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Manchmal ist es hilfreich, wenn ich den Blick hebe und von dem aufschaue, was mich gerade beschäftigt. Gut, wenn ich mich für einen Moment auf Wesentliches ausrichten kann.
Ich muss an einen kleinen Aufkleber denken. Entdeckt habe ich ihn vor vielen Jahren während einer Konferenz auf dem Schönblick. Auf dem Weg heraus aus dem Konferenzsaal, draußen, in der Nähe der Türen waren auf einer hellen Folie zwei Wörter auf dem Boden aufgebracht: „Blick heben!“
Eine kurze und doppeldeutige Aufforderung. Man hätte auch schreiben können: „Löse dich von deinen Gedanken. Schaue dich um. Nimm wahr, wo du bist. Und, Achtung, in ein paar Metern sind Treppen.“
Genau das möchte ich heute mit Ihnen tun. In Psalm 65 lädt David mich ein, meinen Blick zu heben. Er tut das, indem er mir die großen Taten Gottes vor Augen hält. Er sagt mir: Konzentriere dich darauf!
Gleich zu Beginn des Psalms macht David eine bemerkenswerte Aussage. Er beginnt sein Gebet mit den Worten: „Gott, man lobt dich in der Stille zu Zion, und dir hält man Gelübde.“
Wer als Pilger entweder vom östlich gelegenen Jordantal oder dem Küstenland im Westen nach Jerusalem wanderte, hatte ordentlich Höhenmeter zu überwinden. Die Stadt liegt zwischen 610 und 820 Metern über dem Meeresspiegel. Zum Haus Gottes zu pilgern war für jene, die von Westen und Osten anreisten, mit erheblichem Aufwand verbunden.
Ich finde es bemerkenswert, dass David gleich zu Anfang feststellt: Gott lobt man in der Stille. Oder, wie es die BasisBibel treffend übersetzt: „Für dich ist Schweigen ein Lobgesang.“
Ob ich nach großer Anstrengung oben angekommen, buchstäblich um Luft ringe, mir einfach nur die Worte fehlen oder ich bewusst die Stille wähle, mein Schweigen kann bereits ein Lobgesang für Gott sein. Warum? Weil ich Gottes Gegenwart gesucht habe.
Dann erinnert mich David an Versprechen, die ich Gott gegenüber gemacht habe. Er sagt: „dir hält man Gelübde.“
Ich überlege kurz: Wie war das noch mit meinen Versprechungen in Zeiten der Not? Was wollte ich tun und was lassen, um Gottes Hilfe zu erfahren? Spätestens jetzt, im Haus des Herrn ist es an der Zeit, meine Gelübde einzulösen.
Beim Nachdenken wird David etwas klar. In Vers 4 betet er: „Unsre Missetat drückt uns hart; du wollest unsre Sünde vergeben.“
In der heiligen Gegenwart Gottes fällt mir mit einem Mal auf, was ich im Alltag oft verdränge: Mit meinem Denken und Handeln kann ich vor ihm nicht bestehen. Ich brauche seine Vergebung. Ohne die ist es schlecht um mich bestellt.
Angesichts seiner Vergehen und der Gnade Gottes kommt David zu dem Schluss: „Wohl dem, den du erwählst und zu dir lässt, dass er wohne in deinen Vorhöfen; der hat reichen Trost von deinem Hause, deinem heiligen Tempel.“
Zurzeit von David war das Haus Gottes die Stiftshütte. Später baute König Salomo den ersten Jerusalemer Tempel. In beiden Fällen suchten die Menschen die räumliche Nähe zum Haus Gottes. Ich frage mich, ob das bei den Gläubigen ein Gefühl der Geborgenheit in seiner Gegenwart ausgelöst hat?
Als Christ weiß ich, dass Gott mir da begegnen will, wo ich gerade bin. Ich muss nicht einen bestimmten Ort aufsuchen. In Jesus Christus wendet Gott sich mir zu. Und er versorgt mich mit allem, was ich benötige, um vor ihm zu leben. In der BasisBibel heißt es in Vers 5: „Wir wollen uns satt essen an den Gaben, die uns in deinem Haus erwarten – an den heiligen Gaben deines Tempels.“
Anders gesagt: Wir wollen das Gute feiern, das Gott für uns in seiner Gegenwart bereithält. Das schließt alles ein: Nahrung für den Geist, die Seele und den Körper.
