nicht bei dem Glanz des Lichtes. Es treten im göttlichen Licht zwei Männer zu Jesus und sprechen mit Jesus. „Die erschienen in himmlischer Klarheit und redeten von seinem Ende, das er in Jerusalem erfüllen sollte,“ schreibt Lukas. Es sind Mose und Elija, die das Gesetz und die Propheten repräsentieren und über den Leidensweg des Messias sprechen. Petrus ergreift das Wort, ohne zu wissen, was er sagt, so Lukas. „Meister, hier ist für uns gut sein! Lasst uns drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine.“ Petrus will den Augenblick festhalten und in feste Formen gießen. Eine menschliche, wohl aber auch unangebrachte Idee, auf die Jesus nicht reagiert. Vielmehr erschien eine Wolke, ein dichter Nebel, aus dem eine Stimme zu hören war: „Dies ist mein auserwählter Sohn; den sollt ihr hören!“ Kaum war die Stimme verklungen, erlosch das göttliche Licht urplötzlich, der Nebel war verschwunden, und es stand Jesus als ganz realer Mensch vor ihnen. Eine kaum vorstellbare Szene. Ein Wechselbad der Gefühle.
Entsetzen, Furcht und Freude gleichermaßen dürfte die Jünger erfüllt haben. „Sie schwiegen und verkündeten in jenen Tagen niemandem, was sie gesehen hatten.“ Vielleicht ist es manchmal gut, besondere Erlebnisse zuerst auf sich wirken zu lassen, bevor eine wie auch immer geartete Analyse erstellt und wieder zur Tagesordnung übergegangen wird.
Eine mir bekannte Malerin hat mir für mein Büro ein Bild des in einem hellen Licht eingetauchten Taborbergs gefertigt. Der Berg Tabor in einem noch gelblichen Abendrot. An turbulenten Tagen schaue ich auf das Bild und versuche in das Taborlicht einzutauchen und zur Ruhe zu kommen. Der Blick auf die göttliche Wirklichkeit kann die Sorge um das Alltägliche relativieren und die Prioritäten zumindest zurechtrücken.
Am heutigen Tag wünsche ich ihnen eben dieses Erleben des Taborlichtes, das Wissen um die Nähe Jesu auch in unserem Alltag, das Erspüren der Möglichkeit zur Öffnung des Fensters zur Ewigkeit durch ein Gebet, wenn es auch nur ein Stoßgebet ist. Im Lichte der Liebe Jesu kann ich die Wahrheit über mich anschauen, auch wenn sie schmerzhaft ist, und neue Freude tanken.
Autor: Norbert Lurz
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By ERF - Der Sinnsender5
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Vielleicht haben Sie auch während einer Reise im Heiligen Land den Berg Tabor zwischen Nazareth und Tiberias besucht. Dieser markante Berg ist rund 600 Meter hoch und ragt in besonderer Weise aus der umliegenden Jesreel-Ebene heraus. Vielleicht war es diese besondere Lage und auch die fast eiförmige Form der Erhebung, die dazu führte, dass im Jahr 348 der Jerusalemer Bischof Kyrill den Tabor als Ort der Verklärung zu identifizieren suchte. Bis heute ist das Erklimmen des Tabors über die Autoserpentinen oder über die Wanderpfade ein bleibendes Erlebnis. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Christinnen und Christen über die Jahrhunderte auf dem erhaben scheinenden Tabor der Geschichte der Verklärung gedachten.
Doch das Neue Testament schweigt über die Lokalisierung der Geschichte. Lukas erwähnt zwar, dass Jesus zusammen mit Petrus, Johannes und Jakobus auf einen Berg stieg; dieser Berg wird bei Matthäus und Markus, die ebenfalls von der Verklärung berichten, zusätzlich als "hoch" qualifiziert. Weiter wird aber über den Ort der Verklärung nichts ausgesagt.
