ERF Plus - Bibel heute

Gewissheit über das Kommen des Herrn


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Vor 50 Jahren dichtete der Liedermacher Manfred Siebald: „Wir beten laut: Herr, komm doch wieder, und denken still: Doch jetzt noch nicht.“ Sein Lied spiegelt gut wider, welchen Stellenwert die Wiederkunft Christi heute für viele hat: sie liegt in weiter Ferne, das Thema wird nur wenig beachtet.

Das war in der frühen Christenheit völlig anders. Die ersten Gemeinden hatten es sehr schwer. Sie lebten als Minderheit in einer heidnischen Umgebung, und schon kurz nach ihrer Gründung wurden sie verfolgt. Wer sich zu Christus bekannte, setzte sein Leben aufs Spiel – ähnlich wie heute in Ländern, in denen Christenverfolgung herrscht.

So ist es nicht verwunderlich, dass sich diese Menschen nach einer Lösung ihrer Probleme sehnten, und diese wurde in der Wiederkunft Christi gesehen. Jesus hatte seinen Jüngern zugesagt, dass er wiederkommen und dann die Herrschaft der Welt übernehmen würde. Auch wenn er keine Aussagen zum Zeitpunkt gemacht hatte, erwarteten die frühen Christen seine Wiederkunft noch während ihres Lebens. Aber diese Erwartung erfüllte sich nicht.

Als Petrus seinen zweiten Brief an diverse Gemeinden in Kleinasien schrieb, rechnete er mit seiner baldigen Hinrichtung. Vorher wollte er seinen geistlichen Geschwistern noch etwas Ermutigendes auf ihren weiteren Weg mitgeben, und er erinnerte sie an die Zusage von Jesu Rückkehr.

Das Problem, dass die Erwartung einer baldigen Erfüllung dieser Verheißung enttäuscht wurde, konnte noch dadurch verschärft werden, dass Spötter diese für unglaubwürdig erklären würden. Petrus führt drei Argumente an, die helfen sollen, am Glauben an die Wiederkunft Christi festzuhalten.

Erstens zeigt er, dass Gottes Zeitrechnung eine andere ist als die der Menschen. In Psalm 90 heißt es in Vers 4: „Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache.“  Wenn vor Gott völlig andere Maßstäbe gelten als bei den Menschen, wie kann man dann versuchen, Gottes Handeln in die menschliche Zeitrechnung hineinzupressen? Das muss zum Scheitern verurteilt sein. Gott hat Raum und Zeit erschaffen und steht damit außerhalb der menschlichen Zeitrechnung.

Zweitens verweist Petrus auf Gottes Gnade und seinen Willen, dass möglichst viele Menschen die rettende Botschaft von Jesus Christus hören und diese annehmen. Eine schnelle Wiederkunft Christi hätte bedeutet, dass gar nicht so viele Menschen von ihm hörten, und damit keine Chance hätten, an ihn zu glauben.

Drittens schließlich führt Petrus die Sintflut an, bei der alle Menschen vernichtet wurden, bis auf Noah, seine Familie und die Tiere, die er in seiner Arche geborgen hatte. Die Sintflut ist ein Beleg dafür, dass Gott durchaus gewillt ist, allem Bösen ein Ende zu setzen. Vor der Sintflut hatte sich das Schlechte in der Welt durchgesetzt. Es ging dabei nicht um die Vernichtung der gesamten Schöpfung, sondern um einen Neuanfang, einen neuen Bund zwischen Gott und den Menschen, die nach seinem Willen lebten. Das erwartete auch Petrus: die alte Welt würde vergehen, und Christus würde sein endgültiges Friedensreich aufrichten.

Wenn auch der zweite Petrus-Brief an Gemeinden in einer besonderen Situation der Bedrängnis geschrieben worden ist, enthält er doch Botschaften von allgemeiner Gültigkeit.

Alle Spekulationen, wann Jesus Christus wiederkommt, sind hinfällig. Im Laufe der Geschichte hat es immer wieder Spekulationen gegeben, an welchem Tag Jesus wiederkommen würde; und bisher haben sich alle als falsch erwiesen. Es ist nicht sinnvoll, weitere Berechnungen anzustellen; Gott allein weiß den Tag.

Gottes Zusagen gelten, auch wenn sie von manchen Menschen verspottet werden. Auch das hat es immer wieder gegeben, dass Aussagen der Bibel ins Lächerliche gezogen werden. Für Christinnen und Christen gilt aber uneingeschränkt, was in einem alten Lied so ausgedrückt wird: „Des Herrn Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiss.“

In der Regel wird heute der Schwerpunkt auf Gottes Gnade und Barmherzigkeit gelegt. Immerhin hat Gott seinen Sohn Jesus Christus auf die Welt gesandt, um die Menschen zu erretten. Aber Gott ist auch heilig, er ist nicht nur der „liebe Gott“, der alles Unrecht ohne irgendwelche Konsequenzen hinnimmt.

Wie schon die Sintflut gezeigt hat, will er nicht die Menschen vernichten, sondern er will sie auf den rechten Weg bringen. Das galt für die vielen Gerichtsandrohungen, von denen das Alte Testament berichtet: Wenn Gottes Volk sich fremden Göttern zugewandt hatte, wollte Gott es ermahnen, sich ihm wieder zuzuwenden und nach seinem Willen zu leben. Das Ende des heute gelesenen Abschnittes klingt bedrohlich. Aber Petrus verfolgt damit dieselbe Absicht wie die Propheten des Alten Testaments: Er beschreibt, dass die Zustände auf der Erde, die nicht Gottes Willen entsprechen, zu Ende gehen. Das ist der Beginn von etwas Neuem, etwas viel Besserem: einer Welt, in der das Böse keinen Raum mehr hat. 

Damit will Petrus Menschen, die unter einer schweren Situation leiden, ermutigen: alles Leid wird irgendwann ein Ende haben. Sie brauchen nur noch eine begrenzte Zeit durchzuhalten. Schon jetzt gilt Jesu Zusage, dass er immer da ist und hilft, alles Leid zu ertragen; und irgendwann kommt das dauerhafte Ende allen Elends, aller Schmerzen.

Petrus möchte den Blick genau darauf richten: auf die Wiederkunft Christi, die einen Neuanfang bedeutet, das Anbrechen des endgültigen Friedensreiches Gottes.

Wie wäre es, dieses Thema wieder verstärkt in den Blick zu nehmen? In Kürze beginnt die Adventszeit. Christinnen und Christen überall auf der Welt erwarten, Christi Geburt zu feiern. Der zweite Adventssonntag ist im evangelischen Kirchenjahr aber nicht der Vorfreude auf die Geburt Jesu als Kind gewidmet, sondern dem Blick auf seine Wiederkehr als Herrscher der Welt. Wie wäre es, die kommende Adventszeit zum Anlass zu nehmen, Jesu Wiederkommen stärker als bisher in den Blick zu nehmen? Ich frage mich: was ändert sich dann für mich und meinen Glauben? Was ändert sich für Sie, wenn Sie das auch tun? Mögen Sie dieser Frage nachgehen?

Autor: Karin Weishaupt

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