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Mit dem Erinnern ist das so eine Sache.
Es ist zunächst mal eine wertvolle Fähigkeit des Menschen, die ihm ermöglicht, abgespeicherte Erfahrungen und Erlebnisse oder Erlerntes wieder ins Bewusstsein zu rufen. Manchmal geschieht das ganz unbewusst, weil irgendein äußerer Reiz eine Erinnerung anstößt. Oft graben wir aber auch bewusst in unserem Gedächtnis und holen Erinnerungen hervor, so wie wir auf dem PC nach bestimmten Dateien suchen.
Allerdings läuft das Erinnern nicht so objektiv und rein faktisch ab wie die Wiederherstellung einer Computerdatei. Zum menschlichen Erinnern gehören meistens Gefühle, oft auch das Umdeuten oder Interpretieren von Erlebtem. Es findet also ein recht subjektiver Prozess statt, wenn wir uns erinnern. Auch können andere Menschen unser Erinnern ergänzen mit ihren Erinnerungen. Ich weiß noch, dass ich einmal im Gespräch mit meiner Schwester über unsere Kindheit verblüfft feststellte, dass wir zwei ja wohl in verschiedenen Familien groß geworden sein müssen, so unterschiedlich waren unsere Erinnerungen.
Und - wir sind auch in der Lage, Erinnerungen zu verdrängen. Zum Beispiel, wenn sie zu sehr schmerzen oder wir vor ihnen weglaufen wollen, wenn wir eine Wahrheit nicht anerkennen oder sehen wollen. Zum Heilungsprozess in einer Therapie kann dann aber das Hervorholen der Erinnerungen hilfreich sein.
Das Erinnern ist existenziell wichtig für uns Menschen. Es verbindet uns immer wieder mit der Vergangenheit. Durch das Erinnern können wir den Verlauf unseres Lebens beurteilen. Wir können aus Erfahrungen lernen, so dass wir die Gegenwart und die Zukunft besser gestalten können. Menschen, die ihre Erinnerungen durch einen Hirnschaden verlieren, werden eines Teils ihrer Persönlichkeit beraubt, weil in ihrer Biografie plötzlich ein Teil fehlt. Für die Nachwelt kann es auch sehr interessant und wichtig sein, wenn alte Menschen ihre Erinnerungen aufschreiben. So kann das von ihnen Erlebte nicht verschwinden, wenn sie sterben oder dement werden. Auf diese Art werden Wissensschätze gelebten Lebens den nachfolgenden Generationen nutzbar gemacht.
Wie wir mit unseren Erinnerungen umgehen, als Einzelpersonen, aber auch als ganzes Volk, dafür ist in unserer Zeit ein Begriff populär geworden: die Erinnerungskultur. Sie bedeutet, dass man sich aktiv mit der Vergangenheit auseinandersetzt und aus ihr lernt.
Darum geht es dem Beter auch in Psalm 106. Er nimmt sich viel Zeit, das Volk Israel daran zu erinnern, welche Vergangenheit hinter ihm liegt. Den Israeliten wird detailliert vor Augen gehalten, was sie anscheinend allesamt tief in ihrem Inneren vergraben haben: Gottes einzigartiger Weg mit ihnen heraus aus der Sklaverei, durch die Wüste in ein wunderschönes Land, wo es ihnen gut ging. Schon dieser Weg, der begleitet war von Gottes ständiger wunderbarer Bewahrung und Versorgung, ist aber auch gekennzeichnet von immer wiederkehrendem Meckern des Volkes und seinem Ungehorsam gegenüber diesem Gott. Israel lernte nichts aus dem Erlebten, sondern suchte sich ständig eigene Wege, die es dann in die Irre führten. Und in dem versprochenen Land, in das sie endlich doch einziehen durften, wird es noch schlimmer. Die Israeliten erinnern sich an gar nichts mehr und vergessen sogar ihren Gott. Sie leben völlig nach ihrem Ermessen und erleben daraufhin einen beispiellosen Untergang.
Wie gut wäre es gewesen, stattdessen von den Erfahrungen der Alten zu lernen. Diese guten Erfahrungen hätten sie zu einem stabilen Vertrauen in ihren Gott führen können. Daraus wären tragfähige Perspektiven für ihre Zukunft entstanden.
Der Psalmbeter ruft in Vers 43: "ER rettete sie oftmals, aber sie erzürnten ihn mit ihrem Vorhaben und schwanden dahin um ihrer Missetat willen."
Das ist doch zum Verzweifeln! Spätestens an dieser Stelle möchte ich die Israeliten allesamt schütteln und brüllen: Ja merkt ihr es eigentlich nicht? Wie kann man so ignorant sein und wider besseres Wissen immer wieder dieselben Fehler machen? Wozu habt ihr denn eure Erinnerungen? Sie sagen euch doch, dass Gott es gut mit euch meint. Warum lernt ihr nicht daraus?