In den Versen 6 bis 9 verändert sich Davids Blick. Er stellt seine Bitten an Gott in einen größeren Zusammenhang: Gott, betet er, du bist die Zuversicht aller. Sogar bis zu den Enden der Erde und den Inseln reicht deine Macht. Die Berge und das Meer, alles ist dir untertan.
Aber Gottes Versorgen umfasst nicht nur die große weite Welt. Für David zeigt es sich auch im Detail. Das wird ab Vers 10 deutlich. Gott schafft die Voraussetzungen dafür, dass das Land fruchtbar ist und es genügend Wasser gibt, damit die Felder bestellt werden können und dann Getreide wächst. Die Ernte ist ein Ausdruck seiner Güte.
Was David in seiner Zeit auf die Landwirtschaft bezogen hat, kann nach meinem Dafürhalten heute weitergefasst werden. In seiner Güte schafft Gott die Voraussetzungen dafür, dass ich meinem Beruf nachgehen kann. Das, was ich an Vermögen erwirtschafte, sei es bescheiden oder in größerem Umfang, ist ebenfalls ein Ausdruck des Wohlwollens Gottes. Und deshalb ist es nur angebracht, beispielsweise vor einer Mahlzeit kurz innezuhalten und Gott für sein Versorgen zu danken.
Lassen Sie mich Davids Gedanken in Psalm 65 so zusammenfassen:
Es ist eine gute Sache, den Blick zu heben und um mich zu schauen. Egal, ob die Worte aus meinem Herzen sprudeln oder ich schweige, weil ich das will oder mit Worten ringe. Gottes Nähe zu suchen, ist wesentlich. Wenn ich diese Perspektive einnehme, werde ich die Welt mit anderen Augen sehen lernen. Plötzlich wird mir Gottes Größe an Stellen begegnen, an denen ich sie zuvor nicht vermutet hatte, und ich werde seine Güte in den Selbstverständlichkeiten des Lebens entdecken.
Autor: Wolf-Dieter Kretschmer
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By ERF - Der Sinnsender5
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Manchmal ist es hilfreich, wenn ich den Blick hebe und von dem aufschaue, was mich gerade beschäftigt. Gut, wenn ich mich für einen Moment auf Wesentliches ausrichten kann.
Ich muss an einen kleinen Aufkleber denken. Entdeckt habe ich ihn vor vielen Jahren während einer Konferenz auf dem Schönblick. Auf dem Weg heraus aus dem Konferenzsaal, draußen, in der Nähe der Türen waren auf einer hellen Folie zwei Wörter auf dem Boden aufgebracht: „Blick heben!“
Eine kurze und doppeldeutige Aufforderung. Man hätte auch schreiben können: „Löse dich von deinen Gedanken. Schaue dich um. Nimm wahr, wo du bist. Und, Achtung, in ein paar Metern sind Treppen.“
Genau das möchte ich heute mit Ihnen tun. In Psalm 65 lädt David mich ein, meinen Blick zu heben. Er tut das, indem er mir die großen Taten Gottes vor Augen hält. Er sagt mir: Konzentriere dich darauf!
Gleich zu Beginn des Psalms macht David eine bemerkenswerte Aussage. Er beginnt sein Gebet mit den Worten: „Gott, man lobt dich in der Stille zu Zion, und dir hält man Gelübde.“
Wer als Pilger entweder vom östlich gelegenen Jordantal oder dem Küstenland im Westen nach Jerusalem wanderte, hatte ordentlich Höhenmeter zu überwinden. Die Stadt liegt zwischen 610 und 820 Metern über dem Meeresspiegel. Zum Haus Gottes zu pilgern war für jene, die von Westen und Osten anreisten, mit erheblichem Aufwand verbunden.
Ich finde es bemerkenswert, dass David gleich zu Anfang feststellt: Gott lobt man in der Stille. Oder, wie es die BasisBibel treffend übersetzt: „Für dich ist Schweigen ein Lobgesang.“
Ob ich nach großer Anstrengung oben angekommen, buchstäblich um Luft ringe, mir einfach nur die Worte fehlen oder ich bewusst die Stille wähle, mein Schweigen kann bereits ein Lobgesang für Gott sein. Warum? Weil ich Gottes Gegenwart gesucht habe.