Schauen wir uns die die Geschichte an, wie sie von Lukas eindrücklich geschildert wird. Eine Woche nach einigen aufregenden Ereignissen wie der Speisung der 5000 oder der Aussendung der 12 Apostel zieht sich Jesus mit dreien seiner Jünger zurück zum Gebet. Es war ein besonderes Privileg, dass Jesus Petrus, Johannes und Jakobus mit sich genommen hat. Diese drei gehörten zum Kreis der Erstberufenen, sie waren es auch, die sich in unmittelbarer Umgebung Jesu bei der Auferweckung der Tochter des Jairus und schließlich im Garten Gethsemane befanden. Später sollte Paulus eben diese drei Jünger im Brief an die Galater als Säulen der Gemeinde beschreiben. Und trotzdem sind diese drei keine Superhelden, sie bleiben einfache Fischer, fehlbare und schwache Menschen, die im weiteren Verlauf insbesondere des Leidensweges Jesu keine rühmlichen Rollen einnahmen und ihren Herrn am Ende alleine ließen oder sogar verrieten.
So gesehen hätte ich mich mit meinen Unzulänglichkeiten und Fehlern gut dazu gesellen können. Denn bei dem, was nun folgt, wäre ich sehr gerne dabei gewesen. „Und als er – Jesus – betete, wurde das Aussehen seines Angesichts ein anderes, und sein Gewand wurde weiß und glänzte,“ erläutert Lukas. Der Theologe und Denker Romano Guardini spricht vom "Wetterleuchten der kommenden Auferstehung des Herrn." Auf dem Tabor kann der Auferstehungsleib Jesu erahnt werden. Das Gebet Jesu lässt das Licht Gottes aufleuchten. Es öffnet einen Spalt zur Ewigkeit. Die Farbe „weiß“ ist die Farbe Gottes. Dieses Licht ist gleißend hell und erleuchtet alles, auch die tiefen Abgründe, die wir erleben, bisweilen auch in uns selbst. Unsere Gebete sind oft unspektakulärer und doch dürfen wir gewiss sein, dass auch sie die Fenster zur Ewigkeit öffnen und das Ewigkeitslicht in unsere Herzen hineinlassen.
Es bleibt nicht bei dem Glanz des Lichtes. Es treten im göttlichen Licht zwei Männer zu Jesus und sprechen mit Jesus. „Die erschienen in himmlischer Klarheit und redeten von seinem Ende, das er in Jerusalem erfüllen sollte,“ schreibt Lukas. Es sind Mose und Elija, die das Gesetz und die Propheten repräsentieren und über den Leidensweg des Messias sprechen. Petrus ergreift das Wort, ohne zu wissen, was er sagt, so Lukas. „Meister, hier ist für uns gut sein! Lasst uns drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine.“ Petrus will den Augenblick festhalten und in feste Formen gießen. Eine menschliche, wohl aber auch unangebrachte Idee, auf die Jesus nicht reagiert. Vielmehr erschien eine Wolke, ein dichter Nebel, aus dem eine Stimme zu hören war: „Dies ist mein auserwählter Sohn; den sollt ihr hören!“ Kaum war die Stimme verklungen, erlosch das göttliche Licht urplötzlich, der Nebel war verschwunden, und es stand Jesus als ganz realer Mensch vor ihnen. Eine kaum vorstellbare Szene. Ein Wechselbad der Gefühle.
Entsetzen, Furcht und Freude gleichermaßen dürfte die Jünger erfüllt haben. „Sie schwiegen und verkündeten in jenen Tagen niemandem, was sie gesehen hatten.“ Vielleicht ist es manchmal gut, besondere Erlebnisse zuerst auf sich wirken zu lassen, bevor eine wie auch immer geartete Analyse erstellt und wieder zur Tagesordnung übergegangen wird.
Eine mir bekannte Malerin hat mir für mein Büro ein Bild des in einem hellen Licht eingetauchten Taborbergs gefertigt. Der Berg Tabor in einem noch gelblichen Abendrot. An turbulenten Tagen schaue ich auf das Bild und versuche in das Taborlicht einzutauchen und zur Ruhe zu kommen. Der Blick auf die göttliche Wirklichkeit kann die Sorge um das Alltägliche relativieren und die Prioritäten zumindest zurechtrücken.
Am heutigen Tag wünsche ich ihnen eben dieses Erleben des Taborlichtes, das Wissen um die Nähe Jesu auch in unserem Alltag, das Erspüren der Möglichkeit zur Öffnung des Fensters zur Ewigkeit durch ein Gebet, wenn es auch nur ein Stoßgebet ist. Im Lichte der Liebe Jesu kann ich die Wahrheit über mich anschauen, auch wenn sie schmerzhaft ist, und neue Freude tanken.
Autor: Norbert Lurz
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