Ja, warum? Plötzlich werde ich kleinlaut, denn mir wird klar, dass dies das Problem von uns Menschen seit Anbeginn der Zeiten ist, auch meins. Das war schon immer Gottes Leid mit uns, seinen Kindern. Wir werden einfach nicht aus Erfahrung klug! Und ich kann verstehen, dass ihn das oft wütend gemacht hat.
Trotz aller Erinnerungskultur machen wir immer wieder dieselben Fehler. Es ist gut, dass das Vergangene dokumentiert und festgehalten wird, damit wir es schwarz auf weiß haben. Die Bibel, in der wir die Psalmen finden, ist solch ein Dokument der Erinnerung. Hier können wir nachlesen, welche Lösung Gott selbst für unsere hartnäckige Erinnerungsdemenz hat.
In Vers 44 wendet sich das Blatt für das Volk Israel. Es ist, als würde Gott innehalten in seinem Zorn, und dann heißt es: "Da sah er ihre Not an, als er ihre Klage hörte, und gedachte an seinen Bund mit ihnen, und es reute ihn nach seiner großen Güte. Und er ließ sie Barmherzigkeit finden bei allen, die sie gefangen hielten."
Gott steht zu dem Bund, den er mit seinem Volk einst geschlossen hat, und erbarmt sich, indem er ihm zum wiederholten Mal aus seiner schlimmen Lage heraushilft. Später schickt er uns seinen eigenen Sohn, der unsere Fehler stellvertretend auf sich nimmt.
Da, wo wir Menschen es nicht schaffen, unserem Schöpfergott bedingungslos zu vertrauen, erweist er sich als bedingungslos treu. Welch eine Gnade, dass ich mir das immer in Erinnerung rufen und mich darauf berufen darf. Und falls ich es mal vergessen sollte: ich habe meine Bibel mit den Psalmen, die alle davon erzählen, was Menschen seit Urzeiten mit Gott erlebt haben. Davon will ich lernen und meine Gegenwart und Zukunft gestalten lassen von einem liebenden Gott, bei dem auch meine Vergangenheit gut bewahrt ist.
Dankbar kann ich einstimmen in den letzten Vers des Psalms 106:
"Gelobt sei der Herr, der Gott Israels, von Ewigkeit zu Ewigkeit, und alles Volk spreche: Amen! Halleluja!"
Autor: Annette Strunk
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By ERF - Der Sinnsender5
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Mit dem Erinnern ist das so eine Sache.
Es ist zunächst mal eine wertvolle Fähigkeit des Menschen, die ihm ermöglicht, abgespeicherte Erfahrungen und Erlebnisse oder Erlerntes wieder ins Bewusstsein zu rufen. Manchmal geschieht das ganz unbewusst, weil irgendein äußerer Reiz eine Erinnerung anstößt. Oft graben wir aber auch bewusst in unserem Gedächtnis und holen Erinnerungen hervor, so wie wir auf dem PC nach bestimmten Dateien suchen.
Allerdings läuft das Erinnern nicht so objektiv und rein faktisch ab wie die Wiederherstellung einer Computerdatei. Zum menschlichen Erinnern gehören meistens Gefühle, oft auch das Umdeuten oder Interpretieren von Erlebtem. Es findet also ein recht subjektiver Prozess statt, wenn wir uns erinnern. Auch können andere Menschen unser Erinnern ergänzen mit ihren Erinnerungen. Ich weiß noch, dass ich einmal im Gespräch mit meiner Schwester über unsere Kindheit verblüfft feststellte, dass wir zwei ja wohl in verschiedenen Familien groß geworden sein müssen, so unterschiedlich waren unsere Erinnerungen.
Und - wir sind auch in der Lage, Erinnerungen zu verdrängen. Zum Beispiel, wenn sie zu sehr schmerzen oder wir vor ihnen weglaufen wollen, wenn wir eine Wahrheit nicht anerkennen oder sehen wollen. Zum Heilungsprozess in einer Therapie kann dann aber das Hervorholen der Erinnerungen hilfreich sein.
Das Erinnern ist existenziell wichtig für uns Menschen. Es verbindet uns immer wieder mit der Vergangenheit. Durch das Erinnern können wir den Verlauf unseres Lebens beurteilen. Wir können aus Erfahrungen lernen, so dass wir die Gegenwart und die Zukunft besser gestalten können. Menschen, die ihre Erinnerungen durch einen Hirnschaden verlieren, werden eines Teils ihrer Persönlichkeit beraubt, weil in ihrer Biografie plötzlich ein Teil fehlt. Für die Nachwelt kann es auch sehr interessant und wichtig sein, wenn alte Menschen ihre Erinnerungen aufschreiben. So kann das von ihnen Erlebte nicht verschwinden, wenn sie sterben oder dement werden. Auf diese Art werden Wissensschätze gelebten Lebens den nachfolgenden Generationen nutzbar gemacht.
