Heute vor 200 Jahren beginnt die Geschichte des organisierten Karnevals in Köln. Damals heißt der Prinz noch "Held Carneval". Ansonsten war aber schon vieles wie heute: Es geht um gute Geschäfte mit dem organisierten Frohsinn... Am 10. Februar 1823 besteigt der Kölnischwasser-Fabrikant Emanuel Ciolina Zanoli den "Thron" des "Helden Carneval". In einem goldenen Delphin, der auf eine Kutsche montiert ist, umkreist er mit seinem Gefolge den Neumarkt, den größten Platz im Zentrum der Stadt. Organisiert wurde dieser erste Maskenzug vom "Festordnenden Comité", das sich wenige Tage zuvor gegründet hatte, einzig zu dem Zweck, dem Volksfest einen geordneten Rahmen zu geben. Denn den preußischen Besatzern, waren die "Ausgeburten der Trivialität" ein Dorn im Auge. In dem wilden Karnevalstreiben auf Straßen und Plätzen sahen sie einen Herd von Unruhe und Aufruhr und befürchteten Übergriffe auf Militär und Verwaltung. 200 Jahre später ist aus diesen bescheidenen Anfängen ein auch international beachtetes Event geworden. Über eine Millionen Zuschauer säumen den Zugweg. 600 Millionen Euro werden in der Session umgesetzt: Sitzungen und Bälle, Gastronomie und Hotelübernachtungen, Festartikel und Kostüme spülen viel Geld in die Stadt. Wenn das Festkomitee Kölner Karneval für das Jahr 2023 den 200. Geburtstag des Kölner Karnevals ausruft, dann sieht sich der Dachverband von über 100 Vereinen ganz in der Tradition des "Festordnenden Comités" von 1823. Ganz unbescheiden versteht man sich als Elite der Stadt – mit freundlicher Unterstützung der örtlichen Medien. Sie sind bestens vernetzt in Rat und Verwaltung, in Wirtschaftsverbänden und Sportvereinen sowie der katholischen Kirche. Aus dem "Held" Karneval wurde der Prinz Karneval, aber wie zu Zanolis Zeiten muss man sich die Operettenfigur finanziell leisten können.