Dann erinnert mich David an Versprechen, die ich Gott gegenüber gemacht habe. Er sagt: „dir hält man Gelübde.“
Ich überlege kurz: Wie war das noch mit meinen Versprechungen in Zeiten der Not? Was wollte ich tun und was lassen, um Gottes Hilfe zu erfahren? Spätestens jetzt, im Haus des Herrn ist es an der Zeit, meine Gelübde einzulösen.
Beim Nachdenken wird David etwas klar. In Vers 4 betet er: „Unsre Missetat drückt uns hart; du wollest unsre Sünde vergeben.“
In der heiligen Gegenwart Gottes fällt mir mit einem Mal auf, was ich im Alltag oft verdränge: Mit meinem Denken und Handeln kann ich vor ihm nicht bestehen. Ich brauche seine Vergebung. Ohne die ist es schlecht um mich bestellt.
Angesichts seiner Vergehen und der Gnade Gottes kommt David zu dem Schluss: „Wohl dem, den du erwählst und zu dir lässt, dass er wohne in deinen Vorhöfen; der hat reichen Trost von deinem Hause, deinem heiligen Tempel.“
Zurzeit von David war das Haus Gottes die Stiftshütte. Später baute König Salomo den ersten Jerusalemer Tempel. In beiden Fällen suchten die Menschen die räumliche Nähe zum Haus Gottes. Ich frage mich, ob das bei den Gläubigen ein Gefühl der Geborgenheit in seiner Gegenwart ausgelöst hat?
Als Christ weiß ich, dass Gott mir da begegnen will, wo ich gerade bin. Ich muss nicht einen bestimmten Ort aufsuchen. In Jesus Christus wendet Gott sich mir zu. Und er versorgt mich mit allem, was ich benötige, um vor ihm zu leben. In der BasisBibel heißt es in Vers 5: „Wir wollen uns satt essen an den Gaben, die uns in deinem Haus erwarten – an den heiligen Gaben deines Tempels.“
Anders gesagt: Wir wollen das Gute feiern, das Gott für uns in seiner Gegenwart bereithält. Das schließt alles ein: Nahrung für den Geist, die Seele und den Körper.
In den Versen 6 bis 9 verändert sich Davids Blick. Er stellt seine Bitten an Gott in einen größeren Zusammenhang: Gott, betet er, du bist die Zuversicht aller. Sogar bis zu den Enden der Erde und den Inseln reicht deine Macht. Die Berge und das Meer, alles ist dir untertan.
Aber Gottes Versorgen umfasst nicht nur die große weite Welt. Für David zeigt es sich auch im Detail. Das wird ab Vers 10 deutlich. Gott schafft die Voraussetzungen dafür, dass das Land fruchtbar ist und es genügend Wasser gibt, damit die Felder bestellt werden können und dann Getreide wächst. Die Ernte ist ein Ausdruck seiner Güte.
Was David in seiner Zeit auf die Landwirtschaft bezogen hat, kann nach meinem Dafürhalten heute weitergefasst werden. In seiner Güte schafft Gott die Voraussetzungen dafür, dass ich meinem Beruf nachgehen kann. Das, was ich an Vermögen erwirtschafte, sei es bescheiden oder in größerem Umfang, ist ebenfalls ein Ausdruck des Wohlwollens Gottes. Und deshalb ist es nur angebracht, beispielsweise vor einer Mahlzeit kurz innezuhalten und Gott für sein Versorgen zu danken.
Lassen Sie mich Davids Gedanken in Psalm 65 so zusammenfassen:
Es ist eine gute Sache, den Blick zu heben und um mich zu schauen. Egal, ob die Worte aus meinem Herzen sprudeln oder ich schweige, weil ich das will oder mit Worten ringe. Gottes Nähe zu suchen, ist wesentlich. Wenn ich diese Perspektive einnehme, werde ich die Welt mit anderen Augen sehen lernen. Plötzlich wird mir Gottes Größe an Stellen begegnen, an denen ich sie zuvor nicht vermutet hatte, und ich werde seine Güte in den Selbstverständlichkeiten des Lebens entdecken.
Autor: Wolf-Dieter Kretschmer
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