Wie wir mit unseren Erinnerungen umgehen, als Einzelpersonen, aber auch als ganzes Volk, dafür ist in unserer Zeit ein Begriff populär geworden: die Erinnerungskultur. Sie bedeutet, dass man sich aktiv mit der Vergangenheit auseinandersetzt und aus ihr lernt.
Darum geht es dem Beter auch in Psalm 106. Er nimmt sich viel Zeit, das Volk Israel daran zu erinnern, welche Vergangenheit hinter ihm liegt. Den Israeliten wird detailliert vor Augen gehalten, was sie anscheinend allesamt tief in ihrem Inneren vergraben haben: Gottes einzigartiger Weg mit ihnen heraus aus der Sklaverei, durch die Wüste in ein wunderschönes Land, wo es ihnen gut ging. Schon dieser Weg, der begleitet war von Gottes ständiger wunderbarer Bewahrung und Versorgung, ist aber auch gekennzeichnet von immer wiederkehrendem Meckern des Volkes und seinem Ungehorsam gegenüber diesem Gott. Israel lernte nichts aus dem Erlebten, sondern suchte sich ständig eigene Wege, die es dann in die Irre führten. Und in dem versprochenen Land, in das sie endlich doch einziehen durften, wird es noch schlimmer. Die Israeliten erinnern sich an gar nichts mehr und vergessen sogar ihren Gott. Sie leben völlig nach ihrem Ermessen und erleben daraufhin einen beispiellosen Untergang.
Wie gut wäre es gewesen, stattdessen von den Erfahrungen der Alten zu lernen. Diese guten Erfahrungen hätten sie zu einem stabilen Vertrauen in ihren Gott führen können. Daraus wären tragfähige Perspektiven für ihre Zukunft entstanden.
Der Psalmbeter ruft in Vers 43: "ER rettete sie oftmals, aber sie erzürnten ihn mit ihrem Vorhaben und schwanden dahin um ihrer Missetat willen."
Das ist doch zum Verzweifeln! Spätestens an dieser Stelle möchte ich die Israeliten allesamt schütteln und brüllen: Ja merkt ihr es eigentlich nicht? Wie kann man so ignorant sein und wider besseres Wissen immer wieder dieselben Fehler machen? Wozu habt ihr denn eure Erinnerungen? Sie sagen euch doch, dass Gott es gut mit euch meint. Warum lernt ihr nicht daraus?
Ja, warum? Plötzlich werde ich kleinlaut, denn mir wird klar, dass dies das Problem von uns Menschen seit Anbeginn der Zeiten ist, auch meins. Das war schon immer Gottes Leid mit uns, seinen Kindern. Wir werden einfach nicht aus Erfahrung klug! Und ich kann verstehen, dass ihn das oft wütend gemacht hat.
Trotz aller Erinnerungskultur machen wir immer wieder dieselben Fehler. Es ist gut, dass das Vergangene dokumentiert und festgehalten wird, damit wir es schwarz auf weiß haben. Die Bibel, in der wir die Psalmen finden, ist solch ein Dokument der Erinnerung. Hier können wir nachlesen, welche Lösung Gott selbst für unsere hartnäckige Erinnerungsdemenz hat.
In Vers 44 wendet sich das Blatt für das Volk Israel. Es ist, als würde Gott innehalten in seinem Zorn, und dann heißt es: "Da sah er ihre Not an, als er ihre Klage hörte, und gedachte an seinen Bund mit ihnen, und es reute ihn nach seiner großen Güte. Und er ließ sie Barmherzigkeit finden bei allen, die sie gefangen hielten."
Gott steht zu dem Bund, den er mit seinem Volk einst geschlossen hat, und erbarmt sich, indem er ihm zum wiederholten Mal aus seiner schlimmen Lage heraushilft. Später schickt er uns seinen eigenen Sohn, der unsere Fehler stellvertretend auf sich nimmt.
Da, wo wir Menschen es nicht schaffen, unserem Schöpfergott bedingungslos zu vertrauen, erweist er sich als bedingungslos treu. Welch eine Gnade, dass ich mir das immer in Erinnerung rufen und mich darauf berufen darf. Und falls ich es mal vergessen sollte: ich habe meine Bibel mit den Psalmen, die alle davon erzählen, was Menschen seit Urzeiten mit Gott erlebt haben. Davon will ich lernen und meine Gegenwart und Zukunft gestalten lassen von einem liebenden Gott, bei dem auch meine Vergangenheit gut bewahrt ist.
Dankbar kann ich einstimmen in den letzten Vers des Psalms 106:
"Gelobt sei der Herr, der Gott Israels, von Ewigkeit zu Ewigkeit, und alles Volk spreche: Amen! Halleluja!"
Autor: Annette Strunk
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